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February 24 2012

Bundesverfassungsgericht urteilt: Es gibt kein Recht auf anonyme Kommunikation

Das Bundesverfassungsgericht hat über eine weitere Verfassungsbeschwerde von Aktivisten aus dem Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung entschieden. Die Überschrift der Pressemitteilung klingt zunächst gut: Regelungen des Telekommunikationsgesetzes zur Speicherung und Verwendung von Telekommunikationsdaten teilweise verfassungswidrig. Bei genauerer Analyse kommen jedoch auch einige Fallstricke zu Tage.

Geklagt hat Meinhard Starostik im Auftrag der Brüder Patrick und Jonas Breyer sowie vier Internet-Unternehmen. Und zwar schon im Juni 2005, also noch vor dem Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung. Folgende Punkte im Telekommunikationsgesetz haben sie angegriffen:

  • die Pflicht zur Angabe persönlicher Daten bei der Anmeldung eines Telefonanschlusses (z.B. auch beim Kauf von Prepaid-Mobiltelefonkarten),
  • das Recht von Telekommunikationsunternehmen, Daten über ihre Kunden und deren Telekommunikation über die erforderliche Dauer hinaus speichern zu dürfen (z.B. Vorratsspeicherung von Internet-Nutzungsdaten zur „Missbrauchsbekämpfung“),
  • die weit gehenden staatlichen Zugriffsrechte auf persönliche Daten von Telekommunikationsnutzern,
  • die Pflicht von Telekommunikationsunternehmen, ohne Entschädigung an staatlichen Überwachungsmaßnahmen mitwirken zu müssen.

Der heute veröffentlichte Beschluss des Ersten Senats gab ihnen in einem Punkt teilweise Recht, in anderen nicht.

Zugriff auf Passwörter muss neu geregelt werden

Bisher erlaubte das Gesetz, dass Behörden von Providern relativ einfach Passwörter, wie etwa für E-Mail Accounts und SIM-Karten, bekommen können, auch ohne Richtervorbehalt. Ob sie diese Daten dann auch vor Gericht verwenden dürfen, war davon unabhängig. Diese Regelung erklärte das Gericht nun für verfassungswidrig. Das bedeutet aber nicht, dass die Daten gar nicht mehr herausgegeben werden dürfen. Die Behörden dürfen in Zukunft nur noch das abfragen, was sie auch verwenden dürfen. Der Gesetzgeber muss nun die Regelung präzisieren, bis Juni nächstes Jahr dürfen die Behörden jedoch weiter machen wie bisher. Der von Patrick verkündete Durchbruch ist das nicht.

Kein Recht auf anonyme Kommunikation

Eine klare Niederlage ist der Teil zur anonymen Nutzung von Telekommunikationsdiensten. Vielerorts kann man Prepaid-Mobilfunk-Anschlüsse auch ohne Angabe von Name und Adresse erhalten. Die Kläger wollten die Pflicht zur Speicherung dieser Daten vor der Freischaltung kippen. Laut Patrick haben 21 der 27 EU-Staaten diesen Identifizierungszwang nicht.

Das Gericht sieht jedoch kein Recht auf anonyme Kommunikation. Vielmehr dient die Speicherungspflicht der “Verbesserung staatlicher Aufgabenwahrnehmung vor allem im Bereich der Strafverfolgung, Gefahrenabwehr und nachrichtendienstlicher Tätigkeiten” und ist daher legitim. Die Kläger sind enttäuscht und wollen vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen.

IP-Adressen sind irgendwie geschützt

Auch zum Streit, ob eine IP-Adresse ein personenbezogenes Datum ist oder nicht, äußert sich das Gericht. Die Zuordnung, welcher Anschluss-Inhaber hinter einer dynamischen IP-Adresse steckt, wird als Eingriff in das Fernmeldegeheimnis bewertet. Auch das bedeutet jedoch nicht, dass darauf nicht zugegriffen werden kann, das Gericht verlangt vom Gesetzgeber jedoch eine Klarstellung. In einer Neuregelung dürfte daher ein Richtervorbehalt erforderlich sein.

Das gilt jedoch nur für Strafverfahren. In Zivilverfahren ist auch bisher schon der Richtervorbehalt drin. Am Abmahnwesen gegen Filesharing ändert dieses Urteil also nichts.

Interessant ist auch, dass die Auskunft über statische IP-Adressen auch ohne Richtervorbehalt geht, weil diese “zum gegenwärtigen Zeitpunkt in aller Regel nur Institutionen und Großnutzern” zur Verfügung stehen. Sollte sich das ändern, muss aber auch der Gesetzgeber nachziehen.

Auskunftsverfahren verfassungskonform

Die Verfahren zur Auskunft von Providern über die Daten ihrer Nutzerinnen findet das Gericht in Ordnung. Es gibt ein automatisiertes und ein manuelles Verfahren. Diese Möglichkeiten sind “angesichts der erstrebten Verbesserung der staatlichen Aufgabenwahrnehmung gerechtfertigt”.

Patrick berichtet, dass die automatischen Verfahren “als allgemeines Bevölkerungsregister missbraucht” und “täglich […] über 10.000 Kundendaten abgefragt” werden. Findet wer weitere Quellen dafür?

Keine wirkliche Verbesserung

Unter dem Strich ist das Urteil eher enttäuschend. Der Beschwerdeführer Meinhard Starostik meint: “Das Bundesverfassungsgericht hat dem Grundbegehren nach anonymer Kommunikation nicht stattgegeben und einem angeblichen Sicherheitsbedürfnis Vorrang gegeben.”

Wie so oft werden sich jetzt alle verantwortlichen Politikerinnen für die Konkretisierung bedanken und rasch eine gesetzliche Neuregelung fordern. Dafür haben sie über ein Jahr Zeit, bis dahin bleibt alles beim Alten.

Das schreiben die Anderen

December 28 2011

#28c3: How governments have tried to block Tor

Ein weiterer bisheriger Höhepunkt auf dem #28c3 war der Vortrag von Roger Dingledine und Jacob Applebaum zum Thema “How governments have tried to block Tor”.

Asu der Beschreibung:

Iran blocked Tor handshakes using Deep Packet Inspection (DPI) in January 2011 and September 2011. Bluecoat tested out a Tor handshake filter in Syria in June 2011. China has been harvesting and blocking IP addresses for both public Tor relays and private Tor bridges for years.

Roger Dingledine and Jacob Appelbaum will talk about how exactly these governments are doing the blocking, both in terms of what signatures they filter in Tor (and how we’ve gotten around the blocking in each case), and what technologies they use to deploy the filters — including the use of Western technology to operate the surveillance and censorship infrastructure in Tunisia (Smartfilter), Syria (Bluecoat), and other countries. We’ll cover what we’ve learned about the mindset of the censor operators (who in many cases don’t want to block Tor because they use it!), and how we can measure and track the wide-scale censorship in these countries. Last, we’ll explain Tor’s development plans to get ahead of the address harvesting and handshake DPI arms races.

September 28 2011

Diskussion: Netzpolitische Koalitionsverhandlungen in Berlin

Heute findet in der Vertretung des Landes Niedersachsen, Berlin der Kongress des SuMa e.V. statt.

Ab 17:15h gibt es dort ein Panel mit dem Titel “Die netzpolitischen Koalitionsverhandlungen in Berlin” mit
Thomas Heilmann (CDU, stellvertretender Landesvorsitz.)
Jonas Westphal (SPD)
Stefan Gelbhaar (Grüne)
Sebastian Koch (Die Linke)
und Christopher Lauer (Piratenpartei)
moderiert von Mathias Schindler, Wikimedia Deutschland e.V.

Davor, um 15:20h diskutieren übrigens auch

Dr. Konstatin von Notz (MdB, Grüne)
Christoph Kappes (Offener Brief an Google, Unternehmer)
Christian Heller (Spackeria)
Dr. Pascal Schumacher (Medienrechtler, Univ. Münster)
und ich
unter Moderation von Jens Best, Politikwissenschaftler über Anonymität als Bürgerrecht oder Gefahr.

Das komplette Programm gibt es hier.

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September 26 2011

Gericht: Anonymität im Netz gewährleistet Meinungsfreiheit

Das wird die Innenpolitiker der Union sicher nicht interessieren, die gerade festgeschrieben haben, dass eine anonyme Teilhabe am politischen Meinungs- und Willensbildungsprozess abzulehnen ist: : Anonymität im Netz gewährleistet Meinungsfreiheit.

Das OLG Hamm hat sich in seinem Beschluss grundsätzlich zur Frage der anonymen Meinungsäußerung im Internet geäußert. Das OLG sieht die anonyme Nutzung des Internets als “typisch” an und “der grundrechtlichen Interessenlage” entsprechend. Die Anonymität gewährleiste dem Individuum die Ausübung seines nach Artikel 5 des Grundgesetzes geschützten Rechts auf freie Meinungsäußerung. Eine Abkehr von der Anonymität, also “[die] Verpflichtung, sich namentlich zu einer bestimmten Meinung zu bekennen, würde allgemein die Gefahr begründen, dass der Einzelne aus Furcht vor Repressalien oder sonstigen negativen Auswirkungen sich dahingehend entscheidet, seine Meinung nicht zu äußern.”

Bei Telemedicus findet sich das Urteil.

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August 30 2011

Mal was neues: Netzsperren gegen Verletzungen des Urheberrechts

Der Bundesverband Musikindustrie, der Börsenverein des deutschen Buchhandels und die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechten haben heute das vierteljährliche Update ihres Katalogs dystopischer Forderungen zur Bekämpfung von Urheberrechtsverletzungen herausgebracht.

Dieses Mal geht es – wie hätte es anders sein sollen? – um die Anonymität und – alter Hut! Aber bald ist ja wieder #fsa– um Netzsperren.

Aber dort, wo auch den Behörden eine Aufklärung nicht gelingt, ist die Politik gefragt, als ultima ratio den Internet Service Providern den klaren Auftrag zu erteilen, die Anonymität von Rechtsverletzern aufzuheben und anonym betriebene illegale Seiten unerreichbar zu machen.

Besonders schön an der Pressemitteilung: Die zitierten Zahlen sind recht nüchtern und deuten auf alles andere als eine die Industrie in Verderbnis stürzende Massenkriminalität:

Unter allen Internetangeboten für TV-Serien dienen Online-Mediatheken der TV-Sender den meisten Nutzern (26% von 2 Millionen) als Anlaufpunkt Nummer 1. Beliebteste illegale Quellen waren in 2010 auch für TV-Serien-Inhalte solche illegale Streaming-Portale, wie kino.to & Co. (10%), gefolgt von Sharehostern (8%).

Die Replik des Digitale Gesellschaft e.V. trägt den Titel “Jammern der Musik- und Filmindustrie selbstverschuldet – Rechtslage und Anbieter benachteiligen Nutzer”

„Wer nur teure und dann auch noch mangelhafte, restriktive Angebote macht, darf sich nicht wundern, wenn der wirtschaftliche Erfolg ausbleibt“, sagt Markus Beckedahl. „Ein überteuertes Auto, dass man zudem nur Dienstags und bei Regen fahren darf, kauft ja auch keiner freiwillig, wenn er stattdessen auch einfach den Bus nehmen kann.“

Disclaimer: Ich engagiere mich bekanntlich im Verein Digitale Gesellschaft, Stellungnahmen anderer Gruppen habe ich bisher nicht gefunden, ich nehme sie bei Hinweis direkt in den Artikel auf.

August 19 2011

Warum Anonymität gefährlicher ist als eine Schusswaffe

erklärt Bundesinnenminister HP Friedrich auf Abgeordnetenwatch:

Nach Straftaten mit legalen Schusswaffen von Sportschützinnen und Sportschützen müssen die Ursachen und begünstigenden Umstände für eine solche Tat untersucht werden. Pauschale Forderungen nach einem Verbot oder der Einschränkung des Schießsports sind da nicht zielführend.

Klar, nur wegen der paar schwarzen Schafe, die Menschen ermorden, sollte man sich doch nicht etwas so schönes wie den Schießsport vermiesen, denn:

In unserer heutigen, immer individuelleren Gesellschaft, leisten unter anderem auch die Schützenvereine einen vorbildlichen Beitrag für unser Gemeinwohl. Neben der Pflege von Tradition und Brauchtum wird mit der generationenübergreifenden Zusammenarbeit bei jungen Menschen das Gefühl der Zugehörigkeit zum und die Verantwortung für unser Gemeinwohl gestärkt.

Bei der Anonymität (korrekt wäre: Pseudonymität) im Internet ist das aber bekanntlich eine ganz andere Sache. Meinungsfreiheit mag zwar im Gegensatz zum Schusswaffenbesitz ein Grundrecht sein, aber weil sie in Verbindung mit Anonymität keinen so vorbildlichen Beitrag für unser Gemeinwohl leistet, wie eine Schusswaffe, kann man hier ja klare Kante zeigen. Hier ist offensichtlich die Forderung nach einem Verbot oder einer Einschränkung der Pseudonymität zielführend.

So so.

July 15 2011

5 vor 7: GooglePlus, Facebook und der Datzenschutz

Kai Biermann hat Google+ und Facebook verglichen. Beim Test der beiden Netzwerke kommt er zu einem eindeutigen Ergebnis:

“Geht es um Transparenz, Kontrolle und Bedienbarkeit der Privatsphäre, ist Google+ daher der klare Sieger.”

# Privatsphäre: Google+ vs. Facebook (Zeit Online)

Angelika Slavik dürfte das anders sehen. In der Süddeutschen beschäftigt sie sich mit einer “Super-Datenbank” für Werbekunden, in der Google Nutzerdaten sammelt. In einer früheren Version des Artikels war wohl auch vom Verkauf von Nutzerdaten zu lesen.

Tatsächlich scheint es bei dem intern “DDP” genannten Projekt aber wohl “nur” um behavorial targeting zu gehen. Also um gezielte Werbeeinblendungen nach Interessensgebieten. Anja Janotta schreibt bei WuV:

Unter dem Namen “DDP” (Dynamic Document Packages) plant er eine Plattform zum Kauf und Verkauf von Daten. Ziel sei es, schreibt AdAge damit Online-Werbung zielgruppengenau schalten zu können.

D.h. der Kunde kauft keine “Kundendaten” im eigentlichen Sinne, sondern Nutzungsstatistiken und/oder Werbung innerhalb einer – von Google ausdifferenzierten – Zielgruppe.

# Google plant die Super-Datenbank (Süddeutsche)
# Google plant Werbedatenbank (WuV)

Beim nächsten Aufreger schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Ich verstehe, dass es Menschen gibt, für die auf Grund spezieller Interessen, ihres Backgrounds oder aus anderen nachvollziehbaren Gründen nur eine anonyme Nutzung sozialer Netzwerke in Frage kommt. Kein Problem.

Gleichzeitig verstehe ich, dass es Menschen gibt, die in ihrem persönlichen Netzwerk gerne wissen wollen, mit wem sie es zu tun haben. Google löst das Problem bisher mehr oder weniger salomonisch. Google-Sprecher Stefan Keuchel antwortete bereits am Dienstag auf eine Frage von Christian Sickendieck (fixmbr):

Um G+ nutzen zu können bitten wir um einen Vor- und einen Nachnahmen. Das sind die “Spielregeln” auf die sich ein Nutzer einlassen muss. Aber: Niemand verlangt einen Identitätsnachweis. Die von Dir beschriebenen Menschen die auf Anonymität angewiesen sind, werden G+ sicher mit einem entsprechenden Namen nutzen. Mehr Infos zu “Your Name and Google Profiles” findest Du hier: http://goo.gl/lCx5b

Freilich hält das Google nicht davon ab, Profile zu sperren, die offenkundig pseudonym genutzt werden. Heute hat es u.a. Enno Park erwischt. Und Sieckendieck legt nach …

# Google+ schmeißt Nutzer wegen Pseudonym raus (Spiegel Online)
# Quo vadis Google? (Christian Sickendieck)

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June 14 2011

Elektronisches Geld

Chaosradio Express Folge 182 behandelt das Thema “Elektronisches Geld“. Tim Pritlove befragt dabei ausführlich Andreas Bogk und dieser erzählt die Geschichte von eCash bis Bitcoin. (MP3)

Schon in den 1990er Jahren versuchten Kryptographen Wege zu entwickeln, wie man das Konzept “Geld” in elektronischer Form realisieren kann, um Werte im Internet weiterreichen zu können. Nach kurzen Experimenten mit digitalem Münzgeld setzten sich dann zunächst reine Weiterleitungsdienste wie PayPal durch. Durch das relativ neue Projekt Bitcoin ist elektronisches Geld wieder in aller Munde. Im Gegensatz zu früheren Ansätzen wird hier auf ein Peer-To-Peer-System gesetzt, in dem alle finanziellen Transaktionen jedem zur Kenntnis gegeben werden. Im Gespräch mit Tim Pritlove erläutert Andreas Bogk die kryptographischen Grundlagen von eCash und Bitcoin.

Themen: kommutative asymmetrische Kryptosysteme; Double Spending Problem; Blinding; eCash; PayPal; Bitcoin; die Dezentralbank; Hashfunktionen; der Bitcoin-Geldschöpfungsprozess; Transaktionskosten; Mining Pools; technische Schwachstellen von Bitcoin; Verifikation der Transaktionen; Implikationen unabhängiger Währungen; Bitcoin Exchanges; Nachvollziehbarkeit von Finanzflüssen; Drogenhandel und Geldwäsche im Bitcoin-Universum; Bitcoin und das Finanzamt; Aufwand und Kosten des Bitcoin Minings.

Dazu passt auch der Alternativ-Podcast Folge 16, wo Felix von Leitner und Frank Rieger über “Über Geld, Währungen, Geldpolitik, eCash + Bitcoin und Schrumpfgeld.” reden. (MP3)

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Die weibliche und lesbische Bloggerin aus Syrien namens Amina

Jung, lesbisch, rebellisch, eloquent und Bloggerin soll Amina Abdallah Araf al Omari gewesen sein und das auch noch in Syrien, wo gerade das Regime massiv und gewaltsam gegen Dissidenten vorgeht. Zumindest gab das Blog “A Gay Girl in Damascus” dies an, was im Februar startete und direkt aus Syrien von den Unruhen berichtete. Für viele Blogger und Journalisten war das enie Traumkombination, mehr Quoten sind selten zu bekommen. Vor einer Woche soll Amina von syrischen Polizeikräften abgeholt und verschwunden sein – zumindest schrieb das eine Verwandte in das Blog von Amina.

Sofort gab es im Netz viel Solidarität, Avaaz startete eine Petition, es gab Facebook-Gruppen, viele Medienberichte und noch mehr Tweets. Nur wenige versuchten zu verifizieren, ob es Amina überhaupt gibt. Natürlich ist die schwierig, wenn in einem Land gerade blutige Unruhen ablaufen und Blogger lieber unter Pseudonym bloggen, um nicht sofort von der Staatssicherheit abgeholt zu werden. Schwierig ist das vor allem, wenn man nicht in dem Land sitzt und trotzdem darüber schreiben will oder muss. Manchmal ist das aber auch notwendig: Im Fall von Amina kam jetzt raus, dass das mit jung, lesbisch und syrische Rebellin eine tolle Geschichte ist, aber auch nicht mehr: Ein 40-jähriger verheirateter weißer Mann aus den USA (der in Schottland studiert) hatte die tolle Idee, durch das Fake-Blog die Dissidenten in Syrien zu unterstützen und Aufmerksamkeit, sowie Solidarität für ihre Anliegen zu schaffen. Oder so. Sagt er zumindest, als immer mehr Menschen der Quelle nach recherchierten und er dann damit konfrontiert wurde. Die IP-Adresse seiner eMail verriet ihn, diese wurde zur Uni Edinborough zurück verfolgt. Nur hat er seiner Unterstützung alles noch schlimmer gemacht.

Dass am anderen Ende des Netzes immer auch ein Hund sitzen kann, sagte eine berühmte Karikatur schon in den Neunzigern. Auch während der grünen Revolution im Iran gab es viele Diskussionen über die Vertrauenswürdigkeit von Quellen. Bei Fotos und Videos ist es oftmals nicht ersichtlich, ob sie jetzt tatsächlich zu einem aktuellen Geschehen gehören, oder aus einer anderen Zeit und einem anderen Ort stammen. Das macht es schwierig, über Ereignisse zu berichten, vor allem, wenn man als Journalist und/oder Blogger kuratiert, filtert und Ereignisse aufbereitet. Und oft werden Videos, Geschichten und Fotos mit einem Klick schnell weiter verbreitet.

Wie man das lösen kann und welche Auswirkungen die Entwicklung dieser #Amina-Geschichte haben wird, ist immer noch etwas unklar. Erfolgreiche Blogger in Ägypten und Tunesien nutzten in der Regel keine Pseudonyme. sondern ihre realen Namen. Das hat ihnen auch in revolutionären Zeiten geholfen. Und sie waren verifizierbar. Aber man kann davon ausgehen, dass dies nicht in jedem repressiven Staaten hilft, in anderen wird man einfach abgeholt und ins Gefängnis gesteckt, gefoltert und erschossen. Nicht berichten hilft auch nichts, oft genug ist etwas dran und hinter Blogs und psyeudonymen Online-Identitäten stecken echte Menschen mit einem Anliegen und einer Geschichte – und keine Deppen mit etwas Langweile und einem Fake-Blog.

Weitere Quellen zu der Geschichte:

Andy Carvin und Ali Abunimah haben vor rund einer Woche schon versucht, die Identität zu klären und haben mit vielen Puzzlestücken und ihren Lesern geholfen, Licht hinter die Geschichte zu bringen. Und das ist eine spannende Geschichte, wie man gemeinsam mit Vielen anderen eine Quelle verifiziert und die Geschichte aufklärt.

Ethan Zuckerberg hat einen guten Überblicksartikel zu der Geschichte und auch der Guardian berichtet ausführlich.

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May 17 2011

Wieder Hausdurchsuchung wegen Tor-Exit-Server

Sören Weber hat bis vor einiger Zeit einen Tor-Exit-Server betrieben. Am vergangenen Donnerstag stand plötzlich die Polizei vor der Tür und beschlagnahmte bei einer Hausdurchsuchung seine Computer und Festplatten, weil er im Verdacht steht, im Besitz von Kinderpornographie zu sein. Er beschreibt die Situation ausführlich in seinem Blog und bittet um Spenden, um die rund 1000 Euro pauschale Anwaltskosten refinanzieren zu können: Der Preis einer freien, weltweiten Kommunikation.

Ich befinde mich derzeit auf dem zweiten Bildungsweg und lebe von BAföG. Ich werde voraussichtlich in ein paar Monaten mein Studium beginnen. Das Geld ist also derzeit für mich eher knapp und eine Änderung ist auch erstmal nicht in Sicht. Die außergerichtliche Vertretung durch meinen Rechtsanwalt hat mich einen Pauschalbetrag von 1.000€ gekostet. Das ist ein Preis, den ich für das Ideal der Informationsfreiheit gerne zahle – und trotzdem schmerzt es in meiner Situation. Falls du dich in der Lage siehst, mir ein wenig finanziell zu helfen ohne dein Leben zu verschlechtern, würde ich mich über eine Spende (egal wie klein) sehr freuen!

Die Geschichte, Kontakt- und Spendendaten finden sich auf seinem Blog.

Update: Die Spendensumme ist längst erreicht, alles, was darüber gespendet wurde, gibt Sören an das Torproject und eine weitere Organisation weiter.

Hintergrund zu Tor, der Technik und der rechtlichen Lage beschreibt der Netzpolitik-Podcast Folge 99 mit Andreas Lehner: NPP099: Anonymität und das TOR-Projekt

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May 13 2011

Uebermorgen.TV über das Ende der Anonymität

Die erste Folge von Uebermorgen.TV ist online. Die von Blinkenlichten (Elektrischer Reporter, etc.) für das ZDF produzierte Reihe behandelt in der ersten Folge eine Dytopie über das Ende der Anonymität im Netz. Lustig ist die Idee mit dem “Fischer-Erlass”. Aber schaut selbst:

Unter dem Schutz der Anonymität vergessen viele Zeitgenossen im Web ihre gute Erziehung: Sie pöbeln, schimpfen und diffamieren in Blogs und Foren. Bereits jetzt verlangen viele Blog-Betreiber von Kommentatoren eine Identifikation via Facebook oder Twitter, um vor den anonymen Horden wenigstens eine kleine Hürde aufzubauen. Haben wir es hier mit einer unvermeidbaren Begleiterscheinung der Kommunikation im Web zu tun oder mit einem vorübergehenden Phänomen? Wie es übermorgen weitergehen könnte, mit der Anonymität im Netz, damit beschäftigt sich die erste Folge von Uebermorgen.tv.

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February 25 2011

Studie: Pseudonymität mindert nicht die Glaubwürdigkeit

Eine Studie von Thomas Chesney und Daniel K.S. Su kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Für die Glaubwürdigkeit von Bloggern scheint es unerheblich zu sein, ob unter Klarnamen oder Pseudonym geschrieben wird. Untersucht wurde die Frage anhand von 3 Gruppen, die einen exakt gleichen Text einmal mit einem Pseudonym, einmal mit Pseudonym, Alter und Geschlecht, und einmal mit Klarname, Alter, Foto und Beschreibung eines vermeintlichen Autors zu lesen bekamen. Danach sollte unter anderem die Glaubwürdigkeit des Bloggers beurteilt werden.

Es ergab sich kein signifikanter Zusammenhang, und sogar ein leichter Trend zu erhöhter Glaubwürdigkeit durch das Pseudonym. Nun sollte man das Ergebnis nicht überbewerten: Der Text war immer gleich (Thema: Fußpilz) und es wurde der Effekt nicht in anderen Themenbereichen (z.B. Politik, Produktbewertungen, und, wichtig: Nachrichten) oder mit unterschiedlichen Stilen (pöbelnd, Rechtschreibfehler,…) untersucht. Moderatoreffekte halte ich hier für sehr wahrscheinlich: Nur, weil ich einen anonymen Text über Fußpilz als glaubwürdig empfinde, heißt es noch nicht, dass ich das in anderen Themengebieten ebenso tue. Auch könnte ich mir vorstellen, dass die Glaubwürdigkeit nicht-pseudonyme Autoren weniger Fehlern oder schlechtem Stil leidet als die von pseudonymen Bloggern. Ansonsten ist noch anzumerken, dass die eigentliche Untersuchung bereits 2006 stattfand, als Blogs noch eine weniger beachtete Rolle spielten, die Leser sich also evtl. mit einem anderen Anspruch dem Text genähert haben.

Ich will mich jetzt hier nicht auch noch über die homogene Stichprobe und weitere Kritikpunkte an der Studie auslassen, belassen wir es einfach dabei: Bevor man das Ergebnis für bare Münze nimmt, sollte das es mal unter geneuerer experimenteller Kontrolle repliziert werden. Wenn es sich als stabil herausstellt, ist es in der Tat interessant.

Thomas Chesney and Daniel K.S. Su (2010). The impact of anonymity on weblog credibilityInternational Journal of Human-Computer Studies, 68 (10), 710-718

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November 23 2010

Die Google-Richtlinien fürs In-die-Pfanne-hauen:Über die gesellschaftliche Verantwortung von ISPs und Hostern

Der eigentliche Fall ist schon ein paar Wochen her und dient hier nur als Vorgeschichte, obwohl er nicht minder skandalös ist: Ein anonymer Blogger in Jacksonville, Florida schreibt in seinem Blog kritisch über die Leitung der babtistischen Kirche, die er besucht.

In dieser Kirche ist auch Robert Hinson Mitglied, und darüber hinaus Diakon, Sicherheitsbeauftrager, und Mitglied des Komittees für Disziplinarmaßnahmen. Hauptberuflich ist Hinson Sheriff, also fackelt er nicht lange, sondern strengt offizielle Ermittlungen gegen das Blog an. Der zuständige Staatsanwalt Stephen Siegel stellt ihm dankenswerterweise die Subpoena (etwa: “Vorladung”) zur Feststellung des Autors des Blogs aus.

Der Blogger wird identifiziert, und der rechtschaffene Sheriff stellt die Ermittlungen ein, vernichtet alle Akten und rennt zur Kirche, um zu petzen. Der vormals anonyme Kritiker wird auf sein Dasein als Sünder hingewiesen, und mittels Hausverbot exkommuniziert.

Natürlich – alles andere wäre dumm – klagt der besagte Blogger gegen Staat und Stadt, und separat gegen die Kirche. Das Verfahren gegen Staat und Stadt, das die Korruptheit und den Amtsmissbrauch des Polizisten gerichtlich verbrieft hätte, wird außergerichtlich mit Hilfe von 50.000$ geregelt.

Welche Frage aber bleibt offen?
Genau: Wo hat der Kritiker geblogt, und mit welcher Begründung hat der Provider den Axel E. Fischer gemacht?

Die Frage stellte sich auch Paul Alan Levy – und ging ihr nach. Das Blog selbst war bei blogspot, einem Google-Dienst gehostet. Konfrontiert mit der Vorladung gab Google ohne weitere Nachfragen alle gesammelten Informationen (Hauptsächlich wohl IPs und Anmelde-Emailadresse) heraus. Mit einer zweiten Vorladung des ISP Comcast, der genau so prompt Folge geleistet wurde, war der Blogger identifiziert.

Üblicherweise geben Google und Comcast bei zivilrechtlichen Beschwerden die Daten nicht heraus, sondern bieten ihren Nutzern Gelegenheit, ihre Anonymität zu wahren, indem sie benachrichtigt, und evtl. zur Gegendarstellung aufgefordert werden. Handelt es sich jedoch um straf- statt zivilrechtliche Ermittlungen, stellen beide keine Fragen mehr. Nicht nur die PR-Abteilungen wollen natürlich dafür Sorge tragen, dass das geliebte Unternehmen nicht in die Nähe der Schlagzeile kommt, einen “Irgendwas-mit-Terror-oder-Kindern” gedeckt zu haben.

Wenn man diese – ziemlich naheliegende und auf den ersten Blick nicht zu kritisierende – Richtlinie kennt, dann öffnet sie Tür und Tor, sofern man in den entsprechenden Positionen sitzt. Oder jemanden kennt… Es gibt aber auch ein anderes Wirtschaftsfeld, in dem eine ähnliche Richtlinie gilt. Allerdings ist man in diesem Feld aufgrund eines Berufsethos sehr darauf erpicht, auch angeblich strafrechtliche Ermittlungen genauestens zu prüfen. Dieses Berufsfeld ist das der Presse und Medien. Hier schützen Anwälte den vertrauenswürdigen Ruf ihrer Journalisten, und stärken den Quellenschutz, ohne den diese nie operieren könnten. Als angenehmen Nebeneffekt bauen sie dabei unser aller Recht auf freie Meinungsäußerung zu einer Möglichkeit zur freien Meinungsäußerung aus.

Dieses Recht ist eines der momentan bedrohten Grundrechte. Internet-Hoster und -Provider sind diejenigen, deren Rechtsabteilungen es verteidigen könnten. Und zwar aus der gleichen Zwangslage heraus, wie die klassischen Medien: Um das Vertrauen in sie selbst zu stärken.

Es wäre schön, wenn ISPs und Hosting-Anbieter sich darauf besinnen würden, wie wichtig ihr Rückgrat in solchen Fällen ist. Sie sind die einzigen Instanzen, die einem sich ausweitenden Rechtsmissbrauch entgegentreten können. Es reicht nicht, die Rechte der Nutzer nur im zivilrechtlichen Bereich zu wahren, und sie ohne Prüfung zu ignorieren, wenn irgendein strafrechtlicher Kontext erfunden wird.

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August 30 2010

NPP099: Anonymität und das TOR-Projekt

Es gibt wieder Bildungsradio! Der Netzpolitik-Podcast Folge 099 behandelt diesmal das Thema Anonymität im Netz am Beispiel des TOR-Projekts. Andreas Lehner, aktiv im Chaos Computer Club und im TOR-Project, erklärt ausführlich, worum es bei TOR geht, wie das System funktioniert und warum sich der Chaos Computer Club für Anonymität engagiert und wie das konkret aussieht.

Der einstündige Podcast behandelt sowohl die Geschichte des Projekts, bietet technische Hintergründe, die man auch ohne Informatik-Studium verstehen wird und erklärt, wie die Polizei auf die Existenz von Anonymitäts-Infrastrukturen reagiert und wie man sich verhalten sollte, um Kontakt mit den Sicherheitsbehörden möglichst zu vermeiden, bzw. was zu tun ist, wenn sie dann doch mal bei Admins vor der Tür stehen sollten.

Falls noch Zweifel vorhanden sind: Anonymität und die dazu gehörende informationelle Selbstverteidigung ist in Deutschland noch vollkommen legal. Oder um es mit unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sagen:

“Das sind aber Dinge, über die darf man nicht diskutieren – die muss man einfach machen!”


Unterstützen kann man das TOR-Projekt auf verschiedenen Arten: Am einfachsten ist es, Geld für den Betrieb von Infrastrukturen zu spenden. Die CCC-nahe Wau-Holland-Stiftung hat dazu ein Spendenkonto, womit die vier CCC-eigenen TOR-Server finanziert werden. Wer will und kann, sollte auch eigene Server betreiben. Was man beachten sollte, erklärt Andreas im Podcast, wichtig ist zumindest, dass diese im Optimalfall eine eigene IP haben, länger online sind und ausreichend Bandbreite haben. Eine Unterstützung durch den Betrieb eigener TOR-Server über die eigene DSL-Leitung mit wenig Bandbreite von zuhause ist für die Gesamt-Infrastruktur eher kontraproduktiv. Wer kein Geld spenden will und auch keinen eigenen Server betreiben möchte, kann auch noch gerne bei der Übersetzung der deutschsprachigen Seiten mitarbeiten. Hier werden noch Übersetzer gesucht.

Hier ist die MP3 und hier die OGG.

Spendenkonto der Wau-Holland-Stiftung:

2772812-02 bei der Commerzbank Kassel
(BLZ 520 400 21) bzw IBAN DE03520400210277281202 BIC COBADEFF

Den Podcast haben wir am vergangenen Freitag, den27. August 2010 aufgenommen und er gibt den aktuellen Stand des Projekts und der rechtlichen Situation wieder. Kann sich ja beides mal ändern.

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August 17 2010

Datenschutz-Problem gelöst: Einfach mal den Namen ändern

Google-Chef Eric Schmidt ist ja gerade auf Interview- und Vortragsreise in seiner Mission, Anonymität im Netz in Frage zu stellen. Der neueste Lacher ist die Idee, dass Jugendliche einfach mit 18 ihren Namen wechseln können sollten, damit ihre ganzen Jugendsünden im Netz unter ihrem alten Namen nicht mehr mit ihrer Person in Verbindung gebracht werden könne.

“[Schmidt] predicts, apparently seriously, that every young person one day will be entitled automatically to change his or her name on reaching adulthood in order to disown youthful hijinks stored on their friends’ social media sites.”

Tolle Idee, denkt man sich, wenn man etwas unbekümmert an die Sache rangeht. Alternativ kann man auch sagen: Für wie blöd hält uns Schmidt – oder wie wenig Ahnung hat er von den technischen Entwicklungen? Was ist denn mit den ganzen Fotos und Video, die von Kindern und Jugendlichen ins Netz gestellt werden und die demnächst auch mit biometrischen Methoden einer Person zugeordnet werden können, was ist mit Verknüpfungen zu anderen Datenquellen wie Netzwerk-Strukturen mit Hilfe von Data-Mining, über die man auch nach einem Namenswechsel schnell eine Person identifizieren kann? Die Liste könnte man auch noch gut ausweiten.

Danah Boyd findet die Idee auch komisch, aber wegen anderer Punkte. Sie beschäftigt sich mti den möglichen Auswirkungen der Idee auf Reputation: a few thoughts on name changes & reputation.

That point aside, reputation is built up over time. It can be built up negatively and positively. But even when folks have a negative reputation, they often don’t want to lose the positive reputation that they’ve built. Starting at zero can be a lot harder than starting with a mixed record. Most people who have bruises on their public reputation also have gold stars. Just look at various infamous people who have had their names dragged through the mud by the press. Many have been invited to change their names but few have. Why? Because it’s more complicated than a simple name change.

Update: Ähnliche Gednaken gibt es auch hier: Zu kurz gesprungen, Eric Schmidt.

August 08 2010

Google-Chef findet Anonymität nicht gut

Das ist ja vollkommen überraschend: Der Google-Chef Erich Schmidt findet Anonymität nicht so gut: Google-CEO Schmidt: Mangelnde Reife für die “technologische Revolution”.

Laut Schmidt ist die Gesellschaft wegen der weitgehenden Anonymität im Internet derzeit nicht in der Lage, mit diesen benutzergetriebenen Entwicklung umzugehen. Seiner Meinung nach lässt sich der Missbrauch der technischen Möglichkeiten nur mit wesentlich mehr Transparenz und einem vollständigen Verzicht auf Anonymität verhindern. Die Nutzer müssten für ihre Aktivitäten im Netz auch verantwortlich gemacht werden können. In einer Welt asynchroner Bedrohungen sei es zu gefährlich, dass es keinen Weg gibt, Benutzer zu identifizieren, sagte Schmidt und forderte als Lösung eine Art DNS für Menschen.

Sicherlich ist es zur Einordnung des Zitates vollkommen unrelevant, wenn man bemerkt, dass Google mehr Geld mit ihren Werbemodellen verdienen würde, wenn es keine Anonymität mehr gibt. Kritische Menschen in politischen Systemen, wo Menschenrechte nicht respektiert werden, finden die Idee wahrscheinlich auch super.

July 16 2010

moot: The case for anonymity online

Auf der letzten TED-Konferenz hielt Christopher “moot” Poole von 4chan einen Vortrag über “The case for anonymity online”. Der ist jetzt online zu finden:

The founder of 4chan, a controversial, uncensored online imageboard, describes its subculture, some of the Internet “memes” it has launched, and the incident in which its users managed a very public, precision hack of a mainstream media website. The talk raises questions about the power — and price — of anonymity.

Etwas älter ist das Netzpolitik-Podcast 058 mit moot: 4chan und Anonymous vs. Scientology.

May 28 2010

Frankreich: Sollen Blogger anonym bleiben?

Diese Woche berichtete das französische Magazin Numerama über einen Gesetzesvorschlag des Senators Jean-Louis Masson. Denn der Senator fordert, die Anonymität der Blogger aufzuheben:

Personen, die nicht professionell über Kommunikationsdienste publizieren, sollen ihren Lesern Elemente zur Verfügung stellen, mit denen sie identifiziert werden können.

Dies beinhaltet den Namen, Vornamen, die Postanschrift und eine Telefonnummer.

Daraufhin wurde nun eine Online-Petition über das französische OverBlog-Portal gestartet, die unter anderem vom Wikio-Chef, der Organisation Reporter ohne Grenzen und der Quadrature du Net mitunterzeichnet wurde.

Auch in der französischen Blogosphäre setzte sich sofort alles für das Recht auf Anonymität der Blogger in Bewebung. Bei Koztoujours mokiert man sich über den Vorschlag (und auch ein wenig über die Diskussion), der die französische Netzwelt in dieser Woche beschäftigte. Denn der Senator wird nicht besonders ernst genommen und mancherorts als „hurluberlu“ – als Luftikus und obskur beschrieben.

Der vielgelesene Blogger Maître Eolas, Avocat der Pariser Anwaltskammer, meint zu der Debatte:

Es ist ganz natürlich, im Internet ein Pseudonym zu verwenden. Man drückt sich viel freier aus. Ich habe, als ich 2004 anfing zu bloggen, ganz bewusst diesen Schritt gemacht, da die Regeln der Anwaltskammer sehr streng waren. (…) Im Übrigen bin ich auch sehr für Anonymität, da ich es wichtiger finde, was ihr sagt und nicht, wer ihr seid.

Ein Artikel, der in der heutigen Printausgabe der LeMonde erscheint, fasst die bisher geäußerten Für und Wider zusammen. Für den Vorschlag sprechen sich einige Anwälte aus, die die langwierigen Verfahren, um an die Identität eines Bloggers heranzukommen, kritisieren. Denn dies bedeute hohe Gerichtskosten für die Mandanten. Und dann werde oftmals festgestellt, dass der Blog unter einem falschen Namen angemeldet wurde…

Wie dem auch sei, ihr könnt hier die Petition zur Verteidigung des Rechts auf Anonymität im Internet anhand der Kommentarfunktion unterzeichnen.

(Crossposting von vasistas?)

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April 20 2010

Telepolis zu offenen WLANs und Anonymität im Netz

Im Vorfeld des für den 12. Mai erwarteten Urteils des Bundesgerichtshofes zum Betrieb offener WLANs, erläutert Oliver Garcia auf Telepolis die Tragweite der Entscheidung: Insbesondere durch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zur Integrität von Telekommunikationnetzen und zur Vorratsdatenspeicherung liege sie auf verfassungsrechtlicher Ebene:

Es ist verfehlt zu meinen, im vorliegenden Fall ginge es lediglich um die Aufstellung von rechtlichen Regeln für Funknetze. Die Frage ist im Kern eine andere, und der jetzige Streitfall kann nicht entschieden werden, ohne auf sie eine Antwort zu geben. Es geht um die Frage: Ist eine anonyme Internetnutzung rechtlich missbilligt? Ist sie eine einzudämmende Gefahr?

Diese ist schlichtweg auch nicht neu: Internetcafés, Hotels, Schulen, Bibliotheken und gute Freunde stellen auch mehr oder wenig anonym Netzzugang bereit. Allen Institutionen eine “Speicherpflicht” aufzubürden hält Garcia für Grundgesetz-widrig:

Ein solches Pflichtenregime kann von der Rechtsprechung nicht unter Anwendung der allgemeinen Regeln der Störerhaftung und/oder der Verkehrssicherungspflicht eingeführt werden.

Eine Begründung dafür liege in der bisherigen Rechtsprechung des BGH, welche explizit ein “Recht des Internetnutzers auf Anonymität” herleitet. Schließlich liege die Kompetenz dieses abzuschaffen auch alleinig beim Gesetzgeber.

Da müssen wir wohl weiter aufpassen, aber erstmal gespannt auf das Urteil bleiben. Jedem juristisch-Interessierten sei der ganze Artikel sehr ans Herz gelegt.

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March 09 2010

Anonymisierungsdienste und die Haftung für Rechtsverletzungen

Der J!Cast – Podcast Folge 79 behandelt das Thema “Anonymisierungsdienste und die Haftung für Rechtsverletzungen“:

In Zeiten der „Datensammelwut“ und des An- und Verkaufs von Daten ist es erstaunlich, dass sogenannte Anonymisierungsdienste in der allgemeinen Wahrnehmung eine noch untergeordnete Rolle spielen. Diese Dienste ermöglichen es, sich gegen das Sammeln von Daten beim Internetsurfen zu schützen, was insbesondere für Freunde des Selbstdatenschutzes von Interesse ist. Zu der technischen Umsetzung, der Nutzung der Angebote zum Selbstdatenschutz und der Haftung von Anbietern dieser Dienste bei Rechtsverstößen sprach Christoph Golla mit Dr. Marco Rau , Rechtsanwalt bei Buse Heberer und Fromm in Frankfurt, und Herrn Martin Behrens , Systemadministrator bei Global Aid Network.


Hier ist die 13 MB große MP3.

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