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November 01 2013

Wir hatten Sex in den Trümmern und träumten: Die Wahrheit über die Popindustrie

pid13828827Wie funktioniert eigentlich die Popindustrie? Ein lesenswertes Buch darüber haben Tim Renner und Sarah Wächter mit “Wir hatten Sex in den Trümmern und träumten: Die Wahrheit über die Popindustrie” vorgelegt. In vielen kurzweiligen Geschichten werden die unterschiedlichen Akteure und ihre Aufgaben beschrieben, so dass man das Buch auch nicht am Stück lesen muss.

Was das jetzt alles mit Netzpolitik zu tun hat? Seitdem man ständig wegen der ungeklärten Urheberrechtssituation über Geschäftsmodelle diskutieren muss, hilft dieses Buch zumindest dabei, mehr Einblicke in die Musik-Branche zu erhalten, in das Gestern, aber auch die Gegenwart. Und popkulturell ist es lesenswert wegen der zahlreichen Anekdoten.

Das Buch gibt es gedruckt für 16,99 Euro im Buchhandel (Amazon) oder 12,99 Euro als eBook (Kindle)

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October 14 2013

Diagnose Marktversagen: Fred Breinersdorfer will Zwangslizenzen für Filme

Was sich vor einigen Wochen in Form von unerwartet offenen Briefen angedeutet hatte, wird heute mit einem Gastbeitrag von Fred Breinersdorfer in der Süddeutschen Zeitung noch einmal dokumentiert: sie bewegen sich doch, die Fronten in der Urheberrechtsdebatte.

Fred Breinersdorfer

Fred Breinersdofer (Foto von 1Holsteiner2, CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons)

Fred Breinersdorfer ist nicht nur ein bekannter Drehbuchautor und Filmproduzent (“Sophie Scholl – Die letzten Tage“), sondern auch eine der lautesten Stimmen in der Auseinandersetzung um das Urheberrecht in Deutschland. Nicht nur ist er Mitunterzeichner des berühmt-berüchtigten Briefs der Tatort-AutorInnen, sondern auch Gründer der Krimiautorenvereinigung “Das Syndikat“, die wiederum für die Kampagne “Ja zum Urheberrecht” verantwortlich zeichnet. Auch in der fragwürdigen Kampagne “Gib 8 aufs Wort” der VG Wort trat er als Unterstützer mit dem Satz auf: “Ein Autor ohne seine Rechte ist wie ein Auto ohne seinen Motor.”

In seinem Gastbeitrag “Verschenkt meine Filme!” anerkennt aber auch Breinersdorfer jetzt die Notwendigkeit urheberrechtlicher Reformen. Ausgangspunkt ist die keineswegs neue Beobachtung, dass eine Google-Suche nach Filmen kaum legale, aber unzählige illegale Anbieter zu Tage fördert:

Wo sind denn die massenhaften legalen Anbieter, die meine Google-Trefferseite füllen könnten? Wo sind denn die innovativen Webseiten, bei denen man mein Werk auf eine Weise herunterladen oder streamen kann, von der ich auch etwas habe? Die einfache Antwort ist: Es gibt sie nicht.

Die wenigen großen Anbieter diktieren die Preise und Konditionen, gerade kleinere Filmstudios kommen nicht zum Zuge. Vor allem aber die hohen Transaktionskosten bei der Klärung der Internetechte verhindern Breinersdorfer zu Folge eine Vielfalt legaler Angebote:

Wer legal Filme anbieten will, braucht dafür die Internetrechte. […] Das funktioniert aber nicht etwa weltweit, wie das Internet - es funktioniert nur von Land zu Land, von Territorium zu Territorium. Und oft ist die Situation noch vertrackter, wenn etwa Banken Rechte abgetreten bekommen, als Sicherung für ihre Kredite. Jeder Lizenznehmer bastelt momentan an Modellen, wie er mit seinen Lizenzen im Netz am besten Geld verdienen könnte.

Vor allem dass die Vielzahl eigener und proprietärer Modelle ein Holzweg sind, hätte die Filmindustrie wirklich von der Musikindustrie lernen können (trauriger Tiefpunkt damals: Microsofts selbstwidersprüchlich bezeichneter Kopierschutz “Plays for Sure“). Als Ausweg schwebt Breinersdorfer eine staatlich verordnete Zwangslizenz vor:

Wer aber könnte dieses schreckliche Gewurstel beenden, um einen lebendigen Markt zu schaffen und die Illegalen endlich auszutrocknen? Nur noch der Staat. Das ist der zweite Teil meiner radikalen Idee: Hier und heute fordere ich den Gesetzgeber auf, mir meine eigenen Internetrechte gegen Vergütung abzunehmen und mich dabei bitte nicht um Erlaubnis zu fragen. Und alle anderen Filmkünstler auch nicht. Ich fordere eine umfassende Zwangslizenz für Filme im Internet.

Und tatsächlich haben wir es im aktuellen Markt für Filme mit Marktversagen zu tun: die Transaktionskosten in einem nationalstaatlich-zerfurchten Rechteflickenteppich sind einfach zu hoch, um einen funktionierenden Wettbewerb legaler Angebote zu ermöglichen. Ähnliches gilt übrigens auch für den Bereich von Samples, Mashups und Remixes, weshalb sich die Initiative “Recht auf Remix” des Digitale Gesellschaft e. V. auch in diesem Bereich für Zwangslizenzen einsetzt.

Breinersdorfers Gastbeitrag zeigt jedenfalls, dass es durchaus Möglichkeiten gäbe, Internet und Urheberrecht miteinander zu versöhnen. Voraussetzung dafür sind aber urheberrechtliche Reformen, die – so wie in Breinersdorfers Vorschlag – auf Erlauben und Vergüten setzen anstatt auf Überwachen und Abmahnen.

Disclaimer: Ich war in die Konzeption der Initiative “Recht auf Remix” involviert.

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June 13 2013

July 27 2012

July 23 2012

Muss Google in Frankreich bald Begriffe zensieren?

Die französische Musikindustrievereinigung SNEP und Google streiten sich schon seit geraumer Zeit vor französischen Gerichte darum, ob die Autovervollständigung von Google auch Begriffe wie “torrent”, “megaupload” oder “rapidshare” vorschlagen darf. Die SNEP sieht darin eine Unterstützung von Copyrightverletzungen und verlangt von Google die Begriffe zu zensieren. Das oberste französische Gericht kassierte nun das letzte Urteil in dem, wie in den Urteilen zuvor, Google das Recht die Vervollständigungen anzuzeigen zugesprochen worden war. Eine endgültige Entscheidung wird nun im Berufungsprozess gefällt.

Allerdings filtert Google bereits seit über einem Jahr pirateriebezogene Begriffe freiwillig aus:

We will prevent terms that are closely associated with piracy from appearing in Autocomplete.

Die Vermutung liegt nahe, dass Google den Prozess führt, um weiterhin selbst entscheiden zu können, welche Begriffe zensiert werden und welche nicht.

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February 14 2012

January 31 2012

Karlsruhe: Heise darf auf AnyDVD verlinken

Wie Heise.de berichtet, beendete das Bundesverfassungsgericht einen langjährigen Rechtsstreit zwischen dem Heise-Verlag (c’t, iX) und der Musikindustrie.

Der Rechtsstreit entstand, nachdem der Heise-Verlag in einer Tickermeldung vom 19. Januar 2005 auf die Homepage des Softwareherstellers Slysoft verlinkte, was die Musikindustrie mit einer einstweiligen Verfügung zu unterbinden versuchte. Slysoft bietet mit AnyDVD eine Software zur Umgehung des DVD-Kopierschutzes an, deren Benutzung und Verbreitung in Deutschland illegal ist. Nach einem Zug durch alle Instanzen urteilte der BGH am 14. Oktober 2010, dass das reine Setzen eines fußnotenähnlichen Links zur weiteren Informationsbeschaffung vollkommen legitim sei und hob damit anderslautende Entscheidungen des OLG München auf.

Die Musikindustrie reagierte darauf umgehend mit einer Verfassungsbeschwerde, die erst heute nicht anfechtbar und endgültig vom Bundesverfassungsgericht abgelehnt wurde. Eine anders lautende Entscheidung hätte unter Umständen unabsehbare Konsequenzen für die Netzkultur in Deutschland gehabt, da eine qualitativ hochwertige Berichterstattung ohne Nennung von Quellenangaben kaum möglich ist.

January 12 2012

Die Musikindustrie vs. Irland

In Irland hat die Musikindustrie eine Zivilklage (Plenary Summon) gegen den Staat eingereicht, da sie der Meinung ist das Land tue nicht genug, um die durch Filesharing auftretenden Gewinneinbußen zu verhindern. Offenbar will man bei der Politik Druck ausüben, die Gesetze zugunsten der Rechteinhaber zu ändern, nachdem im Dezember eine Three-Strikes-Regelung gerichtlich als zu großer Eingriff in die Privatsphäre abgelehnt wurde. Eine gesetzliche Neuregelung, die das Blockieren von Anschlüssen ermöglichen würde, wurde für Mitte Januar angekündigt, die Klage dient also eher als Absicherung bzw. Druckmittel, wenn der politische Prozess in Stocken geraten sollte.

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April 08 2011

Hintergründe zur IFPI-Lobbyistin in der EU-Kommission

Vor einer Woche hatten wir exklusiv berichtet, dass die ehemalige Musikindustrie-Lobbyistin Maria Martin-Prat neue Referatsleiter der Urheberrechtsabteilung in der Generaldirektion Binnenmarkt in der EU-Kommission wird. Die Nachricht hat es dann in einigen Tagen über den Umweg über US-Medien auch wiederum zu Heise & Co nach Deutschland geschafft. (Was etwas lustig war, weil US-Medien uns als Quelle nannten und deutsche Medien dann wieder die US-Medien als Quelle heranzogen.).

Erich Moechel hat für FM4 der Geschichte weiter hinterher recherchiert und erstaunliches herausgefunden: Sie war vor ihrer Tätigkeit als Lobbyistin der Musikindustrie schon EU-Beamtin, ließ sich dann beurlauben, um Lobbyistin zu werden und kam dann wieder zurück in die EU-Kommission, um die Interessen ihres vorherigen Arbeitgebers effektiver vertreten zu können.

Die designierte oberste Urheberrechtsjuristin der EU-Kommission, Maria Martin-Prat, war davor nicht nur fünf Jahre lang oberste Urheberrechtsjuristin der Musiklobby IFPI. Während ihrer gesamten Lobbyistenzeit war sie auch karenzierte EU-Beamtin.[...]

Wie aus dem Büro von Binnenmarktkommissar Michel Barnier auf Anfrage von ORF.at am Donnerstagabend bestätigt wurde, war Frau Martin-Prat während ihrer gesamte IFPI-Zeit von der Kommission lediglich karenziert, wenngleich ohne Bezüge. Ab August 2004 war Martin-Prat, in deren Lobbyistenzeit noch die weltweite IFPI-Kampagne “Raubkopierer sind Verbrecher” fällt, dann wieder in bezahlten Positionen für die EU-Kommission aktiv. Zuerst wirkte sie im Finanzbereich, danach wieder im Bereich Binnenmarkt.

Interessant ist, dass Martin-Prat dabei fast keine Spuren im Netz hinterlassen hat und ihren Lebenslauf gut frisieren konnte.

Der neue Posten Martin-Prats ist im Direktorat D der Kommission (“Wissenbasierte Ökonomie”) angesiedelt, die Unit D3 hat die Bezeichnung “Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte”. Da kann man doch ganz toll “Raubkopierer sind Verbrecher” Realität werden lassen!

Wie unabhängig ist eigentlich eine solche Person, die jetzt für Urheberrecht in der EU-Kommission zuständig sein soll?

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October 15 2010

Heise schlägt Musikindustrie vor BGH

Herzlichen Glückwunsch: Der Heise-Verlag hat sich vor dem Bundesgerichtshof gegen eine Klage der Muuikindustrie durchgesetzt, die zur Dokumentation im Rahmen der Berichterstattung Verlinkungen auf eine Firmen-Webseite verhindern wollte, wo auf den Unterseiten Kopierschutzknacker angeboten werden: Heise vs. Musikindustrie: Bundesgerichtshof verwirft Link-Verbot.

Dem Heise Zeitschriften Verlag war in mehreren Instanzen untersagt worden, im Rahmen der redaktionellen Berichterstattung über Kopierschutzsoftware einen Link auf die Webpräsenz des Unternehmens Slysoft zu setzen. Ausgelöst wurde der Rechtsstreit durch einen Bericht auf heise online über Kopierschutzmaßnahmen, in welchem der Leser über einen Link auf die Startseite eines Softwareherstellers gelangen konnte. Dieser bot auf einer Unterseite seinen Kopierschutzknacker zum Download an. Die Richter des I. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs hoben nun unter anderem das Urteil des OLG München vom 23. Oktober 2008 auf; die Klage der Musikindustrie wurde abgewiesen. Die Kosten des Verfahrens haben die klagenden Firmen der Musikbranche zu tragen.

Eine schriftliche Begründung gibt es erst in wenigen Monaten. Bei Heise findet sich auch eine Dokumentation des Verfahrens, was sich seit 2005 hinzog: Dokumentation: Heise versus Musikindustrie.

Reposted bybrightbytemondkroeteZaphodBalphabet

October 12 2010

Was noch fehlte

Der Economist kommt in dem Artikel “What’s working in music – Having a ball” zu der Schlußfolgerung, dass es der Musikbranche besser geht als gedacht und sich das auch weiter verbessern wird. Die Verluste durch sinkende CD-Verkäufe würden mittlerweile durch Live spielen, Merchandising, Sponsoring, Streaming und anderem kompensiert. Wenn das nich tmal eine Überraschung ist.

Cory Doctorow beschreibt im Guardian “The real cost of free”.

Commenters who claim I tell artists to give their work away for free are wrong – and they should focus on the real online villains

Axel Metzger, Professor für Geistiges Eigentum und Informationstechnologie- Recht an der Universität Hannover und Mitautor des ACTA Blogs, erklärt bei der ct’, was der aktuelle Stand bei ACTA ist: ACTA: Die Folgen für Europa.

La Quadrature du Net warnt vor ACTA
und die Business Software Alliance begrüsst ACTA: Ruf nach Zurückweisung des Anti-Piraterie-Abkommens ACTA.

Und in Irland hat sich ein Provider erfolgreich vor Gericht gegen die 3-Strikes-Wünsche der Musikindustrie gewehrt: “Irischer Provider UPC setzt sich gegen Musikindustrie durch” und “Internet provider in legal victory”.

September 15 2010

NPP101: Audiolith – Labels und das Netz

Der Netzpolitik-Podcast Folge 101 ist ein Gespräch mit Lars Lewerenz (Twitter) über Musik im Netz, was ich auf der all2gethernow letzte Woche aufgezeichnet habe. Lars ist Gründer und Betreiber des Audiolith-Labels, dass er mitten in der sogenannten Krise der Musikwirtschaft gegründet hat. Zu den Künstlern auf Audiolith gehören Bratze, ClickClickDecker, Frittenbude, Plemo, Ira & Rampue, Egotronic, der Tante Renate und Saalschutz.

In der Diskussion um Urheberrecht, Tauschbörsen, Internet und Künstler kommt immer wieder das gern verwendete Argument, dass Labels nicht mehr benötigt werden, weil Künstler auch alles selbst tun können. Warum es trotzdem noch Labels gibt, Künstler gerne bei einem Label unterkommen und man nicht immer verallgemeinern sollte, dass Labels die Bösen sind, wird vielleicht nach diesem Podcast etwas klarer. Wir unterhalten uns auch darüber, welche Chancen das Netz Künstlern und Labels bietet, wieviel Geld man über CD-Verkäufe und Downloads verdient und wer noch alles mitverdient, ohne etwas abzugeben. Das und noch mehr gibt es in den rund 30 Minuten langen Podcast und der liegt als MP3 und OGG auf dem Server.

Vor kurzem erschien bei Spiegel-Online auch ein POrtrait über Lars Lewerenz, wo seine Arbeit beschrieben wurde: “T-Shirts kannst du nicht einfach runterladen”.

Wer mal in das Audiolith-Label reinhören will:

Audiolith by Audiolith

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September 08 2010

Liebe Musikindustrie, wir müssen reden …

Ok, ich habe mich mehr oder weniger daran gewöhnt, dass ihr die GEMA bei YouTube wüten lasst. Auch wenn ich es persönlich schade finde, wenn Musikvideos depubliziert gesperrt werden, ist es letztendlich wohl euer gutes Recht.

Ein klein wenig absurd hingegen wird es allerdings, wenn ihr sogar eurem Werbe- und Promotionpartner MTV von hinten in den Server grätscht. Beispiel gefällig? Gern. Folgende Meldung bekommt man zu sehen, wenn man sich für das neue Album von “Wir sind Helden” interessiert, auf das MTV heute alle Augen richten will:

Musikindustrie vs. MTV: All Eyes On Inkompetenz.

Musikindustrie vs. MTV: All Eyes On Inkompetenz.

(via Taxiblogger Torsten Bentrup)

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Wenn der Wind des Wandels weht,…

…bauen die einen Windmühlen, und die anderen Schutzmauern.

Von carta als eine der interessantesten #a2n-Sessions empfohlen, kündigten Lukas Schneider und Stefan Herwig eine Analyse zur Strukturkrise der Musikwirtschaft an. Die Frage Wohin bewegt sich das Netz? sollte geklärt werden. Die Programmankündigung ließ schon auf das Fazit schließen: Welche Schranken sollte es dabei geben? Es ging also mal wieder darum, in das Internet kontrollierend einzugreifen.

Die groß angekündigte Strukturanalyse lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen:

Es gab früher einen Markt für Musikaufnahmen. Durch die Lösung der Musikaufnahme von einem physikalischen Träger verliert die Musikaufnahme ihre Exklusivität, und der Markt versagt. Bei Marktversagen ist der Staat in der Pflicht, den Markt wieder herzustellen. Tut er das nicht, dann haben wir ein Staatsversagen.


Wieso der Staat in der Pflicht sein sollte, das Marktversagen (wenn davon überhaupt die Rede sein kann, Stefan Peter Roos nannte es korrekt ein “Geschäftsmodellversagen”) zu verhindern, wurde nicht ausgeführt. Auch auf das Argument, dass der Markt für Musikaufnahmen ja gerade einmal ca. 100 Jahre alt ist, und es davor ebenso Musik und ökonomische Lebensentwürfe für Musiker gab, wurde nicht eingegangen. Weiterhin hätten natürlich auch die Folgen des Staatsversagens interessiert. Laufen wir Gefahr, dass bald die Hütten brennen und Blut in den Straßen fließt? (Erläuterung hier)

Für Schneider und Herwig war ein Eingreifen des Staates alternativlos. Der Staat müsse den Verlust der Exklusivität für geistige Güter rückgängig machen, um den Markt zu retten. Der Hinweis, dass die momentanen gesetzlichen Regelungen bereits das immaterielle geistige Eigentum durch Urheberrechte und Patente schützen, wurde überhört.

Wo also müsse der Markt gerettet werden? Natürlich, ans Netz müsse man heran. Der Begriff ‘rechtsfreier Raum’ fiel nicht explizit, aber das Aufkommen des Internets wurde mit dem Aufkommen des automobilen Straßenverkehrs verglichen. Hinkend:

Der Straßenverkehr expandierte auch enorm, brachte auch enorme Vorteile, hat auch die Gesellschaft stark beeinflusst. ABER: Zu Beginn fuhren alle viel zu schnell und rücksichtslos. Es gab viele Tote. Es starben 6 Kinder pro Tag. Die Nachteile überwogen also die Vorteile, es musste reguliert werden. Mit mehreren Reformen der StVO wurde der Straßenverkehr optimiert, es starben weniger Menschen.
Das gleiche ist nun beim Internet der Fall.

Dass für die Musikindustrie in ihrer momentanen, anachronistischen Positionierung die wirtschaftlichen Vorteile des Internets von den wirtschaftlichen Nachteilen überwogen werden, mag vielleicht sein. Schließlich weigert sich die Musikindustrie auch seit gut einem Jahrzehnt, beherzt und mutig von den Vorteilen Gebrauch zu machen. Die Behauptung, dass dies für die gesamte Gesellschaft der Fall ist, ist natürlich nicht haltbar.

Die Antwort auf die Frage “welche Schranken sollte es dabei geben?“, in der die etwas krude Argumentation letztlich münden sollte, wurde nicht gegeben. Lukas Schneider machte nur die vage Andeutung

Privatsphäre erlischt erst, wenn gesellschaftlich akzeptierte Regeln überschritten werden. [...]
Wen ich den Gedanken jetzt hier zu Ende führe, kriege ich vom Publikum nur noch mehr die Hucke voll.

Und das Publikum hätte auch allen Grund dazu gehabt. Dass ein industrieller Zweig sein eigenes Unvermögen, sich proaktiv an neuen Bedingungen der Gesellschaft auszurichten dadurch kompensieren will, in ein gesellschaftliches Medium einzugreifen und dieses Medium zur Wahrung der eigenen ökonomischen Interessen zu kontrollieren, ist schlichtweg unsäglich. Sich dabei einer (gelinde gesagt) streitbaren wissenschaftlichen Position zu bedienen, macht es nicht besser.

April 28 2010

5 vor 12 (heute: 4 + 3)

Die kleine netzpolitische Medienschau kurz vor Mitternacht. Heute mit 2x Urheberrecht …

# TERA Studie zu wirtschaftlichen Folgen von Raubkopien zum Download (Musikindustrie)
# “Fair use” generates trillions in the US alone (Nate Anderson, ars technica)

… sowie Computerspielen und Netzneutralität …

# Deutscher Computerspielepreis: Lobbyismus und Vorurteile (Thomas Lindemann, Welt)
# Netzneutralität: Freie Fahrt auf der Datenautobahn (Holger Schmidt, FAZ)

… und, das wird euch sicher überraschen, 2x Facebook und 1x Social Media:

# Facebook – Ein Sonderfall im Ökosystem des Internets? (Christoph Kappes, carta)
# Facebook: So werden 5.000 Fans relevant (w&v)
# Ein Weltkonzern scheitert an Social Media (Dr. Oliver Hermes)

April 27 2010

Die Rechteindustrie mag Kinderpornographie

Die Rechteindustrie mag Kinderpornographie – das schreibt zumindest der schwedische Pirat im Europaparlament, Christian Engström, und schildert seine Erlebnisse während eines Seminars in Schweden: IFPI’s child porn strategy. Ein Vertreter aus Dänemark, der anscheinend bei einer ähnlichen Organisation wie der hiesigen GVU arbeitet, erklärte dabei, dass man mit Sperrlisten für Kinderpornographie Politikern sehr einfach erklären könnte, wie man damit auch viele Urheberrechtsprobleme lösen könne.

”Child pornography is great,” the speaker at the podium declared enthusiastically. ”It is great because politicians understand child pornography. By playing that card, we can get them to act, and start blocking sites. And once they have done that, we can get them to start blocking file sharing sites”. [...] ”One day we will have a giant filter that we develop in close cooperation with IFPI and MPA. We continuously monitor the child porn on the net, to show the politicians that filtering works. Child porn is an issue they understand,” Johan Schlüter said with a grin, his whole being radiating pride and enthusiasm from the podium.

Update: Da in den Kommentaren der Hinweis kam, dass man das noch dazu schreiben sollte: Engström schildert ein Erlebnis aus dem Jahre 2007. (Für die, die nicht auf den Link klicken).

April 26 2010

Berichte von der ver.di-”5 vor 12″-Pressekonferenz

Es gibt jetzt einige Berichte zur “5 vor 12″-Pressekonferenz bei ver.di in Kooperation mit Verbänden der Rechteindustrie, die heute bei ver.di stattgefunden hat.

Metronaut: Pressekonferenz: Gewerkschaft ver.di gespalten beim Urheberrecht.

Mein Fazit: ver.di hat sich mit dieser Pressekonferenz vor der Karren der Rechteindustrie spannen lassen. Denn die genoss es sichtlich, den Eindruck zu erwecken, dass man auch mit der Gewerkschaft ähnliche Positionen habe. Da half das Zurückrudern ver.di auch nicht mehr. Wer im eigenen Haus beratungsresistente Scharfmacher wie Gorny oder Skipis auftreten lässt, bietet diesen den Raum so zu tun als verträten sie die Interessen der gesamten Gesellschaft. Ein Lichtstreif bleibt: es gibt kein Bündnis mit der Rechteindustrie und ver.di wird wohl in Zukunft vorsichtiger agieren, wenn es um das Urheberrecht geht.

Digitale Linke: Kein Bündnis von ver.di und Industrie.

Angesichts dieser Distanzierung der Gewerkschaft von der eigenen Veranstaltung stand bei den Verbandsvertretern das Unbehagen ins Gesicht geschrieben. Gorny schimpfte über “Internet-Maoismus” und erklärte, ohne die Industrie sei das Internet leer. Man dürfe den “Leitmarkt der Creative Industries nicht auf dem Altar der digitalen Coolness opfern”. Das Internet dürfe nicht nur von der Seite der Nutzer her gesehen werden. Man brauche eine “StVO für das Internet.” Frankreich und Großbritannien seien hier bereist weiter.

Heise: Kreativwirtschaft fordert besseren Urheberrechtsschutz im Internet.

“Wir wollen ein Warnmodell etablieren”, betonte auch Alexander Skipis vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Anders als in Frankreich und Großbritannien, wo nach dem “Three-Strikes”-Ansatz Internetzugangssperren rechtlich bereits möglich sind, sollten Nutzer bei rechtswidrigen Filesharing-Aktivitäten zunächst zweimal gewarnt werden. Dann solle die bis jetzt übliche zivil- und strafrechtliche Verfolgung einsetzen. Für dieses “Two-Strikes”-Modell seien neben der Kooperationsbereitschaft der Provider auch ein gesetzlicher Rahmen nötig. Bestandsdaten ertappter Nutzer sollten quasi “in Echtzeit” vom Zugangsanbieter abgefragt werden. Verdachtsunabhängige Vorratsdaten oder Techniken zur Durchleuchtung des Netzverkehrs müssten dafür nicht genutzt werden.

Spreeblick: Ver.di will ein stärkeres Urheberrecht, aber kein “Three Strikes”.

Daran rüttelt auch der Rückzieher von ver.di bei der Wortwahl nicht. Bleicher-Nagelsmann betonte zwar immer wieder die Ablehnung von Maßnahmen wie Three Strikes im Kampf gegen die illegale Nutzung von urheberrechtlich geschützten Werken. Gleichzeitig forderte er allerdings explizit ein stärkeres Urheberrecht. Auffällig ist auch, dass Bleicher-Nagelsmann Präsident der UNI-MEI ist, der Internationalen Föderation der Gewerkschaften des Medien- und Unterhaltungssektors, die derzeit eine „Global Union Campaign Against Digital Theft“ durchführt, in deren Rahmen die heutige Pressekonferenz stattfand. Zum Forderungskatalog dieser Kampagne vom 11. Januar gehören gerade die Maßnahmen, die Bleicher-Nagelsmann explizit ausschloss:

“[T]he introduction of technical measures by ISPs for repeat infringers at the earliest feasible stage is also a necessary tool. This could include a reduction in bandwidth, the blocking of specific website content or, as a last resort for egregious offenders who ignore repeated warnings and the implementation of other technical measures, temporary suspension of internet access.”

Insgesamt war es wohl ein kleiner Erfolg der Berichterstattung in Blogs im Vorfeld der Pressekonferenz, dass ver.di sich etwas von den Forderungen der Rechteindustrie distanziert hat. Die Diskrepanz zwischen den von Spreeblick zitierten gemeinsamen Forderungen auf internationaler Ebene und der Distanzierung von diesen auf nationaler Ebene ist allerdings erklärungsbedürftig.

April 23 2010

5 vor 12: Fragen an ver.di

Am Montag organisiert ver.di mit verschiedenen Lobbyorganisationen der Rechteindustrie eine gemeinsame Pressekonferenz zum Tag des “Geistigen Eigentums”. Darüber hatten wir schon kurz berichtet und ich habe jetzt der Pressestelle von ver.di einen kurzen Fragenkatalog mit der Bitte um Beantwortung geschickt, wie ich mir das vorstellen soll. Ich spiegel hier mal die Anfrage. Vielleicht wird sie ja beantwortet.

Hallo ver.di,

für eine Berichterstattung auf netzpolitik.org würde ich gerne heute noch die folgenden Fragen beantwortet haben:

Am Montag organisiert ver.di zusammen mit einigen Lobbyorganisationen die Pressekonferenz “5 vor 12″ zum Tag des “Geistigen Eigentums”.

1. Wie kommt es zu diesem Bündnis?

2. Welche gemeinsamen Interessen hat ver.di z.B. mit dem Verband der Musikindustrie, der Filmwirtschaft und des Börsenvereins, die allesamt die Arbeitgeberseite vertreten?

3. Inwiefern meint verdi, dass es hilfreich ist, sich mit diesen Lobbygruppen an den Tisch zu setzen und zur Pressekonferenz bei ver.di prominent mit ver.di Briefkopf einzuladen?

4. Wie schätzen Sie die Studie ein, die am Montag vorgestellt werden soll. Sind das unabhängige und von Ihnen verifizierte Ergebnisse auf Basis eines verlässlichen Datenmaterials?

5. Unterstützt ver.di die Forderungen dieser Lobbys nach einer Verschärfung der Verfolgung von Urheberrechtsdelikten durch Maßnahmen wie Internetsperrungen von Nutzern und Webseiten?

6. Wie geht ver.di mit der Kritik im Internet um? Reagiert ver.di darauf nochmal im Internet?

7. Wie sieht ver.di eigentlich das eigene Engagements gegen die Vorratsdatenspeicherung vereinbar mit den Forderungen dieser Lobbys, bei der Verfolgung von Urheberrechtsdelikten auf die Daten der Vorratsdatenspeicherung zuzugreifen?

Über eine Beantwortung dieser Fragen würde ich mich am heutigen Freitag noch freuen.

Mit freundlichen Grüßen,
Markus Beckedahl

April 12 2010

Leerkassetten töten Schallplatten

Das Cliphead-Blog hat einen Bravo-Artikel aus dem Jahr 1977 ausgegraben, wo es um den drohenden Untergang der Musikindustrie geht. Schuld sind Leerkassetten und den Rest der Argumentation kennt man sicher: Sind Leer-Cassetten der Tod der Schallplatte? Lustig sind aber Aussagen von Frank Elstner und Thomas Gottschalk, die damals als Radiomoderatoren kopieren gut fanden und es auch mit unterstützten.

April 02 2010

Internet-Enquete: Union gibt weitere Sachverständige bekannt

Inzwischen hat die CDU/CSU-Fraktion auch ihre weiteren Sachverständigen für die Enquete-Kommission “Internet und digitale Gesellschaft” in ihrem Fraktionsblog offiziell benannt. Wolf-Dieter Ring von der KJM und BITKOM-Chef Bernhard Rohleder wurden bereits im Vorfeld als Kandidaten gehandelt. Auch die Berufung eines ausgewiesenen Lobbyisten und Befürworters von Internet-Sperren wie Dieter Gorny (Gründer von VIVA) kann nur wenig überraschen:

  • Nicole Simon: Nicole Simon ist Social Media Consultant. Sie publiziert insbesondere in ihrem Blog „cruel to be kind“ und unter @nicolesimon auf Twitter.
  • Dieter Gorny: Professor Dieter Gorny ist Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie e. V.
  • Harald Lemke: Harald Lemke war Staatssekretär im hessischen Innenministerium und verantwortlich für E-Government und Informationstechnologie. Er war bundesweit der erste  „Chief Information Officer“ einer deutschen Landesregierung.
  • Bernhard Rohleder: Dr. Bernhard Rohleder ist seit 1999 Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) e.V.
  • Wolf-Dieter Ring: Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring ist Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien und Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz.
  • Christof Weinhard Prof. Dr. Christof Weinhardt vom Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist Mitgründer und Leiter des Instituts für Informationswirtschaft und -management (IISM) der Universität Karlsruhe (TH). Außerdem ist er Direktor am FZI – Forschungszentrum Informatik an der Universität Karlsruhe.

Mehr zum Thema (mehrfach aktualisiert):

Und natürlich der subtile Poldi-Aprilscherz: Eklat wg. Lobo: Lammert sagt Enquete ab

Einige Leser schrieben uns, dass sie zwar den Scherz erkannt haben, den Inhalt der Meldung aber dennoch für realistisch halten. Wir enthalten uns hierzu eines Kommentars und wünschen der Enquete-Kommission einen guten Start und zwei lehrreiche Jahre für alle Beteiligten.

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