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January 06 2014

Filmische Aufbereitung des NSU-Prozesses als Beispiel für die Möglichkeiten des Online-Journalismus

Die Süddeutsche Zeitung hat letzten Donnerstag ihre Berichterstattung über das erste Jahr im NSU-Prozess um einen eigens produzierten Film erweitert. Der Dialog des Filmes basiert ausschließlich auf O-Tönen der Verhandlung und beruht auf den Mitschriften der SZ-JournalistInnen Annette Ramelsberger, Tanjev Schultz und Rainer Stadler. Eingebettet ist er in eine als “Digitalreportage” bezeichnete multimediale Aufbereitung der ersten 71 Verhandlungstage.

Es gibt nur wenige vergleichbare Adaptionen von Gerichtsprozessen oder Gerichtprotokollen die einen dokumentarischen Anspruch haben. Beispiele dafür sind unter anderem die Verfilmung der Verhörprotokolle des Serienmörders Fritz Haarmann in “Der Totmacher” (1995), das Theaterstück über die Auschwitz-Prozesse “Die Ermittlung” (1965) oder die Begleitung des Pirate-Bay Prozesses in “TPB AFK” (2013). Ähnlich des Pirate-Bay Filmes hat die SZ ihr Werk von Beginn an ins Internet gestellt (leider nicht unter freien Lizenzen) und damit seine Reichweite maßgeblich erhöht.

Nach § 169 Satz 2 des Gerichtsverfassungsgesetzes sind öffentliche Ton- und Filmaufnahmen aus Gerichtsälen nicht erlaubt. Eine der Folgen ist, gerade bei Prozessen mit einem hohen öffentlichen Interesse, ein Wissensgefälle zwischen den anwesenden Personen und der Öffentlichkeit. Das Verfahren als Film zu adaptieren, ist dabei eine Möglichkeit, diesem Problem zu begegnen. Nun können alle Menschen mit Internetzugang zumindest einen Teil der Perspektive der JournalistInnen einnehmen. Der Verlauf des NSU-Prozesses, die Argumentationsstrategien der Verteidigung und Anklage, sowie die Aussagen der Betroffenen sind unmittelbarer auswertbar als es bei einer reinen schriftlichen Berichterstattung möglich wäre. Der Beitrag, der damit für eine breitere Diskussion über das NSU-Verfahren geleistet wird, ist groß. Schön zu sehen, wenn Journalismus die Digitalisierung als Möglichkeit begreift, zu einer neuen Form der Öffentlichkeit beizutragen.

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October 29 2013

Alternative Medienakademie Wien 7.-17.11.

AlMA-logoVom 7.-17. 11. findet in Wien erstmals die Alternative Medienakademie (AlMA) statt. Das Motto “Wer alternative Medien will, muss sie auch machen” steht auch für die Struktur hinter der AlMA: selbstorganisiert. Eine Gruppe von Medien-, Netz- und politische Aktivist_innen hat sich zusammengetan und für den Rahmen gesorgt. Inhalt gibt’s in Workshops und Podiumsdiskussionen zu den vier zentralen Themen

  • Journalistisches Handwerk
  • Diskurs
  • Netzwerke
  • Organisierung

Damit befindet sich die AlMA genau in der Schnittmenge zwischen Netz, Medien und Bewegung und bietet ein spannendes Programm.

Darunter ein Datenjournalismus-Workshop, Cryptopartys für FLITs und eine längere für Journalist_innen und Aktivist_innen, GIFs bauen mit Freier Software, öffentlichen Druck aufbauen mit Blogs, Radio- und Video-Workshops, das Live-Streaming Produktionspraktikum sowie den obligatorische Social-Media-Workshop Internet nutzen nutzen für NGOs, Politische Gruppen, Zeitschriften, Verlage?”. Angeboten werden diese und weitere Workshops von Aktivist_innen aus Redaktionen alternativer Zeitschriften, freier Radios und Fernsehsender oder zivilgesellschaftlichen Organisationen wie ua der Initiative für Netzfreiheit oder der Open Knowledge Foundation.

Bei den Abendveranstaltungen sticht die mit Sonja Ablinger hervor, die sich im österreichischen Parlament viel mit Netzpolitik beschäftigt hat, von ihrer Partei aber mit einem aussichtlosen Listenplatz abgesägt wurde: über das red’ ma jetzt bitte ned laut. Mit auf der Bühne: die Politikwissenschaftlerin Regula Stämpfli, Felix Stalder und Wolfi Christl vom “Data Dealer”-Projekt. Thema ist die Lage kritischer Öffentlichkeiten zwischen Kommerzialisierung, Politikverdrossenheit und Überwachung  – wie andere auch per Live-Stream verfolgbar.

Das Workshop-Programm geht auf eine offenen Call for Workshops zurück. Die Bewerbung findet größtenteils online und via Social Media sowie über die eigenen alternativen Medien und Freien Radios statt. Studierendenvertretungen und gewerkschaftliche Gruppen unterstützen mit Infrastruktur.

Das gesamte Programm gibt es hier. Einige Angebote haben mit der Kooperation der Alternativen Medienakademie mit den in Wien bereits etablierteren Kritischen Literaturtagen zu tun, weshalb der Veranstaltungskalender auch gut eine Woche überspannt.

Hübsch ist die Idee, eine Ticketkategorie für Workshops mit einem Paket alternativer Zeitschriften und Abos zu kombinieren. Allein für den Inhalt des Goodies & Support Pakets lohnen sich die 40 Euro schon – als Beitrag für die gesamte AlMA ausgesprochen günstig.

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August 09 2013

Zeitungssterben – Wer zahlt für die Wahrheit?

“hr2 – Der Tag” hat gestern über “Zeitungssterben – Wer zahlt für die Wahrheit?” berichtet und meinte damit Journalismus im Wandel. Im ersten Teil kommen vor allem ältere Printjournalisten zu Wort, die der Meinung sind, dass mit dem Trägermedium Zeitung auch die Demokratie und der Journalismus gefährdet sind, zum Schluß konnte ich nochmal kurz was zum Medienwandel aus einer digitalen Perspektive sagen.

Traditionszeitungen schrumpfen oder verschwinden. Springer zieht sich aus dem Printbereich zurück. Amazon-Chef Jeff Bezos kauft die Washington Post. An der Krise der Zeitung lässt sich die Krise des Journalismus insgesamt ablesen.

Hier ist die MP3.

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May 28 2013

Radio: Die wundersame Welt der Medienfakes

Der Deutschlandfunk hat gestern in seiner Sendung Freistil über “Marsianer in Grover’s Mill! Die wundersame Welt der Medienfakes.” berichtet.

Manchmal dienen sie der politischen Manipulation, manchmal sind sie künstlerisches Experiment, und manchmal soll damit einfach nur Geld verdient werden. Im digitalen Zeitalter sind Fälschungen einfach herzustellen. Können wir noch zwischen Fakes und Fakten unterscheiden? Oder verhindern gerade die weltweiten Social-Media-Netze die ungestörte Verbreitung von Medienfakes?

Hier ist die MP3.

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April 18 2013

“Dem kommunikativen Vollrausch folgt ein realpolitischer Kater”

In einer Studie des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik untersuchten die Soziologinnen Jasmin Siri und Katharina Seßler die Twitter-Accounts von 13 deutschen Politikern und ‘Twitteraktivisten’. Vom 10. September 2012 bis zum 16. November 2012 analysierten sie die Twitternutzung von Peter Altmaier, Sigmar Gabriel, Steffen Seibert, Dorothee Bär, Volker Beck, Steffi Lemke, Bodo Ramelow, Thorsten Schäfer-Gümbel, Christian Soeder, Halina Wawzyniak, Marina Weisband, Julia Schramm und Christopher Lauer. Vier Inszenierungsformen konnten die Soziologinnen ausmachen: Kommunikationen, bei denen die Akteure ausschließlich in ihrer Berufsrolle auftreten (“strictly to the role”), die Nutzung von Twitter als Instrument zur “Prozess-transparenz”, die Nutzung, um “sanfte Einblicke in das Leben außerhalb des politischen Alltags zu gewähren (“unverfänglich menschlich”) und viertens solche Inszenierungsformen, die tiefe Einblicke ins Privatleben ermöglichen (“publicly private”).

Die Autorinnen raten Politikern, nur zu twittern, wenn sie sich auch wirklich auf die Eigenlogik des Mediums einlassen möchten. Dann sei allerdings auch lockere, parteiübergreifende Kommunikation zwischen politischen Gegnern möglich – eine Besonderheit von Twitter.

Ein weiterer Unterschied zu anderen Plattformen wie Facebook sei der “autoerotische” Charakter von Twitter.

Der Blick auf die Timeline und die Menge an Nachrichten verunsichtbart gewissermaßen die Personen hinter den Posts und es ist auch nicht nötig, mit ihnen Kontakt aufnehmen zu wollen. Twitter lässt sich gut nutzen, ohne überhaupt in eine Interaktion einzusteigen.

