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May 02 2011

White IT: Tauschbörsen größter Markt für Kinderpornographie

In der Argumentation für Websperren hieß es bisher, dass diese ein wirksames Mittel gegen den “Milliardenmarkt für Kinderpornographie” im Internet wären. Nachgewiesen werden konnte dieser Milliardenmarkt bisher nicht, die (wenigen) tatsächlich durchgeführten Studien zum Thema lassen vermuten, dass er in der behaupteten Form schlicht nicht existiert.

Das bestätigen erneut auch die heute in Berlin veröffentlichten Ergebnisse des “White IT”-Bündnisses aus Niedersachsen. Nicht etwa das WWW sei Hauptumschlagplatz für Kinderpornographie, sondern “Unentgeltliche Tauschbörsen”:

Unentgeltliche Tauschbörsen größter Markt für kinderpornographische Bilder
Berlin, 2. Mai 2011 – [...] „Es fehlte bislang an einer kriminologischen Grundlagenforschung über die Herkunft und Verbreitung sowie dem Umgang mit kinderpornographischem Material. Diese Grundlage ist aber eine entscheidende Voraussetzung, um unseren ganzheitlichen Bekämpfungsansatz und die damit verbundenen strategischen Ziele umzusetzen, z.B. die Nutzung kinderpornographischer Inhalte zu verhindern bzw. zumindest noch stärker zu erschweren“, so Schünemann.

Nach der Studie des Kriminalwissenschaftlichen Instituts der Leibniz Universität Hannover gibt es einen illegalen Markt ohne echte Preisbildung. „Ein digitales Kinderpornobild lässt sich leider beliebig oft kopieren. [...] Unentgeltliche Tauschbörsen sind nach unseren Erkenntnissen der größte Markt für kinderpornographisches Material“, sagte Prof. Meier.  [...]

„Wir sind in diesem besonders abgeschotteten, hochkriminellen Bereich größtenteils blind. Aus diesem Grund müssen wir die Einsatzmöglichkeit von verdeckten Ermittlern nach der Strafprozessordnung (§ 110a StPO) auf die Straftaten des sexuellen Missbrauchs von Kindern bzw. auch auf die Herstellung und Verbreitung dieser kinderpornographischen Inhalte erweitern“, sagte Innenminister Schünemann am Montag in Berlin.

Die komplette Pressemitteilung gibt es bei der Bitkom. Von “Deep Packet Inspection” und ähnlichen Überwachungtechnologien ist dort überraschenderweise noch nichts zu lesen. Das dürfte dann wohl der übernächste Schritt sein.

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Reposted bymondkroete mondkroete

September 28 2010

Zahlenspiele: Massenmarkt Kinderpornographie?

Ein Fortschrittsbericht der “European Financial Coalition” (EFC) gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern im Netz kommt zu dem Ergebnis, dass vom viel beschworenen “Massenmarkt” für Kinderpornographie im Internet keine Rede sein kann.

Eine erfreuliche Nachricht, eigentlich. Nun noch einen Verweis, dass es bei Heise Online mehr zu Thema gibt und ich könnte einen weiteren Blogbeitrag freischalten.

Ich befürchte allerdings, dass es nicht ganz so einfach ist. Nicht etwa, dass ich das Ergebnis des Berichts anzweifeln möchte. Darüber, dass es keinen kommerziellen “Milliardenmarkt” für Kinderpornographie im Internet gibt, sind sich die Experten weitgehend einig. Was es leider auch nicht gibt, sind wissenschaftlich belastbaren Zahlen, die diese These untermauen.

Auch die “Studie” der EFC bietet diesbezüglich kaum mehr als einen Anhaltspunkt. Das beginnt schon mit der Methodik. Die scheint mir, mit Verlaub, wenig geeignet, um belastbares Zahlenmaterial zu liefern. Auch die ermittelten Umsätze sind auffallend gering, hier wäre wohl die Größe der Stichprobe zu hinterfragen.

Randnotiz: Bei der EFC handelt sich um eine Koalition insbesondere von Zahlungdienstleistern. Der nun veröffentlichte Bericht dürfte vor allem die weitere Finanzierung des Projektes durch die EU zum Ziel haben (Die initiale Finanzierung des Pilotprojektes dürfte gerade ausgelaufen sein).

Achja, auch die EFC wünscht sich eine bessere Zusammenarbeit mit den deutschen Strafverfolgungsbehörden. So steht es zumindest in einer Gesprächsnotiz von Franziska Heine, die im Frühjahr im Rahmen eines der zahlreichen runden Tische mehr über die Arbeit der EFC erfahren durfte.

Sei’s drum. Etwas differenziertere Ergebnisse hat mir vorhin Arnd Hüneke vom Institut für Kriminalwissenschaften an der juristischen Fakultät der Leibniz Universität Hannover in Aussicht gestellt. Hüneke leitet in Hannover ein entsprechendes Forschungsprojekt, im Rahmen eines Symposium Ende November sollen erste offizielle Zwischenergebnisse präsentiert werden.

Siehe auch:

# “Die Legende von der Kinderpornoindustrie“, Udo Vetter, law blog, 25.03.2009
# “Déjà vu, Holger Bleich, c’t, 10.04.2010
# “Um Geld ist es nicht gegangen“, Udo Vetter, lawblog, 08.09.2010
# “Neue Studie belegt, dass die Argumente von Sperrbefürwortern falsch sind”, Thomas Stadler, Internet-Law, 28.09.2010

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