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July 16 2013

Die Online-Werbeindustrie will Filesharing-Webseiten den Geldhahn zudrehen

Wer im Internet eine Webseite betreiben möchte und damit vielleicht auch noch ein wenig Geld verdienen möchte, ohne von den Nutzern direkt Geld zu verlangen, kommt um die Schaltung von Werbung kaum herum. Für viele Webseiten ist Werbung die einzige Möglichkeit der Finanzierung, besonders wenn mit den Inhalten der Webseite kein Umsatz erwirtschaftet werden kann. Ein Beispiel hierfür sind Filesharing-Webseiten, welche ihre Dienste kostenfrei anbieten und daher auf die Schaltung von Werbung angewiesen sind. Das hat anscheinend auch die amerikanische Regierung erkannt. Denn sie hat sich mit den größten Vertretern der Werbewirtschaft im Internet verbündet, mit dem Ziel keine Werbung mehr auf “illegalen” Webseiten zu schalten und diesen so den Geldhahn zu zudrehen.

Wie die Variety berichtet sind unter anderem Google, Microsoft und Yahoo an den Plänen beteiligt. Der Vorschlag sieht vor, dass die Urheberrechtsinhaber Beschwerden über Verstöße am Urheberrecht direkt an die Werbeunternehmen melden und diese daraufhin von der Schaltung von Werbung auf diesen Seiten absehen. Dieses soll dazu führen, den Webseiten ihre einzige Geldquelle abzuschneiden und sie damit zu zerschlagen. Victoria Espinel, die Beauftragte für die Durchsetzung der Rechte an immateriellen Gütern der amerikanischen Regierung, fand positive Worte für das Engagement der Privatwirtschaft:

The Administration strongly supports voluntary efforts by the private sector to reduce infringement and we welcome the initiative brought forward by the companies to establish industry-wide standards to combat online piracy and counterfeiting by reducing financial incentives associated with infringement, [...] We believe that this is a positive step and that such efforts can have a significant impact on reducing online piracy and counterfeiting.


Chris Dodd, Präsident der “Motion Picture Association of America” (MPAA), hingegen sieht die geplanten Maßnahmen als nicht umfassend genug an und fürchtet eine zu große Belastung für die Urheberrechtsinhaber:

[It's] an incremental step forward that addresses only a narrow subset of the problem and places a disproportionate amount of the burden on rights holders is not sufficient.

Nach Auskunft von Variety sind an diesem Vorstoß die Werbenetzwerke von 24/7 Media, Adtegrity, AOL, Condé Nast, Google, Microsoft, SpotXchange und Yahoo, mit Unterstützung des Interactive Advertising Bureaus, beteiligt.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

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August 08 2012

TVShack: Amerikanische Filmindustrie will Berichterstattung mit Astroturfing beeinflussen

Die amerikanische Filmindustrie nutzt Meinungsartikel in Zeitungen und Blogs von Dritten als Teil ihrer Kommunikationsstrategie. Das geht aus einem internen Dokumenten der Motion Picture Association of America hervor, die TorrentFreak nun veröffentlicht hat. Anlass ist die geplante Auslieferung des mutmaßlichen Betreibers der Webseite TVShack in die USA.

Über den Fall des 24-jährigen Briten Richard O’Dwyer hatte netzpolitik.org bereits berichtet. Weil er auf seiner Webseite TVShack auf Copyright-Verstöße verlinkt hat, wurden seine Domains beschlagnahmt und soll ihm der Prozess gemacht werden. Obwohl Großbritannien nicht gegen ihn ermittelt, soll er in die USA ausgeliefert werden.

In der Öffentlichkeit kommt das nicht so gut an. Laut einer Umfrage sind 95 Prozent der Briten gegen die Auslieferung. Eine Petition von Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales gegen die Auslieferung hat schon über 240.000 Unterschriften.

Das gefällt der Filmindustrie nicht. Das Blog TorrentFreak veröffentlichte jetzt einen internen Kommunikationsplan (Mirror) der Motion Picture Association of America (MPAA), der vom Guardian bestätigt wurde. Um die “schwierige Berichterstattung in den Medien” und die angebliche “Desinformationskampagne” zu “kontern”, werden darin eigene Schritte zur Kommunikation entwickelt.

Idealerweise soll die eigene Version der Geschichte durch Dritte verbreitet werden:

Ideally, this would be done through third parties – but finding third parties – especially in the United Kingdom – has been very difficult so far, so the MPAA must be prepared to respond to media requests on the issue and set the record straight to counter the misinformation campaign by our opponents.

Neben Dokumenten, Screenshots und FAQs sollen auch eigene Meinungsartikel in Zeitungen und Blogs von Dritten erstellt werden:

We are also working on an oped as well as blogs by third party surrogates.

Klassisches Astroturfing also. Bleibt zu hoffen, dass ihnen auch mit solch unsauberen Methoden nicht gelingt, die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Einen Tag vorher hatte TorrentFreak bereits den internen Kommunikationsleitfaden zum Thema veröffentlicht. (Mirror)

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Reposted bymondkroete mondkroete

March 16 2012

Wozu SOPA?

Wie seit Juli letzten Jahres bekannt, haben amerikanische Provider eine freiwillige Kooperationsvereinbarung mit der Contentindustrie getroffen. Diese wird dazu führen, dass die Provider ab dem 12. Juli Maßnahmen gegen ihre Kunden ergreifen werden, wenn von der Contentindustrie beauftragte Firmen ihnen von “verdächtigen Übertragungen im Internet” berichten, wie es bei heise.de formuliert wird. Die Kunden sollen demnach erst in eine Datenbank eingetragen und verwarnt werden. Weitere Schritte wie die Drosselung des Datentransfers oder das Sperren des Zugangs erfolgen nach weiteren Warnungen.

cnet zitiert den RIAA-CEO Cary Sherman, der erklärt, warum sich der Prozess ein Jahr lang hinzog:

“Each ISP has to develop their infrastructure for automating the system,” Sherman said. They need this “for establishing the database so they can keep track of repeat infringers, so they know that this is the first notice or the third notice. Every ISP has to do it differently depending on the architecture of its particular network.[...]“


Nachdem die großen ISPs, mit denen die Absprache getroffen wurde, diese Infrastruktur geschaffen haben, werden die kleineren Zugangsanbieter vermutlich demnächst von den Contentorganisationen wegen dem Fehlen dieser Infrastruktur verklagt. Jedenfalls liegt diese Vermutung nahe, wenn man den Vergleich mit den Content-Filtern heranzieht, die YouTube einsetzte und die nach Auffassung von MPAA und RIAA deswegen auch für alle anderen verpflichtend seien.

Ein schöner Erfolg für die Contentlobbyisten von MPAA und RIAA, die ja auf politischem Weg in jüngerer Vergangenheit auf ganzer Linie gescheitert sind, nun aber dank privatwirtschaftlicher Absprachen ihre Macht gegenüber den Internetnutzern doch noch demonstrieren dürfen. SOPA ist tot, doch der Weg der Förderung der “Kooperation” von Zugangsanbietern und Rechteverwertern findet hier ein Beispiel. Gut dass sich seit der Absprache im letzten Jahr die öffentliche Wahrnehmung des Themas deutlich erhöht hat: Dass Provider bei solchen Absprachen nicht mitmachen müssen (warum sollten sie auch?), sieht man ja gerade in Deutschland, wo das 2-Strikes-Modell durchgefallen ist.

Reposted bymondkroete mondkroete

February 29 2012

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