Tumblelog by Soup.io
Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.

February 13 2014

Wem gehört das Internet? Herausforderungen für die Netzpolitik

Gestern Abend sendete NDR-Info in der Sendung “Das Forum” ein halbstündiges Essay von Martin Tschechne zum Thema “Wem gehört das Internet? Herausforderungen für die Netzpolitik“. Noch gibt es die MP3 im Podcast.

Ein Teil des NSA-Rechenzentrums in NSA in Bluffdale im US-Bundesstaat Utah. © dpa picture alliance Fotograf: George Frey Detailansicht des Bildes Das neue Datenzentrum der NSA im amerikanischen Bluffdale hat eine Speicherkapazität, die jedes menschliche Vorstellungsvermögen übersteigt. Spätestens seit den Enthüllungen von WikiLeaks und dem Bekanntwerden der NSA-Abhöraffäre wachsen die Zweifel an der grenzenlosen Freiheit im Internet. Im Mittelpunkt der Diskussion stehen heute Themen wie Netzsicherheit, Schutz von Privatsphäre und Urheberrechten. Gerade in diesen Fragen gibt es klare Erwartungen an die Politik: Sie soll für Offenheit und Transparenz sorgen und der Datensammelwut von Geheimdiensten und Internetkonzernen das Prinzip des Open Government, also der offenen Verwaltung, entgegensetzen.

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

February 12 2014

Internetausschuss #btada: Das sind die Abgeordneten.

Morgen wird endlich, mit einiger Verspätung, der Bundestagsausschuss “Digitale Agenda” eingesetzt. Während es um das zugehörige Hashtag (#aida #btada #ada …) noch einiges an Klärungsbedarf gibt, sind nun zumindest die ordentlichen Mitglieder des Ausschusses klar. Insgesamt wird der Ausschuss 16 Mitglieder umfassen. Gemäß der Sitze im Bundestag ergibt sich daraus folgende Verteilung: CDU 6, CSU 1, SPD 5, LINKE 2, GRÜNE 2.

Da fast alle Mitglieder des Ausschusses, wie es sich gehört, auch auf Twitter zu finden sind, haben wir euch hier eine Twitter-Liste erstellt. Über die folgenden 32 PolitikerInnen werden wir in Zukunft wohl ein bisschen öfter berichten, sollte sich der Ausschuss nicht als zahnloser Tiger heraus stellen:

CDU – ordentliche Mitglieder (6)

Jens Koeppen (Ausschussvorsitz), Elektrotechniker

CC BY-SA 3.0 - Frank Nürnberger
CC BY-SA 3.0 – Frank Nürnberger

Wahlkreis: Uckermark - Barnim I (57)
Weitere Ausschüsse: Ältestenrat (ordentlich), Wirtschaft & Energie (ordentlich), Verkehr & digitale Infrastruktur (stellvertretend)
Social Media: WebsiteTwitterFacebook

Thomas Jarzombek (Sprecher), IT-Berater

CC BY-SA 3.0 - Tobias Koch

CC BY-SA 3.0 – Tobias Koch

Wahlkreis: Düsseldorf 1 (106)
Weitere Ausschüsse: Verkehr & digitale Infrastruktur (ordentlich), Wirtschaft & Energie (stellvertretend)

Saß letzte Legislaturperiode für die CDU/CSU in der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft, enthielt sich beim LSR
Social Media: WebsiteTwitter, Facebook

Maik Beermann, Sparkassenbetriebswirt / Bankkaufmann

CC BY-SA 3.0 - Laurence Chaperon

CC BY-SA 3.0 – Laurence Chaperon

Wahlkreis: Nienburg II - Schaumburg (40)
Weitere Ausschüsse: Angelegenheiten der Europäischen Union (Ordentlich),  Ernährung und Landwirtschaft (Stellvertretend), Verkehr und digitale Infrastruktur (Stellvertretend)
Social Media: Website

Dr. Andreas Nick , Hochschullehrer

CC BY-SA 3.0 - Bianca Richter

CC BY-SA 3.0 – Bianca Richter

Wahlkreis: Montabaur (205)
Weitere Ausschüsse: Auswärtiger Ausschuss (ordentlich), Finanzausschuss (stellvertretend)
Social Media: Website,  Twitter, Facebook

Tankred Schipanski, Rechtsanwalt

CC BY-SA 3.0 - Michael Reichel

CC BY-SA 3.0 – Michael Reichel

Wahlkreis: Gotha – Ilm-Kreis (192)
Weitere Ausschüsse: Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung (ordentlich), Recht & Verbraucherschutz (stellvertretend), Angelegenheiten der Europäischen Union (stellvertretend), Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung (stellvertretend)
Social Media: WebsiteTwitter, Facebook

Christina Schwarzer, Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte

CC BY-SA 3.0 - Laurence Chaperon

CC BY-SA 3.0 – Laurence Chaperon

Wahlkreis: Berlin-Neukölln (82)
Weitere Ausschüsse: Familie, Senioren, Frauen & Jugend (Obfrau, ordentlich), Gesundheit (stellvertretend), Petitionsausschuss (stellvertretend)
Social Media: WebsiteTwitter, Facebook

CDU –  stellvertretende Mitglieder

Bettina Hornhues, Bankkauffrau

Wahlkreis: Bremen II – Bremerhaven (55)
Weitere Ausschüsse: Familie, Senioren, Frauen & Jugend (ordentlich), Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung (Stellvertretend)
Social Media: Website, Twitter, Facebook

Nadine Schön, Juristin

CC BY-SA 3.0 - Margarete Singer

CC BY-SA 3.0 – Margarete Singer

Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
Wahlkreis: St. Wendel (289)
Weitere Ausschüsse: Familie, Senioren, Frauen & Jugend (stellvertretend)
Social Media: Website, Twitter, Facebook

Dr. Peter Tauber, Historiker

CC BY-SA 3.0 - Tobias Koch

CC BY-SA 3.0 – Tobias Koch

Generalsekretär der CDU Deutschlands
Wahlkreis: Main-Kinzig – Wetterau II – Schotten (175)
Weitere Ausschüsse: Familie, Senioren, Frauen & Jugend (ordentlich)
Social Media: Homepage, Twitter, Facebook

Marco Wanderwitz, Rechtsanwalt

CC BY-SA 3.0 - Laurence Chaperon

CC BY-SA 3.0 – Laurence Chaperon

Vorsitzender der Arbeitsgruppe Kultur und Medien & Vorsitzender der Jungen Gruppe
Wahlkreis: Chemnitzer Umland – Erzgebirgskreis II (163)
Weitere Ausschüsse: Recht & Verbraucherschutz (ordentlich), Kultur & Medien (ordentlich), Wahlprüfung, Immunität & Geschäftsordnung (stellvertretend), Finanzausschuss (stellvertretend)
Social Media: Homepage, Twitter

Marian Wendt, Verwaltungswirt,

Wahlkreis: Nordsachsen (151)
Weitere Ausschüsse: Innenausschuss (ordentlich), Verkehr & digitale Infrastruktur (stellvertretend), Familie, Senioren, Frauen & Jugend (stellvertretend)
Social Media: Facebook

Kai Whittaker, Wirtschaftswissenschaftler

CC BY-SA 3.0 - Laurence Chaperon

CC BY-SA 3.0 – Laurence Chaperon

Wahlkreis: Rastatt (273)
Weitere Ausschüsse: Arbeit & Soziales (ordentlich), Finanzausschuss (stellvertretend), Bildung, Forschung & Technikfolgenabschätzunh (stellvertretend)
Social Media: Website, Facebook 

CSU – ordentliche Mitglieder (1):

Hansjörg Durz, Bürgermeister, Bankkaufmann

CC BY-SA 3.0 - Marcus Mark

CC BY-SA 3.0 – Marcus Mark

Wahlkreis: Augsburg-Land (253)
Weitere Ausschüsse: Wirtschaft & Energie (ordentlich), Finanzausschuss (stellvertretend)
Social Media: WebsiteTwitterFacebook

CSU – stellvertretende Mitglieder:

Ulrich Lange (CSU), Rechtsanwalt

CC BY-SA 3.0 - Henning Schacht

CC BY-SA 3.0 – Henning Schacht

Wahlkreis: Donau-Ries (254)
Weitere Ausschüsse: Verkehr und digitale Infrastruktur (ordentlich), Haushaltsausschuss (stellvertretend)
Social Media: Website

SPD – ordentliche Mitglieder (5)

Lars Klingbeil, Politikwissenschaftler

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Sprecher für Netzpolitik der SPD-Bundestagsfraktion
Wahlkreis: Rotenburg I – Heidekreis (035)
Weitere Ausschüsse:
Social Media: Homepage, Blog, Twitter, Facebook

Saskia Esken
, staatlich geprüfte Informatikerin

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Wahlkreis: Calw (280)
Weitere Ausschüsse: Bildung, Forschung & Technikfolgenabschätzung (ordentlich), Umwelt, Naturschutz, Bau & Reaktorsicherheit (stellvertretend)
Social Media: Website, Twitter, Facebook

Gerold Reichenbach, Gymnasiallehrer, Studienrat a.D. (Stellvertretender Ausschussvorsitz)

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Wahlkreis: Groß-Gerau (184)
Weitere Ausschüsse: Innenausschuss (ordentlich), Menschenrechte & humanitäre Hilfe (stellvertretend)
Social Media: Website, TwitterFacebook

Christina Kampmann, Politikwissenschaftlerin

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Erweiterter Vorstand der SPD-Bundestagsfraktion
Wahlkreis: Bielefeld – Gütersloh II (132)
Weitere Ausschüsse: Angelegenheiten der Europäischen Union (ordentlich), Innenausschuss (stellvertretend)
Social Media: Website, Twitter, Facebook

Christian Flisek, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Urheberrecht und gewerblichen Rechtschutz

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll)
Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll)

Wahlkreis: Passau (229)
Weitere Ausschüsse: Recht & Verbraucherschutz (ordentlich), Wahlprüfung (ordentlich), Wirtschaft & Energie (stellvertretend)
Social Media: Website, Facebook

SPD – stellvertretende Mitglieder

Martin Dörmann, Rechtsanwalt

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Sprecher für Kultur und Medien der SPD-Bundestagsfraktion, Erweiterter Vorstand der SPD-Bundestagsfraktion
Wahlkreis: Köln I (93)
Weitere Ausschüsse: Kultur & Medien (ordentlich), Verkehr & digitale Infrastruktur (ordentlich), Wirtschaft & Energie (stellvertretend), Richterwahlausschuss (stellvertretend), Kuratorium der Stiftung “Deutsches Historisches Museum” (ordentlich), Kuratorium der Stiftung “Haus der Geschichte der BRD” (ordentlich)
Social Media: Website, Facebook

Marco Bülow, Journalist

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Wahlkreis: Dortmund I (142)
Weitere Ausschüsse: Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (ordentlich), Kultur und Medien (stellvertretend), Wirtschaftliche Zusammenarbeit & Entwicklung (stellvertretend)
Social Media: Website, Twitter, Facebook

Carsten Träger, Dipl. Kommunikationswirt

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Wahlkreis: Fürth (243)
Weitere Ausschüsse: Schriftführer (ordentlich), Sportausschuss (ordentlich) Umwelt, Naturschutz, Bau & Reaktorsicherheit (ordentlich), Familie, Senioren, Frauen und Jugend (stellvertretend), Kommission Lagerung radioaktiver Abfallstoffe (stellvertretend)
Social Media: Website, Facebook 

Dr. Jens Zimmermann,  Dipl. Kaufmann

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Wahlkreis: Odenwald (187)
Weitere Ausschüsse: Finanzausschuss (ordentlich)
Social Media: Website, Twitter, Facebook

Sören Bartol, Dipl. Politikwissenschaftler

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion
Wahlkreis: Marburg (171)
Weitere Ausschüsse: Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (stellvertretend), Verkehr & digitale Infrastruktur (stellvertretend)
Social Media: Website, Twitter, Facebook

DIE LINKE – ordentliche Mitglieder (2)

Halina Wawzyniak, Juristin

Sprecherin für Netzpolitik der Linksfraktion im Bundestag
Wahlkreis: Berlin – Friedrichshain – Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost (083)
Weitere Ausschüsse: Recht & Verbraucherschutz (ordentlich), Verkehr & digitale Infrastruktur (stellvertretend), G 10-Kommission (stellvertretend)
Social Media: Website, Blog, Twitter, Facebook

