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September 12 2013

Aufklärungsdrohnen der Bundeswehr werden im Kriegsgebiet von EADS gestartet und gelandet – Regierung nennt das “automatisch”

Dass im März 2010 eine Drohne des Typs “Heron” nach der Landung in eine Transportmaschine der Bundeswehr krachte ist, wurde ja bereits mehrfach berichtet. Das unbemannte Flugzeug setzte sich nach dem Stillstand plötzlich wieder in Bewegung und machte sich daran, zwei Soldaten zu überrollen. Auf Youtube ist ein Video der BILD-Zeitung befreit worden (die Zeitung veröffentlichte hierzu weitere Bilder von dem Crash):

Der Unfall ereignete sich in Mazar-i-Sharif in Afghanistan, wo die Bundeswehr drei “Heron” zur Aufklärung nutzt. Die Systeme liefern Echtzeitvideos an Bodenstationen, seit 2010 verfügen sie über eine Vorläufige Verkehrszulassung des Militärs.

Die Drohnen werden vom israelischen Hersteller Israel Aeronautics Industries gefertigt. Vertragsnehmer gegenüber dem Militär ist aber der Rüstungskonzern EADS, das Ganze nennt sich “Betreibermodell auf Leasingbasis”. Für Wartungsarbeiten ist stets ein “Instandsetzungsteam” EADS vor Ort. Im Juli meldete eine Presseerklärung vom EADS-Ableger Cassisidan, die “Heron” habe inzwischen 15.000 Flugstunden (mehr als 1.300 Flüge) absolviert. Pro Flugstunde kostet die “Heron” (ohne Steuer) 8.675 Euro.

Die Bundesregierung hatte erklärt, die Drohnen der Luftwaffe würden “automatisch von einem Flugplatz mit Start- und Landebahn” in die Luft steigen. Erst nach zweimaligen Lesen stolperte ich aber in der EADS-Pressemitteilung über den Hinweis, dass die Drohnen in Afghanistan gar nicht von der Bundeswehr gestartet und gelandet werden – den Job übernimmt die Firma selbst:

Der Vertrag beinhaltet auch, dass die Starts und Landungen in Mazar-e-Sharif von Cassidian-”Piloten” gesteuert werden und das Flugzeug dann in der Luft an das Bundeswehrpersonal übergeben wird. Die Bundeswehr kann sich somit voll auf die Erfüllung ihrer Mission konzentrieren und wird personell nicht durch unterstützende Aufgaben (Start, Landung, Wartung, Instandsetzung) belastet.

Die EADS-Techniker in Afghanistan kommen von Cassidian Airborne Solutions mit Sitz in Bremen. Im Frühjahr hatte in Bremen ein angeblicher Agent des pakistanischen Geheimdienstes versucht, Kenntnisse zur Steuerung von “Heron”-Drohnen abzugreifen. Die Affäre wird aber beschwiegen. Medien hatten berichtet, die Spionage habe sich in Räumen des Deutschen Instituts für Luft- und Raumfahrt (DLR) ereignet. Das DLR ist selbst in Forschungsvorhaben zur teil-autonomen Steuerung der “Heron” eingebunden.

Womöglich geht der Crash also auf das Konto von EADS – oder bei der “Übergabe” an die Bundeswehr ging etwas schief. Ein ähnliches Problem ergab sich auch bei der Überführung der Spionagedrohne “Euro Hawk” aus den USA. Der an die Bundeswehr gelieferte Prototyp geriet kurz außer Kontrolle, als die Steuerung von US-Bediensteten an deutsche Militärs übergeben werden sollte. Offensichtlich war die Satellitenverbindung für mehrere Minuten unterbrochen, die Drohne kam vom Kurs ab und verlor an Höhe.

Eine weitere “Heron” stürzte ebenfalls in Afghanistan ab und wurde danach sicherheitshalber aus der Ferne zerstört. Insgesamt werden die Kosten für beide Crashs mit rund 9,3 Millionen Euro angegeben.

Bei anderen Drohnen haben Luftwaffe und Bodentruppen die ulkige Kategorie “systemkonforme Landung” eingeführt: Gemeint ist, wenn die Drohne außer Kontrolle gerät und abstürzt, aber der Fall beispielsweise mit einem Fallschirm gebremst werden kann. Trotzdem verzeichnet das Gerät aber einen wirtschaftlichen Totalschaden und muss ersetzt werden.

Die berühmteste “systemkonforme Landung” ereignete sich ebenfalls in Afghanistan, als eine LUNA-Drohne beinahe eine Verkehrsmaschine rammte und anschließend das Dach einer Lagerhalle durchschlug:

Im Rahmen des Untersuchungsausschusses zum “Euro Hawk” hatten PolitikerInnen aller Parteien die Intransparenz des Verteidigungsministers hinsichtlich seiner Drohnenpolitik kritisiert. Schließlich wurde von manchen auch für de Maizière die “systemkonforme Landung” gefordert.

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May 15 2013

Syrien erneut vom Internet abgeschnitten

Wie mehrere amerikanische Nachrichtenseiten übereinstimmend berichten, ist Syrien erneut komplett vom Internet abgeschnitten. Mittlerweile bestätigt dieses auch renesys in einem ausführlichen Blogpost zur Lage in Syrien sowie Google mit seinem Transparenzbericht.

Der Blackout ist schon der Zweite innerhalb nur weniger Wochen. Bereits am 7. Mai wurde Syrien komplett vom Internet abgeschniten und sollte es auch knapp 20 Stunden lang bleiben. Ob es sich um eine technische Störung im zentralen Knotenpunkt in Damaskus oder eine gezielte Abschaltung des Internetverkehrs handelt ist zur Zeit noch vollkommen unklar.

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May 08 2013

Syrien ist offline

Google, Renesys, OpenDNS und andere bemerkten gestern Abend, dass es plötzlich keinen Datenverkehr mehr von und nach Syrien gab.

Im November 2012 hatte es bereits einen zweitägigen Blackout gegeben, und beide Seiten des Bürgerkriegs beschuldigten die jeweils andere der Sabotage. Später meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana, dass das Internet in Damaskus “nach Wartunsarbeiten wieder funktioniere”. Die Ursache für den aktuellen Ausfall ist noch nicht bekannt. Laut dpa vermuten Flüchtlinge, die seit Dienstagabend die Grenze überquerten, und Rebellen, die auf Satelligenverbindungen zurückgreifen können, dass die Regierung von Präsident Baschar al-Assad die Kommunikation absichtlich gestört habe. Cloudflare beobachtete:

Today at 18:48 UTC, Syria dropped off the Internet. Based on the data we collect from our network, as well as reports from other organizations monitoring network routes, it appears that someone systematically withdrew the BGP (Border Gateway Protocol) routes from the country’s border routers. This is the same technique that was used to withdraw Syrian Internet access last November.

Wie Heise Online berichtet, führen vier Unterseekabel nach Syrien: zwei von Zypern und je eines vom Libanon und von Ägypten, und alle laufen in der selben Landestation in Tartus zusammen.

Die USA und Russland haben gestern eine bessere Zusammenarbeit zur Beendigung des Bürgerkriegs in Syrien angekündigt. Man habe sich auf die Einberufung einer internationalen Konferenz verständigt, möglichst noch in diesem Monat.

Google bestätigte gestern ebenfalls den Ausfall, und schlägt den Service Speak2Tweet als Kommunikationsmittel für diejenigen vor, die eine Telefonverbindung haben: Damit können bestimmte internationale Telefonnummern angerufen und eine Sprachnachricht hinterlassen werden, die dann getwittert wird.

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August 31 2012

Apple zensiert App über tödliche Drohnen-Angriffe, diese sei “verwerflich und primitiv”

Apple verweigert einer App den Zugang zum App-Store, die über tödliche Drohnen-Angriffe berichtet. “Drones+” bereitet Informationen des Londoner Büros für investigativen Journalismus über die tödlichen Einsätze unbemannter Luftfahrzeuge auf. Drei mal wies der Konzern aus Cupertino die App ab, sie sei “verwerflich und primitiv”.

Christina Bonnington und Spencer Ackerman berichten auf Wired Danger Room:

Wenn ein Drohne zuschlägt, sammelt Drones+ diese Information und präsentiert eine Karte der Gegend, wo der Einsatz statt fand, markiert mit einem Pin. Man kann sich durch Medien-Berichte zu einem bestimmten Angriff klicken, die das Büro für investigativen Journalismus sammelt, und einige grundlegende Fakten über das berichtete Ziel des Einsatzes erfahren.


Auf Vimeo gibt’s ein Video der App in Aktion. Diese Aufbereitung journalistischer Informationen ist anscheinend zu böse für Apple:

Doch Apple blockiert den Zugang der Drones+ App zum Ap-Store – und damit von allen iPhones. Der Konzern aus Cupertino sagt, der Inhalt sei “verwerflich und primitiv”, so Apples neuestes Ablehnungsschreiben.

Es ist bereits das dritte Mal in einem Monat, dass Apple Drones+ abgewiesen hat, sagt Josh Begley, der in New York ansässige Entwickler der App. Die Begründungen des Unternehmens für die Ablehnung des Programms ändern sich immer. Zunächst bezeichnete Apple die App, die Nachrichten von Drohnen-Angriffen in Pakistan, Jemen und Somalia sammelt, als “nicht nützlich”. Dann gab es ein Problem mit dem Verstecken eines Firmenlogos. Und jetzt ist es das Problem mit den primitiven Inhalten.

Dabei sind ja wohl eher gezielte Tötungen ohne Gerichtsbeschluss “verwerflich und primitiv” als die Berichterstattung darüber.

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September 13 2011

Bewaffnete Roboter

Am Sonntag hat die Deutschlandfunk-Sendung “Wissenschaft im Brennpunkt” eine halbe Stunde lang über “Bewaffnete Roboter – Forscher denken über den Krieg der Maschinen nach” berichtet. Davon gibt es ein Transcript und eine MP3.

Cyberkrieg klingt nach Computerspiel, ist aber harte und böse Wirklichkeit. Ferngesteuerte Drohnen, Virenattacken auf die Infrastruktur des Gegners, das sind die ersten Anzeichen von Kampfhandlungen, die mit Maschinen durchgeführt werden. Harmloser wird der Robotereinsatz den Krieg nicht machen.

July 26 2010

Wikileaks in der Tagesschau

Die Veröffentlichung der Afghanistan-Dokumente als “war diary” auf Wikileaks kommt heute groß in jeder Ausgabe der Tagesschau. Hier ist ein Mitschnitt der 15:00 Uhr Tagesschau:

Beim Guardian erklärt Julian Assange von Wikileaks, warum Wikileaks die Dokumente veröffentlicht hat:

Auf Ustream gibt es 80 Minuten Videodokumentation einer Pressekonferenz von Wikileaks in London mit Julian Assange. Die Soundqualität ist etwas schlecht, bietet aber viele Hintergründe. Alternativ kann man auch im Live-Blog vom Guardian die Highlights lesen.

Reposted bymondkroete mondkroete

Wikileaks dokumentiert Afghanistan-Krieg

Wenn der Erscheinungstermin des Print-Spiegel von Samstag Abend im Netz auf Sonntag Abend verlegt wird, Sonntags in Berlin keine Ausgaben am Kiosk zu kaufen sind und bei Spiegel-Online kein Titelbild abgebildet ist, heißt das entweder, dass man in Hamburg eine Einstweilige Verfügung erhalten hat oder eine Exklusivstory vorbereitet. In diesem Fall ist es eigentlich die Exklusivstory von Wikileaks, die heute über 90.000 Berichte über den Afghanistan-Krieg auf wardiary.wikileaks.org veröffentlicht haben. Im Vorfeld hat Wikileaks das Material den drei großen Medien-Marken Spiegel, New York Times und Guardian zukommen lassen, die jeweils das Material verifiziert haben und heute Nacht parallel mit der Story online gegangen sind.

Für Wikileaks ist es ein großer Scoop und ich mag mich irren, aber es erscheint schon einzigartig, wenn gleich drei große Medien-Marken in drei verschiedenen Ländern gemeinsam eine Exklusivstory bearbeiten, die vielleicht ohne Wikileaks nicht möglich gewesen wäre.

Die Umsetzung der Story im Netz ist sehr verschieden. Der Spiegel konzentriert sich im Moment noch eher auf seine Print-Ausgabe und hat nur einen kurzen Überblick über verschiedene Aspekte in seiner Online-Ausgabe als Teaser veröffentlicht: Enthüllung brisanter Kriegsdokumente – Die Afghanistan-Protokolle. Der Guardian spielt seine Kompetenz im Datenjournalismus aus, visualisiert viele Ereignisse in Afghanistan auf Karten und veröffentlicht die Rohdaten als Opendata. Dazu gibt es natürlich noch die Story: Afghanistan war logs: Massive leak of secret files exposes truth of occupation. Und die New York Times hat online ein “Interactive-Feature” draus gemacht: The war logs – An archive of classified military documents offers an unvarnished view of the war in Afghanistan.

Hier ist ein Auszug aus der Pressemitteilung von Wikileaks: WikiLeaks today released over 75,000 secret US military reports covering the war in Afghanistan.

The Afghan War Diary an extraordinary secret compendium of over 91,000 reports covering the war in Afghanistan from 2004 to 2010. The reports describe the majority of lethal military actions involving the United States military. They include the number of persons internally stated to be killed, wounded, or detained during each action, together with the precise geographical location of each event, and the military units involved and major weapon systems used. The Afghan War Diary is the most significant archive about the reality of war to have ever been released during the course of a war. The deaths of tens of thousands is normally only a statistic but the archive reveals the locations and the key events behind each most of these deaths. We hope its release will lead to a comprehensive understanding of the war in Afghanistan and provide the raw ingredients necessary to change its course.

Hut ab, coole Aktion von Wikileaks mit ganz schön viel Medienpower dahinter.

Update: Der Guardian erklärt in einem Video, wie man die bei Wikileaks veröffentlichten Dokumente lesen kann.

Reposted bylegba7return13
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