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July 22 2010

Merkbefreit

Die bayrische Justizministerin Dr. Beate Merk (CSU) hat heute eine bemerkenswerte Pressemitteilung rausgegeben, die vom Inhalt in diesem Sommerloch kaum noch zu toppen ist. Als Reaktion auf grausame Übergriffe in einem Jugendferienlager hat sie u.a. zwei Gründe gefunden, die Schuld sind: Killerspiele und die FDP, bzw. die Kritiker einer Netzzensur-Infrastruktur. Darauf muss man erstmal kommen. Hier ist ein Auszug aus ihrer umfangreichen Pressemitteilung:

Politischen Handlungsbedarf sieht Merk im Bereich des Jugendmedienschutzes. Sie spricht sich für ein strafrechtliches Verbot der Herstellung und Verbreitung von sogenannten Killerspielen aus: “Der Weg in die Gewaltkriminalität ist nicht weit, wenn man als junger Mensch Gewalt täglich am Bildschirm übt! Mir geht es darum, solche Spiele zu verbieten, die den Spieler an grausamen und unmenschlichen Gewalttätigkeiten gegen Menschen beteiligen.” An die Adresse des Koalitionspartners im Bund gewandt, erklärte Merk: “Wenn man sich ansieht, welche Folgen der Konsum von schädlichen Videos haben kann, ist die Laissez-faire-Politik der FDP bei Kinderpornos im Netz grob fahrlässig.

Einen passenden Kommentar hat Christian Stöcker auf SpOn geschrieben: CSU-Ministerin macht Spiele und FDP für Missbrauch verantwortlich.

Nun aber geht Merks gedanklicher Kurzschluss so: Könnte man Seiten mit Kinderpornografie im Internet hinter einem Stoppschild verstecken, wären auf Ameland keine Kinder sexuell misshandelt worden. “Wenn ich feststellen muss, dass ich eine bestimmte Seite nicht löschen kann, darf ich nicht einfach mit den Schultern zucken und zur Tagesordnung übergehen. Dann muss ich diese Seite wenigstens sperren.” Und, weil das ja auch irgendwie mit Computern zu tun hat, wird auch gleich noch mal die alte Forderung wiederholt, “Killerspiele” zu verbieten. Obwohl es hierzulande keine “Killerspiele” zu kaufen gibt, in denen Menschen sexuelle Gewalt angetan wird.

May 26 2010

Kurz nach 9: Apple, Google, Hacker & Killerspiele

Für die Einleitung zu unserer kleinen Medienschau möchte ich heute auf die weisen Worte eines Häkelschweins zurückgreifen:*

Wir haben Glück, dass Saudi-Arabien uns nicht vorschreibt, nur Tugendhaftes aus ihrem Erdöl produzieren zu dürfen.

Richtig, es geht um Apple. Genau wie heute Abend im ZDF Auslandsjournal, wo ab 22:45 Uhr der Beitrag “Steve Jobs – der digitale Diktator?” zu sehen ist. Produziert wurde das gut 6-minütige Stück vom elektrischen Reporter Mario Sixtus, einem guten Bekannten und, das sei zur Erhaltung der Transparenz erwähnt, Freund des Hauses.

# Heute Abend im ZDF: Steve Jobs – der digitale Diktator? (ZDF)

Der Preis für die absurdeste Schlagzeile des Tages stammt ebenfalls aus dem Apple-Universum: “Arbeiter in China sollen Selbstmord-Verzicht unterschreiben”.

Inhaltlich geht es um eine Selbstmordserie beim chinesischen Unternehmen Foxconn, das in der Sonderwirtschaftszone Shenzhen u.a. Hardware für Apple, Hewlett Packard und Dell produziert. Und  ja, die Arbeitsbedingungen bei Foxconn sind nach westlichen Maßstäben indiskutabel, sonst wäre unsere schöne Hardware wohl deutlich teurer.

# Arbeiter in China sollen Selbstmord-Verzicht unterschreiben (AFP/Yahoo)

Auf Politik-Digital.de geht Hauke Gierow noch einmal auf die Erklärung der fragwürdigen Initiative Smile29.eu ein, die bislang bereits 324 Abgeordneten des Europaparlaments unterzeichnet haben sollen. In der Erklärung geht es u.a. um die Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung auf Suchmaschinen und die Etablierung eines europäisches “Frühwarnsystem” gegen Kinderpornographie und sexuelle Belästigung.  Was ich nicht wusste:

Wird eine solche Erklärung von einer Mehrheit der Abgeordneten unterschrieben (also von mehr als 368 MdEPs), leitet der Präsident des Parlaments sie als offiziellen Standpunkt an die Kommission und den Rat weiter. Rat oder Kommission können auf den Vorschlag reagieren, müssen es aber nicht. [...] Die Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung wird zurzeit von der EU-Kommission überarbeitet, das Ergebnis soll am 15. September vorgestellt werden.

# Initiative: Vorratsdatenspeicherung auch für Google-Suche (Hauke Gierow, Poldi)

Die Nachricht, dass Google die Aufnahmen für das “Street-View-Projekt” bis auf Weiteres einstellt, ist, glaube ich, gar nicht einmal neu. Neu ist meines Wissens aber, dass Google die Aufnahmen weltweit einstellt und, O-Ton Google-Sprecher Kay Oberbeck, man “das Vertrauen der Nutzer zurückgewinnen wolle”. Das dürfte nicht leicht werden. Gerade die Fraktion der eher fundamentalistisch orientierten Datenschützer sieht sich durch Ereignisse der letzten Wochen in ihrer Meinung von der “Datenkrake Google” bestätigt.

# Google filmt weltweit keine Straßen mehr (Anne Guhlich, Stuttgarter Nachrichten)

Für eher praktisch orientierten Anwender, die nicht ohne Google-Suche leben können oder wollen, gibt es derweil eine Browsererweiterung , die die Weitergabe von Daten an Google-Analytics unterbindet:

Das Deaktivierungs-Add-on für Browser von Google Analytics gibt dem Website-Besucher mehr Kontrolle darüber, welche Daten zu aufgerufenen Websites von Google Analytics erfasst werden. Das Add-on teilt dem JavaScript (ga.js) von Google Analytics mit, dass keine Informationen über den Website-Besuch an Google Analytics übermittelt werden sollen.

Ein klein wenig mehr Datenschutz realisieren können auch Webmaster, die Google-Analytics einsetzen. Im “Conversion Room Blog” beschreibt Analytics-Product-Manager Jesse Savage eine API-Funktion, mit der sich die IP-Adressen von Besuchern (bzw. Kunden) verschleiern lassen. Datenschutztechnisch ist die praktizierte Verschleierung des letztens Oktetts einer IP-Adresse  zwar allenfalls ein Tropfen auf den heissen Stein, aber immerhin ist es besser als nix.

# Deaktivierungs-Add-on für Browser von Google Analytics (BETA) (Google)
# Google Analytics: IP-Adressen verschleiern (Jesse Savage, Google)

Oktett, Brasilien, Kartoffelsalat? Ok, ein Beispiel. Ich habe im Moment die IP-Adresse 131.234.131.80. Webmaster, die den von Jesse Savage verlinkten Code einsetzen, bleibt die 80 am Ende verborgen. Sie sehen lediglich Zugriffe einer IP 131.234.131.xxx. Um herauszufinden, dass die verschleierte IP zur Universität Paderborn gehört, braucht es freilich keine Zauberkräfte. Auch, dass sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dem Institut für Medienwissenschaft zuzuordnen ist, sollte sich mit etwas Aufwand herausfinden lassen.

Und wo wir gerade beim Thema sind, kann ich die Papier- und Studiensammler auch gleich noch auf den Vortrag “Die ‚Killerspieldebatte’ – Jugendmedienschutz und deren mögliche wirtschaftliche Konsequenzen. Welche Auswirkungen hat eine veränderte Medienregulation auf die Produktion digitaler Spiele in Deutschland” hinweisen (PDF, 42 Seiten). Der Autor, Prof. Dr. Müller-Lietzkow. hat sein Büro ein paar Meter weiter und gehört – wie ich – eher zu den Nachtarbeitern ,)

# Die ‚Killerspieldebatte’ – Jugendmedienschutz und deren mögliche wirtschaftliche Konsequenzen (PDF) (Müller-Lietzkow, Uni Paderborn)

Immer noch nicht genug? Ok, zwei habe ich noch. Bernd Dörries hat in Freiburg ein Mitglied der Daten-Antifa “Autonomen Antifa Freiburg” getroffen. Warum deren Aktivitäten mitunter nicht nur juristisch problematisch sind, kann man in der Süddeutschen nachlesen.

# Linke gegen Rechte: Nazi-Pranger im Internet (Bernd Dörries, SZ)

RA Dr. Ole Damm erklärt, unter welchen Bedingungen Betreiber einer Abmahnwarner-Webseite nicht gegen das Datenschutzrecht verstoßen. Wenig überraschend werden Betreiber von Abmahnwarner-Webseiten da nämlich ganz gerne mal abgemahnt …

# Betrieb einer Abmahnwarner-Website verstößt nicht gegen das Datenschutzrecht (RA Dr. Ole Damm)

*Man beachte, dass das Häkelschwein von einem iPhone twittert.

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