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January 28 2014

“Leave Traffic Here” – Wenn du nicht willst, dass die NSA es weiß, erzähl es auch nicht deinem App-Anbieter

Woran merkt man, dass die aktuellen Enthüllungen um NSA und GCHQ sich auf die jüngere Vergangenheit beziehen?

  1. Es hat mit Smartphones und Angry Birds zu tun.
  2. Die Präsentationen sehen nicht mehr ganz so grausam aus.

Aber zurück zu den Inhalten: In einem gemeinschaftlichen Bericht haben New York Times, The Guardian und ProPublica neue Dokumente aus dem Snowden-Fundus kommentiert. Die demonstrieren, wie Inhaltsdaten aus Smartphone-Apps NSA und GCHQ bei der Informationsbeschaffung dienen. Dass sich die Geheimdienste mittlerweile auf Smartphones konzentrieren, liegt nahe. In der GCHQ-Präsentation heißt es, man erwarte, dass 2015 90% des Internetverkehrs von Mobilgeräten stammen werde.

Ausgenutzt wird dabei die Tatsache, dass jede Menge existierender Apps eine Vielzahl an Informationen über den Nutzer und dessen Gerät sammeln, auch wenn diese nicht für den eigentlichen Bestimmungszweck notwendig wären. Wie im Beispiel der Taschenlampen-App, die fleißig Ortsinformationen übertrug, um sie danach gewinnbringend an Marketingfirmen weiterzuleiten.

Die Übertragung solcher Informationen ist im Regelfall nicht weiter geschützt, die Angaben laufen teilweise sogar im Klartext durch das Netz und es ist nur logisch, dass die Geheimdienste das ausnutzen. Oder wie es der Untertitel der NSA-Präsentation treffend sagt: “Identifizierung/Verarbeitung/Erledigung – Alles nichts Besonderes”

Neben statischen Angaben zu Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung, die von manchen Apps gesendet werden, sind die Geheimdienste vor allem auch an übertragenen Ortsinformationen interessiert. So weist die NSA darauf hin, dass GPS-Daten von Android unverschlüsselt übertragen werden und sich aus Fotos, die ein Nutzer macht und auf eine Plattform hochlädt, durch Auslesen der EXIF-Informationen Zeit und Ort der Aufnahme extrahieren lassen: “Es liegt alles in den Metadaten, nicht in den hübschen Bildern.”

Weitere Angaben, an denen man interessiert ist, umfassen unter anderem Adressbücher, heruntergeladene Dokumente, unterstützte und eingesetzte Verschlüsselung, besuchte Websites und Telefoneinstellungen. Schon jetzt könne man die Ortsinformation über praktisch jedes Telefon ermitteln. Herausforderungen scheinen aber noch darin zu liegen, die Angaben automatisch so zu taggen, dass sie für Analysten nützlich sind.

Illustration aus der NSA-Präsentation

Illustration aus der NSA-Präsentation

Was diese Nachrichten uns Neues bringen, ist nicht, dass die NSA Informationen auf unseren Mobiltelefonen ausspäht, sondern dass es ihnen durch die Praxis der App-Entwickler und Anbieter mobiler Dienste unvorstellbar leicht gemacht wird. Niemand kann plausibel erklären, warum eine App wie AngryBirds wissen muss, ob der Nutzer verheiratet, geschieden oder Single ist. Daten, die nicht entstehen, können nicht abgegriffen werden. Und da liegt die Verantwortung nicht nur bei Politik und Gesetzgebung, der NSA das Schnüffeln zu verbieten, sondern auch bei den Entwicklern, Datensparsamkeit umzusetzen. Und bei jedem Einzelnen selbst, kurz innezuhalten, bevor er Informationen von sich preisgibt. Und zu überlegen, ob diese zur Erfüllung seines Ziels wirklich notwendig sind.

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

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August 31 2012

Apple zensiert App über tödliche Drohnen-Angriffe, diese sei “verwerflich und primitiv”

Apple verweigert einer App den Zugang zum App-Store, die über tödliche Drohnen-Angriffe berichtet. “Drones+” bereitet Informationen des Londoner Büros für investigativen Journalismus über die tödlichen Einsätze unbemannter Luftfahrzeuge auf. Drei mal wies der Konzern aus Cupertino die App ab, sie sei “verwerflich und primitiv”.

Christina Bonnington und Spencer Ackerman berichten auf Wired Danger Room:

Wenn ein Drohne zuschlägt, sammelt Drones+ diese Information und präsentiert eine Karte der Gegend, wo der Einsatz statt fand, markiert mit einem Pin. Man kann sich durch Medien-Berichte zu einem bestimmten Angriff klicken, die das Büro für investigativen Journalismus sammelt, und einige grundlegende Fakten über das berichtete Ziel des Einsatzes erfahren.


Auf Vimeo gibt’s ein Video der App in Aktion. Diese Aufbereitung journalistischer Informationen ist anscheinend zu böse für Apple:

Doch Apple blockiert den Zugang der Drones+ App zum Ap-Store – und damit von allen iPhones. Der Konzern aus Cupertino sagt, der Inhalt sei “verwerflich und primitiv”, so Apples neuestes Ablehnungsschreiben.

Es ist bereits das dritte Mal in einem Monat, dass Apple Drones+ abgewiesen hat, sagt Josh Begley, der in New York ansässige Entwickler der App. Die Begründungen des Unternehmens für die Ablehnung des Programms ändern sich immer. Zunächst bezeichnete Apple die App, die Nachrichten von Drohnen-Angriffen in Pakistan, Jemen und Somalia sammelt, als “nicht nützlich”. Dann gab es ein Problem mit dem Verstecken eines Firmenlogos. Und jetzt ist es das Problem mit den primitiven Inhalten.

Dabei sind ja wohl eher gezielte Tötungen ohne Gerichtsbeschluss “verwerflich und primitiv” als die Berichterstattung darüber.

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