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July 26 2013

Berkman Center Report: Wie die Öffentlichkeit SOPA und PIPA stoppte!?

UntitledGestern hat das Berkman Center for Internet & Society der Harvard University ein neues Paper veröffentlicht: “Social Mobilization and the Networked Public Sphere: Mapping the SOPA-PIPA Debate” In dem Paper wird die Berichterstattung über und Mobilisierung gegen SOPA und PIPA durch Blogs, Online Magazine und Kampagnen Websites über 17 Monate hinweg mittels Netzwerkanalyse untersucht. Hierfür haben Yochai Benkler, Hal Roberts, Rob Faris, Alicia Solow-Niederman und Bruce Etling 9.757 Texte (News, Blog-Einsträge, Artikel, etc.) der verschiedensten Websites analysiert. Mittels der Media Cloud, einem gemeinsamen Forschungsprojekt des Berkamn Centers und des MIT Center for Civic Media wurde dann die Anzahl eingehender Links zu jeder Website – also dem Grad der Vernetzung – analysiert. Die zentrale Frage war hierbei, ob und inwieweit sich eine ‘Zivilgesellschaft’ im Internet (Networked Public Sphere) zum Thema PIPA-SOPA organisiert hat.

This novel, data-driven perspective on the dynamics of the networked public sphere supports an optimistic view of the potential for networked democratic participation, and offers a view of a vibrant, diverse, and decentralized networked public sphere that exhibited broad participation, leveraged topical expertise, and focused public sentiment to shape national public policy.

Das Berkman Center und die Wissenschaftler um Yochai Benkler haben sich hier keine leichte Aufgaben gestellt. Die Theorie der “Öffentlichkeit” (Public Sphere), die maßgeblich durch Jürgen Habermas in den 60ern geprägt wurde, ist viel-diskutiert. Mit Aufkommen des Internets wurde von einigen Wissenschaftlern dann das Konzept der “Networked Public Sphere” etabliert – dem Grundgedanken folgend, dass das Internet eine Plattform für gemeinsamen, öffentlichen, politischen Diskurs darstelle, abseits der Mainstream Medien. (prominente Vertreter wären Benkler, Castells oder Papacharissi) Es gibt allerdings genauso viele Gegner der ‘Networked Public Sphere’, die sagen, dass es im Internet vor allem zu Separation, Polarisation und Fragmentierung kommt – da man sich vor allem an Gleichgesinnten. Das Paper gibt hier einen kurzen Überblick über die Debatte Pro-Contra “Networked Public Sphere”. Das Ziel ist daher nicht, die Theorie grundsätzlich zu bestätigen oder widerlegen – was überhaupt nicht ginge.

Our paper offers only a single case study, and a case study under the most favorable conditions. It therefore cannot be seen as decisive in the debates over the networked public sphere. Nonetheless, our findings here provide both evidence of and texture for the most prominent, discrete legislative success that fits the ideal model of the networked public sphere.

Im Folgenden gibt es dann kurz Informationen zur Geschichte des Urheberrechtsschutzes im Internet in den USA und den grundsätzlichen Zielen (der Lobby) des Stop Online Piracy Acts (SOPA) und des PROTECT IP Act (PIPA). Zusammengefasst:

These laws began to expand both elements of what became the centerpiece of SOPA and PIPA: increased involvement of criminal enforcement authorities in what was traditionally an area of private commercial law and increased use of state power to harness private platform providers to enforce the interests of the copyright industries.

Weiter gehts zur verwendeten Methodik – die Netzwerkanalyse. Eine der Annahmen ist, dass es einen Zusammenhang zwischen eingehenden Links und Wichtigkeit der Website gibt. Je mehr Websiten auf eine bestimmte Seite verlinken, desto größer und näher zur Mitte wird diese im Netzwerk-Graphen dargestellt. Diese Graphen wurden dann Wochenweise ausgewertet. Außerdem kam noch eine qualitative Komponente hinzu, da die Forscher auch einzelne Artikel ausgewertet und Interviews durchgeführt haben – beides floss in die Bewertung mit ein. Da dies alles über einen Zeitraum von 17 Monaten geschah, lässt sich so sehr gut verfolgen, wie stark die Online-Debatte im Laufe der Zeit anwuchs.

