Tumblelog by Soup.io
Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.

January 29 2014

Die sechs Ws der Überwachung mit Sascha Lobo – Jung & Naiv

Zum Start der zweiten Jung & Naiv Staffel in diesem deutschen Fernsehen (montags, 19.30 Uhr auf joiz) habe ich mir einen dieser professionellen Interneterklärer gesucht. Den Mann habe ich dann ins Berliner Stasimuseum gelockt, wo wir uns an die analogen Zeiten der Überwachung erinnern konnten.

Sascha Lobo, einige kennen ihn vielleicht, sollte mir jungundnaiv die “sechs Ws der Überwachung” erklären: Wer überwacht uns? Was, wie, wo, (seit) wann und warum wird überhaupt überwacht? Außerdem reden wir über die Reaktion auf sein Naiv-Outing, ob man das Internet nun reparieren sollte, was Lösungen für einen Weg aus der Totalüberwachung sein können und noch so einiges naives mehr.

Ein paar Ausschnitte:

“Dadurch dass das Netz eine so umfassende Wirkung auf die Gesellschaft hat, die von den meisten dramatisch unterschätzt wird…. dadurch ist es viel einfacher, Internetexperte zu werden, als Internetexperte zu bleiben – und damit auch „Internet­Erklärer“ zu werden oder zu bleiben.”

“Deutschland ist ja nicht nur experten­hörig, sondern es hat ein tieferes Fundament, über das ich auch schon ein paar Mal geschrieben habe. Deutschland ist deshalb ein Expertenland, weil das Rechthaben hier quasi heilig ist. Deutschland ist das Land des Rechthabens. Das hängt direkt mit der Expertenhörigkeit zusammen. In Deutschland muss man allerdings – und das ist auch sehr wichtig – nicht nur Recht haben, sondern man muss auch schon immer Recht gehabt haben. Das ist ganz, ganz wichtig, dass man bloß nicht zugibt, sich getäuscht zu haben. Das erkennt man in der politischen Landschaft am besten.”

“Wer überwacht uns? Ich würde da von einer Spähmaschinerie im staatlichen Auftrag sprechen. Das ist der Kern, dieser staatliche Auftrag, denn das Problem ist faktisch ein politisches.”

“Big data heißt übersetzt: Es ist nicht so, dass wir zu viele Daten haben. Big data heißt übersetzt: Ja, wir können die Daten von allen Leuten überwachen. Wir machen das nicht mehr händisch. Es ist mehr wie hier im Stasi­Museum, dass da einzelne Leute saßen, die Akten verglichen haben und das hatte dann schlimme Folgen. Es funktioniert jetzt automatisiert, es funktioniert skalierbar. Es ist ausdehnbar über eine ganz große Anzahl von Menschen und es funktioniert automatisiert. Das ist das eigentlich Furchterregende. Denn es gibt eine immense Fehlerquote in alle Richtungen.”

“Ich glaube, Überwachung und Kontrolle hängen zusammen. Dahinter steckt vermutlich ein sehr tief verwurzeltes Misstrauen in die Vielen. Demokratie heißt ja Herrschaft des Volkes oder Herrschaft der Vielen. Und ich glaube, dass es viele Leute im politischen Betrieb gibt, auch in Deutschland, die der Masse nicht über den Weg trauen und eigentlich beruhigt sind, dass da ordentliche Kontrolle ausgeübt wird. Ich kann das sogar verstehen. Auch ich habe manchmal Angst vor der Masse. Aber ich habe die naive Hoffnung, dass die Demokratie, dass die crowd am Ende doch eine vernünftige Entscheidung treffen wird.”

“Es gibt ja diesen Begriff „Schlandnet“, mit dem man über alles herfällt, was auch nur die geringste Änderung der Infrastruktur bedeutet. Aber faktisch haben wir im Moment ein „US­Schlandnet“. Es ist tatsächlich so, dass in ganz vielen Bereichen das Internet sehr wenig dezentral ist. Es gibt zum Beispiel die sogenannten Knotenpunkte. Diese Knotenpunkte sind zentrale Vermittlungsstellen für Daten. Und es gibt eine extrem kleine Anzahl von Knotenpunkten.”

