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February 15 2012

Verlag verschenkt eBook – und wird abgemahnt

Wieviel ist ein eBook eigentlich wert? Schließlich erwirbt man mit der digitalen Literatur ja keinen materiellen Gegenstand, und auch der Weiterverkauf des Buches ist meist nicht möglich. Durch ein Experiment wollte der Berliner Verlag “Berlin Story” darauf eine Antwort finden.

Als der Verlag sich deshalb entschied, sein eBook “Der Letzte macht das Licht aus…” kostenlos im Internet anzubieten und die Leser lediglich zu Spenden nach eigenem Ermessen aufforderte, hatte man eigentlich nichts Böses im Sinn. 200 Downloads in einer Woche waren ein klarer Erfolg für den kleinen Verlag, es gab keine Beschwerden. Bis ein Abmahnschreiben eines Rechtsanwaltes eintraf.

In diesem wurde der Inhaber des Verlages aufgefordert, den kostenlosen Vertrieb des Buches einzustellen, da eBooks als Buchsubstitute nicht von der Buchpreisbindung ausgenommen seien. Außerdem seien Buchhändler generell verpflichtet, den Preis eines Buches anzugeben.

Auch wenn er der Abmahnung Folge geleistet und das Buch offline genommen hat, nimmt Verlagschef Enno Lenze in seinem Blog Stellung: Er werde nie verstehen, warum ein Erstkontakt mit Interessenvertretern über einen Anwalt laufen müsse. Außerdem würden sich langfristig Flatrate-Modelle durchsetzen, auch wenn Verleger auf veralteten Geschäftsmodellen verharrten.

In Deutschland gibt es keine Revolution, weil das Betreten des Rasens verboten ist!

Angeblich liegt dem Verlagsinhaber schon ein Angebot vor, das eBook in Uruguay (ohne Buchpreisbindung) gegen Spenden zum Download anzubieten.

Reposted byreturn1302mydafsoup-01krekkIrrbertmadgyver

February 07 2010

Helene Hegemann: Remix-Meisterwerk oder postmoderner Plagiarismus? (Update: Jetzt auch mit Inhalt)

Normalerweise finden wir Remixe hier bei Netzpolitik.org total prima. Ein bestehendes Werk zu nehmen und aus ihm etwas Neues zu schaffen, zeugt nicht nur von Kreativität und macht Spaß, sondern ist – im Idealfall – auch intellektuell bereichernd. Und zwar für Urheber und Rezipienten gleichermaßen. Auch der Gedanke, dass unsere Kultur aus Diskursen und fragmentarischer Reproduktion besteht, ist dabei alles andere als neu oder revolutionär. Das Konzept (des Remixes) ist schlicht ein basales Element unserer kulturellen Identität.

Warum ich derartige Banalitäten trotzdem aufschreibe? Um eine halbwegs kulturtheoretische Einleitung für meine sonntägliche Leseempfehlung zu haben. Und zwar für “Axolotl Roadkill: Alles nur geklaut?” von Deef Pirmasens (Bitte auch die spannende Diskussion in den Kommentaren lesen!).

Kurz zum Hintergrund, für alle, die die aktuellen Debatten der gehobenen Literaturkritik nicht verfolgen. Helene Hegemann gilt mit ihren 17 Jahren als Wunderkind der neuen deutschen Literatur. Ihr Debütroman, der nach einem mexikanischen Lurch benannt ist (Danke, Lukas!) wird derzeit von den Feuilletonisten des Landes gefeiert, wie sonst allenfalls ein deutscher Papst von der Bild-Zeitung.

Ok, das alles wäre seit dem wahnwitzigen Hype um Charlotte Roches “Feuchtgebiete” nicht weiter erwähnenswert, stünde nicht ein böser Vorwurf im Raum. Hegemann soll sich für ihr Erstlingswerk bei so ziemlich Allem bedient haben, was man an popkulturellen Artefakten auf den Monitor bekommen kann (Ja, sie thematisiert das Remixen auch selber).

Zum Nachweis führt Deef exemplarisch einige fast wörtlich übernommene Passagen aus einem Buch des Berliner Bloggers Airen an. Das Problem: Credits bekommt Airen – im Gegensatz zu anderen Textspendern – zumindest in der ersten Auflage von Hegemanns Erfolgsbuch keine. Und spätestens das finden auch wir hier bei Netzpolitik.org ziemlich doof. Remix hin oder her.

Aber lest selbst.

Update, 07.02.: Hegemann und ihr Verlag entschuldigen sich.

(Die erste Version dieses Beitrags ging zwischen Ecto und Server verloren. Sorry.)

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