Tumblelog by Soup.io
Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.

May 04 2011

Kinderpornographie in Tauschbörsen: Kein Zutritt zur geschlossenen Gesellschaft

Als Bitkom am Montag vorpreschte und im Namen des “White IT” verkündete, “unentgeltliche Tauschbörsen” seien der “größte Markt” für kinderpornographische Bilder, war die Verwunderung nicht nur bei uns groß.

Die Darstellung der Studie des Kriminalwissenschaftlichen Instituts der Uni Hannover in der Bitkom-Pressemeldung warf einfach die ein oder andere Frage auf.  Handelt es sich um frei verfügbares Material? Werden die Inhalte verschleiert?

Und welche p2p-Plattformen sind überhaupt betroffen? Oder sind vielleicht doch eher geschlossene Tauschzirkel gemeint? Glaubt man einem Artikel bei Silicon.de, reden wir über geschlossene Tauschzirkel:

Strafverfolger stünden hier vor einer Herausforderung, denn der Zugang werde nur bei persönlicher Bekanntschaft oder durch Lieferung von Bildern oder Filmen oder möglicherweise auch gegen Geld geöffnet. “Personen, die in diese hermetischen Bereich gelangen wollen, müssen die Keuschheitsprobe ablegen, das heißt neues kinderpornographisches Material liefern.”

“Wir sind in diesem besonders abgeschotteten, hochkriminellen Bereich größtenteils blind”, sagt Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann, der das Bündnis White IT ins Leben gerufen hat.

Tatsächlich ist die Sachlage aber deutlich komplexer, wie mir Arnd Hüneke vom Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminologie der Uni Hannover per Mail erklärt:

Sehr geehrter Herr Schäfers,

in erster Linie handelt es sich um tatsächlich frei verfügbares Material, das so gut wie nicht verschleiert wird. Ab und an werden Dateinamen mal verschleiert, nicht selten ist es aber recht einfach. In unserer – sehr kleinen – Stichprobe wurde vor allem eD2K genutzt. Allerdings sollte man daraus keine voreiligen Schlüsse ziehen. Da sich der Bezugszeitraum der Aktenstichprobe auf das Jahr 2008 konzentrierte, könnten Verschiebungen in andere Netzwerke durchaus denkbar sein. Allerdings dürfte – so zumindest die Bekundungen der Experten im Rahmen der Interviews – weiterhin der Bereich der Tauschbörsen und der Newsgroups führend sein.

Eine tiefgreifende Analyse des “Marktes” in geschlossenen Benutzergruppen war den Forschern schon allein aus rein rechtlichen Gründen nicht möglich. Um Zugang zu ihnen zu erhalten, hätten sie sich strafbar machen müsssen:

Geschlossene Tauschzirkel haben wir kaum identifiziert. Dafür war der Ansatz auch wenig geeignet. Das Problem ist hier wohl, dass es in Deutschland eigentlich keine Rechtsgrundlage gibt, in diese Zirkel zu gelangen. Die Keuschheitsprobe, also die Übersendung kinderpornographischen Materials zur Zutrittserlangung, kann von den Ermittlungsbeamten mangels Rechtsgrundlage wohl nicht abgelegt werden.

Lange Rede, kurzer Sinn (und man verzeihe mir die Verkürzung): Geschnappt werden, wie auch im WWW, vor allem die Idioten. Über das Dunkelfeld in den geschlossenen Benutzergruppen ist nach wie vor wenig bekannt. Und nein, das ist kein Vorwurf an die Forscher, die können auch nur mit den Daten arbeiten, die sie von den Behörden erhalten.

PS: Mit etwas Glück erhalten wir im Laufe des Tages noch die komplette Studie. Aus der “White IT”-Geschäftsstelle im niedersächsischen Innenministerium hieß es, dass das eigentlich kein Problem sei, schließlich sei sie ja auch auf der Pressekonferenz am Montag in Berlin verteilt worden.

flattr this!

Reposted by02mydafsoup-01krekk

May 02 2011

White IT: Tauschbörsen größter Markt für Kinderpornographie

In der Argumentation für Websperren hieß es bisher, dass diese ein wirksames Mittel gegen den “Milliardenmarkt für Kinderpornographie” im Internet wären. Nachgewiesen werden konnte dieser Milliardenmarkt bisher nicht, die (wenigen) tatsächlich durchgeführten Studien zum Thema lassen vermuten, dass er in der behaupteten Form schlicht nicht existiert.

Das bestätigen erneut auch die heute in Berlin veröffentlichten Ergebnisse des “White IT”-Bündnisses aus Niedersachsen. Nicht etwa das WWW sei Hauptumschlagplatz für Kinderpornographie, sondern “Unentgeltliche Tauschbörsen”:

Unentgeltliche Tauschbörsen größter Markt für kinderpornographische Bilder
Berlin, 2. Mai 2011 – [...] „Es fehlte bislang an einer kriminologischen Grundlagenforschung über die Herkunft und Verbreitung sowie dem Umgang mit kinderpornographischem Material. Diese Grundlage ist aber eine entscheidende Voraussetzung, um unseren ganzheitlichen Bekämpfungsansatz und die damit verbundenen strategischen Ziele umzusetzen, z.B. die Nutzung kinderpornographischer Inhalte zu verhindern bzw. zumindest noch stärker zu erschweren“, so Schünemann.

Nach der Studie des Kriminalwissenschaftlichen Instituts der Leibniz Universität Hannover gibt es einen illegalen Markt ohne echte Preisbildung. „Ein digitales Kinderpornobild lässt sich leider beliebig oft kopieren. [...] Unentgeltliche Tauschbörsen sind nach unseren Erkenntnissen der größte Markt für kinderpornographisches Material“, sagte Prof. Meier.  [...]

„Wir sind in diesem besonders abgeschotteten, hochkriminellen Bereich größtenteils blind. Aus diesem Grund müssen wir die Einsatzmöglichkeit von verdeckten Ermittlern nach der Strafprozessordnung (§ 110a StPO) auf die Straftaten des sexuellen Missbrauchs von Kindern bzw. auch auf die Herstellung und Verbreitung dieser kinderpornographischen Inhalte erweitern“, sagte Innenminister Schünemann am Montag in Berlin.

Die komplette Pressemitteilung gibt es bei der Bitkom. Von “Deep Packet Inspection” und ähnlichen Überwachungtechnologien ist dort überraschenderweise noch nichts zu lesen. Das dürfte dann wohl der übernächste Schritt sein.

flattr this!

Reposted bymondkroete mondkroete

September 28 2010

Zahlenspiele: Massenmarkt Kinderpornographie?

Ein Fortschrittsbericht der “European Financial Coalition” (EFC) gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern im Netz kommt zu dem Ergebnis, dass vom viel beschworenen “Massenmarkt” für Kinderpornographie im Internet keine Rede sein kann.

Eine erfreuliche Nachricht, eigentlich. Nun noch einen Verweis, dass es bei Heise Online mehr zu Thema gibt und ich könnte einen weiteren Blogbeitrag freischalten.

Ich befürchte allerdings, dass es nicht ganz so einfach ist. Nicht etwa, dass ich das Ergebnis des Berichts anzweifeln möchte. Darüber, dass es keinen kommerziellen “Milliardenmarkt” für Kinderpornographie im Internet gibt, sind sich die Experten weitgehend einig. Was es leider auch nicht gibt, sind wissenschaftlich belastbaren Zahlen, die diese These untermauen.

Auch die “Studie” der EFC bietet diesbezüglich kaum mehr als einen Anhaltspunkt. Das beginnt schon mit der Methodik. Die scheint mir, mit Verlaub, wenig geeignet, um belastbares Zahlenmaterial zu liefern. Auch die ermittelten Umsätze sind auffallend gering, hier wäre wohl die Größe der Stichprobe zu hinterfragen.

Randnotiz: Bei der EFC handelt sich um eine Koalition insbesondere von Zahlungdienstleistern. Der nun veröffentlichte Bericht dürfte vor allem die weitere Finanzierung des Projektes durch die EU zum Ziel haben (Die initiale Finanzierung des Pilotprojektes dürfte gerade ausgelaufen sein).

Achja, auch die EFC wünscht sich eine bessere Zusammenarbeit mit den deutschen Strafverfolgungsbehörden. So steht es zumindest in einer Gesprächsnotiz von Franziska Heine, die im Frühjahr im Rahmen eines der zahlreichen runden Tische mehr über die Arbeit der EFC erfahren durfte.

Sei’s drum. Etwas differenziertere Ergebnisse hat mir vorhin Arnd Hüneke vom Institut für Kriminalwissenschaften an der juristischen Fakultät der Leibniz Universität Hannover in Aussicht gestellt. Hüneke leitet in Hannover ein entsprechendes Forschungsprojekt, im Rahmen eines Symposium Ende November sollen erste offizielle Zwischenergebnisse präsentiert werden.

Siehe auch:

# “Die Legende von der Kinderpornoindustrie“, Udo Vetter, law blog, 25.03.2009
# “Déjà vu, Holger Bleich, c’t, 10.04.2010
# “Um Geld ist es nicht gegangen“, Udo Vetter, lawblog, 08.09.2010
# “Neue Studie belegt, dass die Argumente von Sperrbefürwortern falsch sind”, Thomas Stadler, Internet-Law, 28.09.2010

Reposted bymondkroeteincendariusurfin

April 07 2010

Reloaded: Bosbach und der Blockwart-Button für Browser* [Nachtrag]

Erinnert sich noch jemand an die Erweiterungen für Mailprogramme, die bei Spam (oder das, was, sie dafür hielten), automatisch Beschwerdemails an den Provider/Betreiber des aussenden Mailsservers schickten? Vor etwa 5 Jahren hielt man das noch für eine richtig gute Idee, um das Spamproblem in den Griff zu bekommen.

In der Praxis funktionierte die Idee leider nicht. Selbst seriöse Provider mit funktionierendem Abuse-Management wurden von einer Menge – größtenteils unsinniger – Beschwerden erschlagen. Schon bald landeten die automatisiert erstellten Beschwerdemails ebenso automatisiert im virtuellen Papierkorb. Für das Abuse-Management war es schlicht effektiver, sich auf qualifizierte Hinweise zu konzentrieren. Also auf solche, die von anderen Providern oder Administratoren kamen.

An das damals erzeugte Chaos musste ich gerade denken, als ich gerade bei Heise von der Wiederauferstehung des “Blockwart-Buttons für Browser” las:

“Um die Internet-Kriminalität in den  Griff zu bekommen und die Sicherheit für die Nutzer zu erhöhen, schlagen wir ein  Notrufsystem im Internet, eine 110 im Netz, vor”, sagte Klaus Jansen,  Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), der Rheinischen Post.


Hmmja. Es ist nicht einmal so, dass ich einen solchen Notruf-Knopf pauschal ablehne. Ich befürchte lediglich, dass die Nachteile eines solchen Systems (hinter dem als Projektpartner wie T-Systems, Microsoft und das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS). stehen …) die Vorteile überwiegen:

Das “jetzt.löschen” Firefox-Add-On ermutigt selbsternannte “Kinderporno-Jäger” zur “Recherche” und lädt zum Missbrauch als Spaßapplikation ein. Der dadurch erzeugte Datenmüll bindet wertvolle Arbeitszeit und fördert eine Kultur der Denunziation unliebsamer Inhalte statt wirksamer Kriminalitätsbekämpfung.

Die Möglichkeit, im Web Anzeige zu erstatten ist jetzt schon bei der eco Internetbeschwerdestelle halbwegs vernünftig umgesetzt, der Lösch-Button bietet also nichts, was jetzt noch nicht möglich wäre.

Soweit aus dem Wiki des AK Zensur. Dort steht mit dem “Denunziator 2.0″ bereits ein kostengünstiges Notruf-System für das Internet im Testbetrieb zur Verfügung. Entwickelt wurde es von Christian Bahls (MOGiS e.V.). Siehe auch: http://denounce.qb352.de/

Was Wolfgang Bosbach mit dem Vorstoß zu tun hat? Nun, der Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestags scheint auch nur noch in Textbausteinen zu sprechen:

“Das ist eine Idee, die wir gründlich prüfen sollten. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Was offline verboten ist, ist auch online verboten.”

Nun gut, prüfen wir halt. Ich hoffe nur, dass T-Systems, Microsoft und das Frauenhofer-Institut mit diesem Mammutprojekt nicht überfordert sind.

Nachtrag, der Übersichkeit halber:

Bei der “web patrol” des BDK (Nur echt mit dem lausig kopierten “Silver Surfer” im Logo) in diesem Beitrag und der Initiative  “jetzt.löschen”, auf die im Wiki des AK Zensur Bezug genommen wird, handelt es sich um unterschiedliche Projekte. Der Ansatz der beiden “Notrufsysteme” ist zwar weitgehend deckungsgleich (und damit auch die Kritik an ihnen), die Projekte unterscheiden sich aber bezüglich Initiatoren, Partnern und formaler Zielrichtung. Während sich “jetzt.löschen” als Meldesystem für Kinderpornographie präsentiert, will sich die “web patrol” der Kriminalbeamten gleich um alle “Webangebote mit suspektem Inhalt” kümmern:

Im Falle des Findens von Webangeboten mit suspektem Inhalt (z.B. Kinderpornografie, radikales Gedankengut, Chatinhalte mit Ankündigungen von Suizid/Amoklauf, verbale/sexuelle Belästigung innerhalb von Chatrooms usw.) kann der User durch einfaches Anklicken eines zusätzlichen Buttons im Browser eine automatisch generierte Meldung an eine Clearing-Stelle absetzen, die sich dann um den Sachverhalt unmittelbar kümmert (Modus 24/7).

Bei “jetzt.löschen”, der Initiative gegen Kinderpornographie, handelt es sich um ein Projekt des letzten November von Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann gegründeten Bündnisses “White IT”. Zu den Bündnispartnern gehören neben Kinderschutzorganisationen wie dem  “Deutsche Kinderschutzbund Bundesverband e.V.” und “Innocence in Danger” vor allem bekannte Namen aus der IT-Wirtschaft. Unter anderem sind mit ECO und Bitkom beide großen Verbände vertreten, dazu gesellen sich bekannte Anbieter von Filterlösungen wie die Cybits AG aus Mainz. Microsoft ist – zumindest nach Angaben der jeweiligen Initiatoren – an beiden Initiativen beteiligt.

Beim BDK hält sich die Begeisterung über die “Nachahmungen bzw. Nachahmer” aus Niedersachsen übrigens in überschaubaren Grenzen. Letztendlich haben wir mit “web patrol” und “jetzt.löschen” damit wohl ein weiteres Beispiel, wie sich Politik, Strafverfolger und Industrie gegenseitig das Leben schwer machen.

PS: Anders, als Fefe schreibt, hat sich das Projekt “jetzt.löschen” nicht selbst gelöscht. Man erreicht es zum Beispiel über diesen Link.


Und ja, eine defekte Einstiegsseite, die interessierte Besucher derzeit mit einem banalen “No pages found” begrüßt, ist für ein Leuchtturmprojekt der IT-Wirtschaft natürlich blamabel. Aber hee, es passt ins Bild …

*Sorry, ja, ich bin eine Flachpfeife. Aber 4x große “B” in einer Überschrift kann ich mir nicht entgehen lassen.

Older posts are this way If this message doesn't go away, click anywhere on the page to continue loading posts.
Could not load more posts
Maybe Soup is currently being updated? I'll try again automatically in a few seconds...
Just a second, loading more posts...
You've reached the end.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl