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June 26 2013

Landgericht Hamburg: Unternehmen muss selbst sicherstellen, dass Freiheiten weitergeben werden

Immer wieder müssen wir unsere Freiheit verteidigen. Insbesondere bei unser wichtigstes Werkzeug — der Software — versuchen Unternehmen uns unsere Freiheiten zu nehmen. Um das zu erschweren hat die Freie-Software-Bewegung unter anderem Copyleft-Lizenzen erfunden. Freie Copyleft-Lizenzen wie die GNU GPL gewähren allen die Freiheit, die Software für jeden Zweck zu verwenden, ihre Funktionsweise zu verstehen, sie weiter zu verbreiten und an eigene Bedürfnisse anzupassen. Daneben versuchen Copyleft-Lizenzen die Freiheiten zu erhalten: Die Lizenz nimmt denjenigen dazu in Verantwortung, der die Software wieder weitergibt. In der Präambel der GNU GPL ist das so beschrieben:

To protect your rights, we need to prevent others from denying you these rights or asking you to surrender the rights. Therefore, you have certain responsibilities if you distribute copies of the software, or if you modify it: responsibilities to respect the freedom of others.

Leider gibt es immer wieder Unternehmen die sicher dieser Verantwortung entziehen. Sie wollen von Freier Software profitieren, ohne sich die simplen und grundlegenden Regeln einhalten. Damit nehmen sie uns und anderen die Freiheiten, selbstbestimmt Computer nutzen zu können.

Jedoch gibt es in den meisten Fällen durch die Lizenz die Möglichkeit, rechtlich dagegen vorzugehen. Dies macht Harald Welte, Gründer von gpl-violationsl.org, Urheber an Teilen des Linuxkernels sowie der Firewall-Software netfilter/iptables für GNU/Linux, schon seit über zehn Jahren.

Nun gab es erneut einen solchen Verstoß, der von Ehrenamtlichen bei einem "Hacking for Compliance"-Workshop der Free Software Foundation Europe (FSFE) festgestellt wurde und dann an gpl-violations.org und deren Anwälte übergeben wurde:

Die FANTEC GmbH verwendete die netfilter/iptables Software in einer der online zur Verfügung gestellten Firmwares für das FANTEC 3DFHDL. Diese Firmware wurde jedoch ohne den dazugehörigen Quellcode verteilt. Das ist allerdings von der GNU General Public License Version 2 (GPLv2) vorgesehen, unter welcher netfilter/iptables veröffentlicht wurde. Versuche, diese Problematik außergerichtlich zu lösen, schlugen fehl. Deshalb ging Harald Welte vor Gericht.

Das Gericht entschied (PDF), dass FANTEC fahrlässig gehandelt habe: Sie hätten dafür Sorge tragen müssen, dass sie sich bei der Verbreitung der Software an die Bedingungen der GNU GPLv2 halten. Außerdem hat es explizit darauf hingewiesen, dass es seitens FANTEC ungenügend ist, auf die Zusicherung seiner Zulieferer bezüglich der Lizenzeinhaltung zu vertrauen. Hingegen ist FANTEC selbst dafür verantwortlich, nachzuprüfen, dass keine Rechte Dritter verletzt werden. Weiterhin muss FANTEC eine Strafzahlung begleichen, für zusätzliche Kosten der Anwälte aufkommen und außerdem exakte Auskunft über die Vertriebswege des FANTEC 3DFHDL Media Player erteilen.

Um solche Arbeit weiterhin fortzusetzen, ist die FSFE auf Spenden und Mithilfe angewiesen.

(Crosspost vom Blog "I love IT here".)

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

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April 13 2013

Open Source Software: exponentielles Wachstum, weniger Copyleft

Vor einiger Zeit berichtete Matthew Aslett am 451 CAOS Theory Blog in einer Serie von Einträgen über den zwischen 2008 und 2012 sinkenden Anteil an Open-Source-Software, der unter der GNU General Public License (GPL) veröffentlicht wird (siehe Abbildung).

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Anteil GPL-lizenzierter Open-Source-Software in ausgewählten Datensätzen zwischen 2008 und 2012 (Quelle: Aslett 2012, 451 CAOS Theory)

Die Besonderheit der GPL ist ihr auch als “Copyleft” bezeichneter “viraler” Charakter: Weiterentwicklungen auf Basis von GPL-lizenzierter Software dürfen nur unter derselben Lizenz weiterverbreitet werden; das bekannteste Beispiel für GPL-lizenzierte Software ist der Linux-Kernel. Aber auch jenseits von Software findet das Copyleft-Prinzip Anwendung – so ist zum Beispiel die Creative-Commons-Lizenz der Wikipedia eine Copyleft-Lizenz.

Im Bereich von Open-Source-Software ist allerdings Aslett zu Folge ein relativer Anstieg der Nutzung solcher Lizenzen zu beobachten, die auf eine Copyleft-Klausel verzichten (z.B. Apache-, BSD- oder MIT-Lizenz). Wichtig ist zu betonen, dass es sich dabei um relative Verschiebungen handelt, in absoluten Zahlen wächst auch der Pool an GPL-lizenziertem Software-Code weiterhin.

In einem Aufsatz für die 9th International Conference on Open Source Systems (OSS 2013) haben sich Gottfried Hofmann, Dirk Riehle, Carsten Kolassa und Wolfgang Mauerer jetzt noch einmal eingehend die Lizenz-Entwicklung in der Zeit vor 2008 – konkret zwischen 1995 und Juni 2007 -vorgenommen (siehe Abbildung).

Untersuchungszeitraum der Studie von Hofmann u.a. (2013, S. 2)

Der am Blog von Dirk Riehle im Volltext (PDF) verfügbare Beitrag bestätigt auf Basis eines Samples, das ca. 30 Prozent des Source-Codes aller aktiven Open-Source-Projekte umfasst, den Trend hin zu Lizenzierung ohne Copyleft in den letzten Jahren. Außerdem identifizieren die Autoren die Zeit rund um 2000/2001 als Wendepunkt in der Entwicklung: seit damals wächst Open-Source-Software ohne Copyleft stärker als Copyleft-Open-Source, (siehe Abbildung, außen vor blieben in der Analyse Mischformen wie die LGPL-Lizenz).

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Logarithmisch skaliertes Wachstum von nicht-Copyleft- (links) und Copyleft-lizenzierten (rechts) Zeilen von Open-Source-Softwarequelltext zwischen 1995 und 2007 (aus: Hofmann u.a. 2013, S. 8)

Die Ergebnisse der Studie belegen darüberhinaus für den Untersuchungszeitraum ein ungebrochen exponentielles Wachstum des Pools an Open-Source-Software-Quellcode. Nicht kontrolliert wird in der Studie jedoch für Copy-Paste von Quellcode zwischen unterschiedlich lizenzierten Projekten; da ein solches Copy-Paste aber vor allem in eine Richtung möglich ist (von nicht-Copyleft zu Copyleft-Projekten), dürfte der Anteil von Copyleft-Software in der Studie deshalb eher noch überschätzt werden.

Was die Erklärung für den beobachteten Wandel im Lizenzierungsverhalten betrifft, so führen die Autoren diesen in erster Linie auf eine Zunahme an kommerziell finanzierter Open-Source-Softwareentwicklung zurück. Sie verweisen in diesem Zusammenhang auf weitere, noch unpublizierte Forschungsergebnisse, die eine solche Erklärung stützen würden.

Übrigens ist auch jenseits von Software im Bereich von Creative Commons ein leichter Trend hin zu weniger restriktiven Lizenzversionen zu beobachten, die letzten Daten stammen hier allerdings aus dem Jahr 2010 (siehe Abbildung; als “fully free/libre/open” zählen hier jedoch auch Copyleft-Lizenzen, die vor allem von NonCommercial- und NoDerivatives-Lizenzen abgegrenzt werden).

Zahl Creative-Commons-lizenzieter Werke und Anteil frei lizenzierter Werke zwischen 2003 und 2010 (Quelle: http://wiki.creativecommons.org/Metrics)

Zahl Creative-Commons-lizenzieter Werke und Anteil frei lizenzierter Werke zwischen 2003 und 2010 (Quelle: http://wiki.creativecommons.org/Metrics)

Jenseits von der Suche nach den Ursachen für diese Entwicklung hin zu weniger restriktiven Lizenzbedingungen bei offen lizenzierten Inhalten stellt sich die Frage, ob diese Entwicklung zu begrüßen ist? Einerseits führt sie dazu, dass die Rekombination unterschiedlich lizenzierter Inhalte tendenziell einfacher möglich ist. Andererseits, vor allem im Softwarebereich, besteht beispielsweise bei BSD-Lizenzen die Möglichkeit, dass Firmen sich an Open-Source-Quellcode bedienen aber nicht zu dessen Weiterentwicklung beitragen bzw. eigene Weiterentwicklungen nicht zurückspeisen.

Vielleicht ist es aber inzwischen so, dass die Bedeutung von Copyleft-Klauseln im Softwarebereich einfach nicht mehr so groß ist wie noch in den 1990er Jahren, weil auch auf Seite kommerzieller Akteure Open-Source-Prinzipien besser verstanden werden. Hinzu kommt, dass selbst bei Fehlen einer Copyleft-Klausel die simple “Privatisierung” des Quellcodes oft keine Option ist – im Gegenteil: was passieren kann, wenn sich die Community der freiwillig Beitragenden von einem Unternehmen mit Zugriff auf den Quellcode unfair behandelt fühlt, ließ sich 2010 am Beispiel der Spaltung zwischen OpenOffice.org und Libre Office beobachten. Wichtiger als die Frage Copyleft oder nicht sind offensichtlich transparente und als fair empfundene Governance-Strukturen.

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April 13 2012

Liberated Pixel Cup: Neuer Wettbewerb für Creative-Commons-Games

Der vorgestern angekündigte Wettbewerb “Liberated Pixel Cup” soll die Spieleentwicklung auf Basis von Creative-Commons-Werken und freien Lizenzen voranbringen. Gestartet wurde er von den drei Organisationen Creative Commons, OpenGameArt und der Free Software Foundation.

In einer ersten Runde, die im Juni stattfinden wird, sind alle Interessierten aufgefordert, eigene Spiele-Artworks zu erstellen und unter CC- und GPL-Lizenz  auf opengameart.org zu veröffentlichen. Im Juli sollen dann in einer zweiten Phase GPL-Lizensierte Spiele aus den Werken geschaffen werden.

In einer “nullten Phase”, die gerade läuft, wird ein sogenannter Styleguide für  Kreative entworfen. Diese verbindlichen Richtlinien sollen dabei helfen, die entstandenen Werke einfach kombinierbar zu machen. So soll es möglich sein, ein breites Spektrum an Spielen zu designen.

Die Bewertung der eingereichten Beiträge richtet sich in erster Linie an der Qualität aus, aber auch Quantität, gute Dokumentation und die Möglichkeit zur Rekombination werden von der Jury mit einbezogen. Den Gewinnern soll ein Preisgeld winken, das auf Spendenbasis gesammelt wird. Aktuell sind schon über 2500$ zusammengekommen.

Es werden übrigens nicht nur grafische Elemente gesucht. Auch Soundeffekte, als Soundtracks nutzbare Songs und 3D-Modelle können eingereicht werden.

Bild: Liberated Pixel Cup example outdoor artwork / Lanea Zimmerman / CC BY-SA 3.0

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March 16 2012

Webversteher und andere Helden gesucht in Brüssel

Gäbe es eine Sagengestalt des Binnenmarktes, so wäre es Witege. Zwölf Räuber, die Wegezoll nehmen, und von ihm “Waffen und Kleid” zu lassen fordern, erschlägt der Nibelungenheld. Witege hat Prinzipe. Statt den Wegezoll in Zukunft selbst zu kassieren, läßt er die Burg schleifen und gibt die Straße frei.

Der Instinkt von Beamten der EU-Kommission ist weniger darauf gerichtet, die Freiheit des Webs für die Bürger zu bewahren, als vielmehr das lukrative Geschäftsmodell der digitalen Wegelagerer zu fördern. Im Europaparlament liegt ein Kommissionsentwurf zur Standardreform zur Beratung. Ausgerechnet der Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz (IMCO) möchte nun IT-Spezifikationen offiziell anerkennen lassen, bei denen Patente “fair, reasonable and non-discriminatory” (FRAND) lizenziert sind. Das bedeutet, jeder muss für ihre Nutzung eine Lizenz von einem Patentbesitzer erwerben.

Bislang gibt es keine offizielle Anerkennung der Spezifikationen von Konsortien. Das Netz basiert weitgehend auf dem Gegenstück der Freien Wege, den Offenen Formaten, deren Patentrechte lizenzfrei (royality-free = RF) sind. Diese “Offenen Standards” sind keine “Normen”, und dürfen deshalb nicht in öffentlichen Ausschreibungen erwähnt werden. Darum ist die “Anerkennung” im Prinzip eine prima Idee.

Der Name sagt es, das WWW Consortium (W3C) ist nur ein Konsortium, keine Normungsorganisation. Denn das W3C ist nicht wie z.B. DIN und ETSI mit der Standardisierung staatlich beauftragt. Damit öffentliche Ausschreibungen Spezifikationen wie HTML, CSS usw. erwähnen dürfen, möchten die Europapolitiker IT-Spezifikationen von Konsortien anerkennen. Statt die neuartige “Anerkennung” nur auf die besten Spezifikationen mit den inklusiven RF-Konditionen zu beschränken, setzt der Ausschussentwurf die Hürde so niedrig an, dass alle digitalen Wegelagerer “anerkannt” sind.

Das wäre unklug, aber noch kein Grund zur Besorgnis. Schlimm wird es erst dadurch, dass eine Anerkennung die bisherigen Anstrengungen unserer Regierungen zum Aushandeln liberaler Lizenzpraktiken und zur Befriedung der Wegelagerer untergräbt.  Die EU-weite Anerkennung ist eine Art Freibrief von höchster Stelle. Wie soll eine Regierung noch Offene Standards mit ihrer Beschaffung fördern, wenn die EU mit universaler Anerkennung reingrätzscht? Wie können deutsche Behörden Formate mit SAGA5 evaluieren, wenn die EU bereits alles für die Beschaffung anerkennt, was von Konsortien stammt? Wie können Europäische Interoperabilitätsstrategie und Interoperabilitätsrahmen weiterhin die Beschaffungsmacht des öffentlichen Sektors effektiv als Hebel nutzen?

Silvana Koch-Mehrin (FDP) zeigt diese Gefahr in ihrem IMCO-Änderungsantrag 69. Weiter als das Übereinkommenen über technische Handelshemmnisse der Welthandelsorganisation (WTO TBT) sollen die Kriterien nicht gehen: “Bei der Erstellung neuer Listen mit entsprechenden Grundsätzen bestünde die Gefahr eines Konflikts.” Deshalb die Beschränkung auf die zahnlosen WTO-Kriterien, den kleinsten gemeinsamen Nenner. Gegen Handelkriege gedacht, für digitale Märkte unbrauchbar.

Gerade für Software unter Open Source Lizenzen sind FRAND Bedingungen unfair und diskriminierend. FRAND ist nur bei der Flatrate-Lizenzierung (ex ante) mit der General Public License (GPL) vereinbar. Wo Offene Plattformen fehlen, werden die Gerichtstermine wichtiger als die Kunden. Im Smartphone-Markt sehen wir welch destruktive Schlachten die Branchenriesen vor den Patentgerichten ausfechten. All das mit Software-Patenten, die es eigentlich gar nicht geben sollte in Europa.

Ob sich Europa erlauben kann, seinen starken Open Source-Sektor mit patentierten Konsortialstandards abzudrängen zu lassen, muss demnächst der Verbraucherausschuss, und das gesamte Europäische Parlament entscheiden. Danach haben noch die Mitgliedstaaten im Ministerrat in diesem Gesetzgebungsverfahren 2011/0150(COD) mitzureden.

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