Herbert Behrens, Gewerkschaftssekretär & Sozialwissenschaftler

Wahlkreis: Osterholz – Verden (034)
Weitere Ausschüsse: Verkehr & Digitale Infrastruktur (ordentlich), Haushaltsausschuss (stellvertretend), Kultur & Medien (stellvertretend)
Social Media: Website

DIE LINKE – stellvertretende Mitglieder

Petra Pau
, Lehrerin

Vizepräsidentin des deutschen Bundestages
Wahlkreis: Berlin – Marzahn-Hellersdorf (085)
Weitere Ausschüsse: Ältestenrat (stellv. Vorsitz, ordentlich), Innenausschuss (stellvertretend)
Social Media: Website, Twitter

Jan Korte, Politikwissenschaftler

Wahlkreis: Anhalt (071)
Weitere Ausschüsse: Innenausschuss (ordentlich)
Social Media: Website

BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN – ordentliche Mitglieder (2)

Dr. Konstantin von Notz, Rechtsanwalt

Stellvertretender Fraktionsvorsitzender & Sprecher für Netzpolitik der Grünen Bundestagsfraktion
Wahlkreis: Herzogtum Lauenburg – Stormarn-Süd (010)
Weitere Ausschüsse: Innenausschuss (ordentlich), Recht & Verbraucherschutz (stellvertretend)
Social Media: BlogTwitterFacebook

Dieter Janecek, Kommunikationsberater & Poliitkwissenschaftler

Sprecher für Wirtschaftspolitik der Grünen Bundestagsfraktion
Wahlkreis:  München West/Mitte (221)
Weitere Ausschüsse: Schriftführer (ordentlich), Wirtschaft & Energie (ordentlich), Tourismus (stellvertretend)
Social Media: BlogTwitterFacebook

BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN – stellvertretende Mitglieder

Tabea Rößner, Journalistin

Quelle: Grüne Bundestagsfraktion
Quelle: Grüne Bundestagsfraktion


Sprecherin für Medien und Digitale Infrastruktur der Grünen Bundestagsfraktion
Wahlkreis: Mainz (206)
Weitere Ausschüsse: Kultur & Medien (Obfrau), Wirtschaft & Energie (stellvertretend), Verkehr & digitale Infrastruktur (stellvertretend)
Social Media: Website, TwitterFacebook

Volker Beck, Referent

Sprecher für Innenpolitik und Sprecher für Religionspolitik der Grünen Bundestagsfraktion
Wahlkreis: Köln II (094)
Weitere Ausschüsse: Innenausschuss (ordentlich), Recht & Verbraucherschutz (stellvertretend)
Social Media: WebsiteBlogTwitterFacebook

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Vom Versuch, verschlüsselt mit einem Abgeordneten zu kommunizieren

Habt ihr schonmal versucht, einem Abgeordneten oder einer Behörde eine verschlüsselte Mail zu senden? Wenn es sich nicht gerade um Bundes- oder Landesdatenschutzbeauftragte handelt, die glücklicherweise alle über einen PGP-Schlüssel verfügen, ist dieser Versuch oftmals zum Scheitern verurteilt.

Dass es um den Bundestag nicht allzu gut bestellt ist, wenn es darum geht, vertraulich mit Bürgern zu kommunizieren, war bekannt geworden als die FAZ im letzten August einen ausführlichen Bericht mit der Überschrift “Bundestag, wie hälst du’s mit der Verschlüsselung?” verfasst hatte. Dabei gab es bereits 2002 Anstrengungen von Werner Müller aus dem Bundeswirtschaftsministerium, das CDs mit der kostenlosen Software GnuPP verteilte. Neben GnuPG war auch Thunderbird enthalten und sollte zur Durchsetzung von verschlüsselter Mailkommunikation, nicht nur im Bundestag, beitragen. Seitdem scheint es jedoch nicht vorwärts gegangen zu sein, sondern sogar zurück. Denn bei der standardmäßigen Installation von Outlook im Parlament bleibt höchstens die Möglichkeit, auf  S/MIME-Zertifikate zurückzugreifen, die Einrichtung von PGP erfolgt nur auf gesonderten Wunsch – demnach meistens gar nicht. Mit S/MIME-Zertifikaten bildet sich für den normalen Bürger aber eine inakzeptable Hürde, denn diese müssen zuerst beantragt werden und sind in der Regel kostenpflichtig.

Unter solchen Umständen bleibt die im September von FDP-Politiker Jimmy Schulz organisierte Cryptoparty, von Wahlkampfzwecken abgesehen, auch nur ein nett gemeinter Versuch, vor allem, da letztlich nur sechs Abgeordnete teilgenommen haben.

Die Situation in den Landtagen

In den deutschen Landtage, bzw. Bürgerschaften oder Abgeordnetenhäusern, sieht die Sache ähnlich aus. Diesen und den dort vertretenen Fraktionen habe ich mehrere Fragen zu ihrer Mailkommunikation gestellt:

1) Ist eine offizielle Infrastruktur zum Verschlüsseln und Signieren von Mails vorhanden?

1a) Wenn ja, wie erfolgt die Schlüsselverwaltung? Welche Standards (S/MIME, OpenPGP, …) werden benutzt? Wie sieht die Zertifizierungskette der Schlüssel aus?

1b) Wenn nein, ist es den Mitarbeitern erlaubt, auf persönliche Verantwortung Verschlüsselungssoftware zu nutzen und eigene Schlüssel dazu zu verwenden?

2) Existieren Leitlinien, dass/wann Mailkommunikation verschlüsselt und signiert erfolgen soll? Wird zur verschlüsselten Kommunikation ermutigt?

3) Findet eine Schulung der Politiker und Mitarbeiter zur sicheren Nutzung der eventuell vorhandenen Systeme statt?

4) Liegen Ihnen Statistiken zur tatsächlichen Nutzung vertraulicher Kommunikationsmöglichkeiten vor?

Vielerorts nur Schweigen…

Von vielen kam darauf leider keine Antwort. Baden-Württemberg verwaltet seine Technik zentral, reagierte aber nicht auf dreimalige Nachfrage. Bayern speiste mich nach halbstündigem Telefonat mit der zentralen Poststelle, in der meine Mails “verlorengegangen” sind, damit ab, dass die Pressestelle befunden habe, man werde mir auf die Anfrage nicht antworten. Auch aus Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern gab es nur Schweigen.

Aber noch trauriger als Nicht-Antworten waren die, bei denen klar wurde, dass meine Frage nichteinmal verstanden wurde. “Wir geben über unsere technische Ausstattung keine Auskünfte” (CDU Berlin), “Zu Sicherheitsaspekten des Hessischen Landtages können wir leider grundsätzlich keine Auskünfte geben”, ”Wir geben grundsätzlich keinerlei Auskunft zu unserer elektronischen Kommunikation” (FDP Sachsen) und ähnlich lauteten Aussagen von besorgten Stellen, die wohl zu glauben schienen, sie gäben wertvolles Geheimwissen preis, wenn sie ihre öffentlichen Schlüssel ausplaudern… Aber man darf vermuten, dass die eigentliche Sicherheitsinfo diejenige ist, dass es überhaupt keine Sicherheit gibt.

Ein Großteil der anderen Antworten lässt sich leider, was aber auch zu erwarten gewesen war, mit “Nein.” zusammenfassen. In der Verwaltung des Abgeordnetenhauses Berlin, der Bürgerschaft Hamburg und den Landtagen Sachsen und Schleswig-Holstein kommt, zumindest in der Verwaltung, keine Verschlüsselungssoftware zum Einsatz. In vielen Fällen verwalten die Fraktionen jedoch auch ihre eigene Infrastruktur und sind für ihre Mailkommunikation selbst verantwortlich.

An einigen Stellen ist guter Wille vorhanden…

Wie im Fall Hamburgs, dort bleibt den Fraktionen und Abgeordneten die Möglichkeit, selbst Software und Infrastruktur zu installieren. Das gilt auch für den saarländischen Landtag, wo darüber hinaus empfohlen wird, OpenPGP und eine Schlüssellänge von mindestens 2048 bit zu nutzen. Es scheint also guter Wille vorhanden zu sein, doch etwas traurig klang der Zusatz, diese Möglichkeit werde zur Zeit von nur zwei Mitarbeitern genutzt – die jedoch hätten noch niemals eine verschlüsselte Mail bekommen. Ähnlich geht es auch dem Landesdatenschutzbeauftragten in Sachsen-Anhalt, der abgesehen von der Kommunikation mit einem Abgeordneten der Linksfraktion nur eine weitere verschlüsselte Mail erhielt.

Bei den Piraten in Berlin werden die Einrichtung von PGP-Verschlüsselung und Support von der fraktionseigenen IT-Abteilung angeboten, außerdem habe es eine gut besuchte CryptoParty gegeben. Auch bei der Fraktion der Grünen in Schleswig-Holstein hat man begonnen, sich mit sicherem Mailverkehr zu beschäftigen. Man stehe gemeinsam mit IT-Dienstleistungsunternehmen und dem IT-Referat des Landtages im Kontakt, um bald vertrauliche Kommunikation anbieten zu können. Die Piraten im selben Landtag sind schon einen Schritt weiter. Von dort erhielt ich die erste verschlüsselte Mail meiner Anfragehistorie. PGP wird dort als Verschlüsselungsstandard verwendet, ein gegenseitiges Keysigning sei geplant. Man signiere grundsätzlich und verschlüssele bei Bedarf, Support und Schulung geschähen, wenn sie individuell benötigt würden.

… an anderen Stellen unbenutzbare Lösungen

Sich selbst überlassen sind auch die Fraktionen der Bürgerschaft Bremen. Die Landtagsverwaltung verfügt jedoch über ein System namens Elektronisches Gerichts- und Verwaltungspostfach (EGVP) “für den Versand und den Empfang von verschlüsselten und/oder signierten Vorgängen oder Anfragen an die Bremische Verwaltung”. Dieses System wird auch an Gerichten in anderen Bundesländern eingesetzt. Doch wer glaubt, das ermögliche den einzelnen Mitarbeitern zumindest untereinander verschlüsselt oder signiert zu kommunizieren, liegt leider falsch. Die Geschäftsstelle der Bürgerschaftskanzlei ist mit einem einzigen speziellen Postfach an die EGVP-Infrastruktur des Landes Bremen angebunden.

Will man als Bürger Dokumente an die dortige Verwaltung senden, wird es noch abenteuerlicher. Jeder, der behauptet PGP sei zu kompliziert, sollte sich die EGVP-Seiten ansehen. Die Anwenderdokumentation hat übersichtliche 119 Seiten und zum Signieren werden eine Signaturkarte und ein Lesegerät benötigt. Es ist also kein Wunder, dass das unpraktikable System seit 2008 kaum genutzt wurde. Eine Dienstanweisung zur Nutzung von E-Mail-Postfächern aus dem Jahr 2002 soll demnächst überarbeitet werden soll, hoffentlich wird das Thema Verschlüsselung dann auch eine Rolle spielen.

Den Abgeordneten in Nordrhein-Westfalen bleibt die Nutzung eigener Verschlüsselungssoftware bisher leider verwehrt. Das Land bietet zwar DOI-CA Zertifikate an, die über IT.NRW an T-Systems/telesec beantragt werden können. Das Verschlüsseln personenbezogener Daten wird darüber hinaus sogar von der IT-Sicherheitsrichtlinie vorgeschrieben. Durch die Notwendigkeit, Zertifikate im Vorhinein zu beantragen ist dieser Weg aber für die Kommunikation mit Bürgern impraktikabel, wie bereits im Falle des Bundestages beschrieben. Die Fraktion der Grünen weist darauf hin, dass  eine eigenverantwortliche Lösung mit Verweis auf Sicherheitsbedenken seitens der Landtagsverwaltung abgelehnt werde. Seit Ende 2012 tage aber eine Arbeitsgruppe des Ältestenrats unter Beteiligung aller Fraktionen, in der insgesamt Fragen der IT- Ausstattung des Landtags diskutiert werden. Hier wurde das Thema “Verschlüsselung” mehrfach diskutiert, bisher allerdings noch nicht abgeschlossen.

