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February 14 2014

Rücktritt von Hans-Peter Friedrich

Wir finden es sehr schade, dass Hans-Peter Friedrich nicht über seine Nicht-Aufklärung des NSA-Skandals gestolpert ist.

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Hier haben wir ein trauriges Best-of seiner Spitzenleistungen als ehemaliger Bundesinnenminister:

Unglaublich: Friedrich verteidigt anlasslose Vollüberwachung des Internets durch die NSA als verfassungskonform

Friedrich: Die NSA überwacht uns gar nicht, die filtern nur!

Innenminister Friedrich glaubt der NSA

Hans-Peter Friedrich: Rücktritt? Auf keinen Fall!

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

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February 12 2014

Internetausschuss #btada: Das sind die Abgeordneten.

Morgen wird endlich, mit einiger Verspätung, der Bundestagsausschuss “Digitale Agenda” eingesetzt. Während es um das zugehörige Hashtag (#aida #btada #ada …) noch einiges an Klärungsbedarf gibt, sind nun zumindest die ordentlichen Mitglieder des Ausschusses klar. Insgesamt wird der Ausschuss 16 Mitglieder umfassen. Gemäß der Sitze im Bundestag ergibt sich daraus folgende Verteilung: CDU 6, CSU 1, SPD 5, LINKE 2, GRÜNE 2.

Da fast alle Mitglieder des Ausschusses, wie es sich gehört, auch auf Twitter zu finden sind, haben wir euch hier eine Twitter-Liste erstellt. Über die folgenden 32 PolitikerInnen werden wir in Zukunft wohl ein bisschen öfter berichten, sollte sich der Ausschuss nicht als zahnloser Tiger heraus stellen:

CDU – ordentliche Mitglieder (6)

Jens Koeppen (Ausschussvorsitz), Elektrotechniker

CC BY-SA 3.0 - Frank Nürnberger
CC BY-SA 3.0 – Frank Nürnberger

Wahlkreis: Uckermark - Barnim I (57)
Weitere Ausschüsse: Ältestenrat (ordentlich), Wirtschaft & Energie (ordentlich), Verkehr & digitale Infrastruktur (stellvertretend)
Social Media: WebsiteTwitterFacebook

Thomas Jarzombek (Sprecher), IT-Berater

CC BY-SA 3.0 - Tobias Koch

CC BY-SA 3.0 – Tobias Koch

Wahlkreis: Düsseldorf 1 (106)
Weitere Ausschüsse: Verkehr & digitale Infrastruktur (ordentlich), Wirtschaft & Energie (stellvertretend)

Saß letzte Legislaturperiode für die CDU/CSU in der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft, enthielt sich beim LSR
Social Media: WebsiteTwitter, Facebook

Maik Beermann, Sparkassenbetriebswirt / Bankkaufmann

CC BY-SA 3.0 - Laurence Chaperon

CC BY-SA 3.0 – Laurence Chaperon

Wahlkreis: Nienburg II - Schaumburg (40)
Weitere Ausschüsse: Angelegenheiten der Europäischen Union (Ordentlich),  Ernährung und Landwirtschaft (Stellvertretend), Verkehr und digitale Infrastruktur (Stellvertretend)
Social Media: Website

Dr. Andreas Nick , Hochschullehrer

CC BY-SA 3.0 - Bianca Richter

CC BY-SA 3.0 – Bianca Richter

Wahlkreis: Montabaur (205)
Weitere Ausschüsse: Auswärtiger Ausschuss (ordentlich), Finanzausschuss (stellvertretend)
Social Media: Website,  Twitter, Facebook

Tankred Schipanski, Rechtsanwalt

CC BY-SA 3.0 - Michael Reichel

CC BY-SA 3.0 – Michael Reichel

Wahlkreis: Gotha – Ilm-Kreis (192)
Weitere Ausschüsse: Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung (ordentlich), Recht & Verbraucherschutz (stellvertretend), Angelegenheiten der Europäischen Union (stellvertretend), Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung (stellvertretend)
Social Media: WebsiteTwitter, Facebook

Christina Schwarzer, Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte

CC BY-SA 3.0 - Laurence Chaperon

CC BY-SA 3.0 – Laurence Chaperon

Wahlkreis: Berlin-Neukölln (82)
Weitere Ausschüsse: Familie, Senioren, Frauen & Jugend (Obfrau, ordentlich), Gesundheit (stellvertretend), Petitionsausschuss (stellvertretend)
Social Media: WebsiteTwitter, Facebook

CDU –  stellvertretende Mitglieder

Bettina Hornhues, Bankkauffrau

Wahlkreis: Bremen II – Bremerhaven (55)
Weitere Ausschüsse: Familie, Senioren, Frauen & Jugend (ordentlich), Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung (Stellvertretend)
Social Media: Website, Twitter, Facebook

Nadine Schön, Juristin

CC BY-SA 3.0 - Margarete Singer

CC BY-SA 3.0 – Margarete Singer

Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
Wahlkreis: St. Wendel (289)
Weitere Ausschüsse: Familie, Senioren, Frauen & Jugend (stellvertretend)
Social Media: Website, Twitter, Facebook

Dr. Peter Tauber, Historiker

CC BY-SA 3.0 - Tobias Koch

CC BY-SA 3.0 – Tobias Koch

Generalsekretär der CDU Deutschlands
Wahlkreis: Main-Kinzig – Wetterau II – Schotten (175)
Weitere Ausschüsse: Familie, Senioren, Frauen & Jugend (ordentlich)
Social Media: Homepage, Twitter, Facebook

Marco Wanderwitz, Rechtsanwalt

CC BY-SA 3.0 - Laurence Chaperon

CC BY-SA 3.0 – Laurence Chaperon

Vorsitzender der Arbeitsgruppe Kultur und Medien & Vorsitzender der Jungen Gruppe
Wahlkreis: Chemnitzer Umland – Erzgebirgskreis II (163)
Weitere Ausschüsse: Recht & Verbraucherschutz (ordentlich), Kultur & Medien (ordentlich), Wahlprüfung, Immunität & Geschäftsordnung (stellvertretend), Finanzausschuss (stellvertretend)
Social Media: Homepage, Twitter

Marian Wendt, Verwaltungswirt,

Wahlkreis: Nordsachsen (151)
Weitere Ausschüsse: Innenausschuss (ordentlich), Verkehr & digitale Infrastruktur (stellvertretend), Familie, Senioren, Frauen & Jugend (stellvertretend)
Social Media: Facebook

Kai Whittaker, Wirtschaftswissenschaftler

CC BY-SA 3.0 - Laurence Chaperon

CC BY-SA 3.0 – Laurence Chaperon

Wahlkreis: Rastatt (273)
Weitere Ausschüsse: Arbeit & Soziales (ordentlich), Finanzausschuss (stellvertretend), Bildung, Forschung & Technikfolgenabschätzunh (stellvertretend)
Social Media: Website, Facebook 

CSU – ordentliche Mitglieder (1):

Hansjörg Durz, Bürgermeister, Bankkaufmann

CC BY-SA 3.0 - Marcus Mark

CC BY-SA 3.0 – Marcus Mark

Wahlkreis: Augsburg-Land (253)
Weitere Ausschüsse: Wirtschaft & Energie (ordentlich), Finanzausschuss (stellvertretend)
Social Media: WebsiteTwitterFacebook

CSU – stellvertretende Mitglieder:

Ulrich Lange (CSU), Rechtsanwalt

CC BY-SA 3.0 - Henning Schacht

CC BY-SA 3.0 – Henning Schacht

Wahlkreis: Donau-Ries (254)
Weitere Ausschüsse: Verkehr und digitale Infrastruktur (ordentlich), Haushaltsausschuss (stellvertretend)
Social Media: Website

SPD – ordentliche Mitglieder (5)

Lars Klingbeil, Politikwissenschaftler

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Sprecher für Netzpolitik der SPD-Bundestagsfraktion
Wahlkreis: Rotenburg I – Heidekreis (035)
Weitere Ausschüsse:
Social Media: Homepage, Blog, Twitter, Facebook

Saskia Esken
, staatlich geprüfte Informatikerin

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Wahlkreis: Calw (280)
Weitere Ausschüsse: Bildung, Forschung & Technikfolgenabschätzung (ordentlich), Umwelt, Naturschutz, Bau & Reaktorsicherheit (stellvertretend)
Social Media: Website, Twitter, Facebook

Gerold Reichenbach, Gymnasiallehrer, Studienrat a.D. (Stellvertretender Ausschussvorsitz)

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Wahlkreis: Groß-Gerau (184)
Weitere Ausschüsse: Innenausschuss (ordentlich), Menschenrechte & humanitäre Hilfe (stellvertretend)
Social Media: Website, TwitterFacebook

Christina Kampmann, Politikwissenschaftlerin

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Erweiterter Vorstand der SPD-Bundestagsfraktion
Wahlkreis: Bielefeld – Gütersloh II (132)
Weitere Ausschüsse: Angelegenheiten der Europäischen Union (ordentlich), Innenausschuss (stellvertretend)
Social Media: Website, Twitter, Facebook

Christian Flisek, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Urheberrecht und gewerblichen Rechtschutz

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll)
Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll)

Wahlkreis: Passau (229)
Weitere Ausschüsse: Recht & Verbraucherschutz (ordentlich), Wahlprüfung (ordentlich), Wirtschaft & Energie (stellvertretend)
Social Media: Website, Facebook

SPD – stellvertretende Mitglieder

Martin Dörmann, Rechtsanwalt

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Sprecher für Kultur und Medien der SPD-Bundestagsfraktion, Erweiterter Vorstand der SPD-Bundestagsfraktion
Wahlkreis: Köln I (93)
Weitere Ausschüsse: Kultur & Medien (ordentlich), Verkehr & digitale Infrastruktur (ordentlich), Wirtschaft & Energie (stellvertretend), Richterwahlausschuss (stellvertretend), Kuratorium der Stiftung “Deutsches Historisches Museum” (ordentlich), Kuratorium der Stiftung “Haus der Geschichte der BRD” (ordentlich)
Social Media: Website, Facebook

Marco Bülow, Journalist

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Wahlkreis: Dortmund I (142)
Weitere Ausschüsse: Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (ordentlich), Kultur und Medien (stellvertretend), Wirtschaftliche Zusammenarbeit & Entwicklung (stellvertretend)
Social Media: Website, Twitter, Facebook

Carsten Träger, Dipl. Kommunikationswirt

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Wahlkreis: Fürth (243)
Weitere Ausschüsse: Schriftführer (ordentlich), Sportausschuss (ordentlich) Umwelt, Naturschutz, Bau & Reaktorsicherheit (ordentlich), Familie, Senioren, Frauen und Jugend (stellvertretend), Kommission Lagerung radioaktiver Abfallstoffe (stellvertretend)
Social Media: Website, Facebook 

Dr. Jens Zimmermann,  Dipl. Kaufmann

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Wahlkreis: Odenwald (187)
Weitere Ausschüsse: Finanzausschuss (ordentlich)
Social Media: Website, Twitter, Facebook

Sören Bartol, Dipl. Politikwissenschaftler

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion
Wahlkreis: Marburg (171)
Weitere Ausschüsse: Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (stellvertretend), Verkehr & digitale Infrastruktur (stellvertretend)
Social Media: Website, Twitter, Facebook

DIE LINKE – ordentliche Mitglieder (2)

Halina Wawzyniak, Juristin

Sprecherin für Netzpolitik der Linksfraktion im Bundestag
Wahlkreis: Berlin – Friedrichshain – Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost (083)
Weitere Ausschüsse: Recht & Verbraucherschutz (ordentlich), Verkehr & digitale Infrastruktur (stellvertretend), G 10-Kommission (stellvertretend)
Social Media: Website, Blog, Twitter, Facebook

Herbert Behrens, Gewerkschaftssekretär & Sozialwissenschaftler

Wahlkreis: Osterholz – Verden (034)
Weitere Ausschüsse: Verkehr & Digitale Infrastruktur (ordentlich), Haushaltsausschuss (stellvertretend), Kultur & Medien (stellvertretend)
Social Media: Website

DIE LINKE – stellvertretende Mitglieder

Petra Pau
, Lehrerin

Vizepräsidentin des deutschen Bundestages
Wahlkreis: Berlin – Marzahn-Hellersdorf (085)
Weitere Ausschüsse: Ältestenrat (stellv. Vorsitz, ordentlich), Innenausschuss (stellvertretend)
Social Media: Website, Twitter

Jan Korte, Politikwissenschaftler

Wahlkreis: Anhalt (071)
Weitere Ausschüsse: Innenausschuss (ordentlich)
Social Media: Website

BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN – ordentliche Mitglieder (2)

Dr. Konstantin von Notz, Rechtsanwalt

Stellvertretender Fraktionsvorsitzender & Sprecher für Netzpolitik der Grünen Bundestagsfraktion
Wahlkreis: Herzogtum Lauenburg – Stormarn-Süd (010)
Weitere Ausschüsse: Innenausschuss (ordentlich), Recht & Verbraucherschutz (stellvertretend)
Social Media: BlogTwitterFacebook

Dieter Janecek, Kommunikationsberater & Poliitkwissenschaftler

Sprecher für Wirtschaftspolitik der Grünen Bundestagsfraktion
Wahlkreis:  München West/Mitte (221)
Weitere Ausschüsse: Schriftführer (ordentlich), Wirtschaft & Energie (ordentlich), Tourismus (stellvertretend)
Social Media: BlogTwitterFacebook

BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN – stellvertretende Mitglieder

Tabea Rößner, Journalistin

Quelle: Grüne Bundestagsfraktion
Quelle: Grüne Bundestagsfraktion


Sprecherin für Medien und Digitale Infrastruktur der Grünen Bundestagsfraktion
Wahlkreis: Mainz (206)
Weitere Ausschüsse: Kultur & Medien (Obfrau), Wirtschaft & Energie (stellvertretend), Verkehr & digitale Infrastruktur (stellvertretend)
Social Media: Website, TwitterFacebook

Volker Beck, Referent

Sprecher für Innenpolitik und Sprecher für Religionspolitik der Grünen Bundestagsfraktion
Wahlkreis: Köln II (094)
Weitere Ausschüsse: Innenausschuss (ordentlich), Recht & Verbraucherschutz (stellvertretend)
Social Media: WebsiteBlogTwitterFacebook

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January 05 2014

Justizminister Maas: Keine Vorratsdatenspeicherung vor EuGH-Urteil (Update: Bosbach/Uhl sauer)

Im aktuellen SPIEGEL verspricht Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD):

Ich lege keinen Gesetzesentwurf vor, bevor der Europäische Gerichtshof endgültig geurteilt hat, ob die Richtlinie die Rechte der EU-Bürger verletzt oder nicht.

Im Dezember hatte der Generalanwalt des EuGH Pedro Cruz Villalón die geltende EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung in ihrer jetzigen Form für unvereinbar mit den Grundrechten erklärt. Das endgültige Urteil des EuGH wird Anfang 2014 erwartet. In den meisten Fällen folgt das Gericht dem Schlussplädoyer.

Maas’ Versprechen ist erfreulich, aber kein Grund zur Genugtuung. Die SPD hält eine grundrechtskonforme Vorratsdatenspeicherung [sic!] für möglich und hat deren Verankerung im Koalitionsvertrag mitgetragen (PDF, S. 147). Die Umsetzung einer neuen Richtlinie entlang “enger” Vorgaben des EuGH und des Bundesverfassungsgerichts läge auf SPD-Linie. Die SPD befürwortet somit nicht weniger als die Errichtung einer Überwachungsinfrastruktur, die verdachtsunabhängig sämtliche Verbindungsdaten in Deutschland (und Europa) erfasst.

Die in der Folge des EuGH-Urteils zu erwartenden Neuentwürfe einer VDS-Richtlinie gilt es zu verhindern. So nicht, anders nicht, gar nicht.

Abend-Update:

Wolfgang Bosbach (CDU) ist sauer auf Maas und bringt (mal wieder) ein längst widerlegtes Argument:

 Es sei “gerade nicht vereinbart worden, dass wir so lange abwarten, bis eine Entscheidung vorliegt”, sagte Bosbach dem “Kölner Stadt-Anzeiger”. Denn an jedem Tag, an dem die Vorratsdatenspeicherung nicht eingeführt sei, könnten Straftaten nicht aufgeklärt werden.

Für das Protokoll: Hans-Peter Uhl (CSU) ist auch nicht einverstanden mit dem Justizminister. Die Opposition begrüßt dagegen Maas’ Schritt. Ein Glück, dass wir den nicht auch noch loben müssen.

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November 21 2013

Koa-Leaks: Neues aus #UADA, Wirtschaft sowie Kultur und Medien

Bei Carta.info hat Ilja Braun weitere ausverhandelte Teile des wahrscheinlich kommenden Koalitionsvertrag der künftigen Großen Koalition veröffentlicht. Eine neue Version mit kleinen Änderungen gibt es von der Unterarbeitsgruppe Digitale Agenda (aka Netzpolitik-AG). Hier war heute ein kleiner Aufreger im Netz, dass die Empfehlung für einen Netzpolitik-Hauptausschuss rausgefallen ist. Lars Klingbeil (SPD) und Dorothee Bär (CSU) erklärten auf Twitter, dass diese Entscheidung zum Schluß mit allen Personalfragen im Dreier-Gespräch der Parteivorsitzenden geklärt werden würde und nur aus redaktionellen Gründen aus der ausverhandelten Fassung (Stand 19.11.) gestrichen wurden. Die Forderung würde immer noch aufrecht erhalten und wir wünschen viel Erfolg.

Neu im Rahmen der Koa-Leaks sind die Texte der AG Wirtschaft (Stand 20.11.) und der AG Kultur und Medien (Stand 15.11.). Bei letzterer gibt es weitere Passagen zum Thema Urheberrecht zu lesen, der andere Teil steht im Kapitel Innen & Justiz. Während bei Innen & Justiz die Vorschläge zur Urheberrechtsdurchsetzung mit teilweise ACTA-ähnlichen Vorstellungen zu lesen ist, finden sich bei Kultur und Medien auch kleine Perlen wie eine Formulierung, die etwas wie ein Recht auf Remix verspricht. Wir sind auf die Ausgestaltung und den politischen Willen gespannt.

Kommende Woche soll der Koalitionsvertrag ausverhandelt sein. Dann wissen wir auch, was zum Schluß übrig bleibt und welche personelle und institutionelle Verankerung der Netzpolitik in der künftigen Bundesregierung geplant ist.

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October 26 2013

Seehofer kann sich kürzere Vorratsdatenspeicherung vorstellen

Sueddeutsche.de verkündet mit Verweis auf den Focus, dass Horst Seehofer und damit die CSU vor den Koalitionsverhandlungen von der Vorratsdatenspeicherung Abstand nehme: Seehofer rückt von der Vorratsdatenspeicherung ab.

Nun geht er noch einen Schritt weiter. “Bei allem Verständnis für die Innenpolitiker und die Notwendigkeit der Terrorbekämpfung ist spätestens jetzt klar, dass der Datenschutz gleichrangig ist”, erklärt Seehofer im Focus. Im Lichte der neuen Erkenntnisse müsse unbedingt über die Vorratsdatenspeicherung gesprochen werden. Seehofer findet, die Speicherfrist von sechs Monaten sei “zu lang und erhöht das Risiko des Missbrauchs”.

Schön wäre es ja. Aber aus dem Zitat lese ich keinesfalls heraus, dass Horst Seehofer von der Vorratsdatenspeicherung abrückt. Er verfolgt damit nur dieselbe rhetorische Linie wie die SPD um Thomas Oppermann. Die sagte im Wahlkampf, dass die Vorratsdatenspeicherung grundrechtsfreundlicher sein sollte und meinte damit, dass man dazu die Laufzeit kürzen müsste. Das geht aber nur durch eine Änderung der EU-Richtlinie und ändert am eigentlichen Problem nichts: Vorratsdatenspeicherung bleibt Vorratsdatenspeicherung, damit wird die Unschuldsvermutung aufgehoben und wir werden alle unter Generalverdacht gestellt, ob sechs oder drei Monate!

Die zukünftige Bundesregierung sollte sich für eine Aufhebung der Europäischen Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung einsetzen. Dazu sind politische Vorstöße in den EU-Gremien ebenso geboten wie ein juristisches Vorgehen gegen die bestehende Richtlinie. Wir schlagen dazu u.a. die Erhebung einer Nichtigkeitsklage gegen die Richtlinie vor.

Wenn Horst Seehofer tatsächlich durch den NSA-Überwachungsskandal etwas mehr für Datenschutz sensibilisiert wurde, dann sollte er sich das mal zur Weiterbildung durchlesen: Vorratsdatenspeicherung: Warum Verbindungsdaten noch aussagekräftiger sind als Kommunikations-Inhalte.

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August 06 2013

CSU-Poltiker Geis fordert “Porno-Filter” auch für Deutschland

Es war wohl nur eine Frage der Zeit. Nachdem David Cameron vor rund zwei Wochen den “Porno-Filter” für Großbritannien ankündigte, hat die Idee bereits erste Nachahmer gefunden – nun auch in Deutschland. Der CSU-Poltiker Norbert Geis (74) foderte in der Bild, dass der Zugang zu Online-Pornografie in Deutschland stark eingeschränkt werden müsse.

Kinder und Jugendliche müssen vor der Pornografie im Internet besser geschützt werden. Dafür brauchen wir jetzt dringend spezielle Filter und verbindliche Altersbeschränkungen, sodass man sich für die Nutzung von pornografischen Inhalten im Netz persönlich anmelden muss.

Genau wie David Cameron versucht Geis seinen Vorstoß mit einem besseren Schutz der Jugend zu begründen. Nach Informationen von Golem distanziert sich die Pressestelle der CSU jedoch bereits von den Aussagen von Herrn Geis:

Ich gehe davon aus, dass die Zitate so stimmen, das lief nicht über die Pressestelle der Landesgruppe, das ist über Herrn Geis direkt gelaufen. Er ist eher ein Rechtspolitiker. Es ist ein Vorschlag von Cameron, ich nehme an, die Bild-Zeitung hat sich gedacht, wer sagt uns etwas dazu, und dann hat sich Herr Geis angeboten.


Was vom Einsatz jeglicher Filtertechnologien im Internet zu halten ist, zeigte sich bereits eine Woche nach Bekanntwerden der britische Pläne. Damals deckte die Open Rights Group auf, dass es bereits Pläne gibt, den “Porno-Filter” auch auf andere Inhalte im Internet auszuweiten, darunter Esoterik, Alkohol, Rauchen und Web-Foren.

Das der Zugang zu Pornografie durch das Internet erleichtert wird und so auch Jugendliche bereits früh mit Pornografie in Kontakt kommen können, ist sicherlich ein Fakt. Eine Zensur des Internets ist aber sicherlich nicht der Weg, dieses Problem zu lösen. Cindy Gallop beispielsweise möchte mir ihrer Webseite MakeLoveNotPorn.com (sie stellte das Projekt auch auf der re:publica 2012 vor) sensibilisieren und aufzeigen, dass Pornos kein “real world sex” sind. Sie möchte dafür sorgen, dass wieder über Sex geredet wird und so auch Jugendlichen ein anderen Verständnis für Pornografie und Sex geben, wie sie der Huffington Post sagte:

My entire message with MakeLoveNotPorn boils down to one thing: talk about it. Talk about sex. Talk about it generally, openly, publicly, but also personally, intimately.

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July 16 2013

Innenminister Friedrich über Überwachungs-Erfolg: “Vielleicht waren es mehr Anschläge, vielleicht waren es weniger.”

Unser geliebter Innenminister Friedrich erzählt gerade dem geheimen “Kontrollgremium” des Bundestages über seine USA-Reise. Die grandiosen Resultate hat er schon heute morgen dem ARD Morgenmagazin gesagt:

ARD: Wie viele [Terroranschläge] waren es denn, die verhindert worden sind?

Friedrich: Die Zahl der nicht stattgefundenen Terroranschläge zu zählen, ist relativ schwierig.

ARD: Aber sie haben ja gesagt fünf.

Friedrich: Die Amerikaner haben gesagt: “Wir haben 25 in Europa, fünf in Deutschland, aufgrund dieses Prism-Programms, darum geht’s ja (Anmerkung: nein) aufgedeckt oder verhindert.” […] Wenn die Amerikaner jetzt sagen, in fünf Fällen kommen diese Hinweise […] aus dem Prism-Programm, dann muss man das mal so hinnehmen. […] Aber vielleicht waren es auch mehr Anschläge, vielleicht waren es weniger.

ARD: Das macht den Eindruck, als ob sie eine ganze Menge noch nicht wissen.

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April 19 2013

Förderung der elektronischen Verwaltung: Bundestag erklärt De-Mail per Gesetz als sicher

Trotz grundlegender Sicherheitsmängel soll die De-Mail in der Kommunikation mit Behörden Rechtskraft erhalten. Das hat der Deutsche Bundestag gestern mit 14 Stimmen von Union und FDP beschlossen. Bedenken vom Chaos Computer Club, dass weder Vertraulichkeit noch Integrität der E-Mail-Alternative gewährleistet sind, wischte die Regierung beiseite.

Wie wir wiederholt berichtet haben, ist die als “sichere E-Mail-Alternative” beworbene De-Mail ein De-Bakel. Durch eine mangelnde Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist eine De-Mail weniger vertrauensvoll als ein Brief, aber per Gesetz soll sie trotzdem als sicher genug für Kommunikation mit Behörden eingestuft werden. Noch dazu wird die Signatur nicht vom Absender, sondern vom De-Mail-Anbieter erstellt, was in etwa bedeutet, dass ein Brief rechtssicher unterschrieben ist, sobald ein Absender und ein Poststempel drauf sind, egal wer den Brief wirklich verfasst hat.

Trotz dieser schwerwiegenden Bedenken hat der Deutsche Bundestag gestern ab 21:30 das Gesetz zur Förderung der elektronischen Verwaltung beschlossen. Dafür gestimmt haben CDU/CSU und FDP, die Oppositionsfraktionen waren dagegen. Ganze 14 Abgeordnetenstimmen haben ausgereicht, um technische Unsicherheit per Gesetz als sicher zu stempeln. Der FDP-Netzpolitiker Manuel Höferlin dazu:

Wenn wir immer auf die Bedenkenträger Rücksicht nähmen, wären wir heute noch beim analogen Telefon!

Die Debatte im Plenum kann man im Prokoll ab Seite 29294 nachlesen oder in der Mediathek nachschauen, mit den folgenden Reden:

  • Dr. Ole Schröder, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister des Innern
  • Gerold Reichenbach (SPD)
  • Manuel Höferlin (FDP)
  • Jan Korte (DIE LINKE)
  • Clemens Binninger (CDU/CSU)
  • Dr. Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Die Deutsche Telekom hat unterdessen ein paar Journalisten die Server-Räume der De-Mail in Frankfurt gezeigt, wie Detlef Borchers auf heise online berichtet.

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April 18 2012

Heimliche Piraten

Sonja Schünemann und Lars Seefeldt haben für das ZDF eine 14 Minuten lange Kurz-Doku über Dorothee Bär, Jimmy Schulz und Lars Klingbeil gedreht, die es in der Mediathek zu sehen gibt: Heimliche Piraten.

Dorothee Bär, Jimmy Schulz und Lars Klingbeil machen Netzpolitik in CSU, FDP und SPD und kämpfen, um das Thema “Internet” nach vorn zu bringen. ZDFinfo begleitet die drei mit der Kamera.

April 02 2012

CNETZ – Neuer CDU-CSU-Verein für Netzpolitik

Nach dem SPD-nahen Verein D64 gibt es jetzt auch einen CDU/CSU-nahen Verein namens CNETZ. Dahinter stecken verschiedene Bundestagsabgeordnete wie Dorothee Bär, Peter Altmaier, Thomas Jarzombek, Erika Steinbach und Peter Tauber, sowie einige Basismitglieder.

Auf ihrem Blog schreibt CNETZ, dass man als Vereinsziel ein “Internet der Freiheit” will:

Wir wollen eine bürgerliche und verantwortungsvolle Netzpolitik, die einen fairen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Interessen in einer pluralistischen Gesellschaft auch im Netz schafft. Wir wollen dabei Werte und Normen im Zeitalter der Digitalisierung mit Leben füllen, die sich für unser Land als förderlich und segensreich erwiesen haben. Dazu gehören die im Grundgesetz niedergeschriebenen Grundrechte, aber auch ein von Respekt und Toleranz geprägter Umgang im alltäglichen Miteinander.
Wir wollen ein Internet der Freiheit. Dabei hat für uns Freiheit ohne Verantwortung keinen Wert. Sie ist kein Selbstzweck, sondern sie befähigt uns. Das ist der wesentliche Unterschied zwischen Netzpolitik, wie wir sie verstehen und einer Beliebigkeit ohne Verantwortung, von der andere reden. Das christliche Menschenbild und die im Grundgesetz niedergelegten Werte stellen den zur Freiheit berufen Menschen in den Mittelpunkt. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, die Menschen dazu zu befähigen, dieser Freiheit gerecht zu werden – gerade in der digitalen Gesellschaft.

Erfreulich ist, wenn sich nach der SPD nun auch in der CDU/CSU netzpolitisch-progressive sammeln und für mehr Netzfreiheit werben wollen. In vielen Debatten wie Vorratsdatenspeicherung, Urheberrecht, ACTA & Co würden den Konservativen vernünftige und grundrechtsfreundliche Positionen gut tun. Insofern wünschen wir viel Erfolg bei dem Ziel, ein Internet der Freiheit mit zu schaffen.

Unklar ist, wann Grüne und Linke eigene Vereine gründen. In beiden Parteien gibt es bisher nur Bundesarbeitsgemeinschaften für Netzpolitik. Selbst bei den Piraten gibt es mit der Gruppe 42 eine eigene Ausgründung, um das netzpolitische Profil zu schärfen.

March 22 2012

VDS-Studie im Rechtsausschuss vorgestellt, Justizministerium will QuickFreeze im Kabinett einbringen

Ein vor zwei Wochen veröffentlichtes und viel diskutiertes Gutachten zur Wirksamkeit der Vorratsdatenspeicherung wurde heute im Rechtsausschuss des Bundestages vorgestellt. Professor Hans-Jörg Albrecht, Direktor des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht und Autor der Studie, präsentierte die Ergebnisse der Studie persönlich.

Praktisch gleichzeitig kündigte das Bundesjustizministerium an, die von Ministerin Leutheusser-Schnarrenberger favorisierte Quick-Freeze-Lösung ins Kabinett einbringen zu wollen. Damit gewinnt der in der Regierungskoalition schwelende Konflikt weiter an Schärfe.

Dem nun vorgestellten Gutachten ist zu entnehmen, dass der Wegfall der Vorratsdatenspeicherung durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes nicht als Ursache für Bewegungen in der Aufklärungsquote herangezogen werden kann. Dieser Befund gelte insbesondere für die Bereiche der Computerkriminalität sowie der so genannten Internetkriminalität. Allerdings wird auch der vom Bundesjustizministerium vorgeschlagene QuickFreeze-Ansatz nicht als „taugliches Äquivalent zur Vorratsdatenspeicherung gesehen.“

Erst gestern hatten sich Bundeskanzlerin Merkel und Innenminister Friedrich für die schnelle Verabschiedung eines neuen Gesetzes zur Vorratsdatenspeicherung ausgesprochen, nachdem die EU-Kommission eine vierwöchige Frist gesetzt und mit einem Mahnverfahren gegen Deutschland gedroht hatte. Allerdings wird auch in der EU-Kommission an einer tiefgreifenden Neufassung der umstrittenen Richtlinie gearbeitet. Ein dazu angefertigtes Rechtsgutachten wird seit Monaten unter Verschluss gehalten.

Die aktuelle Fassung der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung stammt aus dem Jahr 2006. Ein von der Bundesregierung 2007 beschlossenes Gesetz, das diese Richtlinie umsetzte, wurde im März 2010 vom Bundesverfassungsgericht gekippt. Seitdem herrscht Uneinigkeit zwischen der CDU/CSU-Fraktion, die sich weiterhin für eine anlasslose Speicherung der Verkehrsdaten aller Bürger einsetzt, und der FDP-Fraktion, die ein sogenanntes QuickFreeze-Verfahren, bei dem zur Aufzeichnung der Daten ein konkreter Verdacht bestehen muss, bevorzugt. Ein entsprechender Gesetzentwurf, den die Justizministerin im letzten Juni vorlegte, liegt seitdem auf Eis.

Ebenfalls auf der Warteliste steht die Anhörung im Petitionsausschuss des Bundestages zu einer erfolgreichen ePetition gegen die anlasslose Vorratsdatenspeicherung, an der sich 64.000 Bürger beteiligten. Wie aus dem Bundestag zu hören ist, blockiert eine Fraktion die Anhörung, weil ihr die politische Richtung nicht passt.

March 15 2012

CSU-Netzrat legt 2. Positionspapier vor

Der CSU-Netzrat, ein Beratungsgremium, das der CSU helfen soll, das Internet zu verstehen und eine intelligentere Netzpolitik zu schaffen, hat sein zweites Positionspapier (PDF) ins Netz gestellt. Das von Dorothee Bär (MdB) und Prof. Dr. Dirk Heckmann unterschriebene Papier klingt durchaus in vielen Punkten progressiv und zumindest für die CSU zukunftsweisend. Auch wenn man sich bei Themen wie der Onlinedurchsuchung und Vorratsdatenspeicherung nicht eindeutig positionieren will, regt der Beitrag hoffentlich die eigenen Parteifreunde dazu an, sich mit der Analyse und den Argumenten auseinander zu setzen und zukünftig eine grundrechtsfreundlichere Politik zu gestalten. Vor allem die Anti-ACTA-Argumentation von Professor Heckmann ist sehr gut geeignet, sie jedem konservativen Politiker mit der Bitte zur Beachtung und anschließender Ablehnung von ACTA zu schicken.

Wir lassen uns mal überraschen, was davon in konkrete Politik umgesetzt wird. Die interessantesten Punkte des 44-Seiten langen Positionspapieres haben wir hier mal dokumentiert.

Netzneutralität gewährleisten:

Zudem müsse gewährleistet werden, dass alle Bürgerinnen und Bürger die gleichen Möglichkeiten haben, online an Informationen und Content zu kommen und die Netzneutralität garantiert werden kann. “Das Internet gehört für uns zur Grundversorgung wie Strom und fließend Wasser.” [...] “Die Versorgung der Menschen mit der nötigen Infrastruktur, der flächendeckende Breitbandausbau, die Sicherung und Gewährleistung der Netzneutralität”, all das seien “unverzichtbare Bausteine, die uns helfen, Brücken zu bauen, um die „Digitale Spaltung“ zu überwinden.”

Bildung:

Ein längeres Kapitel dreht sich um IT in der Schule. Hier spricht man sich gegen Handyverbote aus: “Dass ein Verbot von Smartphones und ähnlichen Geräten auf dem Schulgelände als abzuschaffender Anachronismus zu betrachten ist, verstehen wir als Selbstverständlichkeit.” Um dann die pointierte Forderung zu bringen: Für jedes Kind einen Tablet-PC. Gefordert werden auch “entsprechende urheberrechtliche Vereinfachungen und Anpassungen”, “um auch den Lehrerinnen und Lehrern die Sicherheit zu geben, Lerninhalte digital vermitteln zu können, ohne sich in rechtlichen Grauzonen zu bewegen.” Allerdings verpasst man die Chance, sich klar für offene Bildungsinhalte auszusprechen. Das Thema wurde leider vergessen.

Kein Leistungsschutzrecht:

“Die isolierte Forderung nach einem Leistungsschutzrecht zum Beispiel, also die Suche nach einfachen Lösungen und bequemer Sicherung des Status Quo mit Hilfe des Gesetzgebers”, sei der falsche Weg. Stattdessen sei “Kreativität im Hinblick auf neue Geschäftsmodelle und einer modernen Inhaltspräsentation gefragt”.

Quellentransparenz im Journalismus:

Nutzer von Nachrichtenangeboten im Internet legten großen Wert auf Quellentransparenz und bewerten bspw. Wikipedia in dieser Hinsicht besser als Presse-Websites. Die Transparenz des Ursprungs einer Information werde “auch in Zukunft an Bedeutung gewinnen und sollte daher als wichtiges Qualitätsmerkmal journalistischer Informationen und Websites betrachtet werden.”

Grundrecht auf Internet:

Es gebe bereits ein solches Grundrecht auf Internetnutzung. Und zwar in Auslegung des Grundgesetzes. Dort sei neben dem expliziten Grundrecht, „seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten“ (Art. 5 Abs. 1 Satz
1 GG) zahlreiche Freiheitsrechte (besonders die Berufsfreiheit, aber auch die Eigentumsgarantie, das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, der schulische Bildungs- und Erziehungsauftrag sowie weitere politische und soziale Teilhaberechte) normiert, aus deren Gesamtschau sich eben dieses Grundrecht auf adäquate Internetnutzung ergebe. Daraus ergebe sich zwar kein direkter Anspruch der Bürger auf Finanzierung von Hardware, Software und Services aus öffentlichen Geldern, jedoch eine Infrastrukturschaffungspflicht des Staates mit dezidierten Regulierungsgrenzen (keine Netzsperren, keine Internetnutzungsverbote wie z.B. Three-Strikes-out). Der Staat müsse bei der Konkretisierung seines Gestaltungsauftrages der herausragenden Bedeutung der Internetnutzung Rechnung tragen. Er trägt damit eine Mitverantwortung für den Netzausbau.

Interessant ist die Herangehensweise an Dilemmata wie “Freiheit versus Sicherheit”:

So stelle sich die Grundsatzfrage: Wie viel Anonymität braucht, wie viel Anonymität vertrage unsere (digitale) Gesellschaft? “Gibt es ein „Grundrecht auf Anonymität“ und wie weit geht sein Schutz? Sollen sich Menschen im Internet völlig anonym bewegen können? Ein letztes Mal: Was erwarten die Menschen? Möchten sie vor Anonymitätsmissbrauch geschützt oder bei ihrer anonymen Internetnutzung in Ruhe gelassen werden? Soll der Staat sich einmischen oder heraushalten?” Das so beschriebene Dilemma sei weder ein Grund gegen, noch einer für die sog. Vorratsdatenspeicherung. Es zeige nur den Hintergrund auf, vor dem diese politisch
hochumstrittene und rechtlich bislang nicht vollständig geklärte Thematik (auch vor dem Hintergrund von iPv6) zu diskutieren ist.

Keine Netzsperren:

Bereits im ersten Positionspapier des CSU Netzrates 2011 habe man sich klar gegen Netzsperren ausgesprochen. Sie seien technisch leicht umgehbar und kontraproduktiv. Vor allem seien sie so unverhältnismäßig wie die Verhängung einer pauschalen Ausgangssperre zur Vermeidung von Straftaten im öffentlichen Raum. Wenn dieses Instrument danach nicht einmal zur Bekämpfung eines Verbrechens wie der Dokumentation von Kindesmissbrauch durch Bilder und Videos im Internet tauge, gelte im Erst-recht-Schluss: “Keine Netzsperren gegen Urheberrechtsverletzungen oder andere Gesetzesverstöße. Deren Unzulässigkeit haben mittlerweile auch der Europäische Gerichtshof und weitere Gerichte bestätigt.”

Kein 3-Strikes:

In ähnlicher Weise lehne man auch den Plan ab, einer zweifachen erfolglosen Ermahnung die Sperrung des Internetzugangs für einen Rechtsverletzer folgen zu lassen. Auch dieses Instrument sei unverhältnismäßig und letztlich untauglich. Eine Distanzierung von einem Warnmodell-System, wie es heute im Bundeswirtschaftsministerium diskutiert und von Teilen der Bundesregierung favorisiert wird, liest man hingegen nicht.