September 2010

September 2010

Während September 2010 nur eine Hand voll Websites vor SOPA (bzw. damals COICA) gewarnt hatten und die Diskussion vorrangig in wenigen einschlägigen Blogs stattfand, berichteten im Laufe der Zeit immer mehr Websites und Organisationen darüber. Politisch entgegengesetzte Parteien kooperierten, um auf eine Online-Petition aufmerksam zu machen. Etablierte Mainstream Medien, wie New York Times und Washington Post hatten später auch Artikel. Die Electronic Frontier Foundation, Techdirt, CNET, Reddit und Demand Progress (Online Petition mit 300.000 Unterzeichnern) fungierten als Multiplikatoren. Wikipedia fungierte nicht mehr nur als Informationsseite, sondern auch als Diskussions- und Mobilisierungsplattform. 2012 mobilisierten auch Gamer gegen SOPA-PIPA, bis es dann schließlich am 18. Januar 2012 zum kollektiven Black-Out von über 2000 Websites im Protest gegen die Gesetze kam.

2

Januar 2012

Durch die Netzwerk-Graphen wird diese sehr dynamische, teils spontane, Entwicklung der Debatte online auf sehr anschauliche Art und Weise visualisiert.Allerdings muss man bedenken, dass das Paper eben gerade nicht “die ganze” Debatte zeigt. Analysiert wurden “nur” Websites (im weitesten Sinne). Soziale Netzwerke, E-Mail Newsgroups, Chats, Foren fanden – aus Zeit- und Budgetgründen – keinen Einzug in die Analyse. Trotzdem lassen sich einige Erkenntnisse ableiten. So teilen Yochai Benkler und seine Kollegen die Online Debatte um SOPA-PIPA grob in drei Abschnitte ein: Zuerst sind nur einige wenige Blogger und News-Websites aktive. In der zweiten Phase kommen Community-Plattformen, wie Wikipedia und Reddit dazu, außerdem fungiert Mainstream Media als weiterer Multiplikator. Die letzte Phase beginnt dann Januar 2012 und endet mit dem kollektiven Blackout.

This period, as we saw, was comprised of a highly dynamic, decentralized, and experimentation-rich public sphere, where different actors played diverse roles in diagnosing the problems with the acts, reframing the public debate from “piracy that costs millions of jobs” to “Internet censorship” and organizing for action.

Am Ende der Analyse stehen dann u.a. folgende Erkenntnisse:

  • Die “Networked Public Sphere” ist wesentlich dynamischer, als bisher in der Literatur dargestellt.
  • Mainstream Media spielte eine untergeordnete Rolle gegenüber Websiten, wie Techdirt, CNET und Ars Technica
  • NGO Websites (EFF, Public Knowledge, etc.) hatten wichtige Funktionen als Information Hubs und Multiplikatoren
  • Kampagnen-Websites transformierten Diskussion in Aktion (Online Petitionen, Organisation von Demos, etc.)

By the end of the 17 months under study, a diverse network of actors, for-profit and nonprofit, media and non-media, individuals and collectives, left, right, and politically agnostic, had come together. They fundamentally shifted the frame of the debate, experimented with diverse ap- proaches and strategies of communication and action, and ultimately blocked legislation that had started life as a bipartisan, lobby-backed, legislative juggernaut.

Am Ende gibt der Artikel des Berkman Centers Einblick in eine interessante Zeit für Netizens, Digital Natives und wie sie sonst noch heißen. Wie jede wissenschaftliche Studie hat auch diese ihre Limitationen. So muss man sich fragen, wie sehr die Forschung durch das Wegfallen von Social Networks, Mails, Chats und Foren verzerrt wurde. Es liefert auch keine Antwort auf die Frage, ob und in welchem Ausmaß es nun eine “Networked Public Sphere” gibt – dazu ist das Fallbeispiel zu spezifisch, wie die Wissenschaftler selbst einräumen. In diesem speziellen Fall haben die Mobilisierung und der Diskurs über das Internet jedoch funktioniert und dazu geführt, dass Menschen unterschiedlichster Ideologie, Motivation und Interessen zusammenkommen, um gemeinsam gegen einen Missstand zu protestieren. Wer weiß, vielleicht passiert das ja schon ganz bald wieder…

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July 19 2013

Report: Internet in Kuba

Harvards Berkman Center for Internet & Society hat im Zuge des Internet Monitor Projektes einen Report zur Lage des Internets in Kuba diese Woche veröffentlicht.

