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February 25 2011

Für Bild werben? “Ich glaube, es hackt”

Die Werbeagentur Jung von Matt hatte die tolle Idee, die Band Wir sind Helden für ein Testimonial im Rahmen einer Bild-Werbekampagne anzufragen. Die öffentliche Antwort der Band ist großes Kino. Da deren Server durch den Ansturm zusammen gebrochen ist, spiegeln wir das mal hier:

DIE ANFRAGE

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind als Werbeagentur mit der aktuellen BILD-Kampagne betraut, in der wir hochkarätigen Prominenten eine Bühne bieten, ihre offene, ehrliche und ungeschönte Meinung zur BILD mitzuteilen.

Derzeit planen wir die nächste Produktionsphase für Frühjahr 2011. Die neu zu produzierenden TV- und Kinospots sowie Plakat- und Anzeigenmotive sollen die bestehenden Motive von Veronica Ferres, Thomas Gottschalk, Philipp Lahm, Richard von Weizsäcker, Mario Barth u.v.m. ergänzen.

Für diese Fortführung der Kampagne möchten wir sehr gern “Wir sind Helden” gewinnen.

Das schöne an der Kampagne ist, dass sie einem guten Zweck zu Gute kommt. BILD spendet in Namen jedes Prominenten 10.000,- Euro an einen von Ihnen zu bestimmenden Zweck.

Lassen Sie uns gern telefonieren und die Details besprechen. Zur Detailinformation senden wir Ihnen bereits heute anbei einige weiterführende Informationen.

Ich freue mich dazu von Ihnen zu hören.
Herzliche Grüße aus Hamburg,
Jung von Matt/Alster Werbeagentur GmbH

DIE ANTWORT

Liebe Werbeagentur Jung von Matt,

bzgl. Eurer Anfrage, ob wir bei der aktuellen Bild -Kampagne mitmachen wollen:

Ich glaub, es hackt.

Die laufende Plakat -Aktion der Bild -Zeitung mit sogenannten Testimonials, also irgendwelchem kommentierendem Geseiere (Auch kritischem! Hört, hört!) von sogenannten Prominenten (auch Kritischen! Oho!) ist das Perfideste, was mir seit langer Zeit untergekommen ist. Will heißen: nach Euren Maßstäben sicher eine gelungene Aktion.

Selten hat eine Werbekampagne so geschickt mit der Dummheit auf allen Seiten gespielt. Da sind auf der einen Seite die Promis, die sich denken: Hmm, die Bildzeitung, mal ehrlich, das lesen schon wahnsinnig viele Leute, das wär schon schick… Aber irgendwie geht das eigentlich nicht, ne, weil ist ja irgendwie unter meinem Niveau/ evil/ zu sichtbar berechnend… Und dann kommt ihr, liebe Agentur, und baut diesen armen gespaltenen Prominenten eine Brücke, eine wackelige, glitschige, aber hey, was soll´s, auf der anderen Seite liegt, sagen wir mal, eine Tüte Gummibärchen. Ihr sagt jenen Promis: wisst ihr was, ihr kriegt einfach kein Geld! Wir spenden einfach ein bisschen Kohle in eurem Namen, dann passt das schon, weil, wer spendet, der kann kein Ego haben, verstehste? Und außerdem, pass auf, jetzt kommt´s: ihr könnt sagen, WAS IHR WOLLT!

Und dann denken sich diese Promis, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, irgendeine pseudo -distanziertes Gewäsch aus, irgendwas “total Spitzfindiges”, oder Clever- Unverbindliches, oder Überhebliches, oder… Und glauben, so kämen sie aus der Nummer raus, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Und haben trotzdem unheimlich viele saudumme Menschen erreicht! Hurra.

Auf der anderen Seite, das erklärt sich von selbst, der Rezipient, der saudumme, der sich denkt: Mensch, diese Bild -Zeitung, die traut sich was.

Und, die dritte Seite: Ihr, liebe jungdynamische Menschen, die ihr, zumindest in einem sehr spezialisierten Teil eures Gehirns, genau wisst, was ihr tut. Außer vielleicht, wenn ihr auf die Idee kommt, “Wir sind Helden” für die Kampagne anzufragen, weil, mal ehrlich, das wäre doch total lustig, wenn ausgerechnet die…

Das Problem dabei: ich hab wahrscheinlich mit der Hälfte von euch studiert, und ich weiß, dass ihr im ersten Semester lernt, dass das Medium die Botschaft ist. Oder, noch mal anders gesagt, dass es kein “Gutes im Schlechten” gibt. Das heißt: ich weiß, dass ihr wisst, und ich weiß, dass ihr drauf scheißt.

Die BILD -Zeitung ist kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash -Kulturgut und kein harmloses “Guilty Pleasure” für wohlfrisierte Aufstreber, keine witzige soziale Referenz und kein Lifestyle -Zitat. Und schon gar nicht ist die Bild -Zeitung das, als was ihr sie verkaufen wollt: Hassgeliebtes, aber weitestgehend harmloses Inventar eines eigentlich viel schlaueren Deutschlands.

Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument – nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.

In der Gefahr, dass ich mich wiederhole: ich glaub es hackt.

Mit höflichen Grüßen,
Judith Holofernes

flattr this!

Reposted byurfinpenpensoupenfrassper

February 06 2011

Das Ende von Rivva?

Auf der Nachrichten-Aggregations Rivva.de findet man aktuell nur noch eine Grafik des alten Templates und ein Kondolenzbuch. Vor wenigen Tagen hatte der Rivva-Betreiber Frank Westphal bereits einen Monat Sabbatical angekündigt und den Dienst ausgestellt. Nun scheint die Plattform endgültig offline zu gehen, was ich sehr schade finden würde. Rivva bot die vergangenen vier Jahre einen guten Überblick, welche Artikel in Blogs, auf Videoplattformen oder auf Twitter im deutschsprachigen Raum aktuell oft verlinkt und referenziert wurden.

Das Ende von Rivva würde eine Lücke hinterlassen, die aktuell von keiner anderen Plattform gefüllt werden könnte.

January 31 2011

Yochai Benkler: Newspaper of the Future

Die NPR-Sendung “On the media” hat Yochai Benkler zur “Newspaper of the Future” interviewt:

News existed before newsprint. Will it exist after? Of course, according to Yochai Benkler. What we confront, he argues, is a set of practical questions: what do we need in our news? What do we care about? The author of The Wealth of Networks describes our shift from the newspaper we get to the newspaper we seek.

Hier ist die MP3.

January 23 2011

Al Jazeera veröffentlicht Palästina-Papiere

Al Jazeera hat heute Abend mit der Veröffentlichung der “Palestine Papers” begonnen. Dazu gehören wohl 275 Protokolle, 690 interne Emails, 153 Berichte und Studien über die israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen aus den Jahren 1999-2010. Insgesamt über 1600 Papiere sollen in den kommenden drei Tagen veröffentlicht werden. Al Jazeera verspricht einen beispiellosen Einblick in die Nahost-Verhandlungen:

The material is voluminous and detailed; it provides an unprecedented look inside the continuing negotiations involving high-level American, Israeli, and Palestinian Authority officials. Al Jazeera will release the documents between January 23-26th, 2011. They will reveal new details about:

* the Palestinian Authority’s willingness to concede illegal Israeli settlements in East Jerusalem, and to be “creative” about the status of the Haram al-Sharif/Temple Mount;
* the compromises the Palestinian Authority was prepared to make on refugees and the right of return;
* details of the PA’s security cooperation with Israel;
* and private exchanges between Palestinian and American negotiators in late 2009, when the Goldstone Report was being discussed at the United Nations.

Al Jazeera möchte keine Details nennen, woher die Quellen stammen. Man erfährt nur, dass sie anscheinend von palästinensischer Seite geleakt wurden. Das spricht dafür, dass dieses Leak nichts mit Wikileaks zu tun hat.

Al Jazeera hat nach Erhalt der Papiere eine Partnerschaft mit dem britischen Guardian gestartet, der ebenfalls die Papiere auf einer Extraseite auswertet. Hier ist ein erster Überblickartikel über die Erkenntnise aus der Auswertung: Secret papers reveal slow death of Middle East peace process.

Das kündigt der Guardian für die kommenden Tage an:

• The scale of confidential concessions offered by Palestinian negotiators, including on the highly sensitive issue of the right of return of Palestinian refugees.
• How Israeli leaders privately asked for some Arab citizens to be transferred to a new Palestinian state.
• The intimate level of covert co-operation between Israeli security forces and the Palestinian Authority.
• The central role of British intelligence in drawing up a secret plan to crush Hamas in the Palestinian territories.
• How Palestinian Authority (PA) leaders were privately tipped off about Israel’s 2008-9 war in Gaza.

Spannend.

December 21 2010

Medienradio: Der Spiegel und Wikileaks

Philip Banse hat für das Medienradio Folge 36 Holger Stark interviewt, der sowohl Ressortleiter Deutschland als auch Wikileaks-Koordinator beim Spiegel ist. Thema ist genau das: MR036 Der Spiegel und Wikileaks.

Der Spiegel denkt über eine eigene Leak-Plattform nach. “Was Wikileaks heute anbietet, wird in 10 Jahren jedes Medium bieten”, sagt der Wikileaks-Koordinator des Spiegel, Holger Stark, in dieser Ausgabe des Medienradio. Der Ressortleiter Deutschland beim Spiegel sagte, die Debatte über eine eigene Annahmestelle für Geheim-Informationen im Netz laufe “seit wir uns mit Wikileaks beschäftigen und hat sich in diesem Jahr noch mal verstärkt”. Die Entscheidung über eine Teilnahme des Spiegel an openleaks.org sei “noch nicht getroffen”, sagt Stark. Für den Spiegel sei es schwer, technische Infrastruktur aus der Hand zu geben.

Hier ist das MP3.

Reposted bybrightbytereturn13mondkroete

November 23 2010

SpeedLab Journalism

Am 1. Dezember laden die DRadio Wissen NETZ•REPORTER zum ersten “SpeedLab Journalism” ins Berliner Betahaus ein. Und darum gehts:

Von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr zieht “SpeedLab Journalism” am Ende des ersten Jahrzehnts im neuen Jahrtausend Bilanz und wirft einen Blick nach vorn. Wie hat sich der Journalismus verändert und welche Transformationen warten noch auf uns? Um den Stand der Dinge zu diskutieren, wagen wir ein innovatives Veranstaltungsformat. Das SpeedLab versteht sich als Mischung aus Konferenz, Barcamp und Speeddating. Workshop, Werkstatt und Podium – von Experten für Experten. Es umfasst die Module Keynote plus Interview, Sublab (Workshops) und Mainlab (Podium).

Nach den Keynote von Joshua Benton, dem Leiter des Nieman Journalism Lab , der Forschungseinrichtung für Journalismus an der Harvard University und Phil Fearnly, General Manager Future Media, BBC, werden zahlreiche Experten in den SubLabs und dem MainLab diskutieren. Vertreter von dpa, ZEIT ONLINE, Deutschlandradio und zahlreiche Best Practice Akteure stellen ein breites Spektrum aktueller Entwicklungen dar. Diskutieren Sie mit! Unter www.speedlab.tumblr.com/ finden Sie das aktuelle Programm. Die Sublabs finden im 20-Minutenrhythmus parallel statt – fünfmal hintereinander. Alle Besucher können also an allen Sublabs teilnehmen. Speed Dating mit starken Gesprächspartnern. Im Anschluss folgt das MainLab, eine Podiumsdiskussion mit zahlreichen Experten aus der Branche.

Über Ihre Teilnahme würden wir uns sehr freuen. Für eingeladene Gäste werden Plätze auf der Gästeliste reserviert. Es fallen keine Teilnahmegebühren an. Bitte melden Sie sich zu Planungszwecken bis zum 26.11.2010 unter netzreporter@kooperative-berlin.de an. Danke!

November 22 2010

Wir haben keine Angst

Wir haben keine Angst” ist eine von Mario Sixtus losgetretene Aktion, die sich gegen die derzeitige Terrorhysterie wendet.

Gefährlicher als es ein Terroranschlag für unseren Staat jemals sein könnte, sind überaktive Politiker. Sie wollen im Windschatten einer vermeintlichen oder realen Terrorbedrohung unsere Freiheitsrechte beschneiden, Überwachungsstrukturen schaffen und ganze Bevölkerungsgruppen unter Pauschalverdacht stellen. Geben wir der Angst nach, haben die Terroristen gesiegt. Das gönnen wir ihnen nicht! Daher rufen wir allen politischen Entscheidungsträgern zu: Wir haben keine Angst!

Bei der Aktion kann man mitmachen, indem man Fotos und Statements schickt. Man kann sich dafür auch verkleiden, aber die Fotos werden sicher irgendwann gegen einen verwendet werden. Zumindest, wenn man dann so aussieht:

Passend zum Thema ist auch noch dieser Text von Ranga Yogeshwar in der Taz: Mit de Maizière am Frühstückstisch – Der Terror ist da, das Müsli ist alle.

Die Behörden gehen von verschiedenen Bedrohungsszenarien für Deutschland aus. Das ist Panikmache. Und aus statistischen Gründen ziemlich unangebracht.

Etwas älter, aber immer noch aktuell ist der Text “Der Terrorist als Gesetzgeber” von Heribert Prantl in der NZZ Folio:

Unter dem Vorwand, sich schützen zu wollen, wirft sich der Rechtsstaat dem ­Monstrum Terrorismus zum Frass vor.

November 19 2010

Wer das nicht will, kann sich ja zuhause hinter dem Ofen verkriechen?

Zahlreiche Meldungen erreichten uns gestern während der Tagesthemen, dass ein SWR-Kommentator dort die Vorratsdatenspeicherung und dergleichen propagierte. Fefe hat das Moneyquote von SWR-Mitarbeiter Rainald Becker aus dem ARD-Hauptstadtstudio mal in ein File gepackt (Hier Youtube und hier MP4):





“Was Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Bürger angeht, sollten wir uns an den USA orientieren. Telefonüberwachung, Onlinedurchsuchung, Datenspeicherung und ab und zu ein Fingerabdruck, das ist kein Teufelszeug. Wer das nicht will, kann sich ja zuhause hinter dem Ofen verkriechen.”

Vielleicht kann ja jemand mal z.B. Becker erklären, dass es die Vorratsdatenspeicherung in den USA nicht gibt. Zuviel Überwachung der eigenen Bürger und so. Ansonsten wundere ich mich etwas über den Ton. “Wer das nicht will, kann sich ja zuhause hinter dem Ofen verkriechen.” hätte ich jetzt von FoxNews erwartet und nicht von den ARD-Tagesthemen, wenn es um sensible Grundrechte geht, die damit eingeschränkt werden. Vor allem wo doch sonst immer politisches Engagement gelobt wird, weil das ja immer weniger vorkommt. Und wer sich gegen Überwachung und für mehr Freiheiten einsetzt, soll sich jetzt laut Tagesthemen zuhause vor dem Ofen verkriechen? Ist das die Message?

Die gesamten Tagesthemen gibt es hier.

Reposted by02mydafsoup-01krekkurfin

November 10 2010

Wie sich Public Relation als fünfte Gewalt etabliert

Gestern sendete der Deutschlandfunk ein 45 Minuten langes Features von Jörg Wagner darüber, wie sich Public Relation als fünfte Gewalt etabliert: Analogkäse schmeckt besser!

Eine mächtige Branche führt im professionellen Auftrag Millionen von Menschen ungestraft hinters Licht. Täuschen, tricksen, tarnen, das ist das Handwerkszeug der PR-Profis in konventionellen Print- und Funkmedien und neuerdings auf Blogs und in Internetforen.

Bei jörg Wagner im Blog gibt es ein kleines Making-Of zu sehen und hier findet sich die MP3.

Reposted byreturn13cliffordastrid

October 18 2010

Hinter den Kulissen der Tagesschau

Vor einer Woche hat Deutschlandradio Kultur eine Reportage über die Produktion der 20 Uhr Tagesschau gesendet: Die Nachrichtenmacher – Auf Tagesschicht bei der Tagesschau. Das ist ein spannender Blick hinter die Kulissen der Tagesschau. Gibts als Transcript und MP3.

“Heute ist ein relativ ruhiger Tag, weil es nicht die vielen Themen gibt, die sich massiv verändern. Aber es ist auch ein etwas chaotischer Tag, weil Du die klare Gewichtung in den Themen heute nicht so hast. Sonst weißt du, das ist ganz klar heute der Aufmacher. Die Rede von Wulff zum Tag der Deutschen Einheit ist natürlich der Aufmacher, das weißt du schon einen Tag vorher, wenn nicht irgendwo ein Krieg beginnt oder so.”

October 15 2010

Journalismus der Zukunft: Die Chancen einer neuen Ära

Diskussionen über den Journalismus der Zukunft sind in der Regel ziemlich langweilig, rückwärtsgerichtet und eher Netz-feindlich. Kommenden Mittwoch gibt es in Berlin aber ausnahmsweise mal eine Diskussion, wo das nicht der Fall sein dürfte. Im Rahmen der Zeit Online Debatte diskutiert Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit.de mit Alan Rubridger, dem Chefredakteur des britischen Guardian. Thema ist Thema „Journalismus der Zukunft: Die Chancen einer neuen Ära“.

Alan Rusbridger ist seit 1995 der Chefredakteur des „Guardian“ und hat in dieser Zeit auch die Website guardian.co.uk zu einer der weltweit führenden englischsprachigen Nachrichtensites gemacht, die monatlich rund 37 Millionen Besucher anzieht. Rusbridger plädiert dafür, das Internet nicht als Bedrohung, sondern als eine enorme Chance für die Weiterentwicklung des Journalismus zu begreifen. Alan Rusbridger wird im Rahmen der ZEIT ONLINE DEBATTE unter anderem über den Kulturwandel in seiner Redaktion und über die positiven Erfahrungen des „Guardian“ mit iPhone-Apps berichten.

Beginni st 19:30 Uhr am Mittwoch, den 20. Oktober 2010 und der Ort ist Volkswagen Aktiengesellschaft, Automobil Forum, Unter den Linden 21, 10117 Berlin. Der Eintritt ist frei, dafür soll man sich bei veranstaltungen@zeit.de anmelden.

Reposted bymondkroete mondkroete

Twitter-Kanal als Rundfunk anmelden

Spannende Aktion: Die Isarrunde, eine “Video-Gesprächsrunde Münchner Medienschaffender über den Einfluss digitaler Entwicklungen auf unser tägliches Leben”, hat bei der bayrischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) ihren Twitterkanal als Rundfunkangebot im Internet angemeldet. Diese will (und muss) jetzt den Sachverhalt klären, ob es sich bei einem Twitterkanal um Rundfunk handelt. Sollte die BLM dies bestätigen, kommen auf die Isarrunde und wahrscheinlich viele Andere eventuell Kosten von bis zu 5.000 Euro für die Medienaufsicht zu.

Hintergrund ist folgender:

Der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hatte bei der Eröffnungsrede der Münchner Medientage am Mittwoch erklärt, Internet sei Rundfunk. Privater Rundfunk wird in Deutschland durch die Landesmedienanstalten reguliert. Der Geschäftsführer der Bayerischen Landesmedienanstalt BLM, Martin Gebrande, relativierte die Aussage des Ministerpräsidenten am Mittwoch auf einer Podiumsdiskussion dahingehend, dass Rundfunk ein lineares Medium sei, das suggestiv wirken müsse. Zudem gäbe es in Bayern nur eine Informationspflicht für rundfunkähnliche Online-Angebote wie bisher Webradio oder WebTV, wenn diese mehr als 500 Nutzer in ihren Streams erreichen würden. Sollte die Bayerische Staatsregierung bei der Aussage von Horst Seehofer bleiben und versteht man die Aussagen des BLM-Geschäftsführers, Martin Gebrande, richtig, so müsste etwa ein Twitter-Account mit mehr als 500 Followern ein Rundfunkangebot sein. Um also nicht gegen bestehende Bestimmungen zu verstoßen, erfüllen wir die von der BLM geforderte Anzeigepflicht für Rundfunkangebote im Internet.

Hier ist ein Video dazu, wo das Formular der BLM überreicht wird:

Jetzt muss die BLM reagieren und danach weiß man mehr. Wenn Twittern mit mehr als 500 Followern also demnächst unverschämt teuer wird, bedankt Euch bei der Isarrunde. ;-)

Reposted bybrightbytemondkroeteZaphodB

October 08 2010

Geschlossene Gesellschaft: BKA-PK zur Vorratsdatenspeicherung

Das Bundeskriminalamt möchte heute ausgewählte Zahlen zur Vorratsdatenspeicherung der Presse präsentieren. Anscheinend darf da aber nicht jeder dabei sein, es könnten ja kritische Fragen kommen. Das Digitalressort von Zeit-Online, bisher eher kritisch in der Berichterstattung zur Vorratsdatenspeicherung aufgefallen, darf z.B. nicht dabei sein, wie man auf Twitter lesen konnte:

#BKA will heut “ausgewählten Journalisten” (uns nicht) Bsp. vorlegen, bei denen Ermittlungen scheiterten, weil man keine #VDS hatte (kb)

Reposted bykrekklotterlebenleyrer

September 30 2010

Tschüss Futurezone

Die Futurezone schließt heute nud ab morgen wird futurezone.at von einer Tochterfirma der Wiener Tageszeitung “Kurier” gemacht. Ob es weiterhin gute Artikel über Netzpolitik dort geben wird, ist eher unklar. Die Futurezone-Redaktion verabschiedet sich heute: Futurezone: Down by Law

Mit dem 30. September muss futurezone.ORF.at aufgrund neuer gesetzlicher Bestimmungen nach elf Jahren den Betrieb einstellen. Wir bedanken uns herzlich bei unserer Leserschaft für ihre Treue und sagen, wie und wo es weitergeht.

September 25 2010

Depub.org und die Tagesschau aus dem digitalen Jenseits

Das WDR5-Medienmagazin Töne, Texte, Bilder hat mich über depub.org und Depublizieren interviewt: Depub.org und die Tagesschau aus dem digitalen Jenseits. Das wurde heute ausgestrahlt und hier ist die MP3.

Reposted byreturn13 return13

September 24 2010

Zeitungen müssen Prüfungsthema in den Schulen werden

Im Bundeskanzleramt fand gestern die zweite Jahrestagung der Nationalen Initiative Printmedien statt, die unser Kulturstaatsminister Bernd Neumann organisiert. Wie bei der Gründung gab es wohl wieder ausreichend Realsatire, aber leider keinen Livestream. Dafür findet man trotzdem genug zum lachen im Netz.

Die Bundesregierung verweist in einer Pressemitteilung auf das Programm mit dem Höhepunkt in einer Podiumsdiskussion über „Wie können wir Kinder und Jugendliche für Print begeistern?“ Wohlgemerkt: Da steht nicht “für Lesen begeistern”.

Aber Ziel der Initiative ist ja auch:

Ziel der Nationalen Initiative Printmedien ist es, Schülerinnen und Schülern die Bedeutung von Printmedien für die Demokratie nahe zu bringen und den Wert von Medien- und Meinungsvielfalt zu vermitteln, um sie für das Lesen von Printmedien zu begeistern und sie an einen mündigen Umgang mit Zeitungen und Zeitschriften heranzuführen.

Auf der Veranstaltung wurde auch ein Thesenpapier beschlossen. These 2 verspricht.

Redaktionen, Verlage und Pressevertriebe haben die wichtige gesellschaftliche Aufgabe, auf privatwirtschaftlicher Grundlage ein qualitativ hochwertiges, vielfälti- ges, für jedermann erschwingliches und überall erhältliches Zeitungs- und Zeit- schriftenangebot bereit zu stellen. Der Staat hat die Pflicht, die dafür notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Deswegen brauchen wir sicher das Leistungsschutzrecht.

Wirklich toll ist These 3:

Junge Menschen lesen heute immer weniger Zeitungen und Zeitschriften. Im Zentrum ihrer Mediennutzung stehen elektronische Angebote. Mit dieser bereits seit langem zu beobachtenden Entwicklung geht ein signifikanter Rückgang des Interesses von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen an politischen und gesellschaftlichen Fragen einher. Das ist der Demokratie langfristig abträglich.

Die Kausalität “Jugend liest keine Zeitung mehr und interessiert sich deshalb nicht mehr für Politik / Demokratie” halte ich für falsch. Wahrscheinlicher ist es, dass eine solche Politik wie Herr Neumann sie betreibt eher für politisches Desinteresse verantwortlich ist als wenn junge Menschen sich im Netz informieren. Auch in früheren Vor-Internet Zeiten haben nicht alle jungen Menschen FAZ, TAZ oder Süddeutsche gelesen.

These 4 ist auch super:

Es ist deshalb ein Gebot der Stunde, junge Menschen wieder für das Lesen von Zeitungen und Zeitschriften zu begeistern und ihnen den besonderen Wert des gedruckten Wortes und professioneller journalistischer Leistungen zu vermitteln.

Das impliziert, dass professionelle journalistische Leistungen nur Print möglich sind.

Richtig lustig wird es dann beim Bundesverband der Zeitungsverleger. Die haben gleich eine Pressemitteilung herausgegeben, wo der BDZV-Präsident Helmut Heinen Zeitungen als Prüfungsthema fordert:

Zeitungen müssen Prüfungsthema in den Schulen werden. Das forderte am 23. September 2010 der Präsident des BDZV, Helmut Heinen, anlässlich der zweiten Jahrestagung der Nationalen Initiative Printmedien in Berlin: „Wenn Zeitungen in der Demokratie eine öffentliche Funktion besitzen – worüber es keine Meinungsverschiedenheit geben kann –, dann muss das Thema Zeitunglesen vernünftig eingeordnet werden.“

Abgesehen davon, dass es sicherlich Sinn macht, Schülern die Mechanismen der Bild-Zeitung zu erklären, hab ich das mit dem Prüfungsfach Zeitungen jetzt noch nicht ganz verstanden. Warum gibt es eigentlich keine Nationale Initiative Medienkompetenz, sondern stattdessen diese rückwärtsgewandte Veranstaltung?

Es wäre ja alles noch viel lustiger, wenn es nicht so real wäre.

September 16 2010

Visualisierung: Todesopfer rechter Gewalt 1990 – 2010

Ein schönes Beispiel für Datenjournalismus hat Zeit.de mit der Visualisierung einer traurigen Sache geschaffen: Todesopfer rechter Gewalt 1990 – 2010. Ganz ohne Flash, dafür mit HTML5 werden auf einer Deutschlandkarte die Todesopfer rechter Gewalt der letzten 20 Jahre visualisiert. Gleichzeitig kann man in der Zeitachse zurückgehen. Die Rohdaten werden auch zur Verfügung gestellt.

Reposted byginsengcliffordInte02mydafsoup-01re-petereturn13draugrdelphiNBanditsastridcygenb0cksofias

August 20 2010

Internet-Meldestellen: Kleiner Fehler, große Wirkung

Killian Laurenz hat sich für einen Kommentar beim AK Zensur noch einmal das Stück von Stefan Tomik aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vorgenommen. Tomik hatte in der FAS vom 15. August die These aufgestellt, die Erfolge der Providerhotline INHOPE beim Löschen kinderpornographischer Inhalte im Netz seien „meist nur vorgegaukelt“.

Abgesehen davon, dass Tomik bei seiner Recherche ein entscheidender Fehler unterlaufen ist, kann man das auch anders sehen. Laurenz kommentiert:

Wie bei HeiseNetzpolitik und natürlich auch bei eco selbst nachzulesen, ist die Geschichte vergleichsweise simpel: Im Juli 2009 (!) hatte der eco aus Anlass der politischen Diskussion um Netzsperren die Arbeit von INHOPE hinterfragt und überprüft. Bei dieser Untersuchung stellte sich – nicht verwunderlich – heraus, dass das Löschen entsprechender Inhalte immer dann problematisch war, wenn über INHOPE nicht die Hostprovider im betreffenden Staat direkt kontaktiert wurden, sondern der Dienstweg über die lokale Polizei eingeschlagen wurde.

Inzwischen arbeitet INHOPE – genauso wie seit diesem Jahr auch das BKA – daran, die Abläufe beim Löschen entsprechender Seiten zu verbessern. Und so schafft das BKA jetzt das Löschen entsprechender Seiten auch besser als zuvor.

Damit bricht die vermeintliche Story der FAZ natürlich endgültig in sich zusammen. [...]

Reposted bybrightbyte brightbyte

August 01 2010

Enthüllungen im Internet – das Ende der Geheimnisse

Ich war am Freitag zu Gast in der politischen Talkshow Quadriga, die auf Deutsche Welle TV läuft. Thema war “Enthüllungen im Internet – das Ende der Geheimnisse” und es ging um Wikileaks und auch ein bißchen um neue Öffentlichkeiten im Netz. Mit mir diskutierten Tom Goeller von der Washington Times und Paul-Anton Krüger von der Süddeutschen Zeitung, die meistens einer anderen Meinung waren.

Von der rund 26 Minuten langen Diskussion gibt es eine MP4.

July 28 2010

Die Geschichte hinter dem warlogs-Release

Spannender Text: Hier wird die Afghanistan-warlogs – Geschichte aus Sicht der Journalisten erzählt, die mit Wikileaks zusammen die Dokumente vor Erscheinen bearbeiten und durchforstet haben: The Story Behind the Publication of WikiLeaks’s Afghanistan Logs – From Brussels, to a bunker, to blockbusters.

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