Eine besondere Interaktion sei zwischen (Hauptstadt-)Aktivisten und Journalismten beobachtbar, so die Soziologinnen. Es zeichne sich eine neue Form des Lobbyismus ab, die ohne Twitter nicht denkbar wäre. Aufgrund der Sichtbarkeit funktioniere diese neue Form allerdings nur eingeschränkt und elitär.

Insgesamt biete Twitter (wie auch andere Social Media) Chancen für zivilgesellschaftliche Akteure. Durch gezielte Ansprache lässt sich Lobbyarbeit verrichten, man kann neue Themen auf die Agenda setzen und Skandale produzieren. Dies liege an der Schnelligkeit des Mediums und daran, dass so viele Journalisten es nutzen, um Themen zu generieren.

Insgesamt biete Twitter zwar viele Chancen für Politikerinnen und Politiker, dennoch solle man den Einfluss von Social Media für politische Kampagnen nicht überschätzen. Bei der „Twitterpolitik“, bleibe „nach dem kommunikativen Vollrausch häufig ein realpolitischer Kater zurück“, so der Direktor des Instituts Lutz Hachmeister.

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August 06 2012

Beschleunigung in der Politik: Zeit ist Macht

Ebenfalls in der Zeit findet sich ein Artikel über Beschleunigung in der Politik: Zeit ist Macht. Der ist nicht nur lesenswert, weil nebenbei noch erklärt wird, wie das Netz-Leitmedium SpOn funktioniert:

Tatsächlich läuft das Meldungsstakkato auf SPON nach einem recht schwarmstiftenden Muster ab. Eine ganze Schar von Hauptstadtreportern ist, bildlich gesprochen, damit beschäftigt, tagsüber die Sauen durchs Dorf zu jagen, die sie morgens selbst losgelassen haben. Jeden Vormittag, so der Anspruch der Redaktion, soll auf dem »HP1« (Homepage-Platz 1) eine eigene Exklusivmeldung stehen. Bis 14 Uhr müssen die Reporter dazu weitere Zitate und Reaktionen eingeholt haben. Aus ihnen wird die sogenannte »Nachdrehe« geschrieben. Danach recherchieren die Redakteure die Nachricht für den nächsten Morgen. Bis 19 Uhr geht die »Analyse« online, ein Text, der zusammenfasst und zuspitzt, wie sich die Nachricht den Tag über entwickelt hat.

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March 08 2012

Bild dir deine Freiheit

“Bild dir deine Freiheit” setzt sich künstlerisch kreativ und intelligent in 1:20 Minuten mit dem Phänomen Bild-Zeitung auseinander:

Bild dir deine Freiheit from Lisa Ferber on Vimeo.

(Danke an Tobias)

February 11 2012

Wie die BamS eine Guttenberg-Party inszenierte

Am Freitag, den 10.02. besuchte ich zusammen mit einem Freund den auf Zeit Online angekündigten “Guttenberg Carnival in der ‘Wohngemeinschaft.’” Wenige Tage zuvor war Karl-Theodor von und zu Guttenberg in dieser kleinen Kneipe des Berliner Stadtteils Friedrichshain von Anonymous und den “digitalen Konditioren” bei seinem Versuch, als EU-Berater für Netzfreiheit ein politisches Comeback vorzubereiten, getortet worden.

Die Reaktion der Betreiber, aus dem Medien-Event, das sich in ihren Gemäuern ereignet hatte, einen kleinen PR-Gag zu machen, empfand ich eigentlich als nachvollziehbar und recht sympathisch. Sie hatten sowohl Anonymous- als auch Guttenberg-Masken vorbereitet und auch an kleinen Törtchen bestand kein Mangel. Sogar einen DJ hatte man für den Abend engagiert.

Als wir die kleine Bar gegen 21 Uhr betraten, hatten bereits einige Gäste die verteilten Masken vor sich liegen und machten in kleineren Gruppen vereinzelt Scherze über den Plagiator und seine Bloßstellung. Ansonsten aber schienen sie sich auf ihre Gespräche zu konzentrieren, wenn sie gerade nicht vom Personal belästigt wurden, das sie immer wieder aufforderte, mit den Masken für Photos zu posieren.

Die dominierenden Sprachen waren Französisch und Spanisch, was uns dann doch sehr verwunderte. Hatte der Betrug des Herrn Guttenberg etwa sogar europaweit Wellen geschlagen, so dass sogar Erasmus-Studenten und Touristen seine Tortung feiern wollten? Ein junger Mann mit einer professionellen Foto-Ausrüstung erhärtete aber bald meinen Verdacht, dass hier mehr als nur eine kleines gemütliches Zusammensein bei Kaffe und Kuchen geplant war.

Gegen 22:00h füllte sich die Kneipe schlagartig und der Fotograf begann, die Anwesenden zum Aufsetzen der Masken aufzufordern. Das Personal verteilte kleine Törtchen und auf Kommando des Fotografen, der inzwischen auf einem Hocker stand, positionierte sich das maskierte Publikum vor dem Tresen. Spätestens jetzt bemerkte ich, dass hier etwas inszeniert werden sollte und begann, aus meiner entfernten Perspektive das Geschehen zu fotografieren.

Dass die Gäste größtenteils nicht deutsch sprachen, hatte bereits meine Zweifel daran genährt, dass sie mit den Hintergründen, geschweige denn der Bedeutung der Aktion, überhaupt vertraut waren. Die Aufforderungen des Fotografen, näher zusammen zu rücken, um für ein Bild zu posieren, sollte mich bestätigen.
Das Publikum begann, sich wahllos gegenseitig zu torten – natürlich jeweils nur auf Kommando des Fotogragen. Dabei war es egal, ob das ‘Opfer’ nun eine Guttenberg- oder Anonymous-Maske trug, was auf eine weitgehende Unkenntnis sowohl des Vorgangs, als auch der Randbedingungen schließen ließ.
Dem Fotografen schienen solche Details ziemlich egal zu sein. Hauptsache, alle standen eng beieinander und machten viel “Action”.

Nach wenigen Minuten war das Foto-shooting beendet und man widmete sich wieder seinen Getränken und Gesprächsrunden. Der Fotograf verließ kurz danach die Kneipe. Ich folgte ihm, um ihn nach seinem Auftraggeber zu fragen.

Es war –natürlich – die Bild am Sonntag.

Nach allem, was ich beobachtet hatte, überraschte mich das überhaupt nicht mehr. Es war viel mehr die Bestätigung des faden Beigeschmacks, den ich nicht erst seit dem Betreten der Kneipe, sondern schon beim Lesen der Ankündigung “des Events” verspürt hatte. Von der Bild am Sonntag ist wohl nichts anderes zu erwarten – von den Kneipiers und war ich aber mehr als enttäuscht.

Auf die morgige Ausgabe der BamS bin ich aber mehr als gespannt. Die Inszenierung der Bilder lässt auf eine noch weitreichendere Verzerrung der inszenierten Tatsachen hoffen.

Die BamS mal bei der “Recherche” zu sehen, war auf jeden Fall eine erhellende Erfahrung.

Reposted bylitmondkroete

January 12 2012

Polit-Neulinge: Erfahrungen mit Journalisten

NDR-Zapp hat gestern einen Bericht von Daniel Bröckerhoff über “Polit-Neulinge: Erfahrungen mit Journalisten” gesendet.

Politiker und die Presse – von jeher ein nicht ganz unkompliziertes Verhältnis. Das, was Journalisten berichten, gefällt vielleicht nicht immer. Manch einer glaubt, er könne Berichterstattung beeinflussen, was ihm aber kräftig auf die Füße fallen wird. Bundespräsident Wulff bekommt das gerade deutlich zu spüren. Aber es gibt natürlich genauso Journalisten, die sich im Umgang mit Politikern nicht ganz fair verhalten. ZAPP hat drei junge Abgeordnete besucht, die ganz neu und frisch in der Politik sind, und mit ihnen über ihre Erfahrungen mit den Medien gesprochen. Ein einseitiger Bericht – nämlich rein aus Sicht dieser Politiker.

Das Interview mit Marina Weisband, der politischen Geschäftsführerin der Piratenpartei, gibt es auch in vollen 26 Minuten auf der Webseite und auf Youtube:

December 10 2011

Fliegende Autos gibt es erst 2077

Die New York Times hat eine schöne Visualisierung in Form einer Zeitleiste über die Geschichte und Zukunft unseres Lebens mit Computern. Bargeld haben wir noch bis ins Jahr 2056, dann wird es illegal, ein Jahr später kommt es zu den Robot Wars, aber alles wird gut: Bereits zwanzig Jahre nach den Robot Wars gibt es endlich Fliegende Autos!

Das spannende an dem Projekt: Leser können Vorhersagen machen und andere Leser können dabei helfen, die richtige Zeiteinordnung für die Vorhersage zu bestimmen. Wer möchte, dass die Robot Wars früher beginnen, klickt einfach auf “5 Years earlier”. Tolle Idee und Ausführung. Der universelle Übersetzer für Echtzeit-Kommunikation kommt übrigens in zehn Jahren.

December 09 2011

MIZ-Förderung für “mutige Formatideen”

Das MIZ – Medienkompetenz- und Innovationszentrum Babelsberg bietet Unterstützung für “mutige Formatideen” an. Das richtet sich eher an Studenten und wer was mit Medien spielen will:

Das MIZ-Babelsberg fördert Projektteams bei der Umsetzung spannender und innovativer Programmideen. Ob Web, TV, Radio oder mobile Geräte – Experimente mit allen Plattformen werden gesucht und unterstützt. Ein halbes Jahr lang steht den geförderten Teams die Technik des MIZ-Babelsberg zur Verfügung. Radio- , TV- und Tonstudio sowie Schnittplätze können zur Umsetzung der Idee genutzt werden. Individuelle Coachings nach eigenem Coachingfahrplan sowie ein Startbudget in Höhe von 1000 Euro helfen, den Weg von der Formatidee über den Piloten bis zur seriellen Produktion zu realisieren.

Bewerbung für die Formatförderung im MIZ-Babelsberg:

• eine kurze Projektbeschreibung (max. 3 Seiten): Projekttitel und Zusammenfassung, Ideenskizze mit Beschreibung der Formatidee, kurze Begründung, warum es sich um ein innovatives Projekt handelt, dem Projektstand und der Zeitplanung
• eine Kurzvorstellung des Teams (inklusive Kontaktdaten): Erfahrungen, Aufgaben und Kompetenzen der Teammitglieder in Bezug auf das Projekt, Arbeitsproben, sofern diese vorhanden sind
• eine Übersicht zum Technikbedarf

Bewerbungsschluss ist der 15. Januar 2011.
info@miz-babelsberg.de | Betreff: MIZ-Babelsberg – mediaCube Formatförderung

Das Angebot richtet sich an Einzelpersonen oder Teams in der Entwicklungsphase, nicht an eingetragene Unternehmen.

July 05 2011

MediaCamp 2011: Politische Partizipation im Jahr 2020

Wer noch nichts in den Sommerferien vor hat: Das “MediaCamp 2011 – Politische Partizipation im Jahr 2020” ist ein vierwöchiger kostenloser Workshop in Potsdam-Babelsberg, wo man kreativ mit Medien und Netz rumspielen (lernen) kann.

Alle (zukünftigen) Medienmacher, politisch Interessierte und kreativen Visionäre ruft das neue Medieninnovationszentrum (MIZ) in Potsdam-Babelsberg zum „MediaCamp 2011“ auf. In einem vierwöchigen Workshop entwickeln und produzieren bis zu 15 Teilnehmer möglichst unkonventionelle Medieninhalte mit transmedialer und interaktiver Ausrichtung. Unterstützt werden sie dabei von Regisseur Holger Heinrich (u.a. Maybritt Illner und log in) und Kai Krabbenhöft sowie hochkarätigen Referenten aus Politik und Medien. Gesucht werden Studierende höherer Semester/Absolventen aus allen Fachbereichen – v.a. Medienproduktion, Philosophie, BWL/VWL, Politik und Medienwissenschaften etc.

Unter dem Motto „Politische Partizipation im Jahr 2020“ stellen sich die Teilnehmer in der Zeit vom 15. August bis zum 09. September die Frage, wie zukünftig politische Meinungsbildung und partizipatorische Demokratie in einer vernetzten Mediengesellschaft aussehen könnte. In einem Umfeld größtmöglicher Freiheiten und ausgestattet mit moderner Technik sollen in vier Wochen distributions- und publikationsfähige Inhalte entstehen. Ob Print, Mobile, Radio, Internet oder TV, alle Plattformen sollen/dürfen eingebunden werden. Und das Beste? Das MediaCamp ist ein kostenloser Workshop für alle, die mit viel Leidenschaft, einer Menge Kreativität und noch mehr Tatendrang etwas bewegen und erschaffen wollen.

Die Daten zum MediaCamp 2011:

15. August – 09. September
Montag bis Freitag, täglich von 09:30 Uhr bis 18:00 Uhr im MIZ-Babelsberg.
Die Teilnahme ist kostenlos.

BEWERBUNGSSCHLUSS ist am 20.07.2011. Die Teilnehmer werden bis zum 22.07.2011 ausgewählt und informiert.