Das staatliche Telekommunikationsunternehmen ETECSA ist auch gleichzeitig der einzige Internet-Provider in Kuba. Bis 2013 war das Land ausschließlich über Satellit an das Internet angebunden. Erst dieses Jahr wurden im Zuge einer Partnerschaft mit Venezuela zwei Glasfaser-Unterseekabel in Betrieb genommen. Außerdem besteht seit diesem Jahr eine internationale Datenverbindung zu Jamaica, die aber wohl nur als ‘Backup’ genutzt werden wird. Durch diese wenigen Datenverbindungen und den Umstand, dass alle Verbindungen durch ETECSA staatlicher Kontrolle unterliegen, verwundert es nicht, dass Renesys die Gefahr eines Internet-Blackouts (im Falle einer Revolution) als schwerwiegend einstuft.

Ähnlich zu Iran und China versucht Kuba den internationalen Datenverkehr zu beschränken und zu kontrollieren – auf verschiedenste Art und Weise.

Cuban authorities have openly raised concern about the Internet and have declared that the government must protect Cubans from “damaging” and “imperialistic” content on the web, which is often called a “media weapon” of the United States.

Zum einen hat Kuba ein eigenes Netzwerk, zu dem jeder Zugang hat, das aber völlig abgeschottet ist vom Internet. Ziel ist der wissenschaftliche und medizinische Austausch und es dient nicht als Ort der Sozialisation, Vergnügung oder des privaten Austauschs. Außerdem obliegen alle .cu Domains der inhaltlichen Kontrolle des Department of Revolutionary Orientation.

Zugang zum “echten” Internet erhalten nur Akademiker, Doktoren und Politiker am Arbeitsplatz und internationale Hotels. Um einen privaten Internetanschluss zu erhalten, muss man sich beim Ministry of Information Technology and Communications (MINTIC) anmelden. Dies in Verbindung mit dem Umstand, dass ein Internetzugang unermesslich viel kostet, führt dazu, dass etwa nur 0.4% der kubanischen Haushalte einen Internetzugang besitzen.

Letzten Monat hat ETECSA 118 neue Internetcafés eröffnet: Eine Stunde Intranet kostet 0.70USD, eine Stunde Internet 5.00USD. Wobei der Monatslohn in Kuba bei 12-25USD liegt.

Diese Besonderheiten führen dazu, dass gerade unter den jüngeren Kubanern eine Art “offline” Internet entstand – Neuigkeiten, Blog-Posts, Videos o.ä. werden auf USB-Sticks, CDs und per SMS verbreitet. Außerdem gibt es einen Schwarzmarkt für Kontingente in Internetcafés und Handel mit Internetzugängen.

[...] bloggers routinely send their posts to Cuban friends and family via email (the state email system is separate from the Internet and can be accessed wherever Intranet connections are found.) Some will load their writings, as well as news and other media from the web, to CDs or pen drives that they trade among friends… Bloggers have reported that Cubans are increasingly able to access the Internet through unofficial channels. Cubans who work in hotels obtain Internet café access cards in bulk and sell them for reduced prices on the black market.

Durch die strickte Kontrolle der Regierung, hartes Durchgreifen bei Verstößen und studentischen ‘Brigaden’, die das Netz nach Letzterem durchsuchen, zeigen viele Blogger ihren Personalausweis im Netz.

[...] by blogging anonymously, a writer suggests that he or she is saying something that the state may find objectionable; this would likely only increase state suspicion.

Der Bericht des Berkman Center illustriert auf interessante Weise die Hürden einer marxistisch-leninistischen Diktatur im ‘Informationszeitalter’. Der Anschluss an das globale Informationsnetz ist für ökonomischen Wachstum essenziell. Gleichzeitig wird die Bevölkerung dadurch stärker denn je fremder Ideologie ausgesetzt. Wie in anderen Staaten auch, versucht Kuba den Informationsaustausch durch verschiedenste Maßnahmen zu reglementieren.

The group to watch will be the island’s tech-savvy minority. While
the flow of technological commodities and know-how through underground channels may seem irreversible, it could one day trigger tighter government controls on technology; increased access to the Internet could yield an increase in digital surveillance.

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