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November 23 2010

Noch ein Commons – Nachtrag: Gemeingüter erklärendes Video

Dieses Video ist ein Beitrag, das Konzept “Commons”/Gemeingüter verständlich zu erklären. Es wurde auf der International Commons Conference vorgestellt und ist nun auf Youtube zum Weiterverbreiten verfügbar.

Reposted bymondkroete mondkroete

November 05 2010

International Commons Conference in Berlin

Am 1. und 2. November fand die International Commons Conference (Creating a Commons-based Policy Platform) in der Heinrich Böll Stiftung in Berlin statt. Die rund 200 geladenen Teilnehmer kamen aus 34 Ländern weltweit und bildeten auch hinsichtlich ihres jeweiligen thematischen Fokus ein breites und diverses Spektrum der Commons ab (von natürlichen Commons wie Klima, Wald und Genen, über soziale Commons wie Währung und Stadtraum, bis zu digitalen Commons wie Software, Wissensressourcen und kulturelle Inhalte). Was die verschiedenen Projekte und Ansätze eint ist das Ziel gemeinschaftlich Ressourcen/Commons zu erhalten, zu entwickeln und zu nutzen, jenseits und unabhängig von (wenn auch teilweise verflochten mit) Staat und kapitalistischem Markt. Die Commons (= Gemeingüter) gehören allen der jeweiligen Gemeinschaft und befinden sich weder in Privat- noch staatlichem Eigentum. Es ging um verschiedene Punkte, an denen weiter gedacht und -gearbeitet werden muss darunter:
* Fragen der Organisation von Gemeinschaften und ihrer Interaktion mit den Commons – Social Chartas, Vereinbarungen, Lizenzen, etc.
* das Verhältnis der Commons zu Markt und Staat
* verschiedene Größenordnungen – wie organisiert man größere bis globale Commons und Communities.

Hier ein paar aus meiner Perspektive interessante Punkte, Links und Interviews der Konferenz:

* Michel Bauwens, auch Mit-Kurator der Veranstaltung, stellte drei zentrale Fragen:

1. Wie überleben wir (finanziell) in der aktuellen Welt (wenn wir uns um Commons kümmern, z.B. freie Software entwickeln, kulturelle Inhalte schaffen etc.)?
2. Wie können wir uns mit anderen, die dieselben Werte teilen, besser vernetzen und neue Praktiken entwickeln jenseits der alten Wertesysteme?
3. Wie entkommen wir ganz – d.h. wie können wir letztendlich das vorherrschende Wirtschaftssystem überwinden?

In seinem Vortrag plädierte er dafür, etwas Neues, auf Basis eines neuen Wertesystems zu schaffen, nicht etwas Altes nur abzuändern. Anstatt auf der Logik des vorherrschenden ökonomischen Denkens aufzubauen, (wo es sinnvoll ist dass ein TV so gebaut wird dass er in 10 Jahren kaputt geht, damit man mehr Geld verdient) sollte man sich ein Beispiel nehmen an z.B. Barcamps – mit einer eigenen Organisations- und Wertestruktur, die sich grundlegend von früheren Konferenzstrukturen unterscheiden, oder die GPL – die eine eigene soziale Charta darstellt. Ein wichtiges Handlungsfeld sind hier z.B. die Infrastrukturen auf deren Basis Peer Produktion bereits in großem Maße stattfindet, die aber in privater Hand von unseren Beiträgen profitieren (Google, Facebook etc.).

Wir haben mit Michel Bauwens ein Audio Interview gemacht, in dem er seine Gedanken zu Peer Produktion und neuen Werten gut darlegt. Dies wird ganz bald hier verlinkt.

* Philippe Aigrain ging Michel Bauwen’s erste Frage an und gab einen Überblick über 10 verschiedene Möglichkeiten Commons zu finanzieren; seine Folien und Notizen sind gut selbsterklärend.

* Pat Mooney stellte das Thema Openness und DIY zur Diskussion – Gibt es auch Fälle in denen Open Access Gefahren birgt? Als Beispiel führte er das BioBricks Projekt an. BioBricks ist eine von Wissenschaftlern des MIT, Harvard und UCSF gegründete Stiftung, die Information über DNA Sequenzen so online und open access verfügbar macht, dass sie direkt nachbaubar sind. Die DNA kann zu neuen Kombinationen zusammengesetzt, sowie eingebaut als Vektoren in Bakterien direkt zur Proteinsynthese genutzt werden. Mooney deutete auf die Gefahren hin, jedem Menschen (dem Amateur als auch der Industrie) genetische Bausteine an die Hand zu geben. In der Diskussion war das Gegenargument dass nur durch Offenheit solchen Gefahren auch entgegengewirkt werden kann – je mehr Leute sich auskennen, umso bessere Gegenmittel gegen synthetisierte Viren z.B. können gefunden werden.

Mooney sprach über weitere Gefahren für die biologischen Commons durch den Markt, wie die Patentierung von Genen und die kommerzielle Ausbeutung von Biodiversität mit ungleicher Verteilung der Erträge. Er wies auf die Gefahren der Green Economy und der damit verbundenen zunehmenden Kommerzialisierung von Biomasse hin.
Wichtige Handlungsfelder sind in allen Beispielen die Organisationsform, Vereinbarungen und Lizenzen, auf die man sich im Umgang mit dem jeweiligen Commons einigt, sowie rechtliche Vereinbarung, dass z.B. Gen Patente generell nicht legal sind. Er wies ebenfalls auf die Gefahr zunehmender staatlicher Überwachung hin, je mehr potenziell gefährliche technologische Möglichkeiten zur Verfügung stehen.

Pat Mooney fasst seine Thesen in einem Interview zusammen, das hier ganz bald verlinkt wird.

* James Bernard Quilligan gab einen interessanten Abriss über die Entwicklung von Wirtschaftssystemen in den letzten 100 Jahren, inklusive der Theorien und Annahmen auf denen diese beruhen (hier ein aktueller Artikel von Quilligan). Während das Erbringen von Werten dem Markt und das Management von Ressourcen eher dem Staat überlassen werde, hätten die Commons hier aktuell keinen Platz, obwohl sie auch beide Funktionen erbringen. Auch die klassische Zivilgesellschaft in ihrer heutigen Form berufe sich auf die liberale Idee der Trennung von Produzenten und Konsumenten, sowie finanziere sich entweder durch Markt oder Staat, d.h. versuche keine neuen, community-/commons-basierten Ansätze.

* Thomas Greco sprach über Credit Commons, über community-basierte Währungen, die Unabhängigkeit von globalen Währungssystem schaffen. Das moderne Geld, mit Kredit gleichzusetzen, basiere auf dem System des Wachstums mit immer stärker steigenden Schulden, und sei monopolisiert von den Banken verwaltet obwohl wir eigentlich alle Teilhaber seien. Er setzt sich für die Schaffung unabhängiger community-basierter Währungen ein und gab verschiedene Beispiele, wie z.B. die schweizerische WIR Bank, die schon seit 1934 mit heute 60.000 Teilnehmern mit einem eigenen Währungssystem arbeitet.

Es waren nicht nur westliche Herren über 50 bei der Konferenz wie die Auswahl der Beispiele vermuten lässt, sondern auch viele Frauen und jüngere Menschen mit interessanten Projekten, z.B. das Shareable Magazin* oder die Projektgruppe Karlshof aus Berlin.

* Aus Ecuador kamen einige Teilnehmer, bis zur Ministerin, die das Projekt Yasuni-ITT vorstellten. Eine große Region Amazonas Regenwald im Osten des Landes soll von der Ölförderung ausgenommen werden, um die Biodiversität zu schützen und Wald auch zum Klimaschutz zu erhalten. Zur Realisierung möchte Ecuador von der internationalen Staatengemeinschaft die Hälfte des ansonsten aus Ölerträgen zu erwirtschaftenden Ertrages in einem von der UN organisierten Fonds sammeln. Das Modell zum Erhalt eines global relevanten Commons wäre in diesem Fall das Modell #7 aus dem Schema von Philippe Agrain, ein Public Trust. Das deutsche Entwicklungsministerium hat sich übrigens von diesem Projekt erst vor wenigen Wochen zurückgezogen.

Eine gesamte Liste aller Teilnehmer und ihrer Projekte findet sich im Konferenzwiki, ebenso die Mitschriften einiger Sessions und der Abschlussdiskussion.

Weiter geht’s dann auf Veranstaltung wie z.B. dieser Commons Konferenz in Indien im Januar 2011.

Aufgrund des sehr breiten Spektrums an Themen und Projekten hat sicher jeder etwas Neues gelernt und Gedankenanstöße aus einer ganz anderen Richtung bekommen. Als zentrale Punkte haben sich für mich die von Michel Bauwens eingangs erwähnten 3 Fragen, ergänzt durch die Frage der Organisation von Commons Modellen (Prozesse, Social Chartas, Lizenzen ..) herausgestellt. Insgesamt sprachen sich die Teilnehmer dafür aus, commons- und community- basierte Modelle zu realisieren, fortzuführen und erfolgreich zu machen, die Commons als dritte Kraft neben Staat und Markt zu stärken, und diese damit weniger wichtig zu machen.

* In einer weiteren Veranstaltung in Open Design City gestern am 4. November ging das Gespräch mit Neil Gorenflo von Shareable in ähnliche Richtung weiter. Weitere Beispiele wie Car-Sharing, Couch Surfing etc. zeigen wie man mit Commons Organisationsformen mit weniger Geld aus dem klassischen Wirtschaftssystem auskommt und auf Basis anderer Werte agiert. Diskutiert wurde hier weiterhin inwiefern die Breite der Gesellschaft von solchen Konzepten erreicht werden kann. Auch hier kam man am Ende überein, sich prioritär auf die neuen Organisationsformen und Stärkung der Commons zu konzentrieren, vielleicht werden die anderen davon überzeugt oder eben Staat und kapitalistischer Markt werden irgendwann weniger wichtig.

February 21 2010

Gemeingüter: Wohlstand durch Teilen

Montag Abend um 19:30 Uhr wird in der Heinrich Böll Stiftung in Berlin der Gemeingüter-Report auf einer Veranstaltung vorgestellt. Aus der Ankündigung:

Gemeingüter: Wohlstand durch Teilen
Präsentation und Diskussion des Reports

Vier Monate nach der Verleihung des Wirtschaftsnobelpreises an Elinor Ostrom, der weltweit führenden Gemeinguttheoretikerin, fasst die Heinrich-Böll-Stiftung die aktuelle politische Debatte zur Wiederentdeckung der Gemeingüter und vielfältige gemeingüterorienterte Formen des Wirtschaftens in einer neuen Publikation zusammen.

Der Report: “Gemeingüter: Wohlstand durch Teilen” von Silke Helfrich, Rainer Kuhlen, Wolfgang Sachs und Christian Siefkes gibt einen – durch Geschichten aus aller Welt illustrierten – Überblick über die moderne Debatte zu dem Netz, das die Gesellschaft trägt. Er skizziert mit der Gemeinen Peer Produktion eine Wirtschaftsweise, die auf Gemeingütern beruht und sie reproduziert. Er beschreibt, warum Gemeingüter den gedanklichen Rahmen liefern für eine demokratische, nachhaltige Gesellschaft, in der sich der Einzelne entfaltet und das Ganze gedeiht.

Mit den Autoren:
Silke Helfrich, commonsblog.de
Prof. Wolfgang Sachs, Wuppertal Institut
Prof. Rainer Kuhlen, Informationswissenschaftler
Dr. Christian Siefkes, Softwareentwickler und Autor

Kommentar:
Mathias Greffrath, Schriftsteller und Journalist

Moderation:
Christiane Grefe, Journalistin der ZEIT

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January 27 2010

Das Public Domain Manifesto

Das Netzwerk Communia hat in den letzten Tagen ein Manifest für die Public Domain veröffentlicht:

The digital networked information society has brought the issue of the Public Domain to the foreground of copyright discussions. In order to preserve and strengthen the Public Domain we need a robust and up-to-date understanding of the nature and role of this essential resource. This Public Domain Manifesto defines the Public Domain and outlines the necessary principles and guidelines for a healthy Public Domain at the beginning of the 21st century.

Das Manifest betont die Bedeutung gemeinfreier Werke und der Schranken des Urheberrechts für unsere Gesellschaft. Es erinnert daran, dass die Public Domain gepflegt werden muss, um der Allgemeinheit zugute zu kommen:

Taken together, the public domain, the voluntary sharing of works and exceptions and limitations to copyright, fair use and fair dealing go a long way to ensure that everyone has access to our shared culture and knowledge in order to facilitate innovation and cultural participation for the benefit of the entire society. It is therefore important that the Public Domain in both its incarnations is actively maintained so that it can continue to fulfill this key role in this period of rapid technological and social change.

Das Manifest enthält zudem eine Liste mit neun Empfehlungen, die vor allem in Novellen von Gesetzen zum Urheberrecht einfließen sollten. Wichtig ist auch die Feststellung, “The Public Domain is the rule, copyright protection is the exception.” Diese Tatsache wird leider allzu häufig übersehen.

Zu den Erstunterzeichnern des Manifests gehören Organisationen wie Creative Commons und internationale Wissenschaftler, darunter Lawrence Lessig und Urs Gasser. Das Manifests kann nun auch öffentlich unterzeichnet werden.

(via)

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