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January 06 2014

Filmische Aufbereitung des NSU-Prozesses als Beispiel für die Möglichkeiten des Online-Journalismus

Die Süddeutsche Zeitung hat letzten Donnerstag ihre Berichterstattung über das erste Jahr im NSU-Prozess um einen eigens produzierten Film erweitert. Der Dialog des Filmes basiert ausschließlich auf O-Tönen der Verhandlung und beruht auf den Mitschriften der SZ-JournalistInnen Annette Ramelsberger, Tanjev Schultz und Rainer Stadler. Eingebettet ist er in eine als “Digitalreportage” bezeichnete multimediale Aufbereitung der ersten 71 Verhandlungstage.

Es gibt nur wenige vergleichbare Adaptionen von Gerichtsprozessen oder Gerichtprotokollen die einen dokumentarischen Anspruch haben. Beispiele dafür sind unter anderem die Verfilmung der Verhörprotokolle des Serienmörders Fritz Haarmann in “Der Totmacher” (1995), das Theaterstück über die Auschwitz-Prozesse “Die Ermittlung” (1965) oder die Begleitung des Pirate-Bay Prozesses in “TPB AFK” (2013). Ähnlich des Pirate-Bay Filmes hat die SZ ihr Werk von Beginn an ins Internet gestellt (leider nicht unter freien Lizenzen) und damit seine Reichweite maßgeblich erhöht.

Nach § 169 Satz 2 des Gerichtsverfassungsgesetzes sind öffentliche Ton- und Filmaufnahmen aus Gerichtsälen nicht erlaubt. Eine der Folgen ist, gerade bei Prozessen mit einem hohen öffentlichen Interesse, ein Wissensgefälle zwischen den anwesenden Personen und der Öffentlichkeit. Das Verfahren als Film zu adaptieren, ist dabei eine Möglichkeit, diesem Problem zu begegnen. Nun können alle Menschen mit Internetzugang zumindest einen Teil der Perspektive der JournalistInnen einnehmen. Der Verlauf des NSU-Prozesses, die Argumentationsstrategien der Verteidigung und Anklage, sowie die Aussagen der Betroffenen sind unmittelbarer auswertbar als es bei einer reinen schriftlichen Berichterstattung möglich wäre. Der Beitrag, der damit für eine breitere Diskussion über das NSU-Verfahren geleistet wird, ist groß. Schön zu sehen, wenn Journalismus die Digitalisierung als Möglichkeit begreift, zu einer neuen Form der Öffentlichkeit beizutragen.

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June 02 2013

DRadio Wissen: Der Journalist der Zukunft

Im “Digitalen Salon” diskutiert Marlis Schaum mit dem Pulizisten Michael Praetorius, dem Redaktionsleiter der dpa-Netzwelt Christoph Dernbach, der Redaktionsleitern Online und Social Media von DRadio Wissen Anja Stöcker und mit Medienforscherin Nele Heise über die Zukunft des Journalismus.

Informationsbeschaffung und -filterung sind nicht länger alleinige Domäne von Journalistinnen und Journalisten. Hackerinnen recherchieren, Programmierer bereiten Daten auf. Der Markt der Informationen ist größer und Professionen, die diese einzuordnen versuchen, sind zahlreicher geworden. Der Journalismus muss sich diesen Entwicklungen stellen.

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April 30 2012

Data Journalism Handbook

Das “Data Journalism Handbook” ist in einer Version 1.0 veröffentlicht worden. Alle Inhalte stehen unter der CC-BY-SA-Lizenz in einer freien Webversion online. Darüber hinaus kann das Buch auch als e-Book oder Printversion gekauft werden.

Und hier gibt es eine Liste mit 37 interessanten Datenjournalismus-Blogs.

April 13 2012

ZDF macht aus vollkommen anderen Gründen genau das, was die Verleger wollen

Wir erinnern uns: Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten verhandeln seit einiger Zeit mit großen deutschen Zeitungsverlegern darüber, in welcher Form sie ihr dank Depublizierungspflicht eh schon trauriges Online-Angebot noch nutzloser machen können. Die Pläne sahen dem Vernehmen nach so aus, dass auf Texte weitgehend verzichtet werden soll.

Heute hat der Leiter der Abteilung “Neue Medien” des ZDF, Eckart Gaddum, der dapd ein paar Fragen zum neuen ZDF-Onlineauftritt beantwortet. Überraschung: Auf Texte wird weitgehend verzichtet. Aber:

Der ZDF-Manager erklärte, diese Entwicklung habe “absolut nichts” mit dem anhaltenden Druck vieler Verlage zu tun.

Der Grund sei stattdessen, dass das ZDF für bewegte Bilder stünde. Die große Innovation sieht deswegen so aus:

Wir verknüpfen Videotext mit Online.

Dazu fällt einem bei diesem Sender auch nix mehr ein, was nicht schon tausende von Malen geschrieben worden ist. Videotext dürften die noch lebenden Zuschauer zumindest noch aus ihrer Jugend kennen, insofern herzlichen Glückwunsch zur zielgruppengerechten Gestaltung des Online-Angebots.

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February 21 2012

Selbstamputation von ARD und ZDF auf gutem Weg

Heute trafen sich Vertreter von ARD und ZDF, namentlich die ARD-Vorsitzende Monika Piel, ZDF-Intendant Markus Schächter sowie Ulrich Wilhelm (BR) und Lutz Marmor (NDR), erneut mit Interessenvertretern der Zeitungsverleger, um die weitere Beschneidung des Online-Angebots der Öffentlich-Rechtlichen zu besprechen. Dem Vernehmen nach sollen sich diese in Zukunft weitestgehend auf Video- und Tonbeiträge beschränken, während die Verlage sich auf Textbeiträge konzentrieren wollen.

Allen an den Gesprächen Beteiligten dürfte gemein sein, dass sie sich schwertun, den Unterschied zwischen Druckerzeugnissen und textbasiertem Online-Journalismus zu erkennen (bzw. im Fall der Verleger so gemein sind, ihn den Gesprächspartnern zu verschweigen). Stefan Niggemeier nennt das Ganze “vorauseilende Selbstverstümmelung“:

Unklar ist schon einmal, warum ARD und ZDF überhaupt mit den Verlegern über ein solches Kompromisspapier verhandeln. Im Streit um die Tablet-Version von tagesschau.de, gegen die mehrere Verlage geklagt haben, hatte der Richter zwar angeregt, dass beide Seiten miteinander reden. Aber erstens geht es in den Gesprächen, die nun geführt werden, gar nicht um die »Tagesschau«-App, sondern ein viel fundamentaleres Abstecken der Grenzen öffentlich-rechtlicher Online-Angebote. Und zweitens spricht wenig dafür, dass die ARD diesen Rechtsstreit am Ende verloren und deshalb ein Interesse daran hätte, den Verlegerforderungen vorsorglich weit entgegen zu kommen.

Der Deutsche Journalisten-Verband hat unterdessen erklärt, was er von diesen Plänen hält. Der Bundesvorsitzende Michael Konken meint:

[ARD und ZDF] würden den eigenen Online-Journalismus unzumutbar amputieren und den Anforderungen an ihre journalistische Tätigkeit in diesem Feld nicht mehr gerecht.

2012 wird übrigens als das Jahr der Einführung von Online-Bezahlmodellen ausgerufen. Mehrere Verlage planen, ihr Webangebot nicht weiter nur durch Werbung zu finanzieren, und wollen verstärkt Leser finden, die bereit sind zu bezahlen. Vorher den Markt beschneiden ist ein cleverer Schritt, auch wenn die Öffentlich-Rechtlichen mit Depublizierungspflicht und Verzicht auf nutzerfreundliche Lizenzierung sowieso schon Richtung Lächerlichkeit lobbyiert wurden.

November 23 2010

SpeedLab Journalism

Am 1. Dezember laden die DRadio Wissen NETZ•REPORTER zum ersten “SpeedLab Journalism” ins Berliner Betahaus ein. Und darum gehts:

Von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr zieht “SpeedLab Journalism” am Ende des ersten Jahrzehnts im neuen Jahrtausend Bilanz und wirft einen Blick nach vorn. Wie hat sich der Journalismus verändert und welche Transformationen warten noch auf uns? Um den Stand der Dinge zu diskutieren, wagen wir ein innovatives Veranstaltungsformat. Das SpeedLab versteht sich als Mischung aus Konferenz, Barcamp und Speeddating. Workshop, Werkstatt und Podium – von Experten für Experten. Es umfasst die Module Keynote plus Interview, Sublab (Workshops) und Mainlab (Podium).

Nach den Keynote von Joshua Benton, dem Leiter des Nieman Journalism Lab , der Forschungseinrichtung für Journalismus an der Harvard University und Phil Fearnly, General Manager Future Media, BBC, werden zahlreiche Experten in den SubLabs und dem MainLab diskutieren. Vertreter von dpa, ZEIT ONLINE, Deutschlandradio und zahlreiche Best Practice Akteure stellen ein breites Spektrum aktueller Entwicklungen dar. Diskutieren Sie mit! Unter www.speedlab.tumblr.com/ finden Sie das aktuelle Programm. Die Sublabs finden im 20-Minutenrhythmus parallel statt – fünfmal hintereinander. Alle Besucher können also an allen Sublabs teilnehmen. Speed Dating mit starken Gesprächspartnern. Im Anschluss folgt das MainLab, eine Podiumsdiskussion mit zahlreichen Experten aus der Branche.

Über Ihre Teilnahme würden wir uns sehr freuen. Für eingeladene Gäste werden Plätze auf der Gästeliste reserviert. Es fallen keine Teilnahmegebühren an. Bitte melden Sie sich zu Planungszwecken bis zum 26.11.2010 unter netzreporter@kooperative-berlin.de an. Danke!

April 29 2010

Lorenz Lorenz-Meyer über Polit-Journalismus im Netz

Auf der re:publica 2010 hat Lorenz Lorenz-Meyer einen Vortrag über “Upgrading Political Journalism” gehalten.

“Das Internet stellt dem professionellen politischen Journalismus mächtige neue Instrumente zur Verfügung. Zugleich relativiert es seine Bedeutung. Der Vortrag soll das positive Potential dieser Veränderungen ausloten und mögliche Schritte zu einer verbesserten politischen Öffentlichkeit skizzieren.”

Davon gibt es die MP3 und eine Video-Aufzeichnung auf Youtube:

dctp hat Lorenz Lorenz-Meyer im Anschluß interviewt: Polit-Journalismus im Netz.


December 01 2009

Arianna Huffington über Journalism 2009

Arianna Huffington hat über “Journalism 2009: Desperate Metaphors, Desperate Revenue Models, And The Desperate Need For Better Journalism” geschrieben:

I was recently on a panel in Monaco with Mathias Döpfner, CEO of the German publisher Axel Springer. He decided to play a confusing metaphor game by comparing news content to beer. “If it’s your business decision to offer beer cans for free, fine,” he said. “But don’t take our beer and offer it for free.” This struck me as a really bizarre metaphor. Information is hardly the same thing as a product that can only be consumed once by a single person. If you consume a news story, you might be one of millions. If you consume a beer, no one else can consume it. So it’s a false metaphor. And if you start from a false premise, you will inevitably be led to a false conclusion. Or, to put it another way, if you chug-a-lug too many of old media’s metaphoric beers, you will end up staggering down the street of illogical thinking and banging into the lamp post of wrong revenue models.

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