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Studie: Grabenkämpfe in rechten US-Medien und die Rolle Breitbarts

Das Netz aus Retweets linker und rechter Medien kurz vor den Wahlen zeigt die Asymmetrie. Grafik: Columbia Journalism Review

US-Forscher haben die Rezeption politisch linker und rechter Artikel auf Facebook und Twitter analysiert und kommen zu dem Entschluss: Nicht Lügen haben den öffentlichen Diskurs dominiert, sondern gezielte Desinformation mit einem funken Wahrheit. Als Quelle dieser Taktik identifizierten sie die US-amerikanische, rechtspopulistische Nachrichtenseite Breitbart und ihren Einfluss auf Medien wie Fox News.

Breitbart greift Fox News an

Die Wissenschaftler, unter anderem von Harvard und MIT, analysierten 1,25 Millionen Artikel von 25 Tausend verschiedenen Seiten während des Wahlkampfes und von wem sie auf sozialen Netzwerken geteilt worden sind. Das Ergebnis war ein Netz aus Nachrichtenseiten, mit asymmetrischer Verteilung: Menschen, die Tweets von Hillary Clinton teilten, lasen eher New York Times, CNN und Washington Post. Anhänger Trumps konsumierten vor allem das erst 2007 gegründete Breitbart, mit wenig anderen Veröffentlichungen im Umkreis. Diese Asymmetrie war auf Facebook sowie Twitter beobachten und deshalb, laut den Forschern, nicht auf die Algorithmen der Dienste, sondern auf das Handeln der Nutzer oder organisierter Kampagnen zurückzuführen.

Des weiteren stellten sich die Analysten die Frage, ob jemand, der Breitbart-Artikel teilt, auch Fox News-Artikel teilt? Sie kamen zu der Erkenntnis, dass dies vor den Vorwahlen nicht so war. Gezielte Diffamierung seitens Breitbart gegenüber Fox News trieb die Nutzer eher zum eigenen Angebot. So stellte Breitbart Fox News als Anti-Trump und Pro-Einwanderung dar.

Rechte Medien setzen Agenda

Nach den Vorwahlen einigten sich rechte Medien jedoch auf einen gemeinsamen Gegner: die liberalen Medien. Breitbart und Fox News konnten den Fokus anderer Medien auf Einwanderungspolitik und Clintons E-Mail-Affäre lenken. Liberale Medien waren gezwungen auf diese Themen einzugehen und verschafften ihnen somit Aufmerksamkeit. Die Forscher sprechen von „hyper-parteiischen“ Seiten, welche eine klare Agenda gegen liberale Medien betrieben. Besonders einflussreich war die Seite Ending the Fed, welche laut Buzzfeed für die meisten Fake News-Artikel kurz vor den Wahlen verantwortlich war.

Was wir in unseren Daten gefunden haben, ist ein Netzwerk aus gegenseitig bestärkenden hyper-parteiischen Seiten, die wiederbeleben, was Richard Hofstadter als „den paranoiden Stil in amerikanischer Politik“ beschrieb: aus dem Zusammenhang genommene Wahrheiten verbinden, Unwahrheiten wiederholen, und durch sprunghafte Logik ein fundamental falsches Weltbild kreieren. […] Durch Wiederholung, Variation und Zirkulation über viele weitere, angegliederte Seiten macht das Netzwerk dem Leser seine Behauptungen vertraut, und diese Geläufigkeit des Kern-Narrativs schenkt dem Unglaublichen Glaubwürdigkeit.

Zuletzt stellen die Wissenschaftler fest, dass Leser immer noch Quellen vergleichen und abwägen, welchen Artikeln sie glauben schenken. Jedoch schufen Fox News und insbesondere Breitbart den Nährboden für das, was Trump derzeit umsetzt: Desinformation. Die Forscher rufen etablierte Medien auf, ausgewogen zu berichten und nicht auf Clickbait zu setzen. Nicht Jugendliche aus Mazedonien oder Facebook seien das Problem unserer Zeit, sondern Propaganda.


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Reposted byRKjagger

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