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August 09 2013

Zehn Kommentare zur State-of-the-Net nach den NSA-Enthüllungen: Ist das Internet noch zu retten?

Die Zeit hat zehn Internet-Celebtities über die Zukunft des Internets nach Snowden befragt: Ist das Internet noch zu retten?

Der NSA-Skandal hat das Freiheitsversprechen des Internets gebrochen. Was denken heute die Pioniere und Theoretiker des Internets über die enthüllten Überwachungsorgien? Kann das Netz seine utopische Kraft wiedergewinnen?

Und das sind die Kommentatoren (und die Kommentatorin):

  • Evgeny Morozov: Keine Frage des Internets
  • Jaron Lanier: Information kostet
  • Anke Domscheit-Berg: Gegen die Monopole
  • Viktor Mayer-Schönberger: Die dritte Internetphase
  • Jeff Jarvis: Das Netz muss offen bleiben
  • Markus Beckedahl: Rettet die Grundrechte
  • Florian Rötzer: Ohne Lebenselixier
  • Geert Lovink: Das Prinzip Hoffnung
  • Nathan Jurgenson: Keine digitale Lösung
  • Daniel Suarez: Baut neue Sraßen

    Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

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    August 05 2013

    taz: Warum der Protest gegen Prism und Co. bisher so gering ausfällt

    Die taz geht der Frage nach, warum die Empörung über die Überwachungs-Enthüllungen bislang eher in den Medien als auf der Straße stattfindet. Zu Wort kommen die Bewegungsforscher Peter Ullrich und Roland Roth sowie Wiebke Johanning von der Bewegungsstiftung. Als Gründe werden genannt: Ferienzeit, abstrakte Bedrohung, keine klaren Gegner, keine klare Opfergruppe, keine zentralen Bewegungs-Akteure.

    Ich glaube ja zudem, dass Überwachung/Datenschutz noch nicht in unserem Normhorizont verankert ist, wie es auch Evgeny Morozov jüngst formuliert hat.

    Das Gegenteil darf gerne bewiesen werden. Es gibt einen offenen Brief, den ihr unterschreiben könnt, eine Freiheit statt Angst Demo im September und Platz für viel mehr kleine, dezentrale Aktionen wie den BND-Spaziergang in der vergangenen Woche.

    Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

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    July 24 2013

    Evgeny Morozov: Der Preis der Heuchelei – Die Ideologie des Datenkonsums

    Quelle: re:publica '13

    Quelle: re:publica ’13

    Evgeny Morozov hat heute im Feuilleton der FAZ über das eigentliche Problem, das durch Snowden aufgedeckt wurde, geschrieben: Dass wir Daten als Ware sehen, die – bisher ohne jegliche ethischen und moralischen Überlegungen – frei gehandelt wird. Morozov, der in Belarus geboren wurde und nun in den USA lebt, startet mit der Erkenntnis, dass die USA “Big Data süchtig” sind und dies auch auf absehbare zeit bleiben werden. Im Laufe des lesenswerten Artikels wirft er dann einige Fragen auf, die die Kurzsichtigkeit der jetzigen Debatte der Politiker entlarvt. Es geht nicht um strengere Gesetze für Geheimdienste, bessere Überwachung der Datenschnüffler und die eigene Cloud für Europa.

    Unsere gegenwärtigen Probleme beginnen auf der ideologischen Ebene, nicht bei untauglichen Gesetzen oder unzureichender Kontrolle… Der Umstand, dass alles, selbst unser Körper, mit einem Sensor plus Internetanschluss ausgestattet werden kann, führt letztlich dazu, dass alles kommerzialisiert wird und die beim Gebrauch generierten Daten verkauft werden können. Sensoren und umfassende Konnektivität schaffen neue, flexible Datenmärkte, so dass Selbstüberwachung zu Geld gemacht werden kann.

    Dieses Kommerzialisieren der Daten unterstützt letztlich jeder von uns, der Google mit seinen Daten bezahlt, um GMail nutzen zu können. Oder der Kauf eines vergünstigten Amazon Kindle, in dem Werbung eingeblendet werden darf. Um nur zwei Beispiele zu nennen.

