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February 13 2014

Regierungskommission empfiehlt Australien Einführung von ‘Fair Use’ im Urheberrecht

Australien-Law-Reform-CommissionAuch außerhalb Europas gibt es in vielen Staaten Diskussionen darüber, wie sich das Urheberrecht mit neuen digitalen Technologien und Nutzungsformen besser in Einklang bringen lässt. Als eines der zentralen Probleme wird in den meisten Fällen die mangelnde Flexibilität und Enge von Ausnahme- und Schrankenbestimmungen gesehen.

In Australien hat jetzt die Law Reform Commission der Regierung nach zweijährigem und umfassenden Konsultationsverfahren einen 478-Seiten starken Bericht zum Thema “Copyright and the Digital Economy” (PDF) vorgelegt (eine kurze Zusammenfassung gibt es ebenfalls). Die zentrale Empfehlung des Berichts ist eindeutig: Australien soll eine Fair-Use-Klausel nach Vorbild des US-Copyrights einführen. In der Zusammenfassung (S. 12f.) werden exemplarisch folgende Gründe für diese Empfehlung aufgelistet (meine Übersetzung):

  • Fair use ist flexibel und technologieneutral.
  • Fair use fördert das öffentliche Interesse und transformative Nutzung.
  • Fair use unterstützt Innovation.
  • Fair use passt besser zu nachvollziehbaren Erwartungshaltungen von Konsumenten.
  • Fair use hilft die Märkte von Rechteinhabern zu schützen.
  • Fair use ist ausreichend rechtssicher und prognostizierbar.
  • Fair use is kompatibel mit Urheberpersönlichkeitsrechten und internationalem Recht.

Für den Fall, dass sich das Parlament gegen eine Einführung von Fair Use entscheidet, empfiehlt die Kommission zumindest den Schrankenkatalog auszudehnen und zu flexibilisieren – etwas, das die Initiative rechtaufremix.org auch in Europa erreichen möchte. Die klare und eindeutige Empfehlung der Regierungskommission für Fair Use, vor allem auf derart solider Grundlage, sollte jedenfalls auch den Verantwortlichen in Europa zu denken geben.

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January 27 2014

Remixerin #34 Elisa Kreisinger: “Nichts ist wirklich ursprünglich”

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Elise Kreisinger, die sich selbst als Pop Culture Pirate bezeichnet.

Elisa Kreisinger

Elisa Kreisinger

Elisa Kreisinger ist eine Video-Remixerin, die Mashups  von US-amerikanischen Popkultur-Fernsehshows wie Mad Men und Sex and the City erstellt um dabei neue, andere und subversivere Erzählungen zu generieren. Sie produziert diese Mashups sowohl für eine künstlerische als auch für eine Internet-Zielgruppe. Ihre Arbeit findet sich unter popculturepirate.com.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ich liebe Remix aber meine liebsten sind solche, die Hochkultur und Populärkultur mischen, zum Beispiel einen popkulturellen Text mit feministischer oder postmoderner Theorie verknüpfen. Die besten Remixes nutzen Popkultur als den Löffel voll Zucker der sozio-politische Kritik schmackhaft macht.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Ich berufe mich auf Fair Use, einer Klausel des US-Copyrights, die es erlaubt das jeder urheberrechtlich geschütztes Material ohne Zustimmung des Rechteinhabers verwenden darf, sofern es eine transformative Nutzung ist. Fair Use ist ein wichtiges Sicherheitsventil, das es neuer Kultur und Innovationen erlaubt, auf Vergangenem aufzubauen.

Haben Du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet?

Nein, aber ich verzichte darauf Werke auf Seiten zu veröffentlichen, die Fair-Use-Rechte von Kunstschaffenden nicht respektieren, weil sie meine Arbeiten wiederholt unter der unzulässigen Annahme einer Urheberrechtsverletzung blockieren oder monetarisieren.

Hattest Du schon einmal rechtliche Probleme wegen Deiner Arbeit?

Ja, wie oben erwähnt, meine Arbeiten werden oft auf Video-Plattformen wie YouTube als urheberrechtsverletzend markiert, wodurch der Anspruchsteller über das Schicksal des Werkes entscheidet. Die gegenwärtige Situation auf YouTube in Sachen Remix zeigt, wie private Vereinbarungen zwischen Rechteinhabern und Hosting-Plattformen den gesetzlichen Schutz von Fair Use unterlaufen und damit das Recht von Kunstschaffenden ihre Werke online zu verbreiten behindern.

Was hältst Du von der Idee, ein Recht auf Remix mit Vergütung für den ursprünglichen Künstler einzuführen?

Das ist ein anderer Zugang als der in den USA, weshalb ich nicht sicher bin, wie sich das auswirken würde. Meiner Meinung nach sollte man nichts an den ursprünglichen Künstler zahlen müssen, um aus deren Material etwas neues zu erschaffen. Letztlich ist nichts wirklich ursprünglich und durch die Zahlung würde die Idee glorifiziert, dass Kunst einen einzelnen Autor hat und das widerspricht Remix- und Mashup-Kultur.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Mein Lieblingsremix ist “Mash It Up!” von Norwegian Recycling. Es ist sehr meta. Es ist auch ein großartiges Beispiel dafür, wie transformativ und innovativ ein Remix sein kann. Ich bevorzuge diesen Song im Vergleich mit den verwendeten Originalen.

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Auf right2remix.org findet sich auch das englische Originalinterview.

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January 21 2014

Berliner GroKo-Senat für Urheberrechtsreform mit Recht auf Remix

Eine kleine Anfrage des Piraten-Abgeordneten Simon Weiß im Berliner Abgeordnetenhaus an den rot-schwarzen Senat zum Thema Urheberrecht hat durchaus Interessantes zu Tage gefördert. In der Anfragebeantwortung (PDF) des Senators für Justiz und Verbraucherschutz, Thomas Heilmann (CDU), spricht sich dieser im Namen des gesamten Senats unter anderem explizit für die Ermöglichung von Mashups und Remixes aus:

Im Bereich von Mashups und Remixes muss im Interesse der Förderung kreativer Leistungen einerseits und des Schutzes des Urheberpersönlichkeitsrechts und des Verwertungsrechts der Urheberinnen und Urheber andererseits für Rechtssicherheit gesorgt werden: transformative Werknutzungen sollten zugelassen, stumpfe Kopien untersagt werden.

Transformative Werknutzungen zu ermöglichen ist genau das, worum es bei einem Recht auf Remix geht. Eine entsprechende Passage war im Koalitionsvertrag auf Bundesebene in letzter Minute herausgestrichen worden. Auch in anderer Hinsicht unterscheiden sich die Urheberrechtspositionen der großen Koalition im Land Berlin positiv von jenen im Koalitionsvertrag der großen Koalition am Bund. So findet sich beispielsweise die generelle Forderung

[a]uch andere Regelungen zum Urheberrecht und verwandten Schutzrechten […] auf die Anwendbarkeit von Nutzungen in digitalisierter Form anzupassen.

Mit verwandten Schutzrechten sind beispielsweise Leistungsschutzrechte wie jenes der Tonträgerhersteller gemeint, die vom BGH immer noch äußerst restriktiv ausgelegt werden. Nicht weit genug geht dem Berliner Senat außerdem die bislang beschlossene Umsetzung der EU-Richtlinie zu verwaisten Werken, wonach die kürzlich verabschiedeten Gesetzesänderungen zu den verwaisten und vergriffenen Werken in die richtige Richtung wiesen, jedoch weitere Gesetzesänderungen auf den Weg gebracht werden müssten.

Die übrigen Punkte sind im Wesentlichen deckungsgleich mit dem Koalitionsvertrag auf Bundesebene – im Guten (z.B. was die Forderung nach Ermöglichung offener WLAN-Angebote in Cafés betrifft, also nach einem Ende der sogenannten “Störerhaftung”) genauso wie im Schlechten  (z.B. die Forderung nach einer Einschränkung von Haftungsprivilegien für Hostprovider).

 

 

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January 20 2014

Remixerinnen und Remixer des Jahres 2013: All together now!

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Die Remixer/innen 2013.

Avatar_en_03Ein guter Remix greift das Original auf, fügt eigene Gedanken hinzu, variiert und verfremdet, lässt aber das Ausgangsmaterial, die eigentlichen Künstler strahlen (#14), gelingt eine Balance zwischen der Wiedererkennung und neuen persönlichen Ausdrucksformen (#1). Ein guter Remix lässt in der Bearbeitung eine eigene kreative Leistung erkennen, die sich vom bloßen Zitat des Original klar unterscheidet (#20). Im Grunde nutzt bzw. abstrahiert ein guter Remix die Originalspuren so, dass das Original zu erkennen ist, der Remix aber gleichzeitig trotzdem wie ein neuer Track klingt, vom alten Charme vielleicht Teile beinhaltet, aber auch den (im besten Fall) unverwechselbaren Stil des Remixers unschwer erkennen lässt (#2). Und vor allem muss es grooven (#29).

Die gleichen Zutaten können unterschiedliche Ergebnisse produzieren (#23). Einige Remixes wollen auf rein visueller Ebene fesseln, andere mit Schenkelklopfer Humor unterhalten – und das ist gut so! (#5). Sobald ein Werk veröffentlicht wird, entzieht es sich mehr oder weniger der Kontrolle und geht im besten Fall in eine Art Allgemeingut über (#25). Musik materialisiert sich nicht mehr vorrangig in und mit der Produktion von abgeschlossenen Werken, sondern verkörpert Reflexionsweisen; es geht heute um Handlungen und Haltungen parallel zur Kunst. Dabei kann die Kunst (Remix) auch vom Werk (Original) distanziert, entkoppelt und/oder systematisch infrage gestellt werden (#7).

[Remixbürokratie]

Das Neue entsteht ausschließlich durch das Vorhandensein des Alten und der Kombination dessen. Die menschliche Neugierde ist dabei der Motor, der uns stets mit neuen Impulsen und Informationen versorgt, die uns als Werkzeuge und Grundlage für unser Denken und Handeln dienen (#1). Jedoch, damit das funktioniert, braucht es gegenseitigen Respekt für die Arbeit des jeweils anderen. Kein abwerten, kein verletzen. Remixes sollten mit kollegialem Geist und wechselseitiger Unterstützung zur Erschließung neuer Bereiche erstellt werden. (#31)

Das bestehende händischen System zur Lizenzklärung macht es so schwer, sample-basierte Musik legal zu veröffentlichen, dass die Mehrheit der Remixer ihre Arbeit kostenlos über das Internet verbreiten (#15). Oft werden die Lizenzkosten von den Gesampelten zu hoch angesetzt oder es kann auf einfachem Wege nicht eindeutig geklärt werden, wenn es mehrere Rechteinhaber an einem Stück gibt, wie zum Beispiel auf die Komposition (Urheberrecht) oder auf den wirtschaftlichen Ertrag des Tonträgers (Leistungsschutzrecht) (#9); natürlich in erster Linie aus rechtlichen Gründen und weil die Lizenz dafür zu erfragen einfach zu bürokratisch oder zu teuer sein kann (#17). Manchmal dauert das Procedere auch einfach zu lange, wenn es sich über mehrere Jahre zieht und ein Release deshalb nicht mehr finanziell tragbar wird usw. (#9). Das Ganze ist wirklich unlogisch und kontraproduktiv (#19).

Videos w[e]rden aus dem Netz gelöscht, weil die Rechte an den Originalen bei amerikanischen Filmstudios lagen (#6). Als Mashup Artist hat man große Probleme im Internet seine Tracks zu posten oder gar zu hosten. Soundcloud zum Beispiel erlaubt es normalerweise nicht (#19). Ein weiteres, kleineres Problem sind die Länder- und Mobilrestriktionen auf YouTube. Manchmal werden einige Videos in bestimmten Ländern blockiert und fast immer auf mobilen Geräten (#22).

[Recht auf Remix]

Ein anderes Beispiel ist der sehr tolle Sampling-Film “Sample: Not for sale” von Mike Redman, der leider nie öffentlich erscheinen oder aufgeführt werden kann, ohne dass rechtliche Schwierigkeiten zu befürchten sind. So zynisch das auch klingt, aber eine großartige Sampling-Doku wird wegen Sample-Clearing-Trouble niemals die Öffentlichkeit bekommen, die sie verdienen würde (#9). Dieser Rechtepoker findet seinen Höhepunkt, wenn die Erben ein Werk komplett vergraben und vergessen machen, die Aufführung und Bearbeitung untersagen (#13).

Ein „Recht auf Remix“ ist [dabei] in vielen Undergroundszenen ja schon lange wichtiger Motor für Neuerungen und Szene-legitim, wenn auch nicht legal. Man muss da nur nach Großbritannien blicken: Illegale Bootlegs, besondere, exklusive Remixes, Versionen von aktuellen Charthits – alles wird aufgenommen und in Form von Remixes in die eigenen musikalischen Codes übersetzt (#9). Im Club ist das egal, da wird es sowieso nicht aufgezeichnet oder verfolgt (#10).

Ein Recht auf Remix könnte [hier] ein Umdenken und eine Grunderneuerung unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft einleiten. Neue Technologie veränderte stets menschliches Verhalten und die Art und Weise unseres Zusammenlebens. Dies geschieht jedoch inzwischen in einem derart hohen Tempo, dass weder unsere politischen Institutionen, noch wir als Gesellschaft mithalten können. […] Eine Entkriminalisierung des natürlichen Kommunikationsverhaltens einer signifikanten Bevölkerungsgruppe, wäre die erste zu begrüßende Folge (#1).

Der Teufel schlummert wie immer im Detail. Fragen, wie weit die Vergütungskette geht, wie sich eine kommerzielle Nutzung definiert und ob eine Mindestgrenze Sinn macht, unter der keine Vergütung aufgrund von Irrelevanz stattfindet, müssen solide beantwortet werden. (#5). Wenn man nicht solche „Unternehmen“ wie die GEMA hätte, die sich einfach weigern ein ordentliches Warenwirtschaftssystem bereit zu stellen, wäre auch die Abrechnung in einem größeren Rahmen kein Problem (#14). Es wird Zeit, dass sich was ändert (#19).

[Der gesamte Text ist eine Collage von Auszügen aus Interviews mit Remixerinnen und Remixern, die 2013 für die Interviewserie im Rahmen der Initiative „Recht auf Remix“ befragt worden waren. Die Zahlen im Text verlinken die jeweilige Interviewquelle. Änderungen wurden durch eckige Klammern kenntlich gemacht. Die Interviews sind in voller Länge unter dem Stichwort „remixer/in“ verfügbar.]

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January 17 2014

Neunetzcast übers Urheberrecht: Mehr Optimismus wagen

Gestern hat mich Marcel Weiss an der FU Berlin besucht und mit mir eine Folge für seinen Neunetz-Podcast aufgenommen. Thema war vor allem das Urheberrecht im digitalen Zeitalter und das schöne an so einem Podcast-Format ist ja, dass sich manche Dinge auch etwas mehr im Detail diskutieren lassen.

Zwei Punkte sind mir vom Gespräch besonders in Erinnerung geblieben: Erstens war der Grundtenor durchaus leicht optimistisch, was angesichts des derzeit florierenden Internet-Defätismus erwähnenswert scheint. Zweitens haben wir es glaube ich geschafft herauszuarbeiten, warum mittelfristig paradoxerweise gerade Google davon profitieren dürfte, wenn beim Urheberrecht alles beim Alten bleibt und wir kein Recht auf Remix bekommen sollten: Während Google über genug Ressourcen und private Rechtsdurchsetzungswerkzeuge wie Content-ID verfügt, um auch mit einem unflexiblen und restriktiven Urheberrecht leben zu können, gilt das für (potentielle) Kokurrenten, freie Projekte und Privatpersonen nicht.

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January 13 2014

Remixer #33 Johann Fanger: “Einblick in den Nukleus des Werkes”

Johann Fanger (Bild: © Einar Snorri / Snorricuts)

Johann Fanger (Bild: © Einar Snorri / Snorricuts)

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Johann Fanger, Mitinitiator des Remix-Wettbewerbs des DSO.

Johann Fanger ist seit 10 Jahren als Instrumentalist in verschiedenen Ensembles unterwegs, deckt stilistisch fast alles zwischen Jazz, Klassik, Rock und Pop ab, ist seit 15 Jahren als House DJ international unterwegs und seit 5 Jahren mit ersten (Solo-) Eigenproduktionen, momentan vor allem als Live-Act . Ausserdem arbeitet er als Kurator von Konzerten und Events und berät andere Künstler und Institutionen.

Inwieweit verfügen Sie selbst über Erfahrungen als Remixer?

Ich habe bereits diverse Remixe für Künstler aus dem Pop- und Elektronik-Sektor gemacht, aktuell für das Rivulet Label aus Leipzig und auch für den #DSOremix Wettbewerb werde ich wohl noch einen neuen Mix beisteuern.

Was macht für Sie einen guten Remix aus?

Für mich ist ein guter “Remix,” im eigentlichen Sinne des Wortes, wenn die im Original vorhandenen Elemente neu abgemischt und re-arrangiert werden und so anders oder auch überhaupt erst wahrnehmbar werden. Wenn dann noch auf intelligente Weise, die im Original angelegten musikalische Ideen weitergeführt werden und so vielleicht ein eigenständiges, neues Werk entsteht bin ich hin und Weg.

Haben Sie schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Nein, das ist bei mir noch nicht vorgekommen und ist auch bei Auflagen von 300 – 500 Stück rechtlich meist kein Problem.

Sie veranstalten gerade gemeinsam mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin (DSO) den Remix-Wettbewerb “Into a New World”. Wie entstand die Idee und was sind Ihre persönlichen Gründe für das Engagement dabei?

Die Idee einen Remix-Wettbewerb mit klassischem Material zu machen bestand schon seit längerer Zeit auf Seitens des Orchesters. Nachdem wir bereits seit 2011 erfolgreich an den Casual Concert & Lounge Events zusammengearbeitet hatten, haben wir dann im Frühjahr 2013 mit der Umsetzung der Idee begonnen.