ACTA ablehnen:

Das ACTA-Abkommen lehne man in seiner jetzigen Form ab, obwohl es inhaltlich weitestgehend dem entspreche, was im deutschen Urheberrecht schon heute geregelt sei. Es weise nämlich drei erhebliche Defizite auf:

Zunächst beim Regelungsgegenstand: Das Urheberrecht sei als magna carta der Informationsgesellschaft keine politisch beliebige Verfügungsmasse. Die Internetnutzer, und das sei in naher Zukunft jedermann, hätten ein spezifisches und berechtigtes Interesse daran, mitzuentscheiden, wie Informationen geschützt, zugänglich gemacht und verbreitet werden. Es gebe “ein dringendes Interesse an einer baldigen und vor allem fairen Urheberrechtsreform, die den gewandelten technischen und sozialen Bedingungen, der Rolle des Urhebers mit den neuen Vertriebswegen und Wertschöpfungsketten, dem Phänomen einer „Abmahnindustrie“ und den begrenzten Kontrollmöglichkeiten der Provider Rechnung” trage. Das erste Defizit liege bei ACTA schlicht darin, dass es dieser Herausforderung überhaupt keine Rechnung trägt. Statt einer neuen Austarierung der Interessen der Urheber, Rechteverwerter und Nutznießer bleibe es bei dem überkommenen Schutz-und-Schranken-Modell, für das sich kein gesellschaftlicher Konsens mehr finde.

“Des Weiteren bei der Regelungsintention”: Der eigentliche Zweck des Abkommens liege in einer Harmonisierung der Schutzstandards mit einem Schwerpunkt auf (rechtsstaatlichen) Zwangsmaßnahmen. Das genüge angesichts technischer Umgehungsmaßnahmen oder einer Überforderung der Normadressaten durch eine unzeitgemäße, komplexe und komplizierte Rechtslage nicht. Das zweite Defizit äußere sich bei ACTA in einer gewissen Unbeholfenheit bei den Schutzmaßnahmen. “Durchaus typisch für überkommene politische Denkmuster werden Maßnahmen wie das Three-Strikes-Out-Modell, Sperr-, Filter- und Kontrollzwänge erwogen, die sich vielfach bereits als technisch untauglich, unverhältnismäßig und wenig akzeptanzstiftend erwiesen haben”. Dass diese mittlerweile aus dem Entwurf des Abkommens gestrichen wurden, erscheine wenig beruhigend. “Das Gesamtkonzept sei nämlich in einem Geiste verfasst, der solche Maßnahmen als „ultima ratio“ provozieren könnte, wenn und weil sich die vereinbarten Schutzmaßnahmen als unzureichend erweisen”. Dieser Zwangsmühle entkomme man nur mit der Herstellung eines breiten gesellschaftlichen Konsenses.

Geradezu kontraproduktiv erweise sich schließlich das Regelungsverfahren: “Die Art und Weise, wie das Abkommen im Vorfeld zwischen den Vertragspartnern verhandelt wurde – intransparent und unter Ausschluss der Betroffenen -, mag völkerrechtliche Gepflogenheit sein. Ebenso mag die letztverbindliche Entscheidung durch parlamentarische Ratifizierung dem Modus einer repräsentativen Demokratie entsprechen”. Dies bewirke jedoch bestenfalls Legalität (im Sinne formaler Rechtmäßigkeit), nicht Legitimität (im Sinne von inhaltlicher Anerkennungswürdigkeit) der daraus hervorgehenden Normen. Das Urheberrecht, das im digitalen Zeitalter unstreitig reformbedürftig sei, sollte durch keine staatlich veranlasste Maßnahme vorab verfestigt werden. Das dritte – und größte – Defizit von ACTA liege also in der fehlenden Bürgerbeteiligung. Die Informationsgesellschaft verlange, gerade in Bezug auf ihre identitätsstiftenden Normen (wie eben dem Urheberrecht) “so etwas wie empathische Kooperation”.

Onlinedurchsuchung:

Bei der Onlinedurchsuchung ist man kritisch, sieht aber trotzdem einen möglichen Weg durch eine transparente, kontrollierte Beschaffung bzw. Herstellung von Software. Auch und gerade bei staatlichem IT-Einsatz müsse Transparenz und Qualitätssicherung höchstes Gebot sein. Zum anderen müsse technisch sichergestellt sein, dass eine solche (Trojaner-) Software tatsächlich nichts anderes bewirkt als gesetzlich präzise vorgegeben ist. Die Trojaner-Diskussion zeige ein weiteres Mal, dass beim Zusammenspiel von rechtlichen Befugnissen und technischen Maßnahmen größte Sorgfalt erforderlich sei. Ob auf diese Weise überhaupt eine „gerichtsfeste“ Online-Durchsuchung künftig möglich sei, “bleibt aus unserer Sicht abzuwarten”. Dies gelte auch hinsichtlich einer sog. Quellen Telekommunikationsüberwachung.

Verfassungskonforme Gesetzgebung:

“Es mag eine Selbstverständlichkeit sein, dass der Gesetzgeber bei seinem Wirken, auch und gerade bei der Begründung freiheitseinschränkender Sicherheitsinstrumente die verfassungsrechtlichen (und natürlich auch europarechtlichen) Grenzen beachtet”. Leider habe es in den letzten Jahren eine Vielzahl von Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts gegeben, in denen das höchste Gericht eben solche Gesetze für verfassungswidrig erklärt habe: Telekommunikationsüberwachung, Online-Durchsuchung, automatisierte Kfz-Kennzeichenerfassung, Vorratsdatenspeicherung u.a.m.

Netzpolitik im gesellschaftlichen Dialog gestalten:

“Wir verstehen die repräsentative Demokratie – wie gesehen – als responsive Demokratie.” Das Parlament solle, gerade wenn es um wichtige Weichenstellungen im Verhältnis von Freiheit und Sicherheit gehe, einen breiten Konsens suchen. Und zwar in einem Dialog mit den gesellschaftlichen Kräften – auch denen, die gemeinhin als „Netzgemeinde“ bezeichnet werden. “Dafür sollen geeignete Beteiligungsformen gesucht bzw. gestaltet werden, die eine Interessenvertretung der „Gesamtbevölkerung“ ermöglichen”. Nicht jedes Interesse werde am Ende ganz berücksichtigt werden können. Jedoch müsse dies einer Akzeptanz nicht entgegenstehen, wenn die Entscheidungen plausibel erklärt werden. Als Beispiele werden der durch den damaligen Bundesinnenminister de Maizière initiierten Netzdialog, aber auch dem Verbraucherschutzdialog durch Bundesministerin Aigner oder die Mitwirkung bestimmter Experten in der Enquete Kommission Internet und Digitale Gesellschaft u.a.m.) genannt, dies “sollte aber ausgebaut werden”.

Pflicht zur Abschätzung der Technikfolgen und sozialen Folgen:

“Informationstechnische Eingriffe haben nicht nur kurzfristige Folgen, etwa beim Zugriff auf bestimmte personenbezogene Daten. Sie wirken auch langfristig”. Das Bundesverfassungsgericht habe in einem solchen Kontext von dem „diffusen Gefühl permanenten Überwachtseins“ gesprochen. Solche sozialen Folgen, aber auch Konsequenzen zum Beispiel für die Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme sollten erkannt, bewertet und bei den Gesetzen und ihren Umsetzungsakten berücksichtigt werden. “Ähnlich wie die obligatorische „Umweltverträglichkeitsprüfung“ könnte es eine „Privatsphärenverträglichkeitsprüfung“ geben.” Dabei sei der von Alexander Roßnagel, Staatsrechtler und Sachverständiger im Verfahren zur Vorratsdatenspeicherung vor dem Bundesverfassungsgericht, zutreffend entwickelte Gedanke einer “Überwachungsgesamtrechnung“ zu berücksichtigen: “Einzelne Maßnahmen mögen für sich noch verhältnismäßig und vertretbar sein. In der Summe kann aber ein Eingriffs- und Belastungspotential entstehen, das mit einem nachhaltigen Grundrechtsschutz unvereinbar ist.” Das müsse auch in einem übergreifenden Be- und Entlastungskonzept geprüft werden, weil einzelne Gesetzgebungsvorhaben möglicherweise damit überfordert wären.

Querschnittsthema Netzpolitik und Staatsminister dafür:

In einem Fazit werden noch Thesen aufgestellt, die ergeben, dass Netzpolitik ein Querschnittsthema sei. Gefordert wird auch die Schaffung des Amtes eines Staatsministers / einer Staatsministerin für Internet und Digitale Gesellschaft auf Bundesebene. Ein Internetstaatsminister müsse als Schnittstelle zwischen den verschiedenen politischen Ressorts fungieren. Das Querschnittsthema Netzpolitik finde unter seinem Dach eine Sammelstelle. Der Internetstaatsminister sei damit der Ingenieur, der die Architekten – also die klassischen politischen Ressorts – in Fachfragen berate.

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February 08 2012

Streit im Bundestag um Enquete und Hauptausschuss Netzpolitik

Die CDU/CSU-Fraktion hat heute in einer Pressemitteilung angekündigt, dass die Enquete-Kommission Internet & digitale Gesellschaft bis zur Sommerpause fertig sein soll. Das hat u.a. für einige Verwunderung auf Twitter gesorgt, wo sich für eine Stunde einige beteiligte Sachverständige und Bundestagsabgeordneten samt ihrer Referenten darüber stritten, ob eine einzelne Fraktion einfach mal das Ende der Enquete verkünden kann. Aber das zeigt mal wieder nur das Verhalten der CDU/CSU-Fraktion über die gesamte Laufzeit der Enquete, in der ich auch seit fast zwei Jahren als Sachverständiger sitze. Und die in diesen fast zwei Jahren erst vier von zwölf Arbeitsgruppen beendet hat, so dass ich mich mal davon überraschen lasse, wie die CDU/CSU-Fraktion denn die restlichen Arbeitsgruppen bis zum Sommer beenden will. Es gibt ja die Vermutung, dass man bei der Union keine Lust mehr auf die Enquete habe, weil das mit den Mehrheiten in vielen Fragen nicht so klappt, wie geplant.

Aber das war eigentlich nicht der Grund der Pressemitteilung, sondern die CDU/CSU-Fraktion wünschte sich in dieser nach Ende der Enquete einen “Ausschuss für “Internet und digitale Gesellschaft” einzusetzen. Ein solcher Ausschuss macht Sinn, denn im Moment gibt es nur einen Unterauschuss Neue Medien, der dem Kultur & Medien – Ausschuss untergeordnet ist, was keine richtig befriedigende Lösung für das Querschnittsthema Netzpolitik ist. Die Reaktionen waren dann über den Tag verteilt auch lustig.

Die FDP-Fraktion erklärte erstmal in einer Pressemitteilung, dass man die Idee schon vorher gehabt habe. Die Grüne-Fraktion begrüßt die Idee grundsätzlich, möchten aber erstmal die Enquete ordentlich beenden. Und für die Linke-Fraktion erklärt Halina Wawzyniak, dass man das machen könnte, aber ein neuer Ausschuss “eine umfassende Bürgerbeteiligung nach dem Vorbild der Enquête-Kommission von Beginn an” sicherstellen müsste.

Was bleibt: Wir hoffen mal, dass die CDU/CSU-Fraktion in einem einzusetzenden Netzpolitik-Hauptausschuss mehr Netz-Kompetenz entsendet als in die Enquete-Kommission. Das ist möglich.

Und wenn man denkt, das war schon alles, kommt sicher eine Pressemitteilung des Deutschen Kulturrates mit einem Schrei nach Aufmerksamkeit und einer gewohnt lustigen Argumentation. Wie auch diesmal:

“Wir befinden uns mitten in einem tiefgreifenden kulturellen und gesellschaftlichen Wandel durch die Digitalisierung. Wo können die Auswirkungen dieses Wandels besser und lösungsorientierter diskutiert werden als im Ausschuss für Kultur und Medien des Deutschen Bundestags, dessen Hauptaufgabe es ist, sich mit den Rahmenbedingungen in diesem Feld zu befassen und immer wieder über den Tellerrand hinauszusehen. Die Gestaltung der digitalen Gesellschaft ist eine kulturelle und kulturpolitische Aufgabe.”

Das ist doch mal die Idee der Woche: Netzpolitik soll nicht mehr von den Netzpolitikern diskutiert werden, sondern von den kompetenten Kulturpolitikerinnen.

January 27 2012

CDU/CSU: Nein zu SOPA, aber ja zu ACTA?

Mitte der Woche haben sich die beiden CDU-Bundestagsabgeordneten Krings und Heveling in einer offiziellen Fraktions-Pressemitteilung mit den SOPA-Plänen solidarisiert. Das hat innerhalb der Internet-freundlichen CDU-/CSU-Abgeordneten wie Dorothee Bär, Peter Tauber, Thomas Jarzombek, Peter Altmaier und Michael Kretschmer zu Kritik geführt, die diese über Twitter und Zitate kommunzierten. Die Süddeutsche Zeitung berichtete: Union streitet über SOPA-Haltung.

Der Parlamentarische Geschäftsführer Peter Altmaier erklärte ebenfalls über Twitter, Pressemitteilungen von Abgeordneten seien für die Fraktion nur dann bindend, wenn es Beschlüsse dazu gebe. Die Pressestelle der CDU/CSU-Fraktion erklärte allerdings auf Anfrage, bei der Mitteilung vom Mittwoch handle es sich nicht um eine persönliche Stellungnahme, sondern um eine Erklärung der Fraktion.

Insofern könnte man meinen, dass offizielle Pressemitteilung der Fraktion die Tweets einzelner Abgeordnete stichen. Aber vielleicht hat ja auch nur jemand in der Pressestelle nicht aufgepasst und die Pressemitteilung ist durchgerutscht? Michael Kretschmer, wie Krings stellvertretender Vorsitzender der CDU-/CSU-Fraktion, erklärte gegenüber Spiegel-Online:

“Es darf nicht sein, dass bei Urheberrechtsverletzungen der Rechtsschutz ausgehebelt wird und Tatsachen geschaffen werden, ohne rechtsstaatliches Verfahren. Genau dies sieht aber der Sopa-Entwurf vor”, so der Netzpolitiker. “Ich verstehe nicht, warum sie sich dieses Vorgehen zu eigen machen.”

Fragen wir doch einmal anders herum: Wird die Bundesregierung demnächst das ACTA-Abkommen unterschreiben, wo dasselbe drin steht? Werden die CDU/CSU-Netzpolitiker gegen ACTA widersprechen und abstimmen, wie stimmen ihre Parteifreunde im Europaparlament darüber ab? Es war ein CDU-Politiker, der einmal sagt: Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Bislang ist die netzpolitische Bilanz von CDU/CSU beschissen.

January 25 2012

CDU/CSU: SOPA-Gesetzgebung weist in die richtige Richtung

In einer Pressemitteilung erklären sich der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Dr. Günter Krings und der zuständige Berichterstatter für das Urheberrecht im Rechtsausschuss und im Ausschuss für Kultur und Medien, Ansgar Heveling im Namen der CDU/CSU-Fraktion mit den SOPA-Plänen solidarisch: US-Amerikanische SOPA-Gesetzgebung weist in die richtige Richtung.

Höhepunkt ist der folgende Absatz:

Es erstaunt, dass Wikipedia, Google, die Grünen und viele andere durch ihre Proteste gegen SOPA und PIPA auch geldgierigen Internetkriminellen wie dem Gründer von Megaupload beispringen. Sie verkennen, dass es bei der Durchsetzung des Urheberrechts nicht um Zensur geht, sondern einzig und allein darum, Kreative vor Ausbeutung zu schützen.“

Liebe CDU/CSU, wenn Ihr die Kreativen vor Ausbeutung schützen wollt, warum macht Ihr dann nichts gegen Buy-Out-Verträge?

January 21 2012

CSU will von 2D- zur 3D-Demokratie

Die CSU-Fraktion aus Bayern war wohl zur Klausur in Wildbad Kreuth und jeder MdL durfte mal ins Internet sprechen. Und weil am Mittwoch Blackout-Day, musste der medienpolitische Sprecher, Eberhard Sinner, das mit der schwarzen Wikipedia erklären. Als Spiel gab aber eine kleine Herausforderung: Er musste in unter einer Minute soviele irgendwie-themenbezogene Buzzwörter wie möglich ohne richtigen Zusammenhang in ordentliche Sätze packen. Das ist Sinner gelungen:

“Das Internet bietet die Chance, von der 2D zur 3D-Demokratie zu kommen, das heißt den Dialog in einer Open-Source-Gesellschaft mit den Bürgern zu führen. Deswegen gilt unser Wahlspruch, dass wir die Piraten im Internet stoppen und die Freiheit des Internets schützen.”


Unklar bleibt, welche Piraten er meint.

(Danke an @frorider)

Reposted bymondkroete mondkroete

December 05 2011

Besinnliche CSU-Netzpolitik

Zur Zeit läuft eine Adventsaktion von CSUnet, dem “virtuellen Verband der CSU”, auf Facebook.

Der CSUnet hat sich für die Vorweihnachtszeit eine besondere Aktion ausgedacht: Unter @ventskalender auf Twitter kann jeder User seine ganz persönliche netzpolitische Botschaft loswerden. Jeden Tag veröffentlicht der CSUnet auf seiner Facebook-Seite facebook.com/csunet dann die schönste Nachricht als “Netzpolitisches Kalendertürchen”. Am 24. Dezember wird schließlich aus allen eingegangenen Tweets die “Netzpolitische Botschaft des Jahres” gekürt. (Quelle)

Bisher sieht das so aus:

1. Dezember “Gesetze so festlegen, dass wir auch im Netz frei sein können”
2. Dezember “Ich will nicht immer einen Juristen fragen müssen, wenn ich mich mit anderen im Netz austausche”
3. Dezember “Freiheit statt VDS”
4. Dezember “Das Internet ist kein Ort für Geheimnisse. Im Internet teilt man Dinge mit.”
5. Dezember “Die Entwicklung des Internets kann man vergleichen mit der Erfindung der Buchdruckerkunst.”

Ob offizielle Vorschläge auch über Facebook gemacht werden können weiß ich nicht, ein paar schöne Ideen wurden allerdings auch dort gesammelt:
1. Die CSU ist wie immer Vorreiter.
2. Klarnamenszwang im Internet
3. Das Internet darf nicht im linken Chaos versinken.
4. Der liebe Gott soll uns bei der Lösung all unserer Probleme beistehen.

Welche der Sammlungen auf mehr Zustimmung in der Partei treffen würde sei dahingestellt.

September 21 2011

Eine anonyme Teilhabe am politischen Meinungs- und Willensbildungsprozess ist abzulehnen

Wir haben ein interessantes Positionspapier der Arbeitsgruppe Innen der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag mit dem Titel “Die Freiheit des Internet sichern und erhalten” (PDF) zugeschickt bekommen. Das wurde laut Datum gestern beschlossen und gibt auf sieben Seiten wohl den aktuellen Diskussionsstand zu konservativer innenpolitischer Netzpolitik (Ohne diesen ganzen Freiheitskram) und Cyberwar wieder.

Lustig ist, dass man sich gleich zweimal über “selbsternannte Netzaktivisten” beschwert, einmal in Zusammenhang mit “wenigen Meinungsmachern”. Wusste gar nicht, dass die uns anscheinend so Ernst nehmen. Das liest sich dann u.a. so:

Die Gestaltung unserer Zukunft kann nicht einigen wenigen Meinungsmachern oder selbsternannten Netzaktivisten überlassen werden.

Es freut uns ja, dass auch gewählte Volksvertreter ihre Aufgabe so Ernst nehmen und unsere Zukunft mitgestalten wollen. Gibt ja genug zu tun. Aber kommen wir zu den Inhalten, die sind manchmal etwas komisch, wenn z.B. dort geschrieben wird:

Wer Mobbing, Betrug, Einbruch, Kinderpornografie oder Diebstahl als unvermeidliche Nebenwirkung einer unbeschränkten Freiheit im Internet akzeptiert, untergräbt das Vertrauen in das Netz.

Dicht gefolgt vom “Das Internet ist kein rechtsfreier Raum.”

Spannend finde ich die Feststellung:

Notwendig ist zudem, dass sich dann die für die Rechtsdurchsetzung verantwortliche Justiz mit den technischen Entwicklungen vertraut macht.

Ich frag mich gerade, wieviel Selbstironie beim Scheiben dabei war: Man denke jetzt an Hans-Peter Uhl und Siegfried Kauder, wie sie sich fleißig mit den technischen Entwicklungen vertraut machen, um die passenden Gesetze für eine digitale Welt zu formulieren.

Die Klarnamendebatte darf auch nicht fehlen. Es gehe darum, dass das tragende Prinzip einer offenen Gesellschaft sei, dass man mit seiner eigenen Identität am öffentlichen Meinungskampf teilnehme. Unklar ist aber, ob die CDU/CSU nun geheime Wahlen abschaffen will, wenn sie schreibt:

“Eine anonyme Teilhabe am politischen Meinungs- und Willensbildungsprozess ist abzulehnen.”

Sonst gibt es eine Menge Allgemeinplätze, etwas Cyberwarbekämpfung, die ein oder andere nützliche Idee und die Forderung, dass kein Provider Computer am Netz lassen sollte, von denen eine Gefahr ausgehe. Wie auch immer eine “Gefahr” definiert sei.

Es gibt aber auch Highlights:

“Das Internet bietet unvergleichliche Möglichkeiten zur Ausübung der Grundrechte, wie etwa die freie Entfaltung der Persönlichkeit, die Berufs-, Presse-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit. Es ist allererste Aufgabe des Rechtsstaates, diese Grundrechte zu achten und zu schützen.”

Daran wird man sie bei Gelegenheit erinnern müssen. Zum Beispiel genau: jetzt.

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August 25 2011

Politiker und die Angst vor dem Internet

NDR-Zapp hat gestern über “Politiker und die Angst vor dem Internet” berichtet.

Politiker haben es ja immer gern, wenn sie sich als tatkräftige, handelnde Personen darstellen können. Diesen Sommer haben einige unserer Abgeordneten und Regierungsvertreter etwas gefunden, gegen das sie vorgehen wollen: das Internet. Das Internet ist nämlich böse und gebiert Böses, wie zum Beispiel das Attentat von Norwegen. Und so versuchen Volksvertreter nun das Internet in den Griff zu kriegen. Der eine so, der andere so. ZAPP über den fragwürdigen Feldzug gegen ein Medium.

Mit dabei waren u.a. Hans-Peter Uhl von der CSU und Geraldine de Bastion vom Digitale Gesellschaft e.V..

Hier ist das Video bei Youtube:

Und hier ist das Interview mit Geraldine de Bastion in voller Länge (21 Minuten) in der NDR-Mediathek.

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July 26 2011

In Wahrheit wurde diese Tat im Internet geboren

Der Deutschlandfunk hat den innenpolitischen Sprecher der Union, Hans-Peter Uhl, interviewt und einen Mitschnitt (MP3) davon online gestellt. Wenigstens stellt der Moderator mal kritische Fragen, auch wenn das Uhl nicht abhält, weiterhin Phrasen wie diese von sich zu geben:

Frage: Wie ethisch oder unethisch ist es, den Doppelanschlag von Oslo als politischer Trittbrettfahrer zu nutzen?

Uhl: Ich möchte auf diese Äußerung nicht näher eingehen, das kommt von linker Seite. [....] In Wahrheit wurde diese Tat im Internet geboren.[....] Wir sind uns einig, das Internet weiter überwachen zu müssen.[....]

Man kann auch fragen: Warum baut die Bundesregierung viele Programme gegen Rechts ab? Warum wird von Herrn Uhl und seinen Kollegen aus der Union wieder so schnell das Internet als Sündenbock herangezogen, aber die Mitgliedschaft des Attentäters in einem Schützenverein und der legale Besitz mehrerer Waffen wird nicht thematisiert? Warum gehen die betroffenen Norweger so souverän an die Sache heran und betonen den Wert ihrer Offenheit und Freiheit, während in Deutschland sofort weitere Bürgerrechtseinschränkungen gefordert werden?

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