“Ich würde nicht sehen, dass jetzt die große Zeit einer Idee gekommen ist. Ich würde eher sehen, dass jetzt die große Zeit gekommen ist, eine Idee zu überprüfen, die viel zu viel Macht gewonnen hat über die Welt. Und das ist die Idee der systematischen, flächendeckenden Ausspionierung der Bevölkerung. Diese Idee – vielleicht ist deren Ende gekommen. Vielleicht können wir diesen Spruch umdrehen und sagen: Nichts ist so attackierenswürdig wie eine große Idee, deren Zeit gekommen ist.”

Außerdem habe ich von Euch Fragen an Sascha gesammelt, die ich ihm in einer Bonusfolge Jung & Naiv gestellt habe

Die Bonusfragen waren:
- Was wenn man das Internet von heute auf morgen abstellen würde?
- Wie hat sich dein Verhalten im Netz verändert seit dem NSA-Skandal?
(Günther Hack)
- Wie kann man das Netz wieder stärken? (Martin Lindner)
- Kannst du das Argument “Beschwert euch nicht, wenn ihr bei Facebook eure
Fotos hochladet” zerreißen?
- Wieso bist du nicht so in sozialen Medien nicht aktiv?
- Ist Angela Merkel ist für dich eine “lupenreine Demokratin”?
- Macht’s Obama besser als Merkel?
- Was kommt nach der Kränkung? Die Couch?
- Wer hat dich zum Sprecher der Netzgemeinde gewählt? (8:55min)
- Welchen Satz würde Sascha an George Orwell in die Vergangenheit schicken?
- Wen meinst du, wenn du von “wir” redest?
- Wie wird man glücklich? Und ist das zu vermeiden? (11:50 min)
- Können Projekte wie Freifunk das Internet wieder besser machen?
- Bist du der Bundestrainer der Deutschen im Internet?

Ihr könnt die “Jung & Naiv”-Videos übrigens kostenlos abonnieren und jede bisherige Folge ungekürzt und ungeschnitten im
Youtubekanal gucken.

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

July 30 2013

Sascha Lobo über die Heuchelei der SPD: “Prism ist die direkte Verlängerung der Vorratsdatenspeicherung”

Sascha Lobos wöchentliche Kolumne auf Spiegel Online nimmt diesmal die Partei ins Visier, in deren Online-Beirat er mal war, auch wenn er nie ein Parteibuch hatte:

Verdachtslose Überwachung – ja oder nein?

Denn exakt diese und nur diese digitale Gretchenfrage entscheidet darüber, ob es um das ständige Ausspionieren von Millionen Bürgern geht (schlimm) oder um die Überwachung von Verdächtigen (notwendig). Das ist auch das eigentlich Bedrohliche des Überwachungsskandals – weniger die technische Fähigkeit, Personen digital durchleuchten zu können, sondern vielmehr die Tatsache, dass das offenbar flächendeckend geschieht. Eben ohne konkreten Verdacht. Das ist die rote Linie, nichts anderes. Dabei ist egal, wie man die Überwachung nennt, wer die Datenspeicherung in gesetzlichem Auftrag vornimmt oder ob sie drei, sechs oder tausend Monate dauert.

