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June 25 2013

Netzneutralität: EU-Parlamentarier drängeln

Während sich in Deutschland die Bundestags-Ausschüsse mit dem Thema Netzneutralität beschäftigen, wartet das Europäische Parlament auf das „Go“ der Europäischen Kommission in Form einer entsprechenden Initiative, wie man sie von Kommissarin Neelie Kroes seit längerem erwartet.

Eine solche würde bei vielen Parlamentariern mit offenen Armen empfangen werden. Erst Anfang Juni wurde das nochmals deutlich, als bei einer gemeinsamen Veranstaltung die Liberale Marietje Schaake, die Konservative Sabine Verheyen und die Piratin Amelia Andersdotter sich weitgehend einig zu sein schienen, dass die Kommission nun endlich vorlegen sollte.

In der nationalen Diskussion spalten sich die Meinungen an der Frage, ob ein Gesetz benötigt wird, um Netzneutralität zu garantieren, oder ob eine Verordnung nach § 41a Abs. 1 TKG ausreicht. Und auch auf EU-Ebene sind zwei Ansätze möglich, mit der die Kommission beim Thema Netzneutralität langsam mal ein wenig konkreter werden könnte, wie Emilio de Capitani bei der Paneldiskussion erläuterte. Abgesehen von einer Gesetzesinitiative ist das ein Vorgehen gemäß Artikel 19 Absatz 2 der Richtlinie 2002/21/EG über einen gemeinsamen Rechtsrahmen für elektronische Kommunikationsnetze und -dienste (Rahmenrichtlinie), in dem es heißt:

Stellt die Kommission fest, dass auf nationaler Ebene abweichende Rechtsvorschriften zur Umsetzung von Artikel 10 Absatz 4 ein Hindernis für den Binnenmarkt darstellen, so kann sie gemäß dem in Artikel 22 Absatz 3 genannten Verfahren die geeigneten technischen Durchführungsmaßnahmen treffen.

Der genannte Artikel 10, Absatz 4 ließt sich folgendermaßen:

Die Mitgliedstaaten unterstützen die Vereinheitlichung der Zuweisung von Nummerierungsressourcen in der Gemeinschaft, wenn dies notwendig ist, um die Entwicklung europaweiter Dienste zu fördern. Die Kommission kann gemäß dem in Artikel 22 Absatz 3 genannten Verfahren in dieser Frage geeignete technische Umsetzungsmaßnahmen beschließen.

Solange weder das eine noch das andere vorankommt, vertreibt sich ein Teil des Parlaments die Zeit damit, Netzneutralität an anderen Stellen im politischen Prozess einzufordern. So heißt es in der ohne Gegenstimme angenommenen Stellungnahme des Binnenmarkt- und Verbraucherschutzausschusses (IMCO) zum Thema Cloud Computing in Europa:

[Der Ausschuss] fordert die Kommission auf, dafür zu sorgen, dass geschäftliche Vereinbarungen zwischen Betreibern von Telekommunikationsdiensten und Cloud-Anbietern die Rechtsvorschriften der EU im Bereich des Wettbewerbsrechts uneingeschränkt erfüllen und den uneingeschränkten Zugang der Verbraucher zu Cloud-Diensten über den Zugang jedes Betreibers von Telekommunikationsdiensten zum Internet ermöglichen;

Nach Ansicht der Ausschussmitglieder hat fehlende Netzneutralität eine lähmende Wirkung auf potentielle europäische Cloud-Diensteanbieter.

Heute zwischen 10 und 11h werden nochmals Sabine Verheyen (CDU) und Josef Weidenholzer (SPÖ) im Rahmen eines gemeinsamen Pressefrühstücks mit Leonhard Dobusch auf das Thema eingehen. Letzterer wird einen Vortrag zur “Ökonomie der Netzneutralität“ halten; weitere Informationen dazu hier.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

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May 13 2011

Dropbox hat wohl die Nutzer belogen, was die Sicherheit betrifft

Dropbox ist ein beliebter Service mit rund 25 Millionen Nutzern, mit dessen Hilfe man Daten bequem in der Cloud speichern kann. Das ist praktisch, wenn man nicht alles auf der eigenen Festplatte ablegen möchte, und z.B. dezentral von verschiedenen Rechnern darauf zugreifen möchte. Ein weiteres Anwendungsszenario ist Filesharing, da man Ordner mit anderen Nutzern teilen kann. Bisher erklärte Dropbox immer, dass die Daten gut verschlüsselt sind und Dropbox-Mitarbeiter nicht sehen können, was die Nutzer speichern. Das war natürlich eine vertrauensbildende Maßnahme, wer möchte schon einen Dienst nutzen, wo man vielleicht sensible Daten auf eine Festplatte in der Clound hochlädt, und fremde Menschen darin rumstöbern können. Nun, das mit der Verschlüsselung war wohl eine Lüge, wie das Wired-Blog Threat-Level berichtet: Dropbox Lied to Users about Data Security, Complaint to FTC Alleges. Vor kurzem wurde die Webseite geändert.

Up until April 13, the site promised this: “Dropbox employees aren’t able to access user files, and when troubleshooting an account, they only have access to file metadata (filenames, file sizes, etc. not the file contents).”
Now the site says “Dropbox employees are prohibited from viewing the content of files you store in your Dropboxaccount, and are only permitted to view file metadata (e.g., file names and locations).”

Dropbox checkt wohl bei jedem Upload mit einem Hash, ob jemand anderes schonmal dieselbe Datei hochgeladen hat. Gleichzeitig liegen die Schlüssel bei Dropbox und nicht beim Nutzer. Der Wissenschaftler Christopher Soghoian hat jetzt eine Beschwerde bei der FCC eingereicht, wo er seine Analyse näher beschreibt (PDF) und Dropbox der Lüge bezichtigt.

Mittlerweile weist Dropbox daraufhin, dass man ab und an auch aus rechtlichen Gründen auf die Daten zugreifen muss:

Like most online services, we have a small number of employees who must be able to access user data for the reasons stated in our privacy policy (e.g., when legally required to do so). But that’s the rare exception, not the rule. We have strict policy and technical access controls that prohibit employee access except in these rare circumstances. In addition, we employ a number of physical and electronic security measures to protect user information from unauthorized access.

Über die Backdoor-Funktion bei Dropbox mit dem neuen Feature des Behördenzugangs hatten wir bereits vor einem Monat berichtet. Was ist aber nun von einem Anbieter zu halten, der offensichtlich seine Kunden belogen hat? Auch wenn der Service noch so praktisch ist, kann man dem Anbieter noch vertrauen?

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August 24 2010

Ungelöste Probleme: Wenn Daten in der Cloud verschwinden

Christiane Schulzki-Haddouti hat im Kulturkampf-Blog auf zeit.de über die Probleme mit der Regulierung von Cloud-Computing gebloggt: “Wenn Daten in der Cloud verschwinden”.

Am Beispiel von Google und seinen international verteilten Rechenzentren beschreibt sie Fragestellungen, die nicht so einfach zu beantworten sind:

Fraglich ist zudem, ob europäische Nutzer den ihnen auf dem Papier gewährten Datenschutz mit allen Konsequenzen einfordern könnten. Würden die bestehenden Abkommen dies in der Praxis tragen? Daraus ergeben sich zahlreiche, bislang ungeklärte Fragen: Unter welcher Jurisdiktion werden Daten von deutschen Privatpersonen und Unternehmen verarbeitet, die Google Docs verwenden? Welches Recht gilt, wenn ausländische Strafverfolgungsbehörden oder gar Geheimdienste von ihren territorialen Rechten Gebrauch machen und auf die Daten aus irgendeinem Grund zugreifen wollen? Transferiert Google die Daten dann schnell in den Bereich einer anderen Jurisdiktion oder gewährt es, den nationalen Gesetzen entsprechend, Zugriff?

Konsequenterweise müssten die Vereinten Nationen hier eine Lösung schaffen, was allerdings (zumindest mittelfristig) noch unrealistischer ist, als das Safe-Harbour-Abkommen mit den USA auf EU-Ebene neu zu verhandeln.

Reposted bymondkroetecoloredgrayscale

February 11 2010

Jonathan Zittrain über Crowdsourcing und Cloud-Computing

Schöner Vortrag von Jonathan Zittrain über Crowdsourcing und Cloud-Computing: “Minds for Sale”.

A new range of projects is making the application of human brainpower as purchasable over the cloud as additional server rackspace. Jonathan Zittrain, Professor of Law and co-founder of the Berkman Center for Internet & Society at Harvard, dives into the ethics and issues surrounding cloud labor in this talk from the Berkman West reception at the Computer History Museum in Mountain View, California on November 18, 2009.

Sehr schön ist die Möglichkeit, bei Youtube direkt auf einzelne Punkte zu klicken. Die Funktion kannte ich noch nicht:

INDEX
0:00 Open
1:47 West Coast vs East Coast
2:05 Ubiquitous Human Computing or “Minds for Sale”
2:32 The Tween Bot
4:14 Crowdsourcing “The Future of the Internet”
7:36 A tour of the Ubiquitous Human Computing pyramid
8:37 Example 1: The X-Prize
10:24 Example 2: Innocentive
12:08 Example 3: LiveOps
15:43 Example 4: SamaSource
16:16 Example 5: Amazon’s Mechanical Turk
20:13 Example 6: The ESP Game
22:47 Example 7: Human Computing for Electronic Design Automation
24:01 Example 8: Google
25:24 Why Should We be Pessimistic?
26:38 Child Labor on PBS
28:11 Laboring for a Devious Cause
29:23 US Border Webcams
30:05 Smart Drive
30:45 Internet Eyes
32:09 Identifying Protesters
33:21 A Speculative Example
35:05 Mechanical Turking your way to a Fake Reputation
39:36 Mechanical Turking your way to a Political Movement
41:20 Captchas Sweatshops
43:03 “Crowding Out”
44:41 The Future of Crowdsourcing and How to Stop It
47:14 Clickworkers of the World Unite!
50:45 Monetizing Kindness
52:25 Q&As

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