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January 07 2014

Justizministerium: Streams betrachten ist “keine Urheberrechtsverletzung”

Die hier und andernorts vertretene Rechtsmeinung, dass die Abmahnungen der Kanzlei U+C für das Betrachten von Porno-Streams nicht mit der herrschenden Rechtslage in Deutschland in Einklang zu bringen sind, wurde jetzt auch durch das Justizministerium in einer Antwort auf eine sogenannte “Kleine Anfrage” von Abgeordneten der LINKEN bestätigt.

Während sich Spiegel Online noch damit brüstet, dass ihm die Antwort vorliegt, sie jedoch nicht verlinkt, haben die Kollegen von iRights.info das PDF zur Gänze online gestellt. Darin heißt es unter anderem:

Vor diesem Hintergrund hält die Bundesregierung das reine Betrachten eines Videostreams nicht für eine Urheberrechtsverletzung.

In der Folge verweist das Justizministerium aber noch darauf, dass bislang noch keine höchstrichterlichen Entscheidungen darüber vorliegen, “[o]b die Nutzung von Streaming-Angeboten eine Ver­vielfältigung darstellt, die Rechte von Urhebern oder Leistungsschutzberechtigten verletzt” und verweist diesbezüglich auf den Europäischen Gerichtshof (EuGH). Nur dieser könne die Frage letztgültig klären.

Die Stellungnahme des Justizministeriums ist ein weiterer Hinweis darauf, dass Streaming-Nutzer wohl nicht so schnell eine weitere Massenabmahnwelle droht – nicht zuletzt auch deshalb, weil das Landgericht Köln, das die Herausgabe der IP-Adressen angeordnet hatte, inzwischen seine Entscheidung zu überdenken scheint.

 

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January 06 2014

Remixerin #32 Melissa Logan: “Remix erlaubt kulturelle Erneuerung”

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Melissa Logan, Mitgründerin von Chicks on Speed.

Melissa Logan

Melissa Logan

Melissa Logan gründete 1997 gemeinsam mit Alex Murray-Leslie Chicks on Speed an der Münchner Akademie der Künste mit der klaren Idee als multi-modales Kollektiv im Kulturbereich zu arbeiten und damit die Vorstellung des isolierten Künstlergenies zurückzuweisen. Chicks on Speed tourten auf der ganzen Welt als elktronische Popgruppe, waren mit Performance-Kunst in MOMA, Tate, Pompidou, MOMAK etc. präsent und haben tragbare Technologien entwickelt, die sie “Objektinstrumente” nennen. Zu diesen zählt auch eine Serie von Apps, de mit freundlicher Unterstützung des ZKM Karlsruhe und der Initiative Musik realisiert werden.

Zur Zeit arbeitet ihr an Musik- und Remix-App – wie wird diese App funktionieren?

Die App, die wir bauen, basiert auf einem klassischen DJ-Setup mit zwei Plattenspielern samt Mixer, enthält einige Effekte, Tonhöhenregelung und natürlich kann man scratchen. Ein zweites Fenster zeigt das “Plattenregal” an und wir suchen gerade nach Wegen, um Mixes mit anderen Nutzern austauschen und teilen zu können.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ein großartiger Remix fügt einem Song Tiefenebenen hinzu und die Umarbeitung von musikalischen und textlichen Inhalten macht ihn präziser, schärfer oder aktueller. Musik ist eine Kunstform die stark mit dem Hier und Jetzt verknüpft ist, jede Zeit und jeder Ort braucht seine Musik, der Sommerhit, das Album des Jahres. Gute Songs können für Generationen überleben und der Remix erlaubt jene kulturelle Erneuerung eines Songs, die dafür notwendig ist.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Als Chicks on Speed arbeiten wir normalerweise mit Covern von großartigen Songs, bisweilen schreiben wir aber Texte um und das erfordert eine kompliziertere Aufteilung

Hast Du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Manchmal verwenden wir andere Musik darauf Songs aufzubauen, aber wenn der Song fertig ist entfernen wir die Samples – ganz generell. Diese Nutzung von Samples ist für uns ein Arbeitswerkzeug.

Wurdest Du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen Deiner künstlerischen Tätigkeit?

Ja, das ist ganz normal.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Natürlich klingt es gut, wenn Künstler großartige Remixes machen, gleichzeitig ist es schreckelich, wenn jemand Songs von Chicks on Speed nimmt, remixt und dann den Remix an BP oder sonst eine beschissene Firma verkauft und wir dann kein Recht dazu haben, unsere Texte und Stimmen auf diese Weise verwendet zu sehen.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Ich liebe es wirklich einen ganzen Haufen von Remixes eines Songs zu hören, zum Beispiel von Zager & Even “In the year 2525″:

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Auf right2remix.org findet sich auch das englische Originalinterview.

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December 30 2013

Vorsatz für 2014: Mithelfen das Urheberrecht zu modernisieren!

Das netzpolitische Jahr 2014 beginnt auf europäischer Ebene mit einer öffentlichen Konsultation zur Evaluierung der EU-Urheberrechtsrichtline. Und kaum ein Rechtsbestand ist derart überarbeitungsbedürftig wie das europäische Urheberrecht. Gleichzeitig ist die Teilnahme an so einer Konsultation gerade für Laien oft schwierig, weil die Fragenkataloge lang und unübersichtlich sind – und das, obwohl gerade der Input von “normalen” InternetnutzerInnen besonders gefragt ist.

Umso erfreulicher ist deshalb ein Tool mit dem Titel “Help Reform Copyright!”, das Stefan Wehrmeyer von der Open Knowledge Foundation Deutschland und andere am Rande des 30C3 entworfen haben. Das Online-Werkzeug macht eine Teilnahme an den Konsultationen so unkompliziert wie nur irgend möglich. Einfach eines der aufgelisteten (Alltags-)Probleme mit dem veralteten Urheberrecht anklicken und ein konkretes Beispiel dafür angeben. Die Antworten können übrigens in jeder offiziellen EU-Landessprache gegeben werden – also gerne auch einfach deutsche Antworten eintragen.

Weil die Zeit für die Konsultation knapp ist, gerade aber die praktischen Erfahrungen vieler verschiedener Menschen ein Gegengewicht zu den Lobbyisten der Rechteinhaberverbände darstellen können, wäre es wirklich hilfreich, wenn möglichst viele Leute die Teilnahme an der Konsultation ganz oben auf die Liste netzpolitischer Neujahrsvorsätze unterbringen.

Einige der Themen, die im Rahmen der Konsultation verhandelt werden, betreffen auch Fragen von Remix, die im Zentrum meines 30C3-Vortrags gestanden waren:

Die Slides mit Links zu den gezeigten Videos:

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Remixer #31 Andreas Paleologos: “Wie bei einer Cover-Version”

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Andreas Paleologos aka CUCKOO.

Andreas Paleologos

Andreas Paleologos

Andreas Paleologos arbeitet als Computeranimator und Motion-Designer, hofft aber auch einmal mit seiner Musik Geld verdienen zu können. Sein erstes Konzert unter seinem Künstlernamen CUCKOO gab er 2009 und hat seither ein Album und einige Singles veröffentlicht. Seit 2012 veröffentlicht Paleologos seine Musik vor allem auf YouTube. Weitere Informationen finden sich unter cuckoo.no.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ein großartiger Remix enthält ein Überraschungsmomment, eine gute Prise Verspieltheit und macht letztlich ein mattes Origianl fantastisch.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Nun, wenn ich bisweilen Remixes erstelle, dann bedeutet das meistens das Remixen eines Musikvideos, und zwar indem ich mich selbst oder andere in das Remix-Video integriere. Die meiste Zeit verwende ich Kleingkeiten aus dem Originalsong und erstelle eine Art von Coverversion. Dabei erwecke ich Emotionen zum Leben, die im Original fehlen und mache auf gewisse Weise meine eigene Cuckoo-Version daraus.