Auch die Piraten in NRW arbeiten an mehr Kommunikationssicherheit im Land. Letzten Donnerstag gab es Anhörungen zu drei verschiedenen Anträgen der Fraktion zum Schutz von Bürgern vor Massenüberwachung, Whistleblowing und Wirtschaftsspionage. Diese beinhalteten unter anderem die Forderung nach “der sofortigen Bereitstellung einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung des E-Mail-Verkehrs”. Mit dem ersten Antrag war eine Anhörung und Stellungnahme von Tobias Morsches verbunden, der  beruflich als Penetrationtester arbeitet. Er betont, wie wichtig es ist, dass jeder Bürger vertraulich mit öffentlichen Stellen und Abgeordneten kommunizieren kann:

Gerade die Kommunikation mit öffentlichen Stellen enthält oft sehr sensible Daten. Daher ist der Verzicht auf eine Verschlüsselung als Grob-Fahrlässig anzusehen. Während die Stadt oder Kommune keinen direkten Einfluß auf die Verschlüsselung seitens der Bürger hat, so sollte Sie doch zumindest den Bürgern die Möglichkeiten bieten. Um keine Bürger auszugrenzen, sollten dabei alle gängigen Verfahren, so wie unabhängige Alternativ-Verfahren sofern möglich angeboten werden. Bei unverschlüsselter Kommunikation sollte immer auf einfache Möglichkeiten für eine gesicherte Kommunikation hingewiesen werden.

Neben viel Frustration und einigen aufkeimenden Anzeichen von gutem Willen gab es eine große positive Überraschung aus Thüringen. Die dortige Fraktion Die Linke scheint sich sehr ernsthaft mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben, auch wenn es noch keine offizielle Landtagsinfrastruktur gibt. Es wird sowohl truecrypt als auch OpenPGP angewendet, manche nutzen sogar XMPP mit OTR.  Neben der Empfehlung, grundsätzlich verschlüsselt zu kommunizieren, finden Verschlüsselungsworkshops für alle Abgeordneten und Mitarbeiter des Landtags und interessierte Außenstehende statt. Die Liste reicht zurück bis ins Jahr 2010 mit dem Einstiegsworkshop “Meine Daten gehören mir” und behandelten seitdem Tracking, PGP, Truecrypt, Facebook-Nutzung und sogar die Einrichtung eines eigenen TOR-Servers. Und zum Nachlesen im Anschluss gibt es eine Zusammenstellung vieler Linkverweise - wir sind übrigens auch dabei.

Wie kann man die Situation verbessern?

Das Engagement einiger einzelner Fraktionen macht Hoffnung, dass sich irgendwann ein Bewusstseinswandel einstellen könnte. Aber an vielen anderen Stellen zeigt sich, dass es noch an Willen und Wissen fehlt. Verschlüsselung ist abstrakt, Bits kann man nicht sehen, also fällt die Vorstellung schwer, man könne sie abhören. Dagegen hilft nur Aufklärung und der hartnäckige Kampf gegen das Zeitalter des Internetausdruckens. Informationen können von vielen Stellen kommen. Notwendig und am effektivsten wären obligatorische Schulungen innerhalb der Landtagsstrukturen, aber auch selbst kann man Politiker zu Krypto-Workshops einladen oder Fraktionen anbieten, diese bei ihnen durchzuführen. Wobei noch vor den Grundlagen der sicheren Kommunikation generelles Verständnis für die Mechanismen im digitalen Neuland geweckt werden muss.

Eine andere Notwendigkeit ist, Druck auszuüben und klar zu machen, dass Verschlüsselung nichts Exotisches ist, sondern zum Alltag werden sollte. Das traurige Beispiel der zwei saarländischen Abgeordneten, die noch nie eine verschlüsselte Mail bekommen haben, zeigt auch, dass bisher nicht deutlich wird, dass Verschlüsselung verlangt wird. Denn wie sollte ein Abgeordneter von selbst auf die Idee kommen, dass er sich einen Schlüssel zulegen sollte? Ein Kommentar auf meine Fragen hat das schön auf den Punkt gebracht:

Es ist eben nicht einfach, einem landwirtschschafspolitischen Sprecher zu erklären, warum es nun so sehr notwendig ist, den Landesbauernverband zu überzeugen selbst einen PGP-Key anzubieten, damit erst einmal die Möglichkeit besteht, verschlüsselt zu mailen.

Es ist nicht viel Aufwand, seinen Abgeordneten per Mail aufzufordern, vertrauliche Kommunikationskanäle anzubieten. Und erst wenn diese Forderung von genügend Bürgern kommt, wird irgendwann auch die letzte Fraktion aufwachen und erkennen, dass Verschlüsselung keine Fantasie von Nerds und Verschwörungstheoretikern, sondern allgemein angebracht ist.

Und dann wird alles gut?

Leider wäre das Problem aber auch dann nicht gelöst, wenn plötzlich jeder Abgeordnete nur noch verschlüsselte E-Mails schreiben würde. In der oben erwähnten Stellungnahme für den Landtag NRW findet Morsches deutliche Worte dafür, wie es um die generelle IT-Sicherheit in deutschen Behörden bestellt ist:

[Wir erhielten] in fast allen Fällen, binnen kürzester Zeit (ca. 2-8 Stunden), ohne vorherige Kenntnisse der IT, vollen Zugriff auf alle Systeme der jeweiligen Kommunen oder Behörden.

Das Problem liegt also viel tiefer. Denn was bringt es, wenn zwar die Mail verschlüsselt über die Leitung läuft, der Angreifer aber nach dem Entschlüsseln vollen Zugriff auf den Computer des Abgeordneten und vielleicht sogar dessen private Schlüssel hat?

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Reposted by02mydafsoup-01 02mydafsoup-01

Wenn man von Digitalisierung spricht, sollen alle an Deutschland denken.

Zum Anlass der morgigen Einsetzung des Ausschusses Internet und Digitale Agenda, kurz #AIDA, fand heute ein Pressegespräch der CDU/CSU-Fraktion statt. Anwesend waren der zukünftige Vorsitzende des Ausschusses Jens Koeppen, Sprecher der Arbeitsgruppe Thomas Jarzombek und Vize-Fraktionsvorsitzende Nadine Schön, die auch im Ausschuss vertreten sein wird. Neben den dreien wird es 13 weitere Mitglieder geben, davon werden insgesamt sieben von CDU/CSU gestellt.

Ein deutlicher Schwerpunkt der Fragen an die drei Abgeordneten war nach den Diskussionen im Vorfeld der Stellenwert des Ausschusses. Die Wirksamkeit des Gremiums wurde in Frage gestellt, da der Ausschuss, entgegen voriger Annahmen, nicht federführend sein wird. Das bedeutet, er hat bei Gesetzgebungsverfahren eine beratende Funktion, kann aber keine Entwürfe direkt zur Abstimmung in den Bundestag einbringen. Koeppen sieht aber nicht, dass der Ausschuss deswegen weniger wichtig sei. Er sprach davon, die Situation sei analog zum Umweltausschuss bei dessen Einsetzung als Folge des Reaktorunglücks von Tschernobyl. Mittlerweile ist der Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit jedoch federführend in Umweltfragen. Und scheinbar sieht auch Koeppen diese Möglichkeit für AIDA, er spricht von einem etwaigen Staatsminister oder sogar Ministerium und einer potentiellen Federführung noch in dieser Legislaturperiode.

Schön sieht das wohl ein bisschen anders. Sie halte es für glücklich, dass es keinen zentralen Koordinator gebe, denn das Thema sei zu wichtig für “Kompetenzrangeleien”. Auch einen Internetminister halte sie im Rückblick für keine so gute Idee mehr, denn am Ende sei dies ein Minister ohne Ministerium und ohne Zuständigkeit. Man könne keine Bruchstücke aus anderen Ministerien herausziehen, daher sei es gut, dass jetzt drei Ministerien den Hut aufhätten. Aber wenn ein Internetminister schon keine Zuständigkeit hätte, welche Zuständigkeit hat dann ein Ausschuss?

Jarzombek sieht AIDA als Ausschuss für den “disruptiven Umbruch” in der Gesellschaft durch Digitalisierung, in dem man klären müsse, wie Gesellschaft und Staat mit der Entwicklungsgeschwindigkeit der Netzwelt mithalten könnten. Auch er sieht das Fehlen eines zentralen Koordinator als Chance und definiert den Ausschuss als Servicepartner für technische Aspekte. Man wolle aber auch “den ein oder anderen ein bisschen pieksen” und “ein Stück weit erklären, was im Internet passiert”. Einen besonderen Kompetenzbeschnitt durch die mangelnde Federführungskompetenz sieht keiner der drei. Dadurch, dass der Ausschuss ein Hauptausschuss und nicht mehr der Unterausschuss “Neue Medien” ist, der bereits in der letzten Legislatur aktiv war, sieht man sich “auf Augenhöhe” mit den anderen. Die Wichtigkeit des Themas sei bei der Bundesregierung angekommen und es zähle jetzt, Themen gemeinsam anzugehen. Koeppen sagte:

Man kann Mitberatung sehr gut machen, man kann aber auch Federführung versemmeln.

Damit hat er sicher recht, aber es stimmt wenig optimistisch, wenn gleich darauf eine Relativierung hinsichtlich der Aktionsbereitschaft folgt:

Wir wollen auf keinen Fall irgendjemandem ein Thema wegnehmen, wir wollen begleiten.

Die Themen, die Koeppen, Jarzombek und Schön hier als Schwerpunkte sehen, sind gemessen an der Vielschichtigkeit der digitalen Welt überschaubar: Wirtschaft, Gründerszene, Breitband – das sind die Worte, die am häufigsten fallen. Koeppen argumentiert immer wieder mit seiner Herkunftsregion, der Uckermark. Dort könne man schön wohnen, aber wenn der Architekt seine Pläne nicht schnell per Mail nach Berlin oder New York schicken könne, werde dort keiner mehr hinziehen. Der ländliche Raum müsse gestärkt werden. Jarzombek wird konkret und verspricht: 50 Mbit/s in jedem Dorf bis 2018.

Mit dem “Risikointernet”, wie Koeppen es bezeichnet, befasst man sich nicht so gern. Fragen nach Datenschutz und Massenüberwachung bleiben weitgehend unbeantwortet. Man solle sich auf die Chancen konzentrieren. Schön schiebt die Zuständigkeit für Datenschutz und gegen Massenüberwachung auf andere. Man sei ja kein NSA-Untersuchungsausschuss und auch kein Innenausschuss. Es ernüchtert sehr, zu sehen, wie das Internet bereits jetzt auf wirtschaftliche Aspekte zusammengekürzt wird. Vor allem, da es dafür ja bereits das Wirtschaftsministerium und in Hinsicht auf den Breitbandausbau das Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gäbe. Und auch Minister Dobrindt will Koeppen  keine Arbeit wegnehmen, höchstens ein bisschen “Brandbeschleuniger” sein. Da möchte man den Vorwurf des ehemaligen grünen (sic!) netzpolitischen Sprecher im Hessischen Landtag nehmen…

… und umdrehen.

Schließt man aus den heutigen Antworten auf die zukünftige Digitale Agenda, ist in Sachen freies Internet und Datenschutz nicht viel zu erwarten. Fragt man die drei nach ihrer eigenen Vision, was denn der Ausschuss zu Ende der Legislatur erreicht haben will, wird es unkonkret. Koeppen wünscht sich, man könne dann sagen,  es sei ausgezeichnet gewesen, dass man den Ausschuss habe. Nadine Schön formuliert mit mehr Pathos:

Wenn man von Digitalisierung spricht, sollen alle an Deutschland denken.

Wir hoffen mal, nicht im Negativen. Und damit an diesem Schluss auch etwas Positives steht: Es wurde heute auch die Frage angesprochen, wie man es denn künftig mit den Bloggern halten wolle. Denn es gab ja diverse Probleme, sowohl in Hinblick auf unsere Jahres- wie auch auf Tagesakkreditierungen. Hier äußerte sich Jarzombek klar. Der Bundestag müsse deutlich offener werden, an einigen Stellen herrschte eine merkwürdige Sichtweise. Und am Wichtigsten

[Blogger] sollen die gleichen Rechte haben wie klassische Journalisten.

Dankeschön, wir kommen drauf zurück!