Entlang dieser roten Linie ist die SPD tief gespalten. Das langjährige Lavieren der SPD um die Vorratsdatenspeicherung ähnelt dem Lavieren der Regierung um den Überwachungsskandal. Die einzig glaubwürdige Distanzierung von der Totalüberwachung wäre eine, die sich generell von der verdachtslosen Aufzeichnung der Daten unbescholtener Bürger distanziert. Und damit auch und gerade von der Vorratsdatenspeicherung. Alles andere muss als Wahlkampfkolorit gelten.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Reposted bykrekk02mydafsoup-01

August 31 2012

Was sonst noch am Ende war: Porno-Pranger, Netzneutralität, Domain-Beschlagnahme und Leistungsschutzrecht

Zweites Gericht urteilt gegen Porno-Pranger

Der Porno-Pranger liegt auf Eis. Am Freitag hat das Amtsgericht Regensburg eine weitere Einstweilige Verfügung gegen die Abmahn-Kanzlei U+C erlassen. Die Bayerische Landesaufsicht für Datenschutz hat die Veröffentlichung vorläufig untersagt.

regensburg-digital – Stefan Aigner

Telekom verteilt Gleitcreme auf der IFA, damit wir nicht merken, wie die Netzneutralität entfernt wird

Dem Deal Telekom/Spotify wurde ein Element untergeschoben, dass die Konsumenten hinsichtlich eines freien innovationskräftigen Internets, wie wir es seit seiner Anfangszeit kennen, betrügt. Der Daten-Bevorzugungs-Aspekt ist eine subtile Methode der Öffentlichkeit den Bruch der Netzneutralität als einen Gewinn zu verkaufen. Dieser Gewinn ist nur scheinbar und von kurzfristiger Natur. Netze ausbauen statt Netzneutralität mit Marketing-Talk zu vernebeln ist die Aufgabe der Stunde für die Telekom.

jensbest.net – Jens Best

Fünf entscheidende Fragen zum Leistungsschutzrecht

Und trotzdem wird ein so kauderhaftes, kringsiges Gesetz eingeführt, obwohl eine so breite, gesellschaftliche Front dagegen opponiert. Obwohl ganz offensichtlich vorher eine öffentliche Diskussion notwendig wäre. Das ist mehr als nur merkwürdig, das ist schon verräterisch. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, Fragen zu stellen. Und zwar solche, die aus meiner Sicht die entscheidenden sind – auf die Tatsache bezogen, dass das Gesetz auf dem besten, bzw. schlechtesten Weg ist, zustande zu kommen.

saschalobo.com – Sascha Lobo

Warum ich mir eine (vermutlich) einmalige Gelegenheit entgehen lasse.

Ich hab mich wirklich gefreut und war ein bisschen stolz, bei Jauch eingeladen zu werden. Wirklich. Das ist mir eine sehr große Ehre. Aber nicht für diesen Preis. Ich diskutiere nicht mit einem Verweigerer eines Mindestmass an sozialem Miteinander. Ich diskutiere nicht mit so einem Verkäufer. Und erst recht nicht mit solch einem Fundamentalisten. Ich diskutiere nicht mit einem Wissenschaftler, der nicht diskutieren will oder kann. Sorry Günther! Aber danke! Und viel Glück!

Gepflegte Konversation fuer den Weltfrieden – Nilz Bokelberg

Government admits defeat, gives back seized Rojadirecta domains

In 2011, the US government grabbed two domains, one .com and one .org, belonging to Spanish sports-TV “linking site” Rojadirecta, claiming that the site was a flagrant enabler of copyright infringement. The government then sought forfeiture of the domains, at which point Rojadirecta’s Spanish parent company fought back. A year and a half after the seizure, the government has capitulated—today it dismissed the case against Rojadirecta and will have to return the domains.

Ars Technica – Nate Anderson

flattr this!

April 18 2012

Lesestoff: Was übrig blieb

Mal wieder sind einige Sachen aufgelaufen, wofür die Zeit zum ordentlich einzeln verbloggen gefehlt hat. Ideen für einen optimistischeren Namen dieser Kategorie nehmen wir in den Kommentaren gerne entgegen.

Christian Stöcker: Das Internet ist totalitär – Spiegel Online

Wenn derzeit also über die vermeintlich allzu große Freiheit im Internet diskutiert wird, darf man eines nicht aus den Augen verlieren: Es gibt eben doch einen zentralen Unterschied zwischen der realen Welt und der digitalen. Im Netz ist absolute Rechtsdurchsetzung möglich. Aber ist sie wünschenswert?

Jürgen Scheele: Siegfried Kauder plädiert jetzt für Two-Strikes – Three-Strikes bleibt Option – Digitale Linke

„Natürlich darf man jemanden aus dem Internet aussperren, das ist aber politisch nicht umsetzbar und vielleicht auch nicht effektiv. Man geht hier aber den Netzpolitikern immer mehr auf den Leim. Aber wenn man A sagt, muss man auch B sagen. Das Zweistufenmodell kann nicht bedeuten, dass man zwei Stufen zündet und dann alles im Sande verlaufen lässt. Dann müssen Anzeigen auch konsequent verfolgt werden.“

Christoph Kappes: Kopiermaschine Internet – Spiegel Online

Es bleibt die Frage, ob die Idee einer “geistigen Verbindung” zwischen Werk und Urheber noch in das Zeitalter postindustrieller Inhalteproduktion passt. Für alltägliche Zwecke ist es gut, wenn Information ohne Aufwand im Internet fließt, damit das Leben fließen kann, wie es bisher mündlich der Fall war. Aufsagen, Zitieren, Vorspielen und “Mitgeben” sind aus diesem Grund erlaubt.

Sascha Lobo: Euer Internet ist nur geborgt – Spiegel Online

Wer Facebook, Twitter oder andere soziale Netzwerke nutzt, ist im Netz nicht wirklich frei. All diese Dienste können von den Betreibern jederzeit verändert, verkauft, zensiert, geschlossen werden. Wer wirklich frei im Internet veröffentlichen will, braucht eine eigene Website.

Ian Katz: Tim Berners-Lee urges government to stop the snooping bill – The Guardian

Sir Tim Berners-Lee, who serves as an adviser to the government on how to make public data more accessible, says the extension of the state’s surveillance powers would be a “destruction of human rights” and would make a huge amount of highly intimate information vulnerable to theft or release by corrupt officials. In an interview with the Guardian, Berners-Lee said: “The amount of control you have over somebody if you can monitor internet activity is amazing.

“You get to know every detail, you get to know, in a way, more intimate details about their life than any person that they talk to because often people will confide in the internet as they find their way through medical websites … or as an adolescent finds their way through a website about homosexuality, wondering what they are and whether they should talk to people about it.”

Jacob Appelbaum: Ultrasurf: the definitive review – The Tor Blog

Ultrasurf is software produced by the UltraReach company for censorship circumvention, privacy, security and anonymity. Unfortunately for them, I found their claims to be overstated and I found a number of serious problems with Ultrasurf.

Michael Joseph Gross: World War 3.0 – Vanity Fair

When the Internet was created, decades ago, one thing was inevitable: the war today over how (or whether) to control it, and who should have that power. Battle lines have been drawn between repressive regimes and Western democracies, corporations and customers, hackers and law enforcement. Looking toward a year-end negotiation in Dubai, where 193 nations will gather to revise a U.N. treaty concerning the Internet, Michael Joseph Gross lays out the stakes in a conflict that could split the virtual world as we know it.

Cindy Cohn, Trevor Timm, & Jillian C. York: Human Rights and Technology Sales – Electronic Frontier Foundation

Below, we outline a basic proposal for companies to audit their current and potential governmental customers in an effort to prevent their technologies and services from being used for human rights abuses. It has two key components: transparency and “know your customer” standards. The same basic proposal could be implemented through voluntary action, governmental or other incentives or regulatory or legal frameworks. Regardless of how it is implemented, however, we believe this framework can help both the public and the companies get a clearer picture of who is using these technologies and how they are being used and then take some basic steps to prevent horrible outcomes like the ones we’ve witnessed.

Older posts are this way If this message doesn't go away, click anywhere on the page to continue loading posts.
Could not load more posts
Maybe Soup is currently being updated? I'll try again automatically in a few seconds...
Just a second, loading more posts...
You've reached the end.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl