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August 20 2012

ARD/ZDF-Onlinestudie 2012

Die Zusammenfassung der ARD/ZDF-Onlinestudie 2012 ist in der Ausgabe 7/8 der Zeitschrift Media Perspektiven erschienen und steht in zwei Beiträgen auf der Webseite veröffentlicht. 75,9% der Deutschen sind demnach online, wie die Pressemitteilung erklärt:

75,9 Prozent der Deutschen (2011: 73,3%) sind online. Dies sind 53,4 Millionen Internetnutzer. Damit hat sich die Zahl der Internetnutzer in den letzten 12 Jahren nahezu verdreifacht hat (2000: 18,4 Mio.). Gegenüber dem Vorjahr kamen 1,7 Mio. „neue Anwender“ hinzu“. Die höchsten Zuwachsraten gehen weiterhin von den Über-50-Jährigen aus. 76,8 Prozent der 50- bis 59-Jährigen nutzen inzwischen das Internet (2011: 69,1%). Unter den über 60-Jährigen sind 39,2 Prozent (2011: 34,5%) online.

Am interessantesten finde ich den Beitrag “Web 2.0: Habitualisierung der Social Communitys” (PDF) von Katrin Busemann und Christoph Gscheidle.

22,88 Millionen Erwachsene ab 14 Jahren besitzen ein Profil in einem privaten Netzwerk, das sind rund 43 Prozent der Onliner. Nach einem Zuwachs von 2,5 Millionen von 2010 auf 2011 fällt die Steigerung mit 1,4 Millionen von 2011 auf 2012 – auf hohem Niveau – geringer aus.

Web 2.0 Nutzung (der deutschen Online-Nutzer ab 14 Jahren):

Wikipedia wird mit 72% am meisten (zumindest gelegentlich) genutzt, dahinter folgt Youtube mit 59%. 43% der Online-Nutzer sind in privaten Communities, dabei gibt es eine immer größere Konzentration auf Facebook. Während viele in den Vorjahren bei mehreren privaten Netzwerken aktiv waren, geht der Trend zu einer Monopolisierung. Berufliche Communities wie Xing oder Linkedin werden von 8% genutzt, Blogs (wie immer man diese heutzutage definiert) von 7% und Twitter von 4%.

Interessant sind die Statistiken zum Schutz der eigenen Privatsphäre in privaten Netzwerken:

Der größte Teil der Community-Mitglieder (85 %) nimmt Einstellungen zum Schutz der eigenen Privatsphäre vor (vgl. Tabelle 4). Gegenüber der Ersterhebung 2010 bedeutet dies einen Anstieg um 6 Prozentpunkte. Das Gros der Netzwerknutzer weiß also um die „Gefahren“, die mit der Mitgliedschaft verbunden und mit dem Stichwort Öffentlichkeit eigener Daten beschrieben sind, und handelt entsprechend. Die Heavy-User von Communitys, 14-bis 29-Jährige, zeigen sich besonders sensibilisiert. Der Anteil derer, die ihre Privatsphäre schützen, steigt in dieser Altersgruppe um 13 Prozentpunkte auf 93 Prozent an. Keine andere Gruppe zeigt sich ähnlich geschlossen geschützt und nirgends sonst ist der Zuwachs größer als bei der jungen Nutzerschaft.

Bei der Skepsis gibt es (wenig überraschend) einen großen Generationenunterschied:

Besonders weit verbreitet ist die Skepsis bei den Älteren. 92 Prozent der Onliner ab 50 Jahren fürchten Datenmissbrauch und verweigern eine Weitergabe konsequenter als alle anderen Altersgruppen (vgl. Tabelle 6). 73 Prozent der ab 50-Jährigen haben nach eigener Angabe noch nie persönliche Daten im Netz hinterlassen, der Durchschnittswert liegt bei 63 Prozent. Im Vergleich dazu zeigt sich die junge Generation in Sachen Datenschutz eher unbedarft. Mehr als die Hälfte, 53 Prozent, haben bereits persönliche Angaben gemacht. Skepsis ist bei den jungen Onlinern also weniger ausgeprägt und ihr Verständnis von Privatheit ist ein anderes, ebenso die Bereitschaft, auf bestimmte Webangebote zu verzichten. Das Anlegen eines Profils innerhalb einer privaten Community wird offenbar nicht von allen Onlinern als Weitergabe von Daten im engen Sinnen verstanden.

Im Fazit vermuten die Forscher einen “Wandel im Umgang mit Privatheit”:

Das Thema Sicherheit und Datenschutz ist zwar in aller Munde, allein die konsequente Durchsetzung scheint den Onlinern nicht möglich. Zu oft stehen sie vor der Wahl, attraktive Webinhalte gegen Preisgabe persönlicher Daten nutzen zu können und daraus dann individuellen Mehrwert zu beziehen oder eben darauf zu verzichten. Das Problembewusstsein ist mehrheitlich vorhanden, mit der Logik des Netzes aber nur schwer zu vereinbaren. Sich dem zu entziehen, fällt schwer. Insofern scheint es einen Wandel im Umgang mit Privatheit zu geben. Offen bleibt, ob dieser vom Nutzer selbst oder profitorien­ tierten Diensteanbietern im Netz befördert wurde.

Weiter gibt es das Dokument “Geräteausstattung der Onlinenutzer“. Wenig überraschend nutzen vor allem junge Menschen ein Smartphone unterwegs und in Haushalten stehen noch Fernsehen und Radios, aber auch immer mehr Tabletcomputer.

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August 15 2012

Privacy auf Mobiltelefonen: Amerikanische Bürger wollen mehr Datenschutz von Firmen und Behörden

Eine große Mehrheit der Amerikaner betrachtet die Informationen auf ihren Mobiltelefonen als mindestens so privat wie die Daten auf ihrem Rechner zu Hause. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von Forschern der University of California, Berkeley. Diese Erwartung steht in krassen Widerspruch zu gängigen Praktiken von Firmen und Behörden.

Für die Erkenntnis, dass das Internet zunehmend auf mobilen Endgeräten genutzt wird, braucht es kein komisches Buzzword. Diese Entwicklung bringt ganz neue Auswirkungen und Gefahren für Datenschutz und Datensicherheit mit sich. Nicht nur kann das Gerät einfacher in fremde Hände fallen, es fallen auch neue Datentypen an, die auch einfacher mal eben unbemerkt ins Internet geschickt werden.

In ihrer Studie Mobile Phones and Privacy untersuchen jetzt Jennifer M. Urban, Chris Jay Hoofnagle und Su Li die Einstellung der Amerikaner zu privaten Daten auf Mobiltelefonen. In einer von Nokia bezahlten repräsentativen Umfrage führten sie über 1.200 Telefoninterviews zum Thema durch.

Smartphones weit verbreitet

Fast alle (91 %) der Befragten haben ein Mobiltelefon, die Hälfte sogar schon ein Smartphone. Diese werden zwar vorrangig für Telefonate, SMS und Fotos genutzt, aber auch für Web-Surfen, E-Mail, standortbezogene Dienste und soziale Netzwerke (in der Reihenfolge). Bei all diesen Anwendungen fallen private Daten an, die den Nutzern wichtig sind. Mehr als drei Viertel der Befragten sieht die Informationen auf ihren Mobiltelefonen als mindestens so privat wie die Daten auf ihren Heimcomputern, jeder fünfte sogar privater.

Die Bereitschaft, das eigene Mobiltelefon mit diesen Daten für ein paar Stunden ohne eigene Aufsicht auszuleihen, war dementsprechend begrenzt. Die überwältigende Mehrheit würde das Gerät weder Fremden, Arbeitskollegen noch Bekannten überlassen. Bei engen Freunden war die Bereitschaft aufgeteilter, engen Familienmitgliedern würden nur 16 Prozent das Mobiltelefon nicht geben.

Drei Viertel der Befragten gaben an, dass Polizisten einen Gerichtsbeschluss haben sollen, eh sie ein Mobiltelefon durchsuchen dürfen. 22 Prozent hielten das nicht für notwendig. 17 Prozent würden Polizisten sogar erlauben, ein mit Passwort geschütztes Telefon zu entsperren und zu benutzen, ohne dass ein Gericht das absegnet. Amerikanische Gerichte haben jüngst geurteilt, dass Polizisten weder für die Durchsuchung noch Benutzung von Mobiltelefonen Verdächtiger einen Gerichtsbeschluss benötigen.

Adressbuch und Ortsdaten sind privat

Abgefragt wurde auch, ob man Apps den Zugriff auf das eigene Adressbuch erlauben würde, zum Beispiel um in einem sozialen Netzwerk weitere Kontakte zu finden. 81 Prozent lehnten das definitiv (51 %) oder wahrscheinlich (30 %) ab, 14 Prozent waren “wahrscheinlich” und nur 4 % definitiv dafür. Für Apps, die Gutscheine an Freunde verteilen waren sogar 93 Prozent dagegen. Bleibt zu hoffen, dass die alle keine Apps von Facebook, Twitter, Instagram, Foursquare, Foodspotting, Yelp, Gowalla oder Path verwenden, die haben nämlich genau das getan.

Auch beim Thema Ortsdaten scheint eine gewisse Sensibilität zu existieren. Fast die Hälfte aller Befragten (46 %) gab an, dass Mobilfunkanbieter die eigenen Bewegungsdaten nicht speichern sollte, 28 Prozent sagten waren für eine Speicherfrist von unter einem Jahr. Das ähnelt dem Ergebnis einer neuen Umfrage in Deutschland, in der 65 Prozent aller Befragten die Vorratsdatenspeicherung grundsätzlich ablehnen und 23 % den Zeitraum begrenzen wollen.

Die Nutzung von Ortsdaten zum Erstellen von zielgenauer Werbung lehnen 92 Prozent der Umfrageteilnehmer ab. Auch das ist jedoch gängige Praxis.

Erwartung und Wirklichkeit

Die Studie zeigt, dass auch in den USA ein starkes Bewusstsein für die Sensibilität der eigenen Daten auf Mobiltelefonen vorhanden ist, auch bei der jungen und Internet-affinen Bevölkerung. Von wegen Post-Privacy. Diese Erwartungen werden jedoch sowohl von Wirtschaft als auch Staat verletzt.

[via]

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Falsches Vertrauen: Warum Datenschutz-Einstellungen nicht zu mehr Datenschutz führen

Nutzer von Sozialen Netzwerken geben mehr und persönlichere Informationen über sich preis, wenn sie glauben, den Zugriff darauf kontrollieren zu können. Das ist das Ergebnis einer Studie von Psychologen der Carnegie Mellon University. Paradoxerweise kann das nach hinten los gehen – und sensible Daten öffentlich werden, die man privat geglaubt hat.

In der Psychologie gibt es das Phänomen der Risikokompensation: Weil sich Autofahrer durch Gurte und andere Maßnahmen sicherer fühlen, fahren sie risikoreicher als ohne. In ihrer Studie Misplaced Confidences: Privacy and the Control Paradox, die netzpolitik.org vorliegt, wenden die Psychologen Laura Brandimarte, Alessandro Acquisti und George Loewenstein diese Theorie auf den Umgang mit Privatsphäre im Internet an. Dabei beobachteten sie ein “Kontroll-Paradox”: Je mehr Kontrolle über Datenschutzeinstellungen man hat, desto mehr Details geben Leute von sich preis.

Sebastian Herrmann fasst die Experimente auf Süddeutsche.de zusammen:

Die Wissenschaftler ließen ihre Probanden Fragebögen ausfüllen, in denen sie teils sehr intime Fragen stellten. Angeblich sollten aus den persönlichen Informationen der Teilnehmer etwa Profile für ein neues soziales Netzwerk an der Universität erstellt werden. Hatten die Probanden wenigstens einen winzigen Einfluss darauf, wie mit den Daten umgegangen wurde, verrieten sie besonders viele Details. Verfügten sie scheinbar über keine Kontrolle, waren sie weniger auskunftsfreudig.

Kontrollverlust erhöhte das Misstrauen: In einem Experiment hieß es, nur die Hälfte der Fragebögen werden werde per Zufall zur Veröffentlichung ausgewählt. Objektiv reduzierte dies das Risiko, dass sensible Antworten aus den Fragebögen öffentlich wurden. In der Praxis ließ diese Situation manche Probanden aber verstummen: Sie gaben sehr viel weniger von sich preis als jene Gruppe, von der 100 Prozent der Daten öffentlich gemacht werden sollten – sie empfanden die Unsicherheit als Kontrollverlust.

Schutzmaßnahmen wie Datenschutz-Einstellungen können somit auch das Gegenteil bewirken. Je mehr Kontrolle man glaubt zu haben, desto sensiblere Daten gibt man preis. Diese können jedoch objektiv riskanter sein, in der Studie waren das: Diebstahl, Lügen und Drogenkonsum. Mehr Kontrolle führt also nicht automatisch zu mehr Datenschutz.

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April 25 2012

Studie zur Vorratsdatenspeicherung: Regierung unterdrückt Forschungsergebnisse

Beim Zustandekommen des Gesetzes zur Vorratsdatenspeicherung im Jahr 2007 “wurde getrickst”. Das berichtet das ZDF-Magazin Frontal 21. Das SPD-geführte Justizministerium nahm demnach Einfluss auf eine Studie, “Abgeordnete fühlen sich hinters Licht geführt”.

Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung teilt in einer Pressemitteilung mit:

Wie das ZDF-Magazin „Frontal21“ heute berichtete, hat das Bundesjustizministerium 2007 einen kritischen Forschungsbericht geheim gehalten, bis der Bundestag das verfassungswidrige Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung verabschiedet und die Wissenschaftler ihre Kritik daran abgeschwächt hatten. Aus heute vom AK Vorrat erstmals veröffentlichten Aktenauszügen ergibt sich, dass sich das mit dem Forschungsprojekt beauftragte Max-Planck-Institut für internationales und ausländisches Strafrecht gegenüber dem Bundesjustizministerium als Auftraggeber massiv für seine inhaltlichen Aussagen und Schlussfolgerungen zur staatlichen Telekommunikationsverbindungsüberwachung rechtfertigen musste. Praktisch jede Seite des Entwurfs des Abschlussberichts der Forscher wurde vom Bundesjustizministerium scharf kritisiert, Empfehlungen der Wissenschaftler wurden als „inakzeptabel“ verworfen. An den ersten 10 Seiten allein haben Bürokraten des Ministeriums über 40 Kritikpunkte angebracht und einen großen Teils der vereinbarten Vergütung zurückgehalten, solange die Forscher nicht ihren Abschlussbericht änderten.

Diese Beispiele werden angeführt:

  1. Dass die Vorratsdatenspeicherung „annähernd 300 Millionen Menschen“ betreffen sollte, erschien in der Endfassung des Forschungsberichts nicht mehr.
  2. Dass im Internet Daten über „persönliche Präferenzen“ anfallen, wurde ebenfalls gestrichen.
  3. Dass heimliche Ermittlungsmaßnahmen „unerlässlich“ seien, wurde plötzlich als „international konsentiert“ dargestellt.
  4. Das Volkszählungsurteil war in der Endfassung des Forschungsberichts kein Hindernis für eine verdachtslose Vorratsdatenspeicherung mehr.
  5. Die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung hat ihre Ziele in der Endfassung des Forschungsberichts nicht mehr „deutlich verfehlt“, sondern nur „noch nicht erreicht“.
  6. Die Verbindungsdatenabfrage war in der Endfassung des Forschungsberichts nicht mehr „auf dem Wege zu einer Routineermittlungsmaßnahme“.
  7. Die Funkzellenabfrage wies zuletzt plötzlich nicht mehr „deutliche Merkmale der Rasterfahndung“ auf.

Über weitere Hintergrundinformationen hatten wir bereits berichtet, auch um eine Nachfolge-Studie wurde kontrovers gerungen.

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March 16 2012

Neues Gutachten der Internetwirtschaft: Netzsperren verstoßen gegen das Grundgesetz

Ein heute in Köln vorgestelltes Gutachten, das vom Verband der deutschen Internetwirtschaft ECO in Auftrag gegeben wurde, stellt die grundsätzliche Unvereinbarkeit von Netzsperren mit geltendem Recht heraus.

Das 32seitige Dokument (pdf) mit dem Titel “Internetsperren und der Schutz der Kommunikation im Internet” kommt zu dem Ergebnis, dass Internetsperren sowohl deutschem als auch nach europäischem Recht widersprechen.

Die Kommunikation im Internet ist in Deutschland durch das Fernmeldegeheimnis nach Artikel 10 Absatz 1 des Grundgesetzes und Paragraph 88 des Telekommunikationsgesetzes geschützt. Sperrungen verletzen – unabhängig von der verwendeten Methode – in unzulässiger Weise diesen vom Gesetz definierten Schutzbereich des Fernmeldegeheimnisses.

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August 19 2011

Studie: Warum Internetzensur zu gewaltsameren Aufständen führt

Der nächste Krawall kommt bestimmt. Über die Frage, wann und wie er kommt, haben sich nicht nur Psychologen den Kopf zerbrochen. Am 14. August veröffentlichten Antonio A. Casilli, Forscher der Telecom ParisTech, und Paola Tubaro der Universität zu Greenwich die Studie “Why Net Censorship in Times of Political Unrest Results in More Violent Uprisings: A Social Simulation Experiment on the UK Rios”. Die Ergebnisse des Simulationsexperiments könnte sich auch David Cameron mal genauer anschauen. Denn die Studie zieht einleitend Parallelen zur katastrophalen Internetzensur unter Hosni Mubarack und weist auf die unklare Haltung einiger europäischen Politiker und Massenmedien gegenüber den sozialen Medien im Netz hin.

Das 17-seitige Papier möchte beweisen, dass es bei vollkommener Abwesenheit von Zensur nicht nur zu einer geringeren Anzahl von Eskalationen, sondern auch zu längeren Perioden des sozialen Friedens nach jedem Aufstand kommt. Die Frage, warum soziale Medien in der westlichen Welt Chaos bringen und in Entwicklungsländern als demokratiefördernd gewertet werden, lassen die beiden Forscher offen. Sie möchten vielmehr zeigen, dass die Zensur sozialer Medien in Zeiten sozialer Unruhen nicht gerade deeskalierend wirkt.

Die Studie basiert auf einem Artikel zum Civil Violence Model (pdf) von Joshua M. Epstein. Vereinfacht dargestellt versucht das Modell, die Entscheidung einer Person zu definieren, ob und wann sie aktiv demonstriert oder nicht – und macht dies abhängig von mehreren Variablen. Eine davon ist die Wahrnehmung der sozialen Umgebung. Ist Polizei in der Nähe, reagiert die Person erst, sobald eine gewisse Anzahl Demonstranten die Anwesenheit der Polizei ausgleicht. Die Autoren bezeichnen die ‘Vision’ des potentiellen Demonstranten als ausschlaggebenden Faktor. Wie nimmt er oder sie andere Demonstranten oder die Polizei wahr?

Die beiden Forscher simulierten für ihre Thesen die Zensur sozialer Medien und Kommunikationsmittel nicht mit technologischen Mitteln. Sie stützen sich vielmehr auf die Annahme, dass bei einer Zensur die ‘Vision’ der Umgebung gleich null ist. Es wird also unmöglich herauszufinden, wo sich eine größere Gruppe Demonstranten oder die Polizei aufhält. Sobald soziale Medien einer Zensur unterliegen, nimmt der Wert für die Variabel ‘Vision’ ab und die einzelnen Akteure haben nur eine eingeschränkte oder nicht existente Wahrnehmung ihrer Umgebung. Hieraus resultiert, dass sie zu zufälligen und unkontrollierten (Fort-)Bewegungen neigen. Je weniger Vision, desto höher ist das Gewaltniveau.

Die Realität scheint der Studie zumindest Recht zu geben: Als Ägypten offline ging, wurde nicht weniger demonstriert. Im Gegenteil.

(Crossposting von vasistas?)

June 21 2011

Harvard-Studie: Die Französische Revolution 2.0 – Urheberrecht und Three-Strikes-Gesetze

In der Harvard-Studie „The French Revolution 2.0: Copyright and Three Strikes Policy“, die Anfang des Monats veröffentlicht wurde, analysiert Eldar Haber die rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Aspekte des sogenannten Three-Strikes-Modells.

In einer kurzen Einführung erklärt der Autor, dass Regierungen weltweit nach effizienten Lösungen für die Verfolgung von Filesharern suchen, um die Konflikte zwischen Rechteinhabern, Internetprovidern und Nutzern zu lösen. Das Ergebnis sind bisher allein repressive Ansätze, wie z.B. das französische Three-Strikes-Modell Hadopi. In Frankreich sieht das Hadopi-Gesetz seit 2010 vor, Wiederholungstätern temporär der Internetzugang zu sperren. Ähnliche Gesetz wurde ebenfalls in Taiwan (2009), Südkorea (2009), im Vereinigtem Königreich (2010) und Neuseeland (2011) eingeführt und werden in weiteren Ländern diskutiert. Auch in Deutschland scheint man sich mit der Idee anzufreunden, Internetnutzer einfach abzuklemmen.

Die Studie kritisiert unter anderem die Kontrollbehörde Hadopi in Frankreich, die eine aktivere Rolle übernehmen und die Forderungen der Rechteinhaber erst genauer analysieren sollte, anstatt sich mit der reihenweisen Abmahnung der Nutzer zu begnügen. Haber kommt zu dem Schluss, dass ein Three-Stikes-Modell eine ungeeignete Antwort auf illegales Filesharing und ein vollkommen unangemessener Versuch sei, die Macht der Rechteinhaber über die Nutzer zu stärken:

Although right holders are generally against file-sharing, some of them actually spot the benefits that arise using these methods. Through filesharing, many artists can easily and fairly cheaply promote their works. Due to file-sharing, artists can achieve broader exposure, expand their audience, and thereby increase sales of concert tickets and other merchandise.

Despite its many potential benefits, the 3SP is not without disadvantages. First, it can resolve the illegal file-sharing problem, but at the same time it may harm artists that benefit from those activities. Second, it might impose obligations on the ISPs that will force them to undertake structural and financial changes like allocating human resources to deal with right holders’ claims. Third, the 3SP might impose a new role on ISPs which they did not initially anticipate, putting them in a difficult position and causing adverse financial consequences. Finally, the 3SP might have dramatic impacts on individual rights including privacy, due process rights, free speech, and users’ rights.

Haber, Eldar: The French Revolution 2.0: Copyright and Three Strikes Policy, Harvard Journal of Sports & Entertainment Law, Vol. 2, Issue 2, p. 297, 2011.

(Crossposting von vasistas?)

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May 13 2011

Studie: Verbraucherschutz im Urheberrecht

Till Kreutzer von iRights.info hat für den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) ein umfangreiches Gutachten zu verbraucherrechtlichen Aspekten und notwendigen Reformschritten im Urheberrecht geschrieben. Das gibt es als PDF zum herunterladen. Ebenfalls auf iRights.info steht ein Interview mit Till Kreutzer, wo er nochmal die wichtigsten Punkte und Forderungen des 116 Seiten langen Gutachtens vorstellt.

Frage: Heute wird die von dir für den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) erstellte Studie “Verbraucherschutz im Urheberrecht” der Öffentlichkeit vorgestellt. Wir sind gespannt, was steht also drin?

In der Studie werden die aus Sicht des Verbraucherschutzes drängensten Fragen untersucht. Die Studie besteht aus zwei Teilen. Teil 1 enthält eine Analyse ausgewählter Aspekte im Spannungsfeld zwischen Verbraucherschutz und Urheberrecht (z.B. zur Kopiervergütung, Kulturflatrate, User-Generated-Content usw.). In Teil 2 werden konkrete Lösungsvorschläge unterbreitet, wie Defizite durch nationale oder EU-rechtliche Neuregelungen behoben werden können.

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January 26 2011

Studie zum Übergang von der Selbstregulierung zur Zensur im Internet

Die europäische Netzwerk für Bürgerrechte im digitalen Zeitalter, European Digital Rights (EDRi), hat eine interessante Studie zum Thema Netzneutralität und Netz-Regulierung veröffentlicht. Sie trägt den Titel „Von der ‚Selbstregulierung‘ zur Zensur durch Unternehmen“ (The slide from “self-regulation” to corporate censorship). In der Einführung heißt es:

Die größten und am weitesten entwickelten Internetwirtschaften, einschließlich der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten, befinden sich gerade in dem Prozess, eine entscheidende und unumkehrbare Wahl bezüglich der Offenheit, Demokratie, Transparenz und Innovation im Internet zu treffen. Es wird entschieden, ob es Internet-Intermediären (Zugangsanbietern, Webhosting-Anbietern etc.) erlaubt sein soll, für eigene Zwecke den Internetverkehr zu manipulieren oder die eigenen Kunden zu überwachen und sie für diverse Aktivitäten zu bestrafen, um bestimmte politische Ziele zu erreichen. Diese Entscheidung wird ohne jegliche demokratische Prozesse oder eine Analyse über die Auswirkungen getroffen.

Hier geht es zur kompletten Studie (pdf EN).

(Crossposting von vasistas?)

September 01 2010

Hanns-Seidel-Stiftung analysiert die Piratenpartei

Die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung hat eine aktuelle Analyse der Piratenpartei veröffentlicht: “aktuelle analysen Nr. 55: Die Piratenpartei” (PDF)

Die Piratenpartei war 2009 in aller Munde. Besonders aus zwei Gründen weckte diese neue politische Gruppierung das Interesse: Programmatisch greift sie ein neues Thema auf, die digitale Revolution, und ihr innerparteiliches Leben ist überwiegend in der digitalen Welt organisiert. Das Phänomen Piratenpartei in seiner Organisation, Zielsetzung und Wirkung analysieren die Autoren Udo Zolleis, Simon Prokopf und Fabian Strauch in dieser aktuellen Studie und gehen dabei v. a. den folgenden Fragen nach: Wie fügt sich die “digitale Revolution” als politisches Thema in den politischen Wettbewerb ein und was fordert die Piratenpartei in programmatischer Hinsicht? Welche organisatorische Qualität besitzt die Partei? Und ist das deutsche Parteiensystem durch diese neue politische Gruppierung verletzbar?

Ist auch interessant, wenn man sich nur für Netzpolitik und nicht die Piratenpartei interessiert.

August 24 2010

Wikipedia-Nutzer sind keine Egoisten

Das Handelsblatt berichtet über eine chinesische Studie über Wikipedia-Nutzer, deren Ergebnisse wahrscheinlich auch leicht auf andere Open-Source-Communities übertragen werden können: Wie Wikipedia Markttheorien widerlegt. Wenig überraschend kommt bei der Studie heraus: (Viele) Menschen sind keine Egoisten.

Kurzzusammenfassung der Studienergebnisse: Wikipedia ist ein öffentliches Gut, “ein Angebot, von dem alle Menschen profitieren und von dessen Nutzung niemand ausgeschlossen werden kann.” Nun lernen, laut Handelsblatt, VWLer im Grundstudium, dass es ein großes Dilemma bei öffentlichen Gütern gebe: Trittbrettfahrertum.

Die traditionelle Volkswirtschaftslehre postuliert: Je größer die Zahl der potenziellen Nutznießer ist, desto mehr Probleme entstehen mit Trittbrettfahrern. Zumindest bei Wikipedia ist genau das Gegenteil der Fall, zeigt eine neue Studie, die demnächst im “American Economic Review” erscheint: Je größer die Zahl der potenziellen Leser, desto eher sind Menschen bereit, ihre Arbeitszeit für die Online-Enzyklopädie aufzuwenden – vermutlich, weil sie mentale Befriedigung daraus ziehen, dass ihre Text von vielen anderen gelesen werden.

Der Ansatz der Studie ist noch aus einam anderen Grund interessant: Untersucht wurde die chinesische Wikipedia in Zeiten, wo diese zensiert war.

Die Forscher konzentrierten sich auf das Verhalten der Nutzer außerhalb der Volksrepublik China – Menschen, die trotz Sperre weiter auf die Seite zugreifen und sie ändern konnten. Zhang und Zhu nutzen aus, dass alle Änderungen in Texten auf der Wikipedia-Seite detailliert protokolliert werden und Rückschlüsse zulassen auf das Land, in dem die Autoren leben. Sie verglichen die Aktivitäten bei Wikipedia unmittelbar vor und nach der Sperre. Sie stellten fest: Mit Beginn der Blockade haben sich chinesischsprachige Internetnutzer außerhalb der Volksrepublik deutlich weniger für Wikipedia interessiert – sie schrieben schlagartig weniger neue Beiträge und erweiterten bestehende Texte viel seltener.

Hier ist übrigens die Studie „Group Size and Incentives to Contribute: A Natural Experiment at Chinese Wikipedia“ , von Xiaoquan Zhan und Feng Zhu, erscheint in: American Economic Review.

August 12 2010

ARD/ZDF-Onlinestudie 2010: Fast 50 Millionen Deutsche sind online

Heute wurden wieder erste Zahlen der jährlichen “ARD/ZDF-Onlinestudie” verkündet: Fast 50 Millionen Deutsche sind online. Nach Angaben der Pressemitteilung sind 49 Millionen Menschen ab 14 Jahren zumindest gelegentlich im Netz, was einem Anteil von 69,4% entspricht. Mit den unter 14-jährigen sind das sicher über 50 Millionen Menschen in Deutschland, die mehr oder weniger im Netz angekommen sind. Von diesen 49 Millionen Nutzer sind wiederum 76% täglich im Netz (Kleine Rechenaufgabe: Wieviele Menschen sind nun in Deutschland täglich im Netz?)

Gegenüber der letzten Studie sind 5,5 Millionen Menschen dazu gekommen, ind er Pressemitteilung wird das damit begründet, dass einerseits ältere Menschen zunehmend Erfahrung mit dem Internet machen und man bisher die “nicht-deutsche” Bevölkerung nicht berücksichtigt hatte.

Das ist ja eine ARD/ZDF-Onlinestudie und daher war man sicherlicher freut, dass der Netzkonsum (erstmal) nicht zu Lasten des Fernsehkonsums geht, und viele beides parallel einsetzen.

Von den Online-Nutzern schauen 65% Videos an und 40% sind in Communities aktiv, wobei das hauptsächlich die Social -Networks sein dürfen. 73% nutzen zumindest gelegentlich die Wikipedia, 3% sollen bei Twitter sein (Die Zahl halte ich für etwas hoch).

Eines verwundert mich aber in der Pressemitteilung:

Die Zuwachszahlen für Web-2.0-Anwendungen fallen geringer aus als in den Vorjahren. Auch sinkt das Interesse an aktiver Teilhabe an Blogs, twitter & co. vor allem bei der jüngeren und mittleren Generation. Das “Mitmach-Netz” bleibt so weiterhin beschränkt auf eine kleine Gruppe von Aktiven, die publizieren und kommunizieren, was von vielen abgerufen wird.

Hat man da jetzt Social-Networks mit einbezogen oder werden die nicht mehr unter “Mitmach-Netz” erfasst?

Auf der Webseite gibt es noch viel mehr Statistiken zur aktuellen Internetnutzung, die schauen wir uns gleich mal genauer an und bloggen darüber.

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July 13 2010

Investigativer Journalismus durch NGOs und Watchblogs

Die Journalisten-Zeitschrift Message berichtet über eine französische Studie zum investigativen Journalismus, die einige interessante Aussagen enthält: Neue Heimat für die Aufklärer.

Da viele dieser Arbeitsprozesse offensichtlich ineffizient sind, zudem die Mittel knapper werden und der Renovationswille in vielen Redaktionen fehlt, beginnen fremde Unternehmungen damit, die Watchdog-Funktion des Journalismus zu übernehmen. Nennen wir diese neuen Akteure hier Stakeholder-Medien. Das sind Aktivistenzeitungen, Webradios, Finanzmarktzeitungen, Onlineforen, NGOs oder Blogs, die sich thematisch spezialisieren. Unsere Prognose: Mittel- und langfristig wird der investigative Journalismus bei diesen alternativen Medien und Organisationen zur Blüte kommen. Spezialisierte Stakeholder werden der Nachrichtenindustrie ihre Watchdog-Funktion mehr und mehr abjagen. [...] Unsere Thesen: Erstens gilt nicht mehr Objektivität, sondern Transparenz als ethischer Leitwert für das Publikum. Während bei Nachrichtenmedien Neutralität und Fairness als höchste Moral gelten, sind Stakeholder eindeutig parteiisch. Aber sie legen ihre Motive offen.

Traditionelle Medien können aber wieder aufholen, indem sie “die investigative Recherche wieder als wichtigen Pfeiler ihres Images, ihrer Arbeit und ihrer Vermarktung erkennt”. Da investieren ja gerade einige Zeitungen, indem sie spezielle Einheiten für investigativen Journalismus aufbauen.

July 05 2010

Politische Parteien sind digitale Follower und nicht Leaders

Die britische Hansard Society hat in einem Report die vergangenen Wahlkämpfe im Netz in Grossbritanien analysiert: Behind the Digital Campaign. Dabei wurden einige Thesen verfasst, die unter der Überschrift “Political parties are digital followers not leaders” zusammen gefasst werden:

* UK political parties are largely followers not innovators
* Digital media is more effective in personality-led campaigns than party-led campaigns
* Expenditure and experimentation during the pre-election period has led to the ‘perpetual campaign’ building communities of supporters to mobilise during the election period
* Third-party and single-issue digital campaigns are more likely to increase political participation and knowledge
* Social networking tools influence political activists, insiders and the media – stories generated on blogs and Twitter generally only reach the public when mainstream media take them up

Kann man auch so auf Deutschland übertragen.

Hier ist das PDF.

Reposted bymondkroeteastrid

April 29 2010

Studie über US-Politik-Blogs

Das Berkman Center hat eine ausführliche Studie über Politik-Blogs im US-Wahlkampf 2008 veröffentlicht, die von Yochai Benkler, Aaron Shaw und Victoria Stodden verfasst wurde: A Tale of Two Blogospheres: Discursive Practices on the Left and Right.

Discussions of the political effects of the Internet and networked discourse tend to presume consistent patterns of technological adoption and use within a given society. Consistent with this assumption, previous empirical studies of the United States political blogosphere have found evidence that the left and right are relatively symmetric in terms of various forms of linking behavior despite their ideological polarization. In this paper, we revisit these findings by comparing the practices of discursive production and participation among top U.S. political blogs on the left, right, and center during Summer, 2008. Based on qualitative coding of the top 155 political blogs, our results reveal significant cross-ideological variations along several important dimensions. Notably, we find evidence of an association between ideological affiliation and the technologies, institutions, and practices of participation across political blogs. Sites on the left adopt more participatory technical platforms; are comprised of significantly fewer sole-authored sites; include user blogs; maintain more fluid boundaries between secondary and primary content; include longer narrative and discussion posts; and (among the top half of the blogs in our sample) more often use blogs as platforms for mobilization as well as discursive production.


Hier ist das PDF.

Eine Zusammenfassung findet man bei The Nation: New Study: Liberals More Open Than Conservatives Online.

The study proposes a historical theory for the Democrats’ current edge online. (It’s a big one, as the 2008 election revealed, when Obama raised $500 million through the web alone. McCain raised under $200 million from all individual donors combined.) According to the authors, the netroots’ early embrace of deeper participation platforms, coupled with progressive bloggers interest in mobilizing fundraising and specific actions, helped prime the tactics and habits that supported the Democrats’ later web dominance. The survey data does show that progressive bloggers were far more demanding of their readers. One out of three liberal sites made direct fundraising pitches, and almost half asked readers to take some political action, according to a section of the study analyzing the top sixty-five blogs. On the right, however, only one out of twenty blogs pushed fundraising, and fewer than one out of five issued “calls to action.”

April 11 2010

Leseempfehlung: EU-Kommission fordert Websperren gegen Kinderpornografie (c’t 9/09, S. 20)

Hinweis: Ja, Markus hat den Artikel ein paar Minuten früher entdeckt: Censilia: Ausweitung der Kampfzone

Und noch eine kleine Leseempfehlung zum Frühstück: In der c’t 9/09 fasst Holger Bleich die aktuelle Entwicklung auf EU-Ebene noch einmal übersichtlich zusammen. Wer hier und anderswo im Netz in den letzten Wochen mitgelesen hat, erfährt naturgemäß wenig neues, bekommt aber einen kompakten Überblick.

Besonders freut mich, dass es mit der Veröffentlichung in der c’t nun endlich eine zitierfähige Quelle gibt, die das offenkundige Märchen vom “Milliardenmarkt Kinderpornographie im Web” mit aktuellen Untersuchungsergebnissen widerlegt:

Verlässliche Zahlen zur Anzahl von Websites oder gar zu dem stets behaupteten profitablen Markt für Missbrauchsdarstellungen von Kindern im Web existieren nicht. Das Kriminalwissenschaftliche Institut der Uni Hannover erstellt derzeit die erste diesbezügliche Studie.

Arnd Hüneke, der die Studie leitet, ist sich nach ersten Zwischenergebnissen sicher: „Einen Markt für kinderpornografische Inhalte gibt es im Web nicht.“ Dies habe sich aus vielen Gesprächen, beispielsweise mit Strafermittlern der Landeskriminalämter, zweifelsfrei ergeben, teilte er c’t mit. Wie Malmström auf ihre Zahlen komme, sei ihm nicht klar.

Längst ist aber jedem halbwegs fachkundigen Politiker klar, dass Zugangserschwerungen fürs Web allenfalls marginale Auswirkungen auf die Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen haben [...]

Vielleicht können wir nun endlich über sinnvolle Maßnahmen im Kampf gegen die Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen im Netz reden. Na, wir wäre das?

Reposted bykrekk krekk

February 19 2010

The Future of the Internet 2010

Das Pew Research Center’s Internet & American Life Project hat 895 Experten zu verschiedenen Zukunftsfragestellungen rund um das Internet befragt und daraus einen Report gemacht (Leider kein Deeplink auf PDF möglich). Interessant sind u.a. die Fragen zur Anonymität im Jahre 2020.

Das sind die Kernergebnisse:

* Google won’t make us stupid: 76% of these experts agreed with the statement, “By 2020, people’s use of the Internet has enhanced human intelligence; as people are allowed unprecedented access to more information they become smarter and make better choices. Nicholas Carr was wrong: Google does not make us stupid.” Some of the best answers are in Part 1 of this report.
* Reading, writing, and the rendering of knowledge will be improved: 65% agreed with the statement “by 2020 it will be clear that the Internet has enhanced and improved reading, writing and the rendering of knowledge.” Still, 32% of the respondents expressed concerns that by 2020 “it will be clear that the Internet has diminished and endangered reading, writing and the rendering of knowledge.” Some of the best answers are in Part 2 of this report.
* Innovation will continue to catch us by surprise: 80% of the experts agreed that the “hot gadgets and applications that will capture the imaginations of users in 2020 will often come ‘out of the blue.’” Some of the best answers are in Part 3 of this report.
* Respondents hope information will flow relatively freely online, though there will be flashpoints over control of the internet. Concerns over control of the Internet were expressed in answers to a question about the end-to-end principle. 61% responded that the Internet will remain as its founders envisioned, however many who agreed with the statement that “most disagreements over the way information flows online will be resolved in favor of a minimum number of restrictions” also noted that their response was a “hope” and not necessarily their true expectation. 33% chose to agree with the statement that “the Internet will mostly become a technology where intermediary institutions that control the architecture and …content will be successful in gaining the right to manage information and the method by which people access it.” Some of the best answers are in Part 4 of this report.
* Anonymous online activity will be challenged, though a modest majority still think it will possible in 2020: There more of a split verdict among the expert respondents about the fate on online anonymity. Some 55% agreed that Internet users will still be able to communicate anonymously, while 41% agreed that by 2020 “anonymous online activity is sharply curtailed.”

February 16 2010

Berkman Center Breitband-Report

Das Berkman Center hat einen Breitband-Report veröffentlicht: “Next Generation Connectivity – A review of broadband Internet transitions and policy from around the world“.

On July 14, 2009, the Federal Communications Commission (FCC) announced that the Berkman Center for Internet & Society at Harvard University would conduct an independent expert review of existing literature and studies about broadband deployment and usage throughout the world and that this project would help inform the FCC’s efforts in developing the National Broadband Plan. The Berkman Center’s Final Report was submitted to the FCC on February 16, 2010.

Das PDF ist 4 MB groß.

David Weinberger hat dazu Yochai Benkler interviewt:

Reposted by02mydafsoup-01 02mydafsoup-01

February 08 2010

Piraten mit Autofahrer-Partei vergleichbar: freie Fahrt und freies Netz

Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung hat über die Piratenpartei eine Studie erstellt, die mir freundlicherweise vorab zugeschickt wurde. Die 33-Seiten lange “Analyse der Genese und Etablierungschancen der Piratenpartei” mit dem Titel “Partei der “digital natives”?” beschäftigt sich ausführlich mit der Geschichte, Inhaltlichen Schwerpunkten und Etablierungschancen. Auch für nicht-Piraten-Anhänger ist die Studie streckenweise interessant zu lesen, weil hier doch eine CDU-nahe Stiftung eine politische Analyse des Netzpolitik-Thema vornimmt.

Der erste Teil ist nichts Neues. “Die Piratenpartei ist die Partei der jungen Generation, häufig junger Männer”, schreibt die Studie und bringt Zahlen mit, wie 12% der männlichen Erstwähler wählten Piraten bei der Bundestagswahl. Interessanter ist die Zahl von einem Drittel der unter 25-jährigen in Baden-Würtemberg und etwa 30 Prozent der 25-34-jährigen. “Es handelt sich um netzaffine, junge, besser Ausgebildete, unter denen es viele Politikinteressierte gibt, die sich von den Parteien nicht berücksichtigt fühlen”.

Die Studie erklärt, dass der Partei “mit der Schwerpunktsetzung Internet eine Avantgarde-Stellung attestiert” wurde und es dafür kaum Entsprechung in der Wissenschaft geben würde. “Aussagen zur Piratenpartei, einer neuen, nicht-etablierten Kleinpartei, können mit einen tastenden, mit Konjunktiven und offenen Fragen versehenen Charakter haben.”

Aber genau deswegen gibt es ja auch die Studie der Kontad-Adenauer-Stiftung, die die folgenden Leitfragen beantworten will:

1. Welcher Gründungsimpetus lag der Piratenpartei zugrunde?
2. Was sind ihre dominierenden Themen und wie kann ihre Programmatik charakterisiert werden?
3. Welche Zielgruppe spricht sie an? Wie setzt sich ihre Mitgliedschaft zusammen?
4. Wie schnitt sie bei den Wahlen des “Superwahljahres” 2009 ab?
5. Wie sind die Etablierungschancen der neuen Partei im bundesdeutschen Parteiensystem einzuschätzen und was folgt für die etablierten Parteien?

Mein Lieblingssatz der Studie ist ja:

“Die Piratenpartei wendet sich an die Zielgruppe, die sich als “Digitale Generation” versteht und dies auch selbstbewusst artikuliet. Damit geht ihr selbst gewählter und aufrecht erhaltener Status als Ein-Themen-Partei einher. Anders als die Grünen, die sich schon in ihrer Gründung in den Politikfeldern Umwelt und soziale Gerechtigkeit positionierten, beanspruchen die Piraten eher den Kurs der Autofahrer-Partei: freie Fahrt und freies Netz.”

Interessant ist das Fazit. Dort wird erkannt, dass sich “diese Generation und das Milieu von etablierten Parteien abwenden” und das gelte “nicht nur für die SPD und Grüne”. Grüne und Piraten hätten bei der Bundestagswahl “Ähnlichkeiten in der Wählerstruktur und in Teilen ihrer inhaltlichen Forderungen aufweisen” können, aber da “Freiheit im Netz” bei den Grünen nicht zu den wahlentscheidenden Themen zählt, hätten viele Piraten gewählt. Aber auch die Union müsse sich fragen, “wie sie auf die Entwicklung reagiert”:

Positioniert sie sich zu den Themen, ignoriert sie die Entwicklung, passt sie sich an, indem sie totale Freiheit für das Netz fordert? Ist sie von Themen, die das Internet betreffen allenfalls peripher in ihrer programmatischen Ausrichtung betroffen? Inwieweit ist sie von der Debatte tangiert? Muss sie strengere Verhaltensregeln für das Internet fordern? Muss sie künftig häufiger, differenzierter um Kompromisse zwischen Internet-Affinen und auf Innere Sicherheit Bedachten ringen?

Leider bleiben hier nur Fragen offen, spannend wären doch auch Antworten für die Union gewesen. Insgesamt gelte aber (wohl für alle Parteien und nicht nur die Union):

Es gebe in den Parteiorganisationen und unter den Politikern zwar Qualifizierte. Gewicht und Stel-lenwert der Internetthemen, so der Eindruck, seien aber nach wie vor ge-ring im Mainstream der etablierten Parteien und der Parteiführungen verankert. Wie also mit den neuen Themen in personeller und organisatorischer Hinsicht umgehen?

Zum Schluß macht die Studie noch die EMpfehlung, für die Nachwuchswerbung “die neuen Kommunikationswege zu verstehen und kluge Dialogangebote zu machen”. Was aber etwas zu kurz gegriffen ist und die Netzpolitik-Inhalte weg lässt.

February 03 2010

Social Media – Nutzung von US-Jugendlichen

Das US-amerikanische Pew Internet Project hat einen neuen Report zur Social Media – Nutzung unter US-Jugendlichen veröffentlicht: Social Media and Young Adults.

Two Pew Internet Project surveys of teens and adults reveal a decline in blogging among teens and young adults and a modest rise among adults 30 and older. Even as blogging declines among those under 30, wireless connectivity continues to rise in this age group, as does social network use. Teens ages 12-17 do not use Twitter in large numbers, though high school-aged girls show the greatest enthusiasm for the application.

Hier ist das PDF.

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