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April 11 2013

Studie der Bundesnetzagentur: Internet-Anschlüsse liefern oft nicht die Bandbreite, die verkauft wird

Die verkauften Bandbreiten von Breitbandanschlüssen werden in der Realität oft nicht eingehalten. Das geht aus einer Studie im Auftrag der Bundesnetzagentur hervor, die knapp eine Viertelmillion Internet-Anschlüsse gemessen hat. Auch beim Anbieterwechsel gibt es Probleme wie langwierige Ausfälle – die eigentlich gesetzlich verboten sind.

Wie wir bereits berichtet haben, hat die Bundesnetzagentur mit der Initiative Netzqualität eine Studie zur Dienstqualität von Internetzugängen durchgeführt. Mehr als 200.000 Messungen von DSL-, Kabel- und Mobil-Anschlüssen haben Freiwillige beigesteuert. Heute wurde der 144-Seiten starke Abschlussbericht veröffentlicht.

In dieser großen Datenbasis hat man jetzt auch ganz offiziell festgestellt, dass die verkauften Bandbreiten selten eingehalten werden. Aus der Pressemitteilung:

Die Messstudie bestätigt die Vielzahl der Kundenbeschwerden über Abweichungen zwischen der vertraglich vereinbarten “bis zu”-Bandbreite und der tatsächlichen Bandbreite. Über alle Technologien, Produkte und Anbieter hinweg haben die teilnehmenden Nutzer oft nicht die Bandbreite gemessen, die ihnen als maximal mögliche Bandbreite von ihrem Anbieter in Aussicht gestellt wurde.

Die Lösung dagegen sind transparente, unabhängige Messungen sowie Transparenz gegenüber den Kunden. Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur:

Der Kunde weiß so nur vage, mit welcher Leistung er konkret rechnen kann. Auch nach Vertragsabschluss und erfolgter Schaltung besteht kein überschwängliches Bemühen, dem Endkunden aktiv einen transparenten Überblick über die Leistungsfähigkeit des konkreten Anschlusses zu bieten.


Spannender als die Bandbreite dürfte der Teil zur Netzneutralität sein. Das wird noch nachgeliefert:

Die Studie ist dabei auch der Frage nachgegangen, ob Datenpakete je nach Anwendung, Ursprung, Ziel oder Inhalt systematisch unterschiedlich behandelt werden (Netzneutralitätsthematik). Die Untersuchungen dauern hierzu noch an; ihre Ergebnisse werden in einem separaten Dokument dargestellt werden.

Genau da wird es problematisch, wenn Internet-Anbieter bestimmte Dienste ausbremsen, bevorzugen oder eine Extra-Gebühr verlangen. Oder wie die Telekom die Flatrates abschaffen und Bandbreiten drosseln will. Michael Horn, Netzwerk-Techniker und Mitglied im Chaos Computer Club, dazu gegenüber netzpolitik.org:

Flatrates sind immer eine Mischkalkulation. In einem gewissen Rahmen ist das auch kein Problem, da zu keiner Zeit alle Kunden gleichzeitig ihren Anschluss voll ausnutzen. Ein guter Anbieter zeichnet sich dadurch aus, dass diese Mischkalkulation dem Kunden nicht auffällt, weil immer die gewünschte Bandbreite zur Verfügung steht. Ein schlechter Anbieter gängelt seine Kunden mit Volumenpaketen und spart sich den Netzausbau. Wenn dies einhergeht mit der Begünstigung eigener Dienste wie im Fall der Telekom und Spotify, dann stellt das eine eklatante Verletzung der Netzneutralität dar. Während die Messungen und Statistiken der Bundesnetzagentur ein guter Anfang sind, fehlen derzeit noch gezielte Messungen inwieweit Anbieter im Einzelnen wirklich einen diskriminierungsfreien Zugang zum gesamten Internet ermöglichen.

Eine andere Erkenntnis der aktuellen Studie überrascht ebenso wenig: “Leider gibt es trotz der neuen gesetzlichen Regelungen aktuell Probleme beim Anbieterwechsel.”

“Der Gesetzgeber wollte mit den Neuregelungen den Endkunden vor langwierigen Ausfällen beim Anbieterwechsel schützen. Seit Dezember des vergangenen Jahres muss der abgebende Anbieter im Falle eines Scheiterns des Wechselprozesses die Versorgung wieder aufnehmen. Die Unterbrechung darf zudem nicht länger als einen Kalendertag andauern“, erläuterte Homann. Die Beschwerdezahlen zeigen, dass es in der Praxis bei einem Anbieterwechsel allerdings nach wie vor zu länger dauernden Unterbrechungen des Telefon- und Internetanschlusses kommen kann. “Ich appelliere noch einmal eindringlich an die Unternehmen, die gesetzlichen Vorgaben entsprechend umzusetzen. Wie die eingeleiteten Bußgeldverfahren zeigen, werden wir die für Endkunden nicht hinnehmbare Situation nicht länger akzeptieren. Der unkomplizierte Anbieterwechsel ist eine Voraussetzung für funktionierenden Wettbewerb.”

Bisher war auch die Bundesnetzagentur immer der Auffassung, dass der freie Markt und die Möglichkeit zum Anbieterwechsel uns die Wahlfreiheit für ein echtes Netz garantieren. Schön, dass man einsieht, dass das in der Praxis nicht funktioniert.

Hier noch die Zusammenfassung der Studie aus dem PDF befreit:

Kurzzusammenfassung

Im Rahmen der Studie wurde die Datenübertragungsrate stationärer Internetzugangsdienste qualitätsgesichert durch Endkundenmessungen erhoben. Dabei wurden mit Hilfe einer Software Applikation 226.543 valide Einzelmessungen durchgeführt. Das statistische Monitoring zeigte, dass die Bevölkerung in ganz Deutschland gleichmäßig durch die Teilnahmeaufrufe erreicht wurde.

Dabei konnten zunächst Unterschiede bei den prozentual erreichten Datenübertragungsraten beobachtet werden, die die untersuchten stationären Anschlusstechnologien erreichen konnten. Die geringsten Abweichungen von der vermarkteten Download-Datenübertragungsrate traten bei Kabelanschlüssen auf. Gleichzeitig liegen die Datenübertragungsraten für Upload und Download bei diesen Anschlüsse vergleichsweise weit auseinander. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die erreichte Upload-Datenübertragungsrate durchaus der für den Upload vermarkteten Datenübertragungsrate entsprechen kann.

Bei der Betrachtung der Bandbreitklassen zeigten sich ebenfalls erkennbare Unterschiede bei den prozentual erreichten Datenübertragungsraten. Die geringsten Abweichungen sind technologie- übergreifend in der untersten Bandbreiteklasse (<= 2 Mbit/s) aufgetreten. Demgegenüber sind die größten Abweichungen in der obersten Bandbreiteklasse 50-100 Mbit/s für Kabelanschlüsse und 25-50 Mbit/s für LTE-Anschlüsse, bzw. in der Bandbreiteklasse zwischen 8-18 Mbit/s für DSL-Anschlüsse gemessen worden.

Zwischen ländlichen, halbstädtischen und städtischen Regionen zeigten sich hingegen nur geringe Differenzen, wobei jedoch bei Anschlüssen städtischer Regionen in der Regel geringere Abweichungen aufgetreten sind. Eine Ausnahme hiervon bilden die stationären LTE-Anschlüsse, bei denen in Ballungszentren deutlich niedrigere Datenübertragungsraten gemessen wurden.

Eine Analyse der zeitlichen Verteilung der Datenübertragungsrate ergab für DSL-Anschlüsse keine Abhängigkeit von der Tageszeit. Im Gegensatz dazu zeigten Kabelanschlüsse und stationäre LTE-Anschlüsse eine leichte Verringerung der Datenübertragungsrate in den Abendstunden (um bis zu 10%).

Im Rahmen der Laufzeitmessungen wurde festgestellt, dass die Laufzeiten bei Kabel-Anschlüssen über den gesamten Tagesverlauf unter denen von DSL-Anschlüssen und stationären LTE-Anschlüssen lagen. Jedoch wiesen die Kabelanschlüsse in den Abendstunden eine etwas erhöhte Laufzeit auf (bis zu 10%).

Auch bei der Untersuchung von Web Browsing als ein typisches Nutzungsszenario lagen die Webseiten-Downloadzeiten von Kabel- Anschlüssen unter denen von DSL-Anschlüssen und stationären LTE- Anschlüssen. Für alle Technologien verschlechterten sich die Werte jedoch um bis zu 15% in den Abendstunden.

Die Interdependenzmessungen haben ergeben, dass technologie- übergreifend bei paralleler Inanspruchnahme von Bündeldiensten eine Verringerung der Download Datenübertragungsrate auftrat.

Mobile UMTS-Anschlüsse wurden im Rahmen eines Bewegungstests stichpunktartig untersucht. Die dabei festgestellten prozentual erreichten Datenübertragungsraten waren regional sehr unterschiedlich. Dies legt den Schluss nahe, dass ein Bewegungs-/Drivetest zwar insbesondere für die exakte räumliche Analyse der Ende-zu-Ende Qualität einzelner Dienste zu einem gegeben Zeitpunkt angewendet werden kann, aber keinen von Ort und Zeit unabhängigen Rückschluss auf die Qualität der mobilen Internetzugänge zulässt.

Zuletzt wurden ausgewählte technische Ansätze für Endnutzermessungen miteinander verglichen. Insgesamt überwiegen dabei grundsätzlich die Vorteile von qualitätsgesicherten Softwarelösungen; allerdings ist darauf hinzuweisen, dass die konkrete Ausgestaltung und damit die wesentlichen Vorteile essenziell von den privatwirtschaftlichen bzw. regulatorischen Rahmenbedingungen abhängig sind.

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