Tumblelog by Soup.io
Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.

July 16 2011

JMStV-Beteiligungsplattform: Laufzeit verlängert!

Vorgestern hatte ich unter “Jugendmedienschutz: Die vergebene Chance in NRW” auf eine “Online-Konsultation” der nordrhein-westfälischen Landesregierung zum Jugendmedienschutz verwiesen. Meine Enttäuschung über den – nicht nur meiner Meinung nach – wenig zielführenden Ansatz ist zeitnah in Düsseldorf und offenbar auch bei den Betreibern der Plattform in Berlin* angekommen. Bei Facebook kommentierte NRW-Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann einen entsprechenden Hinweis von Jürgen Ertelt:

Wir lernen im Vorwärtsgehen. Die Unterschiede der jeweiligen Online-Konsultationen sind deutlich. Keine Frage: Aber damit ist die Chance, eine tragfähige Lösung zu finden, nicht vertan. Also: Die Umsetzung ist verbesserungsfähig; über die Inhalte können und müssen wir weiter diskutieren.

Das ist ok. Diskutieren wir! Wann fangen wir an?

Nein, ernsthaft. Nichts ist jemals einfach. Es gibt zwar viele intelligente Ideen und Konzepte zur nachhaltigen Integration von Online-Plattformen in deliberative Entscheidungsprozesse, bisher, zumindest in Deutschland, aber keine tatsächlich auch von der breiten Allgemeinheit genutzten und akzeptierten Installationen (Wenn man den Fokus auf die Einbindung externer Experten reduziert, schaut es kaum besser aus).

Nicht zuletzt übrigens, weil die vorhandenen Ideen und Konzepte aus Zeit-, Geld- oder Ressourcenmangel nicht aufgegriffen werden (Über Liquid Feedback bei den Piraten oder die strukturellen Probleme der Adhocracy-Installation für die Internet-Enquete können wir bei Bedarf gerne in den Kommentaren reden).

Wir haben es also mit einem grundsätzlichen Problem zu tun, das wir als Gesellschaft ohnehin bald mal angehen sollten. Warum nicht beim Jugendmedienschutz? Dann aber bitte mit einer soliden Grundlage.

Beim “Dialog Internet” gibt es schließlich ein paar gute Ansätze, auch die – mir im Detail leider unbekannte – “Online-Konsulation” zum “Medienpass NRW” wird gerne als positives Beispiel erwähnt. Sicher, die tatsächliche Beteiligung könnte in beiden Fällen noch deutlich besser sein, aber: Wir haben dort immerhin einen strukturierten(!) Anfang, auf dem sich aufbauen lässt.

Ich bin mir sicher: Wenn sich der Bürger ernstgenommen fühlt, klappt es irgendwann auch mit der (demokratischen) Beteiligung im Netz. Gut möglich, dass wir erst in 5 Jahren soweit sind. Das ist aber kein Grund, es nicht bereits jetzt ernsthaft zu versuchen. Was ja, im Übrigen, auch erklärtes Ziel nicht nur der nordrhein-westfälischen Landesregierung ist (vgl. Koalitionsvertrag, S. 81: “Neues Regieren in NRW”).

Wie auch immer: Als erste Reaktion wurde nun die Laufzeit der kritisierten “Online-Konsultation” zum Jugendmedienschutz verlängert. Das mag als Sofortmaßnahme ja noch sinnvoll erscheinen, ist aber verschenkte Zeit, wenn die Veranwortlichen im Hintergrund nicht parallel über Struktur und Konzept der Beteiligung überdenken. Ich bleibe dabei:

Wir benötigen baldmöglichst ein (transparentes) Konzept, wohin die Reise im Jugendmedienschutz gehen soll und in welcher Form überhaupt eine Beteiligung der Zivilgesellschaft (Experten, Laien und “Betroffene”) gewünscht, bzw. denkbar ist. Wollen wir eine Reform wagen, oder reden wir letztendlich nur über ein demokratisches Feigenblatt für kosmetische Korrekturen am gescheiterten JMStV-E von 2010?

*Spitzenidee übrigens, bei einem Appell zur Debatte die Kommentarfunktion zu unterbinden.

flattr this!

Reposted by02mydafsoup-01krekk

April 26 2011

Diskussion über Liquid Feedback

Das Blog Streetdogg hat sich mal etwas genauer die Nutzung von Liquid Feedback durch die Piratenpartei angeschaut und darüber gebloggt: The Tale of Liquid Feedback. Ihm ist aufgefallen, dass das Prinzip des Delegated-Voting dazu führt, dass wenige Nutzer eine Entscheidung maßgeblich beeinflussen können. Das funktioniert dadurch, dass man sein Stimmrecht z.B. für einzelne Themenfelder an andere delegieren kann. Diese delegieren das Stimmrecht aber munter weiter, bis dann einzelnen Personen soviele Stimmen zudelegiert wurden, dass diese in einer Entscheidung die Mehrheit haben. Streetdogg sieht durch die Kumulierung von Stimmen auf wenige “Mächtige” ein Problem des Systems und plädiert für eine Abschaltung der Delegationen.

Sebastian Jabbusch hat daraufhin bei den Demokratiepiraten sehr ausführlich auf die Analyse geantwortet: Der Sinn und Zweck von “Delegationen”. Er argumentiert sehr ausführlich für Delegationen und geht mit Gegenargumenten in die Debatte.

Auf jeden Fall sind beide Beiträge eine interessante Analyse und nicht nur für Politikwissenschaftler interessant. Immerhin sieht man hier ein politisches und spannendes Experiment in Echtzeit, was immer wieder aufs Neue auf den Prüfstand sollte, um es besser zu machen.

flattr this!

August 12 2010

Piratenpartei startet LiquidFeedback

Die Piratenpartei hat nun doch schneller als erwartet LiquidFeedback eingeführt. Auf der heutigen Bundesvorstandssitzung ist ein Antrag mit leicht geänderten Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen einstimmig angenommen worden und die Admins dürften wieder ran und haben das System gestartet. Was genau an den Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen anders ist als bei denen, die vergangene Woche dazu führten, das eine Mehrheit gegen die EInführung war, weiß ich jetzt nicht. Das könnt Ihr aber gerne in den Kommentaren erklären.

Ich bin mal gespannt auf die Erfahrungen mit LiquidFeedback. Hier gehts zur Startseite des Systems.

Update: Danke an Tarzun für die wichtigsten Änderungen:

* Abstimmungsdaten verfallen nach 4 Parteitagen und werden dann komplett gelöscht.
* Nutzernamen/Pseudonyme sind nur parteiöffentlich, nicht angemeldete Leser sehen nur Antragstexte sowie Ergebnisse
* Der umstrittene Datenbank-Download wurde “entschlackt” und wird (nur) angemeldeten Usern möglich sein.

Reposted byhgnfasel

August 09 2010

Netzpolitik-Interview: Jens Seipenbusch über Einführung von LiquidFeedback

Die Piratenpartei debattiert immer noch über die Einführung von LiquidFeedback. Da mich nach meinen beiden Artikeln zur Einführung in der evrgangenen Woche zahlreiche Mails und Kommentare erreichten, hab ich einige offene Fragen mal an den Bundesvorsitzenden der Piratenpartei, Jens Seipenbusch, geschickt mit der Bitte um Beantwortung. Andere Stimmen lasse ich auch gerne noch zu Wort kommen. Aber hier ist erstmal die Sicht von Jens auf zahlreiche Fragen.

netzpolitik.org: Die Nutzungsbedingungen haben Dir schon länger vorgelegen. Aus Euren Protokollen ist ja alles schön transparent sichtbar. Hast Du Deine Bedenken vorher formuliert und wenn nicht, wieso nicht?

Jens Seipenbusch: Die Debatte um die Nutzungsbedingungen begann mit der Entscheidung des zuständigen Vorstandsmitglieds, diese Texte für viel Geld von einer Berliner Kanzlei ausarbeiten zu lassen. Es wurde mehrfach der Eindruck vermittelt, wir selber seien dazu nicht in der Lage und die gekauften Bedingungen seien perfekt und professionell. Nach später Übermittlung dieser Bedingungen war sofort klar, dass die so nicht akzeptabel sind und dies ist auch sofort angemerkt worden. Dabei wurde die Kritik an der reinen Ausarbeitung leider stark von der Diskussion um einige Parameter-Einstellungen der Software selbst überlagert, da diese in den Nutzungsbedingungen ja festgeschrieben waren. Zudem wurde jede Änderung an den Nutzungsbedingungen abgelehnt mit dem Argument, man müsse dann wieder zur Kanzlei und erneut Geld ausgeben, sonst verliere man den vereinbarten Rechtsschutz.

netzpolitik.org: Was wäre der perfekte Datenschutz für ein Liquid-Feedback-System?

Jens Seipenbusch: Es kommt auf den Anspruch an, den man an das System hat. Mit dem Anspruch, dass diese Software verlässliche und maximal Nachvollziehbare Sachabstimmungen ermöglicht, muss man einige Punkte des Datenschutzes opfern. Der bisher von der Partei per Bundesparteitagsbeschluß geäußerte Anspruch hingegen, nämlich diese Software als letztlich unverbindliche Vorbereitungsplattform für einen Programmparteitag zu nutzen, läßt sich sehr wohl mit höherem Datenschutz vereinbaren. Das Motto ‘transparenter Staat statt gläserner Bürger’ wird halt schwierig, wenn man einerseits sehr stark direktdemokratisch agieren will und andererseits die innerparteiliche Willensbildung fälschlicherweise als Teil staatlichen Agierens definiert.

netzpolitik.org: Was sind die konkreten Mängel im System aus technischer Sicht?

Jens Seipenbusch: Die Frage verstehe ich so nicht. LF steht vor denselben Herausforderungen, die jedes Abstimmungssystem hat, wenn es eine möglichst manipulationsunanfällige aber dennoch auf eine Mitgliederdatenbank zurückführbare Abstimmung ermöglichen will. Die technischen Details sind bekannt und m.E. nicht strittig.

netzpolitik.org: Du hast Anfang Juli im Wiki eine Seite angelegt, um einen Beraterkreis zu initiieren. Die Seite weißt keine weiteren Änderungen aus, was ist daraus geworden?

Jens Seipenbusch: Der Beraterkreis soll nicht primär zur Einführung des Systems dienen, hier hat die LF-Gruppe ja bereits selbst einen Kreis von Leuten, die konkrete Fragen beantworten usw. Es geht mir dabei mehr um eine nichttechnische kritische Begleitung, die etwas abstrakter die Erkenntnisse zu diesem System bündelt und auch diejenigen einbindet, die es u.U. gar nicht benutzen (wollen). Diese Begleitung beginnt im Grunde erst, wenn das System eingesetzt wird.

netzpolitik.org: In einer PM kündigt Ihr eine Verschiebung des Starts um 2-3 Wochen an. Wie wollt Ihr bis dahin die Datenschutz- und Nutzerbedingungen verändert und das System neu aufgesetzt haben, wenn die bisher damit befassten nicht mehr involviert sind?

Jens Seipenbusch: Unser Beschluß bezieht sich nur auf die betreibenden Adminstratoren, das heißt keineswegs, das die ‘damit befassten’ Leute nicht mehr involviert werden. Es ist aber wichtig, dass wir die Auseinandersetzungen der letzten Wochen nicht sozusagen in den Betrieb von LF übernehmen, daher setze ich auf Administratoren, die der Sache weniger extrem gegenüberstehen. Wir werden nun auf diejenigen zugehen,
die mit uns gemeinsam LF einführen wollen, ohne dabei eine Spaltung der Partei zu riskieren. Ich bin überzeugt davon, dass auch unter den bisher für LF tätigen Piraten genügend besonnene dabei sind, die unsere Massnahme verstehen. Es tut mir sehr leid um diejenigen, die sich jetzt fälschlicherweise vor den Kopf gestossen fühlen, dies werden wir nun ausräumen müssen.

netzpolitik.org: Ist dieser Termin aus der PM aus Deiner Sicht haltbar?

Jens Seipenbusch: Wir verfolgen den Fahrplan, wie er im Beschluß vom 5.8. genannt ist. Die Verträge und Server sind im Besitz der Partei daher halte ich das natürlich für möglich. Es ist viel gute Vorbereitungsarbeit geleistet worden, so dass wir ja nicht alles neu machen müssen.

netzpolitik.org: In Eurer Vorstandssitzung vom 29.7. war ein Vertreter der Bundes-IT und da ist hörbar, dass bei anderen Partei-Infrastrukturen der Datenschutz nicht so genau genommen wird. Warum werden diese Bedenken gerade bei Liquid-Feedback in den Vordergrund gestellt?

Jens Seipenbusch: Da hast Du was anderes gehört als ich. Der Datenschutz wird bei uns sehr genau genommen, bei allen unseren Projekten. Nur ist es eben ein Unterschied, ob ich eine Software betreibe, die freiwillig oder sogar anonym benutzbar ist, oder eine wie LF, die darauf ausgelegt ist, eine auf die konrekte Person in der Mitgliederdatenbank zurückführbare politische Willensbildung des einzelnen lückenlos und auf ewige Zeiten zu dokumentieren. Ist doch klar, dass man misstrauisch wird, wenn man solche Dinge in den Nutzungsbedingungen liest, oder? Kein anderes unserer System versucht beispielsweise, die Sperrung oder Löschung vomn persönlichen Daten abzubedingen, insofern ist das völlig angemessen, bei LF darüber zu streiten und vor allem auch sich dafür etwas Zeit zu nehmen.

netzpolitik.org: Es gibt den Vorwurf, dass die Nutzungs- und Datenschutzbedingungen nicht BDSG- und TMG-konform seien. Teilst Du diese Auffassung und wenn ja, warum?

Jens Seipenbusch: Nicht rechtsverbindlich gesprochen teile ich diese Befürchtungen, ja. Meine Kritikpunkte habe ich mehrfach klar formuliert und auch mehrfach Änderungsbedarf angemerkt und sogar konkrete Änderungen vorgeschlagen, bspw. eine Löschung/Sperrung nach 3 bzw. 5 Jahren, wie ich sie auch mit unserem Datenschutzbeauftragten besprochen hatte. Insgesamt sehe ich aber durchaus die Möglichkeit, die Dinge miteinander in Einklang zu bringen, also die politisch gewünschte Fälschungssicherheit der Abstimmungen und den Datenschutz der Mitglieder. Leider sind meine (und auch andere) Kompromissvorschläge bisher größtenteils nicht berücksichtigt worden.

netzpolitik.org: Wieso hast Du dagegen gestimmt, als Andreas Bogk ein Security-Audit angeboten hat?

Jens Seipenbusch: Das habe ich doch bereits erklärt. Im Vorfeld der Abstimmung hatte ich den Antragsteller, Christopher Lauer, darum gebeten, nicht eine unbefristete und unbestimmte Beauftragung zu erteilen, sondern für das Audit auch konkrete Ziele festzulegen auf die wir uns beziehen können. Es geht hier also nicht um den Inhalt, sondern um die Wirkung. Ich hatte mir erhofft, wir könnten das Security-Audit mit einer konkreten zeitlichen Zielsetzung beschliessen, da sich solche unbestimmten Beschlüsse in der Vergangenheit als wenig nützlich herausgestellt haben. Ich habe also dagegen gestimmt, um eine bessere Variante zu bekommen, zumal es hier ja nicht um etwas zeitkritisches ging. Die Vorlage ist aber dann bereits ohne Änderung beschlossen worden, insofern eigentlich nichts besonderes, außer dass Fefe darüber geschrieben hat, dem ich das auch schon erklärt habe.

August 06 2010

Liquid-Anonymität

Zuerst ein Hinweis: Ich bin kein Mitglied einer Partei aber ein großer Fan der Optimierung von Demokratie und bin prinzipiell begeistert von der Liquid Democracy Idee – hatte aber keine Zeit mich mit den Vorschlägen und der Umsetzung zu befassen. Nun finde ich den Streit zwischen den Lagern der Piratenpartei um Transparenz vs. Datenschutz sehr interessant und möchte einen Lösungsansatz besonders hervorheben:

Mittelpunkt des Ansatzes ist das Verhältnis von Macht und Verantwortung.

Bürger haben das Recht, geheim zu wählen und eine anonyme politische Meinung zu haben. Gewählte Politiker müssen sich für ihre Entscheidungen verantworten und auch offenbaren, mit welchen anderen Machthabern sie in welcher Beziehung stehen. Wo ist aber die Grenze zwischen Bürger und Politiker? In der politischen Macht. Deshalb sehe ich eine Schwelle, über die das Parteimitglied zum Politiker wird. Über den Wert der Schwelle kann ja abgestimmt werden.