Hast Du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Nicht wirklich.. Ich tauche einfach hinein und hoffe, dass es gut geht. Aber ich denke schon darüber nach, bevor ich eintauche. Wenn ich das Musikvideo von Michael Jacksons “Beat it” remixe, dann schaue davor nach, ob Michael-Jackson-Remixes gelöscht werden oder ob sie online bleiben etc. Da ein guter Teil der Michael-Jackson-Remixes offensichtlich online bleibt, machte ich weiter und erstellte meinen eigenen :-)

Wurdest Du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen Deiner künstlerischen Tätigkeit?

Seit ich meine Arbeiten auf YouTube hochlade werden alle Videos auf mögliche Urheberrechtsverletzungen hin untersucht und in den meisten Fällen werden sie auch erkannt, mit unterschiedliche Konsequenzen. Kein Video wurde jemals komplett gesperrt, aber einige laufen nun mit Werbeanzeigen und einige sind in bestimmten Regionen wie Deutschland oder den USA gesperrt.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Ich halte das für eine gute Idee. Es ist wie wenn Du einen Cover-Song machst, wo der Komponist des Songs einen fairen Anteil erhält. Jedoch, damit das funktioniert, braucht es gegenseitigen Respekt für die Arbeit des jeweils anderen. Kein abwerten, kein verletzen. Remixes sollten mit kollegialem Geist und wechselseitiger Unterstützung zur Erschließung neuer Bereiche erstellt werden. Ich glaube dass der Künstler des Originals da Recht haben sollte, “Nein Danke” zu sagen, wenn er oder sie den Remix als zu pentrant empfindet.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Ich bin nicht sehr aktiv in der Remix-Szene, aber ich bin stolz auf meine eigenen Remixes und Covers, worunter auch mein jüngster Video-Remix des Songs “Wrecking Ball” von Miley Cyrus fällt:

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Auf right2remix.org findet sich auch das englische Originalinterview.

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December 23 2013

Remixer #30 René Walter: “Remix ist mehr als die Summe seiner Teile”

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: René Walter.

René Walter

René Walter

Der Graphiker René Walter wohnt in Berlin und betreibt das Blog Nerdcore.de, einem von Deutschlands meistgelesenen Blogs, das vor allem Links zu anderen Webinhalten liefert.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Dass er mehr als die Summe seiner Teile darstellt, die Elemente des Originals in einem eigenen Kontext zu einem neuen Werk zusammenfügt, so dass beide Seiten – das Neue und das Alte – zu halbwegs gleichen Teilen erkennbar sind.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Ich betreibe die Website Nerdcore.de, das ist so ein mittelbekanntes Blog, das vor allem Links zu Dingen veröffentlicht, die ich großartig finde. Das Spektrum reicht dabei von Katzenvideos über Anatomiestudien bis hin zu High Frequency Trading. Ich bediene mich dabei offen der Arbeiten anderer, die in 99% aller Fälle als Anreißer dienen.

Ich arbeite auch ab und zu mit Visuals – ich bin von Haus aus Grafiker –, in denen ich Fotos per Photoshop manipuliere. Recht bekannt geworden ist dabei mein Remix eines Plakats von Shepard Fairey, das ich für den NSA-PRISM-Skandal modernisiert habe und das so auf der ganzen Welt bei Protesten benutzt wurde und es mittlerweile sogar auf Acid-Blotter geschafft hat. Shepard Fairey selbst hat diesen Poster-Remix übrigens abgenickt, als er in einem Interview dazu befragt wurde.

Hast Du schon einmal nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und wenn ja, warum?

Nicht wirklich. Ich habe einmal das Posting über einen Fotografen verweigert, weil der horrende Lizenzforderungen stellte. Oder ich habe schon Dinge nicht gebracht, weil die Künstler selbst ihre Arbeiten mit hässlichen, übergroßen Wasserzeichen versahen. Und ich musste ein oder zwei Postings wegen juristischen Streitigkeiten depublizieren, aber prinzipiell verwende ich immer alles, was ich kriegen kann.

Wurdest Du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen Deiner publizistischen Tätigkeit? Und sonst?

Ja, ich wurde schonmal von einer Agentur wegen eines ollen Hendrix-Bildes abgemahnt. Ich hab’ denen 200 Euro überwiesen und geschrieben, dass die Sache damit für mich erledigt ist. Gehört habe ich von denen nie wieder. Ich habe auch mal eine Abmahnung bekommen, weil ich Linkdumps zu MP3-Dateien veröffentlichte und da waren zwei Tracks der Major-Labels
dabei.

Das sind allerdings bislang die einzigen Urheberrechts-Abmahnungen, die ich im Rahmen des Bloggings bekommen habe und das bei einer Website, die mit Fremdmaterial sehr großzügig umgeht. Ansonsten hatte ich auch schon Ärger mit Juristen, ja. Das ging mal so, mal so aus.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Die Idee finde ich richtig, ich bin aber nicht sicher, wie es in der Umsetzung aussehen sollte. Wieviel sollte der bis zur Veröffentlichung seins Albums „All Day“ relativ unbekannte Mashup-Künstler Girl Talk denn für die 372 Samples, aus denen das Album besteht, an Lizenzgebühren bezahlen? Die Samples sind sehr ausgiebig genutzt, wahrscheinlich hätte der Mann selbst bei moderaten Lizenzen zehntausende Dollar zahlen müssen, was die Veröffentlichung des Albums verhindert hätte und ob ein Label hier in Vorleistung gehen würde ist mehr als fraglich.

Letztenendes halte ich ein Modell aber für das einzig tragfähige, das sowohl den Remixern als auch den Produzenten der Originale gleichwertige Rechte einräumt, daher ist ein solches Recht in Zeiten, in denen Remixe immer leichter herzustellen sind und über Sharing-Plattformen veröffentlicht werden, unumgänglich.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Mein Lieblingsmashup-Album ist Mashed in Plastic, ein Remix von David Lynchs Filmen, gemixt mit jeder Menge Mucke und davon ist mein Lieblingsremix: I’ve Told Every Little Pumpkin aus Lynchs Mulholland Drive und „1977“ der Smashing Pumpkins.

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Das Interview führte Barbara Hallama.

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December 22 2013

Forderungen an die Netzpolitik der Zukunft

Im Rahmen der Tagung “Herausforderungen der Netzpolitik” bei der Evangelischen Akademie Tutzing hab ich einen Vortrag über “Forderungen an die Netzpolitik der Zukunft” gehalten. Das war eher als Einführung in den Themenkomplex gedacht, wer tief in der Materie drin steckt, wird wahrscheinlich nicht mehr viel daraus lernen.

Auf der Tagung gab es noch ein paar andere interessante Gespräche und Vorträge.

“NSA, Prism und das Neuland – Gedanken zu Sicherheit, Freiheit und Vertrauen” mit Dirk Brengelmann und Dr. Constanze Kurz.

Dr. Catharina Maracke: “Wie wird Urheberrecht zeitgemäß?”

