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July 09 2013

Kommunale Transparenz: Alternative Ratsinformationssysteme für Moers und Bochum

Der folgende Artikel ist ein Beitrag von Ernesto Ruge, Initiator der Initiative OpenRuhr.

Um auf kommunaler Ebene politisch informiert zu bleiben, lohnt sich ab und an ein Blick in das lokale Ratsinformationssystem, in welchem die kommunale Ratsarbeit digital organisisert und dokumentiert wird. Doch diese Systeme sind häufig für Verwaltungsbeamte konzipiert und für Bürger schwer nutzbar. Aus diesem Grund wurden Portale wie frankfurt-gestalten.de und offeneskoeln.de veröffentlicht und seitdem konsequent weiterentwickelt. Auf diesen Seiten können die Dokumente der Kommunen leicht nach Stichwörtern und Themen durchsucht und durch Nutzung von Ortsangaben auf einer Karte dargestellt werden.

Die Initiative OpenRuhr gründete sich im April 2013 mit dem Ziel das Portal auch für andere Städte anzupassen und weiter zu entwickeln. Seit dem steuerte die Initiative etliche Patches bei und veröffentlichte, in Zusammenarbeit mit der Open Knowledge Foundation Deutschland, das alternative Ratsinformationssystem OpenRuhr:RIS für Moers und Bochum.

Die Stadt Moers ist bereits jetzt mit einem eigenen Datenportal Vorreiter in Bereich offener Daten und Verwaltungstransparenz. Die Einführung des alternativen Ratsinformationssystems hat die Kommune zum Anlass genommen, alle ab dem 1. Juli im Ratsinformationssystem eingestellten Daten unter eine Creative Commons Lizenz zu stellen. Weiterhin erklärte sie sich bereit Verantwortung für ungeklärte Urheberrechtsfälle zu übernehmen. Bei der Ausweitung von OpenRuhr:RIS auf weitere Stadtverwaltungen hoffen wir auf eine ähnlich gute Zusammenarbeit und freuen uns auf offene Partner in der Verwaltung.

Wir möchten es auch nicht bei Moers und Bochum belassen. Ziel ist es, mittelfristig ein Ratsinformationssystem für das gesamte Ruhrgebiet zu entwickeln – das langfristig deutschlandweit nutzbar wäre und die Informationen über eine einzige Schnittstelle abrufbar bereitstellt. OpenRuhr:RIS soll einerseits für mehr Transparenz sorgen, andererseits aber auch ganz praktisch zeigen, warum offene Daten gerade auch in der Kommune eine richtig gute Idee sind.

 

 

Im Ruhrgebiet werden alle Ratsinformationssysteme der größeren Hersteller eingesetzt, weswegen wir für ganz Deutschland kommunale Transparenz programmieren können – aber dies werden wir mit unserem kleinen Entwickler-Team nicht schaffen. Kurzum: wir brauchen Hilfe von Entwicklern, die Lust haben, das Projekt mit zu erweitern und die Scraper an andere Städte und Systeme anzupassen sowie neue interessante Oberflächen zu entwickeln (z.B. eine Oberfläche für eine ganze Region – Poltik endet nicht an Stadtgrenzen). OpenRuhr wird für die Weiterentwicklung einen Hackday veranstalten, jedoch ist alle eingesetzte Software OpenSource – wir freuen uns somit über Patches. Für die Entwicklung gibt es eine Mailingliste. Interessierte können sich für den openRuhr Newsletter anmelden.

Doch auch im Bereich alternativer Ratsinformationssysteme ist OpenRuhr:RIS nur der Anfang. Zur Zeit werden die Daten umständlich mit Scrapern abgegriffen, die recht mühsam programmiert werden müssen. Viel einfacher wäre der Abruf mittels einer offenen standardisierten Schnittstelle (API). Hierzu wurde von Marian Steinbach der Standard OParl entwickelt, welcher zur Zeit von den Ratsinformationssystem-Anbietern implementiert wird. Bei Veröffentlichung der neuen Ratsinformationssysteme mit OParl-Standard-Unterstützung ab Herbst 2013 können die Kommunen zeigen, dass sie offene Standards und offene Daten unterstützen.

Doch auch dabei ist die Unterstützung der Netz-Community gefragt: Der Wille ist gerade auf kommunaler Ebene oft da. Aber gleichzeitig herrscht Unsicherheit vor dem Neuland. Was fehlt, sind Informationen, Beratung und Menschen, die es einfach anpacken und Aufklärungsarbeit leisten.

Disclaimer: Daniel Dietrich ist Vorsitzender der Open Knowledge Foundation Deutschland.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

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July 23 2010

Linz will Open-Commons-Region werden

Linz in Österreich ist eine Stadt und Region, die viel mit digitaler Kultur experimentiert. Das liegt u.a. daran, dass die Ars Electronica dort jährlich im Herbst stattfindet und mit dem Ars Electronica Center auch ein Zukunfts- und Technologiemuseum auf 3000 qm dort zu finden ist. Bereits vor einigen Jahren präsentierten verschiedene junge Linzer mit dem Buch “Freie Netze, Freies Wissen” konkrete Projektvorschläge zur Umsetzung auf lokaler Ebene als Beitrag für das Europäische Kulturhauptstadtjahr Linz 2009. Das findet sich als PDF unter einer CC-Lizenz online. Im Herbst 2008 fasste der Gemeinderat Linz den Beschluß, eine Potentialanalyse mit Umsetzungskonzept in Auftrag zu geben, wie der Großraum Linz zur Open Source Region werden kann. Open-Source-Regionen gibt es bereits in Deutschland. Die Open-Source-Region Stuttgart ist seit Jahren ind er Wirtschaftsförderung angesiedelt und bastelt dort an einem “Open-Source-Cluster”. Dazu gehören u.a. Ansiedlungsleistungen für Unternehmen, die dort hingehen wollen. Berlin sieht sich auch als Open-Source-Region, was es eigentlich auch ist, aber hier sind die Bemühungen etwas kleiner und auch nur auf rein wirtschaftliche Vernetzung und z.B. Unterstützung bei gemeinsamen Messeständen ausgelegt. Eine umfassende Open-Source-Region gibt es daher noch nicht in Deutschland.

Das will Linz jetzt werden. Das Ergebnis der Untersuchungen ist nun als Studie “Open-Commons-Region Linz – Fakten, Perspektiven, Maßnahmen” (PDF) der Öffentlichkeit präsentiert worden.

Im Vorwort der Studie heißt es:

Die vernetzte Informationsgesellschaft braucht freie Software, freie Daten, freies Wissen und freie Kulturgüter um Werke schaffen zu können, die dem Gemeinwohl dienen und ohne ökonomische und rechtliche Barrieren für alle nutzbar sind. Die Verfasser nennen die Gesamtheit freier Werke „Open Commons“ und verwenden damit bewusst einen Begriff, der alle Arten und Aspekte von immateriellen Gemeingütern umfasst.

Bei der Untersuchung (PDF) wurden sieben wesentliche Merkmale identifiziert, die eine OS-Region mindestens aufweisen sollte, um als solche gelten zu können:

1. Förderung und aktive Vorantreibung des Einsatzes von OS-Software in der Region durch die öffentliche Hand oder einer mit ihr verbundenen oder von ihr beauftragten Organisation.
2. Regelmäßige Veranstaltungen zu OS, mindestens jedoch einmal jährlich. Das dabei verfolgte Ziel sollte Wissenstransfer und Informationsvermittlung an spezielle Zielgruppen aber auch an ein breites Publikum sein.
3. Beteiligung von örtlichen Unternehmen und Communities bei solchen Veranstaltungen zu OS sei es durch eine inhaltliche Mitgestaltung oder durch finanzielle Unterstützung.
4. Ausbildungsstätten (Universitäten, Fachhochschulen, Einrichtungen der Erwachsenenbildung, Schulen) beschäftigen sich auf institutioneller Basis mit OS und setzen OS-Software ein.
5. Aktive Unterstützung der Entwicklung und Verbreitung von OS-Artefakten durch Unternehmen und Communities der Region.
6. Nutzung von OS (hauptsächlich OS-Software) durch Unternehmen, öffentliche Institutionen und andere Organisationen der Region. Anmerkung: Die Entscheidung ob und in welchem Ausmaß eine Nutzung wirtschaftlich und zweckmäßig ist obliegt den einzelnen Organisationen und ist abhängig von den einzelnen Anwendungen. Diesbezügliche Überlegungen wurden bei der Merkmalserhebung nicht berücksichtigt.
7. Mitgliedschaft von Unternehmen und Institutionen der Region bei Organisationen, die den OS-Gedanken fördern oder die Kooperation von Unternehmen mit solchen Organisationen.

Alle, die sich für Netzpolitik in der Kommunal- und Landespolitik interessieren, sollten sich die Studie und ihre Handlungsempfehlungen durchlesen. Die Pläne sind wegweisend und ich bin gespannt auf die konkrete Umsetzung.

Konkrete Maßnahmenempfehlungen zur Etablierung einer Open Commons-Region Linz sind in drei Handlungsfelder gegliedert, die Empfehlungen enthalten, in deren Zentrum strategische Aspekte stehen. Die Maßnahmenempfehlungen enthalten zudem kurze Begründungen und Hinweise zur Umsetzung. Das sind die folgenden Punkte:

Für das Handlungsfeld „Verankerung des OC-Gedankens in der Region Linz“ (siehe 4.1)

1. Planung und Durchführung von informationspolitischen Maßnahmen
2. Herstellung eines Konsenses für eine OC-Region Linz
3. Entwicklung einer Marke für die OC-Region Linz
4. Erteilung eines klaren Auftrags der Politik an die öffentliche Hand
5. Inangriffnahme und rasche Umsetzung von Initialprojekten

Für das Handlungsfeld „Organisation, Koordination und Förderung von OC-Aktivitäten“ (siehe 4.2)

1. Schaffung von Einrichtungen zur Unterstützung und Koordination von OC-Aktivitäten
2. Förderung von OC-Aktivitäten unter Berücksichtigung von Erfolgsfaktoren Etablierung eines Ausbildungsangebots für OC/OS-Themen
3. Etablierung eines Ausbildungsangebots für OC/OS-Themen
4. Freigabe von Daten und Medien der öffentlichen Hand zur allgemeinen Nutzung
5. Berücksichtigung von Projektvorschlägen aus „Freie Netze. Freies Wissen.“6
6. Einsatz des entwickelten Kriterienkatalogs für die Durchführung von OC-Potentialanalysen und die Auswahl von OS-Software

Für das Handlungsfeld „Vernetzung mit anderen OC/OS-Regionen“ (siehe 4.3)

1. Initiierung und Etablierung nationaler und internationale Kooperationen
2. Initiierung, Ausrichtung und Etablierung einer OC-Messe und OC-Konferenz

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April 05 2010

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