Jedes Parteimitglied ist zunächst anonymisiert und kann sich anonym in Gestaltung von Anträgen und in Abstimmungen einbringen. Wenn aber zum Beispiel ein Mitglied mehr als zum Beispiel 3, 10 oder 50 Delegationen für seine Stimme bezüglich einer Entscheidung erhält, dann kann er zunächst entscheiden, ob er diese Delegationen akzeptiert oder ablehnt. Akzeptiert er die Delegationen und somit die politische Macht, so muss er sich auch für Historie seiner bisherigen unterschwelligen Entscheidungen verantworten und sie wird offengelegt. Entscheidungen, die er zukünftig unterhalb der Schwelle tätigt, sind dann zunächst nicht öffentlich, bis er das nächste Delegationspaket oberhalb der Schwelle akzeptiert. Zudem sind in der Historie auch alle Delegationen an und von dritten Mitgliedern zu sehen, die mit den veröffentlichten Historien der dritten Mitglieder verknüpft sind. Diese Verknüpfungen zwischen Mächtigen ist notwendig, um über Deals zwischen den Mächtigen Rückschlüsse zu ermöglichen.

Man hat also zwei Datenbanken – eine mit nicht-veröffentlichten Historien und der Anonymisierungstabelle und eine mit den öffentlichen Historien. Leserecht allen Daten und Schreibrecht aller Programme, die in Verbindung mit dem nicht-öffentlichen Teil des Systems zu tun haben, hat nur Root. Aber jeder Mensch darf sich eine Kopie des gesamten Systems und der öffentlichen Datenbank im jeweils aktuellen Stand (natürlich ohne geheime Datenbank) ziehen, um sich technisch und politisch zu informieren.

Root wird von der Partei gewählt. Sobald sich Root einloggt, werden alle Mitglieder automatisch vom System darüber informiert. Root darf sich aber nur in einer öffentlichen Versammlung über Beamer oder Großraumdisplay einloggen.

August 05 2010

Piraten-Vorstand gegen Liquid-Democracy

Der Vorstand der Piratenpartei hat heute mehrheitlich gegen den Antrag gestimmt, die Liquid-Democracy-Lösung Liquid-Feedback in der Partei einzusetzen. Das Protokoll der öffentlichen Bundesvorstandssitzung ist noch nicht online, aber auf Twitter kommen schon zahlreiche Rücktrittsandrohungen und der Unmut vieler Piraten-Anhänger ist groß. Wir hatten vorgestern das System vorgestellt und gingen eigentlich davon aus, dass der Start schon eine beschlossene Sache ist: Liquid-Feedback vor Start bei der Piratenpartei.

Der Widerstand im Bundesvorstand kommt zu einem Zeitpunkt, wo heute zahlreiche Medien wegen eines wohlwollenden dpa-Artikels über den Start des Experimentes berichteten. Bei Spiegel-Online ist der Artikel mit der leicht falschen Überschrift “Ein Facebook für die Piratenpartei” immer noch auf der Startseite zu finden. Ebenso auf heise.de mit dem Titel “Im Internet mehr Demokratie wagen“. Daraus wird jetzt erstmal nichts. Sobald mehr Informationen und ein Protokoll online sind, werden wir darüber berichten, was zum Widerstand geführt hat.

Wenn Ihr mehr Informationen habt, könnt Ihr die gerne in die Kommentare schreiben. Mich würde auch egrne interessieren, ob es jetzt auf dem letzten Parteitag einen konkreten Beschluß dazu gab und wie der ausgesehen hat. Und wie eingeschätzt wird, dass der Vorstand sich dann dagegen stellt.

Reposted bybrightbyte brightbyte

August 03 2010

Liquid-Feedback vor Start bei der Piratenpartei

Am kommenden Donnerstag will die Piratenpartei ihr Liquid-Democracy-System LiquidFeedback auf Bundesebene starten. Den Startschuss wird der Bundesvorstand auf seiner öffentlichen Telefonkonferenz beschließen, die Inbetriebnahme soll live aus der Bundesgeschäftsstelle der Partei in Berlin gestreamt werden.

LiquidFeedback ist eine Internetplattform, die das kollaborative Erarbeiten und Abstimmen von Antragstexten ermöglicht. Jedes Parteimitglied erhält einen Account, es gibt im System keine Moderatoren, alle Mitglieder, vom Vorstand bis zum einfachen Piraten sind gleichberechtigt. Die Partei möchte LiquidFeedback zur Vorbereitung ihres Programmparteitages am 20./21.11. in Chemnitz benutzen. Auf dem letzten Bundesparteitag wurde die Einführung der Software mit 80% Zustimmung beschlossen.

