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March 05 2012

Revolution 2.0: Wie wir mit der ägyptischen Revolution die Welt verändern

Revolution 2.0: Wie wir mit der ägyptischen Revolution die Welt verändern (Partnerlink) von Wael Ghonim ist ein autobiographischer Bericht über die Proteste in Ägypten, die zum Sturz des Regimes geführt haben. Ghonim baute anonym eine der erfolgreichsten Facebook-Seiten mit mehreren hunderttausend Fans auf, die zu einem der zentralen Hubs der Proteste wurde. Er schildert anschaulich und teilweise sehr bewegend, wie sich vor allem die Jugend in den Monaten vor den großen Ereignissen in sozialen Medien vernetzte und darüber die Proteste und Aktionen koordinierte. Die entscheidenden Tage der Revolution erlebte er mit zugebundenen Augen im Gefängnis, nachdem er in Folge der ersten großen Proteste auf dem Tahirplatz festgenommen wurde.

“Revolution 2.0″ ist ein Bericht aus erster Hand, zumindest auf deutsch das bisher spannendste Buch über die Ereignisse in Ägypten. Das Buch umfasst 384 Seiten, kostet 18 Euro und ist im Econ-Verlag erschienen.

Aus der Verlagsankündigung:

Mit verbundenen Augen saß Wael Ghonim, Marketingchef von Google, 12 Tage im Gefängnis der ägyptischen Staatspolizei. Kaum war er wieder frei, wurden ihm vor laufender Kamera Bilder von getöteten Demonstranten gezeigt. Er brach in Tränen aus. Der Widerstand hatte ein neues Gesicht. Zum ersten Mal erzählt Ghonim von seinem Kampf gegen die ägyptische Regierung nach der Ermordung des Bloggers Khaled Said. Während der Protestbewegung gegen Präsident Mubarak gründete er die Facebook-Gruppe »We are all Khaled Said«, wo er zu Demonstrationen gegen das Regime aufrief. Zwei Wochen später trat Mubarak zurück. Wael Ghonim erklärt, warum eine Revolution in Ägypten unausweichlich war und was man daraus lernen kann: Er liefert die Blaupause dafür, wie wir Dinge verändern können – bis zur Revolution 2.0.

April 14 2011

Revolutionen auf der re:publica: Country + Internet = Awesome?

Welches Thema könnte im Jahr der erfolgreichen Revolutionen von Ägypten und Tunesien stärker auf der re:publica vertreten sein als die Diskussion über Facebook-Revolutionen und Clicktivism? Aber der Ton scheint sich gewandelt zu haben: An Stelle des Aufeinandertreffens von Cyberpessimisten (Evgeny Morozov) und Internet-Utopen (Jeff Jarvis) im letzten Jahr scheint die Erkenntnis getreten zu sein, dass gesellschaftliche Hintergründe wichtig sind.

Wie Cyrus Farivar, Autor des bald erscheinenden Buches “The Internet of Elsewhere”, in der Einleitung zu seinem gleichnamigen Vortrag sagte: “wenn das Internet an einem Ort ankommt, trifft es auf das, was schon da ist”. Und in unterschiedlichen Kontexten produziert es unterschiedliche Folgen. Die simple Gleichung “Country + Internet = Awesome” sei so nicht zu halten.

Farivar beleuchtet in seinem Buch vier Länder mit ganz unterschiedlichen “Internet-Geschichten”: Von Südkorea, dem Land mit dem schnellsten Internet, der höchsten Breitband-Abdeckung und der größten eSport-Liga der Welt, bis zum Senegal, in dem das Internet trotz wirtschaftlicher und politischer Stabilität Schwierigkeiten hat, Fuß zu fassen.

Aber was macht die Unterschiede aus, die den Einfluss des Internets formen? “Moderne Revolutionen sind zivilgesellschaftliche Revolutionen”, formulierte Ludger Schadomsky den Originaltitel einer von Geraldine de Bastion moderierten Runde (“Modern Revolutions are Digital Revolutions”) um: ohne funktionierende Zivilgesellschaft würden sich die Revolutionen in Nordafrika nicht auf den Rest des Kontinents ausbreiten.

Widerspruch kam von berufener Stelle aus dem Publikum: Noha Atef, die später selbst “ägyptische Social Media-Geschichten” erzählen wird, glaubt nicht, das NGOs wichtig sind, um Straßenproteste anzustoßen. Erst jetzt, nach der Revolution, müssten zivilgesellschaftliche Institutionen aufgebaut werden, um die alten, vom diktatorischen Regime korrumpierten Instanzen zu ersetzen.

Vielleicht können soziale Medien aber auch ohne Revolution helfen, die Zivilgesellschaft zu stärken. Aus Südamerika berichteten Rosana Hermann und Vanina Berghella von brasilianischen Bloggern, die eine Konferenz organisierten, um soziale Medien in den benachteiligten Teil Brasiliens zu tragen – und dort wichtige Themen wie den noch immer existierenden Rassismus in der brasilianischen Gesellschaft ansprachen.

Solidarität überschreitet – getragen von Twitter und Facebook, aber auch Satelliten-TV wie Al Jazeera – nationale Grenzen. “Was man immer wieder hören konnte war: ‘wir sind alle Tunesier’”, berichtete Amira Al Husseini. “Und dann: ‘wir sind alle Ägypter’”. Und das nicht nur im Nahen Osten, sondern weltweit: Durch den direkten Kontakt über Twitter hätten sich Brasilianer während der “Grünen Revolution” mit den Iranern verbunden gefühlt – und sich zum ersten Mal für das weit entfernte Land interessiert.

Vielleicht ist die tatsächliche Social Media Revolution, dass sich Menschen über frühere Grenzen hinweg zusammenfinden. In Kenia, Tanzania und Uganda, berichtete Ludger Schadomsky, habe der in allen drei Ländern operierende Mobilfunkanbieter Safaricom dazu beigetragen, dass sich eine gemeinsame ostafrikanische Identität entwickelt.

Wenn auf der re:publica über Revolutionen geredet wird, dann ist also viel von Menschen die Rede. Und wenn man Cyrus Farivar folgt, dann sind es auch einzelne Akteure, die technologischen Fortschritt vorantreiben – wie etwa der südkoreanischen Informatik-Professor, der seine Studenten dazu anhielt, als Entrepreneure ihr Land voranzubringen.

flattr this!

February 14 2011

Ägyptische ISPs kündigen Entschädigung an

In Ägypten kam es bekanntermaßen in letzter Zeit revolutionsbedingt zu langfristigen Ausfällen des Internets. Wael Ghonim hatte darauf hingewiesen hat, dass das Abschalten des Netzes sicherlich dazu beigetragen hat, dass die Menschen wütend auf die Straße gingen. Nachdem die Revolution nun geglückt zu sein scheint, haben sich die großen ägyptischen ISPs nun dazu entschieden, auf die Revolutionäre zur allgemeinen Befriedung mit einem freundlichen Angebot zuzugehen:

Sie werden ihren Kunden eine halbe Monatsgebühr gutschreiben.

Reposted bymondkroetesofias

February 02 2011

Ägypten wieder online

Laut dpa-Meldung von 11:02h ist Ägypten wieder online. Mehr dazu später.

Update: Global voices online bestätigt dass wieder mehr Leute online sind, Facebook scheint allerdings bei manchen Providern weiterhin / noch gesperrt zu sein.

January 31 2011

Ägypten: Wie die Infrastruktur, so die Politik

Wer noch vor ein paar Wochen in netzpolitischen oder Hacker-Gesprächskreisen über die Abschaltung des Internets oder bestimmter Fernsehsender, und über die Notwendigkeit redundanter und dezentraler Strukturen philosophiert hat, lief Gefahr, vielleicht als “ein bisschen zu paranoid” bezeichnet zu werden. In Zeiten, in denen auch der größere Teil der westlichen Bevölkerung nicht nur “nichts zu verbergen” hat, sondern sogar das offensive Gegenteil dessen von einer kleinen sich als besonders progressiv empfindenden Minderheit als erstrebenswert propagiert wird, ist das eben so. Aber gerade die Lost-Privacy-Freunde, die keinen besonderen Wert auf redundante oder dezentrale Dienste legen, würde der Ausfall selbiger schwer treffen.

Die Technik mit der der Iran TOR blockieren konnte, stammte von Nokia/Siemens. Die Technik mit der in Ägypten filterte, stammte von Narus, USA. Der ägyptische Mobilfunkprovider, der sich ohne zu Murren “gezwungen sah” das Netz abschaltete, hieß Vodafone. Da Mag Amnesty noch so sehr rügen, Vodafone noch so sehr seine Hände in Unschuld waschen.


via metronaut


Möchte irgendjemand ernsthaft behaupten, diese Unternehmen hätten die Technologien nur für diese Länder entwickelt, und würden sie “bei uns” nicht anwenden? Wir erinnern uns: Der letzte Bekannte Brief des FBI mit der Bitte um alle Daten auserkorener “Staatsfeinde” und ihrer Follower ging an Twitter. Wenn Twitter heute bekanntgibt “The Tweets musst flow” ist das natürlich ein schönes Bekenntnis, aber auch nicht mehr.

Und diese Idee vom Internet-Abschalten? Die kennen die Herren vom Bund der Kriminalbeamten doch, oder?


via metronaut

Im Lichte dieser Entwicklungen erhalten nun längst vergessene Technologien (wie BulletinBoards und das Fidonet) und lange Zeit stiefmütterlich behandelte Projekte Auftrieb – denn von den anfangs noch ausreichend scheinenden 20 Möglichkeiten der Umgehung funktionieren ohne Internet und Mobilfunk nur noch 6, nämliche jene, die auf alte Telefonmodems, oder CB- bzw. Amateur-Funk (Packet Radio) setzen – die übrigens große Gefahren hinsichtlich des Abhörens und der Ortung mit sich führen – und einen eklatanten Mangel an Kommunikationspartnern. Dabei wäre das nicht notwendig gewesen, wenn man sich zu Zeiten um ausfallsicherere, dezentralere Strukturen gekümmert hätte, als man sie noch nicht  so dringend benötigte.

OpenNet / Digitata ist ein Projekt für Mesh-Networks sowohl mit CB-, als auch mit WiFi-Hardware. Leider sind die Projektseiten momentan in einem Zustand, der keine ausreichenden Informationen bietet, um mal schnell auf eine Revolution zu reagieren. Ehrlich gesagt ist der Website nicht zu entnehmen, ob überhaupt eine funktionsfähige Installation möglich ist. Netsukuku (letztes Update: 2009) soll ein anonymes Mesh-Netzwerk auf WiFi-Frequenzen schaffen, ähnlich der Standard-Funktion in OLPCs – aber seit 2009 nicht mehr weiterentwickelten Code gilt nicht mein Vertrauen. Das OpenMESH-Projekt, das als Reaktion auf die Entwicklungen des letzten Jahres im Iran ins Leben gerufen wurde, schien zwar in letzter Zeit auch ein bisschen eingeschlafen zu sein, ist aber immerhin in den letzten Tagen erwacht, und macht mit einigen Blogposts und Tweets auf sich aufmerksam. Die Entwickler genießen sicherlich diesen Moment, da sie jetzt nicht mehr “ein bisschen zu paranoid” bezeichnet werden.

Natürlich wird eine Revolution nicht daran scheitern, dass nicht mehr getwittert werden kann. Vielmehr ist die Behinderung der Kommunikationsmöglichkeiten des Gegners seit jeher ein wichtiger Bestandteil jeder militärischen Strategie. Um sich durch Dezentralität des militärischen Kommunikationsnetzwerkes genau dagegen zu schützen, wurde übrigens das Internet erfunden.

Man sollte sich auf diese Tugenden wieder mehr besinnen.

Reposted bykrekkpenpen

January 25 2011

Twitter-Revolution in Ägypten?

Seit ca. 13:00h heute Nachmittag (deutsche Zeit) tut sich auf Twitter einiges unter dem Hashtag #jan25. In Ägypten finden große Demonstrationen statt. Die Associated Press (AP) meldete um 15:43h dass tausende regierungskritische Demonstranten – inspiriert von den Demonstrationen in Tunesein der letzten Wochen – das Ende der Herrschaft von Hosni Mubarak’s Zeit an der Macht (lockere 30 Jahre) fordern. Die Polizei ginge mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor.

Organisiert wurden auch die Proteste ursprünglich über Facebook und Twitter, die AP meldete, 90.000 Personen hätten ihre Teilnahme angekündigt.

Kurze Zeit nach der Meldgung, um 15:58h, Kamen die ersten Vorwürfe auf, dass Telecom Egypt Twitter blockiere. Ahram Online berichtete, Twitter-Service sei “down.” Der Guardian erhielt Bestätigungen, dass Twitter auch beim Provider Etisalat nicht mehr funktioniere. Gegen 16:40h meldete der Reporter Jack Shenker, dass “Internet, Twitter, und Telefonanrufe” blockiert würden, langsam aber wieder möglich würden (Hinsichtlich der Daten- und Telefonverbindungen ein auch bei Massenveranstaltungen in Deutschland nicht unübliches Phänomen, um das sich viele Gerüchte ranken, das am wenigsten haarsträubende davon lautet “Netzüberlastung”) UPDATE: VodafoneEgypt gab gegen 17:00h bekannt “We didn’t block twitter – it’s a problem all over Egypt and we are waiting for a solution.” Bei Herdict.org, einer Crowdsourcing-Plattform für Blockade-Infos, ergibt sich kein klares Bild, über die Erreichbarkeit von Twitter oder Facebook (das in Ägypten sehr verbreitet ist). Global Voices wiederum zitiert eine Menge Tweets über den Ausfall von Twitter, und schließt auf eine Blockade. /UPDATE

@saudkw beschreibt die Situation:

things getting serious over there. Twitter blocked, data services on phones getting cut off sporadically. Tear gas, arrests.

Erst vor wenigen Tagen hatte der Spiegel gemutmaßt, arabische Führer müssten nach dem Sturz der tuneischen Regierung einen Dominoeffekt fürchten. In der Tat gibt es nicht nur hinsichtlich der Beeinträchtigung der Kommunikationsinfrastruktur Parallelen: Der Tunesier Ben Ali war ebenfalls sehr lange (20 Jahre) an der Macht, und die ägyptischen Demonstranten nehmen auf die Entwicklungen in Tunesien Bezug: Sie empfehlen Mubarak die Reise nach Saudi-Arabien, wohin auch Ben Ali geflohen war.

Wie der Spiegel schreibt, sind Demonstrationen dieser Größenordnung (ca. 15.000 Menschen in Kairo) in Ägypten ungewöhnlich: “Selten kamen dort mehr als ein paar Hundert Demonstranten zusammen, Kundgebungen wurden in der Regel schnell von der Polizei aufgelöst.”

Es wäre nicht das erste Mal, dass zunächst in den Medien von einer Twitter-Revolution die Rede ist. Sowohl bei den Protesten im Iran, als auch denen in Tunesien wurde dies erst behauptet. In der Regel stellt sich nachher heraus, dass nicht Twitter, sondern der gemeinsame Zorn über die herrschenden Bedingungen die Menschen zum Zusammenhalt gebracht hat.

Deshalb ist bisher auch keine dieser Demonstrationen durch das Blockieren oder Ausfallen von Twitter ernsthaft beeinträchtigt worden – zum Glück! Über dezentrale Strukturen sollte man sich trotzdem langsam ernsthaft Gedanken machen.

Wer den Thrill der live-Berichterstattung sucht, dem sei #jan25 ans Herz gelegt. Wer jedoch mit dem in hunderter-Schritten hochzählenden “1000 neue Tweets, seit du mit der Suche begonnen hast” nicht klar kommt, nutz #egypt oder liest das wie immer vorbildliche Live-Blog des Guardian.

PS: Über Twitter erreicht mich gerade dieses Video, in dem sich einige echt mutige Demonstranten mit einem Wasserwerfer anlegen:

UPDATE: Hier und hier gibt es live-streams. (Danke, Daniel!)

UPDATE 2: Bilder, mehr zum politischen Hintergrund, und Updates zum Thema Blockade oder nicht, gibt es bei Global Voices.

UPDATE 3: Der live-Streaming-Dienst Bambuser bestätigt, in Ägypten blockiert worden zu sein.

UPDATE 4: Es verdichten sich die Hinweise, dass tatsächlich blockiert wird. Inzwischen lässt sich zum Beispiel erkennen, dass einzelne IPs von Twitter noch, andere jedoch bereits nicht mehr erreichbar sind, und dass keine neuen Accounts erstellt werden können, weil Twitters re-Captacha-Anbindung gestört wird. Human Rights first veröffentlicht eine Pressemitteilung.

UPDATE 5: Inzwischen kann wohl der Versucht Twitter zu blockieren als bestätigt angesehen werden. Viel bedeutsamer ist in Ägypten jedoch Facebook, das dort von fast 30% aller Menschen mit Internetzugang genutzt wird. Nun häufen sich Berichte, dass Facebook ebenso blockiert wurde, was natürlich eine sehr viel einschneidendere Beschränkung wäre. Walid Al-Saqaf von https://alkasir.com bestätigt die Sperre auf jeden Fall schon mal für Anschlüsse von EgyptNetProvider. Amira Al Hussaini schreibt, dass Facebook heute, am Tag danach blockiert wird.

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