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

February 11 2014

Direktor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt fordert Porno-Netzsperren

Happy Safer Internet Day! Einmal im Jahr wird mit Veranstaltungen und Pressemitteilungen am 11. Februar dem Jugendschutz gedacht. In der Regel wird dieser Tag auch genutzt, um diverse Forderungen in die netzpolitische Debatte zu werfen. Andreas Fischer, Direktor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt, schoss dabei heute den Vogel ab und forderte mal eben per dpa die “Einführung von Pornofiltern für das Internet nach britischem Vorbild”.

“Die sogenannten Pornofilter sind ein Instrument, um Eltern zu helfen, ihre Kinder vor nicht altersgerechten Inhalten aus dem Netz zu schützen”, sagte Fischer der Nachrichtenagentur dpa anlässlich des Safer Internet Day an diesem Dienstag. “Die großen deutschen Internetprovider sollten den britischen Weg ohne Vorurteile prüfen.”

Pornofilter, in der hiesigen netzpolitischen Debatte auch als Netzsperren bekannt, erlebten ihren Höhepunkt 2009 als sie von der vorvergangenen großen Koalition im Rahmen der Zensursula-Gesetzgebung eingeführt und von der letzten Koalition dann schnell wieder begraben wurden. Seitdem hat niemand mehr ernsthaft den Aufbau einer Netzszensurinfarstruktur gefordert.

In der Zwischenzeit hat Großbritannien Netzsperren eingeführt, die dort mehr schlecht als recht funktionieren. Erwartungsgemäß gibt es mehr Nebenwirkungen als Nutzen, es wird zuviel anderes gesperrt und das eigentliche Ziel, Kinder vor pornographischen Inhalten zu schützen, erreicht die britische Netzzensurinfrastruktur nicht.

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Reposted by02mydafsoup-01 02mydafsoup-01

Morgen im Bundestag: Debatten über Einsetzung Ausschusses Digitale Agenda und NSA-Untersuchungsausschuss

Morgen Nachmittag debattiert der Deutsche Bundestag hintereinander über die Einsetzung eines Hauptausschusses Digitale Agenda und eines NSA-Untersuchungsausschusses. Die erste Einsetzung ist konfliktfreier, beim Untersuchungsausschuss geht es um die Frage, was eigentlich genau untersucht werden soll. Und hier möchte die Opposition mit einem gemeinsamen Antrag mehr untersuchen und die Regierungskoalition hat das Interesse, möglichst wenig zu untersuchen (was der Regierung auf die Füsse fallen könnte).

Theoretisch werden beide Programmpunkte unter bundestag.de auch gestreamt. Wir werden darüber berichten. Und das sagt die Tagesordnung:

Einsetzung des Bundestagsausschusses Digitale Agenda: Über die Einsetzung des Ausschusses “Digitale Agenda” beraten die Abgeordneten ab 15.05 Uhr. Dazu wollen die Fraktionen einen Antrag vorlegen. Für die Debatte stehen 45 Minuten zur Verfügung.

Einsetzung eines NSA-Untersuchungsausschusses: Ab 15.50 Uhr debattiert der Bundestag eine Dreiviertelstunde lang über einen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der “NSA-Affäre”, den die beiden Oppositionsfraktionen Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen in einem gemeinsamen Antrag (18/420) fordern.

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Reposted bySchibulski Schibulski

February 10 2014

Interview: Edward Snowden ernennt Berliner Anwalt Kaleck

Edward Snowden hat jetzt den Berliner Menschenrechtsanwalt Wolfgang Kaleck als seinen deutschen Anwalt ernannt. Der Tagesspiegel hatte am Wochenende ein ausführliches Interview mit Kaleck, der auch Generalsekretär des European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) ist, veröffentlicht: “Edward Snowden hat nichts verkauft, nichts gewonnen. Er verdient Respekt”

Snowden ist 30, er sitzt in Russland fest, wo er bis Mitte dieses Jahres noch Asyl hat, seine Familie kann er nicht besuchen. Geht’s ihm gut?

Mein Gefühl ist, er geht seinen Weg. Er braucht viel Unterstützung, er wünscht sich viel Unterstützung, aber mehr für die Sache als für sich selbst. Er fordert – gerade von uns Europäern: Redet über Whistleblower insgesamt, redet über ihren Schutz, gebt ihnen einen besseren rechtlichen Status!

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Reposted by02mydafsoup-01 02mydafsoup-01

Unions-Fraktion lädt uns zum Pressegespräch, wir scheitern an der Tür

Vor einer Woche berichtete ich über meine erfolglose Jahresakkreditierung bei der Pressestelle des Deutschen Bundestages. Gegen die Ablehnung habe ich förmlich Widerspruch eingelegt, da ich hauptberuflich journalistisch tätig bin und über einen Presseausweis verfüge, seitdem habe ich aber nichts mehr gehört (Bis letzten Freitag wollte man sich melden).

Heute hatten wir ein neues Erlebnis mit der Pressestelle. Die CDU-/CSU-Bundestagsfraktion hat uns zu einem Pressegespräch eingeladen. Da ich am Mittwoch Vormittag nicht kann, wollte Anna Biselli für uns hingehen und hat sich bei der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion angemeldet. Diese hat sie an die Pressestelle des Bundestages weitergeleitet, dort hat sich Anna dann per Formular und Fax angemeldet und gerade die Ablehnung erhalten:

Ohne Presseausweis bekommt sie keine Tagesakkreditierung, darf also auch nicht an dem Pressegespräch teilnehmen, zu dem wir explizit eingeladen worden sind.

Wo ist Kafka, wenn man ihn braucht?

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Die hinterhältigen Tricks der Porno-Abmahner

Kai Biermann hat für Zeit.de den Hintermännern der Redtube-Massenabmahnungen hinterher recherchiert und daraus eine lesenswerte Reportage gemacht: Die hinterhältigen Tricks der Porno-Abmahner.

Konfrontiert mit dieser Erkenntnis, zeigt Urmann, genau wie Sebastian und Reichert, in eine andere Richtung: Weg von sich, hin zu den vielen, vielen Filesharern und Datenherunterladern, die eine ganze Wirtschaft ruinierten. Dass sie möglicherweise selbst Unrecht geschaffen haben, will keiner zugeben. Warum auch? Immerhin hat ihnen der Staat mit seinem abmahnfreundlichen Gesetz ein Werkzeug in die Hand gegeben, das solche Briefe erst zu einem guten Geschäft macht. Es hilft sicher, Filesharing zu bekämpfen. Aber zu welchem Preis, wenn darunter viele Unschuldige leiden?

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Rechtsanwälte gegen Totalüberwachung befragen Bundestagsabgeordnete und DAX-30-Vorstände

Über die Initiative „Rechtsanwälte gegen Totalüberwachung“ hatten wir bereits letzten Oktober berichtet. Das Bündnis hatte von der Bundesregierung gefordert, deutlich Stellung gegen die Massenüberwachung durch Geheimdienste zu beziehen und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, beispielsweise die förmliche Einbestellung der Botschafter Großbritanniens und der Vereinigten Staaten, die Aussetzung der Verhandlungen zum Freihandelsabkommen, die Schließung der NSA-Standorte in Deutschland und eine strengere Kontrolle der deutschen Geheimdienste. Die Reaktion im Kreis der Bundestagsabgeordneten fiel bisher verhalten aus, das Bündnis  hat daher einen Katalog von 16 Fragen entworfen und heute an alle Abgeordneten verschickt, um sie direkt zu einer Stellungnahme aufzufordern.

Auch die Vorstandsvorsitzenden der DAX-30-Konzerne werden einen Fragebogen erhalten, da Edward Snowden angedeutet hat, die USA würden Wirtschaftsspionage in Deutschland betreiben. Die Ergebnisse kann man sich – mit Namen der Befragten – auf der Webseite der Initiative anzeigen lassen. Dadurch entsteht zweifelsohne immenser öffentlicher Druck, vor allem weil die Kontaktdaten der Angesprochenen auch veröffentlicht werden. Dementsprechend hat jeder Bürger die Möglichkeit, den betreffenden Abgeordneten oder Vorsitzenden zu kontaktieren und ihn zur Antwort aufzufordern, beziehungsweise um Stellungnahme zu fragwürdigen Antworten zu bitten. Wenngleich einige der Fragen sehr suggestiven Charakter haben und die jeweils zwei Antwortmöglichkeiten oft keine nuancierte Positionierung möglich machen, wo sie erforderlich wäre. So in Frage 2:

Die verdachtsunabhängige Totalüberwachung des Lebens aller Menschen beinhaltet
für mich,

  1. weder ein Risiko für die Grundrechte des Einzelnen noch für unsere Demokratie,
  2. das Risiko, dass der Einzelne sein Grundrecht auf freie Meinungsäußerung aus Angst vor Überwachung oder Repressalien zukünftig nicht mehr wahrnehmen wird, wodurch die  Funktionsfähigkeit unserer Demokratie gefährdet und sogar die Entstehung eines totalitären Staates begünstigt werden kann.

Das US-Konsulat in Hamburg bekam auch einen Brief der Rechtsanwälte und wird gebeten, zu bestätigen, dass dort keine Abhörstation der NSA oder des „Special Collection Services“ betrieben werde. Die Skepsis, die zu der expliziten Ansprache führte, rührt daher, dass Präsident Obama lediglich versichert habe, er werde verhindern, dass Merkel abgehört werde, wohingegen andere Politiker immer noch widerspruchslos überwacht werden könnten.

Es wird interessant sein, wieviele der Befragten der Aufforderung bis zur Frist am 20. Februar nachkommen und ob es Überraschungen im Inhalt der Antworten geben wird.

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Reposted by02mydafsoup-01brightbytedonaudampfschifffahrtsgesellschaftesco

February 06 2014

Die Haltung Deutschlands zum Datenaustausch mit Drittstaaten

Am 23. und 24. Januar 2014 haben sich die Justiz- und Innenminister der europäischen Länder zu einem informellen Rat in Athen getroffen. Auf der Tagesordnung standen die europäische Datenschutzgrundverordnung und angesichts der Entwicklungen mit den USA vor allem Regelungen zur Datenübermittlung in Drittstaaten, wie die Safe-Harbor-Vereinbarung.

Deutschland, das vom  Parlamentarischen Staatssekretär des Innenministeriums, Ole Schröder, vertreten wurde, brachte einem Nachbericht zu Folge erneut den zu Safe Harbor konträren Vorschlag ein, die kommende Datenschutzgrundverordnung um Artikel 42a zu ergänzen. Dieser wurde letztes Jahr schon einmal vom damaligen Innenminister Friedrich vorgebracht und beinhaltet, dass Datenübermittlungen an Drittstaaten den Datenschutzaufsichtsbehörden gemeldet und von diesen genehmigt werden müssen, wenn sie nicht als Rechts- oder Amtshilfe gelten. Die EU-Kommission sieht diesen Bedarf jedoch nicht und verteidigt das “Angemessenheits”-Prinzip.

Das bedeutet, wenn die Kommission für ein Drittland ein angemessenes Datenschutzniveau bestätigt, können Übermittlungen ohne weitere Hindernisse wie in europäische Länder vorgenommen werden. Das ist nicht identisch mit Safe Harbor, es besteht nämlich das Problem, dass die USA keine explizite, kodifizierte Datenschutzgesetzgebung für ihre Unternehmen haben, sondern auf Basis von Selbstverpflichtungserklärungen operieren. Angemessenheit kann also per Definition nicht für die USA gelten, daher dient Safe Harbor als “Workaround”, bei dem einzelne Firmen sich offiziell einem europäischen Schutzniveau verpflichten und dafür beim Handelsministerium der USA registriert werden.

Die EU-Kommission verharrt also weiterhin auf ihrem Standpunkt, Safe Harbor aufrechtzuerhalten. Und zwar zumindest so lange, bis im Sommer 2014 geprüft wird, ob die 13 Handlungsempfehlungen an die USA umgesetzt werden, die Ende November letzten Jahres gestellt wurden. Das EU-Parlament teilt diese Haltung nicht, das macht auch der Berichtsentwurf zu den Anhörungen aufgrund der Überwachungsaffäre klar und geht aus einem Debriefing zu einem EU-US-Datenschutzabkommen aus Anlass einer Referentensitzung am 30. Januar hervor. Dort wird auch darauf verwiesen, dass die Kommission auch auf die EU-US-Ministergespräche warten wolle, die Ende Februar und im März stattfinden werden, bevor man Vorschläge zu einer Ausgestaltung einer konkreten Regelung an die Mitgliedsstaaten gebe.