Für mich persönlich ist das spannendste an unserem Wettbewerb das wir eine im Pop und Elektronikbereich gängige Produktions- und Recording-Praxis – also jedes Instrument einzeln aufzunehmen – auf ein Werk klassischer Musik angewendet haben und so erstmalig ein Teil eines Orchesterwerkes in öffentlich Einzelspuren vorliegt. Dieses ermöglicht unseren Teilnehmern einen Eingriff und Einblick in den Nukleus des Werkes und könnte vielleicht auch langfristig dazu führen, die Scheu vor scheinbar überkomplexer Orchestermusik zu nehmen – schließlich verwenden doch die meisten elektronischen Studioproduktionen mindestens genauso oder sogar mehr Spuren als so manches Orchesterwerk.

Was halten Sie von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Ich finde das als theoretisches Gedankenexperiment durchaus reizvoll, aber es geht für alle, die von Kreation und Produktion musikalischer Werke leben, an der ökonomischer Realitität vorbei. Unweigerlich würde es für Musiker und Autoren wohl noch schwieriger  als bisher ihre Rechte durchzusetzen, wenn andere ohne Erlaubnis, Teile oder ganze Passagen aus bestehenden Werken, für ihre eigenen Produktionen verwenden. Nach der hier vorliegenden Definition wäre das ja einfach ein “REMIX”.

Wir sollten uns vielleicht erstmal mit der Umarbeitung bestehender Vergütungspraktiken – GEMA! - und dem völlig unzeitgemäßen Urheberrecht beschäftigen bevor wir darüber nachdenken, wie wir denn sogenannte “Mash-Up Produktionen” vergüten könnten. Dann sollten wir doch lieber die Autoren der Ableton Live Time Warp Funktion und den ErfinderInnen des Traktor “SYNC” Buttons an Lizenzgebühren beteiligen.

Zum Abschluss, was ist Ihr persönlicher Lieblingsremix?

Gar nicht so einfach sich hier zu entscheiden, momentan habe ich wieder alte PRINS THOMAS und DXON-Edits entdeckt, aber vielleicht so etwas wie ein persönlicher All-Time Favorite wäre der hier, vermutlich auf Ewig als Abgesang auf eine der besten Bands unserer Zeit:

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. 

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December 30 2013

Remixer #31 Andreas Paleologos: “Wie bei einer Cover-Version”

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Andreas Paleologos aka CUCKOO.

Andreas Paleologos

Andreas Paleologos

Andreas Paleologos arbeitet als Computeranimator und Motion-Designer, hofft aber auch einmal mit seiner Musik Geld verdienen zu können. Sein erstes Konzert unter seinem Künstlernamen CUCKOO gab er 2009 und hat seither ein Album und einige Singles veröffentlicht. Seit 2012 veröffentlicht Paleologos seine Musik vor allem auf YouTube. Weitere Informationen finden sich unter cuckoo.no.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ein großartiger Remix enthält ein Überraschungsmomment, eine gute Prise Verspieltheit und macht letztlich ein mattes Origianl fantastisch.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Nun, wenn ich bisweilen Remixes erstelle, dann bedeutet das meistens das Remixen eines Musikvideos, und zwar indem ich mich selbst oder andere in das Remix-Video integriere. Die meiste Zeit verwende ich Kleingkeiten aus dem Originalsong und erstelle eine Art von Coverversion. Dabei erwecke ich Emotionen zum Leben, die im Original fehlen und mache auf gewisse Weise meine eigene Cuckoo-Version daraus.

Hast Du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Nicht wirklich.. Ich tauche einfach hinein und hoffe, dass es gut geht. Aber ich denke schon darüber nach, bevor ich eintauche. Wenn ich das Musikvideo von Michael Jacksons “Beat it” remixe, dann schaue davor nach, ob Michael-Jackson-Remixes gelöscht werden oder ob sie online bleiben etc. Da ein guter Teil der Michael-Jackson-Remixes offensichtlich online bleibt, machte ich weiter und erstellte meinen eigenen :-)

Wurdest Du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen Deiner künstlerischen Tätigkeit?

Seit ich meine Arbeiten auf YouTube hochlade werden alle Videos auf mögliche Urheberrechtsverletzungen hin untersucht und in den meisten Fällen werden sie auch erkannt, mit unterschiedliche Konsequenzen. Kein Video wurde jemals komplett gesperrt, aber einige laufen nun mit Werbeanzeigen und einige sind in bestimmten Regionen wie Deutschland oder den USA gesperrt.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Ich halte das für eine gute Idee. Es ist wie wenn Du einen Cover-Song machst, wo der Komponist des Songs einen fairen Anteil erhält. Jedoch, damit das funktioniert, braucht es gegenseitigen Respekt für die Arbeit des jeweils anderen. Kein abwerten, kein verletzen. Remixes sollten mit kollegialem Geist und wechselseitiger Unterstützung zur Erschließung neuer Bereiche erstellt werden. Ich glaube dass der Künstler des Originals da Recht haben sollte, “Nein Danke” zu sagen, wenn er oder sie den Remix als zu pentrant empfindet.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Ich bin nicht sehr aktiv in der Remix-Szene, aber ich bin stolz auf meine eigenen Remixes und Covers, worunter auch mein jüngster Video-Remix des Songs “Wrecking Ball” von Miley Cyrus fällt:

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Auf right2remix.org findet sich auch das englische Originalinterview.

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December 23 2013

Remixer #30 René Walter: “Remix ist mehr als die Summe seiner Teile”

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: René Walter.

René Walter

René Walter

Der Graphiker René Walter wohnt in Berlin und betreibt das Blog Nerdcore.de, einem von Deutschlands meistgelesenen Blogs, das vor allem Links zu anderen Webinhalten liefert.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Dass er mehr als die Summe seiner Teile darstellt, die Elemente des Originals in einem eigenen Kontext zu einem neuen Werk zusammenfügt, so dass beide Seiten – das Neue und das Alte – zu halbwegs gleichen Teilen erkennbar sind.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Ich betreibe die Website Nerdcore.de, das ist so ein mittelbekanntes Blog, das vor allem Links zu Dingen veröffentlicht, die ich großartig finde. Das Spektrum reicht dabei von Katzenvideos über Anatomiestudien bis hin zu High Frequency Trading. Ich bediene mich dabei offen der Arbeiten anderer, die in 99% aller Fälle als Anreißer dienen.

Ich arbeite auch ab und zu mit Visuals – ich bin von Haus aus Grafiker –, in denen ich Fotos per Photoshop manipuliere. Recht bekannt geworden ist dabei mein Remix eines Plakats von Shepard Fairey, das ich für den NSA-PRISM-Skandal modernisiert habe und das so auf der ganzen Welt bei Protesten benutzt wurde und es mittlerweile sogar auf Acid-Blotter geschafft hat. Shepard Fairey selbst hat diesen Poster-Remix übrigens abgenickt, als er in einem Interview dazu befragt wurde.

Hast Du schon einmal nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und wenn ja, warum?

Nicht wirklich. Ich habe einmal das Posting über einen Fotografen verweigert, weil der horrende Lizenzforderungen stellte. Oder ich habe schon Dinge nicht gebracht, weil die Künstler selbst ihre Arbeiten mit hässlichen, übergroßen Wasserzeichen versahen. Und ich musste ein oder zwei Postings wegen juristischen Streitigkeiten depublizieren, aber prinzipiell verwende ich immer alles, was ich kriegen kann.

Wurdest Du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen Deiner publizistischen Tätigkeit? Und sonst?

Ja, ich wurde schonmal von einer Agentur wegen eines ollen Hendrix-Bildes abgemahnt. Ich hab’ denen 200 Euro überwiesen und geschrieben, dass die Sache damit für mich erledigt ist. Gehört habe ich von denen nie wieder. Ich habe auch mal eine Abmahnung bekommen, weil ich Linkdumps zu MP3-Dateien veröffentlichte und da waren zwei Tracks der Major-Labels
dabei.

Das sind allerdings bislang die einzigen Urheberrechts-Abmahnungen, die ich im Rahmen des Bloggings bekommen habe und das bei einer Website, die mit Fremdmaterial sehr großzügig umgeht. Ansonsten hatte ich auch schon Ärger mit Juristen, ja. Das ging mal so, mal so aus.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Die Idee finde ich richtig, ich bin aber nicht sicher, wie es in der Umsetzung aussehen sollte. Wieviel sollte der bis zur Veröffentlichung seins Albums „All Day“ relativ unbekannte Mashup-Künstler Girl Talk denn für die 372 Samples, aus denen das Album besteht, an Lizenzgebühren bezahlen? Die Samples sind sehr ausgiebig genutzt, wahrscheinlich hätte der Mann selbst bei moderaten Lizenzen zehntausende Dollar zahlen müssen, was die Veröffentlichung des Albums verhindert hätte und ob ein Label hier in Vorleistung gehen würde ist mehr als fraglich.

Letztenendes halte ich ein Modell aber für das einzig tragfähige, das sowohl den Remixern als auch den Produzenten der Originale gleichwertige Rechte einräumt, daher ist ein solches Recht in Zeiten, in denen Remixe immer leichter herzustellen sind und über Sharing-Plattformen veröffentlicht werden, unumgänglich.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Mein Lieblingsmashup-Album ist Mashed in Plastic, ein Remix von David Lynchs Filmen, gemixt mit jeder Menge Mucke und davon ist mein Lieblingsremix: I’ve Told Every Little Pumpkin aus Lynchs Mulholland Drive und „1977“ der Smashing Pumpkins.

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Das Interview führte Barbara Hallama.

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December 16 2013

Remixer #29 Hartmut Gieselmann: “Vor allem muss es grooven!”

Hartmut Gieselmann aka Goat of Neptune

Hartmut Gieselmann aka Goat of Neptune

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Hartmut Gieselmann.

Hartmut Gieselmann arbeite tseit rund 13 Jahren für das Computermagazin c’t aus Hannover. Als Redakteur kümmert er sich im Ressort Audio/Video neben Musik-Soft- und -Hardware auch noch um die Entwicklung von Videospielen.

Inwieweit verfügen Sie selbst über Erfahrungen als Remixer?

In der Theorie über den Test von Geräten schon länger. Selbst als Remixer unter dem Namen “Goat of Neptune” bin ich erst Anfang des Jahres aktiv geworden. Gute Remixe kosten viel Zeit, und die wird bei mir erst jetzt langsam frei, wo meine Tochter aus dem Gröbsten raus ist.

Was macht für Sie einen guten Remix aus?

Er muss sich vom Original unterscheiden, aber trotzdem den Kern des Songs musikalisch unterstützen. Er muss von vorne bis hinten eine Spannungskurve halten, darf sich nicht wiederholen. Und vor allem muss es grooven.

Haben Sie schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Ich bediene mich der Einfachheit halber kommerzieller Loop-Sammlungen, die die Nutzungsrechte beim Kauf einräumen. Sie ersparen mir viel Zeit, von der ich viel zu wenig habe, die ich dann in den Remix stecken kann. Ich finde es auch wichtig, dass Musiker für ihre Loops entlohnt werden. Da steckt eine Menge Arbeit drin und ich als Remixer möchte auch morgen noch gutes Material bekommen.

Wurden Sie schon einmal abgemahnt oder hatten rechtliche Probleme wegen Ihrer künstlerischen Tätigkeit?

Ich achte streng darauf, nur Material zu verwenden, für das ich auch die Rechte habe. Natürlich würde ich auch gerne meine Remixe, die ich zu Wettbewerben einreiche, anderweitig veröffentlichen. Dazu kann man dann die Urheber direkt kontaktieren.

Sie betreuen für das Computermagazin c’t den Remix-Wettbewerb “Game Over”. Warum veranstaltet ein Computermagazin einen Musikremix-Wettbewerb?

Die Art wie Leute Musik machen hat sich in den letzten Jahren verändert. Was in den 80ern die Garage für den Punk-Rock war, ist heute der Laptop für den Dance-Track. Wir wollen unsere Leser animieren, selbst am Rechner kreativ zu werden und nicht bloß zu konsumieren. Die Gelegenheit bot sich, als ich Achim Kück traf und er gerade sein neues Album einspielte. Erst als mein Remix von “Game Over” fertig war, kamen wir auf die Idee des Wettbewerbs und er läuft den ersten Reaktionen nach zu urteilen hervorragend an.

Was halten Sie von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Ich würde es begrüßen, wenn der Prozess vereinfacht würde. Davon würden Remixer wie Urheber profitieren. Letztlich geht es ja um Aufmerksamkeit, und je mehr Remixer einen Song bearbeiten, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt er. Aber die Vergütung muss geregelt sein, sonst gibt es bald keinen Nachschub an guten Songs mehr. Eine Möglichkeit wäre, wenn Musiker ihre Songs in einzelne Loops und Spuren zerteilen und mit den nötigen Rechten fertig als Remix-Material verkaufen würden. Da waren die Nine Inch Nails vor einigen Jahren echte Vorreiter.

Zum Abschluss, was ist Ihr persönlicher Lieblingsremix?

Ich selbst bin auf meinen Remix von “Stompa” von Serena Ryder besonders stolz, den ich damals bei Indaba eingereicht, aber leider nicht gewonnen habe. Aber das Feedback von den übrigen Musikern war phänomenal.

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November 25 2013

Remixer #26 Anders Ramsell: “Oft trifft man auf eine Wand des Schweigens”

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Anders Ramsell.

AndersRamsell

Anders Ramsell

Anders Ramsell lebt in Stockholm and hat diesen Herbst mit seinem Kunststudium an der Konstfack Universität begonnen. Unter seinen jüngsten Arbeiten findet sich “Blade Runner – Die Aquarell-Edition“, welche aus 12 597 handgemalten Aquarellmalereien besteht, die sämtliche rund 1,5*3cm groß sind. Zusammen bilden sie eine 35 Minuten lange Paraphrase des Films Blade Runner (1982) von Ridley Scott.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ein großartiger Remix fügt ein neues Aroma hinzu und fördert etwas unerwartetes zu Tage.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Tatsächlich habe ich abgesehen von “Blade Runner – The Aquarelle Edition” noch nicht viel mit den Werken anderer gearbeitet. Ich habe ein paar Bilder nachgemalt (Tusche auf Leinwand), die man auf andersramsell.com findet. Der Grund dafür diese Bilder zu malen – wobei, da gab es eine Menge an Gründen – aber um einen zu nennn, war, dass ich etwas schaffen wollte das mir selbst gefällt. Nicht nur ein schönes Gemälde sondern auch etwas, das genauso faszinierend ist wie die originale Fotographie. Das ist sehr wichtig, weil wenn es Dir selbst nicht gefällt, wem soll es dann gefallen?

Hast Du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Nein.

Wurdest Du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen Deiner künstlerischen Tätigkeit? 

Nein, hatte ich nicht – bislang jedenfalls.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Nun, ich glaube, das könnte eine gute Idee sein. Vielleicht würde es einfacher werden mit den Urhebern der Originale in Kontakt zu treten anstatt auf eine Wand des Schweigens zu treffen.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix? 

Ich mach Videospiele! Also kann ich nicht widerstehen, diesen Remix vorzuschlagen…

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October 28 2013

Remixer #23 Robin Skouteris: “Dinge zu kombinieren ist eine Kunst”

Robin Skouteris

Robin Skouteris

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Robin Skouteris.

Robin Skouteris ist ein griechischer Video- und Musikproduzent sowie DJ. Er führt bisweilen auch Regie und arbeitet als Cutter, aber in der Regel nur wenn es musikalische Bezüge aufweist. Zahlreiche aktuelle Mashups finden sich in seinem YouTube-Kanal.

Wie würdest Du selbst Deine künstlerische Arbeit beschreiben?

Film oder Video und Musik waren schon immer meine zwei großen Leidenschaften. Als Kind wollte ich viele Jahre lang Filmregisseur werden, aber die Musik war mein bester Gefährte. Ich habe beim Fernsehen gearbeitet, bei ein paar Dokumentarfilmen Regie geführt und Musikvideos für griechische Independent-Künstler gedreht; ich habe das aber dann sein lassen, weil es mir sozial zu anstrengend wurde. Da ich mehr auf eigene Faust arbeiten wollte, habe ich damit begonnen, meine Lieblingstracks zu remixen, bis daraus meine hauptsächliche Tätigkeit geworden ist. Nachdem ich meine ersten Mixes ins Netz gestellt und großartige Rückmeldungen erhalten hatte, wurde ich eingeladen meine Arbeit in Clubs vorzustellen. Und das war die Zeit als ich ernsthafter über DJing nachzudenken begann. Davor mochte ich die Idee nicht besonders, weil ich nie die Musik anderer Leute spielen wollte, solange ich ich sie nicht mit meiner persönlichen Handschrift versehen hatte. Das hätte mich nicht von den meisten DJs dort draußen unterschieden und ich wollte meinen eigenen Sound kreieren. DJing und das Produzieren von Remixes und Mashups ist nun seit einigen Jahren meine hauptsächliche Beschäftigung – und damit ist ein Traum wahr geworden.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ich glaube ein toller Remix ist ein Remix, der für sich alleine stehen kann. Du musst ihn nicht mit dem Original vergleichen. Eigentlich solltest Du in der Lage sein, über dem Remix das Original zu vergessen. Mir war es dabei immer egal, ob es sehr der Unterschied zum Original sehr groß ist, weil, zum Beispiel, ein toller Remix auch einfach nur ein Extended Mix sein kann. Aber der Remixer sollte es schaffen herauszufinden, was das Original gut gemacht hat und das noch weiter auszubauen. Alles was zählt ist die Melodie. Ein großartiger Mix muss dabei nicht immer ein Dance-Mix sein; er kann auch langsamer sein als das Original, was selten ist, weil die Mehrheit von uns bei Remix an einen Club-Mix denken. Aber in meinem Kopf sollte der Remix für sich sehr für sich alleine stehen können, dass man beim ersten Mal hören glaubt, es würde sich um das Original handeln. Es muss sich authentisch und gut strukturiert anfühlen.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Ich habe ein paar ursprüngliche Kompositionen erstellt, an denen ich immer noch arbeite, um Sie irgendwann einmal zu veröffentlichen, aber Sampling ist immer ein großer Teil meiner Arbeit gewesen. Meine bekanntesten Arbeiten sind Mashups. Ich habe immer die Idee von Mashups gemocht, weil Du dabei etwas nimmst, das Du bereits liebst – und das bereits auf der ganzen Welt geliebt wird – und präsentierst es auf eine neue Art und Weise, deine Art und Weise. Du kriegst die Möglichkeit mit Deinen Lieblingsliedern zu arbeiten. Du kombinierst Dinge, von denen jemand anderes vielleicht niemals gedacht hätte, dass sie zusammenpassen. Viele Menschen glauben, dass das keine große Sache ist, aber Dinge zu kombinieren ist eine Kunst, sofern Gedanken dahinter stecken. Es ist auch ein kreativer Prozess. Ich meine, Eier sind toll. Aber Du kannst Eier in einem Omelett verwenden und Du kannst Eier für einen Kuchen verwenden. Es kommt darauf an, wie Du die Dinge verwendest, damit etwas anderes und einzigartiges dabei herauskommt, das Deine Handschrift trägt. Die gleichen Zutaten können unterschiedliche Ergebnisse produzieren. Manchmal ist es mir nicht wichtig ob es gut oder schlecht ist, entscheidend ist nur dass klar als von “MIR” erkennbar ist. Das ist es doch, was Du dort draußen darstellst, oder?

Hast Du schon einmal ein Werk aus rechtlichen Gründen nicht verwendet?

Ich persönlich nicht, nein. Ich mache meine Mixes und stelle sie online und dann liegt es an der Plattform nachzusehen, ob sie glaubt, dass es ihre Regeln verletzt. Manchmal nehmen sie es wegen des Urheberrechts wieder runter. Aber diese Sache mit dem Urheberrecht auf YouTube und ähnlichen Seiten ist wirklich verwirrend. Manchmal glaube ich, sie wissen selbst nicht, was sie wollen. Mashup-Künstler und Bootleg-Remixer sind auch Kreative und Kunstschaffende im Bezug auf ihr Endergebnis, weshalb eine solche Industrie ihre Arbeit und ihren Input nicht ignorieren sollte. YouTube mag meinen Video-Mix runternehmen, weil es Material von Michael Jackson enthält. Aber das bedeutet nicht, dass ich nicht daran gearbeitet habe und dass meine Arbeit nicht auch dort draußen und für andere Menschen einsehbar sein sollte. Abgesehen davon, wenn korrekt zitiert wird, gibt es keinen Schaden. Ich habe nie behauptet, der Komponist zu sein, ich behaupte der Remixer zu sein und das ist die Art und Weise, wie meine Arbeit dort präsentiert werden soll. Wer stellen uns und unsere Fähigkeiten als Remixer durch Projekte wie diese in die Auslage, weil es das ist, was Remixer machen: sie schaffen neue Sounds durch das Verwenden existierenden Materials.

Stört es Dich, dass ein großer Teil Deiner Arbeit illegal ist?

Genauso wie ein Film-Cutter kein illegaler Beruf ist – er oder sie arbeitet auch mit existierendem Material das er oder sie nicht selbst gefilmt oder angeleitet hat. Deshalb verstehe ich auch nicht, warum ein Bootleg-Remixer seine Arbeiten nicht legal veröffentlichen kann. Vor allem weil Remixing in den meisten Fällen mehr ist als etwas neu zusammenschneiden, sondern bedeutet auch das Produzieren und Komponieren neuer Elemente für den Mix. Aber es fühlt sich derzeit wie eine Übergangsphase an. Das Zeitalter digitaler Musik ist unglaublich schnell explodiert und alle diese Remixangelegenheiten werden spätestens dann gelöst werden, wenn die Plattenfirmen erkennen, dass es für alle das beste ist. Im übrigen bekommen Mashup-Künstler kein Geld für ihre Mixes und ein Remix ist vor allem auch Werbung für das Original, sodass es deren Urheber sind die eigentlich von den Mixes profitieren.

Hattest Du schon einmal rechtliche Probleme wegen künstlerischer Praktiken?

Ich hatte bislang keine rechtlichen Probleme weil ich nie einen meiner Remixes verkauft habe, der Arbeiten von anderen beinhaltete, ohne dass das offiziell geklärt war. Zumindest ist das derzeit der Stand. Das Internet ist für mich jene Plattform, die mir dabei geholfen hat meine Werke international auszustellen und so die Aufmerksamkeit vieler großartiger Leute zu bekommen, mit denen ich letztlich zusammengearbeitet habe. Manchmal nehmen Webseiten Deine Remixes offline und Du akzeptierst das. Es mag sich manchmal unfair anfühlen, aber das ist zumindest derzeit die Rechtslage. Und ja, wir alle wünschen uns, dass sich das ändert, weil auch der Remixer eine Menge harte Arbeit reinsteckt, die er auch Anerkennung verdient. Derzeit sind Mashups und gesampelte Werke nur eine Demo von dem was ich mache, und Du kannst die Welt nicht darum bitten, für Deine Demo zu zahlen. Aber ja, ich sähe es sehr gerne wenn meine Mashups eines Tages offiziell bei iTunes erhältlich wären.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Natürlich würde mir diese Idee gefallen. Es würde darauf hinauslaufen, das zu machen was ich ohnehin tue, aber auch die entsprechende ideelle und finanzielle Anerkennung dafür zu bekommen. Das wäre eine faire Angelegenheit. Remixer sollten bezahlt werden und die ursprünglichen Künstler ebenso. Beide sind Bestandteil des Tracks, wenn auch auf verschiedene Art und Weise. Genauso wie es für den DJ legal ist, am Abend Musik in einem Club  aufzulegen und dafür Geld zu bekommen, sollte es mir erlaubt sein ähnliche Dinge auf meinem Computer zu tun. Es ist schließlich auch Arbeit. Die rechtlichen Probleme damit sind aber natürlich verständlich, weil wer entscheidet wann ein Remix ein Remix ist? Jemand könnte einfach die Reihenfolge der Strophen ändern und es einen Remix nennen. Sollte er dafür auch belohnt werden? Das ist eine schwierige Frage und klingt chaotisch, denn wer würde entscheiden wie viel ein Song geändert werden muss, damit man tatsächlich als Remixer bezeichnet werden kann? Das ist sicher nicht einfach, aber hoffen wir dass in den nächsten Jahre Lösungen dafür gefunden werden, mit denen alle zufrieden sind und auch Jobs wie meiner für ihre Kreativität und ihre harte Arbeit anerkannt werden.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Mein liebster offizieller Remix könnte  Enigma – Mea Culpa (Orthodox Remix) sein. Mein liebster unoffizieller Remix wäre wohl Depeche Mode – Enjoy The Silence (Dans54 Reinvention Remix, siehe Embed) – ich überlege bald einen Mashup mit diesem Remix zu machen.

Wenn Du mich nach meinen liebsten eigenen Arbeiten fragst, dann würde ich wahrscheinlich sagen The Moonlight Hotel,

und PopLove:

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Auf right2remix.org findet sich auch das englische Originalinterview.

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October 22 2013

Remix hilft Originalen: Studie zu ökonomischen Folgen von Sampling

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Eine Studie zum ökonomischen Verhältnis von Remix und Original.

Bislang gibt es kaum empirische Studien darüber, welche Folgen ein Remix für das Original hat – und zwar weder was die (möglicherweise: veränderte) Rezeption eines Werkes noch was die ökonomischen Auswirkungen betrifft. Nur anekdotisch lässt sich auf bekannte Beispiele verweisen, in denen erst der Remix eines Werkes auch dem Original und damit dessen Urheber zum Durchbruch verholfen hat. Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist mit Sicherheit der Song “Thank You” der britischen Sängern Dido. Nachdem “Thank You” bereits 1998 erstmals veröffentlicht worden war, avancierte er erst 2000 zu Didos bislang größtem Hit, nachdem Eminem die erste Strophe in seinem Song “Stan” gesampelt hatte.

Während in diesem Fall die Rechte geklärt waren und Dido teilweise sogar gemeinsam mit Eminem bei Konzerten auftrat, war das bei einem anderen prominenten Beispiel nicht der Fall. Wie DIE ZEIT im April diesen Jahres in einem ausführlichen Porträt berichtete, war Asaf Avidan ursprünglich überhaupt nicht von dem Wankelmut-Remix (siehe auch Embed-Video) seines Songs “One Day” begeistert, der ihm letztlich zu weltweitem Erfolg verhelfen sollte:

Reckoning Song, so heißt das Lied in seiner Originalversion von 2008, es war eigentlich ein Stück mit schlichter Akustikgitarrenbegleitung, das Avidan und seine alte Band The Mojos in ihrem ersten Repertoire hatten, mit dem sie durch Israel und kleine Bars in Europa tourten. Bis ein Fan, der bis dahin unbekannte Berliner DJ Wankelmut, sich das Stück nahm und elektronisch daran herumexperimentierte. Wankelmut unterlegte Avidans melancholisch-markante Stimme mit House-Musik, Beats, die tanzbar waren. One Day, wie er den Remix nannte, verbreitete sich online wie ein Virus. Von unten stürmte er innerhalb weniger Wochen die internationale Clubszene und, als er schließlich offiziell bei Sony herausgebracht wurde, auch die Charts – ein kometenhafter, ein unfreiwilliger Erfolg.