Besonders an der Plattform ist, dass nur konstruktives Feedback möglich ist. Das bedeutet, dass man in der Diskussionsphase eines Antrages nur konkrete Verbesserungsvorschläge oder Gegenanträge verfassen kann. Mit „Nein“ stimmen kann man erst in der Abstimmungsphase. Das System ermöglicht eine Präferenz-Wahl nach der Schulze-Methode, hierdurch soll taktisches Wählen verhindert werden.

Ein besonderes Feature des Systems sind die Delegationen. Nutzer können ihre Stimme auf andere Nutzer des Systems übertragen. Hierdurch entstehen Delegationsketten. Wenn Anne also auf Peter und dieser auf Marie delegiert, dann stimmt Marie nicht nur mit Peters, sondern auch mit Annes Stimme ab. Das aber nur so lange, bis Marie oder Anne selbst im System aktiv werden. Dann nämlich wird die Delegationskette vom System automatisch unterbrochen. Dadurch werden sogar Delegationen im Kreis möglich. Im System können die Nutzer ihre Stimme für Themen oder Themenbereiche delegieren. Eine systemweite Delegation ist ebenfalls möglich. Die Delegationsketten sollen dazu führen, dass besonders kompetente Mitglieder der Partei besonders viel Stimmgewicht bekommen und nicht diejenigen, die ihre Meinung besonders lautstark vertreten oder besonders viel Zeit haben. Delegationen können jedoch jederzeit zurückgezogen werden, damit verbindet LiquidFeedback Elemente der repräsentativen Demokratie (Delegationen) mit solchen der direkten Demokratie.

Für Nichtpiraten wird das System insofern offen sein, als die Antragstexte sowie die Liste der Initiatoren öffentlich einsehbar sein werden. Somit verwirklicht die Partei ihre Forderung nach Transparenz zuerst innerparteilich: Wie schon im Parteiwiki wird alles öffentlich verhandelt und für jeden lesbar sein. Vielleicht kommt ja auch mehr heraus, als auf den meisten Wiki-Seiten, wo mitunter lange Flame-Wars eine Diskussion und Weiterentwicklung behindern. Es muss sich dann auch zeigen, wie anfällig die Partei für populistische Forderungen sein wird, wie zum Beispiel ein Burka- oder Minarettverbot, und wie Troll-Resistent Liquid-Feedback ist.

LiquidFeedback wird bereits von einigen Landesverbänden der Piratenpartei verwendet, im Berliner Landesverband steht es sogar in der Satzung. Hier wurde die Software auch von drei Piraten entwickelt. Da es sich um Freie Software unter der MIT-Lizenz handelt, kann jeder, der sie benutzen möchte, dies auch tun. Das LiquidFeedback-Frontend ist in der Scriptsprache Lua geschrieben, die wahrscheinlich nicht jeder beherrscht.

Die Hoffnung der Piraten ist, auf diese Weise auf ein festes Delegiertensystem wie in anderen Parteien verzichten zu können. Ob ihnen das gelingt, wird die Zukunft zeigen. Die Realität wird auch klären, was mit (meist intransparenten) Machtstrukturen und Netzwerke passiert, die es in jeder Organisation gibt, und die vielleicht nicht unbedingt in einem solchen System transparent abgebildet werden. Ob Liquid-Feedback eine Revolution in Organisationen auslösen wird, müssen die Piraten beweisen. Aber ein Versuch ist es wert, mehr demokratische Partizipation auszuprobieren.

Mehr über Liquid-Feedback hören:

Um eine ungefähre Vorstellung davon zu bekommen, wie das System funktioniert, ist der Podcast von Prof. Dr. Martin Haase und Christopher Lauer, Politischer Geschäftsführer Piratenpartei Deutschland ganz sinnvoll. Ein weiterer Klabautercast ist ein Gespräch zwischen Martin Haase und Frank Rieger zum selben Thema. Ebenfalls interessant ist der Chaosradio Express Podcast mit einem der LiquidFeedback Entwickler.

April 28 2010

Open Democracy Camp Berlin 2010 #odc10

Logo Open Democracy Camp 2010Am 8. und 9. Mai 2010 findet das Open Democracy Camp im newthinking store Berlin statt, zu dem der Liquid Democracy e.V. und der Opendata Network e.V. einladen. Die beiden Organisationen setzen sich für digitale Formen der Demokratie, für Transparenz und Partizipation ein.

