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April 09 2013

Oberlandesgericht Köln: Zollkriminalamt und DigiTask-Software wegen rechtswidriger Schnüffelei verurteilt

Kann eine staatliche Überwachungsmaßname besonders geschützte Kommunikation nicht unverzüglich löschen, darf diese nicht eingesetzt werden. Das hat das Oberlandesgericht Köln letzte Woche entschieden. Das Zollkriminalamt hatte Kommunikation mit einem Anwalt mitgeschnitten, aber ihre veraltete DigiTask-Software hatte noch keine Funktion zum selektiven Löschen.

Netzpolitik.org liegt ein Beschluss des Oberlandesgerichts Köln mit dem Aktenzeichen “16 Wx 16/12″ vor, in dem das Zollkriminalamt wegen rechtswidriger Schnüffelei verurteilt wird.

Im Jahr 2011 führte das Zollkriminalamt eine “präventive Telekommunikationsüberwachung” durch, also eine “normale” Überwachung eines Telefon- und Internet-Anschlusses. In so einem Fall leitet der Anschluss-Provider Telefongespräche als Audio und den Internet-Datenstrom im pcap-Format an die Behörde weiter. Dabei wurde aber auch Kommunikation eines Beschuldigten mit seinem Anwalt mitgeschnitten, “und zwar sowohl Telefonate als auch sog. IP-basierte Kommunikation, zu der jedenfalls E-Mails gehörten”. Das ist aber “besonders geschützte Kommunikation”:

Werden Daten erhoben, welche die Kommunikation des Betroffenen mit seinem Verteidiger betreffen, dann sind diese Daten zu löschen, sobald erkennbar ist, dass es sich um geschützte Kommunikation handelt. Eine inhaltliche Auswertung der Daten ist in diesen Fällen unzulässig.

Die aufgezeichneten Telefongespräche wurden deshalb zwei Monate später gelöscht. Aber die Internet-Überwachung nicht:

Die Löschung der Internetkommunikation war zunächst nicht erfolgreich. Vielmehr wurden diese Daten erst im Juli 2012 gelöscht.

Das Problem:

Das Zollkriminalamt macht geltend, dass aus technischen Gründen eine Löschung nur der geschützten Kommunikation nicht früher möglich gewesen sei. Die Internet- basierten Kommunikationsdaten würden in einem Rohdatenstrom übermittelt, der in der Folge dekodiert und damit in E-Mails, VoIP-Daten, Internet-Surfsessions u.ä. aufgeteilt werden. Erst mit der Dekodierung würden die Daten sichtbar bzw. auswertbar. Das Löschen bestimmter Teile des Rohdatenstroms sei nicht möglich. Der Löschung des gesamten Rohdatenstroms stehe entgegen, dass hierdurch auch andere, für die Maßnahme erforderliche Daten gelöscht würden.

Der technische Grund war: Die eingesetzte Software aus dem Hause DigiTask hatte keine Funktion zum selektiven Löschen. DigiTask hat diese Funktion zwar in einer neuen Version nachgerüstet, die läuft aber auf dem alten Betriebssystem des Zollkriminalamts (wohl Windows 2000 Server) nicht. Diesen Grund lassen die Richter/innen nicht gelten:

Es handelt sich um behebbare Schwierigkeiten, wie der Umstand zeigt, dass nach Angaben des Zollkriminalamts die Daten inzwischen gelöscht worden sind. Auch das vom Zollkriminalamt vorgelegte Schreiben des Softwareherstellers DigiTask vom 22.7.2011 zeigt, dass es technisch möglich wäre, die geschützte Kommunikation zu löschen und das Problem in der Hardware- und Software-Ausstattung des Zollkriminalamts liegt. Nach diesem Schreiben setzen – Stand Juli 2011 – die “fachlichen Anforderungen des Zollfahndungsdienstgesetzes zur Kernbereichsbehandlung die Version 1.90 der TKÜ-Auswertsoftware voraus.” Diese Software könne (nur) deshalb nicht installiert werden, weil die vom Zollkriminalamt eingesetzten “betagten” Server und das dort installierte Betriebssystem von der Software nicht unterstützt würden.

Soweit für die Löschung eine andere technische Ausstattung (Hardware, Betriebssystem, aber auch Software) als beim Zollkriminalamt vorhanden erforderlich ist, rechtfertigt dies nicht die Speicherung der geschützten Daten. Vielmehr muss das Zollkriminalamt, um den Anforderungen des Gesetzes und der Verfassung nachzukommen, notfalls auf andere Hard- oder Software zurückgreifen. Insoweit ergibt die Abwägung den Vorrang der Interessen des Beschwerdeführers am Schutz der Verteidigerkommunikation vor rein fiskalischen Erwägungen. Die technische Ausstattung muss den (verfassungs)rechtlichen Vorgäben entsprechen. Verwaltungsinterne Probleme bei der Beschaffung der erforderlichen Hard- und Software rechtfertigen keinen Grundrechtseingriff.

Auf deutsch: Es gibt keinen Grundrechtsschutz nach Kassenlage. Entweder kann die eingesetzte Software die rechtlichen Anforderungen erfüllen, oder sie darf eben nicht eingesetzt werden.

Diese Entscheidung ist nicht nur relevant, weil die DigiTask GmbH auch die vom Chaos Computer Club zerlegten Staatstrojaner produziert hat. Trojaner können grundsätzlich den gesetzlich geschützten Kernbereich privater Lebensgestaltung nicht erkennen, was auch das Bundeskriminalamt in der Leistungsbeschreibung ihrer Trojaner zugibt:

Automatisierte Verfahren zur Erkennung kernbereichsrelevanter Abschnitte bei der Datenerhebung entsprechen derzeit weder dem Stand der Technik noch dem der Wissenschaft.

Dumm nur, dass sich Überwachungs-Software nach dem Gesetz richten muss und nicht andersrum.

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August 16 2012

April 23 2012

Programm der SIGINT veröffentlicht

Vom 18. – 20. Mai findet in Köln die SIGINT statt, eine vom Chaos Computer Club veranstaltete “Konferenz zu den Diskursen im digitalen Zeitalter”. Das Programm wurde jetzt veröffentlicht. Ich erzähle was zum “Geist von ACTA“. Tickets gibts hier zum Preis von 60 Euro (Ermäßigungen gibts auch).

February 27 2012

Open-Data-Projekt wird abgemahnt

Marian Steinbach von der Kölner Open-Data-InitiativeOffenes Köln” hatte vorgestern das Vergnügen, die Anwälte der Firma Euro-Cities kennenzulernen. Die Kartenfirma und Betreiberin der Website stadtplandienst.de verlangt die sofortige Entfernung zweier Kartenausschnitte sowie die Zahlung von über 800€, wie er auf blog.offeneskoeln.de schreibt.

Konkret geht es um die Verwendung zweier Landkartenausschnitte, die seit Jahren im Archiv des Kölner Stadtrats online zugänglich lagern. Ein Stadtrat versah 2007 einen Antrag mit einem angehängten PDF. Dieses enthält einen Ausschnitt einer Stadtkarte, an der die Euro-Cities AG die Urheberrechte innehat. Nach der Veröffentlichung des Stadtratsarchivs auf offenes-koeln.de wurde der Index durchsuchbar und die Dokumente damit auch für das Abmahnwesen leicht ergooglebar.

Die abgemahnten Dokumente finden sich übrigens noch auf der Seite des Kölner Stadtrats (nicht direkt verlinkbar, erster Link unter “Betreff”). Eine Abmahnung ist hier laut Aussagen des Euro-Cities-Geschäftsführers Hans Biermann nicht geplant. Rechtlich bewege sich der Fall in einer Grauzone des §5 UrhG, der amtliche Texte im Wortlaut vom Urheberrecht ausnimmt, jedoch Einschränkungen für Zitate und andere Verwendungen macht, solange diese das ursprüngliche Dokument nicht im Wortlaut wiedergeben. Darüber, wo hier die digitale Kopie eines PDFs einzuordnen ist, werden sich vermutlich auch Juristen streiten.

offeneskoeln.de sah sich inzwischen zur Selbstzensur gezwungen, der Bestand von knapp 180.000 Dokumenten wurde auf Kartenmaterial durchsucht. Vorsichtshalber wurden 85 Dokumente offline genommen.

Euro-Cities eilt ein gewisser Ruf voraus. Unter anderem war vor kurzem auch Netzpolitik.org betroffen, als die Firma im Dezember mit einer Klage drohte, da man sich durch die Beschreibung als Versender von “Massenabmahnungen” angegriffen fühlte.

Der Fall ist eines von unzähligen Beispielen die zeigen, wie reformbedürftig das aktuelle Urheberrecht ist. Eine “Fair-Use”-Regelung nach US-amerikanischem Vorbild würde rechtliche Unklarheiten wie diese von vornherein verhindern.

Außerdem sieht man hier, warum die Benutzung von offenen Standards in Politik und Verwaltung wichtig ist. Um den Standort eines Objekts (neben der Kirche in der Baptiststraße in Roggendorf/Thenhoven) zu kennzeichnen, wäre beispielsweise auch dieser Kartenausschnitt von OpenStreetMap verwendbar gewesen. Leider ist das Angebot von Euro-Cities standardmäßig auf koeln.de eingebunden – allerdings nicht mehr lange. Wie der Chefredakteur von koeln.de, Edgar Franzmann, uns mitteilte, ist der Vertrag mit Euro-Cities gekündigt; in einigen Monaten wird OpenStreetMap eingebunden sein.

February 21 2012

SIGINT-Konferenz im Mai 2012: Beitragsaufruf

Vom 18. bis 20. Mai 2012 veranstaltet der CCC in Köln die SIGINT. Die “Konferenz für Hacker, Netzbewohner und Aktivisten” stellt gegenüber dem Congress die Themen Politik und Gesellschaft noch mehr in den Vordergrund. Nun Noch immer ist der Beitragsaufruf (“Call for Papers”) veröffentlicht.

February 01 2012

Open Data-Projekt “Offenes Köln” gestartet

Ratsinformationssysteme (kurz RIS) sind innerhalb der deutschen Open Data-Community relativ häufig Thema. Grund dafür sind die oftmals schlecht benutzbaren Oberflächen, die weder einen guten Überblick darüber verschaffen, welche Themen in der entsprechenden Gemeinde oder Stadt grade diskutiert werden noch welche Dokumente zu welchen Vorgängen genau existieren oder gar geografische Zuordnungen zu politischen Entscheidungen .

Lange Zeit galt Frankfurt gestalten als eines der sehr ganz wenigen Projekte, die sich dieses Thema angenommen haben und wirklich funktionieren. Ein anderes mit einem technisch etwas anderen Ansatz ist API Leipzig.

Marian Steinbach hat nun mit Offenes Köln ein Projekt veröffentlicht, das für die politischen Vorgänge der Kölner Kommunalpolitik sowohl eine Kartendarstellung anbietet als auch eine API zur Verfügung für stellt. Ausserdem – und da wird es lustig wenn es nicht so traurig wäre – stellt Offenes Köln PDFs aus dem RIS zum direkten Download zur Verfügung. Denn das RIS der Stadt Köln bietet teilweise nur an, die Daten über POST-Request mit entsprechender Session herunter zu laden, was die direkte Verlinkung auf Ratsdokumente erheblich erschwert bzw. unmöglich macht. Das Projekt ist in einem noch frühen Stadium, dafür aber schon sehr gut benutzbar und hat einen ordentlichen Funktionsumfang. Ausserdem gibt es ein Blog, in dem über den Fortgang des Projektes regelmäßig berichtet wird, für Anregungen und Wünsche gibt es eine UserVoice-Seite.

Marian hat auf dieses Projekt übrigens im Nachgang zum Open Data Hackday Köln noch vor dem 1. Februar auf die Schienen gebracht, um es zur grade beendeten Einreichungsfrist des Wettbewerbs Apps4DE fertig zu stellen.

January 19 2012

Open Data Hackday vom 20. bis 22. Januar in Köln

Nachdem letzte Woche ein gemütlicher Hackday beim CCC Hamburg stattgefunden hat, wird diese Veranstaltungsreihe dieses Wochenende in Köln fortgesetzt. Friedrich vom OKF hat übrigens im Nachgang sowohl einen kurzen Blogeintrag dazu geschrieben als auch eine Mailingliste für Hamburger Opendata-Projekte aufgesetzt.

Was sind Hackdays?

Hackdays sollen Programmierer, Journalisten, Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung und andere Interessierte zusammengebracht werden, um nach dem Motto “Ran an die Daten” den Wert und den Nutzen Offener Daten zu veranschaulichen. Gemeinsam werden dabei Daten recherchiert, gefunden und nutzbar gemacht und Ideen für Anwendungen diskutiert und entwickelt, die Probleme lösen, einen konkreten Nutzen bringen oder einfach Spaß machen. Ein anderer Aspekt ist natürlich auch “Community Building”, also dafür zu sorgen, dass sich Interessierte für längerfristige, größere Projekte finden, die dann nicht nur diskutiert, sondern auch umgesetzt werden können.

Der Open Data Hackday in Köln

In Köln findet der Open Data bei Cowoco – Coworking-Space in der Gasmotorenfabrik, Deutz-Mülheimer Straße 129, 51063 Köln, statt. Es wird am Freitag wieder mit einem Get Together ab etwa 19 Uhr beginnen, und erst einmal über Ideen und Datenquellen im Großraum Köln/Bonn diskutiert werden. Es wird nach der Vorstellungsrunde wieder einige Kurzvorträge nach Bedarf und Lust zu verschiedenen Aspekten wie Scraping oder Lizenzen geben, es können aber auch kurzfristig andere Kurzvorträge dazukommen.

Am Samstag geht es dann ab 10 Uhr morgens weiter mit konkreterer Umsetzung, Sonntag steht zudem noch optional zur Verfügung, wenn es genügend Teilnehmer gibt und der Tatendrang am Samstag nicht hinreichend gestillt wurde.

Agenda und Ergebnisse werden im Laufe des Hackdays unter http://hackday.net/koeln/2012/01/20/ veröffentlicht, der Hashtag auf Twitter für den Hackday ist wie immer #opendatahack

January 27 2011

Heute: Euroweb-Prozess vor dem Bundesgerichtshof

Heute trägt die Firma Euroweb mal wieder einen Rechtsstreit mit einem Kunden vor Gericht aus. Das ist vielleicht nichts weiter besonderes, die Rechtsanwaltskanzlei Kanzlei Berger (Köln/Düsseldorf) berichtet über viele Prozesse vor Land- und Oberlandesgerichten, die sich mit Details der Dienstleistungsverträge, die Euroweb mit seinen Kunden abschließt, beschäftigen.

Die Kunden klagten zum Beispiel dagegen, als “Referenzkunden” mündlich besondere Konditionen versprochen bekommen zu haben, und nachher mit unerwartet hohen Rechnungen überrascht worden zu sein – weil sie vor Vertragsunterzeichnung nicht genau genug gelesen hatten, was sie da gerade unterschrieben.

In den von der Kanzlei Berger veröffentlichten Urteilen wurde dabei immer im Sinne von Euroweb gegen die unzufriedenen Kunden geurteilt: Hier zum Beispiel hat Euroweb die Kundin zur Zahlung von 2.521,61€ + 8% Zinsen über Basiszinssatz verklagt, und gewonnen. Na ja, ich persönlich würde  mich nicht damit rühmen wollen, aber hey… In dem Verfahren wurden auch die Vorwürfe der arglistigen Täuschung, die die Kundin erhoben hatte, zurückgewiesen. Schließlich hatte sie einen Vertrag unterschrieben, in dem die Preise erwähnt waren, und konnte nicht nachweisen, dass ihr mündlich etwas anderes versprochen worden wäre. Alle Beschwerden sich getäuscht fühlender Kunden nahm man bei Euroweb jedoch nicht zum Anlass, seine  Vermarktungsstrategie zu ändern. Komisch eigentlich.

Auch in Österreich, berichtet der Journalist Georg Holzer, sind momentan zwei Verfahren anhängig: Der österreichische Schutzverband gegen unlauteren Wettbewerb hat 2009 eine einstweilige Verfügung gegen Euroweb erwirken können, die sich gegen die Kaltakquise und das “aggressive Drängen auf Unterschriften” richtet. Momentan laufen das Hauptverfahren in dieser Angelegenheit, sowie ein zweites Verfahren wegen Verstoßes gegen die einstweilige Verfügung.

Martin Sablatnig, Jurist bei der Wirtschaftskammer Kärnten erklärt:

Nach unseren Informationen läuft es immer nach dem gleichen Schema ab. Der Unternehmer bekommt einen Anruf. Demnach wolle Euroweb als deutsche Webagentur in Österreich Fuß fassen und sei auf der Suche nach Referenzprojekten.
Der überraschte Unternehmer habe darauf weiter erfahren, dass Euroweb ihm kostenlos eine Website baue.
Bei einem Vertretertermin solle auch gleich der Vertrag unterzeichnet werden.

Sablatnig: “Dass gratis sehr teuer sein kann, wird erst im Nachhinein klar.” Denn die Website selbst ist zwar gratis, das Hosting dafür koste jedoch “monatlich 150 Euro und mehr”, der Vertrag würde für 48 Monate laufen. (Quelle)

Die als rechtlich als “Internet-System-Verträge” (Werkverträge) bezeichneten Vereinbarungen beschäftigen heute zum mindestens(?) zweiten Mal sogar den Bundesgerichtshof. Das können glücklicherweise nicht viele Firmen von sich behaupten, denn ‘normale’ Meinungsverschiedenheiten zwischen Dienstleister und Abnehmer sind ja durch geltende Gesetze ausreichend abgedeckt, und nur wenige Firmen haben ein Interesse daran, sich am Rande dieser Spielregeln oder in rechtlich uneindeutigen Bereichen zu bewegen, die dann letztlich einer Klärung durch obere Gerichte bedürfen. Für viele Firmen sind Kundenzufriedenheit und gütliche Vereinbarungen wichtigere Aspekte der Kundenbindungsstrategie.

A propos Kundenbindung: Vor dem BGH geht es heute um die Möglichkeit, irgendwie die Zusammenarbeit mit Euroweb zu kündigen, was sich für unzufriedene Kunden bisher wohl als sehr schwierig herausgestellt hat. Der NDR berichtete gestern Abend unter dem Titel “Kostenlos-Falle Internet” über den heute stattfindenden Prozess.

Gebäudereiniger Krüger fiel aus allen Wolken: Für die vermeintlich kostenlose Erstellung einer Firmen-Homepage sollte er dem Anbieter Euroweb plötzlich viel bezahlen.

Auch über den ersten BGH-Prozess, der Ergebnis einer Sammelklage vieler Kunden gegen Euroweb war, gab es interessante mediale Berichterstattung. Als ich zum Beispiel gerade “Der BGH zu Verträgen mit Referenzkunden der Firma Euroweb” googelte, fand ich eine sehr interessante Sendung des MDR, in der behauptet wurde, Euroweb “zock[e] bundesweit seit vielen Jahren Kleinunternehmer, Selbstständige und Gewerbetreibende ab.” Das sind natürlich harte Worte, die ich so nie sagen würde, schließlich sagen die Gerichtsurteile etwas anderes.

Warten wir mal ab, wie der BGH heute entscheidet.

Wichtiger Hinweis: Bei basicthinking hat man sich mal ein bisschen mit der SEO-Strategie von Euroweb auseinandergesetzt. Wer über Euroweb berichten und gehört werden möchte, ist gut beraten, sie so zu verlinken:

<a href="http://anonym.to/http://euroweb.de"
rel="nofollow">Link</a>

Damit wird sichergestellt, dass Suchmaschinen den Link nicht werten.

October 05 2010

Neues von JMStV: Kuschelkurs für Kritiker in NRW?

Als Jürgen Ertelt (Medienpädagoge, Pirat und JMStV-Experte) gestern abend twitterte, der “schwarze Peter in Sachen JMStV in NRW läge nun klar bei CDU und Grünen”, war ich ziemlich überrascht. Nicht, weil ich die Lage nach wie vor anders sehe, sondern weil ich wusste, dass Jürgen live von einem Treffen mit dem SPD-Politiker Marc Jan Eumann (Staatssekretär für Medien in NRW und glühender Verfechter von Internet-Schwimmausweisen) twittert. Sollte bei Eumann ein überraschender Sinneswandel eingetreten sein? Nicht doch.

Ansonsten scheint die von den Jusos initiierte Gesprächsrunde recht harmonisch und konstruktiv verlaufen zu sein. Daniel Schwerd, Pirat aus Köln, hat für sein Blog einen recht ausführlichen Bericht (Bei Interesse bitte im Original lesen, ich habe mir nur die Einschätzung des Abstimmverhaltens herausgepickt!) verfasst:

[...] Interessanterweise lehnten alle Anwesenden (außer Herrn Eumann selbst) den JMStV-Entwurf in der vorliegenden Form ab. Auch die Jusos sprechen sich einstimmig gegen die Annahme dieses Vertrages aus. [...]

Seiner Einschätzung nach werden die CDU-Abgeordneten im Landtag zustimmen, und auch die Mehrheit der SPD-Abgeordneten ist wohl dafür. [...] Die Grünen werden auch zustimmen, das schloss er aus den auch uns bekannten Äußerungen im Sinne von „Pacta sunt servanda“. [...]

Zwar hält er an dem bestehenden Änderungsantrag fest, er ist aber offenbar aufgeschlossen für die geschilderten Probleme, Seiteneffekte und Auswirkungen. Interessant fand ich seine Feststellung, dass er auch in seinem Ministerium erst einmal Knowhow um Netzthemen aufbauen muss, und dass es offenbar fast keine kompetenten Leute gibt.

Ganz ähnlich liest sich die Zusammenfassung des Treffens im Pottblog von Jens Matheuszik, bekanntlich SPD-Mitglied:

[...] Staatssekretär Eumann skizzierte die momentane Lage und erklärte, dass nach den Verlautbarungen ja bekannt sei, dass die CDU dem (von ihr selbst verhandelten) JMStV zustimmen würde [...]

Zwischenruf: Ich kann es mir nur mit einem Anflug von Bescheidenheit erklären, dass Eumann die Rolle der SPD bei der Entwicklung des Entwurfs unter den Tisch fallen lässt. Bei Martin Stadelmaier, Chef der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei und federführend beim Entwurf des JMStV beteiligt, hört sich sich das ganz anders an:

“Der Entwurf des Staatsvertrags ist von den SPD-geführten Ländern maßgeblich mitentwickelt worden, er ist somit ein Kind der SPD. Wir konnten die CDU-Länder damit komplett überzeugen.”

Aber gut, weiter bei Jens:

[...] aber auch die Grünen hätten ja ihre Zustimmung erklärt. [...] Die SPD-Fraktion hingegen, so Eumann in der Runde, würde sich vermutlich mehrheitlich für den JMStV aussprechen. Zwischen den Zeilen habe ich daraus entnommen, dass eine eindeutige Zustimmung bei der SPD gegenüber Schwarz-Grün noch nicht ersichtlich ist, [...]

Eumann vertrat in der Runde die Auffassung, dass ein Scheitern des JMStV nicht gut sei – denn dann würde die laufende, noch geltende Fassung des JMStV weiter wirken, die seiner Meinung nach schlechter sei als die geplante Änderungsfassung. [...]

Nun, nicht nur über letzteres kann man streiten. Regulierungslücken, die unbedingt geschlossen werden müssten, sind mir im geltenden Staatsvertrag nicht bekannt. Auch von Problemen, die eine umgehende Novellierung durch eine bestensfalls halbgare Neuerfassung erforderlich machen, hört man eher wenig. Vor allem aber – und das ist das eigentliche Problem – installiert das neue Regelwerk Brückenköpfe in Bereichen, die sich, einmal etabliert, als erstaunlich resistent gegenüber der angedachten Evaluierung erweisen werden.

Sei’s drum, warum der schwarze Peter bei den Grünen liegen soll, ist mir immer noch nicht klar. Solange führende SPD-Fachpolitiker wie Eumann trotz treuherzig eingestandener Bedenken für eine Zustimmung zum Staatsvertrag plädieren, liegt die Verantwortung bei der SPD. Auf Seiten der NRW-Grünen hingegen sehe ich spätestens jetzt eine Chance, sich zu profilieren und Rückgrad zu zeigen. Wenn die Mitglieder der SPD-Fraktion frei in ihrer Entscheidung sind, erscheinen Argumente wie “Verfassungstradition” und “Kontinuitätsgebot” (Matthi Bolte, netzpolitischer Sprecher der Grünen, Anfang September per Mail) als Rechtfertigung für eine Zustimmung jedenfalls recht schwach.

PS: Zur Zeit gibt es offenbar noch keine Beschlussfassung der Grünen-Fraktion dem JMStV zuzustimmen. Eine Empfehlung für die Abstimmung soll es erst nach der Auswertung der Anhörung am 4. November geben (Die “Experten-Wunschliste” ist inzwischen übrigens bestätigt). Mal schauen, vielleicht bekomme ich morgen noch ein offizielles Statement.

June 07 2010

Cologne Commons 2010

Am kommenden Wochenende findet in Köln vom 10.-12. Juni wieder die Cologne Commons, eine Konferenz und Festival über digitale Kultur, statt. Ein Tagesticket für einen Konferenztag kostet 8 Euro, das gesamte Festivalticket mit Zugang zu den Abendveranstaltungen im Gebäude9 kostet 25 Euro.

Hier ist das Konferenzprogramm:

11.06.2010 – Freitag

11:30 Einlass
12:00 – 12:30 Begrüssung & Keynote von Jürgen Ertelt
12:30 – 13:30 Musikmaschine – Ein eigenes Musiklabel im Web
14:00 – 15:00 Gehört Dein Leben Dir oder ins Web? – Visionärer Vortrag über die Zukunft der Privatsphäre
15:30 – 16:30 Die Rückkehr von Allmenden und Gemeingütern
17:00 – 18:00 Was heisst schon NC? – Wie Musiker trotz der NC-Lizenz Geld verdienen können
18:30 – 19:30 “Hello World! My name is Netaudio.” – Internationales Panel mit Aktivisten der freien Musikszene
20:00 – Ende Tag 1 der Konferenz
12.06.2010 – Samstag

10:30 Einlass
11:00 – 12:00 Musikmaschine (Wiederholung vom Freitag)
12:00 – 13:00 “Da sind die Roboter!” – Von Roboter, Bastlern und der Zukunft der Robotik
13:00 – 14:00 Mittagspause
14:00 – 15:00 Good Copy, Bad Copy – Vom kreativen Zweifel an immateriellen Eigentumsrechten
15.30 – 16:30 Gutenbergpresse Goodbye, eReader ahoi!?!
17:00 – 18:00 Das Mitmach-Web rüttelt am Urheberrecht – Brauchen wir eine Reformierung?
18:15 – Ende der Konferenz

Wir behalten uns Änderungen am Programm und an den Zeiten vor.

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