[…]

“Das war einfach nicht mein Stil”, sagt Avidan über den Wankelmut-Remix, der ihm noch immer nicht gefällt und dessen Veröffentlichung er zunächst verhindern wollte.

Neben solchen (Sonder-)Fällen, in denen ein Remix maßgeblich für den kommerziellen Erfolg des Originals verantwortlich ist, hat der US-Juristen Michael Schuster jetzt auch systematisch die kommerziellen Folgen von Sampling für die Originale an Hand des Albums “All Day” des Künstlers Girl Talk untersucht. In seinem bei SSRN als PDF verfügbaren Beitrag “Fair Use, Girl Talk, and Digital Sampling: An Empirical Study of Music Sampling’s Effect on the Market for Copyrighted Works” analysiert er die Verkaufszahlen von über 350 von Girl Talk gesampelten Werken und kommt zu dem statistisch signifikanten Ergebnis, dass

“sich die urheberrechtlich geschützten Songs in dem Jahr, nachdem sie gesampelt worden waren, besser verkauft haben, als im Jahr davor.” (meine Übersetzung)

Die Ergebnisse sind für die USA relevant, weil Sampling nach verschiedenen richterlichen Entscheidungen nicht unter die dortige Fair-Use-Klausel des Copyrights fällt. Das Album von Girl Talk eignet sich nicht nur wegen der großen Zahl an Samples besonders für die Untersuchung, sondern auch weil der Künstler hinter Girl Talk, Gregg Gillis, sich unter Berufung auf Fair Use bewusst einer Lizenzierung der Samples verweigert (vgl. Artikel bei Torrentfreak).

In Deutschland ist Sampling zwar auch eine “weitverbreitete Schattenpraktik“, schon die Übernahme kleinster Teile erfordert aber auf Grund von Leistungsschutzrechten der Tonträgerhersteller aufwändige Rechteklärung (vgl. „Zwei Takte Leistungsschutzrecht“). Dass damit Remix-Künstler/innen das Leben schwer gemacht wird, ist klar. Die Studie von Schuster liefert aber erste Indizien dafür, dass diese Rechtsprechung auch den Plattenfirmen selbst einen Bärendienst erweisen könnte.

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative ‘Recht auf Remix‘, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet.

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October 14 2013

Diagnose Marktversagen: Fred Breinersdorfer will Zwangslizenzen für Filme

Was sich vor einigen Wochen in Form von unerwartet offenen Briefen angedeutet hatte, wird heute mit einem Gastbeitrag von Fred Breinersdorfer in der Süddeutschen Zeitung noch einmal dokumentiert: sie bewegen sich doch, die Fronten in der Urheberrechtsdebatte.

Fred Breinersdorfer

Fred Breinersdofer (Foto von 1Holsteiner2, CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons)

Fred Breinersdorfer ist nicht nur ein bekannter Drehbuchautor und Filmproduzent (“Sophie Scholl – Die letzten Tage“), sondern auch eine der lautesten Stimmen in der Auseinandersetzung um das Urheberrecht in Deutschland. Nicht nur ist er Mitunterzeichner des berühmt-berüchtigten Briefs der Tatort-AutorInnen, sondern auch Gründer der Krimiautorenvereinigung “Das Syndikat“, die wiederum für die Kampagne “Ja zum Urheberrecht” verantwortlich zeichnet. Auch in der fragwürdigen Kampagne “Gib 8 aufs Wort” der VG Wort trat er als Unterstützer mit dem Satz auf: “Ein Autor ohne seine Rechte ist wie ein Auto ohne seinen Motor.”

In seinem Gastbeitrag “Verschenkt meine Filme!” anerkennt aber auch Breinersdorfer jetzt die Notwendigkeit urheberrechtlicher Reformen. Ausgangspunkt ist die keineswegs neue Beobachtung, dass eine Google-Suche nach Filmen kaum legale, aber unzählige illegale Anbieter zu Tage fördert:

Wo sind denn die massenhaften legalen Anbieter, die meine Google-Trefferseite füllen könnten? Wo sind denn die innovativen Webseiten, bei denen man mein Werk auf eine Weise herunterladen oder streamen kann, von der ich auch etwas habe? Die einfache Antwort ist: Es gibt sie nicht.

Die wenigen großen Anbieter diktieren die Preise und Konditionen, gerade kleinere Filmstudios kommen nicht zum Zuge. Vor allem aber die hohen Transaktionskosten bei der Klärung der Internetechte verhindern Breinersdorfer zu Folge eine Vielfalt legaler Angebote:

Wer legal Filme anbieten will, braucht dafür die Internetrechte. […] Das funktioniert aber nicht etwa weltweit, wie das Internet - es funktioniert nur von Land zu Land, von Territorium zu Territorium. Und oft ist die Situation noch vertrackter, wenn etwa Banken Rechte abgetreten bekommen, als Sicherung für ihre Kredite. Jeder Lizenznehmer bastelt momentan an Modellen, wie er mit seinen Lizenzen im Netz am besten Geld verdienen könnte.

Vor allem dass die Vielzahl eigener und proprietärer Modelle ein Holzweg sind, hätte die Filmindustrie wirklich von der Musikindustrie lernen können (trauriger Tiefpunkt damals: Microsofts selbstwidersprüchlich bezeichneter Kopierschutz “Plays for Sure“). Als Ausweg schwebt Breinersdorfer eine staatlich verordnete Zwangslizenz vor:

Wer aber könnte dieses schreckliche Gewurstel beenden, um einen lebendigen Markt zu schaffen und die Illegalen endlich auszutrocknen? Nur noch der Staat. Das ist der zweite Teil meiner radikalen Idee: Hier und heute fordere ich den Gesetzgeber auf, mir meine eigenen Internetrechte gegen Vergütung abzunehmen und mich dabei bitte nicht um Erlaubnis zu fragen. Und alle anderen Filmkünstler auch nicht. Ich fordere eine umfassende Zwangslizenz für Filme im Internet.

Und tatsächlich haben wir es im aktuellen Markt für Filme mit Marktversagen zu tun: die Transaktionskosten in einem nationalstaatlich-zerfurchten Rechteflickenteppich sind einfach zu hoch, um einen funktionierenden Wettbewerb legaler Angebote zu ermöglichen. Ähnliches gilt übrigens auch für den Bereich von Samples, Mashups und Remixes, weshalb sich die Initiative “Recht auf Remix” des Digitale Gesellschaft e. V. auch in diesem Bereich für Zwangslizenzen einsetzt.

Breinersdorfers Gastbeitrag zeigt jedenfalls, dass es durchaus Möglichkeiten gäbe, Internet und Urheberrecht miteinander zu versöhnen. Voraussetzung dafür sind aber urheberrechtliche Reformen, die – so wie in Breinersdorfers Vorschlag – auf Erlauben und Vergüten setzen anstatt auf Überwachen und Abmahnen.

Disclaimer: Ich war in die Konzeption der Initiative “Recht auf Remix” involviert.

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October 07 2013

Remixer #21 Ilan Katin: “Ich weiß nicht, wie ein rechtliches Debakel überstehen”

katin

Ilan Katin

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Ilan Katin.

Ilan Katin verfügt über einen Hintegrund im Bereich der bildenden Künste und arbeitet im Bereich Video und Live-Video-Produktion. In seinen eigenen Worten: “Im Grunde genommen arbeite ich mit Bildern.”

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Wenn die ursprüngliche Inhalt auf humorvolle oder poetische Weise re-kontextualisiert wird.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Ich verwende aus dem Internet heruntergeladene Bilder, die ich für spezielle Ideen suche, um etwas mitzuteilen. Im Falle eines erzählerischen Werks, das ich kürzlich gemacht habe, brauchte ich ein Bild das die Phrase “my car is my ego” transportiert. Ich wollte das nicht einfach mit einem fantastisch aussehenden Auto machen. Das wäre zu einfach. Ein Auto in Form eines High Heels zu finden war perfekt. Ich kännte es umgestalten oder nachzeichnen, aber dann wäre das Bild nicht mehr überzeugend. Ich weiß nicht, wer das Bild gemacht hat. Aber ich habe das Bild weitgehend re-kontextualisiert.

Abgesehen davon, hattest Du schon einmal rechtliche Probleme wegen künstlerischer Praktiken?

Ich habe ein Video zu ein Musik gestaltet und es auf YouTube hochgelaen. Es wurde entfernt aber sie informierten mich, dass es “strittig” sei und am Ende zogen sie die Sperre zurück, weil sie das Gefühl haten, dass es tatsächlich für die Bekanntheit der Musik förderlich ist. Das Video handelt von einem obdachlosen Pärchen, das zu “it’s Not Unusual” ihr Lager zusammenpackt. Es war ein sehr spontanes Ding und die Musik passte perfekt, wenn ich den Song einstellte. Ich vermute mal, dass ich es gut erwischt habe. Ich weiß nicht wie ich ein rechtliches Debakel überstehen würde.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Wenn es Kunstschaffende direkt profitieren und die Preise vernünftig sind?

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Dieser hier:

M3M3M3 from ilan katin on Vimeo.

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative ‘Recht auf Remix‘, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Das Interview führte Barbara Hallama, Übersetzung von Leonhard Dobusch. Auf right2remix.org findet sich auch das englische Originalinterview.

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September 30 2013

Remixer #20 Walter W. Wacht: “Habe mich weit aus dem Fenster gelehnt”

Walter W. Wacht (Foto: © Elena Klein)

Walter W. Wacht (Foto: © Elena Klein)

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Walter W. Wacht.

Walter W. Wacht ist seit rund sieben Jahren als Musikjournalist, Online-Redakteur und Community Manager für verschiedene Popkultur-Medien tätig und entwickelt Digitalstrategien für Labels, Musiker und angeschlossene Häuser. Zuletzt hat er das Kunstprojekt »This Duck is Tocotronic« auf Tumblr initiiert, das Comic-Strips aus Entenhausen mit Textzeilen der Gruppe Tocotronic zusammendenkt.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ein guter Remix greift das Original auf, fügt eigene Gedanken hinzu, variiert und verfremdet, lässt aber das Ausgangsmaterial, die eigentlichen Künstler strahlen. Im besten Fall überrascht ein Remix. Im schlimmsten Fall besteht der Remix aus dem Hinzufügen einer Vierviertel-Bassdrum. Manchmal ist stumpf aber auch Trumpf, siehe unten.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Wenn sie im redaktionellen Alltag passen und einen Beitrag bereichern, verwende ich gemeinfreie oder CC BY-SA- bzw. CC BY-lizenzierte Bilder. Alle anderen Creative-Commons-Lizenzen verbitten sich eigentlich im redaktionellen Umfeld: ob eine nichtkommerzielle Webseite zu einem späteren Zeitpunkt monetarisiert wird, lässt sich nie vorhersagen. Und ein veränderter Bildzuschnitt stellt bereits eine Veränderung dar, was oft genug alleine schon durch Vorgaben des Content-Management-Systems umumgänglich ist. Im Zweifelsfall lizenziere ich lieber ein richtiges Bild, oder schicke Fotografen. Ich streame und kaufe digitale Musik, zum gelegentlichen Auflegen verwende ich aber nur Vinyl.

Wurdest Du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen Deiner künstlerischen Tätigkeit?

Nein. Für »This Duck is Tocotronic« habe ich mich weit aus dem Fenster gelehnt, eine Abmahnung erfolgte nicht. Aber ich bin mir bewusst, dass sich das jederzeit ändern könnte. Glücklicherweise wird das Projekt so rezipiert, wie ich es selbst verstehe: als Kunstprojekt, als Collage, als nicht-kommerzielle Arbeit ohne Interesse der Bereicherung.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Die Idee ist schnell gedacht und plausibel untermauert. Aber ich sehe und verstehe auch die Positionen der Künstlerinnen. Und wie würde ich persönlich damit umgehen, wenn es sich um eine meiner Reportagen handelt, in der jedes Wort, jeder Satz dort steht, wo er stehen soll. Oder schreibt meine jeweilige Redakteurin hier den Remix? Ein Recht auf Remix ist wünschenswert, ich persönlich bin aber noch in der Findung.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Warum ich diesen Remix liebe? Er steht exemplarisch für das, was aus der Remix-Kultur wachsen kann. Ein unautorisierter Remix, eigentlich ein Mash-Up zweier Künstler – Pantha Du Prince und Tocotronic – die sich nicht nur künstlerisch, sondern auch persönlich nah stehen. Ein Acapella trifft ein Instrumental. Das Tempo bleibt vollkommen unverändert. Dennoch entsteht ein völlig neues Stück. Wir haben diesen Remix von hal bei Spex 2007 zum wichtigsten Song des Jahres erklärt. Ich wüsste auch heute keinen wirklich herausragenderen Remix.

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative ‘Recht auf Remix‘, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Das Interview führte Barbara Hallama.

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September 16 2013

Re:Public Domain: Ein Fenster in die Zeit vor 70 Jahren

public-domain-version-miniDiese Woche startet in der Schweiz die von Dock18 mit Partnerinnen wie Wikimedia Schweiz und Migros Kulturprozent organisierte Veranstaltungsreiche Re:Public Domain. In vier verschiedenen Städten stellen insgesamt 16 Urheber/innen ihre Bearbeitungen von gemeinfreien Werken vor und laden das Publikum zur aktiven Teilnahme ein. Zum Hintergrund der Reihe heißt es auf der Webseite::

“Wir öffnen ein Fenster, in die die Zeit vor 70 Jahren. Sämtliche Malereien von Paul Klee, Fritz Baumann, El Lissitzky, August Deusser und Grant Wood, alle Bücher und Texte von James Joyce, Stefan Zweig, Robert Musil und Sophie Hämmerli-Marti sowie überhaupt sämtliche Songs von Jelly Roll Morton, Blind Boy Fuller, Seven Foot Dilly, Robert Katscher und Fred Fisher, die Filme von Germaine Dulac, Walther Ruttman, Rolf Randolf, Edwin Stanton Porter und Victor Schertzinger. Achja, da wären noch die Tarotkarten von Elisar von Kupffer, das fotografische Werk von Tina Modotti, Annemarie Schwarzenbach und Arnold Genthe sowie die Flut an Theaterstücken von Max Neal oder die Skulpturen von Hans Hippele. Das sind nur einige Autorinnen, die 1941/42 gestorben, und somit lange genug tot sind, dass ihre Werke gemeinhin auch als Gemeingut gelten dürfen. Der Großteil des öffentlichen geistigen Eigentums dürfte den Weg in die binäre Datensenke wohl nie finden.”

Die Veranstaltungstermine in der Übersicht:

  • 19.9.2013 Walk Kulturbüro Genf (Workshop an der OpenKnowledge Conference)
  • 27.9.2013 Night Rote Fabrik Zürich
  • 20.10.2013 Matinee Forum Schlossplatz Aarau
  • 23.11.2013 Show Grand Palais Bern

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Remixer #18 Alexander Støver aka Binärpilot: “Dafür fehlt mir das Geld”

Alexander Støver

Alexander Støver

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Alexander Støver.

Alexander Støver aka binärpilot beschreibt sich selbst als “Roboter, der aus der Zukunft entsendet wurde, um Popverschmutzung (‘Popollution’) zu zerstören.” Seine Arbeiten sind prinzipiell frei verfügbar und verstehen sich als Kritik am gegenwärtigen Status der Popmusik.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

The same story being told from a different perspective. A great remix pays homage to the original while at the same time bringing something new to the equation.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Unterbewusst verwende ich die Arbeit von anderen in jedem Aspekt meiner Produktionen. Wenn ich einen Remix mache, versuche ich zu identifizieren, was das Original vermitteln wollte, and arbeit von dort aus weiter.

Hast Du schon einmal Werke aus rechtlichen Gründen nicht verwendet?

Ja, weil mir für so etwas das Geld fehlt.

Abgesehen davon, hattest Du schon einmal rechtliche Probleme wegen künstlerischer oder musikalischer Praktiken?

Nicht wirklich. Verwertungsgesellschaften machen mich jedoch wütend. Ihre Ziele mögen ehrenwert sein, aber in meiner Erfahrung sind sie vor allem ein Störfaktor.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Auf der einen Seite finde ich, Kunstschaffende sollten in der Lage sein, ihre Arbeit zu schützen, aber ich glaube auch nicht an das Ersticken von Kreativität. Es ist eine schwierige Frage auf die ich keine einfache Antwort habe. Abgesehen davon würde ich keine Gesetzgebung unterstützen, die Kunstschaffende zwingt ausbeuterische Abwandlungen ihrer Werke hinzunehmen.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Da gibt es zuviele, um sie aufzählen zu können. In der jüngeren Vergangenheit fand ich aber Justices Remix “Electric Feel” wundervoll.

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative ‘Recht auf Remix‘, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Auf right2remix.org findet sich auch das englische Originalinterview.

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September 12 2013

Illegaler Wahlkampf: Auch SPD surft auf der Remix-Welle [Update]

Falls irgendwo noch Zweifel daran bestehen, dass ein Recht auf Remix eine grundlegende Voraussetzung für die Kunst- und Meinungsfreiheit in der digitalen Gesellschaft ist, der Bundestagswahlkampf 2013 sollte sie ausgeräumt haben. Abgesehen von schon traditionellen Plakatremixes und dem Meme rund um die Merkelraute demonstrierte vor allem der Geh-Wählen-Spot der IG Metall das Potential von Remixkultur auch für politische Botschaften. Gleichzeitig illustrierte die falsche Erklärung der diesbezüglichen Rechtslage mehr als eindrücklich, dass im Urheberrecht Änderungsbedarf besteht.

Wohl auch inspiriert vom Erfolg des IG-Metall-Spots versucht sich nun auch die SPD an Remixkreativität und bedient sich dafür bei Monty Pythons “Life of Brian”:

Wieder stellt sich hier die Frage, ob die SPD die Rechte dafür geklärt hat? Denn auch wenn Monty Python selbst sämtliche Clips in voller Länge auf YouTube zur Verfügung gestellt hat (vgl. Techdirt), dann ist damit noch lange nicht eine Zustimmung zur Remixnutzung verbunden. Das musste jedenfalls kürzlich ein Religionslehrer erfahren, als er ebenfalls einen Ausschnitt von “Life of Brian” zur Bewerbung eines offenen Online-Kurses im Bereich Religionsunterricht verwenden wollte. Universal Pictures teilte ihm nämlich auf Anfrage mit, dass es ihm “in keiner Weise gestattet [ist], auf Ihrer Webseite Szenen, Sequenzen, Trailer oder Bildmaterial in irgendeiner Form zu veröffentlichen. Sie machen sich damit strafbar” (vgl. Beitrag bei irights.info dazu). [Update:] Via Twitter kam übrigens der Hinweis, dass die FDP dieselbe Szene wie die SPD geremixed hat. [/Update]

Und es ist unwahrscheinlich, dass der SPD-Spot der letzte illegale Wahlkampfremix dieses Bundestagswahlkampfs sein wird. Schließlich sorgt SPD-Spitzenkandidat Steinbrück gerade dafür, dass der Zenit der Remixkreativät in diesem Wahlkampf wohl noch lange nicht überschritten ist – schließlich ist auch dessen Geste eine Art Remix:

Jedenfalls sollte man die Parteien bei Verhandlungen zu Urheberrechtsreformen in der nächsten Legislaturperiode nicht nur an ihre Wahlversprechen, sondern auch an ihr urheberrechtliches Wahlkampfverhalten zu erinnern.

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September 09 2013

Remixerin #17 DJ Ipek: “Musikindustrie ist immer mehr auf Remixer/innen angewiesen”

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DJ Ipek (Foto: Luis Cobelo)

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: DJ Ipek.

Ipek Ipekcioglu aka DJ Ipek bezeichnet ihren Zugang als „Eklektik BerlinIstan“, einem Wortspiel aus Berlin und Istanbul, der sehr traditionelle bis hin zu sehr elektronischen Tunes miteinander mischt, teilweise auch in Form von Live-Remixes. Sie produziert für Film und Theater (z.B. für die Wiener Kammeroper) und arbeitet mit verschiedenen MusikerInnen als Komponistin, Remixerin oder bei Live-Auftritten zusammen, z.B. mit Olivinn Ensemble Classical Fusion, Musiqa Sequenza oder Electro-Acoustic-Classik, und hat eine eigene Band namens DeliBrass (siehe YouTube-Embed).

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Während ich auflege mache ich zum Beispiel Live-Remixes, wenn ich Compilations bei Trikont herausgebe benutze ich selbstverständlich lizensierte Werke Dritter. Und natürlich erstelle ich eigene Remixes von Tracks, die mir besonders gut gefallen, für nicht-kommerzielle Zwecke. Für meine veröffentlichten Remixes habe ich immer eine Lizenz.

Wie stehst Du dazu, wenn andere Leute Deine Werke remixen? Hast Du keine Angst, dass Leute damit Dinge tun, die Dir nicht gefallen?

Ich finde, wenn DJs oder Producer meine Musik so gut finden, dass sie sich hinsetzen, Zeit und Ideen investieren und etwas anderes daraus machen , egal ob es jetzt ein guter oder ein schlechter Remix ist, finde ich das grundsätzlich sehr gut. Und es ist auch eine gute Werbung für mich, weil Zuhörer auch das Original im Vergleich ebenso hören wollen. Klar ist, nicht alle Remixes sind toll, aber grundsätzlich bin ich sehr offen dafür, dass meine Werke geremixt werden.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ein Remix ist dann gut, wenn die Essenz des Originalwerkes beibehalten oder sogar gesteigert werden kann und nicht umgekehrt. Eine völlige Veränderung des Werkes kann sehr spannend aber auch befremdlich sein. Ein guter Remix sollte auf jeden Fall keine Kopie des Originals sein, in dem man darunter nur ein paar Beats eingefügt und den Track nur schneller gemacht hat. Das wäre für mich lediglich ein Re-Edit aber kein Remix.

Dennoch heißt ein Remix nicht, dass es sich um einen total anderen Track handelt. Der Originaltrack sollte dennoch erkennbar sein. Es gibt leider genug Remixe, wo ich denke, das braucht die Welt nicht. Ergo Orginal ist besser als der Remix.

Hast Du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Ja Ja Ja. Natürlich in erster Linie aus rechtlichen Gründen und weil die Lizenz dafür zu erfragen einfach zu Bürokratisch oder zu teuer sein kann, oder weil ich nicht die richtigen Connections zu dem Rechtinhaber habe. Natürlich geht es darum, das Werk des Künstlers zu respektieren. Ich verändere den Track zwar nach meinen Gedanken, sofern ich aber namentlich angebe, wen oder was ich geremixt habe, klaue ich de facto nichts, sondern interpretiere das Original lediglich anders.

Es gibt tatsächlich viele Tracks, die ich toll finde und aus denen ich gerne etwas machen würde, aber ich könnte es ohne die Genehmigung eigentlich nicht herausgeben, weil ich mich damit strafbar machen würde, was ich ein Unding finde. Unter anderem werden Unsummen für ein Sample verlangt, was ich unverhältnismäßig finde und das zu zahlen ich nicht bereit wäre, zumal ich über CD-Verkäufe das Geld nicht wieder hereinbekomme und mir keine GEMA-Gebühren zustehen, da ich nur Bearbeiterin wäre.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Wenn den Besitzern des Originalwerkes damit zu Gute kommt und ich mir damit mir das Recht alles zu Remixen hole, und wenn das keine horende Summe ist, bin ich sehr gerne dabei und unterstütze diesen Gedanken. Letzten Endes kommen die GEMA-Gebühren dem Komponisten zu Gute und nicht dem oder der BearbeiterIn, damit verdient der Rechteinhaber des Orginalwerks zusätzlich Geld. Damit hätte der oder die KünstlerIn auch etwas. Der oder die RemixerIn hat hoffentlich etwas Neues und Gutes geschafft, und kann damit etwas bekannter werden.

In Anbetracht dessen, dass die Musikindustrie sich im Leerlauf befindet und immer mehr auf Retromusik zurückgegriffen wird in Form von Covern und Remixes (Swing, Remixes der 60er , 70er, 80er etc.) wird immer klarer , dass die Musikindustrie eigentlich immer mehr auf RemixerInnen angewiesen ist.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Baris Manco – Dönence DiskoFunk Remix by me.

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September 05 2013

IG Metall erklärt die Rechtslage ihres Geh-Wählen-Spots. Falsch.

Der Geh-Wählen-Spot der IG Metall sorgt derzeit im Internet für Furore. Gleichzeitig wirft er natürlich auch urheberrechtliche Fragen auf (siehe auch “Remix im Wahlkampf: ein Best of“), weil derartige Remixes im europäischen Urheberrecht nicht möglich sind, ohne die Rechte für alle verwendeten Filmausschnitte zu klären. In den USA hingegen wäre ein solches Video höchstwahrscheinlich durch die Fair-Use-Klausel des US-Copyrights gedeckt.

Jetzt hat sich auf der YouTube-Seite die IG-Metall quasi offiziell zur Rechtefrage geäußert:

Wir haben natürlich keine Sonderrechte. Es handelt sich um freies YouTube-Material. Und die YouTube-Nutzungsbedingungen erlauben jedem Nutzer die kostenlose Nutzung, Reproduktion und Herstellung derivater Werke inklusive Vorführung auf YouTube. Mehr dazu findest du hier in den YT-Terms

Grüße aus der Online-Redaktion

Das Problem mit dieser Erklärung ist nur, dass sie falsch ist. Denn nur weil Filme auf YouTube “frei” zugänglich sind, bedeutet es noch lange nicht, dass die Rechteinhaber dieser Nutzung noch einer Weiternutzung in irgendeiner Form zugestimmt haben. Entscheidend dafür ist nämlich, dass die Rechteinhaber das Material selbst unter besagten YouTube-Nutzungsbedingungen hochgeladen oder diesem Hochladen explizit zugestimmt haben. Dass das bei allen verwendeten Clips der Fall ist, wage ich zu bezweifeln. So werden in dem Remix Ausschnitte aus Sendungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verwendet, die sicher nicht mit offizieller Zustimmung auf YouTube hochgeladen worden sind.

Hinzu kommen die Persönlichkeitsrechte einiger der gefilmten Personen – wie der Prozess rund um den Fall des Technoviking gezeigt hat, können auch diese rechtliche Probleme aufwerfen.

Fazit: Legal ist der geniale Remix-Spot der IG Metal mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht. Dafür bräuchte es schon ein Recht auf Remix.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

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