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June 07 2011

Rivva ist zurück

Rivva.de, ein Aggregations-Dienst für das (meist deutschsprachige) Social Web ist wohl zurück. Frank Westphal schreibt in einem Blog-Posting:

Mit großer Begeisterung kann ich euch mitteilen, dass Rivva heute wieder zum Leben erweckt wird. Nachdem ich den Dienst im Februar aus finanziellen Gründen schließen musste, wurde meine Entscheidung vielerseits bedauert. Ich möchte noch einmal allen danken, die mir in dieser schweren Zeit ihre Hilfe angeboten haben.

Neu dabei ist wohl ein zusätzliches Tracking von Facebook-Aktivitäten, d.h. es spielen nicht mehr nur Verlinkungen aus Blogs oder Twitter eine Rolle, sondern auch Facebook-Shares und -Likes.

Rivva.de war Anfang Februar nach einigen Jahren Laufzeit eingestellt worden und seitdem offline.

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May 12 2011

ARTE über Culture-Jamming

30 Minuten Doku auf ARTE über “Culture-Jamming”, die aktuell noch in der Mediathek steht:

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April 01 2011

Gekaufte redaktionelle Beiträge bei Zeitungen

Wenn man sich mit Menschen aus der PR-Branche unterhält, erhält man immer wieder Informationen, welche Zeitungen käuflich sind. In der Regel kann man das aber nicht verwenden, weil die Beweise fehlen. Aber trotzdem ist es interessant, um zu erfahren, wie das Mediengeschäft funktioniert. Sebastian Heiser von der Taz hat jetzt mal investigativ recherchiert und als vermeintliche PR-Firma bei einzelnen Zeitungen angefragt, ob redaktionelle Beiträge käuflich sind. Dabei hat er vier schwarze Schafe gefunden. Die Gewinner sind: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau, Märkische Allgemeine Zeitung und Neues Deutschland.

In einer Vorabmeldung berichtet die taz: Zeitungen verkaufen Einfluss auf Berichterstattung.

Der taz-Reporter war an zehn deutsche Verlagshäuser herangetreten. Er hatte erklärt, er berate Firmen bei der Entscheidung, in welchen Medien sie Anzeigen schalten. Dabei habe er sich darauf spezialisiert, ein “geeignetes Umfeld” zu finden. Dies gilt in der Branche als ein Codewort für Schleichwerbung. Wenn eine bezahlte Veröffentlichung nicht schon durch ihr Layout als Anzeige zu erkennen ist, muss sie nach den Landespressegesetzen mit dem Wort “Anzeige” gekennzeichnet werden. Die drei genannten Zeitungen wollten die fraglichen Seiten mit Begriffen wie “Verlagssonderveröffentlichung”, “Anzeigensonderveröffentlichung” und “Beilage” kennzeichnen.

Sehr interessant ist die Zusammenfassung von Sebastian Heiser zur rechtlichen Lage im Taz-Rechercheblog. Die kompletten Ergebnisse zu den einzelnen Medien finden sich ebenfalls im Rechercheblog.

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March 30 2011

Offene Standards: Singapur, München, Tagesschau und der Rest der Welt

Am heutigen Document Freedom Day feiern Menschen in weltweit über 37 Städten Offene Standards. Das reicht von Workshops über Vorträge und Auszeichnugen bis hin zu ganztägigen Veranstaltungen. Den europäischen DFD-Preis erhiehlt heute Morgen die Stadt München für ihr Projekt LiMux, bei dem auf Offene Standards und Freie Software gesetzt wird. Im Laufe des Tages werden noch mehr Veranstaltungen stattfinden.

DFD: Wir schlafen noch und Singapur feiert schon

In Deutschland wurde Tagesschau.de, die Internetplattform der ARD, für den Einsatz Offener Standards ausgezeichnet. Die Auszeichnung verliehen die Free Software Foundation Europe (FSFE) und der Förderverein für eine Freie Informationelle Infrastruktur e.V. (FFII) dafür, dass die angebotenen Sendungen zusätzlich im offenen Videoformat "Ogg Theora" verfügbar sind. In Berlin überreichten FSFE und FFII eine Urkunde sowie eine Torte mit der Aufschrift "rOgg On!" an Sven Bruns, Leiter der Technik von tagesschau.de und den ehemaligen technischen Leiter Willem Froehling. In Hamburg nahm die stellvertretende Redaktionsleiterin von tagesschau.de Sabine Klein die DFD-Torte für die Redaktion entgegen.

DFD in Berlin

Preisverleihung im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin mit Sven Bruns, Leiter der tagesschau.de Technik

Was ist Ogg-Theora? Ogg Theora ist ein offenes Videoformat, das, im Gegensatz zu patentierten Videoformaten, jeder Software-Hersteller einfach und ohne Lizenzpflicht unterstützen darf. So ist es auch für die Software-Nutzer möglich, ohne die Abhängigkeit von einem Hersteller auf den unterschiedlichsten Geräten Ogg Theora abzuspielen.

Wie spiele ich Ogg-Theora ab? Ogg Theora wird von allen Abspielprogrammen in gängigen GNU/Linux-Distributionen unterstützt. Durch den VLC-Player können Ogg-Dateien auch unter Microsoft Windows und Apples Mac OS X abgespielt werden. Des Weiteren unterstützen viele moderne Webbrowser das Format direkt.

Was bietet tagesschau.de? Auf tagesschau.de gibt es alle regulären Video-Beiträge als Ogg Theora. Auf tagesschau24 wird das Video mit dem neuen Web-Standard HTML5 direkt eingebunden. An anderen Stellen muss noch manuell auf "Download der Videodatei" und dann Format "Mittel (Ogg)" geklickt werden.

DFD in Hamburg

Tortenübergabe in Hamburg an die stellvertretende Redaktionsleiterin Sabine Klein und Webmaster

Wie gehts weiter? Was jetzt noch fehlt sind freie Formate für die anderen Multimediainhalte: insbesondere die Mediathek und Live-Streams sowie Ogg-Theora- oder WebM-Videos der besseren Qualitätsstufen. Zusammen mit Stephan Uhlmann (FFII) habe ich den Preis heute im Hauptstadtstudio überreicht. Bei den Gesprächen wurde klar: hinter der Einführung von Ogg-Theora steht ein großes persönliches Engagement. Damit tageschau.de so weitermachen kann, hilft es, wenn ihr den heutige DFD zum Anlass nehmt und eine kurze Motivations-E-Mail an tagesschau.de schickt.

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March 14 2011

Wie Facebook eure Freunde vor euch versteckt – und wie ihr das ändern könnt

Wundert ihr euch auch, wieso ihr auf Facebook immer nur mit den selben Menschen interagiert, wieso immer nur dieselben Personen eure Beiträge kommentieren und nur die selben Menschen immer in eurer Timeline auftauchen? Werdet ihr auch von Freunden angesprochen, ob ihr dies oder jenes Posting oder dies oder jenen Link denn nicht gesehen habt, jenen wichtigen Artikel nicht gelesen habt? Fragt ihr euch auch, wie ich, woran das eigentlich liegt oder fällt euch spätestens jetzt auf, dass ihr die letzte Zeit auf Facebook tatsächlich in einer sozialen Blase verbracht habt?

Keine Sorge, eure Freunde sind euch natürlich immer noch treu, sie blocken euch nicht, aber Facebook versteckt eure Freunde vor euch und euch vor ihnen. Mit einer Standardeinstellung werden euch seit geraumer Zeit in eurem Newsfeed offenbar nicht mehr alle, sondern nur noch Postings von bestimmen, ausgewählten Freunden angezeigt. Dies sind natürlich keineswegs die wichtigsten oder eure Liebsten. Es sind schlicht die, mit denen ihr am häufigsten agiert.

Das lässt sich ändern: Scrollt bis zum Ende eures Newsfeeds/eurer Timeline und klickt auf “Optionen bearbeiten”. Ändert die Einstellung für “Zeige Beiträge von:” von “Freunde und Seiten, mit denen du am häufigsten interagierst” zu “Alle deine Freunden und Seiten.” Diese Einstellung kann man auch ändern, indem man auf der Startseite auf “Neueste Meldungen” klickt und dann den kleinen Pfeil, der rechts daneben erscheint.


Das größere Problem ist nun natürlich, dass ihr zwar all eure Freunde wieder angezeigt bekommt, aber diese eventuell noch nichts davon mitbekommen haben und ihre Einstellungen noch nicht geändert haben. Es nützt also wenig, diesen oder andere Hinweise auf eurer Facebookseite als Update zu veröffentlichen, denn die, die es noch betrifft, werden es nicht sehen. Wer zukünftig wieder mit seinen Freunden Kontakt haben will und sich per Update auch tatsächlich gegenseitig austauschen will, muss sie auf einem anderen Kanal informieren. Dazu kann man Direktnachrichten nutzen, Gruppen gründen, Events erstellen (oder Freunde zu bereits existierenden einladen) oder die Info via Twitter und anderen Medien verbreiten.

Übrigens: Wie man seine Facebook-Kontakte mittels Listen organisieren kann, evtl. Relevantes von Irrelevantem unterscheiden kann und seine eigenen Postings nur bestimmten Personengruppen sichtbar machen kann, erklärt dieser Artikel.

Quellen:

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March 08 2011

NPP108: Internet & Revolutionen in arabischen Ländern

Es wird wieder Zeit für mehr Netzpolitik-Podcasts, die wir hier in der nächsten Zeit veröffentlichen. Den Anfang macht ein rund 80 Minuten langes Gespräch mit dem freien Journalisten Zahi Alawi, der u.a. als Experte für die arabischen Länder für die Deutsche Welle arbeitet.

Mit ihm hab ich mich über die Hintergründe der aktuellen Revolutionen in Tunesien und Ägypten unterhalten und darüber, welche Rolle das Internet dort gespielt hat. Einer der Gründe, warum es gerade in diesen beiden Ländern zu den ersten Revolutionen im arabischen Raum kam, war die steigende Internetnutzung, die in den vergangenen Jahren für viele (junge) Menschen erstmals Zugang zu Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt brachten. Gerade in Ägypten gab es ab spätestens 2005 eine große Zahl an politischen Bloggern. Später nutzten viele Facebook, um sich u vernetzen und zu koordinieren.

Nach Ansicht von Zahi Alawi haben viele Machtinhaber Facebook & Co eher als Datingplattform unterschätzt und nicht gesehen, dass man sich über soziale Medien auch sehr gut vernetzen und politischen Protest organisieren kann. Die Revolutionen selbst wurden durch das Internet vorbereitet, aber während der Ereignisse spielte das Fernsehen durch Sender wie Al Jazeera eine entscheidende Rolle, um weite Teile der Bevölkerung zu informieren.

Das alles und noch viel mehr gibt es in den 80 Minuten Podcast, der als MP3 und OGG auf dem Server liegt.

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Zum Nachbauen geeignet: Churnalism.com

Churnalism.com ist ein spannendes Tool aus England, was wir dringend auch mal in Deutschland bräuchten. Die Idee ist einfach erklärt: Per Crowdsourcing kann man journalistische Inhalte dahingehend überprüfen, wieviel davon aus PR-Texten abgeschrieben wurde. Das funktioniert so:

The site compresses all articles published on national newspaper websites, on BBC news, and Sky news online, into a series of numbers based on 15 character strings (using a hash function) and then stores them in a fast access database. When someone pastes in some text and clicks ‘compare’, the churn engine compresses the text entered and then searches for similar compressions (or ‘common hashes’). If the engine finds any articles where the similarity is greater than 20%, then it suggests the article may be churn. Churnalism.com is powered off the back of the database of over three million compressed articles in journalisted.com.

In einem Textfeld kann man Pressemitteilungen von Unternehmen oder Institutionen eingeben und dann schauen, ob und in welchem Umfang Journalisten sich aus dieser Quelle bedient haben. Tolle Idee, wer baut das für Deutschland?

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March 01 2011

Guttenberg: Der erste Minister, den das Internet gestürzt hat?

Robin Mayer-Lucht stellt bei Carta die gewagte These auf, dass Karl-Theodor zu Guttenberg der erste Minister sei, den das Internet gestürzt habe. Das klingt ja erstmal toll und ich würde das ja gerne unterschreiben, aber ich halte die These trotzdem für nicht richtig und für eine gewisse Selbstüberschätzung. Meiner Meinung nach waren das Internet und kollektive Prozesse wie das Guttenplag-Wiki oder andere Aktionen wie die spontan über das Netz organisierte Guttbye-Demonstration am vergangenen Wochenende in Berlin wichtige Bestandteile, die dann zum Rücktritt führten. Aber ohne die traditionellen Medien wäre das so nicht passiert. Die ersten Plagiatsvorwürfe tauchten in klassischen Medien auf. Daraufhin wurde das Guttenplag-Wiki-Projekt gestartet und zusätzliche Plagiatsfälle gefunden. Die Medien berichteten wieder darüber, unzählige Internetnutzer verteilten diese Informationen und Verweise auf journalistische Beiträge und Blog-Artikel über diverse Kanäle wie Twitter, Social Networks und Blogs weiter.

Und dieses Wechselspiel zwischen vierter und fünfter Gewalt finde ich spannend. Denn wir sehen wir eine gewachsene vernetzte neue Öffentlichkeit, wo das Internet nicht mehr wegzudenken ist. Und wir sehen hier auch das große Ende einer unsäglichen Debatte “Blogs vs. Journalisten”, wo selbst den letzten Journalisten aufgefallen sein sollte, dass sich beide Gruppen sehr gut ergänzen.

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