Tumblelog by Soup.io
Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.

November 13 2013

PEN-Studie zur Selbstzensur durch Massenüberwachung

Der amerikanische Zweig der Schriftstellervereinigung PEN hat eine Umfrage veröffentlicht, in der 520 amerikanische Autoren befragt wurden, ob sie seit Aufkommen des Überwachungsskandals Selbstzensur betrieben hätten.

 

3679411878_dfb33ecc90

CC-BY-SA-2.0 via Flickr/pk210

96 bzw. 97 % gaben an, besorgt bis sehr besorgt darüber zu sein, dass die Regierung von Journalisten verlangt, ihre Quellen aufzudecken und dass die Rede- und Pressefreiheit in Nicht-US-Ländern eingeschränkt wird.

Nur 18% halten es für plausibel, dass die Regierung primär an den Daten von Nicht-Amerikanern interessiert sei und 92% glauben, dass ihre Daten in den Händen der Regierung potentiell anfällig für Missbrauch sind. In etwa die Hälfte der Schriftsteller konnte sich vorstellen, selbst zum Gegenstand von Telefon- und Internetüberwachung geworden zu sein.

Je rund 20% der Befragten haben sich als Konsequenz daraus auch tatsächlich eingeschränkt. Am größten war dabei die Gruppe derjenigen (26%), die ihr Verhalten im Kontext von Social Media verändert haben und beispielsweise nicht mehr über bestimmte Themen twittern. Andere Antworten umfassten die Vermeidung bestimmter Themen in den Werken der Autoren, in privaten Telefon- und Mailkonversationen oder selbst der Verzicht auf Onlinerecherchen zu verdächtigen Themen.

Auffallend ist, dass Autoren unter 50 Jahren sich in der Theorie weniger besorgt gaben als ihre älteren Kollegen und auch weniger intensiv die Nachrichten zu den Überwachungsskandalen verfolgen, sich aber dennoch mehr einschränken, was ihre Schreib-, Recherche- und Kommunikationsaktivitäten angeht. Ein erhöhtes Maß an Selbstzensur findet sich auch bei denjenigen, die regelmäßigen Kontakt mit Personen außerhalb der USA haben.

Abgesehen von der Selbstzensur des Einzelnen, die in der Umfrage beleuchtet wurde, sollte man auch die größere Dimension nicht aus den Augen verlieren. Das “freiwillige” Abschalten von Diensten wie dem Mailanbieter Lavabit oder Plattformen wie dem Blog Groklaw, der sich mit Themen rund um Freie Software beschäftigte, ist genauso eine Ausprägung von Zensur.

Zuletzt wurde in der Studie auch nach dem Einsatz von Mitteln gefragt, um sich selbst vor Überwachung zu schützen – beispielsweise durch Verschlüsselung oder den Wechsel zu anderen Internetdienstleistern. Nur 13% gaben an, Maßnahmen in dieser Hinsicht ergriffen zu haben. Es ist erschreckend, dass dieser Anteil kleiner ist als der derjenigen, die ihre Redefreiheit präventiv einschränken. Auch dieser Aspekt sollte, neben der stattfindenden Debatte zu den Auswirkungen des NSA-Skandals im Allgemeinen, dringend zum Gegenstand der Diskussion gemacht werden.

Wie kann man den Missstand beheben, dass man sich lieber einen Maulkorb verpasst anstatt sich aktiv zu schützen? Liegt es an der Uninformiertheit, dem mangelnden Vertrauen in Schutzmaßnahmen oder der oft beklagten Nutzer(un)freundlichkeit von Verschlüsselungssoftware und ähnlichem? Ein paar Eindrücke bietet dieser interessante Spiegelartikel, in dem Leser aufgefordert wurden, ihre Erfahrungen und Meinungen zum Verschlüsseln zu teilen. Die Antworten sind hier kurz zusammengefasst und sprechen primär von Frustration, aber dem prinzipiellen Willen, zu Verschlüsseln und die Technik zu verstehen. Es liegt an “uns” mit gutem Beispiel voranzugehen und es nicht bei der Installation oder dem Download von GnuPG, TOR und Co. zu belassen, sondern es auch zu benutzen und jeden beharrlich in der Nutzung zu bestärken.

 

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

April 13 2012

ZDF macht aus vollkommen anderen Gründen genau das, was die Verleger wollen

Wir erinnern uns: Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten verhandeln seit einiger Zeit mit großen deutschen Zeitungsverlegern darüber, in welcher Form sie ihr dank Depublizierungspflicht eh schon trauriges Online-Angebot noch nutzloser machen können. Die Pläne sahen dem Vernehmen nach so aus, dass auf Texte weitgehend verzichtet werden soll.

Heute hat der Leiter der Abteilung “Neue Medien” des ZDF, Eckart Gaddum, der dapd ein paar Fragen zum neuen ZDF-Onlineauftritt beantwortet. Überraschung: Auf Texte wird weitgehend verzichtet. Aber:

Der ZDF-Manager erklärte, diese Entwicklung habe “absolut nichts” mit dem anhaltenden Druck vieler Verlage zu tun.

Der Grund sei stattdessen, dass das ZDF für bewegte Bilder stünde. Die große Innovation sieht deswegen so aus:

Wir verknüpfen Videotext mit Online.

Dazu fällt einem bei diesem Sender auch nix mehr ein, was nicht schon tausende von Malen geschrieben worden ist. Videotext dürften die noch lebenden Zuschauer zumindest noch aus ihrer Jugend kennen, insofern herzlichen Glückwunsch zur zielgruppengerechten Gestaltung des Online-Angebots.

Reposted by02mydafsoup-01 02mydafsoup-01

February 27 2012

Open-Data-Projekt wird abgemahnt

Marian Steinbach von der Kölner Open-Data-InitiativeOffenes Köln” hatte vorgestern das Vergnügen, die Anwälte der Firma Euro-Cities kennenzulernen. Die Kartenfirma und Betreiberin der Website stadtplandienst.de verlangt die sofortige Entfernung zweier Kartenausschnitte sowie die Zahlung von über 800€, wie er auf blog.offeneskoeln.de schreibt.

Konkret geht es um die Verwendung zweier Landkartenausschnitte, die seit Jahren im Archiv des Kölner Stadtrats online zugänglich lagern. Ein Stadtrat versah 2007 einen Antrag mit einem angehängten PDF. Dieses enthält einen Ausschnitt einer Stadtkarte, an der die Euro-Cities AG die Urheberrechte innehat. Nach der Veröffentlichung des Stadtratsarchivs auf offenes-koeln.de wurde der Index durchsuchbar und die Dokumente damit auch für das Abmahnwesen leicht ergooglebar.

Die abgemahnten Dokumente finden sich übrigens noch auf der Seite des Kölner Stadtrats (nicht direkt verlinkbar, erster Link unter “Betreff”). Eine Abmahnung ist hier laut Aussagen des Euro-Cities-Geschäftsführers Hans Biermann nicht geplant. Rechtlich bewege sich der Fall in einer Grauzone des §5 UrhG, der amtliche Texte im Wortlaut vom Urheberrecht ausnimmt, jedoch Einschränkungen für Zitate und andere Verwendungen macht, solange diese das ursprüngliche Dokument nicht im Wortlaut wiedergeben. Darüber, wo hier die digitale Kopie eines PDFs einzuordnen ist, werden sich vermutlich auch Juristen streiten.

offeneskoeln.de sah sich inzwischen zur Selbstzensur gezwungen, der Bestand von knapp 180.000 Dokumenten wurde auf Kartenmaterial durchsucht. Vorsichtshalber wurden 85 Dokumente offline genommen.

Euro-Cities eilt ein gewisser Ruf voraus. Unter anderem war vor kurzem auch Netzpolitik.org betroffen, als die Firma im Dezember mit einer Klage drohte, da man sich durch die Beschreibung als Versender von “Massenabmahnungen” angegriffen fühlte.

Der Fall ist eines von unzähligen Beispielen die zeigen, wie reformbedürftig das aktuelle Urheberrecht ist. Eine “Fair-Use”-Regelung nach US-amerikanischem Vorbild würde rechtliche Unklarheiten wie diese von vornherein verhindern.

Außerdem sieht man hier, warum die Benutzung von offenen Standards in Politik und Verwaltung wichtig ist. Um den Standort eines Objekts (neben der Kirche in der Baptiststraße in Roggendorf/Thenhoven) zu kennzeichnen, wäre beispielsweise auch dieser Kartenausschnitt von OpenStreetMap verwendbar gewesen. Leider ist das Angebot von Euro-Cities standardmäßig auf koeln.de eingebunden – allerdings nicht mehr lange. Wie der Chefredakteur von koeln.de, Edgar Franzmann, uns mitteilte, ist der Vertrag mit Euro-Cities gekündigt; in einigen Monaten wird OpenStreetMap eingebunden sein.

Older posts are this way If this message doesn't go away, click anywhere on the page to continue loading posts.
Could not load more posts
Maybe Soup is currently being updated? I'll try again automatically in a few seconds...
Just a second, loading more posts...
You've reached the end.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl