Tumblelog by Soup.io
Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.

December 06 2013

Facebook: Neues Patent analysiert soziales Netzwerk um unberechtigte Inhalte zu finden

FBAnfang dieser Woche wurde Facebook ein neues Patent zugesprochen, das auf folgenden, wohlklingen Namen hört: Using Social Signals to Identify Unauthorized Content on a Social Networking System. Der Name ist Programm. Statt den Inhalt selbst zu analysieren, analysiert man das soziale Netzwerk in dem der Inhalt geteilt wird: Welche Nutzer sind involviert? Wie weit sind diese geografisch verstreut? welche Websites wurden im Zusammenhang mit dem Inhalt betrachtet? Auf welchen Geräten wurde der Inhalt geöffnet? Und noch vieles mehr. Mit den “sozialen Signalen”, die unterschiedlich gewichtet werden, wird dann ein Wert berechnet. Sollte dieser über einem bestimmten Schwellwert liegen, geht man davon aus, dass es sich um Material handelt, das gegen die Nutzungsbestimmungen der Plattform verstößt. Dies wird dann gelöscht oder nochmals durch Mitarbeiter gesichtet. All das ist natürlich möglich, da man sowieso schon so viel über die Nutzer des Netzwerkes weiß.

Users have been voluntarily divulging more of their personal information, such as their friends, geographic location, preferred television shows and movies, hobbies, and activities to social networks… 

Das System geht aber noch weit. Da man dem Nutzer ja durch das Netz folgt – ganz gleich, welche Websites besucht werden – weiß man viel mehr, als im sozialen Netzwerk geschieht. Selbst, wenn man Facebook nicht seine Hobbies, Lieblingsfilme oder -autoren verrät, kann Facebook dies sehr wohl wissen, indem die Websites analysiert werden, auf denen man sich bewegt.

The social networking system can also record the user’s browsing activity on external websites as long as those websites were accessed through links posted on the network. All of this additional information is also recorded in connection with the user’s profile and can be used to supplement the information that the user provides voluntarily. For example, some users decline to list their preferred movies and television shows on their profiles, but the social networking system can predict their preferences by recording the applications, pages, and external websites that they interact with while they use the social networking system.

All das klingt natürlich stark nach bekannten Taktiken der Kreditvergabe. Vor allem sollte es einem vor Augen halten, wie viele Daten und vor allem aussagekräftige Rückschlüsse man mittlerweile schon aus den in sozialen Netzwerken akkumulierten Daten man ziehen kann. Erst letzte Woche berichteten wir über Googles neues Patent, das Kommunikation und Aktivitäten in sozialen Netzwerken nutzt, um für den Nutzer ein Ghostwriter zu sein. Weiterhin wollen Twitter und Google fortan den Nutzer über alle Geräte verfolgen – somit werden auch hier immer mehr Daten generiert.

Viel zu viele Menschen denken immer noch, dass sie es in der Hand haben, wie viele Daten über sie in sozialen Netzwerken generiert werden – indem man nur selektiv Bilder tauscht, nicht den echten Namen verwendet oder ein Fake-Profil anlegt. Gerade die in letzter Zeit veröffentlichten Patente sollten zeigen, wie naiv dieses Denken ist. Allein, durch das Nutzen eines sozialen Netzwerkes werden Daten generiert und die Verknüpfung selbiger hat ungeahnte Ausmaße angenommen, die sich jeglicher Nutzerkontrolle entziehen. Der Preis, den man für die Nutzung dieser Netzwerke zahlt wird immer größer. Fragt sich nur, wann dass die Masse der Nutzer versteht.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

November 25 2013

Suggestion Generation Module: Google will dein Ghostwriter sein

ThoughtLeadershipGoogle hat ein neues Patent angemeldet, das den wohlklingenden Namen Automated generation of suggestions for personalized reactions in a social network trägt. Idee: Da man sowieso schon fast alles über den Nutzer weiß, kann Google auch direkt als Ghostwriter einspringen. Man schlägt Antworten vor, die am besten die Persönlichkeit des Nutzers widerspiegeln.

The suggestion generation module includes a plurality of collector modules, a credentials module, a suggestion analyzer module, a user interface module and a decision tree. The plurality of collector modules are coupled to respective systems to collect information accessible by the user and important to the user from other systems such as e-mail systems, SMS/MMS systems, micro blogging systems, social networks or other systems.

Ghostwriter für Twitter, Facebook & Co. sind nichts neues. Je berühmter die Persönlichkeit, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein oder mehrere Ghostwriter engagiert wurden. Bekanntes Beispiel ist hier Annie Colbert, die unter anderem für Guy Kawasaki twittert. Chris Romero schreibt in 140 Zeichen für Rapper 50 Cent. Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Auf den ersten Blick mag das befremdlich erscheinen, da man auf Twitter und Facebook davon ausgeht mit der jeweiligen Person zu kommunizieren und nicht mit einem Surrogat. Letztlich sollte man Stars, wie 50 Cent, Britney Spears oder Kanye West eher als Marken statt Personen verstehen. So macht es auch Sinn, dass Agenturen, wie ad.ly, sich einzig und allein darum kümmern, Unternehmen und Stars zusammen zu bringen. Die Agentur sorgte 2012 dafür, dass Charlie Sheen über Internships.com twittert – für 50.000USD pro Tweet. Guy Kawasaki erkannte schon Anfang 2009 das wahre Potenzial Twitters – als Marketing Plattform.

Basically, for 99.9 percent of people on Twitter, it is about updating friends and colleagues about how the cat rolled over. For a tenth of a percent it is a marketing tool.

Was für Stars und Sternchen schnell in Arbeit ausartet und daher dem Outsourcing zum Opfer fällt, kann auch für Normalsterbliche zur Last werden. Mit Facebook, Twitter, Instagram, Pinterest, Tumblr, LinkedIn und Google+ gibt es einige Seiten, die nach Aufmerksamkeit verlangen. Bei mehreren hundert Freunden auf Facebook und tausenden Followern auf Twitter hat immer irgendjemand Geburtstag, einen neuen Job, eine Beförderung, oder irgendetwas anderes auf das man reagieren sollte, so Google. Und hier soll der neue “Vorschlagsgenerator” ins Spiel kommen.

Many users use online social networking for both professional and personal uses. Each of these different types of use has its own unstated protocol for behavior. It is extremely important for the users to act in an adequate manner depending upon which social network on which they are operating. For example, it may be very important to say “congratulations” to a friend when that friend announces that she/he has gotten a new job. This is a particular problem as many users subscribe to many social different social networks. With an ever increasing online connectivity and growing list of online contacts and given the amount of information users put online, it is possible for a person to miss such an update.

Automatisierung wird meist als Chance gesehen, mehr Zeit für das “wirklich Wichtige” zu haben. Autovervollständigung erspart das Tippen. Autopiloten ersparen Aufmerksamkeit. GPS erspart das Nachdenken. Was aber passiert, wenn der Algorithmus nun auch “Wichtiges” übernimmt – wie zwischenmenschliche Kommunikation? Was passiert, wenn wir zunächst Glückwünsche, Gratulationen und Beileidsbekundungen automatisiert “erledigen” lassen und später immer mehr der unzähligen Interaktionen der Automatisierung zum Opfer fallen?

Schon jetzt unterscheiden viele zwischen “echten Freunden” und “Facebook Freunden”. Wird diese Unterscheidung im digitalen Alltag bald vielschichtiger? Personen oder Ereignisse, denen wir unsere “echte” Aufmerksamkeit schenken und all jene, die durch den Algorithmus abgespeist werden? Erstere kommen in den Genuss einer selbst geschriebenen Nachricht, Letztere müssen sich mit dem zufriedengeben, was Googles Algorithmus ausspuckt – ohne dies zu merken. Implizit wird dadurch Aktivität wichtiger als Inhalt. Und Reaktion wichtig als Authentizität. Man wahrt den Schein, da man ja – ganz der Netiquette entsprechend – seine Glückwünsche geäußert, sein Beileid bekundet und seine Grüße ausgerichtet hat. Ohne Google wäre es vielleicht zu gar keiner Reaktion gekommen. Dank der Automatisierung muss man sich darüber aber keine Gedanken mehr machen. Ganz gleich, wie unwichtig und rudimentär die soziale Bindung auch sein mag – der Algorithmus kann sie fortan am Leben halten, indem der Anschein gewahrt wird, dass man am Leben des Gegenübers teilnimmt. Dank berechneter, automatischer Reaktionen.

Robin Dunbar, Anthropologe an der Universität von Oxford, hat die Dunbar-Zahl aufgestellt. Seinen Untersuchungen zufolge ist der Mensch in der Lage lediglich 150 bedeutsame soziale Bindungen zu anderen Menschen zu haben.

This is the number of people you can have a relationship with involving trust and obligation – there’s some personal history, not just names and faces.

Nun könnte man Googles “Suggestion Generation Module” als Lösung des Problems sehen, dass man zwar hunderte “Freunde” auf Facebook und anderen Plattformen hat, aber unter der schieren Masse an möglichen und implizit geforderten Reaktionen versagt. Hier könnten automatisierte Antworten entlasten. Man kann weiter Freunde sammeln und muss sich keine Gedanken darum machen, dass diese “Freundschaften” auch gepflegt werden wollen. Dadurch stellt man sich jedoch nicht die eigentliche Frage: Was sagt es über die soziale Bindung und das eigene Verständnis von selbigen aus, wenn man die Kommunikation einem Algorithmus überlässt? Wo liegt der Sinn einer sozialen Beziehung, wenn nicht im Austausch und der Kommunikation?

Nicholas Carr, Autor von The Shallows, sieht, zugegeben etwas dystopisch, in Googles Automatisierung vor allem ein sich selbst bestätigendes, geschlossenes System.

A computer running personalization algorithms will generate your personal messages. These computer-generated messages, once posted or otherwise transmitted, will be collected online by other computers and used to refine your personal profile. Your refined personal profile will then feed back into the personalization algorithms used to generate your messages, resulting in a closer fit between your  computer-generated messages and your computer-generated persona. And around and around it goes until a perfect stasis between self and expression is achieved. The thing that you once called “you” will be entirely out of the loop at this point, of course, but that’s for the best. Face it: you were never really very good at any of this anyway.

Googles neues Patent sollte zumindest zum Innehalten und zum Nachdenken anregen. Natürlich ist es letztlich Predictive Search  (Apps, die den Nutzer mit Informationen versorgen, bevor dieser danach gesucht oder gefragt hat) angewandt auf Kommunikation. Was bei Wetterberichten und Tagesnachrichten interessant klingen mag, sollte bei zwischenmenschlicher Kommunikation zu Stirnrunzeln führen. Automatisierte, vertextete Reaktionen auf Ereignisse sind grundsätzlich bedeutungsleer. Was ist Kommunikation noch wert, wenn sie ohne jegliches eigenes zutun stattfindet? Scheinbare Anteilnahme, Freude oder Mitgefühl sind letztlich genau das – Schein. Leider ist automatisierte Kommunikation der nächste, logische Schritt in einer Gesellschaft, für die Aktivität wichtiger ist, als Reflexion.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

July 15 2013

AT&T ließ sich tiefgreifendes Anti-Piraterie-System patentieren

Ende Juni berichtete Torrentfreak, dass sich AT&T ein System hat patentieren lassen, mit dem das Unternehmen den gesamten p2p-Verkehr in den eigenen Leitungen überwachen und verfolgen kann. Ziel ist es dabei die Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Inhalten zu erkennen und einzudämmen, insbesondere über Bittorrent. Wie Torrentfreak nun am Wochenende berichtete, hat AT&T dieses System noch weiter ausgebaut und hat sich ein neues System patentieren lassen, mit dem der gesamte Datenverkehr in ihren Leitungen in Echtzeit auf Urheberrechtsverstöße hin geprüft werden kann.

Das von AT&T entwickelte System hört auf den Namen “Real-time content detection in ISP transmissions” und wurde bereits am 29. Mai 2012 als Patent angemeldet. Es soll vorrangig dazu dienen, Urheberrechtsverstöße im Internet zu erkennen und zu bekämpfen. Zu diesem Zweck wird jeglicher Datenverkehr in Echtzeit überwacht und mit einer Datenbank verglichen. In dieser Datenbank liegen Dateien, welche als “illegal” markiert worden sind. Sollten die versendeten Dateien mit den Dateien in der Datenbank übereinstimmen, werden daraus entsprechende Aktionen von Seiten AT&Ts eingeleitet. In einer dem Patentantrag beigefügten Grafik sieht das System wie folgt aus:

att-piratebuster

Im Patentantrag wird darüber hinaus auch aufgeführt, wie die Reaktionen von AT&T auf das Erkennen von Urheberrechtsverletzungen aussehen können:

The responsive action, for example, might be to terminate the data transmission, to suspend the customer’s account, or to report the existence of the match to an interested party, such as a copyright owner or a law enforcement or security official, or to store the positive match to compare to later matches that are detected in subsequent transmissions to the same user or from the same sender.

Wie Torrentfreak berichtet, ist das System nach Angabe von AT&T nicht an einen Anbieter gebunden, sondern kann in einem Zusammenschluss mehrerer Internetanbieter betrieben werden. In diesem Fall würden einfach gemeinsame Datenbanken zum Abgleich des jeweiligen Datenverkehrs genutzt werden.

Auch wenn bisher keine Pläne von Seiten AT&Ts bekannt sind, das System in naher Zukunft einsetzen zu wollen, wirft es doch kein gutes Licht auf die Zukunft des Internets. Nachdem die NSA, aber auch andere Geheimdienste, das Internet nahezu lückenlos überwachen, scheinen nun also auch Privatunternehmen auf diesen Zug auf zu springen . Das Nachsehen dabei haben immer die Internetnutzer, welche unter einen Generalverdacht gestellt werden und große Teile ihrer Privatsphäre im Internet einbüßen – sei als vermeintliche Terroristen oder aber als Urheberrechtsverletzer.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Older posts are this way If this message doesn't go away, click anywhere on the page to continue loading posts.
Could not load more posts
Maybe Soup is currently being updated? I'll try again automatically in a few seconds...
Just a second, loading more posts...
You've reached the end.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl