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August 15 2013

Microsoft: DMCA-Löschanträge als Wettbewerbsvorteil?

dmcaIm Zuge des Digital Millenium Copyright Acts der USA können private Unternehmen Löschanträge an Dienste- und Inhalteanbietern, aber auch an Suchmaschinen stellen, wenn sie der Meinung sind, dass diese urheberrechtlich geschütztes Material hosten oder verlinken. Vor allem größere Unternehmen aus der Film- und Musikindustrie, aber auch Microsoft, nutzen diese Möglichkeit um Suchmaschinen, wie Google, mittels voll-automatisierter Systeme über vermeintlich illegale Inhalte zu informieren. Dabei kommt es immer wieder zu teils heftigen Patzern. Nun berichtet TorrentFreak, dass Microsofts Filter in letzter Zeit wohl übereifrig waren und in den Lösch-Listen (Die Microsoft dann zu Google & Co. schickt) auch einige Verweise auf die freie Microsoft Office Alternative “Open Office” von Apache enthalten waren. Wie man an der Liste sieht lagen diese Versionen zwar nicht auf dem offiziellen Tracker von Open Office, darum geht es aber auch nicht wirklich. Vielmehr verdeutlicht dieser Vorfall ein weiteres Mal, dass diese Lösch-Praktiken völlig in-transparent, sowie fehler- und missbrauchsanfällig sind.

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April 13 2013

Open Source Software: exponentielles Wachstum, weniger Copyleft

Vor einiger Zeit berichtete Matthew Aslett am 451 CAOS Theory Blog in einer Serie von Einträgen über den zwischen 2008 und 2012 sinkenden Anteil an Open-Source-Software, der unter der GNU General Public License (GPL) veröffentlicht wird (siehe Abbildung).

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Anteil GPL-lizenzierter Open-Source-Software in ausgewählten Datensätzen zwischen 2008 und 2012 (Quelle: Aslett 2012, 451 CAOS Theory)

Die Besonderheit der GPL ist ihr auch als “Copyleft” bezeichneter “viraler” Charakter: Weiterentwicklungen auf Basis von GPL-lizenzierter Software dürfen nur unter derselben Lizenz weiterverbreitet werden; das bekannteste Beispiel für GPL-lizenzierte Software ist der Linux-Kernel. Aber auch jenseits von Software findet das Copyleft-Prinzip Anwendung – so ist zum Beispiel die Creative-Commons-Lizenz der Wikipedia eine Copyleft-Lizenz.

Im Bereich von Open-Source-Software ist allerdings Aslett zu Folge ein relativer Anstieg der Nutzung solcher Lizenzen zu beobachten, die auf eine Copyleft-Klausel verzichten (z.B. Apache-, BSD- oder MIT-Lizenz). Wichtig ist zu betonen, dass es sich dabei um relative Verschiebungen handelt, in absoluten Zahlen wächst auch der Pool an GPL-lizenziertem Software-Code weiterhin.

In einem Aufsatz für die 9th International Conference on Open Source Systems (OSS 2013) haben sich Gottfried Hofmann, Dirk Riehle, Carsten Kolassa und Wolfgang Mauerer jetzt noch einmal eingehend die Lizenz-Entwicklung in der Zeit vor 2008 – konkret zwischen 1995 und Juni 2007 -vorgenommen (siehe Abbildung).

Untersuchungszeitraum der Studie von Hofmann u.a. (2013, S. 2)

Der am Blog von Dirk Riehle im Volltext (PDF) verfügbare Beitrag bestätigt auf Basis eines Samples, das ca. 30 Prozent des Source-Codes aller aktiven Open-Source-Projekte umfasst, den Trend hin zu Lizenzierung ohne Copyleft in den letzten Jahren. Außerdem identifizieren die Autoren die Zeit rund um 2000/2001 als Wendepunkt in der Entwicklung: seit damals wächst Open-Source-Software ohne Copyleft stärker als Copyleft-Open-Source, (siehe Abbildung, außen vor blieben in der Analyse Mischformen wie die LGPL-Lizenz).

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Logarithmisch skaliertes Wachstum von nicht-Copyleft- (links) und Copyleft-lizenzierten (rechts) Zeilen von Open-Source-Softwarequelltext zwischen 1995 und 2007 (aus: Hofmann u.a. 2013, S. 8)

Die Ergebnisse der Studie belegen darüberhinaus für den Untersuchungszeitraum ein ungebrochen exponentielles Wachstum des Pools an Open-Source-Software-Quellcode. Nicht kontrolliert wird in der Studie jedoch für Copy-Paste von Quellcode zwischen unterschiedlich lizenzierten Projekten; da ein solches Copy-Paste aber vor allem in eine Richtung möglich ist (von nicht-Copyleft zu Copyleft-Projekten), dürfte der Anteil von Copyleft-Software in der Studie deshalb eher noch überschätzt werden.

Was die Erklärung für den beobachteten Wandel im Lizenzierungsverhalten betrifft, so führen die Autoren diesen in erster Linie auf eine Zunahme an kommerziell finanzierter Open-Source-Softwareentwicklung zurück. Sie verweisen in diesem Zusammenhang auf weitere, noch unpublizierte Forschungsergebnisse, die eine solche Erklärung stützen würden.

Übrigens ist auch jenseits von Software im Bereich von Creative Commons ein leichter Trend hin zu weniger restriktiven Lizenzversionen zu beobachten, die letzten Daten stammen hier allerdings aus dem Jahr 2010 (siehe Abbildung; als “fully free/libre/open” zählen hier jedoch auch Copyleft-Lizenzen, die vor allem von NonCommercial- und NoDerivatives-Lizenzen abgegrenzt werden).

Zahl Creative-Commons-lizenzieter Werke und Anteil frei lizenzierter Werke zwischen 2003 und 2010 (Quelle: http://wiki.creativecommons.org/Metrics)

Zahl Creative-Commons-lizenzieter Werke und Anteil frei lizenzierter Werke zwischen 2003 und 2010 (Quelle: http://wiki.creativecommons.org/Metrics)

Jenseits von der Suche nach den Ursachen für diese Entwicklung hin zu weniger restriktiven Lizenzbedingungen bei offen lizenzierten Inhalten stellt sich die Frage, ob diese Entwicklung zu begrüßen ist? Einerseits führt sie dazu, dass die Rekombination unterschiedlich lizenzierter Inhalte tendenziell einfacher möglich ist. Andererseits, vor allem im Softwarebereich, besteht beispielsweise bei BSD-Lizenzen die Möglichkeit, dass Firmen sich an Open-Source-Quellcode bedienen aber nicht zu dessen Weiterentwicklung beitragen bzw. eigene Weiterentwicklungen nicht zurückspeisen.

Vielleicht ist es aber inzwischen so, dass die Bedeutung von Copyleft-Klauseln im Softwarebereich einfach nicht mehr so groß ist wie noch in den 1990er Jahren, weil auch auf Seite kommerzieller Akteure Open-Source-Prinzipien besser verstanden werden. Hinzu kommt, dass selbst bei Fehlen einer Copyleft-Klausel die simple “Privatisierung” des Quellcodes oft keine Option ist – im Gegenteil: was passieren kann, wenn sich die Community der freiwillig Beitragenden von einem Unternehmen mit Zugriff auf den Quellcode unfair behandelt fühlt, ließ sich 2010 am Beispiel der Spaltung zwischen OpenOffice.org und Libre Office beobachten. Wichtiger als die Frage Copyleft oder nicht sind offensichtlich transparente und als fair empfundene Governance-Strukturen.

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