Die Einladung richtet sich an alle, die sich für die Nutzung und Entwicklung des Netzes als demokratischen Raum interessieren und engagieren. So soll es um Konzepte digitaler Demokratie, um den Einsatz und die Entwicklung von Debatten- und Diskursaggregatoren gehen. Zum Thema soll auch die notwendige Transparenz der öffentlichen Hand werden – eine OpenDemocracy braucht den Zugang zu Informationen – Stichwort: OpenData.

Das Camp verteilt sich auf zwei Tage: Der erste ist geplant als Barcamp: Projekte, Konzepte und Ideen von “Digitaler Demokratie” und “OpenData” werden ausgetauscht sowie Erfahrungen von bereits laufenden Projekten vorgestellt und debattiert. Am zweiten Tag finden Workshops statt, die aus den Ergebnissen, Fragen und Ideen des ersten Tages entstehen.

Weitere Infos & Kontakdaten.

February 07 2010

Flüssige Demokratien auf der Transmediale

“Politik und Zukunft, die beiden passen nicht wirklich zusammen”, führte Stephen Kovats in die Diskussion ein. Gerade um die Politik der Zukunft ging es aber auf dem Panel zu “Liquid Democracies” am letzten Tag der Transmediale.

Auch der Künstler Steve Lambert glaubt nicht, dass wir uns für Visionen auf die Politik verlassen können. “Politiker arbeiten mit dem, was möglich ist”. Unsere Vorstellung von Zukunft komme daher aus anderen Bereichen – und am meisten aus der Werbung.

Lamberts Kunstaktionen beschäftigen sich häufig mit Medien-Hacking. So war er auch an der New York Times-Fälschung der Yes Men beteiligt. “Weil wir alle in gescheiterten Utopien leben, haben wir einen ständigen Bedarf nach neuen Utopien”, sagt der Künstler. Künstler könnten solche Utopien mit Hacks in die Medien und damit in den Diskurs bringen.

Diesem positiven Ausblick entgegen steht Matteo Pasquinellis Konzept eines “digitalen Neo-Feudalismus”. Einige wenige Monopolisten – wie Google und Facebook – beherrschten die Infrastruktur. Die Netzwerkgesellschaft sei nicht mehr horizontal, sondern polarisiert. Dadurch gerate die kreative Mittelschicht unter Druck.

“In der digitalen Musikszene herrscht mehr Wettbewerb und stärkere Polarisierung. Nur wenige können überleben”, beschreibt er die “Krise der kreativen Klasse”. Es gebe eine Verlagerung von “Profit” zu “Rendite”, die aus der Ausbeutung von Monopolen entstehe. Letztlich beklagte Pasquinelli die Unfähigkeit der Netzwerk-Gesellschaft, eine neue Politik zu entsinnen.

Dass die “Weisheit der Massen” durchaus endlich ist und nicht auf allen Gebieten zum Erfolg führen kann, erklärte auch Sascha Lobo. Das Kollektiv könne bestimmte Aufgaben der Medienwelt übernehmen – etwa die von Ad-Hoc-Korrespondenten – andere aber nicht. So könnte investigativer Journalismus nur im kleinen Maßstab über Plattformen wie Spot.us finanziert werden.

Zugleich warnte Lobo davor, dass alle Nachrichten nach “unterstützt meine Meinung” und “irrelevant” gefiltert werden könnten. Es sprach von der Entstehung von Mikro-Öffentlichkeiten, in denen aus dem “Star für 15 Minuten” der “Star für 15 Leute” werde.

Wie viel politischen Einfluss können diese kleinen Einheiten entwickeln? Pasquinelli ist skeptisch: Er sei “des Aktivismus müde”, weil “alles, was wir entwickelt haben” sich in einem zu kleinen Rahmen bewege. Es mangele an einer Vorstellung für die Politik der Zukunft.

Reposted by02mydafsoup-01 02mydafsoup-01
Older posts are this way If this message doesn't go away, click anywhere on the page to continue loading posts.
Could not load more posts
Maybe Soup is currently being updated? I'll try again automatically in a few seconds...
Just a second, loading more posts...
You've reached the end.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl