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February 11 2014

The Day We Fight Back

Vor etwas mehr als zwei Jahren fand das SOPA-Blackout statt, bei dem viele große Internetseiten gegen SOPA, PIPA und ACTA demonstriert hben und zeigen wollten, was passiert, wenn einfach Teile des Internets abgeschaltet werden könnten. Vor etwas mehr als einem Jahr nahm sich Aaron Swartz, ein Internetaktivist, der maßgeblich an den Protesten beteiligt war, das Leben. Diesen beiden Ereignissen zum Gedächtnis und aus Anlass der andauernden Massenüberwachungs-Enthüllungen wird heute wieder eine gemeinsame Aktion vieler großer Internetakteure stattfinden.

thedaywefightback

Ziel der Aktion TheDayWeFightBack.org ist es, Amerikaner zu mobilisieren ihren Abgeordneten im US-Kongress durch E-Mails und Anrufe klarzumachen, dass sie sich gegen die ausufernde Geheimdienstarbeit einsetzen sollten. Besucht man die Seite außerhalb der USA, bekommt man einen Verweis darauf, an der Petition necessaryandproportionate.org teilzunehmen. Die Mitglieder des Bündnisses platzieren zur Unterstützung Banner auf ihren Webseiten, Angestellte sollen ihre Firmen dazu auffordern, sich ihrerseits starkzumachen und Internetnutzer – also wir alle – sind angehalten, die Nachricht über soziale Netzwerke und Memes zu verbreiten. Es kann sich also jeder beteiligen, auch mit kleinem Aufwand!

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

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July 26 2013

Berkman Center Report: Wie die Öffentlichkeit SOPA und PIPA stoppte!?

UntitledGestern hat das Berkman Center for Internet & Society der Harvard University ein neues Paper veröffentlicht: “Social Mobilization and the Networked Public Sphere: Mapping the SOPA-PIPA Debate” In dem Paper wird die Berichterstattung über und Mobilisierung gegen SOPA und PIPA durch Blogs, Online Magazine und Kampagnen Websites über 17 Monate hinweg mittels Netzwerkanalyse untersucht. Hierfür haben Yochai Benkler, Hal Roberts, Rob Faris, Alicia Solow-Niederman und Bruce Etling 9.757 Texte (News, Blog-Einsträge, Artikel, etc.) der verschiedensten Websites analysiert. Mittels der Media Cloud, einem gemeinsamen Forschungsprojekt des Berkamn Centers und des MIT Center for Civic Media wurde dann die Anzahl eingehender Links zu jeder Website – also dem Grad der Vernetzung – analysiert. Die zentrale Frage war hierbei, ob und inwieweit sich eine ‘Zivilgesellschaft’ im Internet (Networked Public Sphere) zum Thema PIPA-SOPA organisiert hat.

This novel, data-driven perspective on the dynamics of the networked public sphere supports an optimistic view of the potential for networked democratic participation, and offers a view of a vibrant, diverse, and decentralized networked public sphere that exhibited broad participation, leveraged topical expertise, and focused public sentiment to shape national public policy.

Das Berkman Center und die Wissenschaftler um Yochai Benkler haben sich hier keine leichte Aufgaben gestellt. Die Theorie der “Öffentlichkeit” (Public Sphere), die maßgeblich durch Jürgen Habermas in den 60ern geprägt wurde, ist viel-diskutiert. Mit Aufkommen des Internets wurde von einigen Wissenschaftlern dann das Konzept der “Networked Public Sphere” etabliert – dem Grundgedanken folgend, dass das Internet eine Plattform für gemeinsamen, öffentlichen, politischen Diskurs darstelle, abseits der Mainstream Medien. (prominente Vertreter wären Benkler, Castells oder Papacharissi) Es gibt allerdings genauso viele Gegner der ‘Networked Public Sphere’, die sagen, dass es im Internet vor allem zu Separation, Polarisation und Fragmentierung kommt – da man sich vor allem an Gleichgesinnten. Das Paper gibt hier einen kurzen Überblick über die Debatte Pro-Contra “Networked Public Sphere”. Das Ziel ist daher nicht, die Theorie grundsätzlich zu bestätigen oder widerlegen – was überhaupt nicht ginge.

Our paper offers only a single case study, and a case study under the most favorable conditions. It therefore cannot be seen as decisive in the debates over the networked public sphere. Nonetheless, our findings here provide both evidence of and texture for the most prominent, discrete legislative success that fits the ideal model of the networked public sphere.

Im Folgenden gibt es dann kurz Informationen zur Geschichte des Urheberrechtsschutzes im Internet in den USA und den grundsätzlichen Zielen (der Lobby) des Stop Online Piracy Acts (SOPA) und des PROTECT IP Act (PIPA). Zusammengefasst:

These laws began to expand both elements of what became the centerpiece of SOPA and PIPA: increased involvement of criminal enforcement authorities in what was traditionally an area of private commercial law and increased use of state power to harness private platform providers to enforce the interests of the copyright industries.

Weiter gehts zur verwendeten Methodik – die Netzwerkanalyse. Eine der Annahmen ist, dass es einen Zusammenhang zwischen eingehenden Links und Wichtigkeit der Website gibt. Je mehr Websiten auf eine bestimmte Seite verlinken, desto größer und näher zur Mitte wird diese im Netzwerk-Graphen dargestellt. Diese Graphen wurden dann Wochenweise ausgewertet. Außerdem kam noch eine qualitative Komponente hinzu, da die Forscher auch einzelne Artikel ausgewertet und Interviews durchgeführt haben – beides floss in die Bewertung mit ein. Da dies alles über einen Zeitraum von 17 Monaten geschah, lässt sich so sehr gut verfolgen, wie stark die Online-Debatte im Laufe der Zeit anwuchs.

September 2010

September 2010

Während September 2010 nur eine Hand voll Websites vor SOPA (bzw. damals COICA) gewarnt hatten und die Diskussion vorrangig in wenigen einschlägigen Blogs stattfand, berichteten im Laufe der Zeit immer mehr Websites und Organisationen darüber. Politisch entgegengesetzte Parteien kooperierten, um auf eine Online-Petition aufmerksam zu machen. Etablierte Mainstream Medien, wie New York Times und Washington Post hatten später auch Artikel. Die Electronic Frontier Foundation, Techdirt, CNET, Reddit und Demand Progress (Online Petition mit 300.000 Unterzeichnern) fungierten als Multiplikatoren. Wikipedia fungierte nicht mehr nur als Informationsseite, sondern auch als Diskussions- und Mobilisierungsplattform. 2012 mobilisierten auch Gamer gegen SOPA-PIPA, bis es dann schließlich am 18. Januar 2012 zum kollektiven Black-Out von über 2000 Websites im Protest gegen die Gesetze kam.

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Januar 2012

Durch die Netzwerk-Graphen wird diese sehr dynamische, teils spontane, Entwicklung der Debatte online auf sehr anschauliche Art und Weise visualisiert.Allerdings muss man bedenken, dass das Paper eben gerade nicht “die ganze” Debatte zeigt. Analysiert wurden “nur” Websites (im weitesten Sinne). Soziale Netzwerke, E-Mail Newsgroups, Chats, Foren fanden – aus Zeit- und Budgetgründen – keinen Einzug in die Analyse. Trotzdem lassen sich einige Erkenntnisse ableiten. So teilen Yochai Benkler und seine Kollegen die Online Debatte um SOPA-PIPA grob in drei Abschnitte ein: Zuerst sind nur einige wenige Blogger und News-Websites aktive. In der zweiten Phase kommen Community-Plattformen, wie Wikipedia und Reddit dazu, außerdem fungiert Mainstream Media als weiterer Multiplikator. Die letzte Phase beginnt dann Januar 2012 und endet mit dem kollektiven Blackout.

This period, as we saw, was comprised of a highly dynamic, decentralized, and experimentation-rich public sphere, where different actors played diverse roles in diagnosing the problems with the acts, reframing the public debate from “piracy that costs millions of jobs” to “Internet censorship” and organizing for action.

Am Ende der Analyse stehen dann u.a. folgende Erkenntnisse:

  • Die “Networked Public Sphere” ist wesentlich dynamischer, als bisher in der Literatur dargestellt.
  • Mainstream Media spielte eine untergeordnete Rolle gegenüber Websiten, wie Techdirt, CNET und Ars Technica
  • NGO Websites (EFF, Public Knowledge, etc.) hatten wichtige Funktionen als Information Hubs und Multiplikatoren
  • Kampagnen-Websites transformierten Diskussion in Aktion (Online Petitionen, Organisation von Demos, etc.)

By the end of the 17 months under study, a diverse network of actors, for-profit and nonprofit, media and non-media, individuals and collectives, left, right, and politically agnostic, had come together. They fundamentally shifted the frame of the debate, experimented with diverse ap- proaches and strategies of communication and action, and ultimately blocked legislation that had started life as a bipartisan, lobby-backed, legislative juggernaut.

Am Ende gibt der Artikel des Berkman Centers Einblick in eine interessante Zeit für Netizens, Digital Natives und wie sie sonst noch heißen. Wie jede wissenschaftliche Studie hat auch diese ihre Limitationen. So muss man sich fragen, wie sehr die Forschung durch das Wegfallen von Social Networks, Mails, Chats und Foren verzerrt wurde. Es liefert auch keine Antwort auf die Frage, ob und in welchem Ausmaß es nun eine “Networked Public Sphere” gibt – dazu ist das Fallbeispiel zu spezifisch, wie die Wissenschaftler selbst einräumen. In diesem speziellen Fall haben die Mobilisierung und der Diskurs über das Internet jedoch funktioniert und dazu geführt, dass Menschen unterschiedlichster Ideologie, Motivation und Interessen zusammenkommen, um gemeinsam gegen einen Missstand zu protestieren. Wer weiß, vielleicht passiert das ja schon ganz bald wieder…

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August 09 2012

AlJazeera: Controlling the web

AlJazeera berichtet über die Copyright-Wars: Fault Lines : Controlling the web.

In January 2012, two controversial pieces of legislation were making their way through the US Congress. SOPA, the Stop Online Piracy Act, and PIPA, the Protect Intellectual Property Act, were meant to crack down on the illegal sharing of digital media. The bills were drafted on request of the content industry, Hollywood studios and major record labels.

The online community rose up against the US government to speak out against SOPA, and the anti-online piracy bill was effectively killed off after the largest online protest in US history. But it was only one win in a long battle between US authorities and online users over internet regulation. SOPA and PIPA were just the latest in a long line of anti-piracy legislation US politicians have passed since the 1990s.

[via]

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May 08 2012

SOPA: Yochai Benkler über neue Öffentlichkeiten

Auf dem Guardian Activate Summit 2012 hat Yochai Benkler eine sehenswerten Vortrag darüber gehalten, wie neue vernetzte Öffentlichkeiten bei SOPA und PIPA entstanden sind. 25 Minuten, die sich lohnen: Blueprint for Democratic Participation.

February 29 2012

Public Knowledge will Internetregulierung crowdsourcen

inbplogo.gifGenug von SOPA, PIPA, ACTA und Co.? Gestern hat Public Knowledge ein Projekt gestartet und ruft alle Nutzer in den Vereinigten Staaten dazu auf, mit Vorschlägen zu einer positiven Agenda, einer Urheberrechtsreform und einem „besseren Internet“ beizutragen. Die Seite internetblueprint.org lädt dazu ein, eigene Gesetzesvorschläge zu machen oder bereits eingereichte Entwürfe zu bewerten. Bisher kann man dort zum Beispiel Entwürfe für einen “Free Internet Act”, oder einen “Broadband Community Act” finden.

Ziel des Projekts ist, alle Erfahrung und Energie des Internet mit dem Wissen der politischen Entscheidungsträger in Washington zu vereinen und so eine positive Agenda für Gesetze rund um das Internet zu schaffen. US-Politiker können auch gezielt auf gute Ideen und Vorschläge hingewiesen und kontaktiert werden. Super Idee, brauchen wir auch für Europa!

January 26 2012

Yochai Benkler: Was sich verändert hat und was noch zu tun ist

Yochai Benkler hat sich zur aktuellen SOPA- und Megaupload-Debatte zu Wort gemeldet. In einem ausführlichen Artikel stellt er dar, was aus den Vorfällen für Lehren gezogen werden können, und macht darüber hinaus vier konkrete Vorschläge, wie das Verhältnis zwischen Rechteinhabern und Nutzern wieder gerade gerückt werden könnte.

Benkler sieht in den Protesten, die ihren Höhepunkt am 18. Januar erreichten, die Ankunft der vernetzten Zivilgesellschaft im Entscheidungszentrum, wo bisher die Lobbyisten von Content- und IT-Industrie um die Vorherrschaft rangen. Ersteren waren die bisherigen Mittel zur Bekämpfung von Webseiten zu ausgewogen und tatsächlich beweisen zu müssen, dass Rechte verletzt werden, zu umständlich:

[...] each successive version of the Act tried to avoid the inconvenience of actually having to prove that the site being targeted violated copyright law before inflicting mortal damage on that site


Er weist auf den klar dargestellten Zusammenhang aus Meinungsfreiheit und freiem Internet hin und stellt dar, wie sich die Rechtsvorstellung der Content-Industrie seit dem Betamax-Urteil durchgesetzt hat und erst das Grokster-Urteil und nun die Schließung von Megaupload ermöglichte. Auch ohne SOPA ist hier bereits Rechtsunsicherheit zu spüren:

By the time they have had their day in court, their business is destroyed; their user-base moved on to the next site.

Benkler widmet sich auch dem SOPA-Alternativgesetz OPEN, das zwar in wesentlichen Punkten besser als SOPA ist, allerdings immernoch aus einem veralteten Paradigma heraus geschrieben wurde:

[...] OPEN still buys in to the basic assumption that the interests of Hollywood justify drawing an ever-growing universe of complementary systems, like payment and advertising, into their enforcement dance against the piracy menace, without evidence that that menace is significant enough to justify the expansion. It cannot prevent the International Trade Commission from becoming just another captured agency doing the bidding of the people they perceive as their clients; and it retains the model of creating immunity for the critical services, in this case payment and advertising, for “voluntarily” cutting off services on suspicion of infringing activities, setting up the conditions for the creation of a private blacklist.

Statt des Herumdokterns an einem überkommenen System sollte das Rechtssystem neu verhandelt werden. Benklers vier Vorschläge, die kurz zusammengefasst auf folgendes hinauslaufen:

* Rückgängigmachen der Konsequenzen des Grokster-Urteils
* Die Kriminalisierung von Kopieren in nicht-kommerziellem Ausmaß zurücknehmen und den entsprechenden Behördenapparat der Strafverfolgung schrumpfen
* Fair-use-Regelung für das Umgehen von Copyright-Schutzmaßnahmen
* Stopp der Umgehung von Gesetzgebungsprozessen, indem über den Schutz von geistigem Eigentum auf diplomatischem Weg, in Handelsabkommen (Stichwort ACTA) und mit Druck auf Regierungen anderer Länder (mit)bestimmt wird

Ob es der Zivilgesellschaft gelingt, Gesetzesvorhaben und Handelsabkommen entgegen der Interessen der Bürger zu verhindern, werden die kommenden Monate zeigen. Der Hoffnung von Benkler, dass daraus auch ein Politikwandel hervorgeht, der über das Aufhalten von solchen Vorhaben hinaus auch gestalterische Kraft besitzt, kann man sich nur anschließen.

January 25 2012

CDU/CSU: SOPA-Gesetzgebung weist in die richtige Richtung

In einer Pressemitteilung erklären sich der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Dr. Günter Krings und der zuständige Berichterstatter für das Urheberrecht im Rechtsausschuss und im Ausschuss für Kultur und Medien, Ansgar Heveling im Namen der CDU/CSU-Fraktion mit den SOPA-Plänen solidarisch: US-Amerikanische SOPA-Gesetzgebung weist in die richtige Richtung.

Höhepunkt ist der folgende Absatz:

Es erstaunt, dass Wikipedia, Google, die Grünen und viele andere durch ihre Proteste gegen SOPA und PIPA auch geldgierigen Internetkriminellen wie dem Gründer von Megaupload beispringen. Sie verkennen, dass es bei der Durchsetzung des Urheberrechts nicht um Zensur geht, sondern einzig und allein darum, Kreative vor Ausbeutung zu schützen.“

Liebe CDU/CSU, wenn Ihr die Kreativen vor Ausbeutung schützen wollt, warum macht Ihr dann nichts gegen Buy-Out-Verträge?

January 24 2012

SOPA/PIPA-Proteste: Strohfeuer oder Politikwechsel?

Wie es aussieht haben die Proteste gegen die Gesetzesvorhaben SOPA und PIPA ja ein bißchen Wirkung gezeigt. Sowohl der Stop Online Piracy Act wie auch der Protect IP Act werden in absehbarer Zeit nicht zur Abstimmung kommen. Der Jubel ist derzeit entsprechend groß – andererseits lässt Frances Moore, CEO von IFPI, verlauten:

We’re disappointed that SOPA has been delayed, but we’re hearing already from the US congress that they hope to come forward in the coming weeks with a compromise


Zunächst aber reihen sich SOPA und PIPA ein in die Liste der Zombie-Gesetze, die tot zu sein scheinen aber mit einem etwas anderen Aussehen plötzlich wieder auferstehen können. Wer sich darüber informieren will, warum das Aussetzen von SOPA und PIPA kein Grund zu übermäßiger Freude ist, sollte sich beispielsweise mit COICA beschäftigen, dem Combating Online Infringement and Counterfeits Act, einem Gesetzesentwurf aus dem Jahr 2010. Eingereicht mit Unterstützung von u.a. der MPAA, rief er Proteste durch wesentliche Teile der Netzgemeinde hervor. Der verantwortliche Senator Patrick Leahy (D) legte das Vorhaben schließlich auf Eis, nachdem Ron Wyden sich deutlich gegen das Vorhaben positioniert hatte. Die letzten beiden Sätze treffen genauso auch auf PIPA zu, Leahys ausgebaute und umformulierte Variante von COICA aus dem Jahr 2011.

Ein wesentlicher Unterschied könnte allerdings sein, dass es vorerst nicht mehr so schnell möglich sein wird, ähnliche Gesetzesvorhaben voranzutreiben ohne größere Aufmerksamkeit zu erregen. Im Zuge der SOPA-Proteste fiel beispielsweise auf, dass SOPA-Initiator Lamar Smith auch den Protecting Children from Internet Pornographers Act of 2011 eingereicht hat, ein Gesetzesvorhaben, das bereits vor einem halben Jahr auf Kritik stieß, weil es ISPs dazu verpflichtet, Verbindungsdaten aller Kunden mindestens ein Jahr lang zu speichern. Die Informationen können anschließend von Untersuchungsbehörden aus allen erdenklichen Gründen eingesehen werden – was natürlich auch für die Content-Industrie Vorteile hat.

Dank der SOPA-Proteste erhielt endlich auch ACTA ein wenig mehr Aufmerksamkeit. E.D. Kain beispielsweise schreibt auf Forbes:

If you thought SOPA would break the internet, ACTA is much worse. And it could become law across the global economy without so much as a murmur of opposition.

Auch die Art, wie in Washington Politik gemacht wird, stößt auf zunehmende Kritik. Michael Hais und Morley Winograd sehen durch den Protest die Demokratie gestärkt:

[...] the fact that many in Congress suddenly abandoned their support of SOPA or PIPA in the face of this consumer revolt also sent a clear warning to those pushing the bills, using traditional methods of high-priced lobbying and closed-door decision making, that their way of doing business is equally in jeopardy.

Aussagen von MPAA-Chef Chris Dodd, der den direkten Zusammenhang zwischen dem Geldfluss an Politiker und der Unterstützung der Gesetzesvorhaben durch diese bestätigte, hatten denn auch eine Petition mit derzeit knapp 27.000 Unterzeichnern zur Folge, in der das Weiße Haus aufgefordert wird, gegen Dodd wegen Bestechung zu ermitteln.

January 23 2012

SOPA Blackout: Warum Wikipedia Frauen braucht

Der Artikel erschien zuerst am 18.01.12 in der Huffington Post und wurde mit freundlicher Genehmigung durch Sarah Stierch von Katrin Rönicke übersetzt. Sarah Stierch schrieb diesen Beitrag, während die englischsprachige Wikipedia gerade für einen großen Blackout vorbereitet wurde. Auf Entschluss der Wikipedia-Community hin, war die Enzyklopädie am 18. Januar, dem Tag, an dem weltweit Aktionen gegen SOPA stattfanden (wir berichteten), für 24 Stunden nicht benutzbar. Sarah Stierch ist Wikimedia Fellow und bekannt durch ihr Engagement für mehr Frauen in der Wikipedia. Was die Gefahr, die von SOPA ausgeht mit dem geringen Frauen-Anteil der Wikipedia zu tun hat – diese Gedanken teilt Sarah dankenswerter Weise hier.

Kennt ihr Ada Lovelace? Sie wird als die weltweit erste Programmiererin angesehen. Ich hätte niemals davon erfahren, dass eine Frau die erste war, die Computer programmierte, gäbe es nicht diese eine Website: Wikipedia. Das ist diese Seite zu der viele Leute gehen, wenn sie schnell mal nach biografischen Informationen suchen – in meinem Fall: Wie sah Ada Lovelace aus? Was war ihr Vermächtnis? Aber heute [das war am 18.01.2012] ist es nicht möglich, die Wikipedia-Seite, mit der ich den Namen oben verlinkt habe, zu erreichen. Man muss sich durch Google Suchergebnisse klicken, um eine größere Bandbreite von Meinungen über sie und Würdigungen zu erhalten – um sicherzugehen, dass man sich ein ausgewogenes, komplettes Bild von ihr machen kann. Dass man sie nicht in der Wikipedia nachschlagen kann, hat zwei sehr wichtige Gründe: SOPA (Stop Online Piracy Act) und PIPA (Protect IP Act).

Als Autorin in der Wikipedia, für die ich seit 2004 schreibe, habe ich mich damit abgefunden, ein Geek zu sein. Ich habe über 200 Artikel für die Wikipedia geschrieben – über Themen wie die Geschichte kleiner Städte in Tennessee oder die Künstlerin Louise Nevelson (und ja, ich habe ein Leben!). Aber habe mich in letzter Zeit auch mit etwas nicht so lustigem wie meiner Geekiness abfinden müssen: Nur neun Prozent der Leute, die Artikel in der Wikipedia bearbeiten, sind Frauen. Dieser Realität muss man sich stellen: Wir sind die sechst-wichtigste Website im Internet und die große Mehrheit ihrer Inhalte wurde von Männern geschrieben. Das betrifft auch Artikel über Menstruation, Vaginas … oh, und Ada Lovelace. Ihr Artikel wurde auch von Männern geschrieben. Versteht mich nicht falsch: Wir schätzen all diese Kerle, die sich um Qualitätsinhalte kümmern – gerade bei unseren privaten Körperteilen. Aber wäre es nicht noch viel toller, wenn diese Artikel von Frauen geschrieben wären?

Während ich diesen Artikel am 17.01.2012 um 23:15 Uhr schreibe kann ich zusehen, wie unser Team von Angestellten und Freiwilligen langsam die Wikipedia verdunkelt und ich begreife etwas: Wir neun Prozent verlieren damit während des Blackouts unsere Stimme in der sechst-wichtigsten Website der Welt. Das heißt, wenn Wikipedia für immer „dunkel werden“ würde, wären die Folgen verheerend, nicht nur im Allgemeinen, sondern auch mit Blick auf die Repräsentation von Frauen im Netz. Während Frauen zu Facebook vielleicht mehr beitragen, als Männer, werden unsere Stimmen dort nur von Freunden und Familie gehört – und deren Freunden, und Freunden von Freunden – wenn wir Glück haben. Frauen werden nicht als Nutzerinnen von Google gehört, der weltweit wichtigsten und bekanntesten Website (und Männer auch nicht). Aber durch einen Beitrag in der Wikipedia werden Frauen nicht nur gehört – wir helfen darüber hinaus auch, diesen Ort stetig weiter zu bauen. Wir nehmen teil. Ob es nun der Inhalt ist, den wir schreiben, oder ob es das Foto ist, das wir machen – wir können kontrollieren und kuratieren, was Wikipedia mit der Welt teilt. Durch unsere Stimmen (neutral selbstverständlich); wir reden ja von Wikipedia) können wir die Stimmen, die nicht gehört werden repräsentieren: Die Stimmen der Frauen, die bislang noch nicht in der Wikipedia repräsentiert werden – Feministinnen, Musikerinnen, Gelehrte – und Themen, die an denen Frauen Spaß haben. Es geht nicht darum, dass dieser Teil nicht repräsentiert wäre – es ist nur leider sehr ärmlich repräsentiert. Zum Beispiel: Für eine lange Zeit würde der Artikel zu „Hairdresser“ zum Artikel „Barber“ zurückgeleitet (zur Info: „Hairdresser“ heißt Friseur(in) und „Barber“ heißt Herrenfriseur). Erst vor kurzem haben ein AutorInnen-Team und ich geholfen, den Artikel „Hairdresser“ samt seiner Geschichte zu schreiben. Oh – und der Artikel über Mode? Der hat nicht einmal Coco Chanel erwähnt. Wikipedia ist nicht komplett wenn nicht jedermensch dazu Beitragen kann, und das tut nicht jedermensch.

Was kann man also tun, um aus Wikipedia eine stärkere und diversere Landschaft freier Informationen zu machen? Erstens: Helfen Sie uns, diese sensible Situation in Bezug auf die potentielle Zensur durch die US-Regierung zu überwinden. SOPA und PIPA würden es der föderalen Regierung erlauben Nutzer-generierte Inhalte online zu kontrollieren – das bedeutet, dass Webseiten wie Wikipedia und andere, die auf unsere Beiträge angewiesen sind, permanent „dunkel“ sein könnten oder Nutzer-generierte Inhalte werden entfernt werden, sollten sie dem FBI in die Quere kommen. Zweitens: Macht bei der Wikipedia mit! Kommt in die Community: Schreibt oder helft, einen Artikel zu verbessern, der ein Thema betrifft, dass ihr liebt. Schmeißt Editing-Parties mit euren Freunden und werdet euch darüber klar, dass eure Beiträge wirklich einen Unterschied machen. Groß oder klein – sie werden täglich von Millionen von BesucherInnen gelesen. Stellt euch vor, was eure Beiträge in der weltweit freien Enzyklopädie für andere Frauen, die sie lesen, tun könnten.

Und falls euch das alles egal sein sollte, dann tut es für Ada. Tut es für Frauen, die für uns vorgelegt haben – in ihrem Namen. Teilt ihre Geschichten, so dass andere Generationen Qualitäts-Inhalte finden können, kostenlos, online, in denen sie über diese faszinierenden Frauen lernen können. Tut es für die Frauen, die zum ersten Mal ihre Sexualität erkunden, oder vielleicht etwas über die Krankheit ihrer/s PartnerIn lernen wollen. Macht es, um mehr über Kultur zu lernen und darüber, was euch inspiriert.

SOPA und PIPA wurden entwickelt um uns unabhängig vom Geschlecht unserer der Kontrolle über einen Bereich unseres Lebens zu berauben, in dem wir bislang noch Kontrolle hatten: was wir zum Internet beitragen. Wenn wir nicht kontrollieren können, wo unsere Stimmen gehört werden und welche Informationen wir teilen, was heißt das dann für die nachkommenden Generationen? Wikipedia wurde auf dem Prinzip des Teilens freien Wissens mit der ganzen Welt gegründet. Wenn das nicht empowernd ist – was dann?

January 21 2012

#SOPA, #ACTA & Co – Lebt die Digitale Zivilgesellschaft?

Ich war heute zu Gast beim DRadioWissen OnlineTalk zum Thema “#sopa, #acta & co – Lebt die Digitale Zivilgesellschaft?” Mit dabei waren (zugeschaltet) Jan-Philipp Albrecht (Grüner MEP) und Ulrike Lange (Freie Journalistin), moderiert wurde die Sendung von Vera Linß.

Die 55 Minuten lange Diskussion gibt es als MP3.

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January 20 2012

Review: Der #SOPA – Blackout-Day

Der Blackout-Day gegen die Internetfeindlichen US-Gesetzesinitiativen #SOPA und #PIPA war eine eindrucksvolle Demonstration der neuen Öffentlichkeiten im Netz.

Die Webseite sopastrike.com hat einige Zahlen veröffentlicht. Mehr als zehn Millionen Menschen haben Onlinepetitionen unterzeichnet, mehr als drei Millionen Mails wurden über Kampagnensysteme an Politiker verschickt (Nicht eingerechnet sind unzählige weitere individuelle Mails), mehr als 115.000 Webseiten haben beim Streik mitgemacht, davon alleine rund 45.000 Blogs bei WordPress.com. Die geschwärzte englischsprachige Wikipedia wurde rund 162 Millionen Mal in den 24 Stunden aufgerufen. Weitere Zahlen hat die Electronic Frontier Foundation:

While the final results are still being tabulated, EFF alone helped users send over 1,000,000 emails to Congress, and countless more came from other organizations. Web traffic briefly brought down the Senate website. 162 million people visited Wikipedia and eight million looked up their representatives’ phone numbers. Google received over 7 million signatures on their petition.

Auf Twitter wurde der Hashtag #sopa rund 2.2 Millionen Mal genutzt, #pipa rund 411.000. Fred Benenson hat die Hashtag-Daten ausgewertet und anschaulich visualisiert. Hier gibt es eine 32.000 x 32.000 Pixel Version.


Nicht lustig fand das
Medienmogul Rupert Murdoch, der neuerdings twittert:

Seems blogosphere has succeeded in terrorizing many senators and congressmen who previously committed. Politicians all the same.

Viele Lobbys müssen sich noch daran gewöhnen, dass sich politische Prozesse und Öffentlichkeiten ändern. Timothy Karr schreibt bei Savetheinternet.com:

That Murdoch doesn’t get the Internet shouldn’t surprise anyone who’s observed his recent efforts to control it. It’s a campaign that goes well beyond Murdoch’s MySpace miscalculation to include tens of millions of dollars spent on Washington lobbyists who are intent on passing laws that undermine the Internet’s open architecture. And now millions of people are joining to protest Murdoch and his ilk and protect our fundamental freedom to connect, link to and share information without censors or filters.

Eine Grafik von Propublica zeigt den Impact auf Politiker. Während es vor dem Blackout-Day im US-Repräsentantenhaus 80 Unterstützer und nur 31 öffentlich bekannte Gegner gab, sieht das einen Tag später gleich anders aus: 65 Politiker sind weiterhin öffentliche Unterstützer, aber 101 Abgeordnete haben sich bereits dagegen positioniert. Irgendwo hatte ich auch noch gelesen, dass alleine der verantwortliche Senator für #sopa mehr als 5000 Anrufe an diesem einen Tag erhalten habe. Es wurde auch die These aufgestellt, dass es bei keinem anderen Thema eine vergleichende Mobilisierung gegeben habe.

Lesenswert ist auch die Pressemitteilung von ThePirateBay, die nochmal an die Anfangszeit von Hollywood erinnern, als die Filmstudios auch mal Piraten waren.

Over a century ago Thomas Edison got the patent for a device which would “do for the eye what the phonograph does for the ear”. He called it the Kinetoscope. He was not only amongst the first to record video, he was also the first person to own the copyright to a motion picture. Because of Edisons patents for the motion pictures it was close to financially impossible to create motion pictures in the North american east coast. The movie studios therefor relocated to California, and founded what we today call Hollywood. The reason was mostly because there was no patent. There was also no copyright to speak of, so the studios could copy old stories and make movies out of them – like Fantasia, one of Disneys biggest hits ever.

Jon Stewart hat in der DailyShow die Aktion und #sopa kommentiert: “Bring in some Nerds”.

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January 18 2012

Warum SOPA auch uns angeht

Pressemitteilung des Digitale Gesellschaft e.V.: Warum SOPA auch uns angeht.

Im Rahmen eines sogenannten “Blackout Days” haben sich heute zahlreiche Webseiten verhüllt, darunter die englischsprachige Wikipedia. Sie protestieren damit gegen zwei amerikanische Gesetzesentwürfe, den Stop Online Piracy Act (SOPA) und den Protect IP Act (PIPA). Diese sollen Wirtschaftsinteressen amerikanischer Copyright-Inhaber schützen, haben aber massive Auswirkungen auf die digitale Welt: Internetprovider sollen gezwungen werden, Inhalte proaktiv zu überwachen, Inhalte sollen gesperrt, Suchmaschinen-Treffer nicht mehr angezeigt und Verlinken strafbar werden. Dies hat in Amerika für einen Aufschrei gesorgt, wie er in Deutschland bei der “Zensursula”-Debatte um Netzsperren stattfand. “Sollten diese Gesetze auch nur zur Hälfte so kommen wie vorgeschlagen, hat dies negative Auswirkungen auf das gesamte Internet”, sagt Markus Beckedahl, Vorsitzender des Digitale Gesellschaft e.V.

SOPA/PIPA sind Überwachungsgesetze

SOPA und PIPA enthalten eine Vielzahl Probleme. Durch eine umfassende Providerhaftung sollen Plattformbetreiber und ISPs gezwungen werden, ihre Nutzer aktiv zu überwachen, Inhalte zu sperren und Suchergebnisse zu zensieren. Was bei Telefon und Post nicht durchsetzbar wäre, soll im Internet gemacht werden, einfach weil es technisch möglich ist. Auch das Setzen von Links könnte strafbar werden. Doch wer kann sich sicher sein, dass hinter einem Link keine Urheberrechtsverletzung zu finden ist? Und sich der Inhalt hinter dem Link nicht ändert?

Einen kleinen Erfolg kann die Protestkoalition bereits vorweisen: Eine Anhörung zu SOPA wurde verschoben und DNS-Sperren sollen nun vielleicht doch nicht zum Einsatz kommen. Gegen diesen gefährlichen Eingriff in die Architektur des Internets hat sich – nach dem Irrweg des Zugangserschwerungsgesetzes – 2011 auch die Bundesregierung entschlossen.

Auswirkungen auf Europa

Die beiden amerikanischen Gesetze beträfen auch die Nutzer in Deutschland und Europa, da viele Menschen Plattformen mit Hauptsitz in den USA nutzen. Wenn Facebook, Google, Twitter und die Wikipedia auf einmal neue gesetzliche Rahmenbedingungen bekommen und gezwungen werden, aktiv Urheberrechtsverletzungen suchen zu müssen, könnte das Teilen von Links, Videos und Bildern in sozialen Medien auf der ganzen Welt bald Vergangenheit sein. Darüber hinaus sieht SOPA keine rechtlichen Möglichkeiten für betroffene Internetnutzer und Webseitenbetreiber vor. Dadurch werden die Maßnahmen auch negative Auswirkungen auf die Wirtschaft hier in Europa haben – denn das Risiko, Online-Handel zu betreiben, steigt.

SOPA, PIPA und ACTA

Parallel zu SOPA/PIPA in den USA steht in Europa ein Abkommen vor der Tür, das Internetprovider dazu bringen kann, das Netz zu überwachen: Das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA). Es legt die Regulierung der Meinungsfreiheit in die Hände privater Unternehmen, da das Abkommen Dritte, wie zum Beispiel Internet-Provider, dazu verpflichtet, Online-Inhalte zu überwachen. Teile der Wirtschaft würden so gleichzeitig zu Richter und Vollstrecker.”Es kann nicht die Rolle von Unternehmen sein, über Meinungsfreiheit zu bestimmen”, sagt Markus Beckedahl, Vorsitzender des Digitale Gesellschaft e.V. Hierdurch würde ein System von Überwachung auf allen Plattformen und Leitungen etabliert, zum Beispiel mittels sogenannter “Deep Packet Inspection”. Der Grundsatz der Vertraulichkeit der Kommunikation wird hierdurch grob verletzt

“ACTA, SOPA und PIPA eint eines: Musik- und Filmindustrie versuchen, das Netz scheibchenweise kaputt zu machen – es ist eine Salamitaktik”, so Markus Beckedahl weiter. “Die Politik glaubt, dass sie mit immer neuen Zugeständnissen an die Rechteindustrie das Problem des grundsätzlich veralteten Urheberrechts weiter vor sich herschieben kann und nimmt dabei unglaubliche Kollateralschäden in Kauf.”

Noch besteht die Hoffnung, dass das EU-Parlament und die nationalen Parlamente das ACTA-Abkommen ablehnen. Zusammen mit unseren europäischen Partnern ruft der Digitale Gesellschaft e.V. auf, EU-Abgeordnete an ihre Verantwortung zu erinnern, sich für unsere Bürgerrechte und den europäischen Binnenmarkt einzusetzen und mit “Nein” zu stimmen. Detaillierte Informationen dazu bieten die Digitale Gesellschaft-Mitmach-Kampagne und eine ACTA-Broschüre.

Weitere Informationen zum Thema:

- Vorschläge für ein modernes Urheberrecht: Positionspapier von Wikimedia Deutschland e.V., Open Knowledge Foundation Deutschland und Digitale Gesellschaft e.V.

January 17 2012

SOPA: Pirate Bay unbeeindruckt, US-Regierung aufgeschreckt und erstes Zensuropfer

Der kurzzeitig totgesagte Stop Online Piracy Act lebt ja leider doch noch ein bißchen weiter. Grund genug, nochmals auf einige Punkte hinzuweisen, die für die Diskussion auch eventuell folgender Versuche, dasselbe umzusetzen, und natürlich auch den immer noch akuten Protect-IP-Entwurf wichtig sind.

SOPA wird nach Ansicht von The Pirate Bay für diese Seite, die als Hauptziel der Gesetzgebung vermutet wird, keine nachhaltigen Konsequenzen haben. Torrenfreak zitiert einen Beteiligten:

“Of course we’re worried. Not so much for The Pirate Bay, as there are many workarounds, but for democratic reasons,” a Pirate Bay insider told TorrentFreak.

Indeed, recent history has shown that no matter what technical measures are put in use to block The Pirate Bay, the site and its users find ways around it.


Am Wochenende meldete sich das Weiße Haus in der Zensur- bzw. Urheberrechtsgesetzgebungsdebatte zu Wort. Ohne ausdrücklichen Bezug zu SOPA und Protect IP zu nehmen, wurde als Antwort auf diese Gesetzgebungsvorhaben betreffende Petitionen ein nett klingendes Statement verfasst. Als zentrale Stelle wurde diese hier aufgefasst:

While we believe that online piracy by foreign websites is a serious problem that requires a serious legislative response, we will not support legislation that reduces freedom of expression, increases cybersecurity risk, or undermines the dynamic, innovative global Internet.

Wesentliche weitere Probleme hat Michael Geist, Inhaber des Forschungslehrstuhls für Internet und E-Commerce-Recht an der Universität Ottawa, zusammengefasst. Vor allem weist er auf die Nationalisierung des Internets durch eine Gesetzgebung hin, die Domainendungen wie .com, .net und .org “domestic” nennt und entsprechende Ansprüche daraus ableitet und die ARIN für US-amerikanisch weil in den USA beheimatet hält.

Klingt das nur nett, oder meinen die das auch so? Ist es nicht ein bißchen zu kurz her, dass über den Druck berichtet wurde, den die USA auf andere Länder ausüben, damit diese SOPA-ähnliche Gesetze verabschieden? Und was ist mit ACTA, dem wesentlich von US-Lobbying getriebenen Abkommen, das erst vor wenigen Monaten u.a. auch von den USA unterschrieben wurde und das ähnliche Risiken für die Meinungsfreiheit bereithält? Auf politico.com wurde das große Dilemma der Obama-Regierung mit den unpopulären Gesetzesvorhaben so erklärt:

If that sounds like a careful effort to walk a thin line, it is: Some of the president’s biggest supporters in Hollywood and Silicon Valley and beyond are sharply divided over the bills, and the White House needs a way to keep both sides happy.

Ein erstes Zensuropfer hat SOPA übrigens bereits gefunden, wie TechDirt gerade berichtet: Nach kritischen Kommentaren auf Google+ zur (weitestgehend fehlenden) SOPA- und NDAA-Bericherstattung von NBC wurde dem BusinessInsider-Autor David Seaman von einem NBCUniversal-Angestellten angekündigt, er werde BusinessInsider auf das Verhalten aufmerksam machen. Seaman wurde kurz darauf von BusinessInsider für seine Arbeit gedankt – und der Autorenzugang gekappt.

Unterdessen laufen die Vorbereitungen zu Protesten gegen die Gesetzesvorhaben weiter, auch wenn SOPA auf Eis liegt. Neben Wikipedia, Reddit, Mozilla und Boing Boing hat unter anderem auch Greenpeace entschieden, seine Seite eine Zeit lang zu schließen. Die Organisation merkt daszu an:

Well, it so happens that trademark infringement is part of the bill as well — and that is an open invitation to corporate abuse of SOPA/PIPA to silence critics.

In der Vergangenheit hatte Esso versucht, gerichtlich gegen Greenpeace vorzugehen, als diese das Logo des Öl-Konzerns in “E$$O” abgewandelt verbreitet hatte.

Die Zeit bis zum Blackout vertreibt sich die englischsprachige Wikipedia-Community übrigens mit der Löschdiskussion zum Artikel über den Wikipedia-Blackout.

Schön wäre übrigens, wenn auch die deutschen Rechteinhaber aus der aktuellen Debatte und den Protesten lernen und absurde Vorschläge nochmals überdenken würden.

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SOPA&PIPA: Wikipedia sieht schwarz

Seit gestern Abend steht es fest: Am 18. Januar wird die englischsprachige Wikipedia im Zuge der SOPA- und PIPA-Proteste für 24 Stunden schwarz. Die Entscheidung wurde nach einer mehrtägigen Diskussion gefällt, an der sich über 1800 Wikipedia-Autoren beteilgten. Hier vorab einige Entwürfe zu Blackout-Screens:

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January 16 2012

#SOPA scheint erstmal tot – Gefahr bleibt

Vor drei Stunden hatten wir noch darüber berichtet, dass die Netzsperren aus #SOPA gestrichen werden sollen, jetzt kommt die Information, dass der Stop Online Piracy Act (#SOPA) jetzt erstmal auf Eis gelegt ist.

House Majority Leader Eric Cantor has killed SOPA, stopping all action on it. He didn’t say why he killed it, but the overwhelming, widespread unpopularity of the bill and the threat of a presidential veto probably had something to do with it.

(Update: Cory Doctorow bei BoingBoing schrieb erstmal davon, dass es tot sei, korrigierte sich aber dann später auch auf unsere Formulierung “auf Eis gelegt”).

Damit ist aber nicht der Kampf gewonnen, weil parallel der Protect IP Act (PIPA) im Repräsentantenhaus debattiert wird, der eine Vielzahl an gefährlichen Ideen enthält. Und wie man das aus der Politik kennt: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Ideen leben weiter, auch wenn es gerade zuviel Druck gibt.

Da ja jetzt viele motiviert sind, etwas gegen #SOPA zu unternehmen: Da gibt es mit #ACTA gerade etwas anderes, was mittelbarer uns betrifft, weil das umstrittene Abkommen in nächster Zeit durch das EU-Parlament muss.

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USA: Netzsperren fliegen bei #SOPA raus?

In den USA scheint sich ein kleiner Teilerfolg bei den Protesten gegen den Stop Online Piracy Act (#SOPA) einzustellen. Der Vorsitzende des Rechtsausschuss im Repräsentanenhaus, Lamar Smith (Rep), sprach sich dafür aus, die DNS-Sperren aus dem Gesetzesentwurf zu streichen. Die Debatte soll auch erstmal länger gehen, sie wollen das Gesetz nicht mehr schnell durchdrücken. Das wurde den Politikern dann wahrscheinlich zu heikel. Oder es war von vorne herein die Taktik: Wir fordern einfach mal alles und freuen uns, wenn die Hälfte durchgeht. Immerhin bliebe ja kaum noch was von den Forderungen der Verwerterlobby übrig, wenn die sich komplett durchsetzen würden.

Aber auch mit einem Verzicht auf Netzsperren wäre der Kampf und die Gefahr nicht vorbei. Die DNS-Sperren sind nur ein Teil einer Vielzahl an gefährlicher Eingriffe in Grundrechte und die Infrastruktur des Netzes im Rahmen der aktuellen Debatte. Weitere Punkte sind u.a. eine Änderung der Providerhaftung, so dass Internet- und Plattformbetreiber verpflichtet werden könnten, ihre Nutzer proaktiv (noch mehr) zu überwachen, Verlinkungen strafbar werden und Suchmaschinen Treffer nicht mehr anzeigen dürfen, die Urheberrechtsverletzungen enthalten könnten. Die EFF verweist bei Cnet auf das Parallelgesetz PIPA:

Congress “is realizing that they are not going to slip these bills in the cover of night,” said Corynne McSherry, the intellectual property director for the Electronic Frontier Foundation, a technology advocacy group that has been among the most outspoken critics of SOPA and PIPA. “They didn’t let the Internet participate in the legislative process and the Internet is speaking now.” When asked whether the removal of the DNS provision is sufficient for EFF to drop its opposition, McSherry said it’s not even close. Though the DNS portions are deleted, Protect IP still targets financial transaction providers, Internet advertising services, and providers of “information location tools,” or ILTs, including search engines and other Web sites.

Für den kommenden Mittwoch ist ein Blackout-Day angesetzt, an dem unzählige Webseiten sich aus Protest verdunkeln wollen.

December 01 2011

Internetzensur umgehen mit der “Pirate Bay Dancing”-Erweiterung

Es gibt eine neue Erweiterung, mit der sich Netzsperren umgehen lassen: Das “Pirate Bay Dancing”-Add-on für Firefox.

Internetzensur gibt es bekanntlich nicht nur in außerhalb Europas, sondern auch bei uns: Erst neulich wurden in Belgien Internetanbieter angewiesen, The Pirate Bay per DNS-Filter zu sperrren – wie es bereits in Finnland und Italien der Fall ist. Die Intitiative MAFIAAFire ließ sich von SOPA und PIPA inspirieren und liefert nun eine Browser-Erweiterung, die Internetnutzer per Zufallsprinzip durch Proxies leitet.

Das Add-on kann natürlich umsonst und mit nur zwei Klicks installiert werden. Danach kann man einfach die Seiten angeben, die man ansurfen möchte, das Programm speichert die Einstellungen und lädt sie zukünftig automatisch.

(crosspost vasistas?)

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