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December 06 2011

Lobbyismus in Großbritannien

In der britischen Presse wird zur Zeit erörtert, was man von einem im Independent erschienenen Bericht zu halten hat. Diesem zufolge ist der Einfluss der Lobbyisten von Bell Pottinger groß genug, um die Handlungen von u.a. Premierminister Cameron zu lenken.

Cameron soll auf Betreiben der Lobbyisten hin mit Chinas Premierminister telefoniert haben, um die Fälschung von Produkten eines Bell-Pottinger-Kunden zu unterbinden. Investigativen Journalisten, die sich als Vertreter Usbekistans ausgaben, soll angeboten worden sein, Google so zu manipulieren, dass unliebsame Berichte über Menschenrechtsverletzungen aus den Trefferlisten verschwänden. Und sogar die Manipulation von Wikipedia-Inhalten soll für Bell Pottinger kein Ding der Unmöglichkeit sein.

Ein Regierungssprecher reagierte mit diesem Dementi:

It simply isn’t true to say that Bell Pottinger or any other lobbying company has influenced Government policy

Die Google-Optimierung scheint ein recht zeitaufwändiges Unterfangen zu sein. Das Beispiel, mit dem man sich brüstete, war die Verbannung eines Artikels aus den ersten 10 Trefferseiten von Google innerhalb von drei Monaten. Dieser Geschäftszweig ist übrigens schon seit 2007 kein Geheimnis.

September 22 2011

Die dmexco überleben: Survival in der Einöde des Digital Marketing

Zwei Tage verbrachte ich jüngst in Köln, wo die jährliche Digital-Marketing-Fachmesse Digital Marketing Exposition & Conference (dmexco) abgehalten wurde. Diese Messe ist so eine Art Klassentreffen jener BWL-Studenten, die nach dem Studium “was mit Internet”, und dort möglichst die große Kohle machen wollten. Und was machen sie auf diesem Treffen? Sie versuchen sich gegenseitig etwas zu verkaufen.

Herauszufinden, was genau das denn so ist, sollte mein Ziel sein. Ich wollte diese Lebensform des Online-Marketing-Experten, seine Überzeugungen, Träume und Ziele verstehen und in dieser Expedition ins Ungewisse erforschen. Und ach! Wie ernüchternd war dieser kurze und schmerzhafte Einblick in die Lebens- und Denkweisen der Digital Marketing Professionals!

Schnell lernt der dmexco-Besucher, in der Mitte der Gänge zu laufen, und nicht stehenzubleiben. Wer diese Regel missachtet, macht sofort Bekanntschaft mit einer jener tausenden freundlichen und gesichtslosen Damen, die ihre Einstellungsqualifikation für den Job als Hostess in wenig und engen Stoff gehüllt präsentieren. Man muss dann – das ist wohl so Brauch – an einer Verlosung eines iPad2 teilnehmen. Kaum ein Stand, an dem mir nicht versprochen wird, dass es schon bald in meiner Post liegen könnte. Wer daraus Rückschlüsse auf Kreativität und Ideenreichtum der Aussteller zieht, läuft wenig Gefahr, widerlegt zu werden. Zwecks Verlosungsteilnahme ist das Aushändigen einer Visitenkarte natürlich unausweichlich, schließlich geht es hier um Kontakte, Kontakte, Kontakte!

Wenn man die hübsche (minderjährige) Annabell, Chantall oder Suse dann mal nach den Geschäftsfeldern ihres Arbeitgebers fragt, glänzt sie mit fehlerfreier Aussprache branchenüblicher Zungenbrecher wie Integrated Multichannel-Email-Marketing, High-Quality SEO-Content oder Return-of-Investment-Optimization. Auf Nachfrage, was das denn bedeute, stellt sie einem schnell einen der im hinteren Teil des Standes befindlichen Anzugträger vor, der Titel wie Chief Social Media Relations Optimization Strategist oder Senior Content Investment Evaluation-Analyst trägt. Dieser ebenso gesichtslose Mann verspricht effizienteres Marketing, erfolgreicheres Campaigning und – natürlich – mehr Umsatz.

Gefragt nach seiner Strategie, erzählt er einem dann wahlweise von

  • Suchmaschinenoptimierung (Die Seite zur #1 auf Google machen, was die Konkurrenz sicherlich nicht versucht),
  • Nutzer-Tracking und Behavioral Targeting (den Nutzer durchs Netz verfolgen, seine Vorlieben und Interessen kennenlernen, und ihm dann das Produkt anbieten, das er am wahrscheinlichsten kauft – “Wir helfen Ihnen, Ihre Kunden wiederzuerkennen, wir geben ihnen ein Gesicht!”)
  • Mouse-Tracking (Wohin bewegt der Nutzer seine Maus, was erregt seine Aufmerksamkeit? Klickt er auch schön dahin, wo meine Kasse klingelt?)
  • Conversion Rate Optimization (Erhöhung des Anteils der Seitenbesucher, die auch tatsächlich etwas kaufen)
  • Return of Investment (Steigert die Werbemaßnahme meinen Umsatz?)
  • Social Campaigns (Marketing über Facebook, Twitter etc.)
  • und allen möglichen Tools zur Auswertung des Erfolges von Werbemaßnahmen in Webseiten und Apps.

Dabei kommen dann so überzeugende Slogans wie “Das Wurstfinger-Prinzip: 75% der Nutzer klicken versehentlich auf Bannerwerbung in Apps. Nutzen Sie diesen neuen Marketing-Kanal jetzt für sich!” oder Weisheiten wie “Es gibt guten und es gibt schlechten Traffic.” zum Einsatz. Dazu genießt man Kekse mit – ganz originell! – aufgedrucktem QR-Code oder klassische Schnittchen, serviert von Annabell, Chantall oder Suse.

Was ich mit meiner fiktiven Firma überhaupt mache, ist völlig egal. Ich brauche ohne jeden Zweifel das Produkt des Gegenübers, um meinen Return of Investment zu optimizen und mehr Traffic zu generaten. Guten Traffic natürlich, mit hoher Conversion Rate. Und dazu ist natürlich eine fundierte SEO vom Spezialisten unumgänglich. Allein: Mir fehlt der Inhalt.

“Ach Content! Nichts leichter als das! Natürlich haben wir Content! Buchen Sie jetzt unsere 80.000 Schreiberlinge, die ihnen 1A unique-SEO-content für Ihren Erfolg liefern. High-Quality-Content-Generation ist UNSER Fachgebiet.”

Mir war ja irgendwie klar, dass das Internet mit seinen Tracking-, Storage- und Analysis-Posibilities die World of Marketing upside down stellen würde. Plötzlich kann jeder Minimalaspekt des Wegs von first contact bis conversion detailliert analyzed und optimized werden. Da gehen Marketing-Psychologists natürlich crazy. Endlich cleane data, endlich just-in-time-results, endlich kann man seine Strategie empirically evaluaten und optimizen. Für den Success.

Es ist schon ein trauriges Bild, was diese Personen vom Internet als besserer Fernseher mit Verkaufsmöglichkeit entwerfen, und was für ein verzerrtes Bild sie sich vom Netz und seinen Nutzern trotz ihrer genauen und umfassenden Analysen gemacht haben. Was will man aber auch anderes erwarten, es sind einfache BWL’er und sie haben gelernt, auf statistische Kennwerte zu achten, was sicherlich auch nicht die schlechteste Idee ist. In jede Idee von Datenschutz ad absurdum führenden Firmen für Web-Werbung sind solche Menschen dem Gemeinwesen sicherlich immer noch weniger schädlich als in Welche-Mitarbeiter-soll-ich-entlassen-Unternehmensberatungen wie McKinsey. Und für kreativere Ideen als “Wir spionieren ihre Kunden so gut wie möglich aus”, Glückskekse mit URLs oder Handy-Sessel mit Firmanaufdruck muss man eben zu einer anderen Messe gehen.

Wer aber an 9,3 Millionen Emailadressen mit Werbeeinwilligung oder die Erfolgsversprechen einer Do-it-yourself-Intant-Facebook-Verlosungs-Quiz-App glaubt, der ist bei der dmexco genau richtig.

flattr this!

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feedback2020-admin

February 14 2011

SEO: The Dirty Little Secrets of Search

Spannende Geschichte in der New York Times über die dreckigen Tricks der Suchmaschinenoptimierung und wie diese konkret angewendet werden: The Dirty Little Secrets of Search.

January 27 2011

Kommentar: Bloggergate

Nun ist es also raus: Die Onlinekosten GmbH / BasicThinking.de unterhält eine merkwürdige Agentur für Schleichwerbung. Nun gut. Die Jungs (bzw. serverloft) waren immerhin auch bereit, für BasicThinking.de 46.902€ zu bezahlen, insofern ist nun kaum jemand moralisch von der Onlinekosten GmbH enttäuscht.

Die ersten Reaktionen auf Sascha Pallenbergs Enthüllung, die er bereits vor einigen Tagen angekündigt hatte, blieben hinter seinen Erwartungen (“Tsunami”) weit zurück. Woran liegt das? Ich denke, dass seine Entscheidung, nur die Machenschaften der Firma, nicht aber die kooperierenden Blogger auffliegen zu lassen, genau diesen Tsunami verhindert hat. Er begründet sie:

Ihr seid letztendlich die armen Schweine in diesem Spiel. Onlinekosten hat euch benutzt um richtig abzusahnen und ihr wolltet ein paar Euros nebenher machen.

Was heißt das aber im Ergebnis? Das Schleichwerbenetzwerk kann so weiter machen wie bisher. Vielleicht erhält die Onlinekosten GmbH nun auch eine Reihe an Initiativbewerbungen von Bloggern? Auch die bisher geschalteten Links bleiben der Google-Welt erhalten. Die Enthüllung hat das Geschäftsmodell in keiner Form angegriffen oder geschädigt. Nein, sie hat es sogar gestärkt: Die Schweigepflicht, der sich Pallenberg unterwirft, ist ein positives Signal an Leute, die mit solchen Methoden Geld verdienen wollen: Mit den Bloggern kann man es machen, die halten dicht.

Zahnloser Papiertiger bleiben, oder aufräumen und die Integrität der Blogosphäre stärken?
Überleg es dir, Sascha.

December 16 2009

Springer (vs.|&) Google: Mit Cloaking zum Erfolg?

Seit gestern ist ein Großteil der Inhalte des Hamburger Abendblattes im Internet nur noch kostenpflichtig erhältlich. Auch wenn der – laut Stefan Niggemeier für Mitarbeiter und Leser gleichermaßen überraschende – Schritt des Springer-Blattes für das Netz auf den ersten Blick keinen sonderlich großer Verlust bedeuten dürfte, ist er doch mit einer klaren Ansage verbunden: Bei Hamburgs größtem Lokalblatt ist’s vorbei mit kostenlos.

Vorbei? Wirklich? Nun, ausser natürlich, man stellt den so genannten “User Agent” des eigenen Webbrowser so ein, dass er sich als Google-Bot ausgibt, wie bereits gestern in einem Tweet des Kölner Pressefotografen Peter Wafzig zu lesen war.

Ja hoppla? Auf der einen Seite wird Google von Verlagsseite als Grund allen Übels ausgemacht (zum Beispiel unlängst wieder von Springer-Vorstand Axel Döpfner). Auf der anderen Seite ist Google gut genug, um der Suchmaschine für den Stammleser nicht kostenlos erreichbare Inhalte unterzuschieben und auf diese Weise potentielle Abonnenten anzulocken?

Es kommt sogar noch besser, wie Robin Meyer-Lucht bei Carta.info schreibt. Während Besucher, die direkt auf Abendblatt.de einem Link zu einem Artikel folgen, zur Kasse gebeten werden, sind die Stücke für Google-Nutzer kostenfrei lesbar:

Die Hintertür ist, wie der Verlag bestätigt, ein Feature: Die Leser, die “vorne” bei abendblatt.de reinkommen, sollen ein Abo lösen. Zugleich soll der Traffic über Google nicht abgeschnitten werden. Es handele sich um den bewußten Einsatz eines “Der erste Klick ist entgeltfrei”-Modells (vgl. hier [via]).

Und ob man’s glaubt oder nicht, diese besonders kreative Form der Leserverar^H^H bindung wird von Google im Rahmen des “Der erste Klick ist entgeltfrei”-Modells tatsächlich unterstützt. Und ich kleines Dummerchen hatte doch tatsächlich gedacht, dass “Cloaking” nach wie vor zu einem Ausschluss aus den Suchergebnislisten (SERPS) führe.

Reposted bylit lit
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