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August 08 2012

TVShack: Amerikanische Filmindustrie will Berichterstattung mit Astroturfing beeinflussen

Die amerikanische Filmindustrie nutzt Meinungsartikel in Zeitungen und Blogs von Dritten als Teil ihrer Kommunikationsstrategie. Das geht aus einem internen Dokumenten der Motion Picture Association of America hervor, die TorrentFreak nun veröffentlicht hat. Anlass ist die geplante Auslieferung des mutmaßlichen Betreibers der Webseite TVShack in die USA.

Über den Fall des 24-jährigen Briten Richard O’Dwyer hatte netzpolitik.org bereits berichtet. Weil er auf seiner Webseite TVShack auf Copyright-Verstöße verlinkt hat, wurden seine Domains beschlagnahmt und soll ihm der Prozess gemacht werden. Obwohl Großbritannien nicht gegen ihn ermittelt, soll er in die USA ausgeliefert werden.

In der Öffentlichkeit kommt das nicht so gut an. Laut einer Umfrage sind 95 Prozent der Briten gegen die Auslieferung. Eine Petition von Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales gegen die Auslieferung hat schon über 240.000 Unterschriften.

Das gefällt der Filmindustrie nicht. Das Blog TorrentFreak veröffentlichte jetzt einen internen Kommunikationsplan (Mirror) der Motion Picture Association of America (MPAA), der vom Guardian bestätigt wurde. Um die “schwierige Berichterstattung in den Medien” und die angebliche “Desinformationskampagne” zu “kontern”, werden darin eigene Schritte zur Kommunikation entwickelt.

Idealerweise soll die eigene Version der Geschichte durch Dritte verbreitet werden:

Ideally, this would be done through third parties – but finding third parties – especially in the United Kingdom – has been very difficult so far, so the MPAA must be prepared to respond to media requests on the issue and set the record straight to counter the misinformation campaign by our opponents.

Neben Dokumenten, Screenshots und FAQs sollen auch eigene Meinungsartikel in Zeitungen und Blogs von Dritten erstellt werden:

We are also working on an oped as well as blogs by third party surrogates.

Klassisches Astroturfing also. Bleibt zu hoffen, dass ihnen auch mit solch unsauberen Methoden nicht gelingt, die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Einen Tag vorher hatte TorrentFreak bereits den internen Kommunikationsleitfaden zum Thema veröffentlicht. (Mirror)

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July 02 2011

Astroturfing-Vorwürfe gegen Wiki-Watch

Es gibt gerade einige Diskussionen um das Wiki-Watch-Projekt. Dieses hatte sich öffentlichkeitswirksam als „Arbeitsstelle Wiki-Watch im „Studien- und Forschungsschwerpunkt Medienrecht“ der Juristischen Fakultät der Europa-Universität Viadrina die Aufgabe gegeben, die Wikipedia wissenschaftlich und kritisch zu begleiten. Mittlerweile gibt es Vorwürfe, die Betreiber würden aus dem Evangelikalen Umfeld kommen und würden das Projekt eher dafür verwenden, sich einen Namen zu machen, um über eine Public Affairs Agentur Astroturfing-Dienstleistungen anzubieten, Wikipedia-Artikel für Kunden zu manipulieren.

Auf faz.net erschien gestern darüber ein Artikel „Hier prüft der Bürger das Insulin noch persönlich“. Dieser ist jetzt zurückgezogen:

Am Freitag erschien an dieser Stelle ein Artikel über Verbindungen des Projekts „Wiki-Watch“ mit der Pharmaindustrie. Wir nehmen den Text nach Ankündigung juristischer Schritte durch die hier angegriffenen Personen bis auf weiteres aus dem Netz.

Wer sich eine eigene Meinung bilden will, findet den Artikel u.a. noch hier.

Die Dokumentation in der Wikipedia über die Vorwürfe bieten auch viele Informationen über die Hintergründe.

Bin gespannt, was da noch rauskommt.

Update: Die Wiki-Watch-Betreiber haben sich wohl auch mehr oder weniger undercover im VroniPlag-Wiki umgesehen.

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January 24 2011

Verdacht auf Microsoft-Astroturfing an deutschen Unis

Im Rahmen der MSDN AA bietet Microsoft erheblich subventionierte Lizenzen für Lehrkräfte und Lernende an Schulen und Universitäten an. Die Lehreinrichtung zahlt einen vergleichsweise geringen Betrag – und dafür dürfen alle Angehörigen eines Fachbereichs die Software nutzen.

Derartige Angebote sind nicht nur bei Spezial-Software Gang und Gäbe: Schließlich möchten Hersteller zukünftige Kunden möglichst früh an ihre Produkte gewöhnen.

Microsoft-Produkte scheinen die Studierenden aber wohl auch geschenkt nicht haben zu wollen. Anders ließe sich nicht erklären, wieso in letzter Zeit mehrere Fachschaften Emails einer begeisterten Cornelia (“Conny_1989″) bekamen, die anregen wollte, doch mehr für den Service zu werben:

ich fände es toll, wenn ihr in euren Tipps für das Studium auch auf praktische Tipps rund um die Vorlesungen hinweisen könnt.
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mich MSDNAA an der Uni immer mehr begeistert. Die meisten kennen es nur, um sich Windows zu ziehen. Aber wer mal durch den Katalog durchschaut, erkennt, dass sich hier weitere kostenlose „Schätzchen“ befinden, die es lohnt, auszugraben. Ich habe z.B. kürzlich One Note für mich entdeckt. [...]
One Note ist so ne Art Notizbuch und hat gegenüber z.B. Word den Vorteil, dass mit cut&paste reinkopierte Texte automatisch mit Informationen zur Quelle verbunden werden. Kopiere ich was aus einer Webseite, wird automatisch die Webadresse im One Note angezeigt. Das spart mir wahnsinnig Zeit, [...]

Ist es nicht toll, wenn junge Studentinnen derart begeistert sind? Und bei Cornelia scheint es sich auch noch um eine besonders fleißige Studentin zu handeln, die an mehrere hundert Kilometer entfernten Universitäten gleichzeitig studiert.

…und außerdem ihre Emails von IP-Adressen sendet, die zum Subnetz von Microsoft gehören. Auf Anfrage der der Fachschaft Informatik der TU Darmstadt wurde jedoch versichert, dass die Emails “nicht von uns, dem MSDN Academic Alliance Support Team versendet wurde[n].”

November 10 2010

Mit Netzwerkanalysen Astroturfing auf Twitter entdecken

Technology Review berichtet darüber, wie US-Wissenschaftler mit Hilfe von Techniken aus der Netzwerkanalysen Astroturfing-Netzwerke auf Twitter entdeckt haben: Falsche Online-Vögel. Diese Netzwerke wurden wohl sehr gerne von konservativer Seite für politische Zwecke genutzt. Solche Netzwerkanalysen könnten wir auch mal in Deutschland gebrauchen, wie #s21 zeigt.

Wissenschaftler an der Indiana University haben Beweise dafür gefunden, dass politische Kampagnen und Lobby-Gruppen in den USA zahllose falsche Accounts beim Kurznachrichtendienst Twitter angelegt haben. Das Ziel dieser Bemühungen scheint zu sein, nach außen den Eindruck einer breiten Graswurzelbewegung zu vermitteln – und damit Meinung zu machen und Wähler zu beeinflussen.

Das Forschungsprojekt heißt Truthy und auf der Webseite finden sich mehr Informationen.

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October 11 2010

Textprovider: Fingierte Kundenbeurteilungen galore

Während Helmut Hoffer von Ankershoffen für die zwei Eigenbewertungen des WeTab übertrieben gebasht wird, hat die Telekom Einkaufswelt die Agentur Textprovider damit beauftragt ihren Shop mit Nutzerkommentaren zu füllen. Ich habe mir Textprovider mal etwas genauer angeschaut.

Offensichtlich wurden bei Textprovider von der Telekom 1.000 Texte zwischen 80 und 180 Zeichen geordert, um vorzutäuschen dass sich die Kunden angeregt über die Produkte austauschen (bzw. das überhaupt Kunden existieren?). Da die Bewertungen authentisch sein sollten, durften sie auch negativ sein. Hintergrund bei so etwas ist neben dem erhofften Entfachen weiterer (dann kostenloser) Diskussionen eine bessere Platzierung bei Suchmaschinen.

Die beauftragte Firma Textprovider hat sich auf das Erstellen von “Unique Content” zur Suchmaschinenoptimierung spezialisiert. Natürlich wird auf der Website nicht ausdrücklich vorgeschlagen irgendwelche Dinge zu fälschen, aber Hinweise wie

Wir verfügen über Erfahrungen in den Bereichen (technische) Produktbeschreibungen, Glossartexte, Ratgeberartikel, Blogbeiträge, PR-Texte, Veranstaltungsankündigungen, Touristik (z.B. Reise-, Städte- und Hotelbeschreibungen) uvm.

oder der Besitz der Domain produktbeschreibung.eu sind natürlich ein klarer Wink mit dem Zaunpfahl. Unter ‘Referenzen’ wird dann auch kein einziger Kunde gelistet, sondern ein paar Artikel in mir nicht bekannten Zeitschriften. Was auf der Kundenseite als großartige, professionell fundierte SEO-Dienstleistung in Profi-Denglisch mit “Fachwörtern” wie unique vs. duplicate content und keyword density (inkl. Glossar!) beworben wird, sieht auf der anderen Seite ziemlich popelig aus:

Jede(r) kann sich über ein einfaches System anmelden, bezahlt wird bei erteilten Aufträgen auf Rechnung. Wir befinden uns also nicht nur an der gerne großzügig ausgelegten Grenze zur Scheinselbstständigkeit (Textprovider würde das abstreiten und sich natürlich als Vermittlungsagentur bezeichnen), sondern ganz sicher auch fernab von jeder Professionalität – aber wen überrascht das schon?

Immerhin ist Textprovider professionell genug, die internen Schulungsvideos bei Youtube zu hosten. Wer also Interesse daran hat, freiberuflicher SEO-Profi-Texter (oder so) zu werden, kann sich hier ausgiebig alles erklären lassen, und sich dann direkt anmelden.

Hinter Produktbeschreibung und Textprovider verbirgt sich im Übrigen die Firma collective IQ, eine englische Limited mit Sitz in Bochum, die auch direkt das passende Portal netjobbing.de zur Rekrutierung ihrer Schreiberlinge unterhält. Für netjobbing.de haben die 3 Geschäftsführer 2008 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Rahmen Wettbewerbs „Mit Multimedia erfolgreich starten“ einen mit 5.000€ dotierten Gründerpreis bekommen.

September 25 2010

Astroturfing bei Stuttgart 21

Es gibt einige Indizien und Belege dafür, dass im Rahmen der Auseinandersetzung um Stuttgart 21 mittlerweile beauftragte PR-Agenturen massiv in sozialen Medien als Befürworter auftreten und dort Bürgerengagement simulieren. Metronaut hat schon einige Seiten enttarnt (“Stuttgart 21: Mit PR-Agenturen gegen Demonstranten“) und bei Andreas Bühler finden sich weitere Informationen: Die gekaufte Bewegung? Stuttgart 21-Befürworter im Netz.

Der Spaß ist gewiss nicht billig. Zahlen wir wahrscheinlich bei jeder Bahnfahrt mit.

Reposted bymondkroete mondkroete

July 13 2010

De-Mail: Astroturfing in der Wikipedia?

Nur kurz, aus dem Off: Drüben beim “mentalschnupfen” gibt es ein lustiges Fundstück. Und zwar aus einem älteren Wikipedia-Eintrag über “De-Mail”, dem Leuchturmprojekt für rechtsverbindliche eMails, mit dem wir in den nächsten Jahre sicher noch viel Spaß haben werden.

Wesentliche Zielsetzung neben der integeren und vertraulichen Nachrichtenübermittlung ist die Nachvollziehbarkeit der elektronischen Kommunikation und die Authentizität der Nachrichten auf Basis bekannter und verständlicher Technik. Eine grundlegende Anforderung an De-Mail ist deshalb auch die Benutzerfreundlichkeit und einfache Bedienbarkeit.

Ach, ihr kennt den Text? Und ihr habt euch auch schon gefragt, ob der aus einer Werbebroschüre des Innenministeriums stammt? Nun, fast. Zumindest darf man annehmen, dass er von einem Berater aus dem IT-Stab im Bundesministerium des Innern verfasst wurde. Aber lest selbst.

(via Zivilschein@Twitter)

Reposted byurfin urfin

May 12 2010

US-Astroturfing: Netzneutralität ist wie chinesische Zensur

In den USA ist die Netzneutralitäts-Debatte wieder entbrannt. Mit dabei sind verschiedene Astroturf-Organisationen, die von Telekommunikationsunternehmen wie AT&T und Comcast finanziert werden und irgendwie so aussehen sollen, als ob damit der Bürgerwille vertreten werden soll. Diese bezeichnen Netzneutralität nun z.B. als “Obamacare for the Internet”, die Anhänger von Netzneutralität seien Kommunisten und Marxisten und überhaupt sei Netzneutralität vergleichbar mit der chinesischen Zensur. Das Blog ThinkProgress hat eine Powerpoint-Präsentation zugeschickt bekommen, wo die Astroturfing-Strategie gut beschrieben wird: Telecoms’ Secret Plan To Attack Net Neutrality: Target Video Gamers And Stoke Fear Of Chinese Censorship. Hier sind einige Ausschnitte:

– Slides 7-8 calls for the campaign to target “libertarian minded internet users and video gamers” and “social conservative activists” with anti-government messages and a rebranding of net neutrality as “Net Brutality.”
– Slide 9 calls for a strategy of creating a Chinese blog to compare net neutrality to Chinese government censorship, outreach via social networking platforms like Twitter and Facebook.
– Slides 10-11 detail how representatives met at Grover Norquist’s infamous “Wednesday morning meeting” to orchestrate the new campaign. Norquist is known to use his Wednesday meetings to plot strategy and conservative coalition building towards lobbying goals.

Die Handlungsempfehlungen sind sicher auch sinnvoll für die deutsche und europäische Debatte.

Ein sehr empfehlenswertes Buch über Astroturfing ist übrigens “Giftmüll macht schlank“. Nach dem lesen ist einem zwar etwas schlecht, aber man ist auch etwas besser auf die Realität vorbereitet.

Reposted bylit lit
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