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December 02 2010

Unschuld in Gefahr: “Miss Charity” und die Spendengeldern

Müsste ich an dieser Stelle noch einmal schreiben, was ich von “Innocence in Danger” und den Methoden des Vereins halten, wäre das wohl eine proaktive Bewerbung um eine Abmahnung Strafanzeige, wie sie die Kollegen von der Berliner Zeitung erhalten haben sollen.

Darauf verzichte ich dankend (Wer mag, kann zur Einstimmung ja noch einmal diesen etwas älteren Text von Stefan Niggemeier lesen. Oder diesen etwas neueren.). Ich will auch nicht noch einmal auf Stephanie zu Guttenbergs verantwortungslose Zockerei bei “Wer wird Millionär” rumreiten …

Gerne verweise ich aber auf die Berichte, die in den letzten Tagen in der Berliner Zeitung, der Frankfurter Rundschau, der Süddeutschen und bei Telepolis erschienen sind. Sie beschäftigen sich mit Frage, wie es bei “Innocence in Danger” mit der Transparenz im Umgang mit Spendengeldern bestellt ist und welche Hilfsprojekte die “kleine Mannschaft” (O-Text IiD-Reaktion, PDF) konkret betreut. Die Ergebnisse der Recherchen sind durchaus aufschlußreich.

# Experte im FR-Interview: „Seriöse Vereine legen ihre Finanzen offen“ (Matthias Thieme, Frankfurter Rundschau, 27.11.2010)
# Spenden: Vorwürfe gegen „Innocence in Danger“ (Matthias Thieme und Katja Tichomirowa, Frankfurter Rundschau, 29.11.2010)
# Fragen an den Hilfsverein (Matthias Thieme, Frankfurter Rundschau, 29.11.2010)

Der Verein “Innocence in Danger” bekommt viele Spenden und kann oder will nicht ansatzweise plausibel erklären, wie dieses Geld verwaltet und ausgegeben wird. Stephanie zu Guttenberg sollte das schleunigst aufklären.

# Undurchsichtige Finanzen, dubiose Methoden (Katja Tichomirowa und Matthias Thieme, Berliner Zeitung, 27.11.2010)
# “Lieber eine transparente Organisation bevorzugen” (Matthias Thieme, Berliner Zeitung, 27.11.2010)
# Fehlende Transparenz (Katja Tichomirowa und Matthias Thieme, Berliner Zeitung, 30.11.2010)
# Wundern über das Schweigen (Matthias Thieme, Berliner Zeitung, 02.12.2010)

Anmerkung: Wer sich wundert, dass die Artikel nicht nur fast wortgleich sind, sondern auch von den gleichen Autoren verfasst wurden: Die “Frankfurter Rundschau” und die “Berliner Zeitung” gehören zur “DuMont-Redaktionsgemeinschaft” und teilen sich als solche redaktionelle Ressourcen und einzelne Artikel.

# Frau zu Guttenberg, die verfolgte Unschuld (Stefan Niggemeier, Bildblog, 29.11.2010)
# Innocence in Danger und deren ungewohntes Schweigen (Bettina “Twister” Winsemann, Telepolis, 01.12.2010)
# Miss Charity meldet sich zu Wort (Thomas Denkler, Süddeutsche Zeitung, 02.12.2010)

Stephanie zu Guttenberg reagiert mit einer Mini-Transparenzinitiative auf kritische Berichte zu ihrem Kinderschutz-Verein “Innocence in Danger”. Wirklich erklärt hat sie wenig.

Interessant ist zudem noch ein anderer Punkt, den Denkler auf der dritten Bildschirmseite seines Artikels herausarbeitet. Ziel von “Innocence in Danger” sei nicht die konkrete Arbeit mit Betroffenen – dort beschränke man sich auf “Ah-hoc-Aktionen” (Das fehlende “öffentlichkeitswirksame” bitte selber denken), – sondern die “Vernetzung und Koordinierung vorhandener Beratungsstrukturen”. Hinzu kommen “Maßnahmen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit durch Schaltung von Plakataktionen sowie durch die Entwicklung und Umsetzung von geeigneten Medienkampagnen”.

Das ist ein schönes Ziel (Bitte nicht abmahnen, es steht nun einmal so in der Satzung …). Insbesondere, weil der, der vernetzt und koordiniert, natürlich immer auch in einer Machtposition gegenüber den – oft kleinen – Initiativen ist, die koordiniert werden sollen (und geradezu chronisch pleite sind).

An dieser Stelle denken wir uns bitte kurz wie “Innocence in Danger”-Geschäftsführerin Julia von Weiler die Augen aufschlägt und “Das ist so gemein!” (vgl. “Tatort Internet”, Folge habe ich mir nicht gemerkt) sagt. Aber hee, nicht alle sind gemein zu “Innocence in Danger”.

Ganz andere Töne schlägt derweil nämlich die Miss Charity Der Engel der missbrauchten Kinder Stephanie zu Guttenberg mit einem Unterstützerstück hilfreich zur Seite eilende FAZ-Autorin Melanie Mühl an:

# “Innocence in Danger”: Man muss nur die richtige Frage stellen (Melanie Mühl, FAZ, 01.12.2010)

Am Ende bleibt von allen Vorwürfen nichts. Ziemlich riskant, in der Adventszeit, in der Spendenvereine mit Neid aufeinander schauen, von „Spendensumpf“ zu reden.

Nun, in der Süddeutschen liest sich das irgendwie anders.

PS: *Räusper* Darf ich in diesem Zusammenhang evtl. auch gleich fragen, wann die “Profiblogger” zurücktreten, die als “Stützen der Gesellschaft” im FAZ.net – nach eigenen Angaben – gutes Geld verdienen? Ach nein, das wäre albern.

Disclosure: Ich “blogge” selber für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und dem FAZ.net unter einem Dach gebündelt ist. Evtl. sollte ich mich da also einfach raushalten (Auch wenn ich mich a) als freier Mitarbeiter natürlich in keinster Weise für den Verlag äussern kann und will und b) hier im Blog ausschließlich meine private Meinung vertrete).

November 06 2010

Geschichtsstunde: BKA-Pressekonferenz zu Netzsperren (27.08.2008)

Am Mittwoch wird es wieder spannend. Vor dem Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages findet eine öffentliche Anhörung zum Zugangserschwerungsgesetz statt. Die Veranstaltung wird von Experten mit einiger Spannung erwartet, dürfte ihr Ausgang doch von (mit-)entscheidender Bedeutung für das Thema Websperren in Deutschland sein.

Die Liste der Sachverständigen (PDF) liest sich aus Kritikersicht durchaus erfreulich. Eine Live-Übertragung im Parlamentsfernsehen wird es aber wohl nicht geben, da parallel die 70. Sitzung des Bundestags angesetzt ist. Es wäre also nett, wenn ein Besucher live mitschreiben könnte. Danke!

Quasi zur Einstimmung auf die Anhörung haben wir ein wirklich wunderbares Fundstück in den Tiefen des Web entdeckt. Und zwar einen Ausschnitt (Youtube HD) der gemeinsamen Pressekonferenz von BKA und “Innocence in Danger”, auf der am 27.08.2008 zum ersten Mal ein Gesetz zum Access-Blocking gefordert wurde:

(Youtube Direkt-HD: https://www.youtube.com/watch?v=h48NGskNmUA&hd=1)

Viele der “Argumente”, die BKA-Chef Ziercke mit staatstragender Empörung vorbringt (Hier ein Transcript des Abschnitts), konnten inzwischen widerlegt werden. Bemerkenswert ist das Fundstück aber vor allem wg. Zierckes Schlußsatz:

“In diese Diskussion, und das passt jetzt eigentlich nicht zu diesem Thema der Kinderpornografie, aber ich erwähne es trotzdem, ist ganz dringend auch die Sperrung von Webseiten mit fremdenfeindlichen und antisemitischen Inhalten im Internet einzubeziehen.”

Ich wollte es nur noch einmal erwähnen, falls demnächst wieder jemand behauptet, es ginge doch nur um Kinderpornographie. Siehe dazu auch:

Access Blocking – Kooperation mit dem BKA

In 2008 wurde die inhaltliche Kooperation mit dem Bundeskriminalamt intensiviert. [...] Angesichts der steigenden Zahlen [...] forderte das BKA gemeinsam mit „Dunkelziffer e.V.“ aus Hamburg und „Innocence in Danger“ eine gesetzliche Verankerung des „Access Blocking“ von Internetseiten mit illegalem Inhalt – insbesondere Kinderpornographie!
Im November 2008 hat sich die Bundesfamilienministerin, Ursula von der Leyen, dieser Forderung angeschlossen und treibt seit dem eine allseits verbindliche Regelung voran.

(Quelle: “Jahresbericht 2008” (PDF), Innocence in Danger, 11.05.2009. Abgerufen am 06.11.2010. Hervorhebung von mir.)

October 14 2010

“Tatort Internet”: Aufklärung oder moderner Pranger?

Nur kurz, da ja noch immer einige glauben, die Fallbeispiele der RTL2-Reihe “Tatort Internet” seien gescriptet und die Beschuldigten im wahren Leben Schauspieler. Dem ist nicht so. Spiegel Online hatte inzwischen Kontakt zu einem der Geouteten:

Seine Adresse, sein Arbeitgeber und seine Telefonnummer wurden dann in der Nacht auf den 12. Oktober in einem Internet-Forum veröffentlicht. Ebenso mehrere Fotos des Mannes. Mit dem Vermerk, das sei ja wohl in Ordnung, wenn es um Kinderschänder gehe.

Nun steht der Mann als vermeintlicher Kinderschänder da – dabei ist nicht geklärt, ob er sich einer Straftat schuldig gemacht hat.

Der Mann bestätigte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, dass er der Betreffende aus der Sendung sei. Bei ihm zu Hause sei “die Hölle” los, schreibt er in einer Mail: “Telefonterror, Beschimpfungen”, Facebook-Kontakte würden mit Mails überschüttet. Auch seine Familie werde massiv bedroht. [...]

Der Verein ‘Innocence in Danger’, der die Sendereihe begleitet, wollte die Enttarnung auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht kommentieren. Stephanie zu Guttenberg, Präsidentin des Vereins und Ministergattin, die die erste Sendung prominent unterstützt hatte, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Heise Online berichtet derweil, dass sich auch die hessische Landesmedienanstalt erneut mit dem Format beschäftigt:

Die umstrittene RTL-II-Sendung “Tatort Internet” über mutmaßliche Kinderschänder wird von der Medienaufsicht unter die Lupe genommen. Die für den Privatsender zuständige Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien überprüft, ob bei dem Format medienrechtliche Vorgaben eingehalten werden, wie eine Sprecherin am Donnerstag der dpa sagte. Dabei gehe es vor allem um den Jugendschutz sowie um die Persönlichkeitsrechte von Opfern und mutmaßlichen Tätern.

Reposted bymondkroete mondkroete
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