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September 25 2013

Twitter kauft MoPub und Online-Werbung weiß auf einmal richtig viel

square-mopubKurz vor der Bekanntgabe des Börsengangs hatte Twitter eine vielleicht viel entscheidendere Nachricht auf dem Blog veröffentlicht – die Übernahme von mopub für rund 350 Millionen USD. Das vor drei Jahren gegründete Unternehmen lässt sich am besten als Handelsplattform für Online-Werbung auf iOS und Android Geräten beschreiben. Durch die Akquisition könnte es Twitter in Zukunft möglich sein wahrlich “personalisierte” Werbung zu verkaufen und dafür entsprechend Geld zu verlangen. Als eines von wenigen Unternehmen im Netz kann Twitter seine Nutzer über alle Endgeräte identifizieren und verfolgen: Man nutzt Twitter am Handy, Tablet, Laptop oder PC. Da Twitter-Buttons mittlerweile ähnlich häufig anzutreffen sind wie Facebooks Like-Buttons und jeder Button Twitter darüber informiert, dass ein Twitter-Nutzer gerade auf der Seite ist, erlangt das Unternehmen mittlerweile ein sehr lückenloses Bild über die Interessen, Vorlieben und Eigenschaften – kurz, das digitale Leben – seiner Nutzer. Für ein Unternehmen das sich rein durch Werbung finanziert ist dieses Wissen eine Goldgrube – die Frage ist nur, wie man die Informationen über die Nutzer in Geld Gold verwandelt. Genau hier kommt mopub ins Spiel.

Bisher nutzt Twitter diese Daten kaum und setzt vor allem auf drei simple Werbemittel. Zum einen wären da Promoted Tweets, die von jedem erkauft werden können und im Feed bestimmter Nutzer auftauchen. Dann gibt es noch die Möglichkeit sich einen Platz in den Twitter Trends zu erkaufen – Promoted Trends. Der Preis variiert hier je Land – um für einen Tag in den USA auf der Top Trends Liste zu stehen, muss man etwa 200.000USD an Twitter zahlen. Die dritte Möglichkeit ist, sich einen Platz in der Liste von Accounts zu erkaufen, die Twitter dem Nutzer zum Verfolgen vorschlägt. Letztlich gibt es dann noch Twitter Amplify – eine Kooperation zwischen Fernsehsendern und Twitter. All diese Werbemaßnahmen sind simpel und relativ ungenau.

Wie kann es also sein, dass Antonio Garcia (Entwickler von Facebook Exchange oder FBX – Facebooks Re-Targeting Marktplatz) davon spricht, dass Twitter durch den Einkauf von mopub nun den “heiligen Gral” der Online-Werbung in den Händen hält? Wir hatten schon erwähnt, dass Twitter als eines von wenigen Unternehmen Identitäten über verschiedene Endgeräte verfolgen kann. Nehmen wir an, man liest einen Testbericht über das neuste Samsung Smartphone auf seinem Laptop. Dann ist man unterwegs und sucht mit dem eigenen Handy nach mehr Infos und schaut in Online-Shops wie viel das neue Samsung Smartphone kosten würde. Abends liegt man auf der Couch und spielt mit dem Tablet Angry Birds. Samsung wäre bereit viel Geld dafür zu bezahlen um genau in diesem Moment im Werbebanner in Angry Birds aufzutauchen. Twitter hat all diese Daten, da die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass man auf all diesen Endgeräten Twitter benutzt – vorausgesetzt man nutzt es überhaupt. Dank MoPub kann dieses Wissen nun in Echtzeit (Real-Time Bidding) gehandelt werden.

Es geht nicht darum, dass zukünftig mehr Werbung in Twitter-Feeds eingeblendet werden wird. Sondern dass Twitter eines der wenigen Unternehmen ist, dass Nutzer im gesamten Netz und über alle Endgeräte tracken kann. Mit MoPub kann es diese Fähigkeit bzw. dieses Wissen nun zu Geld machen, indem es MoPubs Marktplatz mit Nutzer-Daten speist. Dadurch kann Werbung gezielter (bisher) auf mobilen Endgeräten eingeblendet werden und dadurch sind die werbenden Unternehmen bereit mehr für die Werbung zu bezahlen, da sie mehr Umsatz generiert. Durch Twitter werden bei MoPub entscheidende Lücken geschlossen, da im Falle eines Twitter-Nutzers nun jegliche Online-Aktivitäten zielsicher mit einer bestimmten Person verknüpft werden können – ganz gleich, welches Endgerät die Person benutzt. Das kann kein anderes Unternehmen. Ob das nun der heilige Gral ist, oder einfach ein nächster, wichtiger Schritt für Online-Werbung, sei dahingestellt.

Doing that, they have within reach that heretofore unattainable Holy Grail of marketers: a permanent, stable, and immutable key that identifies everybody online, on every device, all the time.

Wikipedia beschreibt Real-Time Bidding folgendermaßen:

A user heads to a page on a website (the “publisher”), causing it to start loading. In the same instant the website (“publisher”) sends out a “bid request” to thousands of potential advertisers saying, “We’ve got this user who is 30, Indian, male and based in New Jersey, US, and recently searched for return air tickets to Delhi, opening a page on our site. How much are you willing to bid for being the only ad on this page?” Within about 100 milliseconds the publisher receives bids from different advertisers, which in turn analyzes the group to determine both the highest bidder and the brands being advertised. The winner is alerted by the publisher and allowed to place its ad on the page.

Twitter kann den potenziellen Käufern nun exakt sagen, um wen es sich handelt – ganz gleich welches Endgerät derjenige benutzt. Dadurch gibt es keine “Lücke” mehr, da man denselben Nutzer immer wieder identifizieren kann, somit mehr über ihn weiß und somit mehr für die Werbung verlangen kann. Google hatte übrigens gerade dieses Frühjahr Open Bidder in die Beta-Phase geschickt – ein fully customizable toolkit for building real-time bidding applications.

Vor allem wegen des geplanten Börsengangs von Twitter gab es natürlich die wildesten Prognosen, wie viel Umsatz Twitter nun mit Werbung allein dieses Jahr generieren wird – hier findet man alles zwischen 600 Millionen bis rund 900 Millionen USD. Viel wichtiger scheint jedoch die Frage, ob diese Art von Online-Werbung (aus Sicht des Nutzers) überhaupt erstrebenswert ist. Twitter erhebt ja nicht plötzlich mehr Daten, sondern hat einfach einen Weg gefunden, die bisherigen Daten besser zu Geld zu machen – was Grundlage und Ziel jedes “kostenlosen” Online-Dienstes darstellt. Wie auch Josh Harkinson von MotherJones anmerkt wird es viele Twitter-Nutzer sicher nicht stören, da Twitter eher als öffentliche Plattform statt privatem sozialen Netzwerk verstanden wird, und man wird sehr wahrscheinlich ‘Nein’ zum Tracking sagen können. Gleichzeitig besteht immer die Chance, dass diese Daten missbraucht werden, dass die Datenbank kompromittiert wird, dass sich die Geschäftsphilosophie von Twitter ändert. Wie genau sind wir bereit durchleuchtet zu werden, um weiterhin “kostenlos” Inhalte und Dienste im Netz zu genießen? Twitter und MoPub scheinen sich sicher zu sein, dass da noch viel Luft nach oben ist. (MoPub kooperiert auch mit Pacecast, die Standortbezogene Werbung ermöglichen)

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August 15 2013

Wir diskutieren ein potentielles Werbeformat und freuen uns auf Feedback (Update)

Seit einiger Zeit machen wir uns vermehrt Gedanken um die Refinanzierung unserer Redaktion. Das eigentliche Ziel dabei ist, dass wir die Redaktion mehr ausbauen wollen. Und dafür können wir nicht mehr weiter Minus machen. Wir haben den gesamten Prozess bisher öffentlich gemacht und haben das weiter vor.

Wir haben ein Angebot erhalten, als Medienpartner eines Online-/TV-Wahlformates täglich ein Video hier zu bringen. Das ist etwas vergleichbar mit dem “Jung und Naiv” – Format von Tilo Jung, was wir interessant fanden und wovon die meisten Folgen auch hier kommen. Der Unterschied zu dem Format: Wir finden das neue auch spannend, aber wir würden dafür auch Geld bekommen. Es geht zwar nicht um einen hohen Betrag, aber es ist schon vergleichbar mit 1,5 Monaten bei uns ein Banner schalten.

Wir haben das innerhalb der Redaktion diskutiert und sind noch zu keiner Entscheidung gekommen. Zu unserer unserer eigenen Einstellung gehört auch, solche Diskussionen transparent zu machen. Also machen wir das einfach.

Was spricht dafür, was spricht dagegen?

Dafür spricht, dass wir das Format interessant finden und es uns selbst anschauen. Ich werde in einer Folge der Protagonist sein und kenne die Kameras und die Personen dahinter deshalb schon. Die Inhalte werden unter eine Creative Commons Lizenz gestellt und wir würden wahrscheinlich einen Großteil der Folgen eh bloggen, weil es passt und Wahlkampf ist. Und wir keine Ressourcen haben, im Wahlkampf ein eigenes Videoformat zu machen, was wir aber gerne gemacht hätten. Es handelt sich auch nicht um PR-Texte von Krankenversicherungen oder Telekommunikationsunternehmen. Es wird über die Haushaltsabgabe von uns mitfinanziert.

Dagegen spricht, dass es irgendwie Paid-Content ist, wenn auch nicht aus der PR-Abteilung. Wir würden dafür bezahlt, dass wir jeden Tag die neueste Folge hier einstellen, Ihr müsste die neueste Folge irgendwie sehen (nicht ansehen, aber sie kommt im Nachrichten-Stream) und Euch schützt kein Adblocker davor. Natürlich würden wir dazu schreiben, dass wir Geld dafür erhalten. Aber deshalb haben wir Bauchschmerzen. Weil damit die klare klassische Trennung von Inhalt und Werbung verletzt würde.

Der aktuelle Fall ist eine grundsätzliche Fragestellung.

Das Angebot bringt jetzt keine Geldmassen, die wir unbedingt brauchen um zu überleben. Dank Eurer finanziellen Unterstützung durch Spenden und freiwillige Abos sind wir unabhängiger geworden. Das reicht zwar immer noch nicht ganz, um in eine größere Redaktion investieren zu können. Wenn alles so weiter läuft, kommt aber bald der Zeitpunkt, wo wir uns das leisten können. Wir wissen beispielsweise noch nicht, wie regelmäßig Spenden und freiwilligte Abos kommen oder ob jetzt alle mal was gezahlt haben, die uns immer schon einmal Geld geben wollten und das für einige Zeit nicht mehr machen wollen.

Wir haben bisher vieles offengelegt und dachten daher: Warum nicht auch mal eine Diskussion über dieses konkrete Angebot führen und dann erst entscheiden? Wir stellen uns die Frage: Spricht mehr dafür oder mehr dagegen, das Geld zu nehmen? Falls ja, bräuchten wir eine Art Kodex, um genau zu definieren, wann wir was wie annehmen? Wenn nein, bekommen wir heute ausreichend Spenden, um morgen das Angebot einfach ausschlagen zu können? :-)

Update:

Danke für das viele Feedback in den Kommentaren. Obwohl der überwältigende Teil damit keine Probleme hätte, sofern alles transparent abläuft, haben wir uns dazu entschlossen, das so nicht zu machen. Die Gründe sind etwas Kommunikationschaos mit dem potentiellen Partner auf der einen Seite (was sich erst offenbarte, als wir diesen Text veröffentlichten) und weiterhin Bauchschmerzen, dass wir selber solche Werbeformate woanders nicht mögen.

Wie läuft das derzeit mit Werbung bei uns?

Die letzten zwei Jahre kam ein Großteil der Einnahmen über die Vermarktung durch Zeit-Online. Die verkaufen war leider so gut wie keine Werbeflächen, dafür bekommen wir einen festen monatlichen Betrag. Das bezahlt zwar nicht einmal eine ganze Stelle, ist aber trotzdem mehr als wir immer wieder von Vermarktungs-Konkurrenten angeboten bekommen. Wir haben echt keine Lust auf Konsumgüter-Banner-Werbung im kleinen einstelligen Euro-Bereich für 1000er Einblendungen. Dann lieber arm sterben als sich weit unter Preis verkaufen und das Blog für diejenigen hässlich machen, die auf einen Adblocker (bei uns) verzichten, auch um uns mit zu finanzieren.

Dazu haben wir auch angefangen, einzelne Bannerplätze unabhängig an Sponsoren zu vermarkten. Im Moment findet sich rechts Bannerwerbung von Viprinet und unter den Artikeln eine Bannerwerbung vom Linuxhotel. Wer Interesse daran hat, hier Werbung zu schalten, kann uns gerne eine Mail an werbung@netzpolitik.org schicken.

Wir freuen uns über die Diskussion mit Euch.

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June 27 2013

Dradio Wissen: Ist Adblock Plus ein Produkt der Werbeindustrie?

Gestern berichtete Nicolas über einen Artikel von Sascha Pallenberg, in dem dieser behauptet dass die beliebte Browser-Erweiterung Adblock Plus ein Produkt der Werbeindustrie sei und als Erpressungwerkzeug gegen Webseiten genutzt werde. Auch Michael Gessat nimmt sich dieses Themas in der heutigen Webschau von DRadio Wissen an: “Mafia-Verhalten im Werbenetzwerk”.

Werbung im Internet polarisiert: Die einen sind auf sie angewiesen, die anderen entziehen sich ihr mit Werbeblockern, zum Beispiel mit Adblock Plus. Diesem Instrument wirft der Blogger Sascha Pallenberg nun aber vor, ein mafiöses Werbenetzwerk zu sein: Adblock Plus scheint eng mit Werbetreibenden zusammen zu arbeiten.

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June 26 2013

Adblock Plus: Ein Produkt der Werbeindustrie?

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Adblock Plus ist mit angeblich über 200 Millionen Downloads und 15 Millionen täglichen Nutzern eine der erfolgreichsten und meistgenutzten Browser-Erweiterungen auf dem Markt – für Firefox sowie für Googles Internetbrowser Chrome. Die Erweiterung dient dazu, Werbung auf Webseiten auszublenden. In einem ausführlichen Artikel auf mobilegeeks.de fügt Sascha Pallenberg dem Image von Adblock Plus einige tiefe Kratzer hinzu. Er behauptet unter anderem, dass die Browser-Erweiterung ein Produkt der Werbeindustrie sei und sie als Erpressungwerkzeug gegen Webseiten genutzt werde.

Insbesondere die Verstrickung der Mitarbeiter der Eyos GmbH, welche seit einiger Zeit für die Entwicklung von Adblock Plus zuständig ist, in ein Netzwerk aus verschiedenen Werbeplattformen, scheint auf Grund der Funktion von Adblock Plus ein wenig dubios.

Hinter diesem System stehen offenbar Programmierer bzw. eine Firma, die anscheinend seit laengerer Zeit von einem Mann finanziert wird, der gleichzeitig massiv in Werbefirmen investiert. In Werbefirmen, deren Vermarktungskonzept zufaellig exakt auf die von Adblock Plus “akzeptierten” Werbeformate zugeschnitten ist. Ein Mann, der andererseits – zumindest indirekt – mit Firmen wie Binlayer zusammenarbeitet, die den Einsatz eines Adblockers fuer viele Menschen erst noetig gemacht haben. Und so existiert es dann doch, das sagenumwobene Perpetuum mobile – Tim Schumacher hat es erfunden und keiner hat’s gemerkt.

Das vielleicht größte Problem ist, das Adblock Plus nahezu eine Monopolstellung im Bereich des Adblockings im Browser besitzt. Als Alternative für Firefox kann die Erweiterung Adblock Edge genannt werden, welche vor einiger aus Adblock Plus entstanden ist. Für Chrome gibt es das Addon Adblock. Wer ein bisschen tiefer in die Trickkiste greifen möchte und auch vor technischen Spielereien nicht zurückschreckt, dem sei ein Blick auf das systemweite Blockieren von Werbung mitteils Eintrag in die hosts-Datei nahe gelegt. Wer ein Smartphone mit Android samt Rootzugriff besitzt kann auf die Lösung AdAway zurückgreifen.

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Reposted byfbrmofo

April 19 2011

Klone unterstützen die Volkszählung

Ein schönes Beispiel, wie man mit Photoshop oder Gimp mal kurz Unterstützer multiplizieren kann, zeigt eine aktuelle Werbeanzeige für den Zensus 11. Das Original zeigt viele lächelnde Studenten in Deutschlandfarben und die Message wird überliefert: Deutschland braucht die Volkszählung, damit wir Morgen wissen, wieviel Studienplätze wir brauchen. Aber ich hoffe, dass die zukünftige Studienplatzberechnung besser als die Werbung funktioniert und zukünftig nicht jeder Student noch ein paar Klone ni die Uni mitbringt, wie die Werbung suggeriert:

Gefunden hab ich das gerade bei chriszim.com, das ich leider gerade via Twitter geddost habe. Das Original liegt wohl seit gestern bei Twitpic.

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March 31 2011

re:launch – Wir sehen neu aus

Was lange auf der To-Do-Liste stand, ist jetzt endlich mal in freier Wildbahn zu betrachten. Das Blog hat einen neuen Anstrich bekommen und wir haben auch endlich mal ein neues Logo. Das neue WordPress-Theme kommt von Linus (@linuzifer) (der sich viel mit wetter beraten hat) und das Logo hat uns Markus Angermeier (@kosmar) geschenkt. Einige neue Features sind auch dabei wie z.B. endlich mal die Möglichkeit, einen Artikel oben zu halten. HTML5 wird auch schon teilweise genutzt, das wollen wir noch ausbauen und möglichst alle Inhalte auch ohne Flash anbieten. Und alle Blogger und Bloggerinnen haben jetzt auch eine eigene Seite, wo auf eigenen Wunsch Kontaktmöglichkeiten, Transparenzhinweise und Links zu Twitter, etc. untergebracht werden können.

Auch neu ist mehr Werbung. Wir haben nie Werbung abgelehnt, wollten uns aber auch nie unter Wert verkaufen. Einige Jahre haben wir es über Adnation als Blog-Vermarkter versucht, aber als Politik-Blog waren wir für die darüber Werbenden in der Regel nicht interessant. Hier gibts einfach zu wenig Boulevard und/oder Lifestyle. Ich hatte auch nie besonders viel Lust, mich selbst um Werbung zu kümmern und uns hier ständig zu vermarkten. Eine wichtige Finanzierungsquelle ist und bleibt Flattr, womit wir im Moment einen Teil der Server-Kosten und die Finanzierung eines Praktikumsplatzes abdecken können. Das ist nicht viel, aber das ist auch nicht zu verachten. Größere Sprünge sind aber mit den 600-700 Euro (minus 19% MwSt.) nicht machbar. Flattr ist aber natürlich trotzdem eine wichtige Säule zur Refinanzierung und wir unterstützen gerne weitere neue Wege zur Refinanzierung von Inhalten. Wir freuen uns vor allem auch über jeden einzelnen Beitrag, weil er uns die Wertschätzung der Leser zeigt.

Vor einigen Wochen sprach uns ZEIT ONLINE an, ob wir auch in ihre Vermarktung rein wollen. Das probieren wir jetzt mal für sechs Monate aus und hier wird dann wahrscheinlich oft dieselbe Werbung angezeigt, die auch bei Zeit.de zu sehen ist. Wenn es klappt, haben wir wohl eine Finanzierung zur Schaffung von Redaktionsstellen, so dass wir endlich mal mehr Zeit für mehr Projekte und redaktionelle Ideen haben. Und unsere Berichterstattung nicht immer davon abhängig ist, wer gerade mal Lust und Zeit zum Bloggen hat. Wenn es nicht klappt, haben wir es ausprobiert und immer noch einen Plan B in der Tasche. Es wird hier 2,5 Werbeflächen geben, die über einen Adserver ausgeliefert werden. Diesen werden wir auch selbst bespielen können, also die Werbefläche in Zeiten, wo nichts gebucht ist. Dort werden dann bald Banner zu eigenen (und anderen empfehlenswerten) Kampagnen und Projekten zu sehen sein.

Wer Werbung ablehnt, kann natürlich einen Adblocker nutzen. Wer uns aber unterstützen will, kann aber auch eine Ausnahme für dieses Blog im Adblocker definieren und dazu beitragen, dass wir unsere Berichterstattung ausbauen können, die jetzt seit sieben Jahren mehr oder weniger ehrenamtlich erfolgt ist. Für das beliebte Plugin AdBlock gibt es hier zum Beispiel eine Anleitung.

Gleichzeitig haben wir zum ersten Mal einen Sponsor. Die Tarent AG, ein Linux-Dienstleister aus Bonn, sponsort uns durch einen festen monatlichen Betrag, der wiederum zur Finanzierung einer halben Stelle genutzt wird. Dafür erhält Tarent eine Werbefläche.

Verändern wird sich nichts. Wir sind immer noch kein gewinnstrebendes Projekt und werden alle Einnahmen wieder in das Projekt reinstecken. Aber wir bekommen mehr Möglichkeiten für Experimente, können neue Ideen ausprobieren, können auch mal technisch aufrüsten, hoffentlich mehr berichten und es hängt auch nicht mehr im Extremfall alles von mir und meiner Zeit ab.

Das war der erste Streich. Hinter den Kulissen arbeiten wir an einer weiteren Neuerung für euch – die folgt dann spätestens zur re:publica. Da ist mehr Bürokratie mit am Start. Aber das wird spannend.

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February 25 2011

Für Bild werben? “Ich glaube, es hackt”

Die Werbeagentur Jung von Matt hatte die tolle Idee, die Band Wir sind Helden für ein Testimonial im Rahmen einer Bild-Werbekampagne anzufragen. Die öffentliche Antwort der Band ist großes Kino. Da deren Server durch den Ansturm zusammen gebrochen ist, spiegeln wir das mal hier:

DIE ANFRAGE

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind als Werbeagentur mit der aktuellen BILD-Kampagne betraut, in der wir hochkarätigen Prominenten eine Bühne bieten, ihre offene, ehrliche und ungeschönte Meinung zur BILD mitzuteilen.

Derzeit planen wir die nächste Produktionsphase für Frühjahr 2011. Die neu zu produzierenden TV- und Kinospots sowie Plakat- und Anzeigenmotive sollen die bestehenden Motive von Veronica Ferres, Thomas Gottschalk, Philipp Lahm, Richard von Weizsäcker, Mario Barth u.v.m. ergänzen.

Für diese Fortführung der Kampagne möchten wir sehr gern “Wir sind Helden” gewinnen.

Das schöne an der Kampagne ist, dass sie einem guten Zweck zu Gute kommt. BILD spendet in Namen jedes Prominenten 10.000,- Euro an einen von Ihnen zu bestimmenden Zweck.

Lassen Sie uns gern telefonieren und die Details besprechen. Zur Detailinformation senden wir Ihnen bereits heute anbei einige weiterführende Informationen.

Ich freue mich dazu von Ihnen zu hören.
Herzliche Grüße aus Hamburg,
Jung von Matt/Alster Werbeagentur GmbH

DIE ANTWORT

Liebe Werbeagentur Jung von Matt,

bzgl. Eurer Anfrage, ob wir bei der aktuellen Bild -Kampagne mitmachen wollen:

Ich glaub, es hackt.

Die laufende Plakat -Aktion der Bild -Zeitung mit sogenannten Testimonials, also irgendwelchem kommentierendem Geseiere (Auch kritischem! Hört, hört!) von sogenannten Prominenten (auch Kritischen! Oho!) ist das Perfideste, was mir seit langer Zeit untergekommen ist. Will heißen: nach Euren Maßstäben sicher eine gelungene Aktion.

Selten hat eine Werbekampagne so geschickt mit der Dummheit auf allen Seiten gespielt. Da sind auf der einen Seite die Promis, die sich denken: Hmm, die Bildzeitung, mal ehrlich, das lesen schon wahnsinnig viele Leute, das wär schon schick… Aber irgendwie geht das eigentlich nicht, ne, weil ist ja irgendwie unter meinem Niveau/ evil/ zu sichtbar berechnend… Und dann kommt ihr, liebe Agentur, und baut diesen armen gespaltenen Prominenten eine Brücke, eine wackelige, glitschige, aber hey, was soll´s, auf der anderen Seite liegt, sagen wir mal, eine Tüte Gummibärchen. Ihr sagt jenen Promis: wisst ihr was, ihr kriegt einfach kein Geld! Wir spenden einfach ein bisschen Kohle in eurem Namen, dann passt das schon, weil, wer spendet, der kann kein Ego haben, verstehste? Und außerdem, pass auf, jetzt kommt´s: ihr könnt sagen, WAS IHR WOLLT!

Und dann denken sich diese Promis, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, irgendeine pseudo -distanziertes Gewäsch aus, irgendwas “total Spitzfindiges”, oder Clever- Unverbindliches, oder Überhebliches, oder… Und glauben, so kämen sie aus der Nummer raus, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Und haben trotzdem unheimlich viele saudumme Menschen erreicht! Hurra.

Auf der anderen Seite, das erklärt sich von selbst, der Rezipient, der saudumme, der sich denkt: Mensch, diese Bild -Zeitung, die traut sich was.

Und, die dritte Seite: Ihr, liebe jungdynamische Menschen, die ihr, zumindest in einem sehr spezialisierten Teil eures Gehirns, genau wisst, was ihr tut. Außer vielleicht, wenn ihr auf die Idee kommt, “Wir sind Helden” für die Kampagne anzufragen, weil, mal ehrlich, das wäre doch total lustig, wenn ausgerechnet die…

Das Problem dabei: ich hab wahrscheinlich mit der Hälfte von euch studiert, und ich weiß, dass ihr im ersten Semester lernt, dass das Medium die Botschaft ist. Oder, noch mal anders gesagt, dass es kein “Gutes im Schlechten” gibt. Das heißt: ich weiß, dass ihr wisst, und ich weiß, dass ihr drauf scheißt.

Die BILD -Zeitung ist kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash -Kulturgut und kein harmloses “Guilty Pleasure” für wohlfrisierte Aufstreber, keine witzige soziale Referenz und kein Lifestyle -Zitat. Und schon gar nicht ist die Bild -Zeitung das, als was ihr sie verkaufen wollt: Hassgeliebtes, aber weitestgehend harmloses Inventar eines eigentlich viel schlaueren Deutschlands.

Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument – nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.

In der Gefahr, dass ich mich wiederhole: ich glaub es hackt.

Mit höflichen Grüßen,
Judith Holofernes

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January 27 2011

Interview: Sascha Pallenberg über Schleichwerbung in Blogs

Sascha Pallenberg vom Netbooknews-Blog hat vergangene Woche auf Twitter die Aufdeckung eines Schleichwerbeskandal in deutschsprachigen Blogs angekündigt, der einen “ultimativen Tsunami” nach sich ziehen würde. Ich hab ihm ein paar Fragen gestellt, die er mir dazu beantwortet hat. Wenn er die Story online bringt, gibt es hier dann auch mehr Infos zu dem Fall. Auf der kommenden re:publica werden wir dazu wahrscheinlich auch eine Diskussion organisieren.

netzpolitik.org: Du hast vergangene Woche einen “Tsunami” in der deutschen Blogosphäre wegen eines Schleichwerbeskandals angekündigt. Worum gehts?

Sascha Pallenberg: Ich habe Dokumente, Verträge und Emails von einem Werbenetzwerk zugespielt bekommen, welches Links fuer bestimmte Keywords in deutschen Blogs platziert, die dann auf Seiten von u.a. Base, Conrad oder die Hannoversche Leben führen. Die Blogger erhalten zwischen 25 und 70 Euro pro Link und es wird in den Anwerbe-Emails von mehr als 100 deutschen Blogs gesprochen, die sich bereits in dem Netzwerk befinden. Es handelt sich dabei nicht um die üblichen Spam-Mails, die wir alle bekommen. Also kein “Uns ist deine Seite aufgefallen und wenn du einen Artikel über unser Produkt mit folgenden Links schreibst, zahlen wir dir X-Euro”. Hier geht es um eine bekannte deutsche Internetpublishing-Firma.

netzpolitik.org: Wie lange existiert dieses Netzwerk schon?

Sascha Pallenberg: Ich gehe schwer davon aus, dass es seit mehr als einem Jahr existiert. Meine Infos von involvierten Bloggern reichen bis in den Sommer 2010 zurück.

netzpolitik.org: Um welche Blogs handelt es sich dabei?

Sascha Pallenberg: Es gibt hier keine speziellen Themen-Blogs. Der Vermarkter hat quer durch den Garten Blogger angeschrieben. Es sind aber generell Nischen-Blogs. Ich bin mir sicher, dass der Vermarkter nicht riskieren wollte, ein bekanntes Blog zu kontaktieren, denn dann wäre die Geschichte umgehend aufgeflogen. Ein kleines Nischenblog mit ein paar hundert Besuchern am Tag ist auch weitaus eher bereit, Links für ein paar Euro zu verkaufen. Wer nebenbei 100 oder 200 Euro im Monat mit seinem Hobby machen kann, freut sich über solche Angebote. Es sind kaum professionelle Blogs darunter.

netzpolitik.org: Nun gibt es unmengen Blogs im deutschsprachigen Raum und Du berichtest von rund 100 kleinen Nischenblogs und keinem bekannten Blog. Wie können wir uns denn da einen Tsunami vorstellen?

Sascha Pallenberg: Das liegt vor allen Dingen an dem Netzwerk, welches dahinter steht und an einem ihrer Online-Auftritte, den in der deutschen Blogosphäre jeder kennt.

netzpolitik.org: Welches Netzwerk meinst Du jetzt wieder, dieses Werbenetzwerk oder die dahinter stehende Firma?

Sascha Pallenberg: Die dahinter stehende Firma, also der Vermarkter. Die involvierten Firmen sind sowieso jedem bekannt, also die Werbenden.

netzpolitik.org: Und was war das Ziel des Werbenetzwerkes?

Sascha Pallenberg: Die reine Werbung war sekundär. Primär geht es um Keyword-Spamming im grossen Stil um die Seiten der Partner-Unternehmen im Google Ranking zu pushen. Das ist eine beliebte Strategie der SEO-Industrie.

netzpolitik.org: Du hast auf Twitter angekündigt, die Geschichte demnächst zu veröffentlichen. Warum bringst Du nicht die fertige Geschichte?

Sascha Pallenberg: Uns sind noch einige Emails von weiteren Bloggern zugespielt worden. Es handelt sich hier nicht um irgendein neues Netbook oder Tablet, über das ich berichte. Eine derartige News “zimmer” ich in 15 Minuten zusammen, denn das ist mein täglicher Job. Hier geht es um eine richtig brisante Story und ich muss Quellen weitaus ausführlicher pruefen, Dokumente sichten und mich absichern, zumal hier einige bekannte Namen involviert sind Ich hätte natürlich auch die Klappe halten und erst die komplette Story veröffentlichen können. Durch die Teaser auf Twitter und in Interviews bekomme ich aber zusätzliche Infos von involvierten Bloggern und die benötige ich.

netzpolitik.org: Für andere Medien gibt es Regelungen gegen Schleichwerbung. Brauchen wir sowas auch für Blogs oder was wünschst Du Dir als Reaktion auf die kommende Geschichte?

Sascha Pallenberg: Es kommen inzwischen die ersten Stimmen auf, dass ich ja selber z.B. Amazon-Links auf meiner Seite nutze. Na klar mache ich das und es ist eine wichtige Einnahmequelle fuer mich. Der Unterschied ist, diese Links sind entsprechend als Amazon-Links gekennzeichnet und ich benutze diese Art Werbung sehr pro-aktiv, sprich ich weise explizit darauf hin. Nach dem Motto: Kauft über unsere Links und unterstützt uns. Ich würde mir wünschen, wenn Medien generell angeben müssten, wer sie unterstützt. Soweit ich weiss, ist dies für Blogger in den USA seit fast 2 Jahren verpflichtend.

Ich glaube an den Selbstreinigungsprozess der deutschen Blogosphäre und ich glaube auch, dass in der deutschen Internetszene mehr Substanz steckt, als sich nur über SEO und SEM-Glücksritter zu definieren. Wer schon einmal die Internet World in Muenchen besucht hat, weiss wovon ich spreche.

netzpolitik.org: Dann warten wir mal auf den Tsunami und wünschen viel Erfolg beim aufklären. Danke für das Interview.

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