Anke Domscheit-Berg: “Das Einmaleins des Open Government

Johannes Scheller und Igor Schwarzmann: “Über die Bedeutung der Netzneutralität”.

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December 16 2013

Remixer #29 Hartmut Gieselmann: “Vor allem muss es grooven!”

Hartmut Gieselmann aka Goat of Neptune

Hartmut Gieselmann aka Goat of Neptune

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Hartmut Gieselmann.

Hartmut Gieselmann arbeite tseit rund 13 Jahren für das Computermagazin c’t aus Hannover. Als Redakteur kümmert er sich im Ressort Audio/Video neben Musik-Soft- und -Hardware auch noch um die Entwicklung von Videospielen.

Inwieweit verfügen Sie selbst über Erfahrungen als Remixer?

In der Theorie über den Test von Geräten schon länger. Selbst als Remixer unter dem Namen “Goat of Neptune” bin ich erst Anfang des Jahres aktiv geworden. Gute Remixe kosten viel Zeit, und die wird bei mir erst jetzt langsam frei, wo meine Tochter aus dem Gröbsten raus ist.

Was macht für Sie einen guten Remix aus?

Er muss sich vom Original unterscheiden, aber trotzdem den Kern des Songs musikalisch unterstützen. Er muss von vorne bis hinten eine Spannungskurve halten, darf sich nicht wiederholen. Und vor allem muss es grooven.

Haben Sie schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Ich bediene mich der Einfachheit halber kommerzieller Loop-Sammlungen, die die Nutzungsrechte beim Kauf einräumen. Sie ersparen mir viel Zeit, von der ich viel zu wenig habe, die ich dann in den Remix stecken kann. Ich finde es auch wichtig, dass Musiker für ihre Loops entlohnt werden. Da steckt eine Menge Arbeit drin und ich als Remixer möchte auch morgen noch gutes Material bekommen.

Wurden Sie schon einmal abgemahnt oder hatten rechtliche Probleme wegen Ihrer künstlerischen Tätigkeit?

Ich achte streng darauf, nur Material zu verwenden, für das ich auch die Rechte habe. Natürlich würde ich auch gerne meine Remixe, die ich zu Wettbewerben einreiche, anderweitig veröffentlichen. Dazu kann man dann die Urheber direkt kontaktieren.

Sie betreuen für das Computermagazin c’t den Remix-Wettbewerb “Game Over”. Warum veranstaltet ein Computermagazin einen Musikremix-Wettbewerb?

Die Art wie Leute Musik machen hat sich in den letzten Jahren verändert. Was in den 80ern die Garage für den Punk-Rock war, ist heute der Laptop für den Dance-Track. Wir wollen unsere Leser animieren, selbst am Rechner kreativ zu werden und nicht bloß zu konsumieren. Die Gelegenheit bot sich, als ich Achim Kück traf und er gerade sein neues Album einspielte. Erst als mein Remix von “Game Over” fertig war, kamen wir auf die Idee des Wettbewerbs und er läuft den ersten Reaktionen nach zu urteilen hervorragend an.

Was halten Sie von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Ich würde es begrüßen, wenn der Prozess vereinfacht würde. Davon würden Remixer wie Urheber profitieren. Letztlich geht es ja um Aufmerksamkeit, und je mehr Remixer einen Song bearbeiten, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt er. Aber die Vergütung muss geregelt sein, sonst gibt es bald keinen Nachschub an guten Songs mehr. Eine Möglichkeit wäre, wenn Musiker ihre Songs in einzelne Loops und Spuren zerteilen und mit den nötigen Rechten fertig als Remix-Material verkaufen würden. Da waren die Nine Inch Nails vor einigen Jahren echte Vorreiter.

Zum Abschluss, was ist Ihr persönlicher Lieblingsremix?

Ich selbst bin auf meinen Remix von “Stompa” von Serena Ryder besonders stolz, den ich damals bei Indaba eingereicht, aber leider nicht gewonnen habe. Aber das Feedback von den übrigen Musikern war phänomenal.

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. 

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December 11 2013

Kein Versehen: U+C-Streaming-Abmahnwelle erst der Anfang?

Während noch immer nicht bekannt ist, auf welchem Wege die Abmahnkanzlei U+C an die IP-Adressen der wegen Nutzung einer Porno-Streaming-Seite abgemahnten Personen gelangt ist (vgl. “Der dreifache Skandal der U+C-Streaming-Abmahnwelle“), werden in anderer Hinsicht mehr und mehr Details bekannt. So berichtet Anwalt Christian Solmecke in einer Aussendung von einem ausführlichen Telefongespräch mit U+C-Anwalt Thomas Urmann, demzufolge die Datenauskunft keineswegs versehentlich erfolgt sei:

“offenbar wurden die 62 Beschlüsse nicht einfach durchgewunken. In einigen Verfahren hätten die Richter noch Gutachten angefordert und sich den Sachverhalt näher erklären lassen. Erst danach habe man die Auskunft gestattet. Sollte diese Aussage des Kollegen Urmann wirklich wahr sein, dann spricht das dafür, dass einige Kölner Richter nach kursorischer Prüfung das hier vorliegende Streaming tatsächlich als illegal angesehen haben.”

Konkret rechtfertigt Urmann die Bezeichnung des Streaming-Portals redtube als “Downloadplattform” damit, dass es sich bei Streaming um “Progessive Downloading” handle und am Ende nach dem Anschauen eines solchen Streams die gesamte Datei im temporären Ordner auf der Festplatte liege. Eine solche temporäre Speicherung fällt aber wohl unter §44a UrhG über “Vorübergehende Vervielfältigungshandlungen”, sofern nicht ohnehin eine  ”Vervielfältigungen zum privaten und sonstigen eigenen Gebrauch” nach §53 UrhG vorliegt.

Selbst wenn man dieser Ansicht nicht folgt, ist damit aber immer noch keine öffentliche Zugänglichmachung wie bei Filesharing verbunden – ganz zu schweigen davon, dass die Rechtswidrigkeit der Quelle im Falle eines Streamingportals wie redtube keineswegs offensichtlich ist.

Es bleibt dabei, das Vorgehen der U+C Rechtsanwälte ist skandalös (vgl. auch die Ankündigung eines Anwalts, deswegen gegen U+C selbst zu klagen), ebenso die Entscheidung des Landgerichts Köln, die Daten trotz völlig ungeklärter Rechtslage im Streaming-Bereich herauszugeben.

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December 09 2013

Remixer #28 Eduardo Navas: “Wir müssen geistiges Eigentum neu denken”

Eduardo Navas

Eduardo Navas

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Eduardo Navas

Eduardo Navas ist der Autor des Bands Remix Theory: The Aesthetics of Sampling. Er bemüht sich vor allem um ein besseres Verständnis davon, wie wir Wissen und Ideen teilen und wiederverwerten, sowohl materiell als auch immateriell – deshalb auch seine Forschung zum Thema Remix. Er ausgebildeter Kunsthistoriker und als Künstler und Medientheoretiker tätig. Er war für rund 15 Jahre DJ in Los Angeles, bevor er ein Künstler und Dozent wurde. Vieles seiner Forschung ist transdisziplinär und betrifft u.a. Felder wie Musik, Kulturwissenschaften, Medienwissenschaften, neue Medien, digitale Geisteswissenschaften und Kunstgeschichte.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Verschiedene Dinge können ein Remix sein. Es kann ein Rearrangement eines Songs, eines Videos oder eines kulturellen Artefakts sein, das gestaltet wurde um die Verkäufe eines Künstlers oder eines Unternehmers anzukurbeln. Ein Remix kann auch eine kritische Produktionsform sein, die sich ansonsten kommerzielle Werke aneignet und zweckentfremdet, um die kulturellen Implikationen der politischen Agenda hinter solchen Werken sichtbar zu machen. In beiden Fällen sind die besten Remixes solche, die in ihre jeweiligen Zielsetzungen erfüllen und gleichzeitige eine autonom bleiben – in dem Sinne, dass ein Zuhörer oder Seher die einzigartige Interpretation der im Remix verwendeten Quellen wertschätzen kann.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Auf unterschiedliche Art und Weise. Es gibt verschiedene Wege um zu remixen. Die populärste Art zu remixen ist Selektivität, was man überall auf YouTube finden kann und zurückreicht in die frühen Tage von Popmusik-Remixes. Ein selektiver Remix nimmt sich Material heraus und lässt den Rest intakt. Manchmal kommt etwas Material hinzu. Diese Art von Selektivität kann sich in Richtung Megamixes von Inhalten sämtlicher Formen von Kommunikation weiterentwickeln. Ein Zusammenschnitt einer Serie von Video-Schnippsel um einen Song zu basteln oder einen bekannten Song nachzubauen ist eine von vielen Weisen, wie das passieren kann.

Ich tendiere dazu, Selektivität  in einigen meiner Projekte zu verwenden. Aber das meiste, was ich produziere, bewegt sich in kritischen Sphären, ist reflexiv, das heißt es kritisiert bzw. reflektiert kritisch über das angeeignete Werk.

Hast Du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Nein. Normalerweise denke ich sorgfältig darüber nach, was ich ausprobieren möchte und eigene mir Werke an, die zu meinen Interessen passen.

Wurdest Du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen Deiner künstlerischen Tätigkeit?

Nein. Ich folge der etablierten Kunstpraxis der Appropriation und ich glaube, dass das meiste was ich im Kunstkontext tue unter Fair Use fällt. Das bedeutet nicht, dass einzelne Verlage nicht trotzdem rechtlich gegen mich vorgehen könnten. Aber ich bin mir der diesbezüglichen Folgen meines Tuns bewusst und würde deshalb damit umgehen können, sollte es soweit kommen.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Ich halte das für eine exzellente Idee. Das Konzept hinter dem Urheberrecht kämpft mit vielen ideologischen Konflikten und ist nicht zuletzt durch die je nach Land verschiedenen Gesetzeslagen komplex geworden. Die aktuelle Lage im Bereich der Remixrechte erfordert kulturübergreifende Aufklärung, die alle sozialen Klassen und ethnischen Gruppen erreichen würde. Wir müssen das Konzept von geistigem Eigentum wirklich neu denken. Wir müssen es zumindest so re-definieren, dass Werke ohne Angst vor ökonomischer Vergeltung wiederverwendet werden können.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Gut. Weil ich auf Remix in allen Arten von Medien und Kulturproduktion schaue, würde ich gerne zwei nennen. Der erst ist ein Musik-Remix “Rapture Riders” von Mark Vidler:

Diesen Musikvideo-Mashup habe ich ausgewählt, weil er entscheidend für die frühen Phasen von Mashups in den Medien ganz allgemein war und weil er rundherum gut gemacht ist.

Der andere Remix ist wirklich ein Kommentar zu Crowdsourcing und dem Kollaborationspotential in Netzwerkmedien. Es ist eine sich ständig weiterentwickelnde visuelle Collage: ”The Johnny Cash Project” von Chris Milk.

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December 08 2013

Der dreifache Skandal der U+C-Streaming-Abmahnungen [Update]

Als Ende vergangener Woche Law-Blogger wie Udo Vetter oder Thomas Stadler über die Fälle von Streaming-Abmahnungen der Kanzlei U+C Rechtsanwälte berichteten, deutete die Menge an Beschwerden bereits auf eine größere Abmahnwelle hin. Allein der bislang vor allem im Bereich von Filesharing-Abmahnungen tätige Rechtsanwalt Christian Solmecke berichtet von mittlerweile über 600 diesbezüglichen Anrufen und schätzt in einer Aussendung die Zahl der Abgemahnten auf Grund von früheren Erfahrungen auf über 10.000 Menschen.

Die Abmahnungen sorgen deshalb für Aufsehen, weil Nutzer von Streaming-Angeboten in der Regel selbst keine urheberrechtlich geschützten Inhalte öffentlich zugänglich machen. Genau das ist aber die Grundlage für Abmahnungen bei Filesharing. Die U+C-Anwälte begeben sich deshalb auf juristisch dünnes Eis, wie auch Vetter betont:

Die Rechtsanälte U + C berufen sich lediglich auf das Urteil des Amtsgerichts Leipzig im Fall kino.to. Dort ging es aber um die Verantwortung von Betreibern einer Streaming-Plattform, nicht um deren Nutzer. Die Abmahner vergleichen hier Äpfel mit Birnen.

Selbst wenn man die Rechtslage bei Streaming-Angeboten als umstritten ansieht, ist die Vorgehensweise, nicht erst in einem Musterprozess die Rechtslage zu klären sondern sofort massenweise Abmahnungen zu verschicken, skandalös. Hinzu kommt, dass bei Streaming-Angeboten abgesehen von der Rechtsunsicherheit auch noch schwerer festzustellen ist, ob es sich überhaupt um ein illegales Angebot handelt. So finden sich beispielsweise auf YouTube zahlreiche ohne Zustimmung von Rechteinhabern hochgeladene Inhalte, die gleichzeitig von ebendiesen Rechteinhabern monetarisiert werden (vgl. auch eine diesbezügliche Studie von Paul Heald). Ist das eine illegale Quelle? Woher sollen Nutzer von Streaming-Angeboten wissen, welche von Nutzern hochgeladenen Videos sich dort mit Tolerierung der Rechteinhaber befinden und bei welchen Videos das nicht der Fall ist?

Die Vorgehensweise der Kanzlei U+C ist aber noch aus zwei weiteren Gründen abzulehen: So ist bislang unklar, wie die Kanzlei überhaupt an die IP-Adressen der Nutzer gelangt ist, die wiederum die Basis für Auskunftsansprüche und damit Abmahnungen darstellt. Die Spekulationen reichen von Malware über Weiterleitungen ähnlichlautender Domains, wie Christian Solmecke schildert:

Möglicherweise haben die Abgemahnten die Domain redtube . net aufgesucht und wurden darüber auf redtube . com weitergeleitet, so dass auf diese Weise die IP-Adressen protokolliert werden konnte.

Achim Sawall berichtet bei Golem.de über die Möglichkeit von sogenannten Honeypots, die über eine offene Schnittstelle des Anbieters eingeschleust worden sein könnten. Egal wie die Daten tatsächlich beschafft wurden, ein datenschutzkonformes Vorgehen ist wohl eher auszuschließen. [Update, 22:46] Torsten Kleinz hat mich noch auf weitere Theorien bezüglich der Herkunft der Daten bei der Anwaltskanzlei Weiß & Partner hingewiesen, wonach diese auch über die gezielte Buchung von Werbung auf der Seite erfasst worden sein könnten. Die nächsten Tage werden hier aber wohl für Klarheit sorgen [/Update]

Der eigentliche Skandal ist deshalb die Anordnung zur Herausgabe der Nutzerdaten durch das Landgericht Köln. Dass man hier trotz mehr als fragwürdiger rechtlicher Begründung und ebenso fragwürdiger Beschaffung der IP-Adressen, die Telekom zur massenweisen Herausgabe von Nutzerdaten verpflichtet hat, ist schon erstaunlich.

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December 06 2013

Facebook: Neues Patent analysiert soziales Netzwerk um unberechtigte Inhalte zu finden

FBAnfang dieser Woche wurde Facebook ein neues Patent zugesprochen, das auf folgenden, wohlklingen Namen hört: Using Social Signals to Identify Unauthorized Content on a Social Networking System. Der Name ist Programm. Statt den Inhalt selbst zu analysieren, analysiert man das soziale Netzwerk in dem der Inhalt geteilt wird: Welche Nutzer sind involviert? Wie weit sind diese geografisch verstreut? welche Websites wurden im Zusammenhang mit dem Inhalt betrachtet? Auf welchen Geräten wurde der Inhalt geöffnet? Und noch vieles mehr. Mit den “sozialen Signalen”, die unterschiedlich gewichtet werden, wird dann ein Wert berechnet. Sollte dieser über einem bestimmten Schwellwert liegen, geht man davon aus, dass es sich um Material handelt, das gegen die Nutzungsbestimmungen der Plattform verstößt. Dies wird dann gelöscht oder nochmals durch Mitarbeiter gesichtet. All das ist natürlich möglich, da man sowieso schon so viel über die Nutzer des Netzwerkes weiß.

Users have been voluntarily divulging more of their personal information, such as their friends, geographic location, preferred television shows and movies, hobbies, and activities to social networks… 

Das System geht aber noch weit. Da man dem Nutzer ja durch das Netz folgt – ganz gleich, welche Websites besucht werden – weiß man viel mehr, als im sozialen Netzwerk geschieht. Selbst, wenn man Facebook nicht seine Hobbies, Lieblingsfilme oder -autoren verrät, kann Facebook dies sehr wohl wissen, indem die Websites analysiert werden, auf denen man sich bewegt.

The social networking system can also record the user’s browsing activity on external websites as long as those websites were accessed through links posted on the network. All of this additional information is also recorded in connection with the user’s profile and can be used to supplement the information that the user provides voluntarily. For example, some users decline to list their preferred movies and television shows on their profiles, but the social networking system can predict their preferences by recording the applications, pages, and external websites that they interact with while they use the social networking system.

All das klingt natürlich stark nach bekannten Taktiken der Kreditvergabe. Vor allem sollte es einem vor Augen halten, wie viele Daten und vor allem aussagekräftige Rückschlüsse man mittlerweile schon aus den in sozialen Netzwerken akkumulierten Daten man ziehen kann. Erst letzte Woche berichteten wir über Googles neues Patent, das Kommunikation und Aktivitäten in sozialen Netzwerken nutzt, um für den Nutzer ein Ghostwriter zu sein. Weiterhin wollen Twitter und Google fortan den Nutzer über alle Geräte verfolgen – somit werden auch hier immer mehr Daten generiert.

Viel zu viele Menschen denken immer noch, dass sie es in der Hand haben, wie viele Daten über sie in sozialen Netzwerken generiert werden – indem man nur selektiv Bilder tauscht, nicht den echten Namen verwendet oder ein Fake-Profil anlegt. Gerade die in letzter Zeit veröffentlichten Patente sollten zeigen, wie naiv dieses Denken ist. Allein, durch das Nutzen eines sozialen Netzwerkes werden Daten generiert und die Verknüpfung selbiger hat ungeahnte Ausmaße angenommen, die sich jeglicher Nutzerkontrolle entziehen. Der Preis, den man für die Nutzung dieser Netzwerke zahlt wird immer größer. Fragt sich nur, wann dass die Masse der Nutzer versteht.

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Erste Abmahnungen für das Streaming von Pornos verschickt

abmahnstatistik

Abmahnstatistik der letzten Jahre (in Tausendern) CC BY-NC-ND 3.0

Die Abmahnzahlen wegen Urheberrechtsverstößen sind stark rückläufig, das zeigt auch die nebenstehende Grafik der Interessensgemeinschaft gegen den Abmahnwahn (IGGAW). Das gefällt den Abmahnanwälten logischerweiße gar nicht. Die Regensburger Kanzlei U+C hat daher einen neuen Weg beschritten und im Auftrag von The Archive AG Nutzer der Pornoplattform RedTube abgemahnt, die sich die Filme „Amanda’s Secret“ oder „Miriam’s Adventure“ angesehen hatten, berichtete gestern die Kanzlei GGR Rechtsanwälte. U+C steht im IGGAW-Bericht 2012, aus dem auch die obige Statistik stammt, mit 2,54% Anteil zwar “nur” an Platz 14 der fleißigsten Urheberrechtswächter 2012, interessant ist aber, dass sie 2011 noch das 8,4-fache Abmahnvolumen hatten. Der Durchschnittsrückgang über alle Kanzleien lag in diesem Zeitraum lediglich bei ca. 50%.

Aberwitzig ist die zu der Abmahnung gelieferte Kostenzusammensetzung des geforderten Betrages von 250,00 Euro. Denn die besteht nur zu 15 Euro aus Schadensersatz. Der Rest ist Gebühr für Anwälte, Ermittlungen und Post. GGR empfiehlt, der Abmahnung nicht nachzukommen, da die Rechtmäßigkeit der IP-Adress-Ermittlung bisher nicht nachgewiesen ist. Außerdem muss den Anwälten zufolge noch geklärt werden, ob das Streaming auf Plattformen, auf denen auch viele Amateure Videos hochladen, generell unter dem Recht auf Privatkopie stehen könne (§ 53 UrhG) oder ob Streamen nicht einem vorübergehenden Vervielfältigen als “rechtmäßige Nutzung” entspräche (§ 44a UrhG).

Neben der Absurdität dieser Abmahnpraxis wären die möglichen Folgen, wenn sich ein solches Vorgehen etabliert und durchsetzt, verheerend. Dann träte bei vielen vermutlich eine massive Selbstzensur ein, die selbst das Betreten von Video-Plattformen wie Youtube oder Vimeo unterbinden würde, da man jederzeit – ob willentlich oder nicht – urheberrechtlich geschütztes Material aufrufen könnte.  In schlimmster potentieller Konsequenz bedeutet das den Tod der, auch vielen legalen, Video- und Audioinhalte im Netz.

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Mit dem DMCA gegen Lucas Cranach den Älteren

Lucas_Cranach_d.Ä._-_Fürst_Johann_von_Anhalt_(Jagdschloss_Grunewald)

Eines der in der DMCA-Notice aufgeführten Bilder: Portrait aus ~1520

Lucas Cranach der Ältere gilt als einer der bedeutendsten Maler des 16. Jahrhunderts. Leider ist er schon 460 Jahre tot – was allerdings unter urheberrechtlichen Gesichtspunkten gar nicht so schlecht ist, denn 460 ist mehr als 70 und wenn ein Künstler mehr als 70 Jahre lang tot ist, dann wird die von ihm geschaffene Kunst in der Regel für die Allgemeinheit wesentlich zugänglicher.

Das Cranach Digital Archive (CDA) in Düsseldorf ist, was das Zugänglichmachen der Werke angeht, eine besonders lobenswerte Einrichtung, hat sie sich doch zum Ziel gesetzt, den Erhalt, die Erschließung und den Zugang zu Cranachs Bildern zu fördern und zu verbessern. Mit einigem Aufwand werden darum hochauflösende digitale Fotos angefertigt.

Löschbestrebungen

Viele der angefertigten Bilder wurden zwischenzeitlich auch bei Wikimedia Commons hochgeladen, wo sie dank Einbindung bei u.a. Wikipedia eine größtmögliche Verbreitung finden.

Hier endet der schöne Teil der Geschichte.

Vor fast genau einem Jahr meldete sich bei Commons ein Benutzer mit dem Namen “Cranach Digital Archive” an und stellte innerhalb kurzer Zeit 24 Löschanträge auf Bilder des alten Meisters. Die Begründung lautete dabei jedesmal

ILLEGAL COPY AND DISTRIBUTION

Der Account wurde umgehend gesperrt und die Löschanträge abgelehnt, oft mit der Begründung, dass das blosse Scannen oder Fotografieren eines public-domain-Bildes kein neues Copyright schafft:

speedy kept, there’s no new copyright for scanning/photographing an out-of-copyright (due to age, author died several hundred years ago) source medium. Thus the image offered at the Cranach archive is PD

Ein Jahr später ging nun bei der Wikimedia Foundation in San Francisco eine DMCA-Takedown-Notice ein (hier dokumentiert). Darin heisst es:

I swear under penalty of perjury that I am the copyright holder according to German law.

Urheber eines sorgfältig ausgewählten Bildausschnitts

cda_logo

CDA-Logo

Das Cranach Digital Archive, zu dessen Partnern u.a. die Staatlichen Museen zu Berlin und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen gehören, fordert darin für vier verschiedene Dateien aus vier verschiedenen urheberrechtlichen Gründen unterschiedlicher Absurditätsgrade eine Löschung: In dieser Datei sei das geschützte Logo enthalten. Diese Datei sei kein Foto sondern eine Infrarot-Reflektografie. Diese Technik erfordert angeblich “keinen großen Zeit- und Platzbedarf und [kann] sowohl in Ausstellungsräumen als auch in Werkstätten u.ä. durchgeführt werden”.

Bei dieser Datei sei man Inhaber des sorgfältig ausgewählten Bildausschnitts und bei dieser habe man die Rechte an den beigefügten Metadaten. Wikimedia reagierte umgehend, ignorierte die ersten drei Ansprüche aktiv und lud die letzte Datei ohne die Metadaten nochmal hoch. Diese kann man nun nurnoch in der DMCA-Notice auf wikimediafoundation.org lesen, bis gegen die DMCA-Notice eine DMCA-Notice eintrifft.

Leider war am Donnerstag in Düsseldorf niemand für Nachfragen zum Vorgehen zu erreichen und bei der assoziierten Stiftung Museum Kunstpalast hatte man keine Informationen zum Vorgang.

All the 15th century books are belong to us!

Der Archivar Klaus Graf dokumentierte in seinem Blog am Mittwoch übrigens einen ebenfalls seltsamen Vorgang ähnlicher Güte. Graf hatte 2006 eine Seite aus dem Gutachten über den Bacharacher Pfarrwein aus dem Jahr 1426 hochgeladen, das im “Geheimen Hausarchiv” in München lagert. Die Generaldirektorin der Staatlichen Archive Bayerns fordert ihn nun auf, “nachträglich eine Veröffentlichungsgenehmigung zu beantragen oder die fragliche Seite aus dem Internet zu entfernen” und verweist dabei auf §8 der Bayerischen Archivbenützungsordnung, dem Zufolge Reproduktionen nur durch die Staatlichen Archive oder von ihnen beauftragte Stellen angefertigt werden und nur mit Genehmigung weitergegeben werden dürfen.

Die gefährlichen Bücher werden in Bayern also nur noch mit juristischem Gift versetzt, das ist schon mal ein Fortschritt.

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December 03 2013

“Singen im Advent” – Gemeinfreie Advents- und Weihnachtslieder zum Download

Coverbild Singen im AdventKopieren und Verbreiten erwünscht. Das ist das Motto für die vom Musikpiraten e.V. veröffentlichten gemeinfreien Notenblätter für die Advents- und Weihnachtszeit, die in diesem Jahr bereits in der dritten Auflage erscheinen.

Die Sammlung umfasst insgesamt über 50 populäre Lieder von “Alle Jahre wieder” über “Ihr Kinderlein kommet” bis hin zu “Zu Bethlehem geboren”.

Da die Urheber der Lieder bereits seit über 70 Jahren verstorben sind, dürfen alle Noten kostenfrei gesungen, kopiert und verbreitet werden. Und das ist ausdrücklick willkommen.

Die Notensammlung kann kostenlos heruntergeladen werden oder bei epubli.de in gedruckter Form zum Herstellungspreis von 6,67€ bestellt werden.

Die meisten der neu aufgenommenen Lieder sind der “Ebersberger Liedersammlung” entnommen, einige wurden aus alten Liederbüchern übertragen.
Enthaltene Stücke:

A B C, die Katze lief im Schnee
A, a, a, der Winter, der ist da
Aber heidschi, bumbeidschi, schlaf lange
Alle Jahre wieder
Als ich bei meinen Schafen wacht’
Am Weihnachtsbaume die Lichter brennen
Auf, auf, ihr Hirten!
Der Christbaum ist der schönste Baum
Der Christbaum ist der schönste Baum (Mehrstimmig)
Der Heiland ist geboren
Ein sehr harter Winter ist
Empor zu Gott, mein Lobgesang
En gardant ma bergerie
Es ist ein Ros’ entsprungen
Es ist ein Ros’ entsprungen (Mehrstimmig)
Es kommt ein Schiff geladen
Es wird scho glei dumpa
Es ziehn aus weiter Ferne
Freut euch, ihr lieben Christen
Fröhliche Weihnacht überall
Herbei, o ihr Gläub’gen – Adeste Fideles
Herbei, o ihr Gläub’gen – Adeste Fideles (Mehrstimmig)
Ich lag und schlief, da träumte mir
Ich steh an deiner Krippe hier
Ich steh an deiner Krippe hier (Mehrstimmig)
Ihr Kinderlein kommet
In dulci jubilo
Jingle Bells
Joseph, lieber Joseph mein
Kling, Glöckchen, klingelingeling
Kommet, ihr Hirten
Lasst uns froh und munter sein
Leise rieselt der Schnee
Macht hoch die Tür
Maria durch ein Dornwald ging
Morgen kommt der Weihnachtsmann
Morgen, Kinder, wird’s was geben
O Tannenbaum
O du fröhliche
Schneeflöckchen
Sei uns willkommen
Still, still, still
Stille Nacht, heilige Nacht
Süßer die Glocken nie klingen
Tochter Zion, freue dich
Tochter Zion, freue dich (Mehrstimmig)
Vom Himmel hoch, da komm’ ich her
Vom Himmel hoch, ihr Englein kommt
Was soll das bedeuten
We Wish You A Merry Christmas
Winter ade
Zu Bethlehem geboren

Für etwaige weitere Projekte stehen auch die Rohdaten des Buches bei github zur freien Verfügung. Über eine Spende zur Finanzierung weiterer solcher Projekte freuen sich die Musikpiraten bestimmt.

(Coverbild cc-by-sa, Sven Scholz)

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November 26 2013

EU-Richtlinie: GEMA & Co müssen Creative Commons erlauben

Im zuständigen Rechtsausschuss JURI des EU-Parlaments wurde heute einstimmig die finale Fassung (PDF, Fettdrucke sind Änderungen zum Kommissionsentwurf) der EU-Richtline zu Verwertungsgesellschaften verabschiedet, die Verabschiedung im Plenum im Februar 2014 ist damit nur noch Formsache. Hauptziel der Richtlinie ist es, die Lizenzierung von Musikstücken europaweit zu vereinfachen, indem nicht mehr in jedem einzelnen Land separat die Nutzungsrechte mit den Verwertungsgesellschaften ausgehandelt werden müssen (vgl. Stefan Krempl bei heise.de).

Bislang eher wenig beachtet aber folgenreich ist die erst im Rahmen des parlamentarischen Verfahrens eingefügte Bestimmung in Artikel 5, Absatz 2a:

Rightholders shall have the right to grant licences for the non-commercial uses of the rights, categories of rights or types of works and other subject matter of their choice.

by-ncMit dieser Bestimmung fordert die EU-Richtlinie, dass Mitglieder von Verwertungsgesellschaften das Recht haben müssen, Lizenzen für nicht-kommerzielle Nutzung ihrer Werke zu vergeben. Das bedeutet, dass Mitglieder von Verwertungsgesellschaft nach Umsetzung der Richtlinie durch die Mitgliedsstaaten zumindest das Recht haben werden, Werke unter solchen Creative-Commons-Lizenzen zu veröffentlichen, die kommerzielle Nutzung vorbehalten. Konkret sind das all jene Lizenzen, die auf das NonCommercial(NC)-Lizenzmodul setzen.

Gerade unter professionellen Kunstschaffenden, die zu allergrößten Teilen Mitglied in Verwertungsgesellschaften wie der GEMA sind, ist erst durch diese anstehende Änderung die Nutzung von Creative Commons quasi “offiziell” möglich. Bisher durften GEMA-Mitglieder keine einzige Creative-Commons-Lizenz verwenden (vgl. John Weitzmanns Beitrag bei irights.info “Doppelt überkreuz: Die GEMA und Creative Commons“). Selbst für kostenlose Streamingangebote eigener Songs auf der eigenen Webseite muss derzeit noch eine Ausnahmegenehmigung eingeholt werden.

Die Richtlinie schreibt mit dieser Bestimmung den Verwertungsgesellschaften auch eine zumindest partielle Abkehr von dem nicht mehr zeitgemäßen Prinzip vor, Ausnahmen nur für bestimmte Verwertungsarten (z.B. Online-Verwertung) vorzusehen. Angesichts der fortschreitenden Medienkonvergenz, wo auch Rundfunk mehr und mehr via Internet verbreitet wird, ist diese Unterscheidung immer weniger praktikabel.

Für die Akzeptanz und wohl auch die Verbreitung von Creative Commons ist diese Richtlinie ein großer Schritt in die richtige Richtung. Und vielleicht warten Verwertungsgesellschaften wie die GEMA nicht erst auf die nationalstaatliche Umsetzung der Richtlinie, sondern beginnen schon davor damit, ihren Mitgliedern die Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen mit NC-Modul zu erlauben – von diesbezüglichen Überlegungen hat jedenfalls GEMA-Justiziar Tobias Holzmüller auf einem Panel im Rahmen des diesjährigen Reeperbahnfestivals erzählt.

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November 25 2013

Remixer #26 Anders Ramsell: “Oft trifft man auf eine Wand des Schweigens”

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Anders Ramsell.

AndersRamsell

Anders Ramsell

Anders Ramsell lebt in Stockholm and hat diesen Herbst mit seinem Kunststudium an der Konstfack Universität begonnen. Unter seinen jüngsten Arbeiten findet sich “Blade Runner – Die Aquarell-Edition“, welche aus 12 597 handgemalten Aquarellmalereien besteht, die sämtliche rund 1,5*3cm groß sind. Zusammen bilden sie eine 35 Minuten lange Paraphrase des Films Blade Runner (1982) von Ridley Scott.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ein großartiger Remix fügt ein neues Aroma hinzu und fördert etwas unerwartetes zu Tage.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Tatsächlich habe ich abgesehen von “Blade Runner – The Aquarelle Edition” noch nicht viel mit den Werken anderer gearbeitet. Ich habe ein paar Bilder nachgemalt (Tusche auf Leinwand), die man auf andersramsell.com findet. Der Grund dafür diese Bilder zu malen – wobei, da gab es eine Menge an Gründen – aber um einen zu nennn, war, dass ich etwas schaffen wollte das mir selbst gefällt. Nicht nur ein schönes Gemälde sondern auch etwas, das genauso faszinierend ist wie die originale Fotographie. Das ist sehr wichtig, weil wenn es Dir selbst nicht gefällt, wem soll es dann gefallen?

Hast Du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Nein.

Wurdest Du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen Deiner künstlerischen Tätigkeit? 

Nein, hatte ich nicht – bislang jedenfalls.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Nun, ich glaube, das könnte eine gute Idee sein. Vielleicht würde es einfacher werden mit den Urhebern der Originale in Kontakt zu treten anstatt auf eine Wand des Schweigens zu treffen.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix? 

Ich mach Videospiele! Also kann ich nicht widerstehen, diesen Remix vorzuschlagen…

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Auf right2remix.org findet sich auch das englische Originalinterview.

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November 21 2013

Zwei Keynotes, zwei Welten: Sibylle Lewitscharoff und Katharina Hacker über digitale Bücher

Sybille Lewitscharoff (von Lesekreis, CC0, via Wikimedia Commons)

Sybille Lewitscharoff (von Lesekreis, CC0, via Wikimedia Commons)

Am Mittwochabend dieser Woche eröffnete Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff die sechste internationale Buchmesse “Buch Wien“. In ihrer Keynote hielt sie, laut Buch Wien, “ein flammendes Plädoyer für das Lesen gedruckter Bücher im digitalen Zeitalter” und kritisierte, wie der österreichische Rundfunk (ORF) prominent berichtet, Online-Versandhändler Amazon scharf:

“Amazon bezahlt keine Steuern in den Ländern, in denen dieser widerliche Club eine Menge Geld verdient, er bezahlt seine Angestellten empörend schlecht, ruiniert die Buchhändler und zunehmend auch die Verlage.”

Lewitscharoffs Kritik an Steuervermeidungsstrategien wie dem “Double Irish With a Dutch Sandwich” und schlechten Arbeitsbedingungen mag berechtigt sein, auf Internetkonzerne lässt sie sich aber wohl kaum beschränken. Die Krise des stationären Buchhandels hat allerdings durchaus mit digitalem Wandel zu tun. Selbiges gilt für die Krise des Urheberrechts, die Lewitscharoff ebenfalls thematisiert:

“Ebenso katastrophal wie die mir verhasste Firma sind tumbe neue politische Gruppierungen, deren oberstes Ziel es ist, die Urheberrechte zu schleifen und gleich alles kostenlos ins Netz zu stellen.”

Schließlich bedauert Lewitscharoff:

“Das elektronische Buch wird wohl so schnell nicht mehr verschwinden. An diese Art des Lesens werde ich mich jedoch nicht gewöhnen.”

Folgerichtig sei, wie orf.at berichtet, die Vergangenheit ein schöneres Thema als die Zukunft des Buches.

Katharina Hacker (von NetzJ, via Wikimedia Commons)

Katharina Hacker (von NetzJ, via Wikimedia Commons)

Knapp zwei Wochen vor Lewitscharoff hielt die ebenfalls preisgekrönte Autorin Katharina Hacker auch eine Keynote zum Buch, genauer zu “Chancen der Digitalisierung für die Verbreitung und Wahrnehmung anspruchsvoller Literatur“ im digitalen Zeitalter anlässlich der Konferenz E:Publish in Berlin. Katharina Hacker ist eine jener zehn prominenten AutorInnen, die unter Fiktion.cc mehr Aufgeschlossenheit gegenüber digitalem Publizieren einfordern (vgl. “Unerwartet offene Briefe: Bewegung in der Urheberrechtsdebatte“).

Auf Fiktion.cc hat sie jetzt auch das Manuskript ihres Vortrags veröffentlicht, und sie zeichnet darin ein völlig anderes Bild als Lewitscharoff:

Die Autoren, die Fiktion unterstützen, setzen sich von dem Aufruf “Wir sind die Urheber” ab. Uns treibt nicht die Sorge, es könnten Inhalte im Netz kostenlos – an uns vorbei – verbreitet werden, sondern die, dass unsere Art des Schreibens und Nachdenkens marginalisiert wird, in Folge sowohl wirtschaftlich als auch kulturell derart abseitig erscheint, dass wir von unserer Arbeit nicht mehr leben können.

Digitalisierung und Internet ist für Hacker hier aber viel mehr Chance als Bedrohung. Vor allem für anspruchsvolle Lyrik sieht Hacker vor allem neue digitale Möglichkeiten:

Allerlei hat sich herausgeschält: wer Lyrik liest, kann gar nicht dankbar genug sein für die Möglichkeiten, die das Netz geschaffen hat. Lyrik erwähne ich aus drei Gründen. Erstens ist die Lyrik-Szene nicht nur in Deutschland gerade besonders lebendig, und das Niveau ist wunderbar. Womöglich profitiert die Lyrik von den Veränderungen? Sie scheint eine fruchtbarere Zeit zu haben als die Prosa. Zweitens haben sich im Netz, aber auch durch das Netz Gruppen gebildet, mehr als das, die Autoren tauschen sich untereinander und mit Lesern aus (ich finde es gleichgültig, ob im Netz oder im Café). Drittens steht Lyrik – meist zu Recht – für knapp formulierte und komplexe Texte, anders gesagt, für Konzentration und Komplexität.

Ganz allgemein geht es für Hacker bei Literatur darum zu zeigen, “wie mannigfaltig und erstaunlich die Welt ist [...] sei es auf einem Lesegerät, sei es in einem Buch.”

Was die beiden Eröffnungsvorträge eint, ist die Begeisterung für und die Sorge um anspruchsvolle Literatur. Was sie trennt ist aber nicht nur Kulturpessimismus bzw. -optimismus, sondern auch ein unterschiedlicher Grad an Differenziertheit. Während Hacker die Initiative Fiktion explizit als “respektvolle Ergänzung traditioneller Verlage” bezeichnet, nennt Lewitscharoff Urheberrechtskritiker “tumb” und schwingt die Kostenloskulturkeule.

Der Vergleich macht sicher: Für die Eröffnung der siebten internationalen Wiener Buchmesse 2014 würde sich jemand aus dem Kreis der Initiative Fiktion empfehlen.

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Reposted bymarroh marroh

November 20 2013

Remixerin #25 Electric Indigo: “‘Recht auf Remix’ hört sich erfrischend an”

Logo von electric:indigo

Logo von electric:indigo

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Electric Indigo.

Electric Indigo arbeitet seit 24 Jahren als DJ und macht seit 20 Jahren Musik. Als DJ spielt sie abstrakten, vielen Leuten eher düster erscheinenden Techno, dessen Strukturen von geradlinig über gebrochen bis zu beatfrei gehen. Als Musikerin und Komponistin verfolgt sie größtenteils eine experimentellere Richtung. Sie beschäftigte sich in den letzten Jahren sehr viel mit granularer Resynthese von gesprochener Sprache und der Dekonstruktion von Rhythmen und Klängen im Allgemeinen. Außerdem spielt die gezielte räumliche Verteilung von musikalischen Elementen eine sehr wichtige Rolle in ihren Werken.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Nur in Auftragsarbeiten. Ich mache gerne Remixes für Kolleginnen und Kollegen. Dabei versuche ich mit meist wenigen aber signifikanten Elementen des Originals eine für mich typische Version zu schaffen. Das gelingt mir in der Regel mittels (granularer) Dekonstruktion.

Du veröffentlichst teilweise auch Musik unter einer Creative-Commons-Lizenz und erlaubst damit anderen, sie zu remixen. Hast Du keine Angst, dass Leute damit Dinge tun, die Dir nicht gefallen?

Als GEMA-Mitglied darf ich das eigentlich nicht. Deshalb sollte man das nicht an die allzugroße Glocke hängen. Die CC-Lizenz setzt natürlich das Vertrauen voraus, dass sie auch eingehalten wird. Ich habe ein paar wenige Stücke und einige Sounds unter der Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Unported Lizenz der female:pressure Community zur Verfügung gestellt. Nein, ich habe keine Angst davor, dass deswegen jemand etwas ungutes damit macht. So was kann sowieso passieren. Auch wenn andere Leute meine Platten spielen, passiert das in einem von mir nicht kontrollierbaren Kontext und könnte völlig daneben sein. Sobald ein Werk veröffentlicht wird, entzieht es sich mehr oder weniger der Kontrolle und geht im besten Fall in eine Art Allgemeingut über.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ein guter Remix ist eine überzeugende Neuinterpretation und kann dem Original oder der zugrunde liegenden Version zusätzliche Dimensionen verleihen. Er greift Ideen auf und führt sie auf originelle Art weiter.

Hast Du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Nein. Ich arbeite nur mit Samples, wenn ich einen Remix machen soll – dann ist das natürlich erwünscht. Ich habe beim Musik Machen schon immer größte Freude bei der Suche nach Sounds empfunden.

Wurdest Du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen Deiner künstlerischen Tätigkeit? 

Ein SoundCloud-Bot hat einmal eine Verwarnung geschickt, die völlig unbegründet war. Der einzige Zusammenhang zwischen meinem, angeblich ein Copyright-Infringement darstelltenden Track und dem “Original” war, dass beide auf der gleichen Compilation erschienen sind. Die SoundCloud-Admins haben auch sehr schnell auf meine Antwort und Klarstellung reagiert und gaben meinen Track gleich wieder frei. Das ganze Prozedere – von Verwarnung bis zur erneuten Freigabe – dauerte nur etwa 2 Stunden. Das war das einzige Erlebnis dieser Art.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Ich finde, eine Vergütung sollte nur für kommerziellem Gebrauch gefordert werden. “Recht auf Remix” hört sich ganz erfrischend an. Die Frage ist aber natürlich, wie das gestaltet sein soll, wer soll wen vergüten, wie kann es exekutiert werden.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

“Queen In My Empire” von Rhythm & Sound with Jennifer Lara…

…das ist eine Neugestaltung von Cornell Campbell’s “King In My Empire”:

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative ‘Recht auf Remix‘, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet.

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Reposted byminderleister minderleister

November 18 2013

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