Interessant vor diesem Hintergrund im Zusammenhang mit der Haltung Deutschlands ist auch eine Kleine Anfrage mit dem Titel “Datenschutz bei der Zusammenarbeit deutscher Finanzdienstleister mit IT-Unternehmen insbesondere aus den USA vor dem Hintergrund
des NSA-Skandals“. Auf Frage 18, wie die Bundesregierung die Wahrscheinlichkeit beurteile, dass die NSA durch Kooperation mit von deutschen Finanzdienstleistungsunternehmen beauftragten US-amerikanischen IT-Dienstleistern – möglich durch Safe Harbor – Zugriff auf Daten deutscher Finanzdienstleistungsunternehmen erhalten könne und davon auch Gebrauch mache, lautet die Antwort:

Ein Zugriff der NSA in Kooperation mit entsprechenden IT- Dienstleistern auf Daten deutscher Finanzdienstleistungsunternehmen ist theoretisch nicht auszuschließen. Allerdings dürfte ein solcher Zugriff regelmäßig rechtswidrig sein.

Das bedeutet faktisch, dass Safe Harbor als “theoretisch” wirkungslos angesehen werden kann, denn offensichtlich sind die amerikanischen Dienstleister zwar unter Safe Harbor anerkannt, aber auf ein angemessenes Schutzniveau vertraut wird nicht, da dieses durch die Datenweitergabe an die NSA ausgehebelt werden kann. Noch interessanter ist die Antwort auf die zweite Teilfrage, die wissen will, ob deutsche Nachrichtendienste von der NSA Informationen über deutsche Finanzdienstleister erhalten hätten. Die Frage wird nicht beantwortet, mit dem Verweis darauf, dass die Auskunft “im Zusammenhang mit der Aufgabenerfüllung des Bundesnachrichtendienstes bestehende Informationen” betreffe. Das stößt sauer auf, denn die Kompetenz des Bundesnachrichtendienstes bezieht sich auf die Auslandsaufklärung. Und wenn gezielt Informationen über deutsche Finanzdienstleister bezogen würden, liegt es nahe, dass nicht nur diejenigen Finanztransaktionen berücksichtigt werden, die ausdrücklich zu Konten Nicht-Deutscher gehören.

Noch seltsamer wird es im weiteren Verlauf der “Antwort”:

[Eine Antwort] ließe negative Folgewirkungen für die Quantität und Qualität des Informationsaustausches befürchten: ein Rückgang von Informationen wäre wahrscheinlich.

Faktisch: Man stellt fest, ein Zugriff der NSA auf Daten der amerikanischen IT-Dienstleister, die deutsche Daten vorhalten, wäre rechtswidrig. Würde man jetzt aber ausplaudern, dass der BND diese, illegal ermittelten, Daten mit der NSA austauscht, hätte das negative Folgewirkungen. Außerdem:

[...] können Angaben zu Art und Umfang des Erkenntnisaustauschs mit ausländischen Nachrichtendiensten auch Rückschlüsse auf Aufklärungsaktivitäten und -schwerpunkte des BND zulassen.

Was ist hier wichtiger: Rechtmäßigkeit zum Schutz der eigenen Bürger oder ein flüssiger Datenaustausch für den BND? Und wie war das nochmal mit dem BND als modernem Dienstleister, der auf Transparenz setzt, um eine “breite Vertrauensbasis” in der Bevölkerung herzustellen? So zumindest kann das nicht funktionieren.

Und langsam sollte man darüber nachdenken den Fokus der medialen Aufmerksamkeit in Deutschland umzuschwenken. Die deutschen Nachrichtendienste sind bisher vergleichsweise unbehelligt geblieben, wenn man die Spähaffäre betrachtet, unbehelligter als wahrscheinlich angemessen. Diese Vermutung legt auch ein internes Begleitdokument zur oben bereits erwähnten Meldung der Kommission nahe, das die Position der Bundesregierung wiedergibt. Dort wird Deutschlands herausragendes Interesse an offiziellen Maßnahmen und Empfehlungen zum Datenaustausch erwähnt, das der “unmittelbaren Betroffenheit” Deutschlands geschuldet sei. In anderen Mitgliedsstaaten sei das nicht in gleichem Maße der Fall.

Dabei kann Deutschland noch so “interessiert” an Regelungen für den sicheren Datenaustausch mit Drittstaaten sein, an der Situation des Austauschs mit Geheimdiensten ändert das kaum etwas, auch wenn man das gerne so inszeniert, denn diese sind durch die geplante Datenschutzgrundverordnung nicht betroffen. Zwar wurde in Artikel 2 des Verordnungsentwurfs aus dem LIBE-Ausschuss gestrichen, dass Aktivitäten zu nationalen Sicherheit nicht unter die Regelungskompetenz der Verordnung fallen, öffentliche Stellen, die sich mit der Verhinderung, Ermittlung, Erkennung und Verfolgung von Straftaten befassen, sind immer noch unter Absatz 2e als Ausnahme aufgeführt.

Aber wir können uns sicher sein, dass wir in Zukunft mehr über das Verhältnis unserer Geheimdienste zur NSA und dem Ausmaß der ausgetauschten Daten erfahren werden, denn der Dokumentenfundus Edward Snowdens ist noch lange nicht aufgebraucht und die Andeutungen in seinem Interview sind deutlich. BND und NSA arbeiteten eng zusammen und gingen “miteinander ins Bett”. Sie teilten dafür nicht nur Informationen, sondern ebenso Instrumente und Infrastruktur und arbeiteten gegen gemeinsame Zielpersonen, sagt Snowden und sieht das als große Gefahr. Es lege die Vermutung nahe, dass der BND sich zumindest bewusst sei, dass Daten deutscher Bürger bei der NSA befänden. Snowden verweist darauf, dass er nicht sagen dürfe, ob diese auch explizit vom BND stammen, bevor Journalisten keine Veröffentlichungen dazu gemacht hätten. Der Umkehrschluss, ob Daten deutscher Bürger auch wieder zurück fließen, ist für uns jedoch genauso interessant.

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

February 03 2014

Pressestelle des Bundestages erklärt: Wir machen hier keine parlamentarische Berichterstattung

Nach zehn Jahren Berichterstattung über die netzpolitischen Debatten im Deutschen Bundestag wollte ich diese Legislaturperiode eine Jahresakkreditierung beantragen. Das Thema Netzpolitik wird ja mittlerweile höher gehängt und es vergeht keine Sitzungswoche, wo nicht über ein Internet-relevantes Thema in diversen Ausschüssen oder im Plenum debattiert wird. Dazu gibt es jetzt einen Hauptausschuss für Internet und digitale Agenda sowie den geplanten NSA-Untersuchungsauschuss. Gesagt getan, habe ich endlich mal eine Presse-Akkreditierung beantragt. Die schriftliche Ablehnung kam vergangene Woche mit dem Hinweis, dass man mir keine Jahresakkreditierung geben wolle, und ich ja immer eine Tagesakkreditierung beantragen könne. Da ich mich gerade noch einige Zeitzonen entfernt im Urlaub befinde, habe ich eine Kollegin in der Pressestelle anrufen lassen, um eine Begründung zu bekommen. Die hat sie in dreifacher Form erhalten.

1. Herr Beckedahl sei bislang noch nie zuvor tagesakkreditiert gewesen.

In den vergangenen vier Jahren brauchte ich keine Akkreditierung, weil ich als Mitglied der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft einen besonderen Hausausweis von der Verwaltung des Deutschen Bundestages erhalten hatte mit der ich rein und rauslaufen konnte. In der Regel hat das auch gereicht, um von Ausschüssen zu berichten, aber einige Male kam es vor, dass mir die Nutzung eines Notebooks oder Smartphones vom Saaldiener untersagt wurde, weil ich keine Presseakkreditierung hatte. In der Regel hab ich mich dann einfach mit meinem Hausausweis einen Stock weiter runter hinter die Abgeordneten setzen können, wo moderne Hilfsmittel nicht störten. Blatt und Papier sind übrigens auf der Bühne auch ohne Presseakkreditierung erlaubt. Warum auch immer. Vorher habe ich mich öfters, wenn ich Zeit und Lust hatte, denn da habe ich das hier noch nebenbei gemacht, als normaler Besucher akkreditiert und damals wurde noch nicht besonders darauf geachtet, ob man auf der Bühne mit einem Notebook sass oder ich hab immer Glück gehabt.

2. Herr Beckedahl würde nicht parlamentarisch Bericht erstatten.

Ich weiß ja nicht, was die Pressestelle des Deutschen Bundestages unter parlamentarischer Berichterstattung versteht. Natürlich können und wollen wir keine unkritische Hofberichterstattung versprechen, aber es gibt kaum Medien in Deutschland, die so intensiv wie wir in den vergangenen Jahren über netzpolitische Debatten im Parlament berichtet haben, darunter waren auch ausführliche Berichte über fast alle relevanten Ausschussanhörungen zu allen möglichen Themen. Wir erklären hier ausführlicher als andere journalistische Medien Abläufe in der Arbeit des Deutschen Bundestages, bewerten Prozesse und Debatten und ordnen diese ein. Aber vielleicht habe ich auch eine falsche Vorstellung davon, was die Pressestelle für parlamentarische Berichterstattung hält?

3. Herr Beckedahl wäre Blogger und kein Journalist.

Sind wir wieder im Jahre 2004 angelangt, als die Debatte Blogger vs. Journalisten entbrannte? Ein Blog ist ein Medium, mit dem man journalistisch arbeiten kann, oder auch nicht. Wir gehen davon aus, dass wir hier journalistisch arbeiten, zudem mache ich das hauptberuflich. Und das sehen andere offensichtlich auch so: Sonst hätte mir der Deutsche Journalistenverband keinen Presseausweis ausgestellt und wir hätten auch keine journalistischen Auszeichnungen wie eine Nominierung für den Grimme Online Award in der Kategorie Information erhalten. Andere Journalisten haben mich zweimal (2009/2012) für das Medium-Magazin zu den Top 10 der Politikjournalisten in Deutschland gewählt. Ich habe in den vergangenen Jahren auch für viele namhafte journalistische Medien Beiträge für Print und Radio verfasst, deren Journalisten selbstverständlich nur aufgrund ihres Mediums eine Jahresakkreditierung erhalten, auch wenn sie nicht soviel über die Arbeit des Deutschen Bundestages berichten wie wir.

Warum will ich eine Jahresakkreditierung und keine Tagesakkreditierung?

Eine Tagesakkreditierung muss man immer bei der Pressestelle im Voraus beantragen (Fristen beachten) und anschließend stellt man sich in die Schlange bei der Abgabe, bevor man überhaupt den Deutschen Bundestag betreten kann. Das kostet Zeit und Aufwand. Außerdem besteht immer die Gefahr einer Ablehnung und dann kommt man nicht rein. Und kurzfristig mal zu einer Ausschusssitzung oder Pressekonferenzen von Bundestagsabgeordneten (die manchmal auch kurzfristig einberaumt werden) gehen ist auch nicht drin. Mein Büro ist 15 Minuten mit dem Fahrrad vom Bundestag entfernt, ich kann da spontan hinfahren, wenn was ansteht. Mit einer Jahresakkreditierung spare ich mir und der Verwaltung Arbeit, die Verwaltung hat ihre Ruhe und ich habe mehr Zeit für die parlamentarische Berichterstattung.

Einschränkung von Pressefreiheit

Die Verweigerung einer Jahresakkreditierung benachteiligt mich in unserer Arbeit gegenüber anderen Journalisten, und man kann das auch als Einschränkung von Pressefreiheit und als einen Versuch, kritische Berichterstattung zu erschweren, sehen. Ich bin mal gespannt, wie die Pressestelle auf unseren Einspruch reagiert. Die Fraktionen von Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen haben uns schon Unterstützung zugesagt.

Apropos lieber Deutsche Bundestag: Wie passt es denn zusammen, dass wir hier keine parlamentarische Berichterstattung machen, aber von der Verwaltung die Erlaubnis angefragt wurde, unseren RSS-Feed in das Hauseigene System einzupflegen, damit Bundestagsabgeordnete und Mitarbeiter sich besser über unsere Inhalte informieren können?

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Reposted by02mydafsoup-01 02mydafsoup-01

BSI-Fail bei geklauten Passwörtern wird immer größer

Hacker aus Osteuropa hatten mehrere Millionen Passwörter zu Nutzeraccounts in die Hände bekommen. Danach ist die Datenbank mit diesen Zugangsinformationen in die Hände des BSI gelangt. Und wahrscheinlich erinnert ihr euch noch an die Meldung vor zwei Wochen, in der wir darüber gelästert haben, dass die Webseite der Behörde zur Überprüfung ob man selbst zu den Betroffenen gehört vom Ansturm an Abfragen in die Knie gegangen war.

Schon damals hatte man sich an vielen Stellen gefragt, warum es so lange gedauert hatte, bis das BSI mit der Information über die geknackten Onlinekonten an die Öffentlichkeit gegangen war, immerhin hatten sie nach eigenen Angaben bereits seit Dezember über den Vorfall Bescheid gewusst. BSI-Präsident Michael Hange rechtfertigte die Verzögerung jedoch damit, es habe lange gedauert bis das Verfahren einer “großen Zahl von Anfragen gewachsen ist”.

Das klang damals schon ein bisschen fragwürdig. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass der Datenklau nicht erst seit Dezember bekannt war. Der Spiegel hat gestern bekannt gegeben, dass BKA und BSI bereits im August vor geknackten Konten gewarnt hatten. Aber nicht normale Bürger, sondern ausschließlich Mitglieder von Behörden, Ministerien und dem Deutschen Bundestag, denn man hatte herausgefunden, dass sich 600 E-Mail-Adressen aus diesem Umfeld in der Datenbank betroffener Adressen befanden. Warum man nicht zum gleichen Zeitpunkt auch die Bürger informiert hatte, versucht das BSI damit zu begründen, man habe “zunächst eine aufwendige Webseite programmieren und Datenschutzfragen klären müssen”. Verzeiht, wenn ich Bilder sprechen lasse, aber manchmal sagt ein solches mehr als 1000 Worte:

Original CC-BY-NC-SA 2.0 via Flickr/dkbschmidt

Original CC-BY-NC-SA 2.0 via Flickr/dkbschmidt

Konstantin von Notz sagte gestern dem Spiegel gegenüber, es stehe der Verdacht einer massiven Schutzpflichtverletzung im Raum, falls die Behörden wirklich seit August Bescheid gewusst hätten. Schutzpflichtverletzung ist ein sehr nüchterner Ausdruck für einen Vorfall, der illustriert, dass wir in Deutschland eine Zwei-Klassen-Gesellschaft haben, wenn es um Datenschutz und Privatsphäre geht. Ein wenig wie bei der Abhörung des Kanzlerinnenhandys, auch dort schien die massenhafte Abhörung der Bevölkerung im Verhältnis zu einem einzigen Mobiltelefon keine rechte Relevanz zu haben.

Man sollte sich daher auch an die eigene Nase fassen, wenn man den Amerikanern vorwirft, sie legten unterschiedliche Maßstäbe für die Privatsphäre der Menschen im Land und außerhalb an und man selbst nichteinmal den eigenen Bürgern untereinander das gleiche Schutzrecht zugesteht, ohne dass es einen ernstzunehmenden Grund dafür gibt. Das ist kein technischer Ausrutscher – das ist eine Missachtung demokratischer Werte und eine Manifestation asymmetrischer Grundrechtsverteilung.

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Reposted bymondkroetestraycatBloodredswanambassadorofdumbCholerik

January 29 2014

Internetausschuss: Mogelpackung, zahnloser Tiger oder Chance?

In der vergangenen Wahlperiode gab es den Unterausschuss Neue Medien, der sich beratend zu netzpolitischen Themen äußerte. Schon damals wurde klar, dass ein Themenkomplex wie Internet und digitale Gesellschaft nicht mehr in eine Nische passt und eine Stärkung braucht. Daher empfahl auch die Enquete-Kommission “Internet und digitale Gesellschaft” die Einrichtung eines ständigen Internetausschusses. Eigentlich hatten wir nach den Kapriolen im Dezember schon die Hoffnung aufgegeben, dass es diesen wirklich geben würde. #AIDA, der als Markenzeichen des geplanten Gremiums auf Twitter deklarierte Hashtag, führte zu Spott und forderte Wortspiele nur so heraus, wie bei Konstantin Notz auf gruen-digital.de:

So ist, nachdem gerade erst die Jungfernfahrt der #AIDA hochjubeljauchzend verkündet wurde, das neue netzpoltische Dickschiff der Großen Koalition, Leck geschlagen und wurde gleich mal wieder in den Trockendock geschleppt. Da liegt der Kahn nun erstmal – mindestens bis zum Februar 2014.

Mit dem Februar hatte er damals sogar Recht, der parlamentarische Geschäftsführer von CDU/CSU Michael Grosse-Brömer hat nun bekanntgegeben, dass der Ausschuss nun doch kommen, aber nicht federführend sein werde. Was das bedeutet, wird klar, wenn man sich den Unterschied zwischen einem federführenden und einem nicht-federführenden Ausschuss ansieht:

Bundestagsausschüsse haben im Allgemeinen die Aufgabe, bei Abstimmungen von Gesetzesvorhaben Vorarbeit zu leisten. Das heißt, in ihnen geschieht die eigentliche inhaltliche Arbeit. Experten werden konsultiert, Konflikte diskutiert und Gesetzestexte zur Abstimmung im Bundestag vorbereitet. Und hier liegt der Knackpunkt: Von den meisten Themen ist nicht nur ein Ausschuss betroffen, sondern mehrere Themengebiete werden gestreift. Es bleibt jedoch ein Ausschuss in einer Vorrangstellung, der die Ergebnisse der Diskussion mit den anderen Ausschüssen zusammenträgt und daraus eine Beschlussempfehlung zusammenstellt – dieser Ausschuss ist “federführend”.

Damit deutet sich auch schon an, dass der kommende Ausschuss “Internet und digitale Agenda” eine Schattenrolle spielen wird. Konstantin von Notz, der selbst Mitglied der Enquete-Kommission war, die den Ausschuss empfahl, sagte uns, seine Erwartungen seien sehr enttäuscht worden. “Warum hat man sich dann damals in der Enquete die ganze Arbeit gemacht?”, zweifelt er und fürchtet, der Internetausschuss werde nur zu einem “besseren Unterausschuss ‘Neue Medien’”.

Denn die eigentlichen Entscheidungen werden je nach Thema durch den Innenausschuss, den Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur oder andere diktiert werden. Den Vorsitz des neuen Internetausschusses erhält Jens Koeppen, CDU-Mann und Elektrotechniker aus Brandenburg. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung gibt dieser sich zuversichtlich und sagt, die Einrichtung des Ausschusses sei ein echter Fortschritt. Man werde ja nun zumindest immer gefragt und dürfe mitreden. Das scheint ihm zu reichen, um zu glauben, “dass das gut wird”.

Immerhin dürfte aus einer solchen zahmen und vertrauensseligen Haltung kein Widerspruch erwachsen und es drängt sich die Befürchtung auf, dass man aus Kreisen des neuen Ausschusses nicht nur keine konkreten Gesetzesvorlagen, sondern nicht einmal mehr ernsthafte Einwände erwarten können wird. Da muntert uns auch das Motto “Nägel mit KOEPPEN” auf seinem Twitter-Account nicht mehr auf.

Lars Klingbeil, der netzpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, ist optimistischer und betont uns gegenüber, dass die Frage der Wirksamkeit des Ausschusses nicht durch den Stempel “federführend” bestimmt wird. “Es kommt auf die Aktivitäten an”, sagt er. Deutlich enttäuscht hingegen ist Halina Wawzyniack. Sie wird im zukünftigen Ausschuss für Die Linke vertreten sein und kritisiert die Abwertung des Ausschusses aufs Schärfste als “Mogelpackung” und fürchtet die Errichtung eines “Labergremiums”. Es mache keinen Sinn, den Ausschuss als nicht-federführend einzurichten, denn so “bleibt Netzpolitik immer nur ein Anhängsel”.

Bei so großer Enttäuschung auf linker und grüner Seite fragt man sich, ob überhaupt noch etwas zu retten ist. Konstantin von Notz will versuchen, Handlungsempfehlungen, die in der Enquete ausgearbeitet wurden, auf die Tagesordnung zu bringen und umzusetzen. Ob das aber als Opposition wirksam sein wird, müsse sich noch zeigen. Petra Sitte aus der Linksfraktion nannte den Ausschuss tagesschau.de gegenüber einen “zahnlosen Tiger”, was wenig Hoffnung macht.

Es wird aber neben der in Zweifel stehenden Wirksamkeit noch ein ganz anderes Signal gesetzt: Die Kompetenzen zur Regelung netzpolitischer Inhalte sind fragmentiert und verstreuen sich bunt über einen Flickenteppich aus Ministerien und Ausschüssen. Nicht einmal die Beteiligten selbst scheinen sich einig zu werden, wer eigentlich was regelt. Alexander Dobrindt (CSU) hat als Minister für “Verkehr und digitale Infrastruktur” schon den Spitznamen “Datenautobahnminister” bekommen und den Breitbandausbau auf die Agenda gesetzt, aber auch die Wirtschaft unter Sigmar Gabriel fordert ein Mitspracherecht zu vielen Netzthemen. Unser Innenminister Thomas de Maizière hat sich ja schon 2010 mit seinen “14 Thesen” zur Internetpolitik hervorgetan. Dabei behält er heute vor allem die innere Sicherheit im Visier und bietet damit zusammen mit Justizminister Maas viel Stoff zur Vorratsdatenspeicherung. Trotz dieses bunten Durcheinanders hat man nach der Klausurtagung in Meseberg letzte Woche verkündet, man habe sich auf eine Struktur verständigt und bis zum Sommer sollen Eckpunkte einer Digitalen Agenda vorliegen – die werden uns zeigen, wie es weitergeht und ob es außer einer öffentlich-medialen Aufwertung des Themas “Netzpolitik” durch Errichtung eines Ausschusses und Erweiterung eines “halben Ministeriums” spürbare Effekte geben wird.

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Reposted by02mydafsoup-01 02mydafsoup-01

January 28 2014

De Maizière will eine schnelle Umsetzung der EU-Datenschutzreform – aber nur zur Hälfte

Nicht nur NGOs haben den Europäischen Datenschutztag zum Anlass genommen, ein Statement zu verfassen. Auch unser Innenminister Thomas de Maizière äußert sich zum heutigen Tag bezüglich der EU-Datenschutzreform. Und eigentlich klingt alles erstmal ganz vernünftig. Es wird betont, dass das alte europäische Datenschutzrecht von 1995 den Gegebenheiten der heutigen Zeit nicht mehr gewachsen sei und man neue Schutz- und Regelungskonzepte brauche. Auch dem Fazit kann man zustimmen:

Wir müssen daran arbeiten, die EU-Datenschutzverordnung moderner und innovativer zu gestalten, um sie passend für eine vernetzte Informationsgesellschaft zu machen.

Dann geht er noch darauf ein, dass man nicht nur auf europäischer, sondern auch auf globaler Ebene für effektiven Schutz der Daten europäischer Bürger sorgen müsse. Der Punkt, an dem der Leser ins Stocken kommt, steckt erst im letzten Absatz:

Wenn wir rasch Erfolg haben wollen, können wir über eine Konzentration der Datenschutzverordnung auf das europäisch dringend Nötige nachdenken: den Bereich der Wirtschaft im digitalen Binnenmarkt. Der Schutz des Bürgers vor staatlicher Datenverarbeitung ist in Deutschland auch dank des Bundesverfassungsgerichts hoch entwickelt. Ihn durch eine weitere europäische Harmonisierung weiter zu verbessern, ist schwer vorstellbar.

Das ist kein Plädoyer für eine europäische Datenschutzgesetzgebung – das macht klar, dass zwar die Wirtschaft gern von Europa aus geregelt werden soll, die eigene Praxis im öffentlichen Sektor will man aber lieber selbst bestimmen.

Dieser Einwand kommt reichlich spät. Und falls de Maizière wirklich gewillt ist, diese Debatte wieder auf den Tisch zu hieven, muss ihm bereits jetzt klar sein, dass das die Datenschutzreform nicht schnell umsetzen, sondern massiv zurückwerfen würde. Aber woher kommt diese Attitüde? Grund dafür dürfte das Wesen der deutschen Datenschutzgesetzgebung sein. Traditionell regelt das Bundesdatenschutzgesetz nämlich – vereinfacht – privatwirtschaftliche Unternehmen und andere nichtöffentliche Stellen. Für Behörden der Länder und Gemeinden gibt es die einzelnen Landesdatenschutzgesetze. Das bedeutet: 16 Einzelgesetzgebungen, welche die oben erwähnte “staatliche Datenverarbeitung” reglementieren.

Dass man es bei einer Harmonisierung dieser durch eine EU-weite Verordnung nicht jedem Recht machen kann, war trotz Lobbydruck im Grunde überwunden geglaubt. Genaugenommen gab es bereits 2001 ein Gutachten für das Innenministerium, das ausdrückt, dass die Verteilung der Kompetenzen und Regelungen auf Länder und Bund nicht mehr zeitgemäß ist:

Um den neuen Gefährdungslagen der informationellen Selbstbestimmung im nicht öffentlichen Bereich gerecht zu werden sowie um die Regelungsstruktur zu vereinfachen und ihr Verständnis zu erleichtern, sollten die  allgemeinen Datenschutzgrundsätze für den öffentlichen und für den nicht öffentlichen Bereich gleichermaßen gelten. (siehe S. 44)
Schade, dass unser jetziger Innenminister wieder einen Schritt hinter diese Einsicht zurückgefallen ist.

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Auch netzpolitischer “Linksextremismus” im Fokus des FOCUS (Update: Reaktion der JU)

Ist euch eigentlich klar, dass ihr euch gerade auf den Seiten eines linksextremistischen Infodienstes befindet? Dass wir sensible Daten durch unsere konspirativen Verbindungen mit der anarchistischen Szene zugespielt bekommen und diese dann veröffentlichen, damit Radikalinskis im Berliner Untergrund wissen, was sie als nächstes anzünden können? Und das, indem wir uns ständig auf die Beantwortung Kleiner Anfragen berufen und uns damit aus Quellen speisen, die das Anrecht auf Auskunft schamlos missbrauchen? Zum Beispiel hier, hier oder auch hier.

Quatsch? Könnte man meinen. Aber der FOCUS sieht das offenbar anders. In einer peinlichen Reportage, von der leider nur eine Kurzmeldung online einsehbar ist, diffamiert er die Praxis von Abgeordneten der Linkspartei, Kleine Anfragen zu stellen und Informationen daraus weiterzugeben. Mit dem polemischen Titel “Spähangriff im Parlament – Polizei und Bundeswehr fühlen sich von Abgeordneten der Linkspartei ausgeforscht. Sensible Daten der Bundesregierung zur inneren Sicherheit landen bei linken Militanten” gibt man sich investigativ und macht sich dabei auf ganzer Linie lächerlich.

Kern des FOCUS-Artikels ist die Kritik daran, dass die Antworten der Bundesregierung auf Kleine Anfragen von Abgeordneten der Partei “Die Linke” von Medien aufgegriffen werden, deren Ausrichtung tendenziell eher links liegt. Als Beispiele werden konkrete Anfragen herausgegriffen, zum Beispiel eine zu öffentlichen Auftritten der Bundeswehr im vierten Quartal 2013 und zu International im Verborgenen agierenden Netzwerken von Polizeien. Das klingt dann so:

Die Linkspartei leitet vertrauliche Informationen der Regierung an militante Gruppen weiter. Darunter sind nach FOCUS-Informationen auch sensible Daten über Bundeswehr, Geheimdienste und Polizei.

Jedem, der in politischen Kreisen arbeitet oder sich journalistisch mit Politik beschäftigt, sollte spätestens jetzt etwas auffallen. Denn die vermeintlich “vertraulichen” Informationen sind sind Antworten auf Kleine Anfragen, die ein wichtiges Mittel der Parlamentarischen Kontrolle darstellen – vor allem für Oppositionsparteien. Diese sind per se öffentlich einsehbar, wenn man im Dokumentations- und Informationssystem des Deutschen Bundestags den Filter “Antwort” benutzt. Aber soviel Medien- und Recherchekompetenz sucht man bei dem Autor der Reportage leider vergebens.

Aber vielleicht unterstellen wir diesem auch zu Unrecht Böses und die angebliche “Veröffentlichung” bezieht sich nicht auf diejenige, im Zuge derer man die Daten im obigen System findet. Vorher gehen selbige nämlich vom betreffenden Ministerium ans Parlamentssekretariat – die Bundestagsmitglieder bekommen ihre Antworten also nicht zeitgleich mit der Öffentlichkeit, sondern etwa zwei Wochen früher direkt aus Ministerien. Erst danach wird eine Drucksachennummer zugewiesen und das Dokument geht ins Layout, bevor es in das Onlinesystem eingepflegt wird. Während dieser Zeit, in der die Mühlen der Bürokratie mahlen, ist es völlig üblich, dass Abgeordnete Datenhäppchen bereits weiterleiten, beispielsweise an Journalisten und Informationsplattformen. Das ist kein exklusives Vorgehen linksradikaler Krawallmacher, sondern gängige Praxis bei Medien wie Der Spiegel, uns – und sicher auch beim FOCUS selbst.

Der sollte sich vielleicht fragen, ob er in Zukunft daher nicht lieber auf die Zitierung von Anfragen der Linken verzichten sollte, um nicht mit vermeintlichen Linksextremisten zu kooperieren. Wie hier (Achtung! Skandalös sensible Information!) im Regionalteil Rostock:

Für ein bundesweites Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes sind in Mecklenburg-Vorpommern sechs Vorschläge eingegangen. Sie reichen von der Reetdachdeckerei [...] bis hin zu plattdeutschem Theater und Grünkohlessen. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Landtag hervor.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass man viel eher wider besseren Wissens versucht, Die Linke in eine extremistische Ecke zu stellen. Gründe dafür kann man sich mehrere vorstellen. Zum einen dient eine solche Kampfargumentation dazu, die standardmäßige Beobachtung von Parteimitgliedern durch den Verfassungsschutz weiter zu rechtfertigen. Diese hat seit Bestehen der Partei Tradition. Am 9. Oktober 2013 hatte das Bundesverfassungsgericht aber die Überwachung von Bodo Ramelow für rechtswidrig erklärt und damit manifestiert, dass die Überwachung einzelner Abgeordneter nicht pauschal aufgrund der Parteizugehörigkeit, sondern nur dann zulässig ist, “wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Abgeordnete sein Mandat zum Kampf gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung missbraucht oder diese aktiv und aggressiv bekämpft.”

Ein weiterer Grund könnte der Wille sein, lästige Anfragen reduzieren zu wollen, indem man negative, abschreckende Öffentlichkeit gegenüber der Fragelustigkeit der Partei generiert. Das steht im Gegensatz zu anderen Berichten, die “Fleißigkeit” der Abgeordneten anhand der Anzahl ihrer Anfragen medial bewerten. So gab es zu Ende der letzten Legislaturperiode verschiedene Berichte, in denen Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Fraktion von Die Linke, die im FOCUS-Artikel als “kampagnengestählte 62-Jährige” betitelt wird, mit ihren bis dahin 985 Anfragen als besonders wissbegierig und emsig gelobt wird. Auch Der Spiegel monierte damals, dass die SPD mit der Anzahl ihrer Anfragen hinter Linken und Grünen zurückliege.

Am 10. Januar ging die bisher ausführlichste Anfrage der Linken ein, die auf 16 Seiten Auskunft über Kooperationen und Projekte europäischer Polizeien im zweiten Halbjahr 2013 erfragt. Es geht um Treffen von Arbeitsgruppen – zum Beispiel zur Terrorismusbekämpfung und “Euroanarchismus” – und deren Tagesordnungspunkte, Zusammensetzung und Ergebnisse. Solche detaillierten Auskünfte sind sicherlich aufwändig, daher ist es gut vorstellbar, dass man deren Ausmaß und Häufigkeit in Zukunft gerne reduzieren will.

Davon abgesehen fördern diese oftmals Unangenehmes zu Tage. Die Anfrage International im Verborgenen agierende Netzwerke von Polizeien war besonders aus unserer netzpolitischen Sicht aufschlussreich. Frage 18 behandelt Treffen des BKA mit Behörden anderer Ländern zum Thema Staatstrojaner-Einsatz und Quellen-TKÜ. Auf einem dieser Treffen im Jahr 2010 gab es dann auch eine Präsentation der Firma Gamma, auf die der Erwerb einer Testlizenz der Überwachungssoftware FinSpy folgte:

Das im Rahmen des Arbeitstreffens [...] vorgestellte Softwareprodukt zur Durchführung von Maßnahmen der Quellen-TKÜ„FinSpy“ wurde aus fachlicher Sicht grundsätzlich positiv bewertet. Im Nachgang zu der Veranstaltung wurde [...] geprüft, ob die Software den rechtlichen, fachlichen und technischen Vorgaben und Erwartungen entspricht und grundsätzlich zur Durchführung von
Maßnahmen der Quellen-TKÜ im BKA geeignet ist. Hierfür erwarb das BKA im Frühjahr 2011 eine zeitlich befristete Lizenz der Software „FinSpy“ zu Testzwecken.
Im FOCUS liest sich das so:
Zur besseren politischen Einordnung seiner Anfrage erklärte Hunko die Mitarbeiter von Bundes- und Zollkriminalamt quasi zu Spitzeln, denen er offenbar jede Verschwörung zutraut. Alle Auskünfte des Innenministeriums landeten wiederum im linken Berliner Untergrund.

Der “linke Berliner Untergrund”, das sind wohl wir. Denn wir haben viel über FinSpy/FinFisher berichtet und uns dabei auch auf Anfragen der Linken berufen, wie man hier sieht.

Die Stimmungsmache richtet sich aber nicht allein gegen die Linkspartei selbst. Dass die Anfragen sensible Informationen lieferten, die von militanten Linken missbraucht werden könnten, impliziert auch direkte Kritik an der Bundesregierung. Besteht evidente Geheimhaltungspflicht hat diese im Einzelfall das Recht, öffentliche Auskunft zu verweigern. Scheinbar geht für einige Politiker aber deren Auslegung geheimhaltungsbedürftiger Informationen nicht weit genug.

So Wolfgang Bosbach von der CDU, der das Instrument der Kleinen Anfrage in den Schmutz zieht:

Eine Weitergabe der Infos würde über das legitime Interesse an parlamentarischer Kontrolle hinausgehen.

Solch eine Aussage legt die Frage nahe, wer hier eigentlich in welcher politischen Richtung “extremistisch” handelt. Denn solche Aussagen wie die obige sind klar demokratiefeindlich, im Gegensatz zu der Weiterleitung von Informationen aus einer der Anfragen, die unter anderem im Vorfeld “enthüllt” hatte, dass das Musikkorps der BW am 10.12.2013 in Grevenbroich aufgetreten worden sein wird. Aber Bosbach ist auch vorher schon durch zweifelhaftes Freiheits- und Demokratieverständnis aufgefallen, wie im Rahmen seiner Befürwortung der Einführung von Nacktscannern oder der denkwürdigen Aussage: “Niemand kann das Recht geltend machen, unerkannt durch die Stadt zu gehen.“

Am Ende bleibt uns nur, zu bedauern, dass man solche Meinungsmache im FOCUS lesen muss. Aber wir freuen uns zu sehen, dass die Meldung nicht von anderen Medien aufgegriffen und aufgebauscht wurde. Stattdessen findet man gute Erwiderungen, Sympathiebekundungen und solidarisches Kopfschütteln. Klar ist, wir werden weiter machen wie bisher und freuen uns, wenn uns Menschen auf interessante Anfragen aufmerksam machen – egal ob sie direkt aus Abgeordnetenkreisen stammen oder nur zufällig auf etwas gestoßen sind. Und wir machen keinen Hehl daraus, dass einige unserer Autoren in Parteiumfeldern arbeiten. Denn das ermöglicht uns oftmals erst, auf Themen aufmerksam zu werden, die nicht bereits im Scheinwerferlicht der Berichterstattung stehen.

Und treffender als mit Worten aus der Sesamstraße, die Ulla Jelpke zitiert, kann man eigentlich nicht abschließen:

DIE LINKE wird das Fragerecht jedenfalls gegen alle Angriffe verteidigen. Denn wer nicht fragt, bleibt dumm.

Update: Wo wir gerade vom Dummbleiben geredet hatten. Die Junge Union hat sich auf Twitter mit ihrem Kommentar zum Artikel durch überragende Politik- und Medienkompetenz qualifiziert…

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

January 26 2014

Erst auf Twitter, dann im Fernsehen: Snowden kommuniziert zunehmend mit der Öffentlichkeit

Am Donnerstag fand das hier angekündigte Twitter-Interview mit Edward Snowden statt. Unter dem Hashtag #AskSnowden konnten Fragen gestellt werden, die dann – mit viel Glück – beantwortet wurden. Aufgrund der Masse an Beiträgen war es wohl sehr schwer, eine Auswahl zu treffen. Diese findet man, mit den zugehörigen Antworten, auf http://freesnowden.is/asksnowden.html.

Nochmal in kurzer Zusammenfassung für euch: Snowden würde gern in die USA zurückkehren, das sei für ihn, die Allgemeinheit und die Regierung die beste Lösung. Doch unter den jetzigen Whistleblower-Schutzgesetzen sei das nicht möglich – denn diese beträfen Auftragnehmer [korrigiert: vorher "Angestellte"] der nationalen Geheimdienste nichteinmal. Außerdem sei kein fairer Prozess für ihn möglich, da der Espionage Act, unter dem er angeklagt ist, öffentliches Interesse nicht als legitimen Grund sehe, mit Geheimnissen an die Öffentlichkeit zu gehen.

Dabei habe er alles versucht, Kollegen und Vorgesetzte auf die Missstände aufmerksam zu machen. Auch habe er sich niemals, wie ihm manchmal vorgeworfen werden, Zugang zu deren Passwörtern verschafft. Er erkennt an, dass diejenigen Angestellten, die bei den Geheimdiensten arbeiteten, im Grunde beste Absichten hätten und sieht auch Geheimdienstarbeit an sich als notwendig an. Es sei der Umfang der stattfindenden Massenüberwachung, der zu weit ginge und auf internationaler Ebene reguliert werden müsse.

Doch Snowden gibt sich trotz der schwierigen Umstände optimistisch. Starke Kryptographie sei weiterhin ein wirkames Mittel, Kommunikation selbst gegenüber der NSA zu schützen; die Regierung stehe unter öffentlichem Druck und könne nicht mehr alles so lassen wie es derzeit sei und zuletzt vertraue er darauf, dass die Demokratie sich von dem Schaden, den sie genommen hat, wieder zu erholen:

Was unser Land stark macht, ist unser Wertesystem und nicht eine Momentaufnahme unserer Behördenstruktur oder Gesetzgebung. Wir können die Gesetze reformieren, die Ausuferung der Behörden eindämmen und die hochrangigen Beamten für die missbräuchlichen Programme zur Rechenschaft ziehen.

Ein interaktiver Dialog mit Snowden war bisher selten. Die meisten seiner Botschaften wurden durch Dritte überbracht – wie beim Besuch von Christian Ströbele, John Goetz und Georg Mascolo. Nun ist wieder ein deutscher Journalist, Hubert Seipel vom NDR, nach Moskau gereist und hatte die Gelegenheit, das weltweit erste Interview mit Snowden zu führen und aufzuzeichnen. Auszüge davon werden heute Abend ab 21:45 Uhr bei Günther Jauch ausgestrahlt. Diskutieren werden darüber, neben dem Journalisten Seipel selbst, John Kornblum, US-Diplomat und ehemaliger Botschafter, Hans-Christian Ströbele, Marina Weisband und Julian Reichelt von bild.de.

Das volle 30-minütige Interview wird anschließend um 23:05 Uhr ausgestrahlt, bis zur zugehörigen Dokumentation werden wir uns jedoch noch bis zum Frühjahr gedulden müssen. Uns erwartet also ein spannender Abend und ich bin gespannt, ob der vorher gezeigte Tatort es damit aufnehmen werden kann.

Was auffällt: Deutsche Medien stehen in der Berichterstattung über Snowden und den Bemühungen, mit ihm in Dialog zu treten, anderen voran. Das generiert zwar auf der einen Seite große mediale Aufmerksamkeit, auf der anderen Seite führt es zu noch viel Wichtigerem: Druck auf die Regierung und das EU-Parlament, endlich selbst eine Befragung Snowdens zustande zu bekommen. Letzteres hat zumindest am 9. Januar im LIBE-Ausschuss mit großer Mehrheit für eine Anhörung abgestimmt. Unklar bleibt noch, ob im Livechat oder aus Sicherheitsgründen mit vorher gesammelten Fragen mittels Videoaufzeichnung.

In Deutschland ist man noch nicht so weit. Zwar scheint mittlerweile zumindest ein Untersuchungsausschuss zur NSA-Affäre hochwahrscheinlich, aber zur Causa Snowdenbefragung werden wohl noch einige Diskussionen nötig sein. Da können journalistische Vorreiter nur nützlich sein, die Regierung mahnend auf ihre eigene Langsamkeit aufmerksam zu machen.

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Reposted bywikileaks wikileaks

January 21 2014

sicherheitstest.bsi.de – Wenn die DoS-Attacke aus der eigenen Bevölkerung kommt…

Heute morgen wurde vom BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) die Mitteilung veröffentlicht, es seien circa 16 Millionen kompromittierte Nutzerkonten entdeckt worden. Das heißt, zu den jeweiligen Online-Accounts sind Nutzername, E-Mail-Adresse und Passwort in die falschen Hände gelangt. Die E-Mail-Adressen der betroffenen Accounts seien dem BSI “übergeben” worden, von wo wurde nicht bekannt gegeben.

Netterweise bot die Behörde die Möglichkeit, abzugleichen, ob man selbst zu den Betroffenen gehört, indem man auf der Seite www.sicherheitstest.bsi.de seine Mail-Adresse eingibt. Bekommt man eine Antwort, befindet sich die Adresse unter den kompromittierten. Nach der Adresseingabe bekommt man noch einen vierstelligen Code, der sich auch im Betreff der Mail wiederfinden muss – nur zur Sicherheit.

Apropos Sicherheit. Die erzeugt auch das Kreuzchen, dass man machen muss, um zu versichern, dass man nicht die Mailadresse seines Nachbarn testen lässt.

Ich bin damit einverstanden, dass meine personenbezogenen Daten, die bei der Nutzung des auf dieser Webseite angebotenen Sicherheitstests anfallen, zur Durchführung des Tests und zur Mißbrauchserkennung erhoben, verarbeitet und genutzt werden dürfen. Ich bestätige, dass ich das Angebot auf dieser Webseite ausschließlich unter Angabe meiner eigenen E-Mail-Adresse(n) nutze.

Dass sich wirklich jemand für den Sicherheitstest interessiert, damit haben die Leute vom BSI wohl nicht gerechnet. Zumindest sei die Seite bereits kurz nach Erscheinen eines Spiegel-Artikels zum Thema überlastet und kaum erreichbar gewesen, so der Nachfolgeartikel. Ein etwas peinlicher Fehler, mag man sagen. Aber dass sich an der Situation auch jetzt, zehn Stunden später, kaum etwas geändert hat, ist weitaus mehr als nur eine lapidare Panne.

Da sollte man sich vielleicht nochmal informieren, was bei Denial-of-Service-Attacken getan werden muss, vor allem, wenn sie aus der eigenen, besorgten Bevölkerung kommen…

Zumindest nicht so, wie Pressesprecher Tim Griese empfiehlt:

Die Seite ist immer wieder mal aufrufbar. Am besten probiert man es mehrfach.

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Reposted by02mydafsoup-01 02mydafsoup-01

January 17 2014

Maas bereitet Vorratdatenspeicherung schonmal vor

Kurze Erinnerung an ein Zitat von Bundesjustizminister Heiko Maas vom 5. Januar:

Ich lege keinen Gesetzesentwurf vor, bevor der Europäische Gerichtshof endgültig geurteilt hat, ob die Richtlinie die Rechte der EU-Bürger verletzt oder nicht.

Da, wo schon ein bisschen Hoffnung aufkam, hat sich mittlerweile wieder alles zerschlagen. Maas dreht sich galant selbst das Wort im Mund herum, das berichtet die Mitteldeutsche Zeitung. Aus “führenden SPD-Kreisen” habe diese erfahren, dass Maas in Absprache mit Innenminister de Maizière schonmal mit der Arbeit am Gesetztesentwurf für die Vorratsdatenspeicherung anfangen will. Damit hätte er oben nicht gelogen, denn vorgelegt wird ja erst nach dem Urteil des EuGH.

Es klingt reichlich dubios einen Entwurf schonmal umzusetzen bevor die Rechtmäßigkeit seiner Grundlage nicht bewiesen ist. Wie kommt es zu solch einer Eile? Grund dafür dürfte das Katzbuckeln vor dem Koalitionspartner CDU sein, der auf ganzer Linie seinen Willen durchzusetzen scheint. Dadurch entpuppt sich die große Koalition leider jetzt schon als schwarze Alleinherrschaft – was uns die restlichen vier Jahre erwartet, mag man sich da gar nicht mehr vorstellen…

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

January 16 2014

Peter Hustinx appeliert an Deutschland in der Netzneutralitätsdebatte

Der Noch-Datenschutzbeutragte der EU, Peter Hustinx, war letzten Montag zu Gast in Bonn. Dort hielt er eine Rede auf dem “Regulierungstreff”, Anlass war die bevorstehende “Telecom Single Market”-Verordnung, über die wir berichtet hatten und die im Begriff ist, ein neutrales und freies Internet zu untergraben.

Hustinx, der sich bereits vorher kritisch zur geplanten Verordnung geäußert hatte, umreißt in seiner Ansprache kurz die jüngste Geschichte der Netzneutralitätsdebatte, mit der entstehenden Konkurrenz zwischen den Anbietern und den aufkommenden Zusatzservices und betont die Wichtigkeit einer EU-weit einheitlichen Regelung für grenzüberschreitenden Austausch zu gleichen Marktbedingungen.

Seiner Rolle als Datenschutzbeauftragter geschuldet fokussiert er sich auf die datenschutzrelevanten Aspekte der neuen Verordnung und moniert, dass mit der Einführung von Paketfilterung und Premiumdiensten automatisch auch mehr personenbezogene Informationen ausgewertet werden müssen, was auch mehr Fläche für Angreifer biete und Grundrechte gefährde. Seiner Meinung nach sei die geplante Verordnung diesbezüglich viel zu vage:

Die Verordnung könnte daher zu einem Einfallstor für weitgehende Einschränkungen dieser Grundrechte werden.

Er verweist auf seine Änderungsvorschläge, die er bereits im November vorgebracht hatte. Diese schließen eine Konkretisierung der Voraussetzungen mit ein, unter denen Verkehrsmanagement betrieben werden dürfe, eine Minimalisierung der Datenauswertung und den Verzicht auf Einblick in den Kommunikationsinhalt, die Informiertheit des Nutzers und die Zusammenarbeit von Regulierungs- und Datenschutzbehörden.

Zur Verwirklichung dieser Ziele fordert er die deutsche Bundesregierung auf, sich bei der aktuellen Diskussion in der EU-Kommission proaktiv für den Datenschutz einzusetzen, da dieser eine Voraussetzung für eine freiheitliche Demokratie sei:

Die neue Bundesregierung kann dieses Thema mit Schwung und Energie angehen , und damit auch der  deutschen Position auf europäischer Ebene Geltung verschaffen und Europa insgesamt zu einem höheren Datenschutzniveau führen. Dazu wünsche ich ihr ausdrücklich viel Erfolg.
Die Rede klingt nach einer Ermutigung. Doch steckt auch eine Mahnung dahinter, denn so richtig kann man noch nicht absehen, wie sich die Große Koalition bezüglich eines neutralen Netzes verhalten wird. Aber nicht nur die Bundesregierung kann tätig werden, sondern auch ihr. Macht mit bei der SaveTheInternet.eu-Kampagne und sagt euren Abgeordneten, was ihr wollt!

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Older posts are this way If this message doesn't go away, click anywhere on the page to continue loading posts.
Could not load more posts
Maybe Soup is currently being updated? I'll try again automatically in a few seconds...
Just a second, loading more posts...
You've reached the end.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl