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October 09 2013

Auch in Hamburg mehr “Stille SMS” und Ausforschung von “Telekommunikations-Verkehrsdaten”

Die Hamburger Linksfraktion hat drei Anfragen zu digitalen Überwachungsmaßnahmen gestellt (Stille SMS und Peilsender, Telekommunikationsüberwachung, Institutionalisierte Zusammenarbeit von polizeilichen und geheimdienstlichen Behörden). Heraus kam beispielsweise, wie oft Geheimdienste Peilsender in Fahrzeuge einbauen um diese zu orten.

Details für die Polizei bleiben aber geheim, unter anderem weil man sich das lästige Führen von Statistiken erspart. So erfahren wir nicht, welche und wie viele Sendegeräte in Hamburg existieren:

Der Einsatz dieser technischen Mittel kann für Polizei, Steuerverwaltung und LfV bestätigt werden. Darüber hinausgehende Angaben im Sinne der Fragestellung zur Polizei könnten Rückschlüsse zulassen, die den Erfolg strafprozessualer oder gefahrenabwehrender verdeckter Maßnahmen gefährden würden. Aus diesem Grund wird von weiteren Angaben abgesehen.

Für das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) wird mitgeteilt, dass durch “Einsätze von technischen Mitteln zur Positionsbestimmung” bislang sieben Personen betroffen waren. Als Rechtsgrundlage verweist die Hamburger Innenbehörde auf die Abhörparagrafen §§ 100a, 100g, 100h und 100i der Strafprozessordnung sowie das Hamburger Verfassungsschutzgesetz. Auch die Steuerverwaltung setzt Peilsender ein, um “Fälle schwerer Steuerhinterziehung” aufzuspüren. Mindestens drei Einsätze werden laut der Antwort verzeichnet.

Neue Angaben gibt es auch zum Versand von “Stillen SMS”. Die Polizei Hamburgs hat demnach im Jahr 2012 insgesamt 137.522 “Ortungsimpulse” versendet. Ein leichter Anstieg ist erkennbar, denn im ersten Halbjahr 2013 wurden schon 77.021 Telefone heimlich angepingt. Immer noch wird hierfür eine Software des Landesamts für Zentrale Polizeiliche Dienste in Nordrhein-Westfalen genutzt. Es kann sich aber um ein kommerzielles Programm handeln, denn der polizeiliche Technik-Dienstleister würde dies laut der Antwort “verwalten”.

Für die Polizei werden keine Details zu den betroffenen MobilfunkteilnehmerInnen gemacht. Anders beim Verfassungsschutz, dessen Zahlen stutzig machen: 2012 wurden 52 “Stille SMS” an 14 Betroffene geschickt. Die Zahl der ist bis Ende August 2013 rasant gestiegen. Jedoch gingen die 263 verschickten “Ortungsimpulsen” angeblich nur an drei Verdächtige. Wie viele Straftaten auf diese Weise ermittelt oder gar verhindert worden seien, vermag der Senat nicht zu beantworten: Die benötigten Daten würden “weder bei der Polizei noch bei der Staatsanwaltschaft gesondert statistisch erfasst”.

Auffällig unterschiedliche Zahlen verzeichnen auch die unterschiedlichen Zählweisen zu “Maßnahmen der Telekommunikationsüberwachung”. So seien laut der Staatsanwaltschaft in 2012 lediglich 208 Anordnungen zum Abhören ergangen. Die Polizei verzeichnet jedoch für den gleichen Zeitraum ganze 2.169 Maßnahmen. Der Senat hat hierfür eine einfache Erklärung:

Die unterschiedlichen Zahlen der Polizei und der Staatsanwaltschaft hinsichtlich der Anzahl der Maßnahmen nach § 100a Strafprozessordnung ergeben sich nicht nur aus den unterschiedlichen Erfassungssystemen, sondern auch mit Rücksicht auf die erfassten Sachverhalte. In den gezählten Verfahren der Staatsanwaltschaft Hamburg können auch Telekommunikationsüberwachungen anderer Behörden als der Polizei Hamburg enthalten sein (zum Beispiel Zollfahndung und Bundeskriminalamt). In der Statistik der Polizei Hamburg können auch solche Telekommunikationsüberwachungsmaßnahmen enthalten sein, die im Rahmen von Verfahren für auswärtige Staatsanwaltschaften durchgeführt worden sind.

Zu den “Maßnahmen der Telekommunikationsüberwachung” gehört auch die Funkzellenabfrage durch Polizei und Verfassungsschutz. Weil hierzu aber keine Statistiken geführt werden, wird dies allgemein unter der Erfassung von “Telekommunikations-Verkehrsdaten” subsumiert. Auch hier ist allerdings ein rasanter Anstieg erkennbar: Wurden 2010 noch in 474 Verfahren entsprechende Daten erhoben, stieg die Zahl 2011 auf 637. Im Jahr 2012 wurden in 852 Verfahren “Telekommunikations-Verkehrsdaten” gesammelt.

Der Inlandsgeheimdienst legt sich überdies eine eigene Vorratsdatenspeicherung aus dem Internet an. Laut der Antwort durchsucht der Hamburger Verfassungsschutz das Internet “regelmäßig nach Suchbegriffen, die sich auf Organisationen, Personen und Aktivitäten aus dem Bereich politischer Extremismus beziehen”. Darüber hinaus würde auch “gezielt die Entwicklung von Accounts erkannter Extremisten in den sozialen Netzwerken (z.B. Facebook) verfolgt”.

Dort erlangte Fotos von Betroffenen können mit Software zur computergestützten Bildersuche weiterverwendet werden. Das LfV setzt ein “Software-Produkt für Zwecke der Bildverbesserung” ein, dessen Eignung auch für Bildvergleiche getestet wurde. Letzteres sei aber ergebnislos gewesen.

Ganz anders bei der Abteilung Kriminaltechnik des Landeskriminalamtes (LKA): Dort wird die Software “X-Ways Forensics” der Firma X-Ways Software Technology AG eingesetzt. Damit kann nach Grafikformaten gefiltert und mit anderen Bildern abgeglichen werden. Seit 2012 nutzt das LKA überdies die Software “EarsWeb” der Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik e.V. Bei Wohnungseinbrüchen aufgespürte Ohrabdruckspuren könnten damit verglichen werden.

Interessant übrigens auch wie sich die Kooperationen von Bundes- und Landesbehörden für ein Bundesland wie Hamburg gestaltet. Alle Geheimdienste und Polizeien sind sind an zahlreichen Arbeitsgruppen der sogenannten “Gemeinsamen Zentren” auf Bundesebene beteiligt, darunter dem “Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum” (GTAZ) oder dem “Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum” (GETZ).

Der Senat teilt nun mit, dass auch in Hamburg eine “regelmäßige Kooperation” von Polizei und Diensten existiert. Das hierzu eingerichtete Gremium ist eine monatlich tagende “Koordinierungsrunde”. Dort treffen sich das Landes- und Bundesamt für Verfassungsschutz, das Landeskriminalamt, die Bundespolizei und die Staatsanwaltschaft Hamburg. Mit dabei ist auch stets der Militärische Abschirmdienst und der Bundesnachrichtendienst.

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October 05 2013

“Vom kleinen Zettelkasten über einfache Tabellen bis hin zu den automatisierten Sammlungen des polizeilichen Informationssystems”

Schon damals unübersichtlich: Polizeiliche Informationssysteme 1982

Schon damals unübersichtlich: Polizeiliche Informationssysteme 1982

Drei Kleine Anfragen der Linksfraktion widmen sich derzeit polizeilichen Datensammlungen des Bundeskriminalamtes (BKA), des Zollkriminalamtes (ZKA) und der Bundespolizei. Die Abgeordnete Ulla Jelpke hatte sich bereits im August nach dem “Umfang der zum Zwecke der Prävention geführten polizeilichen Dateien (2013)” erkundigt. Heraus kam, dass das BKA 2012 rund 23,6 Millionen Personendatensätze speicherte, 2011 waren es noch 15,7 Millionen. Alle Dateien sind in der Antwort des Bundesinnenministeriums im Anhang aufgeführt (siehe auch den Bericht von Christiane Schulzki-Haddouti bei heise.de).
Die Linksfraktion hat nun eine weitere Anfrage zur Klärung der Zunahme eingereicht. Beide parlamentarische Initiativen befassen sich vornehmlich mit der vermeintlichen “Gefahrenabwehr”. Was also noch fehlt, sind Daten zu allen anderen “Strafverfolgungsdateien der Bundessicherheitsbehörden”.

Die schon vorliegende Antwort zeigt einen signifikanten Anstieg beispielsweise in den Datensammlungen “Politisch motivierte Kriminalität” (PMK) zu “Straftäter linksmotiviert” (8.181 Personen) und “Straftäter rechtsmotiviert” (17.840 Personen). Als “Straftäter politisch motivierte Ausländerkriminalität” werden 3.356 Personen gespeichert. Die Bundesregierung nennt diese Zuordnungen politischer Orientierung einen “personengebundenen Hinweis”.

In der Datei “Innere Sicherheit” (auch als “INPOL” bezeichnet), dem größten polizeilichen Informationssystem, werden allerdings mit 89.423 Personen noch mehr Betroffene politisch kategorisiert. Dort wird zu “rechts” von 50.107 Personen gesprochen, zu “links” von 22.837 Personen und zu “Ausländerkriminalität” von 7.160 Personen. Wie in den PMK-Dateien werden in INPOL nicht nur Beschuldigte und Verdächtige gespeichert, sondern auch “Hinweisgeber/ Zeuge/ sonstige Auskunftspersonen” sowie angetroffene “Kontakt-/ Begleitpersonen” oder “Sonstige Personen”. Alle Informationen werden im Bereich des polizeilichen Staatsschutzes genutzt und zur “Verhütung und Verfolgung von Straftaten mit länderübergreifender, internationaler oder anderer erheblicher Bedeutung” vorgehalten.

Dateien, Tabellen, Datensätze?

Im Wirrwarr polizeilicher Vorratsdatensammlungen wird gern von Dateien gesprochen. Das BKA führt beispielsweise Dateien mit Personen- und Sachdaten, die in der INPOL-Datensammlung zusammengefasst sind und allen Landeskriminalämtern zugänglich sind. Hierzu gehören Verbunddateien (werden von Landeskriminalämtern gespeist) und Zentraldateien (BKA speichert selbst). Hinzu kommen die Amtsdateien, wo das BKA Informationen verarbeitet die andere Stellen zunächst nicht erhalten können.

Das Bundesinnenministerium klärt auf, dass Dateien als “datenbankbasierte IT-Systeme” bezeichnet werden. Diese können in “Teilmengen” gesplittet werden, die unterschiedlichen Benutzergruppen oder “Anwendungsprogrammen” zugänglich gemacht werden. Deshalb sollten Abgeordnete nicht stets nach “Datensätzen” fragen, denn je nach Fragestellung “müssen in einer konkreten Abfrage die technischen Informationsobjekte innerhalb der Datenbank zu Datensätzen gruppiert werden”. Weiter heißt es:

Dateien können nicht nur nach Zweck und Rechtsgrundlage, sondern auch nach Umfang und technischer Umsetzung große Unterschiede aufweisen. Vom kleinen Zettelkasten über einfache Tabellen bis hin zu den automatisierten Sammlungen des polizeilichen Informationssystems. Das Gesetz differenziert in § 46 Absatz 1 Satz 1 des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) lediglich zwischen automatisierten und nicht automatisierten Dateien.

Auch die Auswertungsfunktionen werden stetig erweitert. Das BKA nutzt als Analysesoftware beispielsweise die Anwendungen ArcGis von der Firma ESRI (früher Map&Market der Firma PTV), um Vorgänge georeferenziert darzustellen. Mit Infozoom der Firma humanIT, Analyst’s Notebook von IBM oder auch Microsoft Excel werden Massendaten, etwa aus der Telekommunikationsüberwachung, verarbeitet. Ziel ist das Erkennen von “Kreuztreffern”, also identischen Personen oder Objekten in unterschiedlichen Datensammlungen.

Die Dateien enthalten aber auch Datenfelder zur “freitextlichen Erfassung”, in denen die Polizei willkürliche Notizen zusammenträgt. Diese “nicht katalogisierbare Datenfelder” dürften von der automatisierten Analyse ausgeschlossen sein. Im Gesetz zur neu errichteten “Rechtsextremismusdatei” ist jedoch erstmals von “erweiterten Auswerte- und Analysefunktionen” die Rede:

Die erweiterte Datennutzung im Sinne des § 7 RED-G bedeutet die Herstellung von Zusammenhängen zwischen Personen, Orten und Sachen, die Aggregierung und die Verknüpfung der Daten sowie die statistische Auswertung. Das könnte zum Beispiel heißen, dass Tatorte oder Aufenthaltsorte von Verdächtigen kartenmäßig, grafisch oder auf andere Weise dargestellt und damit räumliche Verteilungen ersichtlich werden, dass Beziehungsgeflechte von Verdächtigen visualisiert oder dass Reiseaktivitäten des rechtsextremistischen Personenpotenzial in der Datei nachvollziehbar werden.

Der Passus soll wohl erlauben, neuere Software zum Durchforsten von “Big Data” einzusetzen. Ursprünglich sollte dies im 4. Quartal 2013 implementiert werden, nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur “Antiterrordatei” vom April diesen Jahres wurde das Ansinnen aber “zunächst zurückgestellt”.

How to get out?

Fraglich ist oft, wie Daten von Betroffenen wieder aus polizeilichen Informationssystemen gelöscht werden können. Häufig geschieht dies erst, wenn mit Auskunftsersuchen nachgefragt wird. Denn sonst kann es lange dauern, schließlich dient die Speicherung einer diffusen “Gefahrenabwehr”:

Diese werden grundsätzlich nur so lange gespeichert, bis ein Gefahrenabwehrvorgang abgeschlossen ist und ggf. in ein Ermittlungsverfahren überführt wird. Daher herrscht in dieser Datei eine sehr hohe Datenfluktuation.

Die Anzahl eingegangene Ersuchen auf Auskunft (sogenannten “Petentenanfragen”) hat offensichtlich leicht abgenommen: Während beim BKA 2011 noch 1.399 Ersuchen eingingen, waren es 2012 noch 1.298. Aufgrund einer “Systemumstellung” können für das laufende Jahr 2013 “keine aussagekräftigen Zahlen mitgeteilt werden”.

Wer wissen will, welche Daten Polizei und Geheimdienste über sie und ihn speichern, sei auf den “Generator für Auskunftsersuchen” des hilfreichen Informationsdienstes datenschmutz.de verwiesen. Dort gibt es auch allerlei weitere Erläuterung zur unübersichtlichen deutschen Dateienlandschaft.

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