    Politiker irren, wenn sie glauben, die Kommerzialisierung von Daten durch Gesetze verhindern zu können. Kommerzialisierung geschieht ja nicht gegen die Wünsche der Bürger, sondern, weil sie es so haben wollen. Niemand wird gezwungen, Googles E-Mail und Amazons Kindle zu nutzen.

    Morozov, den wir vor einiger Zeit auch im Podcast und der re:publica hatten, zieht hier Vergleiche zur Umweltbewegung, die es im Laufe der Jahre auch geschafft hatte, moralische Überlegungen in einen zuvor völlig rationalen Markt einzubringen. Mittlerweile entscheiden sich Menschen ganz bewusst für das sparsamere Auto, Fair Trade Kaffee, u.ä. nicht, weil es billiger ist, sondern weil sie wissen, dass dahinter auch eine moralische Komponente steht.

    Wir brauchen ein schärferes, eindringlicheres Bild von der Datenapokalypse, die uns in einer Welt erwartet, in der persönliche Daten wie Kaffee oder jede andere Ware gehandelt werden.

    Letztlich argumentiert Evgeny Morozov völlig richtig, dass Snowden und der “NSA-Skandal” eigentlich eine viel größere Debatte anstoßen. In einer Welt, in der so vieles messbar und quantifizierbar geworden ist, Informationsflüsse in Echtzeit geschehen und Rechenkraft immer günstiger wird, werden Daten und Informationen als Rohstoff betrachtet. Wir alle produzieren diesen Rohstoff unweigerlich – bisher ohne jegliches Hinterfragen. Das sollte sich vielleicht ändern.

    Der Datenkonsum ist, genau wie der Energieverbrauch, eine sehr viel größere Bedrohung für die Demokratie als die NSA.

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    April 08 2013

    Morozov: EU-Datenschutzreform nimmt Google in die Pflicht, nicht aus dem Verkehr

    In seinem lesenswerten Kommentar für die Financial Times schreibt Evgeny Morozov über Google und den europäischen Datenschutz. Er schreibt über das Verfahren europäischer Datenschutzbehörden gegen Googles Datenschutzbestimmungen, die mal eben die Daten aus circa 60 Diensten zusammenwarfen. Zudem kommt Morozov auf die Reform des europäischen Datenschutzes zu sprechen, über die das Europäische Parlament Ende Mai final abstimmt. Er macht noch einmal klar, dass niemand Googles Dienste per se verhindern will. Bei der Datenschutzverordnung geht es vor allem um Verantwortung der Unternehmen gegenüber den Nutzerinnen und Nutzern. Die einfache Frage, die es zu beantworten gilt: Was passiert eigentlich mit unseren Daten?

    The European regulators are not planning to thwart Google’s agenda or nip innovation in the bud. This is an unflattering portrayal that might benefit Google’s lobbying efforts but has no bearing in reality. Quite the opposite: it is only by taking full stock of the revolutionary nature of Google’s agenda that we can get the company to act more responsibly towards its users.

    Einige Unternehmen und ihre Abgesandten haben sich schon selbst eingeredet, dass mit der Datenschutzreform die Welt untergeht und wir zurück in die Internetsteinzeit müssen. Leider glauben das auch viele konservative und liberale Abgeordnete, z.B. der deutsche CDU-Europaparlamentarier Axel Voss:

    Die Frage der Nutzung von personenbezogenen Daten in der Werbewirtschaft muss differenziert abgewogen werden. Auf der einen Seite hat der Verbraucher den Wunsch nach kostenlosen Diensten, zugeschnittenem Service und innovativem Internet und auf der anderen Seite auch den Wunsch nach einem hohen Datenschutz. Sie schreiben mir Ihre Email wahrscheinlich auch von einem Emaildienst, der Ihnen kostenlos zur Verfügung steht?

    Sehr strenge Regelungen für die Werbewirtschaft, die die Einwilligung des Verbrauchers benötigen, können z.B. zu kostenpflichtigen Emailkonten führen. Denn auch wenn es bisher nicht so wahrgenommen wird: Der Verbraucher “zahlt” kostenfreie Dienste mit der Möglichkeit der Anbieter zur Nutzung seiner Daten. Der Mehrwert werbefinanzierter Dienste wird auf ca. 40,- EUR pro Nutzer und Monat geschätzt. Ob im Gegenzug Nutzer bereit wären, 40,- EUR pro Monat für Online-Dienste zu bezahlen, erscheint mir sehr fraglich. Deshalb sollte man im Interesse des Nutzers einen noch ausgewogeneren Ansatz finden.

    Quelle: abgeordnetenwach.de

    Solange wir der Datenverarbeitung informiert zustimmen, wie es bei einem E-Maildienst der Fall ist, dürfen Anbieter auch nach der EU-Datenschutzverordnung immer noch alles machen. Es verändern sich vor allem ihre Verantwortlichkeiten gegenüber den Nutzerinnen und Nutzern, Herr Voss.

    Leider denken viele EU-Abgeordnete so wie Voss und unterstützen deshalb Lobbywünsche, die sogar einen Rückschritt hinter unser aktuelles löchriges Datenschutzregime bedeuten. Es wird Zeit, die Abgeordneten aufzuklären. Derzeit laufen die Kompromissverhandlungen. Das heißt, die Abgeordneten in Brüssel müssen jetzt von uns kontaktiert werden.

    Veranstaltungstipp: Evgeny Morozov spricht auf der re:publica 2013. Um Datenschutz(reform) wird es auf der re:publica auch gehen (munkelt man).

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    November 23 2011

    Ändern “Liberation Technologies” die Machtbalance zwischen repressiven Staaten und der Zivilgesellschaft?

    Patrick Meier von Ushahidi ist vielen hier wahrscheinlich durch seine Vorträge bei re:publica und re:campaign bekannt – oder durch seine mehrfachen Erwähnungen auf diesem Blog.

    In seiner jetzt veröffentlichten Dissertation widmet er sich der Frage, ob “Liberation Technologies” tatsächlich die befreiende, also letztlich machtverschiebende Wirkung haben, die man ihnen zuschreibt. Als ”Liberation Technologies” werden Entwicklungen bezeichnet, bei denen davon ausgegangen wird, dass sie ein basisdemokratisches, antirepressives Potenzial haben, wie zum Beispiel das Anti-Zensur- und Anonymisierungstool Tor oder kolloborative Krisen-Visualisierungs-Tool Ushahidi.

    In diesem Zusammenhang wäre der weißrussische “Cyber-Skeptiker” Evgeny Morozov zu nennen, dessen Kernthese sich mit

    Computer speichern alles, und der Nutzen dieser gesammelten Informationen ist für $repressives_regime immer größer als das befreiende Potenzial für die Nutzer.

    zusammenfassen ließe. Diese These breitet er in seinem vor knapp einem Jahr erschienenen Buch The Net Delusion: How Not to Liberate The World aus.

    Patrick Meier hat sich der Frage wissenschaftlich sowohl qualitativ (strukturierte Interviews, “weiche” Daten), als auch quantitativ (messbare Fakten, Zahlen) genähert und viele seiner Regressionsanalysen auf die abhängige Variable “Anzahl an Protesten” konzentriert – die Datenbasis stammt dabei größtenteils aus dem Ushahidi-Projekt. Mit diesem Ansatz findet er Anhaltspunkte dür einen direkten Einfluss des Vorhandenseins von Internet und Mobiltelefonen auf die Häufigkeit von Protest. Die große Leistung der Dissertation besteht aber vermutlich indem Entwickeln eines methodischen Frameworks zur Erforschung von digitalem Aktivismus in repressiven Umgebungen.

    Hier zum Download der weit über 200 Seiten als pdf – um eine ebook-Version will er sich bemühen. Wem die Diss zu umfangreich ist, dem wird das Stöbern in Blog-Artikeln zu ausgewählten Befunden ermpfohlen:

    Theorizing Ushahidi: An Academic Treatise

    How Egyptian Activists Kept Their Ushahidi Project Alive Under Mubarak

    Analyzing Election Monitoring Reports from Egypt Using U-Shahid

    ICTs, Democracy, Activism & Dictatorship: Comprehensive Literature Review

    Impact of ICT on Democracy & Activism: Findings from Statistical Studies

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