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March 28 2013

Studie der EU-Kommission: Unerlaubte Musik-Downloads haben positive Auswirkung auf Kaufverhalten

JRC-reportFilesharing und Streaming von Musik führen nicht zu geringeren Verkaufszahlen im Netz. Zu diesem Ergebnis kommen immer mehr Untersuchungen, jetzt auch die Forschungsstelle der EU-Kommission. Das Fazit der Forscher lautet daher: Die Rechteinhaber sollten unerlaubtes Kopieren nicht länger als Problem ansehen.

Die Europäische Kommission hat mit der Gemeinsamen Forschungsstelle eine Generaldirektionen nur für Forschung. Eins der sieben Institute ist zuständig für Technologische Zukunftsforschung, das gerade eine interessante Studie über Konsum Digitaler Musik im Internet veröffentlicht hat (PDF).

Die Autoren Luis Aguiar und Bertin Martens haben das Surf-Verhalten von 16.000 Europäer/innen untersucht, um “die Auswirkungen von illegalen Downloads und legalem Streaming auf den legalen Erwerb von digitaler Musik” zu ergründen. Das Ergebnis ist ziemlich deutlich: Unerlaubtes Downloaden ist kein Ersatz für den legalen Erwerb digitaler Musik. “Unsere Ergebnisse zeigen keine Anzeichen von Umsatzeinbrüchen.”

Im Gegenteil: Es gibt sogar einen leichten positiven Zusammenhang. Je mehr Menschen “unerlaubt” downloaden, desto mehr kaufen sie auch. Oder andersrum: Gäbe es kein Filesharing und Streaming, würden die Verkaufszahlen sinken. Das Fazit der Forscher:

All diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass unsere Probanden die überwiegende Mehrheit der Musik nicht legal gekauft hätten, wenn sie diese vorher nicht “illegal” herunterladen könnten.


Damit kommt die EU-Kommission zu ähnlichen Ergebnisse wie weitere Forscher-Teams an den Unis Telecom ParisTech in Frankreich und North Carolina State University, USA. Auch diese Papers zeigen, dass unerlaubte Downloads nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf legale Musikverkäufe im Internet haben.

Aus ihren Ergebnissen schlussfolgern die Forscher, dass unerlaubte Downloads dem legalen Musikmarkt nicht schaden:

Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Rechteinhaber digitale Musik-Piraterie nicht als wachsendes Problem ansehen sollten. Darüber hinaus zeigen unsere Ergebnisse, dass neue Musik-Hör-Dienste wie Online-Streaming die Urheberrechte der Eigentümer positiv beeinflussen.

Kein Wunder, dass der Weltverband der Phonoindustrie das anders sieht. In einer Mitteilung kritisiert IFPI die EU-Studie als “fehlerhaft, irreführend und realitätsfremd”. Lustigerweise hat der Industrieverband den Streaming-Dienst Spotify im Boot, der besonders “die Nicht-Beobachtung von Streaming-Diensten in der Studie” bemängelt, die unfaire Konkurrenz von kostenlosen Downloads bekämen.

Komisch, bei mir tauchen in der Studie “Streaming” 109 mal und “legales Streaming” 40 mal auf. Vielleicht sollte auch Spotify die Studie mal lesen?

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July 27 2012

March 08 2012

Dänemark: 95% der Musik ist illegal?

Auch in Dänemark gibt es eine große Debatte rund um ACTA und die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen gegen Urheberrechtsverletzungen. Die dänische Handelsministerin erklärte in einer Pressekonferenz, dass man ACTA bräuchte, weil 95% der Musikdownloads illegal seien. Die dänische TV-Sendung DR2 Detektor hat den Zahlen nach recherchiert und ist zu anderen Ergebnissen gekommen. Die Auflösung war, dass die Handelsministerin alte Zahlen der Musikindustrie ungeprüft auswendig gelernt hatte.

Von dem Bericht, in dem später noch die Handelsministerin mit den falschen Zahlen konfrontiert wird, gibt es eine Version auf Youtube, die freundlicherweise Henrik Moltke auf deutsch übersetzt hat:

(Henrik ist Däne, daher ist es kein perfektes deutsch, aber schon sehr gut. Bei Universal Subtitles kann jeder die wenigen Fehler korrigieren und den Text verbessern).

Der Bericht ist ein gutes Beispiel, wie man solchen Zahlen nach recherchieren sollte, die verwendet werden, um z.B. in diesem Fall mehr repressive Maßnahmen mit möglichen Grundrechtseinschritten zu verkaufen.

Wer Zahlen für Deutschland sucht, wird bei der Rechteindustrie fündig:

Im Sommer des vergangenen Jahres erschien die DCN-Studie vom Bundesverband Musikindustrie, des Börsenverein des deutschen Buchhandels und der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechten. Darin wurde kommuniziert, dass „mehr als 20 Prozent der Deutschen im letzten Jahr Medieninhalte heruntergeladen haben, davon ein Viertel illegal“. Klingt erstmal viel, ist es aber nicht. Im Klartext heißt dies, dass selbst nach Studien der Rechteindustrie nur fünf Prozent der Deutschen überhaupt rechtlich umstrittene Werke im Netz herunterladen. Und für die Rechteinhaber scheint jeder Download illegal zu sein, bei dem kein Geld bezahlt wird. Gleichzeitig steigen die Zahlen für verkaufte Musikdownloads massiv an – vor allem wegen eines besseren Angebotes, Verzicht auf Kopierschutz und auch günstigeren Preisen. Und dann gibt es auch noch legale Streamingdienste. Diese werden auch noch weiter steigen.

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February 14 2012

April 08 2011

Hintergründe zur IFPI-Lobbyistin in der EU-Kommission

Vor einer Woche hatten wir exklusiv berichtet, dass die ehemalige Musikindustrie-Lobbyistin Maria Martin-Prat neue Referatsleiter der Urheberrechtsabteilung in der Generaldirektion Binnenmarkt in der EU-Kommission wird. Die Nachricht hat es dann in einigen Tagen über den Umweg über US-Medien auch wiederum zu Heise & Co nach Deutschland geschafft. (Was etwas lustig war, weil US-Medien uns als Quelle nannten und deutsche Medien dann wieder die US-Medien als Quelle heranzogen.).

Erich Moechel hat für FM4 der Geschichte weiter hinterher recherchiert und erstaunliches herausgefunden: Sie war vor ihrer Tätigkeit als Lobbyistin der Musikindustrie schon EU-Beamtin, ließ sich dann beurlauben, um Lobbyistin zu werden und kam dann wieder zurück in die EU-Kommission, um die Interessen ihres vorherigen Arbeitgebers effektiver vertreten zu können.

Die designierte oberste Urheberrechtsjuristin der EU-Kommission, Maria Martin-Prat, war davor nicht nur fünf Jahre lang oberste Urheberrechtsjuristin der Musiklobby IFPI. Während ihrer gesamten Lobbyistenzeit war sie auch karenzierte EU-Beamtin.[...]

Wie aus dem Büro von Binnenmarktkommissar Michel Barnier auf Anfrage von ORF.at am Donnerstagabend bestätigt wurde, war Frau Martin-Prat während ihrer gesamte IFPI-Zeit von der Kommission lediglich karenziert, wenngleich ohne Bezüge. Ab August 2004 war Martin-Prat, in deren Lobbyistenzeit noch die weltweite IFPI-Kampagne “Raubkopierer sind Verbrecher” fällt, dann wieder in bezahlten Positionen für die EU-Kommission aktiv. Zuerst wirkte sie im Finanzbereich, danach wieder im Bereich Binnenmarkt.

Interessant ist, dass Martin-Prat dabei fast keine Spuren im Netz hinterlassen hat und ihren Lebenslauf gut frisieren konnte.

Der neue Posten Martin-Prats ist im Direktorat D der Kommission (“Wissenbasierte Ökonomie”) angesiedelt, die Unit D3 hat die Bezeichnung “Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte”. Da kann man doch ganz toll “Raubkopierer sind Verbrecher” Realität werden lassen!

Wie unabhängig ist eigentlich eine solche Person, die jetzt für Urheberrecht in der EU-Kommission zuständig sein soll?

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March 30 2011

EU: Lobbyist der Musikindustrie vor Wechsel zur EU-Kommission

Das französische Magazin PCInpact berichtete gestern Abend, dass Dr. Tilman Lüder (Referatsleiter der Urheberrechtsabteilung in der Generaldirektion Binnenmarkt) die EU-Kommission verlässt und nach China geht. Diese Information habe man von mehreren europäischen Verbraucherverbänden erhalten.

Die frei gewordene Stelle des ‘Head of Unit’ soll den Quellen zufolge von dem ehemaligen Leiterin für Rechtsfragen der IFPI (International Federation of the Phonographic Industry, also dem Weltverband der Phonoindustrie) besetzt werden. Unseren Quellen zufolge handelt es sich wohl um Maria Martin-Prat.

Das Internet bereitet der EU-Kommission schon seit einiger Zeit – aufgrund der “beispiellosen” Zunahme der Urheberrechtsverletzungen – Sorgen.

Der neue Head of Unit der Urheberrechtsabteilung wird daher die bevorstehende Überarbeitung der EU-Richtlinie 2004/48/EG zur Durchsetzung der Rechte des geistigen Eigentums (IPRED) koordinieren. Außerdem sollte man immer an ACTA denken, das von der EU-Kommission mitverhandelt wird. Bis zum 31.3.2011 kann man noch auf den Evaluierungsbericht der Kommission reagieren und Stellungnahmen einsenden.

Funfact: Auf der Seite der deutschen Landesgruppe der IFPI, des Bundesverbands der Musikindustrie, findet man übrigens einen Zähler, der die illegalen Downlads seit dem 01.01.2011 zählt. Wie das funktioniert wüsste ich auch gerne mal.

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April 04 2010

2010Lab: Der sachverständige Herr Gorny

Über 2000 Webseiten wurden in diesem Jahr für die Auszeichnung mit einem Grimme Online Award vorgeschlagen. Die Webseite 2010Lab, “eines der großen Internetprojekte der Kulturhauptstadt Ruhr2010″ (O-Text Ruhrbarone), war nicht darunter.* Offenbar hielt selbst im Ruhrgebiet niemand das “digitale Aushängeschild der Kulturhauptstadt” (noch einmal O-Text Ruhrbarone) für auszeichnungswürdig oder wenigstens in irgendeiner Form bemerkenswert. Um ehrlich zu sein, war auch mir das Projekt bis heute Nachmittag unbekannt. Nun lese ich bei den Ruhrbaronen:

Das 2010Lab wird bis zum Ende des Jahres eine gute Million Euro gekostet haben und ist alles, nur kein Beweis einer besonderen Sachkunde im Online-Bereich: In den zum Lab gehörenden  Blogs findet man kaum Kommentare, peinliche bemühte Kunstfilmchen und Texte mit arg abenteuerlichen Thesen:  “Die Hauptstadt der globalen Wachstumsbranche Fußballwirtschaft ist das Ruhrgebiet.” Aha. Die Konsequenz: Alexa-Rang 503.000.

Bei der Ruhr2010 GmbH sind viele mit dem Projekt unglücklich und versuchen es zu ignorieren. Auf der Ruhr2010 Homepage gibt es aus gutem Grund keinen Link zum Lab. Eigentlich ein Affront, denn das Lab sollte ja das digitale Aushängeschild der Kulturhauptstadt werden.

Thomas Knüwer schreibt bei “Go To Rio” (tolles Reise- und Gastroblog, übrigens):

Stattdessen gibt es Grausamkeiten wie den wirren Videokanal 2010-Lab, der sich über Menschen, die Kunsthandwerk ihr Hobby nennen, auch noch lustig macht. Kulturhauptstadt? Nein, eher Provinzhauptstadt ist das, was in den ersten drei Monaten abgelaufen ist.

Verantwortlich für das Debakel ist als künstlerischer Direktor der Ruhr2010 jemand, den man zumindest in der Union für einen Internetsachverständigen hält: Dieter Gorny, Leiter des Bundesverbands Musikindustrie und Befürworter von Internetsperren.

*Ich weiß das zufällig, da ich auch dieses Jahr wieder das Vergnügen habe in der Nominierungskommission zu sitzen, die die Vorauswahl für die Jury im Hauptwettbewerb trifft.

Reposted bykrekkurfin
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